…..denn ohne dass er etwas Böses getan hätte,
wurde er eines Morgens verhaftet.“

Was hier der hochberühmte Schriftsteller K. seinem Protagonisten Josef K. erleiden liess [3], transferiert die junge, in Berlin geborene Autorin Julia Rothenburg [1] für ihre Hauptperson K, die in ihrem Roman jedoch einen vollständigen Namen führt, welcher Koslik lautet, in einen anderes, aber ebenso unangreifbar scheinendes, im Dunkeln und anonym wirkendes System als das der Justiz: sie liefert den um die vierzig Jahre alten René Koslik dem deutschen Gesundheitssystem aus. Denn ohne dass dieser etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens von Schwindel erfasst, von Taubheit in den Beinen gar und anderen Malaisen, von einer Symptomatik also, die er sofort mit einem möglicherweise erlittenen Schlaganfall in Verbindung brachte und durchaus logisch und berechtigt suchte Koslik die ‚Stroke Unit‘ des Universitätskrankenhauses seiner Wohnstadt Freiburg [2] auf.

Dort also ist er jetzt und verläßt dieses während des kammerartig aufgebauten Stückes, das Rothenburg ablaufen läßt, aus – wie ihm erläutert wird – Versicherungsgründen nur sehr sporadisch und erst am Schluss des Romans endgültig: das Krankenhaus mit seinen freiheitsbeschränkenden Randbedingungen fungiert für ihn als eine Art Gefängnis, in das sich Koslik jedoch nahezu freiwillig fügt. Selbst eine im Verlauf des Aufenthalts sich ergebende ‚Flucht’möglichkeit (ein Versäumnis der Klinikplanung, was ist hier eigentlich mit der dräuenden Gefahr eines immer möglichen Haftpflichtfalles?) wird er nicht nutzen. Wie ein Gefängnis tritt das Haus auch in Erscheinung: grau ist die vorherrschende Farbe, quietschende Linoleumböden, endlose Flure und Gänge, in denen sich der Einzelne verloren fühlt, billiges, schäbiges Plastikmobiliar [2]. Selbst der Himmel über Freiburg betrübt häufig durch dieses farblose Grauen. Die Pfleger und Schwestern, aber auch die Ärzte, kommen ähnlich farb- und konturlos daher, die Hierarchie dieses Ortes jedoch ist klar und unangreifbar: die Funktion des Patienten ist der Gehorsam und die Fügsamkeit unter das System.

Auf seinem Weg durch das Krankenhauslabyrinth quert Koslik die Wege anderer Mitpatienten: Friese, der bewegungsunfähig in seinem Bett liegt und sein Leid zu dulden hat, inclusive der später einsetzenden Ernährung mit der PEG; Bude, der Rheinländer mit dem aus dem tiefem Grund seines Leibes hinaufrollenden Lachen, das ihm aber im Lauf der Tage vergeht, bis er für Koslik unsichtbar und aus Datenschutzgründen vom Personal nicht erläuterbar, einfach nicht mehr da ist.

Wirklich kritisch für Koslik ist dagegen ein anderer Patient, auf den er unvermutet trifft, bzw. der ihn trifft, denn Koslik selbst wäre ihm wahrscheinlich aus dem Weg gegangen, hätte dies in seinen Möglichkeiten gelegen. Frank, ein Kommilitone aus noch gar nicht so lange zurückliegenden Studienzeiten. Das Verhältnis mit Frank, dessen Charakter so ganz anders ist als der des eher introvertierten und sich abschottenden Koslik, ist gespannt, es hat Ereignisse gegeben, die die damalige Freundschaft belasteten. Marlies ist eine dieser Belastungen, Marlies, Ex-Freundin von Koslik, die plötzlich im Krankenhaus auftaucht – als Besuch von Frank…

Diese Koslik bis ins Innere belastenden Begegnungen sind nicht die einzigen Herausforderungen, denen er sich im Lauf seinen Aufenthalts stellen muss. Da ist noch die Familie, beziehungsweise die Mutter und zwei Schwestern, auch diese müssen informiert werden, eine Aufgabe, vor der sich Koslik am liebsten drücken würde, aber er braucht ein paar Sachen zum Anziehen und hat sonst niemanden… Zwar ist das Verhältnis zur einen Schwester nicht wirklich gut, zur Mutter erst recht nicht, aber es sind eben Schwester und Mutter, das verpflichtet.

Auf seiner Arbeitsstelle, der VHS, hinterläßt er nur eine Nachricht auf dem Anfrufbeantworter. Bei einem späteren Gespräch erfährt man, daß man ihm alles Gute wünscht, natürlich, des weiteren, daß seine Kurse aber problemlos von einem Kollegen übernommen worden sind.


Rothenburg schildert die klaustrophobe Situation in diesem Krankenhaus ihres Romans mit beängstigender Intensität. Ob verschuldet oder nicht verschuldet, sprich, ob krank oder nicht krank: wer hier eingeliefert ist, hat seiner Entmündigung zugestimmt. So ist auch bei Koslik schnell klar, daß er gesund ist beziehungsweise keine Ursache für seine sowieso schnell wieder abgeklungenen Symptome gefunden werden konnte, daß man aber zur Sicherheit weitere Diagnosen abwarten müsse, frei nach dem Motto: wenn wir nur tief genug graben, werden wir etwas finden. Diese suggestive Kraft (wer will nicht gesund sein und alles dafür tun?) ist – unabhängig davon, daß die Ärzte in ihrem Machtbewusstsein ohne Rücksprache mit Koslik (er ist im Grund als Mensch völlig überflüssig, sondern nur Objekt weiterer diognostischer Möglichkeit wichtig) einfach anordnen, so stark, daß Koslik sich in kürzester Zeit tatsächlich krank fühlt, seinen Herzschlag aufs Genaueste beobachtet, die Schwäche der Beine, wenn er läuft, wahrnimmt, und überhaupt – dieses schlappe Gefühl und das Bedürfnis nach Schlaf… bald scheint Koslik bereit, die schlimmste Diagnose bereitwillig zu vermuten, giert geradezu danach, durch weitere Untersuchungen abzuklären: Langzeit-EKG, Herzecho, MRT… sein Aufenthalt zieht sich hin, denn hinter den Kulissen des Krankenhauses läuft es nicht rund, treten Fehler auf, die Zeit kosten. Die er dann herumbringen muss, mit sinnlosen Spaziergängen, im Aufenthaltsraum, der die Gefahr birgt, Frank zu begegnen, im Zimmer dösend und schlafend, langsam zu einem Teil des Graus werdend, das ihn umgibt.

Sich ganz aus den Zwängen der äußeren Lebenssituation herausgelöst findend, arbeiten sich in Koslik die verdrängten Probleme seines Lebens langsam an die Oberfläche. Hat nicht die eine Frau im Speisesaal, eine Maltherapeutin, darüber geredet, Krankheiten wären die Antwort des Körpers auf solche verdrängten Probleme? Bei Koslik jedenfalls tauchen sie auf, diese längst vergangenen Ereignisse und brechen sich Bahn nach außen. In dieser Hinsicht gleicht das Krankenhaus einer Art Meditation, in dem der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen wird, sich selbst in den Mittelpunkt seiner Achtsamkeit stellt und dem Un(ter)bewussten keine Schranke mehr auferlegt wird. Dementsprechend kräftig sind die Verwerfungen, die diese Bilder und Erinnerungen in Koslik hervorrufen.


Koslik ist krank ist ein beeindruckend intensiver Text einer jungen Autorin, die Kafkas Plot des Prozesses, in dem ein Mann einer anonym agierenden Macht unterworfen wird und sich ihr selbst unterwirft, in die Neuzeit und in eine neue Situation transferiert, in der sie ihren Protagonisten quasi zwingt, sich grüblerisch einer Selbsterforschung auszusetzen. Das Stück ist klaustrophob, vielschichtig, beängstigend und was die Krankenhaussituation betrifft, sogar ein wenig dystopisch; es läßt sehr auf weitere Werke der Autorin gespannt sein.

Links und Anmerkungen:

[1] im Internet ist über die Autorin noch nicht so viel zu erfahren, aber es gibt eine Facebook-Seite:
https://www.facebook.com/julia1rot und die Webseite der Autorin selbst:  https://www.juliarothenburg.de/jr/
[2] https://www.juliarothenburg.de/aktuelles/
in der Bildergalerie ist das von Rothenburg geschilderte triste Ambiente dieses ungastlichen Ortes schön zu erkennen….
[3] Franz Kafka: Der Prozess; Besprechung hier im Blog:
https://radiergummi.wordpress.com/2010/12/19/franz-kafka-der-prozess/

Julia Rothenburg
Koslik ist krank
diese Ausgabe: FVA, HC, ca. 256 S., 2017

Ich danke dem Verlag für die Überlassung eines Leseexemplars.

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Anfang Juli 1863 tobte in der pennsylvanischen Kleinstadt Gettysburg eine der blutigsten Schlachten des amerikanischen Bürgerkriegs. Sie forderte um die fünfzigtausend (andere nennen höhere Zahlen, dies ist jedoch die im Roman kolportierte) Opfer, endete mit einer Niederlage der Konföderierten Armee und wird als einer der Wendepunkte dieses Bürgerkriegs angesehen.

