Am Achten bin ich wieder nach Hiroshima gegangen,
aber ich habe keine Leiche gefunden,
die meinem Mann ähnlich sah.

(Kirio Yae)

Blitz

Wenn man es jetzt nicht aufschreibt…. vor fast genau fünfunddreißig Jahre schrieb Mikio Kanda diesen Satz in sein Nachwort zu seiner Sammlung der Lebensläufe von Frauen, denen der Atombombenabwurf von Hiroshim am 6. August 1845, heute vor 71 Jahren, den Mann geraubt hatte.

Neunzehn Lebensläufe von neunzehn Witwen aus einem Dorf nahe bei Hiroshima – sie werden mittlerweile, noch einmal fünfunddreißig Jahre später, gestorben sein, so wie auch viele ihre Kinder schon tot sein werden. Um so dringlicher diesen Jahrestag nicht zu vergessen, stetig an ihn zu erinnern – gerade in den Zeiten, in denen wie jetzt die Aggressions- und Gewaltbereitschaft in der Welt zuzunehmen und die Möglichkeit eines Krieges wieder zu einer politischen Kategorie zu werden scheint.

Mitte 1980 fasste der japanische Autor Mikio Kanda den Entschluss, das Schicksal dieser Witwen aufzuzeichnen. Sie alle eint ein Schicksal: am Morgen des 6. August verließen ihre Männer das Dorf Kawauchi-Nukui, wenige Kilometer von Hiroshima entfernt, zu einem Arbeitseinsatz in der Stadt. Die Frauen blieben zurück im Dorf, es schien ein ganz normaler Tag zu werden, sie machten Frühstück, sorgten für ihre (teilweise vielen) Kinder und bereiteten sich auf die Feldarbeit vor. Das Dorf und seine Bewohner waren arm, die meisten Familien bewirtschafteten etwas Feld und bauten dort Gemüse an. Oft war der Boden für Reis zu arm, dann wurde auf Gerste ausgewichen, ansonsten baute man Zwiebeln an, Hirse oder Hanf, es gab Versuche mit Seidenraupen. Morgens um 1 Uhr bin ich aufgestanden, erinnert sich Tade Kinuyo, habe den Imbißkasten für Frühstück und Mittagessen vorbereitet und meinen Mann auf den Weg geschickt. Auf dem Markt hat er dann das Frühstück  verzehrt. Wenn er am Nachmittag der Südwind wehte, brachte er Fäkalien (mit denen die Felder gedüngt wurden) mit dem dem Boot heim …. Beim Gemüse,  fiel nicht viel Gewinn ab. …. Das Essen war ärmlich: Reis, mit viel Gerste gemischt.

Mikio Kanda wollte nicht nur die Ereignisse und das Erleben der Frauen an diesem einen Tag dokumentieren, ihm ging es darum, das gesamte Leben der Witwen zu erfassen. Es war für diese Frauen eine große Wertschätzung: zum ersten Mal überhaupt fragte jemand nach ihrem Leben, ihren Gefühlen, waren sie für jemand anderes interessant. Herausgekommen aus diesen Aufzeichnungen ist eine Sammlung sich oft ähnelnder Schicksale, in die sich die Ereignisse des 6. August brutal festgeschrieben haben.

Die meisten der Frauen waren in der ersten Dekade des letzten Jahrhunderts geboren worden, viele wurden in arrangierten Ehen in das Dorf verheiratet. Der Ort hatte damals cirka zweitausend Einwohner, er galt als arm, das Leben dort als schwer und arbeitsreich…. Im Sommer 1945 wurde in Erwartung des Entscheidungskampfes eine ‚Freiwilligen-Einheit‘ ins Leben gerufen, zu der alle Männer zwischen sechzehn und sechzig und alle Frauen bis vierzig (hier macht der Herausgeber in seinem Vorwort keine Angabe einer Untergrenze) mit Ausnahme der Mütter mit Kindern, die jünger als drei Jahre alt waren, angehörten. Am 6. August gingen 191 Bewohner des Ortes nach Hiroshima, um dort Abrissarbeiten für Brandschneisen vorzunehmen.


