Laura Lay: Flamingofeuer

Der Roman, genauer gesagt, der Episodenroman Flamingofeuer von Laura Lay, ist nicht aus dem Nichts in diese Welt gekommen. Vor einigen Jahren nämlich veröffentlichte Lay (hinter diesem offenen Pseudonym ‚verbirgt‘ sich die vorwiegend im Jugendbuchsektor schreibende Autorin Antje Wagner) nämlich als e-book eine kurze erotische Erzählung mit dem Titel Das Geheimnis der Flamingofrau [https://radiergummi.wordpress.com/2012/04/27/laura-lay-die-flamingofrau/], dessen Motiv in diesem erweiterten Text nochmals eingebettet ist und zum Tragen kommt. Vor diesem Hintergrund ist klar, in welchem Genre Flamingofeuer angesiedelt ist, es ist ein erotischer Roman, ein Text, der sich mit dem Prickeln, das zwischen Menschen einsetzen kann, befasst – für mich eins der kompliziertesten Genres, denn der Grat zwischen schwülstigem Kitsch und einem gnadenlosem literarischen Desaster ist schmal [wer sich Beispiele solcherart verunglückter Schreiberei mal antun will, dem kann ich den recht unterhaltsamen twitter-account Desasterotik (https://twitter.com/germanerotica) empfehlen, der zuverlässig in die Tiefen dieses Genres führt…, aber das hat wohlgemerkt nichts mit dem vorliegenden Roman Lays zu tun!]


Die Rahmenhandlung der oben erwähnten Flamingofrau ist geblieben: der Schriftsteller Leon Walsky hat nach seinem Bestseller „Die schwarze Augenbinde“, einem erotischen Roman, nichts Vernünftiges mehr zu Papier bzw. zu Word gebracht. Von nun an gings bergab für ihn, die materiellen Verhältnisse wurden/werden immer schwieriger bis hin zur Armseligkeit, die ihn in einem dumpfen, bald unmöblierten Zimmer über einer Eckkneipe landen läßt. Da bekommt er ein Angebot, das er letztendlich nicht ablehnen kann: Jemand Unbekanntes (Männlein? Weiblein?) bietet ihm Geld für erotische Texte, wobei der/ Auftraggeber/-in sich Regieanweisungen für die Handlung und das Setting vorbehält. Eine Konstellation, die im Wirken von Henry Miller oder auch Anaïs Nin reale Vorbilder hat, beide schlugen sich weiland zeitweise auf ähnliche Weise durchs Leben.

Leon: Es geht Ihnen nicht wirklich um Sex.
Tanja R.: Es geht um Verführung.

In diese Rahmenhandlung, auf die die Autorin immer wieder zurückkommt und derart vor uns auch die Rolle Leon Walskys aufblättert, sind sieben erotische Geschichten eingebettet, so wie sie die/der unbekannte Auftraggeber/-in bestellt hat. Den Anfang macht eine sehr schöne Hommage an Das Bild von Jean de Berg [vgl. hier: https://radiergummi.wordpress.com/2014/04/06/jean-de-berg-das-bild/ ], es gibt ferner Erotik ganz anderer Art in Zügen, Feuerwerke werden gezündet [vgl. hier: https://radiergummi.wordpress.com/2013/06/19/laura-lay-eine-pyromantische-affare/ ], ein Verfasser von Pilzführern dagegen verzweifelt an seiner unerklärlichen erotischen Ausstrahlungkraft und auch der öffentliche Nahverkehr macht seinem Namen Ehre – in gewisser Weise jedenfalls.

Laura Lay wäre nicht Antje Wagner, wenn nicht immer wieder auch ein Element des Geheimnisvollen, des Mysteriösen mit in ihre Geschichten einflösse. Welche Rolle beispielsweise spielt die Wahrsagerin und was hat es mit dem Erfolgsroman Walskys, der „Schwarzen Augenbinde“, wirklich auf sich? Und überhaupt: Wer verbirgt sich hinter dem/der geheimnisvollen Auftraggeber/-in? Die enge Verzahnung von Rahmenhandlung und erfundenen Geschichten verlangt beim Lesen Aufmerksamkeit, zumal Walsky seine Auftraggeberin (er geht intuitiv letztlich von einer weiblichen Person aus) in der einen oder anderen Form immer wieder in seine Geschichten mit einbaut. Aber wie auch immer, zum Schluss löst sich dann doch alles auf und fast alle Fragen werden geklärt.


Ich erwähnte weiter vorne den schmalen Grat, auf dem sich Verfasser/-innen von Texten mit erotischem Inhalt bewegen. Schriftstellerisch und inhaltlich setzt Lay ihre Geschichten gekonnt und unterhaltsam in Szene, sie bewegt sich sicher auf diesem Grat. Lay hat Fantasie, rutscht nie ins Peinliche ab und wird gerade so deutlich, daß beim Lesen die eigene Vorstellungskraft zu arbeiten anfängt. In ihren Geschichten beschränkt sich die Autorin dabei keineswegs auf „Blümchensex“, sie bildet im Gegenteil ein weites Spektrum erotischer Konstellationen ab. Lay liefert die Ingedienzien, legt das Setting fest – welcher Film beim Lesen im Kopf abläuft, entscheiden wir dann selbst. Es kommt Lay nicht so sehr auf den Sex an, den Akt an sich, ihre literarische Intention ist die Verführung, ist die Magie, die sich ausbreitet beim Aufknöpfen der Bluse, ist der Zauber, der sich entfaltet, wenn die Kleidung Stück für Stück mehr freigibt, wenn der Duft der Haut betört und ihr Geschmack erregt… ist der Moment auch, wenn die Fingerspitze (oder auch die der Zunge…) den Punkt berührt und sich die Erregung wie eine Welle durch den Körper ausbreitet. Wer das sucht, wem das gefällt, wer seiner Fantasie ein Spielfeld geben will, der ist bei Lay gut aufgehoben.

Laura Lay
Flamingofeuer
diese Ausgabe: Ulrike Helmer Verlag, Paperback, ca 240 S., 2019

Ich danke dem Verlag für die Überlassung eines Leseexemplars.

 

 

 

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