Jede Zeit hat ihre Waffen, jede Waffe hat die ihr eigene Grausamkeit. Entsprechend sind die Art der Verletzungen, an denen die Menschen sterben – oder auch nicht, wenn sie ihre Verwundungen als Krüppel überleben. Stichwunden durch Bajonette, vom Säbel abgeschlagene Hände, Arme, Beine, Köpfe: der Boden war schnell so sehr vom Blut getränkt, daß er nichts mehr aufnehmen konnte, die Luft roch nach Eisen von all dem Blut…. die relativ neuen Minie-Waffen/Geschosse rissen fürchterliche Wunden, die Kampftaktik der Heere hatte sich an die entscheidend ver’besserte‘ Waffentechnik (Zielgenauigkeit, Reichweite) noch nicht angepasst….

In dieses Szenario stellt der amerikanische Autor Robert Olmstead [1] seine Geschichte vom vierzehnjährigen Robey Childs, der mit seiner Mutter auf einer einsamen Farm in Virginia lebt, der Vater ist im Krieg. Im Mai 1863 erfährt die Mutter vom Tod Thomas Jacksons [2], einem der fähigsten Männer General Lees, für sie damit der Krieg verloren: Es ist vorbei. … Es hat keinen Sinn mehr. … Es war ein Fehler….,  und sie schickt ihren Sohn aus, den Vater nach Hause zu holen, spätestens im Juli solle er zurück sein.

In seinem Alter, mit vierzehn Jahren, sei er alt genug zum Sterben, deswegen kann er diesen gefährlichen Weg jetzt gehen. Beladen mit Ratschlägen der Mutter (Trau‘ niemanden / Überleg‘ nicht lang, du musst als erster schießen / Wenn man der Gefahr ins Auge schaut, zieht sie an einem vorbei / Versprich, daß du zurückkommst), verabschiedet mit einer der seltenen Zärtlichkeiten, die sich die Mutter erlaubt, reitet der Junge noch in der Nacht los, vielleicht hat er die Prophezeiung der Mutter noch im Ohr: Dann sagte sie, daß es Männer gebe, welche die Erde, das Wasser und die Luft mit Schrecken erfüllten, und er würde diesen Männern auf seiner Reise begegnen, und sein Vater sei einer von ihnen. … vielleicht werde auch er eines Tages einer von ihnen sein. 

Sein Pferd ist schon nach der ersten Nacht durch das noch vom weichenden Winter vereiste Tal so am Huf verletzt, daß er es im Tal beim Krämer zurücklassen muss. Der Krämer jedoch hat ein herrenloses Pferd, einen prächtigen Rappen, den er dem Jungen leiht. Dieses Pferd zeigt bald fast mystische Eigenschaften, findet den Weg allein, geht bei Begegnungen mit andern in Deckung… so kann der Junge fast Tag und Nacht reiten, lernt im Sattel zu schlafen. (Man kann in diesen Wechsel des Pferdes, zu dem Robey gezwungen ist, einiges hineininterpretieren, wenn man sich aus der Mythologie (s.u.) bekannte Rappen vor Augen hält.)

Es ist eine Reise in die Hölle, die Robey unternimmt. Sein Weg kreuzt sich mit dem von Männern, die gefährlich sind, mit Sklavenjägern, die entlaufene Sklaven wieder gen Süden treiben. Durch eine Unvorsichtigkeit läßt sich Robey das Pferd stehlen, er selbst kommt noch einmal mit dem Leben davon. Es ist eine Lektion, die er hier lernt, die er noch oft anwenden kann, es ist das, was ihm die Mutter mitgab: Schieß‘ als Erster! Aber noch ist er ein Junge, fühlt sich hilflos, muss beispielsweise der Vergewaltigung eines jungen Mädchens zuschauen, weil er sich ohnmächtig fühlt, einzugreifen…

Er gerät in Gefangenschaft, viele Tage sind schon vergangen, der Juli, in dem er eigentlich wieder zuhause sein sollte mit dem Vater, ist da und noch immer hat er den Vater nicht gefunden. Eine Spur des des ihm gestohlenen Rappen  jedoch hat sich aufgetan, als plötzlich die Schlacht in der kleinen Stadt beginnt…

So wird aus dem Jungen ein Mann nicht dadurch, daß er das Leben kennen lernt, sondern durch die Bekanntschaft mit dem Tod, in einer Zeit, in der Menschen getötet werden, einzig aus dem Grund, weil sie leben. Weder der Tod schreckt den Jungen nach kurzer Zeit, noch die Schreie der Verwundeten, die Tränen der Trauernden sowenig wie der Gestank der Verwesung und erst recht nicht die Fledderer, die die Landschaft durchkämmen, um die Toten auszurauben und ebenso die, die noch nicht ganz tot sind…

.. unter diesen findet Robey schließlich auch seinen Vater und er spürt, daß er es jetzt ist oder bald sein wird, auf den die Rolle des Vaters übergehen wird, so wie sie seit Urzeiten von einer Generation an die nachfolgende übergeben wird…. und noch jemanden hat Robey in dieser menschengemachten Hölle getroffen: das Mädchen, dem er damals nicht helfen konnte….

Sie reiten nachts und verstecken sich am Tag, kommen nach Tagen, nach vielen Tagen, auf die Farm zur Mutter zurück. Robey ist ein Mann geworden, ein Mann, der das Töten gesehen und gelernt hat und der das Leben der ihm jetzt Anvertrauten mit aller Konsequenz verteidigt. Das Reden gehört nicht dazu, es ist beeindruckend, wie Olmstead seine Figur in eine Wortkargheit und Lakonie packt, die der Kargheit der Landschaft entspricht. Was getan werden muss, muss getan werden und über das, was offensichtlich ist, muss man nicht weiter reden. Ein Baum ist ein Baum ist ein Baum… und ein Mann ist ein Mann ist ein Mann.


Der amerikanische Bürgerkrieg, der vor jetzt gut einhundertfünfzig Jahren tobte, ist uns wahrscheinlich allen nur wenig präsent. Man weiß natürlich um ihn, hat auch ein paar Namen im Gedächtnis, Gettysburg eben, Lincoln, General Lee (dessen Namen ja ganz aktuell wieder in den Nachrichten aufgetaucht ist und der im Zusammenhang der Ereignisse zeigt, daß der Bürgerkrieg in gewissem Sinn immer noch nicht vorbei ist, sondern in den Seelen einiger Menschen immer noch sein Unwesen treibt), aber dann? Omstead kommt durch seinen Roman das Verdienst zu, uns in seinen Schilderungen an die unfassbare Grausamkeit des Kampfes und die fast noch unfassbarere Verrohung der Menschen in diesen bzw. solchen Schlachten zu erinnern. Unter diesem Gesichtspunkt ist Der Glanzrappe ein blutgetränktes Buch, so wie damals die Bäche tagelang rot eingefärbt waren. Nun ist der Roman aber keineswegs ein Roman über den Bürgerkrieg,ein historischer Roman also, dieser Krieg ist vielmehr eine eher grausame Kulisse, in der Olmstead die Frage beantwortet, was mit einem jungen Menschen geschehen kann, der durch diese (oder verallgemeinert: eine solche) Hölle gehen muss.

An Robey zerren die Kräfte der Natur, die ihn mit seinen vierzehn Jahren in der Pubertät gepackt haben. Er ist also auf dem Absprung von der Kindheit (die in diesen Zeit eh nicht so ausgeprägt war wie in den unsrigen) zum Mann und das Prägende in diesem Übergang ist die Gewalt, das Töten und das Getötet werden. Das hat er verinnerlicht, so wie die prophetischen Worte der Mutter es bei seinem Abschied vorausgesagt hatten.

Auch der titelgebende Glanzrappe ist ein Symbol dafür: Hades, der griechische Gott der Unterwelt fuhr in einem von Rappen gezogenen Wagen, die isländische Mythologie kennt mit Hrimfaxi ebenfalls einen Rappen, der mit der Nacht, dem Dunklen, verbunden ist. So ist für Robey der Rappe ein mythischer Freund und Beschützer, und Robey selbst wird zu einer Figur der Dunkelheit, des Todes….


Besonders zu Beginn des Romans musste ich viel an einen anderen, großen amerikanischen Erzähler denken: an John Williams. Olmsteads Landschaftsbeschreibungen sind ähnlich poetisch, kommen mit ähnlich schönen Bildern und Stimmungszeichnungen daher; später, bei den Schilderungen der Kämpfe und Grausamkeiten wird die Sprache drastischer und deutlicher, verliert aber nie ihre Schönheit. Auch unter diesem Aspekt (obwohl der Titel auf den ersten Blick eher an einen Roman für pubertierende Mädchen denken läßt) ist Olmsteads Geschichtes des jungen Robey, der durch den Krieg erwachsen wird, daher eine Empfehlung wert.

Links und Anmerkungen:

[1] die sehr knappe Wiki-Seite zum Autoren:
https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Olmstead
[2] Wiki-Beiträge zum Sezessionskrieg:
– https://de.wikipedia.org/wiki/Sezessionskrieg
– https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Gettysburg
– https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Jonathan_Jackson

Robert Olmstead
Der Glanzrappe
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Jürgen Bauer und Edith Nerke
Originalausgabe: Coal Black Horse, 2007
diese Ausgabe: Eichborn (Die Andere Bibliothek Erfolgsausgabe), HC, ca. 260 S., 2009

The woman in white (1890), Cover
Bildquelle: [B]

Dieser Roman, dessen Erstveröffentlichung als Fortsetzungsroman 1860 erfolgte, stand Jahrzehnte bei mir als ungelesenes – und ich wage zu behaupten, seinerzeit ratlos in selbiges gestellte – Exemplar im Regal. Vielleicht brauchte ich als Leser einfach die vielen Jahre, um sozusagen ‚reif‘ zu werden… jedenfalls habe ich die letzte Zeit Spaß gewonnen an Büchern, deren Handlung im viktorianischen England angesiedelt ist und dazu gehört dieser Roman ganz zweifelsohne und unbestreitbar. Zudem begründet er ein Genre, er wird als einer der ersten Detektivromane angesehen, auch wenn die Hauptfigur des Walter Hartright [9] als Zeichenlehrer recht deutlich von dem abweicht, was man sich so als Detektiv vorstellt. Andererseits ist die Profession gar nicht so schlecht gewählt: ein Zeichner muss beobachten können und das kann Walter Hartright.