Ich war gerade mit dem Ausdünnen (der Hirse auf dem Feld) beschäftigt,
da gab´s einen Blitz. Ich dachte, die Sonne ist runtergefallen. …
(Monzen Tsuruyo)

In diesem Moment gab es einen weißen Lichtschein und vor dem Haus ist es ganz hell geworden, und dann ist ein Donner gekommen wie bei einem Erdbeben. .. Als ich flußabwärts nach Hiroshima blickte, war´s dort blutrot. … Eine Qualmwolke wie ein Feuerball steigt auf und breitete sich nach Norden aus. …
(Dobara Shinayo)

Damals gab´s einen lauten, dumpfen Knall und am südlichen Himmel steigt ein schwarze Wolke auf. Die Schiebetüren wurden umgeworfen
und die Zimmerdecke wurde hochgedrückt. ….
(Ryoso Shizuko)

Als die Sonne schon ziemlich hoch stand, gab es einen dumpfen Knall und wir haben uns vor Schreck flach auf die Erde geworfen. Als ich aufblickte, stieg am Himmel über Hiroshima ein weißer Klumpen auf. …. Da sah ich zufällig, wie das Bambuswäldchen von Jonan seitwärts niedergedrückt war und lfach lag.  …. Als wir heimkamen, sah das Haus schlimm aus. Die Schiebetüren waren alle aus ihren Schienen gerissen. Die Zimmerdecke war hochgedrückt worden und Ruß vom Dach lag auf allen Sachen. … (Yokochi Toshiko)


Manche der Frauen wussten intuitiv, daß dies niemand, der in der Nähe der Explosion war, überleben konnte, auch über den Dorflautsprecher wurde bekannt gegeben: „Die ganze Freiwilligen-Einheit ist umgekommen.“ Verletzte, die aus Hiroshima kamen, sagten: „In Hiroshima ist es schrecklich, geht nicht hin!“. Der Mann von Yokochi Toshiko beispielsweise wurde am Abend noch lebend mit einem Boot ins Dorf gebracht: Wegen der Brandwunden waren Gesicht und Körper angeschwollen. Die Augenlider waren umgestülpt, die Haut auf den Armen hatte sich gelöst und hing in Fetzen herab. Er trug nur eine Unterhose. Hemd und Hose waren verbrannt. Sonst war er nackt. … Alle Haare, die offen gelegen hatten, waren verbrannt….  Er verstarb in der Nacht. Später habe ich gedacht: Mein Mann ist trotz der Verbrennungen lebend heim gekommen; wir haben noch miteinander sprechen können; in anderen Familien ist keine Leiche, ist nichts heimgekommen; viele Leute haben rein gar nichts mehr gesehen von ihren Angehörigen; ich habe ihn nach Hause getragen, ihn gepflegt, ihm den letzten Trunk geben können; ich bin ein glücklicher Mensch, habe ich gedacht. 

Daß einer der Freiwilligen noch lebend nach Hause kam, war die absolute Ausnahme. Wie es Yokochi Toshiko sagte, wurde von vielen Menschen überhaupt nichts mehr gefunden, andere wiederum mussten lange suchen, vielen Gerüchten nachgehen, daß an diesem oder jenem Ort Menschen aus dem Dorf wären: Als ich zum Tempelweg kam, habe ich unwillkürlich mit lauter Stimme: „Das ist Vater!“ gerufen. Auf der rechten Seite, die zweigte Leiche, das war Vater. Er lag da, mit einer Strohmatte zugedeckt. Ich habe die Matte zur Seite getan und ihn angesehen. Ich habe nur : „Wie siehst du aus!“ gesagt und habe sein Gesicht in die Hände genommen. Er war mit Brandwunden übersät: Wie ein gehäuteter Spatz sah er aus, das Fleisch rot aufgequollen. Das Gesicht war unverletzt, es hatte einen milden Ausdruck. Sugita Chiyoko hatte ihren mit der Matte zugedeckten Mann an seinen Füßen erkannt.

