Laura Lay: Das Geheimnis der Flamingofrau

27. April 2012

Lay legt hier eine kleine erotische Erzählung vor, die sie als Geschichte innerhalb einer anderen Geschichte konzipiert hat. Den Rahmen bildet die Situation eines materiell auf die Nulllösung abgesunkenen, erfolglosen Schriftstellers, der eines Tages von einer unbkannten Schönen das Angebot bekommt, eine auf Seitenbasis großzügig entlohnte erotische Geschichte zu schreiben [1], bei der sich die Auftraggeberin aber Anweisungen vorbehält, in welche Richtung diese zu laufen hat. Was bleibt ihm übrig, unserem Autoren? Ganz genau…

Und so folgt er der ersten dieser Anweisungen und geht mit seinem Laptop in den Zoo und setzt sich dort auf eine Bank, fängt an zu schreiben und wird immer wieder abgelenkt durch eine junge Frau, die am Flamingogehege steht und seine Aufmerksamkeit auf sich lenkt, seine Aufmerksamkeit und auch seine Fantasie. Jedenfalls bringt ihn der Anblick dieser jungen Frau, die seine Neugier weckt,  auf die Idee, einen Text um eine lesbische S/M Beziehung mit einer dominierenden, kühlen, unnahbaren Frau und einer ihr ergebenen jungen Partnerin zu schreiben, in dessen Handlung seine männliche Figur langsam, aber sicher hinein gezogen wird [2]. Dieser, ein Lehrer an der örtlichen Schule und Freizeitjournalist des regionalen Blättchens „Flinker Bote“ (diesen Zeitungsnamen muss man nicht kommentieren, oder?) trifft immer wieder mal auf dieses Frauenpaar oder auch nur auf die Unnahbare, die auf ihn eine zunehmende Faszination ausübt/en. Er versucht mit ihr/ihnen ins Gespräch zu kommen, was ihm aber nicht nicht gelingt, bis ihm die Dominierende eines Tages auf einer Festivität, bei der sie sich treffen, zu sich einlädt und ihm das Mädchen anbietet….

„Die Flamingofrau“ ist eine kurze Erzählung, kaum 50 Seiten lang. Die ersten Seiten erschienen mir etwas angestrengt, dann aber, nach ein paar Seiten, hatte die Autorin ihren Rhythmus gefunden, den sie dann im weiteren Verlauf des Textes schön weiter entwickelte. Natürlich kann man in der Kürze dieser Geschichte keine psychologisch ausformulierten Charaktere schaffen und so bleiben die Figuren eher dem Stereotyp entsprechend: so die kühle, unnahbare Frau, unter deren Oberfläche es brodelt (wo wir aber ein Fragezeichen setzen müssen, denn das verrät uns Lay leider nicht, aber wir können es uns gut vorstellen…), dann die ihr ergebene, submissive Partnerin, deren Erziehung wohl in beiderseitigem Interesse noch lange nicht beendet ist sowie ferner die männliche Figur, die sich im Grunde auch dominieren läßt und solcherart zum eigenen Vergnügen, aber auch zum Gefallen der Dame(n) agiert.

Es ist nicht zuviel verraten, wenn ich sage, daß die Geschichte mit der erwähnten Einladung auf ihren Höhepunkt hinsteuert, den die Autorin recht zurückhaltend schildert, vor allem, was das verwendete Vokabular angeht. Umso reger arbeitet dagegen die Fantasie des Lesers, das Beschriebene in Bilder umzusetzen, die die Szenerie vor dem inneren Auge darstellen. Als Leser, der in erotischen Geschichten ja immer auch zum Voyeur wird, wird er hier daher ebenso zum Akteur, zwar nicht auf der Bühne der Erzählung, aber in der Umsetzung, in seiner Imagination, der Lay genügend Raum gibt für ein individuelles Arrangement des Stücks… wie schon erwähnt, die Autorin findet ihren Rhythmus in der Geschichte und hier, zum Schluss, trägt er vollends.. in dieser letzten Szene packt er, hier findet Lay mit großer Sensibilität zu einem aussergewöhnlichen Maß an Fingerspitzengefühl, das lange nachhallt….

Es ist schade, daß diese erotische und, ja doch, schön geschriebene Erzählung mit dieser Stelle, die einen ersten, leider einsamen Höhepunkt markiert, dann aufhört. Andererseits – würde man die Geschichte z.B. seinem/r Partner/in vorlesen, käme man vielleicht sowieso nicht weiter, weil….. ach, wer weiß das schon so genau, aber man hat ja den Versuch frei… ;-)

Anmerkungen:

[1] auf die Art und Weise haben schon ganz andere Schriftsteller ihren Unterhalt verdient, Anais Nin und Henry Miller beispielsweise haben seinerzeit in Paris für einen Auftraggeber pro Seite einen Dollar erhalten. Nins „Delta der Venus“ zum Beispiel hat so das Licht der Welt erblickt…
[2] diese Konstellation scheint reizvoll zu sein, mir fällt jetzt spontan Jean de Berg ein, der sie in seiner Erzählung „Das Bild“ auch gewählt hat….

Diese Besprechung ist in gewisser Weise eine Premiere für mich. Es handelt sich bei der „Flamingofrau“ um das erste Buch, nein, die erste Geschichte, die ich hier vorgestelle und die ich nicht als Buch in den Händen gehabt habe. Eine erotische Geschichte, mir von der Autorin mit dem Wunsch einer Besprechung übersandt… voilá, es war mir ein Vergnügen!

Laura Lay
Das Geheimnis der Flamingofrau
Kindle Edition, 2012 (zu beziehen über amazon)

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