Man merkt dem Buch auch seine ursprüngliche Fassung als Fortsetzungsroman an: um die Leser bei der Stange zu halten (korrekterweise hätte ich wohl ‚Leserinnen‘ schreiben müssen, 1860 dürfte die Zahl von Männern, die Fortsetzungsromane gelesen haben, noch überschaubar gewesen sein), braucht es Spannung, braucht es Witz und Leichtigkeit, braucht es Dramatik, Tragik und die dazu passenden Figuren. All das bietet Die Frau in Weiß und in der deutschen Fassung, die ich gelesen habe kommt mir Arno Schmidt noch ein fantastischer Übersetzer hinzu, der nicht nur neue Wortkreationen in seinen Text einbaute (sonnenscheinte, submissirte….), sondern der auch die Stimmung des Textes in seiner Übersetzung eingefangen hat [4].


Worum geht es?

Besagter Walter Hartright ist Zeichenlehrer in London. In den Häusern, in denen er unterrichtet, ist er mit einem Professor Pesca bekannt geworden, einen nach England geflohenen (der Grund wird vom ansonsten redseligen Professor erst gegen Ende des Romans – und auch dann erst unter großer Not – enthüllt) Italiener mit beeindruckend kleinen Körpermaßen aber dem unbedingten Ehrgeiz, in jeder Beziehung zum echten Engländer zu werden. Diesem Pesca rettete Walter eines Tages das Leben, als dieser nämlich seine Schwimmkünste hoffnungslos überschätzend beim Bade im Meer unaufhaltsam dem Grund entgegensank. Die italienisch-temperamtentvoll überschäumende übergroße Dankbarkeit kann Pesca zu seiner Genugtuung ein wenig abtragen, als er eines Abends mit der Botschaft kommt, in der Provinz, in Cumberland, werde ein Zeichenlehrer gesucht. Die äußeren Bedingungen für diese Stellung sind excellent, trotzdem zögert Walter ein wenig, das allen verlockend erscheinende Angebot anzunehmen, kann aber letztlich keinen stichhaltigen Grund dafür nennen und gibt den Überredungsversuchen der Familie und Pescas nach.

Johnson’s England and Wales (1862) Cumberland ist die nördlichste der violett eingefärbten Regionen

Am Abend vor der Abfahrt wandert er vom Landhaus seiner Mutter im Hampstead langsam zurück nach London, in seine Wohnung. Es ist nach Mitternacht und er erschrickt, als er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter spürt. Er dreht sich um und sieht eine junge Frau, die ganz in Weiß gekleidet ist. Sie bittet um Hilfe, verrät jedoch kaum etwas von sich… und das wenige, das Walter erfährt, verblüfft ihn, ja, mehr als das: diese Frau erwähnt ihre glückliche Kindheit, die sie zum Teil in dem Haus verbracht hat, in das Walter morgen reisen wird….. Walter hält sein Versprechen, bedrängt die Frau nicht mit Fragen, setzt sie, in der Stadt angekommen, in eine Kutsche und läßt sie fahren. Kurz darauf kommt in großer Eile eine weitere Kutsche mit Männer auf der Suche nach einer in weiß gekleideten Frau, die aus einem Sanatorium geflüchtet ist….

Szenenwechsel: Zwar mit Verspätung, aber doch erreicht Walter Limmeridge House in Cumberland, lernt dort die Halbschwestern und zukünftigen Schülerinnen Marian Halcomb und Laura Fairlie kennen sowie deren Onkel Sir Frederick Fairlie, Esqu., die alte Gouvernante und diverse Diener. Laura ist blond und schön, Marian (nach eigenem Bekunden) brünett und häßlich (wobei sich dieses ‚Häßliche‘ nur auf das Gesicht bezieht, Walter, der sie beim Eintreten in den Raum zuerst von hinten sieht (Marian schaut ohne ihn zu bemerken aus einem der Fenster), ist von diesem Anblick entzückt..). Marian ist die erste Person, auf die Walter (außer dem Diener) am nächsten Morgen trifft, sie gibt ihm beim Frühstück eine sehr launige, amüsante Einführung in die Verhältnisse auf Limmeridge House… ihr gegenüber erwähnt Walter auch diese seltsame Begegnung am Vorabend seines Reisetages, woraufhin Marian verspricht, die alten Briefe der Mutter, die Lehrerin an der Schule war, an ihren Mann durchzuschauen, sei sei sicher, wenn das was wäre, stünde es in einem der Briefe…

…. und in der Tat, in einem der letzten Briefe, die Marian noch zu lesen hatte, berichtete die Mutter ihrem Mann von einer Frau, die mit ihrem süßen, aber in der Entwicklung etwas zurück gebliebenen Kind namens Anne Catherick aus familiären Gründen in das Dorf gekommen ist, und sie erzählt, das sie sich ein wenig um das Kind kümmerte. Unter anderem kleidete sie es neu ein, ganz in weiß…. es ist genau dies der Moment des Berichts von Marian an Walter, in dem die Schwester Laura, ganz in Weiß gekleidet, von außen durch das Fenster auf die beiden schaut und Walter eine frappierende Ähnlichkeit erkennt mit der Unbekannten, die er in London getroffen hatte.

Das ist in etwa die Ausgangsituation, die sich in den ersten knapp 100 Seiten ergibt. Aber keine Angst, ich werde nicht so ausführlich weiter schreiben, diese Ausführungen waren jedoch notwendig, um herauszuarbeiten, um was es im Roman geht: um die Identität dieser rätselhaften Frau in Weiß und um die Frage, was die Ähnlichkeit zwischen Laura und dieser Frau bedeutet: mit anderen Worten, es geht um das Schicksal der Personen, die wir bisher kennen gelernt haben, denn auch Walter ist direkt darin involviert, hat er sich doch – soviel sei verraten – schon sehr bald in Laura verliebt…

… ein unglückliches, zwar von beiden empfundenes, gottseidank jedoch nie ausgesprochenes Gefühl, denn die Hochzeit Lauras mit Sir Percival Glyde steht bevor. Und justament in diesem Augenblick wird ein anonymer Brief überbracht, der dunkle Andeutungen über den zukünftigen Ehemann Lauras enthält. Damit ist der Keim des Misstrauens gesät und obwohl sich der zukünftige Ehemann, der kurz darauf in Limmeridge House eintrifft, allem Anschein nach als tadellos höflich und bezüglich der gegen ihn im Raum stehenden Vorwürfe als ebenso auskunftsfreudig erweist, wandelt sich langsam aber sicher die Sympathie für ihn in Angst vor ihm… doch Laura fühlt sich durch ein dem Vater am Sterbebett gegebenes Versprechen gebunden, auch um den hohen Preis ihres ganzen, möglicherweise unglücklichen Lebens.

Man ahnt es, die Schicksale der beiden Frauen, Anne Catherick und Laura Fairlies, sind im tief Verborgenen miteinander verknüpft, die Szene, in der Walter Lauras Schwester Marian von seiner seltsamen Begegnung erzählt und Laura weiß gekleidet vor der großen Flügeltür erscheint, spricht Bände… und so handelt der ganze Roman, der einen Zeitraum von knapp zwei Jahren umfasst, davon, die Geheimnisse, die sich im Schicksal der beiden Frauen und in dem Sir Percivals verbergen, zu lüften, und das Leben Lauras, das nach der Hochzeit mit Sir Percival unglücklich zu nennen in der Tat ein heilloser Euphemismus wäre, zu retten und zum Glück zu führen….


Die Frau in Weiß ist ein voluminöser Roman von 295.000 Worten. Ich habe sie nicht selber gezählt, die Zahl wird von Vollmann genannt (wie auch immer er an diese Angabe gekommen ist) [8] und trotz dieses Umfangs ist das Buch in keiner Phase auch nur andeutungsweise langatmig. Dies hat, denke ich, mehrere Gründe. Sicherlich ist die Entstehungsgeschichte als Fortsetzungsroman einer davon (Die erste Folge des Romans erschien am 26. November in der von Charles Dickens (der mit Collins verschwippschwägert war) herausgegebenen Zeitschrift All the Year Round, (die online verfügbar ist und man sich daher das Vergnügen gönnen kann, das Original des Romans zu sichten [7]), die letzte Folge erschien dann am 25. August des Folgejahres. Der Autor musste also jeweils entsprechende Spannungsbögen aufbauen, die die Leserinnen bei der Stange hielten und auf die nächste Folge lauern ließen. Dies gelingt ihm ausgezeichnet, auch heutzutage mochte ich das Buch kaum aus der Hand legen.