Am nächsten Tag, erinnert sich Takasaki Haru, bin ich meinen Mann suchen gegangen. Unterwegs habe ich Menschen gesehen, die wie Gespenster dahergingen. Und am Wegrand lagen überall schwarzgebrannte Leichen. Sie waren alles aufgequollen und sahen aus wie die großen Wächterfiguren am Tempeleingang. …. Auch nach drei oder vier Tagen Suche habe ich meinen Mann nicht gefunden. Er war wohl zum Fluß geflohen und die Leiche war mit der abziehenden Flut ins Meer hinausgetrieben….

So oder so ähnlich erging es den meisten der im Dorf zurückgebliebenen Frauen: Sie hatten ihren Mann verloren, wenn sie seine Leiche nicht gefunden hatten, konnte keine Begräbnisfeier abgehalten werden: Ich hatte nichts zu verbrennen. (Takasaki Haru). Später wurde dann ein Witwenvereinigung gegründet, in dem sich die Witwen in gegenseitiger Unterstützung organisierten. Über diesen Verein wurden dann auch Gedenkfeiern für die Toten abgehalten. Da die Atombombe unser Leben völlig verändert hatte und wir alle vom gleichen Schicksal betroffen waren, wir wir uns gegenseitig gestützt und ermuntert. Wir alle haben Landwirtschaft getrieben, so haben wir´s irgendwie geschafft. Heute sind wir alle glücklich. …  (Takasaki Haru).

Das Leben, das trotz allem weiterging, weitergehen musste, musste organisiert werden. Viele der Kinder, die zur Zeit des Atombombenabwurfs in der Schule waren, kamen verletzt und verwundet nach Hause, sie mussten versorgt werden. Es musste Essen organisiert werden, auch die Feldarbeit war weiterhin zu leisten – allein, ohne die Hilfe des Mannes: Etwa zehn Jahr lang mußte ich als Frau die Arbeit eines Mannes leisten. (Nomura Masako). Manche der Frauen verdingten sich als Tagelöhner: …. Aber weil ich schon fünfzig war, habe ich nicht den vollen Tagessatz bekommen. (Momoki Tamano). Da Kleinkinder nicht ohne Aufsicht zurückgelassen werden konnten, wussten sich Frauen manchmal nicht anders zu helfen, als das Kind am Morgen an einem Pfahl anzubinden und es am Abend, nach der Arbeit, wieder abzuholen….. Zudem litten auch einige der Frauen selbst unter der Strahlenkrankheit, verspürten eine Müdigkeit und Mattigkeit, gegen die sie permanent ankämpfen mussten…


Es waren einfache Menschen in diesem Ort, die von einem für sie unerklärlichen Schicksalsschlag getroffen worden waren, der ihr Leben in den Grundfesten erschüttert hatte. Ein Leben, das erst einmal auf das Elementarste reduziert worden war: wo konnten sie schlafen, wo bekamen sie Essen her, woher die Hilfe, die sie brauchten? Sie suchten die Leichname ihrer toten Familienangehörigen, um sie der Tradition gemäß bestatten zu können, oft suchten sie vergeblich. Bald ging es wieder auf die Felder, wer konnte den Dünger aus der Stadt bringen…. Viele der Frauen zogen später zu den Familien der Töchter oder Söhne, lebten und arbeiteten dort.