Einfüh-rung des Protago-nisten in die von ihm doku-mentierte Geschichte [7]

Ferner bediente sich Collins eines Kunstgriffes: anstatt die Geschichte in Gänze von seiner Hauptfigur erzählen zu lassen oder von einem auktorialen Erzähler baut er seinen Roman wie eine Art Zeugenvernehmung vor Gericht auf: es kommen, wie er in seiner Einführung (siehe nebenstehende Abbildung) schreibt, jeweils die Personen zu Wort, die in der entsprechenden Situation am direktesten beteiligt und daher die glaubwürdigsten Berichterstatter waren. Diese Vorgehensweise macht den Text abwechslungsreich, da (zumindest in der Übersetzung) sich die individuellen Eigenheiten der jeweiligen Erzähler in ihrer Sprache niederschlagen. Das Geschehen ist aus der Rückschau geschildert, von daher ist zumindest eindeutig, daß die zentrale Figur des Walter Hartright alle Malaisen und Gefahren überlebt hat. Was für die wesentlichen Figuren des Buches nicht unbedingt gelten muss, beispielsweise erfahren wir im Lauf der Handlung davon, daß Laura Fairlie offensichtlich ihrer nervlichen Zerrüttung, die wohl zu einer Schwächung des Herzens geführt hat, erliegt. Ich kann mir förmlich vorstellen, wie sich in dieser Szene weiland jedwede Leserin in Tränenströmen gebadet wiederfand, auch ich dachte mir an dieser Stelle: ey, boay, kann doch wohl nich sein, ey, dat feine Mädchen jetz so apnippeln lassen… boay. dat ist man hart, ey. wenn dat man keine fehler is!: Ein weiteres Stilmittel Collins` also: das, was man heutzutage ‚Cliffhanger‘ nennt: man will, falsch: man muss einfach wissen, wie es weitergeht.

Ein Kampf des Guten gegen das Böse, David gegen Goliath, ein Duell, bei dem eine Partei eine geladene Waffe, die andere eine Erbsenpistole in der Hand hat…. ein lichtes Dreigestirn gegen den Fürsten der Hölle und das übrige Pack. Natürlich sind die Sympathien klar vergeben, aber gnadenlos führt Collins seine Figuren immer weiter in Unglück, läßt er die dunklen Mächte immer weiter vordringen, bis sie schier auf ganzer Linie triumphieren. Doch Walter nimmt den Kampf auf [6]…

Die Figurenzeichnung: zwar sind die Sympathien selbstsprechend auf Seiten der Guten, doch interessatnerweise sind weder Walter noch Laura meine Favoriten gewesen. Zu rein, zu engelhaft, zu wenig Makel wiesen auf, da waren andere interessanter: zuvördert ist hier natürlich auf Don Bosco.. ähhh den Conte Fosco zu verweisen, eine zwielichtige Figur, nach außen hin ein hochintelligenter, hochgebildeter, charismatischer Menschenverführer, aber unter dieser Oberfläche ein Schurke, das Mastermind hinter all den dunklen Plänen und Intrigen, die im Roman gesponnen werden. So dunkel-gefährlich er ist, eine Leidenschaft jedoch teile ich mit Don dem Conte: die Hinwendung zu Marian, von der ich ebenso wie er gefesselt wurde, eine Frau mit Mut, mit Intelligenz, mit Verantwortungsbewusstsein und auch Entscheidungsfreude; sicherlich eine Identifikationsfigur, ein Idol für viele der damaligen Leserinnen.

Im Roman jedoch ist die Welt noch in Ordnung, herrscht noch das Primat des Mannes, insofern spiegelt er die damalige Lebensumwelt. Laura beispielsweise dümpelt die ganze Handlung hindurch bis zum Ende auf dem Selbstständigkeitsniveau und mit dem Selbstbewusstsein eines Kindes herum, die Contessa ist ihrem Mann geradezu in Hörigkeit ergeben, ansonsten kommen als Frauenfiguren fast nur Dienstpersonal vor. Einzig die unsympathische Mutter Annes sticht heraus, die sich trotz widrigster Umstände Ansehen erkämpft hat, sie ist im Roman jedoch nur eine der Nebenfiguren, die Collins braucht, um der Handlung einen entscheidenden Impuls zu geben. Bleibt Marian als Hauptfigur, die ich vorstehend so herausgehoben habe. Aber auch sie ist immer wieder in einer selbst auferlegten Beschränkung gefangen, in der sie sich als Frau natürlicherweise sieht: selbst diese starke Persönlichkeit orientiert sich am Manne. Da ich aber nichts als eine Frau bin, und ergo zeitlebens verdammt zu Prüderie, Phlegma und Petticoats, ….. oder Er [i.e. der Conte Fosco] schmeichelt meiner Eitelkeit dadurch, daß er sich mit mir so ernst und verständig unterhält, als wäre ich ein Mann. Jawohl! sind Aussagen aus Marians Tagebuch, indes der Conte Fosco z.B. verkündet: … denn wir Beide [i.e. er und seine Frau] haben nur noch eine Meinung, und das ist die meine. 

Nicht alle Männer jedoch sind stark. Lauras Onkel Frederick beispielsweise ist eine Karikatur, möglicherweise des ganzen Adels: kränklich, wehleidig, hypochondrisch, selbstmitleidig, permanent unpässlich, unhöflich, ungerecht und was einem an ‚un-’s noch einfallen mag. So sehr man ihn auch durchschütteln möchte, so sorgt er für doch für manch heiteren Moment im Stück – er ist die komische Figur im Buch, wenngleich eine mit unheilvoller Machtbefugnis. Ein Beispiel für inhärenten Humor, den er in die Handlung trägt: Ihm wird die Zofe Lauras gemeldet. „Lady Glyde’s Zofe soll hereinkommen, Louis. – Halt! knarren die Schuhe?“ – Ich konnte nicht umhin, diese Frage zu stellen. Knarrendes Schuhwerk reicht hin, mich für den Rest des Tages zu ruinieren. .. Selbst meine Dulderkraft hat ihre Grenzen. … gleichfalls ist der ungeliebte Mann Lauras, Sir Percival Glyde auf seine Art ebenfalls schwach: böse, unbeherrscht, jähzornig und wenig weitschauend. Er kompensiert seine Schwäche durch Aggressivität, in der Nähe des Conte wird er von diesem meist erfolgreich geführt.

Last aber bei weiten not least ist es jedoch der gesamte Plot der Geschichte, die Collins erzählt: Tragik, Dramatik, Herz und Schmerz, Liebe und Verrat, Lug und Trug, Verbrechen und edelste Gesinnung: an nichts sparte der Autor und gegen Ende der Handlung kommt es sogar zu einer gewissen ‚Action‘: Alles spitzt sich zu auf die finale Auseinandersetzung!

In einem Roman von fast 300k Worten ist viel enthalten. So könnte man noch auf die immer wieder durchscheinende abfällige Meinung, die gegenüber Ausländern durchscheint (Nun habe ich Ausländern gegenüber prinzipiell Gefühle menschlicher Duldung in mir zu nähren gesucht. Unsere Segnungen und Vorzüge sind ihnen nun einmal nicht zuteil geworden, …. so die Haushälterin Sir Percivals), eingehen, andererseits gibt es ebenso selbstkritische Passagen über England, wie hier beispielsweise über die zeitgenössische Stadtplanung: Gibt es in den Ödnissen Arabiens wohl eine Sandwüste, inmitten der Ruinen Palästinas den Anblick einer Verlassenheit, der mit dem widerwärtigen Eindruck auf das Auge, der niederschlagenden Wirkung auf das menschliche Gemüt wetteifern kann, wie ihn ein englisches Landstädtchen in den ersten Anfängen seiner Entstehung, im Übergangsstadium zum Wohlstand, mühelos erzeugt? 

Gegen Ende des Romans gibt Collins seiner Leserinnenschaft dann noch einmal so richtig Zucker: …. erzähle ich auch diese ganze Geschichte mit veränderten Namen. klingt beinahe so, als wäre das alles – so oder so ähnlich – in realiter tatsächlich geschehen. Ein Geschehen, das so außergewöhnlich ist, daß Collins auch noch einen Ratschlag bereit hält und Walter Hartright zum Schluss ausrufen läßt: Welch eine Situation! Ich empfehle sie den knospenden Romanschreibern Englands. Ich offeriere sie als gänzlich neu, den ausgeschriebenen Dramatikern Frankreichs…

Es ist genug geschrieben und kann abschließend mit einem Wort gesagt werden: Die Frau in Weiß war für mich was den Inhalt angeht, ein riesiges Lesevergnügen, die Freude des Lesens beruhte jedoch ebenso auf der Art und Weise, wie Wilkie Collins das alles in Szene gesetzt hat und wie es mit Hilfe Arno Schmidt für uns in Deutschland in Worte gefasst wurde.

Links und Anmerkungen:

[1] in der Wiki zum Autoren:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilkie_Collins
es gibt aber auch eine Vielzahl von ‚Fan’seiten zu Collins, z.B. diese hier: https://wilkiecollins.de/index.php?m=&l=v&cont=start&s=a
[2] es ist nicht überraschend, daß das Internet voll ist mit Hinweisen zum Buch. Hier zwei  davon, einmal die unvermeidbare Wiki: http://www.wilkie-collins.info/books_woman_white.htm und ferner eine literaturkritische Analyse des Romans, auch schon etwas angejahrt, aber der Name des Verfassers erinnert mich an was: https://wilkiecollins.de/index.php?m=&l=1&cont=life&s=w&kapitel=5
[3] —
[4] es schweift zwar etwas ab und gehört zwar nicht direkt zum Thema, aber die Einstellung Schmidts zum Genre des Kriminalromans ist diese Abschweifung wert. Dieser Aufsatz bietet einen schönen Überblick: Jan Süselbeck: Gedankenspiele von Lust & Mord – Ein kurzes Profiling zur notorischen Krimiverachtung Arno Schmidts;  http://literaturkritik.de/id/8510
Sofern jemand den im Text erwähnten Essay Schmidt zur Frau in Weiß auftreiben kann, wäre ich für eine Info dankbar!
[5] interessanter Artikel zum 150. Geburtstag des Romans: https://www.theguardian.com/books/booksblog/2009/nov/26/woman-in-white-150-years-sensation
[6] darin ähnlich unkaputtbar wie diese Maus:  https://www.youtube.com/watch?v=scXdT4ObY9k
[7] http://onlinebooks.library.upenn.edu/webbin/serial?id=allyearround; hier der Link zum Romanbeginn: https://archive.org/stream/allyearround02dick#page/94/mode/2up/search/Collins
[8] Rolf Vollmann: Die wunderbaren Falschmünzer – Ein Romanverführer; Eichborn, 2004; S. 1046
[9] manchmal frage ich mich wirklich, ob die Menschen, die den Klappentext verzapfen, das Buch überhaupt aufgeschlagen haben. So heißt die Hauptfigur auf dem hinteren Umschlag William anstatt Walter, auch dessen Begegnung mit der Titelfigur wird ziemlich falsch wiedergegeben….

Bildquellen:

(i) Cover 1890: By Cover art 1889 Chatto & Windus yellowback [Public domain], via Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_woman_in_white_Cover_1890.jpg)
(ii) England Karte: Alvin Jewett Johnson [Public domain], via Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1862_Johnson_Map_of_England_and_Wales_-Geographicus-_England-johnson-1862.jpg#)

Wilkie Collins
Die Frau in Weiß
Übersetzt aus dem Englischen von Arno Schmidt
Originalausgabe: The Woman in White, erstveröffentlicht in: All the Year Round, 1859/60
diese Ausgabe: Fischer TB, ca. 870 S., limit. Sonderausgabe 1998

Jürgen Bauer ist ein junger österreichischer Autor, der mit Ein guter Mensch seinen mittlerweile dritten Roman vorgelegt hat [1, 2]. Es ist ein dystopischer Roman, der in einer nahen (?) Zukunft spielt (es werden noch fossile Betriebsmittel verwendet), in einem von Trockenheit gepeinigten Mitteleuropa, in dem Wasser ein kostbares Gut geworden ist, das rationiert und nach einem bestimmten Plan unter die Menschen verteilt wird.

Der Ort der Handlung liegt ‚dazwischen‘: im Norden ist es noch wasserreicher als hier, im ‚Süden‘ dagegen ist es noch trockener. So nehmen die Wanderungsbewegungen nicht wunder: viele der Bewohner haben sich nach Norden aufgemacht, vom Süden her rollt dagegen eine von Gerüchten über paradiesische Verhältnisse gespeiste Flüchtlingswelle in das trockene Land. Mit diesem Szenario, in dem sich kaum versteckt aktuelle politische Ereignisse niederschlagen, ist Bauers Roman auch der Versuch eines Kommentars zu diesen überregionalen Migrationsbewegungen, die durch eine Ungleichverteilung materieller Güter verbunden mit der Hoffung auf die Verbesserung der eigenen Verhältnisse ausgelöst wird.

Wir finden in Bauers Roman das wieder, was uns auch die Realität bietet: Mauern, Flüchtlingslager, Containerdörfer, Hoffnungslosigkeit, Verwahrlosung, Drogenkonsum, Aggressivität. Die Flüchtlinge sind die ersten, bei denen gekürzt wird, wenn die Zuteilungen mal wieder verknappt werden müssen, die ärztliche Versorgung ist schlecht, sie werden in den Lagern eingepfercht gehalten.

Die Hoffnungslosigkeit hat das Land fest im Griff, der Egoismus der Menschen nimmt zu, jeder denkt nur noch an sich, Neid herrscht und Misstrauen. Es dürstet, der Drang nach Wasser ist so allbeherrschend, daß Menschen (‚Die Durstigen‘) sich die Pulsadern aufschneiden, nur um ins Krankenhaus eingeliefert zu werden und dort zu Trinken zu erhalten, Tote sind keine Seltenheit. Rationierungen in der Strom- und Treibstoffversorgung tun ein Übriges zur Verschlimmerung der Lage. Und über allem die schier unerträgliche Hitze mit der gleissenden Sonne.

Inmitten dieser Zustände formiert sich mit ‚Die dritte Welle‘ im Land eine innere Protestbewegung aus jungen Leuten, die abstreiten, daß Wasser ein knappes Gut sei, die es im Gegenteil öffentlich für kindisch anmutende Spiele verschwenden und die so die herrschende Aggressivität unter den durstenden Menschen noch steigern.

Über alles herrscht das „Institut für Notfallbewirtschaftung“, das per Radio seine Parolen und Dekrete ex cathedra verkündet, ansonsten aber anonym und ohne Gesicht bleibt. Es ist wie eine unangreifbare Macht, die ihre Entscheidung nicht diskutiert, sondern sie zur Not mit Gewalt durchsetzt.

In diesem Szenario versucht Bauers Hauptfigur dem Titel gerecht zu werden, ein guter Mensch zu sein und zu bleiben. Marko Draxler ist Fahrer eines Tankwagens, damit er einerseits derjenige, der Wasser bringt, andererseits tut er das streng nach Plan, denn nur die Einhaltung des Plans garantiert, daß die Ordnung aufrecht erhalten wird. Wir helfen, so gut wir können. So gut wir dürfen…. erwidert er seinem Kollegen, als er an der Frau, die sich aus Durst und Verzweiflung die Pulsadern aufgeschnitten hat, vorbeifährt, das Problem ist, daß sie eben nicht dürfen….. Ein guter Mensch?

Was überhaupt ist ein ‚guter Mensch‘ in solchen Ausnahmezeiten? Ist es Kali, die Ärztin, die sich um die Menschen im Krankenhaus kümmert, ist es der ansonsten hallodrige Aleksander, der – in diesen Zeiten! – die ungewollte Rolle eines werdenden Vaters annimmt? ‚Gut sein‘ ist immer auch eine Sache der Position, aus der man es betrachtet oder der Angelegenheit, um die es geht: so pflichtbewusst, wie Marko der Durstigen seine Hilfe verweigert, so sehr kümmert er andererseits um seinen kranken Bruder Norbert, der weiterhin auf dem völlig verwahrlosten und verlassenen elterlichen Bauerhof lebt…. Nicht nur für Norbert, für viele Menschen ist Marko ein Anker in diesem trostlosen Leben: er vermittelt Arbeit, wenngleich nicht an jeden, er kümmert sich, er hält seiner Frau, die ihn verlassen hat, um in den Süden zurück zu ihren Eltern zu gehen, die Treue. Aber im Lauf der Wochen und Monate wachsen die Zweifel, bekommt das Selbstbild Markos Risse, immer mehr setzt ihm sowohl die äußere Situation als auch seine persönliche zu, bis er am Ende der Geschichte einen Entschluss fasst.


Das Umweltbundesamt erwartet bis 2100 für Mitteleuropa eine Zunahme der Hitzewellen [3]. Vor diesem Hintergrund hat Bauer seinen Roman entwickelt, der sich sowohl mit den politischen, den sozialen als auch mit persönlichen Auswirkungen einer ins Apokalyptische hin gesteigerten Trockenheit und Hitze befasst. Diese umfassen nicht nur den Mangel an Wasser zum Trinken, sondern bedingen eine Verwahrlosung der gesamten Gesellschaft, da auch grundlegende Bedürfnisse der Hygiene nicht mehr eingehalten werden können, Krankheiten zunehmen, asoziales Verhalten gegenseitige Rücksichtnahme verdrängt.

Unter diesen Umständen ein ‚guter‘ Mensch zu bleiben – unabhängig wie dieses ‚Gutsein‘ definiert wird – ist schwierig bis unmöglich, zu gegensätzlich die Positionen, die vereint werden müssten. Damit tritt automatisch die Frage nach Verantwortung und Schuld auf die Bühne, auf die der Autor aber nicht weiter eingeht. Er schildert seinen Protagonisten als eingebunden in ein anonymes Versorgungs- und Zuteilungssystem (dessen Erscheinungsbild mich an ‚Big Brother‘ in Orwells 1984 erinnert hat), dessen Vorgaben er erfüllt. Die Gegenposition zu diesem Marko bildet Kowalski, sein unmittelbarer Vorgesetzter, der korrupt ist und später auch abgelöst wird – Marko weigert sich in dieser Situation die Nachfolge anzutreten, er bleibt lieber als subalterner Tankwagenfahrer ohne die Last, Entscheidungen treffen zu müssen.

Ein guter Mensch ist ein schmaler Roman. Bauer beschränkt sich auf kurze Szenen, aussagekräftige Dialoge wechseln mit Beschreibungen und Schilderungen. Sein ‚Bühnenbild‘ ist auf eine heute für unsere Region (noch) nicht Extremsituation angelegt, die neben der physischen Not sämtliche Normen des Alltagslebens außer Kraft setzt und damit Fragen nach Schuld und Verantwortung, nach Gut und Böse aufwirft. Die politische Führung, vertreten durch das Institut für Notfallbewirtschaftung, wird seiner Verantwortung nicht gerecht, es gelingt ihr nicht, eine Ordnung aufrecht zu halten, umstürzlerische Umtriebe zu verhindern: Wir sind Gefangene von unvernünftige Positionen. … Man verkauft uns unsere Gefangenschaft auch noch als alternativlos. Wir hätten keine Wahl! Aber das glauben wir nicht mehr!