Kandas Sammlung von Lebensläufen ragt über viele andere Atombombenliteratur hinaus. Während diese meist mit dem Abwurf (und eventuell einer geringen Vorgeschichte) einsetzt und sich auf die Ereignisse danach konzentriert, war es Kandas ausgesprochenes Motiv, die Lebensläufe der Witwen zu dokumentieren. Somit erlaubt die Textsammlung einen Einblick in das Leben der japanischen Landbevölkerung zu Anfang des letzten Jahrhunderts, eines Lebens, das durch Arbeit charakterisiert war, durch Not auch und Mangel, jedenfalls nur in seltenen Fällen durch Überfluß. Der Krieg und dann vor allem der Abwurf der Atombombe beendete diese Art des Lebens, alles wurde auf den Kopf gestellt und musste sich neu finden. Trotzdem, und dies liegt in der Beharrlichkeit bäuerlichen Lebens, blieb eine Konstante: die Arbeit draußen auf dem Acker, auf dem Feld, das Säen, das Unkrautjäten, das Düngen, die Ernte. Dies alles erdet die Menschen, macht sie bodenständig und hilft ihnen, mit Katastrophen umzugehen – mag sein, auch damals, in der Zeit nach dem 6. August.


In Ehrfurcht den Seelen der Mitglieder der Freiwilligen-Einheit gewidmet.

Die Witwen des Ortes haben sich einen eigenen Gedenkplatz für die Toten geschaffen, er trägt auf der Rückseite die Namen der durch die Atombombe Umgekommenen. Es sind hundertachtzig Menschen. Vierundachtzig aus Kami-Nukui, sechsundvierzig aus naka-Nukui, fünfzig aus Shimo-Nukui. Vierundneunzig waren Männer, sechsundachtzig Frauen. 

Hier trafen sich die Frauen am 6. August jeden Jahres, sie gingen nicht nach Hiroshima auf die offizielle Gedenkfeier, die ihnen zu laut war, sie wollten still für ihre Toten beten. Es ist eine traurig und auch wütend machende Szene, die Kanda schildert, als er beschreibt, wie bei einer dieser Gedenkfeiern der Konvoi des Ministerpräsidenten auf der Rückfahrt von Hiroshima ohne Rücksicht auf die Witwen mitten durch deren Veranstaltung fährt….


Weitere Bücher, die sich mit den Atombombenabwürfen über Japan befassen: https://radiergummi.wordpress.com/category/jahrestag-atombombenabwurf/

im Einzelnen:

Hermann Vinke (Hrsg): Als die erste Atombombe fiel
Karl Bruckner: Sadako will leben
Paul Takashi Nagai: Die Glocken von Nagasaki
Edita Morris: Die Saat von Hiroshima
Edita Morris: Die Blumen von Hiroshima
Masuji Ibuse: Schwarzer Regen
John Hersey: Hiroshima

Mikio Kanda (Hrsg)
Der Blitz über dem Reisfeld
Witwen aus einem Dorf bei Hiroshima berichten

Aus dem Japanischen übersetzt von 
Originalausgabe: Genbaku ni otto wo uwaqarete, Tokio 1982
diese Ausgabe: dtv (Reihe: zeugen und zeugnisse), TB, ca. 226 S., 1985

John Hersey: Hiroshima

6. August 2015

Cover der Zeitschrift: The New Yorker vom August 1946  Bildquelle: [B]

Cover der Zeitschrift: „The New Yorker“ vom August 1946
Bildquelle: [B]

Ein typisches Sommerbild mit sich entspannenden, relaxenden, ihre Freizeit geniessenden Menschen in einem Park [1], doch wenn man sich das Bild in größerem Format ansehen will und auf die Vorschau klickt, wird es einem so gehen wie 1946 den Lesern der Zeitschrift: man wird schockiert sein….

Wie Hersey in seinem Vorwort erklärt, war man in der Redaktion kurzfristig zu der Entscheidung gekommen, die als Fortsetzung geplante Reportage über Hiroshima als Ganzes in einem Heft zu drucken, zu kurzfristig, um das Cover noch an das Thema anpassen zu können..