Ein guter Mensch ist dystopisch, klaustrophobisch und konsequent. Er treibt die zu erwartende Klimaänderung ins Extreme und seine Auswirkungen auf das menschliche Miteinander erschrecken, sind aber leider durchaus plausibel. Es ist ja nicht so, als ob es solche Phänomene in Ansätzen nicht schon zu beobachten gäbe oder gegeben hätte, vielleicht nicht gerade bei uns, aber dies ist weiß Gott keine Garantie für die Zukunft. Bauer jedenfalls ist ein Autor, der mit seiner fesselnd formulierten Geschichte zum Nachdenken verführt.

Links und Anmerkungen:

[1] Homepage Jürgen Bauers
[2] Jürgen Bauer: Was wir fürchten; Besprechung hier im Blog:
[3] http://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimawandel/zu-erwartende-klimaaenderungen-bis-2100

Aufgestoßen ist mir….:

Das erste Kapitel trägt die Überschrift: 2.-3. April. Auf S. 17 heißt es dann: …. auf dem Maisfeld stehen nur wenige Pflanzen aufrecht. Bald liegt Popcorn auf den Feldern. Mais jedoch wird erst im Frühjahr (bis Anfang Mai) gesät und braucht eine gewisse Bodenfeuchtigkeit zum Keimen, keineswegs hat er (in Mitteleuropa) Anfang April schon Kolben geschoben… es sein denn in einem Roman über Gentechnik…..

Der große Waldbrand ab S. 64: „Noch ist es weit genug entfernt“, … „Sicher fünfzig Kilometer. ..“ Fünfzig (!) Kilometer und wie geht es weiter im nächsten Satz: An die zwanzig Meter hoch schlagen die Flammen inzwischen und erleuchten das ausgetrocknete Flussbett und die Landschaft davor. Die Strommasten auf den Feldern werfen riesenhafte Schatten… Marko und seine Freunde mögen halb vertrocknet sein, die Augen jedenfalls sind allem Anschein nach noch gut…..

Jürgen Bauer
Ein guter Mensch
diese Ausgabe: Septime, HC, ca. 220 S., 2017

Ich danke dem Autoren für die Überlassung eines Lesexemplars.

Deborah Feldman: Überbitten

2. September 2017


Entweder man leugnete Gott, da die Shoah selbst seine Nichtexistenz, wenn nicht sogar seine Irrelevanz bewiesen hatte, oder aber man folgte der Vorstellung, Gott sei wutentbrannt, und schickte sich an, ihn durch vollkom­mene Selbstaufopferung auf dem Altar der rituellen Anbetung zu besänftigen.

*****

Wenn mein Blut jüdisch ist, ist es meine Seele auch. Deshalb will ich Bescheid wissen. Ich will verstehen, wie genau das Jüdischsein mir eingeprägt ist. Was genau ist es, das ich geerbt habe? Wie kann ich die Vorstellung davon in etwas Greifbares zwingen? Die Frage, die allen Fragen vorausgeht, lautet aber:
Wie kann ich mein Jüdischsein für mich erträglich machen?


Ich stelle diese beiden Zitate aus dem vorliegenden biographischem Text Deborah Feldmans [1] meiner Vorstellung des Buches Überbitten voran. Überbitten [5] ist das zweite Buch Feldmans, ihr Erstling Unorthodox [2] war sehr erfolgreich und erregte einiges Aufsehen: die Autorin beschreibt dort ihre Kindheit und Jugend in der ultraorthodoxen Gemeinschaft der Satmarer in Williamsburg/New York. Die Satmarer sind unter ihrem Rabbi den zweiten Weg gegangen: für sie war der Holocaust die Strafe eines wütenden und zornigen Gottes an seinem Volk und ihr Weg, diesen Gott wieder zu versöhnen, ist die absolute Unterwerfung unter sein Gesetz, ist der absolute Gehorsam.

Deborah [3] Feldmann wächst bei ihren Großeltern auf, die Großmutter ist ihre bewunderte und geliebte Leitfigur, die einzige Frau in Williamburg, die einen eigenen Garten bewirtschaftet – bis dieser aufgrund strikter Anwendung biblischer Gesetze vom Großvater ruiniert wird. Ihre Muttersprache ist jiddisch, die Englischkenntnisse des Kindes sind rudimentär. Die andere Straßenseite ist für die Bewohner von Williamsburg unerreichbares, fremdes Land; Radio, Fernsehen, Bücher gibt es praktisch nicht, die Bücher, die die junge Deborah sich heimlich besorgen kann, muss sie sorgfältig verstecken.

Mit fünfzehn wird sie heiratsfähig, eine genetische Untersuchung hat dies ergeben. Die Reinheit des Blutes ist wichtig für die Satmarer, die Gefahr genetischer Krankheiten real. Feldman erwähnt eine Familie, in der von neun Kindern sieben an Muskovizidose leiden… Die Reinheit des Blutes: ein Rassismus, den wir nur zu gut kennen. Viele Jahre später sollte ein ebenfalls auf den Begriff des ‚Bluts‘ gegründetes Prinzip Feldman noch einmal erschüttern, als sie nämlich erfährt, daß das Deutschsein über das `Ius sanguinis´, also über die Abstammung definiert ist: mindstens ein Elternteil muss deutsch gewesen sein (oder es muss ihm unrechtmäßig der deutsche Pass verweigert worden sein).

Feldmann muss eine arrangierte Ehe eingehen (das Aufklärungsgespräch vor der Hochzeit, das Feldman in Unorthodox schildert, ist unglaublich deprimierend und traurig….), aus der schließlich ein Sohn hervorgeht, Isaac. Als die Zeit herankommt, daß dieser auf die erste jüdische Schule, den Cheder gehen wird, entschließt sich Feldman, zusammen mit ihrem Sohn die Gemeinschaft der Satmarer zu verlassen.

Heimlich wagt sie erste Schritte in eine völlig fremde Welt, in der sie sich überhaupt nicht auskennt, schließlich fängt sie an, Literatur zu studieren, sie zieht von Zuhause aus, mietet schließlich eine trostlose Absteige  in Manhattan, dem Bezirk von NY, in dem die liberalsten Richter wirken, will sie doch die Scheidung und vor allem das Sorgerecht für Isaac.

Damit sind wir mittendrin in Überbitten, respektive am Anfang des Textes, der einen Zeitraum von insgesamt sieben Jahren, beginnend 2009 umfasst, Feldman ist zu diesem Zeitpunkt ihrer auch äußerlichen Abkehr vom Sektierertum der Satmarer dreiundzwanzig Jahre alt.

Es ist für Aussenstehende schlicht und einfach nicht nachzuvollziehen, was für ein Unterfangen Deborah Feldman mit ihrem irreversiblen Ausscheiden aus der Satmarer Gemeinschaft eingeht.  Jede Rückkehr ist ihr unmöglich, es ist erschütternd, zu lesen, mit welchem Psychoterror die Verwandtschaft versucht, Feldman (und vielen anderen, die ebenfalls ihre Gemeinschaften verlassen) das neue Leben zum Scheitern zu bringen – nach Innen als Abschreckung für Wankelmütige, aber nach Außen wohl auch als Strafe für den ungeheuerlichen Frevel des Verrats. Letztlich ist der Terror häufig erfolgreich: viele der `Häretiker´ begehen im Lauf der Jahre Suizid, über Feldman selbst werden Gerüchte, sie habe sich suizidiert, gestreut.

Diese Intoleranz wirkt in beide Richtungen. Feldman erzählt von einer Begegnung mit einem Konvertiten, der in die Satmarer Gemeinschaft ‚eintreten‘ will. Und sie weiß, daß dies unmöglich ist, er nie als voll- und gleichwertig anerkannt werden wird. Immer wird man davon ausgehen, daß er entweder eines Tages die Gemeinschaft wieder verlassen könnte oder daß er (wie Konvertierte oftmals) zu extrem würde (ich frage mich zwar, wie das bei den Satmarern aussehen könnte…) um seine Glaubensfestigkeit zu beweisen. Aus beide Befürchtungen heraus würde ihm niemand seine Tochter zur Frau anvertrauen. Und dann wieder die oft anzutreffende Heuchelei unter den Religiösen, von der Feldman ja schon in Unorthodox berichtet hat: geschwächt durch den Einfluss von Alkohol gibt der Konvertit auf Feldmans Frage hin zu, erst letzte Woche noch einmal mit seiner Freundin geschlafen zu haben.

Williamsburg ist ein Ghetto: diese Erkenntnis ist Feldman eines Tages ganz plötzlich bewusst: ein abgeschlossener Bezirk, in den niemand hineinkommt, aus dem niemand herauskommen darf. Abgegrenzt durch geistige und religiöse Mauern, durch die Sprachbarriere, durch die Isolation von der Aussenwelt, die als mächtiger Feind und Verderber droht. Nur innerhalb des Ghettos kann die Gemeinschaft überleben, ihr Blut rein halten und den Zorn ihres Gottes zu besänftigen versuchen.

Musste Feldmann – wie jede/r andere auch – in der Gemeinschaft nur gehorchen, so war sie jetzt gezwungen, ihr Leben einzurichten. In einer Umgebung, die ihr fremd war, ohne ein Netzwerk von Bekannten, Freunden oder Verwandten, in einer Sprache, die nicht ihre Muttersprache war und last not least unter stetig angespannten finanziellen Verhältnissen. Leere ist das Wort, das diesen Zustand treffend beschreibt, es ist nichts da, was sie hält – außer dem, was in ihr selbst ist und wirkt und natürlich das Bewusstsein um ihre Verantwortung für ihren kleinen Sohn Isaac. Sie fällt auf, kennt die Codes nicht, ist – so hat man beim Lesen das Gefühl – glücklich über jedes Lächeln, das man ihr schenkt. Sie wird bestaunt und begafft wie ein Tier im Zoo: eine junge Frau, die sie getroffen hat, lädt sie zu sich nach Hause ein, in den `Bible Belt´. Dort serviert man ihr Hummer, eine nicht-koschere Speise und starrt gebannt auf sie, wie sie ihn kostet….

Die finanziellen Nöte sind nicht zu unterschätzen, Armut als Ausgrenzung: wie soll sie sich mit Kommilitonen verabreden, wenn sie für kein Geld für ein Lokal oder Restaurant hat, wo man sich treffen könnte – so wie es unter den anderen üblich ist? Das letzte Ausweg, bevor sie gezwungen wäre, die Wohnung aufzugeben, ist eine brutale Eizellenspende, die sie körperlich an ihre Grenzen bringt. Was sie von ihren Kommilitonen an der Universität unterscheidet, ist die Tatsache, daß sie einen Vertrag in der Tasche hat über ein Buch, in dem sie über ihr Schicksal berichtet. Man macht sich keine Illusionen über den Erfolg eines solchen Nischenprodukts, wen interessiert schon das Schicksal einer ehemaligen Chassidin…

Der völlig unerwartete Erfolg bewirkt dreierlei: zum einen ist die Zeit der finanziellen Sorgen vorbei, zum zweiten ist sie zur Person öffentlichen Interesses geworden, eine belastende und keineswegs schöne Situation, die sie aber drittens in die Lage versetzt, auf ihren Ehemann Druck auszuüben, der Scheidung endlich zuzustimmen. Nach drei Jahren ist sie (fast) frei… muss jedoch in einem eng bestimmten Radius um NY leben bleiben, damit die Fahrten des Sohnes zu seinem Vater nicht zu weit werden.

Feldmann und ihr Sohn ziehen in eine ländliche Gegend, was konkret heißt, in eine ländliche Umgebung, in der sich reiche Leute ihre Sommerfrische errichtet haben… Dort lebt sie recht zurückgezogen, liest viel, sehr viel, lernt radfahren, kümmert sich um ihren Sohn. Und beschließt, nach Europa zu fahren, auf den Spuren ihrer Großmutter, um ihre eigene Vergangenheit aufzudecken und der Frage: Wer bin ich eigentlich, was macht mich aus? endlich auf den Grund zu kommen.

Es gibt viele Passagen im Buch, in denen sich Feldman mit dieser Frage auseinandersetzt: mit der Unfähigkeit der Juden, Glück zu empfinden, mit dem eingeborenen Schuldbewusstsein, das durch die alleinige Tatsache der Existenz begründet ist: Sünde galt als etwas Selbstverständliches, das menschliche Wesen, das da in meiner Gebärmutter heranwuchs, war schon sündig, allein weil es existierte. konstatiert sie in der Rückschau auf ihre Schwangerschaft, bei der in einem bizarren Ritual dieser Sünde wegen Hühner geopfert werden [S. 270]


Europa, dieser Flecken Erde, auf dem das Ungeheuerliche geschah, ist so ganz anders als Amerika. Die Stimmung ist anders, die Menschen sind es, die Gesprächsthemen. Das Jüdische der Städte ist oft verschwunden oder einem touristischen Judentum gewichen, aber auch die Juden/-innen, die sie trifft, sind so ganz anders als die amerikanischen: es herrscht eine Vielfalt an Ausprägungen, die es in den Staaten so nicht gibt: offensichtlich gibt es nicht das Judentum, das Jüdischsein, sondern viele davon… und es gibt die dunkle Seite, einen immer wieder verleugneten, aber dennoch existenten, für Juden spürbaren Antisemitismus.

Sie, die Schriftstellerin, lernt Künstler kennen und über diese wieder andere, sie wächst in einen Kreis von Intellektuellen hinein. Diese Kontakte befruchten sie, geben ihr Impulse… in den folgenden Monaten und Jahren fliegt Feldman immer wieder nach Europa, eine große Tour führt sie nach Ungarn, wo sie vor Ort die Spuren ihrer Großmutter aufspüren will. Und sie kommt auch nach Berlin, sozusagen ins Herz der Finsternis. Es ist kein schöner Aufenthalt, sie ist allein, sieht alles durch die Brille der Vergangenheit..

Mittlerweile schreibt sie an einem zweiten Buch, das jedoch bei ihrem Verleger auf wenig Begeisterung stößt: zu europäisch ist es, zu sehr an der Vergangenheit orientiert, das alles interessiert Amerikaner nicht….

Das Leben in den USA, das Feldman wohl (bewusst oder unbewusst) mit europäischen Verhältnissen vergleicht, droht in eine Art Sinnlosigkeit abzugleiten. In dieser Periode kommt sie durch ein Filmprojekt nach Amsterdam und von dort noch einmal nach Berlin. Dieses Mal empfängt die Stadt sie, die sich auch geändert hat, freundlicher, offener, sympathischer… ja, die Buchläden, die vielen Buchläden hatten es Deborah Feldman besonders angetan, die schmucklose, weil nicht auf Wirkung angelegte Art der Berliner, sich zu kleiden, sich zu verhalten, die Gespräche, die sich nicht um Mode, das nächste Auto etc pp drehen… das Lob, das Feldman über die Menschen ausschüttet, ist fast schon ein wenig viel… ;-)

… und da reift er ganz, ganz langsam, der ultimative Verrat an ihrer alten Gemeinschaft, an ihrer Großmutter… der Gedanke nämlich, nach Berlin zu ziehen, der Gedanke sogar an einen deutschen Pass.

Es ist nicht einfach, da man Deutscher aufgrund der Abstammung wird und diese muss Feldman belegen. Es kommt ihr hier zugute, daß sie schon als Schülerin in den Staaten ihre Ahnenreihe aufgestellt und sie bei ihrem Weggang viele Dokumente mitgenommen hat…. trotzdem ist es kompliziert und sie braucht fachkundige Hilfe und Geduld, bis aufgrund einer völlig unerwarteten Entdeckung, die ein großes Rätsel löst, endlich der positive Bescheid kommt, am 18. April diesen Jahres 2017. Damit ist Deborah Feldman mit ihrem Text praktisch in der Gegenwart angekommen, sie ist Berlinerin, empfindet die Stadt als ihr Zuhause, was sie zum ersten Mal in der `Theokratie´ Israels so empfunden hat.

Feldmann geht zum Schluss intensiv auf ein recht aktuelles Ereignis ein, das in etwa zu dieser Zeit stattgefunden hat: der brandenburgische NPD-Politiker Marcel Zech muss für acht Monate in Haft gehen, weil er nationalsozialistische Tattoos in der Öffentlichkeit gezeigt hatte, u.a. ein Bild des Lagers Auschwitz, in dem Feldmans Großmutter überlebt hatte. Feldmann war diesem Menschen im Schwimmbad begegnet, der Anblick dieses Tattoos hat sie fast paralysiert, die Verurteilung und die Tatsache, daß die Haftstrafe nach dem Gang durch die Instanzen tatsächlich ausgesprochen worden ist, hat ihr die Sicherheit gegeben, daß dieser Staat gegen solche Verherrlichung des Nazigeistes vorgeht.


Überbitten ist ein umfangreicher Text, er umfasst ziemlich genau siebenhundert Seiten. Meine vorstehende Zusammenfassung ist also nur sehr grob und allenfalls für einen ersten Überblick geeignet. Sowieso sind Feldmans Ausführungen weniger eine Darstellung äußerer Umstände als vielmehr eine Schilderung ihrer Suche nach sich selbst, nach ihrem Kern, dem Wesen, das sie ausmacht, auch dem Jüdischen in ihr, nach der Quelle ihrer Unruhe, ihres Aufstands gegen die Gemeinschaft: der innere Weg also von einer über zwei Jahrzehnte unter konsequenter Indoktrination leidender Chassidin zu einer sich ihrer selbst bewussten, eigenverantwortlichen Frau.

Ein schwerer Weg, ein langer Weg. Alpträume begleiten sie, immer wieder ein Traum, in dem sie an der Rampe in Auschwitz beteuert, sie nicht zu selektieren. Sie sucht ihren Platz in der Welt, ist unruhig, fühlt sich verloren: man attestiert ihr, auch wenn dies nicht hilft, eine posttraumatische Belastungsstörung. Schuldgefühle toben in ihr, so insistiert ihr ihre innere Stimme, ihr sei recht geschehen, als sie eines Tages den (wie jeder Radfahrer aus eigener Erfahrung weiß) unvermeidlichen ersten Sturz mit ihrem Rad dreht. Recht geschehen, weil sie für dieses Leben nicht gemacht ist, weil sie die Gemeinschaft verlassen, sie verraten hat…. daher habe sie den Schmerz verdient, ein Zeichen ihrer Unfähigkeit, hier zu überleben. Gut so, das ist gut so. Das genau verdienst du doch, oder etwa nicht? Diese innere Stimme wütet so verheerend in ihr, daß Feldman sogar betont, d.h., es für denkbar hielte, sie habe sich (als Selbstbestrafung) nie geritzt. Die Traumatisierung ist ein Erbe ihrer Erziehung: Die chassidische Sekte, in der ich aufgewachsen war, glich einem Zusammenfluss äußerst heftiger Traumata, in deren Sammelbecken sich die jeweiligen persönlichen Erfahrungen auflösten und zu einem ununterscheidbaren Gemeinschaftstrauma gerannen. Feldman resümiert aus dieser Situation und Erfahrung, daß sie zwar ihr Leben jetzt zwar aktiv gestaltet und lebt, aber meine Gefühle hatten darin versagt, sich der Veränderung meines Lebens anzupassen. In gewisser Weise steckte mein Hirn immer noch in der Vergangenheit fest. Panikattacken, Angst, Albträume: Nichts von dem stand im Einklang mit der ruhigen und erfüllten Existenz, die ich zu leben begonnen hatte.

Zum jüdischen Pessachfest wird die Haggadah, die Geschichte vom Auszug aus Ägypten, gelesen. Es gibt dort eine Episode, in der Anweisungen enthalten sind, wie vier Söhne unterschiedlichen Charakters über den Exodus zu unterweisen sind: vom Vernünftigen, vom Bösen, vom Naiven und von einem, der nicht zu fragen versteht.

Was sagt der Böse (2. B. M. 12, 26)? Er fragt: „Was bedeutet euch dieser Dienst?“ – „Euch“, sagt er, nicht „ihm“. Da er sich aus der Gemeinschaft ausschließt, leugnet er das Grundlegende des Judentums. Mache auch du ihm die Zähne stumpf und sage ihm (2. B. M. 13,8): Für das, was G’tt für mich getan hat, als ich aus Aegypten zog. „Für mich“, aber nicht „für ihn“. Wäre er dort gewesen, er wäre nicht erlöst worden„. [4]

Feldman sieht sich als solch eine `Böse´, die außerhalb der Gemeinschaft steht, sich außerhalb der Gemeinschaft gestellt hat. Aber sie sieht sich auch in guter Gesellschaft, Baruch de Spinoza war so ein Böser, ebenso wie in neuerer Zeit Hannah Arendt… der selbstgewählte Ausschluß, der hier mit seiner Boshaftigkeit gleichgesetzt wird. … verneint ein grundlegendes Prinzip des Judentums, das der Konformität und Verbundenheit; … mit der Individualität taucht die Bedrohung des Bruchs auf, die Zergliederung. Wie lautet die einzige akzeptable Antwort gegenüber diesem bösen Sohn? Die Haggadah sagt, ihm müssen die Zähne ausgeschlagen werden. … Individualität kann nicht geheilt werden. Ganz in dieser Tradition ist also der Psychoterror zu sehen, dem die Aussteiger aus den chassidischen Gemeinschaften von eben diesen unterworfen werden, bis hin zur Frage an den Rabbi, ob deren Töten gerechtfertigt wäre.

Ist oder sieht sich Deborah Feldman noch als Jüdin? Ich habe mir diese Frage während des Lesens öfter gestellt, ganz klar beantworten kann ich sie nicht. Sie schreibt einerseits [S. 527], daß sie bei dem Versuch, ihr Leben ausserhalb der Gemeinschaft neu aufzubauen eine eigene Version dessen entdeckt [hat], was es hieß, Jüdin zu sein, eine Version, die sich ehrlich anfühlt, leidenschaftlich und echt, aber das, was ich da gesucht hatte, passte zu keiner etablierten oder annehmbaren Vorstellung, und so konnten meine Kritiker nun ausrufen, dass meine Art, Jüdin zu sein, nicht echt war. … Und doch bin ich nichts anderes als eine Jüdin; ein verbannter Jude ist immer noch ein Jude, … Dem stellt sie am Schluß des Buches [S. 695] zusammenfassend gegenüber: Ich darf heute sagen, daß der Humanismus meine Religion geworden ist, dass die Autoren der Aufklärung meine Heiligen sind, und dass in dieser Hinsicht mein Glaube noch anwesend ist und in vielen Bereichen meines Lebens stützend wirkt, aber ich bin von keiner einzigen Autorität mehr übermäßig unterdrückt. Aber möglicherweise ist dies gar kein Widerspruch, zumindest nicht für Deborah Feldman selbst, denn warum sollte sich eine Frau, die sich den Prinzipien eines aufgeklärten Humanismus verpflichtet fühlt, nicht gleichzeitig jüdisch sein? 

`Überbitten´: ein altes jüdischen Versöhnungsritual. Und Feldman hat sich versöhnt, das wird aus diesem Bericht klar. Versöhnt mit sich selbst, versöhnt mit Deutschland, aber auch milde geworden gegen die Gemeinschaft ihrer Kindheit, versöhnt auch mit ihrer jiddischkajt, die nicht mehr die der Chassiden ist, sondern die sich in Richtung eines toleranten Humanismus weiterentwickelt hat. … ich habe auf unerklärlichem Wege gelernt, dieses Land und seine Menschen zu lieben, ganz so, wie ich gelernt habe, für die irregeleiteten Menschen, die mich erzogen hatten, und ihre traumatisierten, aber wohlmeinenden Methoden Zuneigung zu empfinden. 

Überbitten ist der Bericht eines langen inneren Weges, der wohl immer noch nicht zur Gänze beendet ist. Der weiter vorstehend erwähnte Albtraum von Auschwitz, der Feldman lange Jahre immer wieder quälte, hat sich geändert, ist nicht unbedingt einfacher geworden: immer noch die Rampe, aber jetzt gehört sie mit zu denen, die Uniform der Schlächter tragen…. Aus meinen wechselnden Rollen im Traum hatte ich gelernt, dass dei Kategorien Gut und Böse nicht taugen. Ich begriff vielmehr, dass die Welt in einem ständigen Schwanken zwischen den Polen existiert. Alles kann sich jeden Augenblick ändern, und Heldentum zeigt sich nicht darin, dass man zurückblickt und sich fragt, was man wohl getan hätte.


Bei solche intensiven Bücher wie Überbitten und Unorthodox, das ich jetzt einfach noch einmal mit hinein nehme, stellt sich die Frage: Was haben diese Berichte mit mir als Leser gemacht, wie haben sie auf mich, wie haben sie in mir gewirkt? Ganz einfach ist das nicht zu sagen, möglicherweise ist auch der Abstand zu den Texten noch zu gering. Was mir auf jeden Fall deutlich geworden ist, ist die Tatsache, wie wenig man doch weiß von dieser fremden Religion und ihrer Ausübung. Wohl kenne ich den einen oder anderen jiddischen bzw. auch chassidischen Schriftsteller (wobei schon die Tatsache, daß man keine jiddischen Autorinnen kennt, bezeichnend ist), kenne Werke von Scholem Alejchem, von den Singers oder auch Bubers Erzählung der Chassidim [6]. Es sind Bilder der osteuropäischen Shetlts, aber auch aus NY (Der Kabbalist vom East Broadway) mit ihren manchmal etwas skurrilen, aber liebenswerten Figuren, der Armut, die herrscht, der Gläubigkeit und einer einfachen Alltagsweisheit, die den Figuren häufig eigen ist. Dem Bild jedoch reißt Feldman mir ihren Aufzeichnungen die Maske vom Gesicht. Wahrscheinlich sind die Satmarer extremer noch als andere orthodoxe Gruppierungen, cum grano salis dürfte die von Feldman dargestellte schuld- und sühneaffine, glücks- und sinnenfeindliche Lebensauffassung verbunden mit einer latenten Aggressivität allem gegenüber, was als Abweichung empfunden wird, allen orthodoxen Gruppen mehr oder weniger eigen sein. Will ich also die von mir gestellte Eingangsfrage nicht nur rhetorisch auffassen, so käme ich zu der Antwort, daß Feldman Schicksal in der in ihrem Büchern dargestellten Form mich desillusioniert hat, die Ahnung bestätigt hat, daß das Bild dieses Judentums, das ich aus literarischen Quellen gewonnen hatte, nicht vollständig sein konnte.


In den etwas mehr als zwei Jahren, die ich jetzt in Deutschland lebe, ist mir sicherlich auch Hass begegnet, oft aber auch der Mut von Einzelnen, die sich aus historistischer Verantwortung heraus diesem Hass entgegenstellen. Es ist die Summe dieser vielen einzelnen individuellen Taten, die mich zu der Überzeugung brachte, dass ich keinen besseren Ort hätte finden können, um mich zu Hause zu fühlen, als hierzulande.

Ich möchte zum Abschluss auf dieses Statement antworten: ich bin überzeugt, daß Frau Feldmann, die mir im Lauf ihrer beiden Bücher sehr ans Herz gewachsen ist, für Berlin im Besonderen, für Deutschland im Allgemeinen, ein großer intellektueller, aber auch menschlicher Gewinn ist. Und ich hoffe sehr, daß dieser positive Eindruck, den sie von Deutschland gewonnen hat, nicht enttäuscht werden wird.

Links und Anmerkungen:

[1] https://www.deborahfeldman.de
[2] Deborah Feldman: UnorthodoxBesprechung hier im Blog:  https://radiergummi.wordpress.com/2016/05/10/deborah-feldmann-unorthodox/
[3] die Richterin Deborah ist eine der ganz wenigen Frauenfiguren im Judentum, die von ihrer Bedeutung her Männern gleich gestellt ist:  https://de.wikipedia.org/wiki/Debora_(Richterin)
[4] http://www.hagalil.com/judentum/feiertage/pessach/video/04-banim.htm
[5] In diesem Interview erklärt die Autorin dieses jiddischen Begriffs, dessen deutsche Entsprechung im Lauf der Zeit verloren gegangen ist: https://www.youtube.com/watch?v=5-vfrO7AdxE
[6] vgl. hier meine Buchvorstellungen im Blog:  https://radiergummi.wordpress.com/tag/jiddische-literatur/

 

 

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