Und in einem gewissen Sinn passt das Cover dann doch auf die Situation: zwar war in Japan ein Jahr zuvor keine Freizeitstimmung angesagt, aber bis auf die allgemeine Spannung durch den Krieg und die besondere Situation Hiroshimas, das bis dato noch nicht angegriffen worden war und man daher jederzeit mit Bombenangriffe rechnete, war man in der Stadt völlig ahnungslos, zumal es kurz vor acht Uhr Ortszeit noch Entwarnung gegeben hatte. In den Straßen herrschte also das „normale“ Leben, die Menschen frühstückten, machten sich für die Arbeit fertig, waren auf dem Weg zum Einkaufen….

Der Journalist John Hersey [6] fuhr im August 1946, also ein Jahr nach dem Abwurf der Atombombe über Hiroshima im Auftrag des amerikanischen Magazins The New Yorker nach Japan, um über dieses Ereignis und dessen Folgen zu berichten. Das war nicht ganz einfach, denn die amerikanischen Militärbehörden hatten schon ab September 1945 Publikationsverbote verhängt (die immer wieder verschärft wurden), mit dem die Berichterstattung in Wort und Bild über die Folgen des Atombombeneinsatzes verhindert werden sollte. Im Dezember des Jahres erging sogar die Verfügung, alles schon gedrehte Material von z.B. Wochenschauen bei den amerikanischen Behörden abzuliefern. Wie man sich denken kann, wurde dieser Aufforderung nur unvollständig nachgekommen. In seinem Vorwort schildert Robert Jungk die sich aus dieser Geheimhaltungsabsicht der Amerikaner ergebenen Probleme, vor Ort über das Geschehen(e) zu recherchieren.

Es gelang John Hersey sechs Personen zu finden und zu interviewen, die den Abwurf der Bombe über Hiroshima überlebten. Es sind ganz unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungskreisen:

Reverend Mr. Kiyoshi Tanimoto

Pastor (Methodist) Kiyoshi Tanimoto

Mrs. Hatsuyo Nakamura

Mrs. Hatsuyo Nakamura; Hausfrau, Schneiderin

Dr. Masakazu Fujii

Dr. Masakazu Fujii, Arzt mit einer Privatklinik

Father Wilhelm Kleinsorge (Makoto Takakura)

Pater (SJ) Wilhelm Kleinsorge (Makoto Takakura)

Dr. Terufumi Sasaki, Arzt am Rot-Kreuz-Hospital

Dr. Terufumi Sasaki, Arzt am Rot-Kreuz-Hospital

Miss Toshiko Sasaki (Sister Dominique Sasaki)

Miss Toshiko Sasaki (Sister Dominique Sasaki), Beamtin einer Behörde

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

John Hersey stellt uns diese Menschen, die stellvertretend für alle Überlebenden stehen, vor, schildert uns kurz ihre Lebenssituationen, auch ihre Wesensart und beschreibt, wo sie sich zum Zeitpunkt der Zündung der Bombe befanden. In [2, 3] ist dies nachzulesen, so daß ich hier auf Einzelheiten verzichte.

Die Grundstimmung in Hiroshima war in diesen Tagen voll ängstlicher Erwartung. Die Stadt war bislang noch kein Ziel der gefürchteten „Mr. B“`s, der B-29, die in den gefürchteten nächtlichen Flächenbombardement einen Großteil der japanischen Rüstungsindustrie zerstört hatten – aber auch in den brandgefährdeten Städten Feuerstürme erzeugten, in denen -zig Tausende von Menschen starben [4]. An diesem speziellen Morgen war die Lage entspannter, kurz von acht Uhr hat es Entwarnung gegeben, so daß die Menschen anfingen, ihrem Tagewerk nachzugehen. Der einzelnen Maschine, die am Himmel erschien, schenkte man nicht viel Beachtung.

Da zerriß ein grauenvoller Lichtblitz den Himmel. … Es war … ein flammendes Stück Sonne. …

Im Bruchteil einer Sekunde blendete das gleißende Licht die Menschen, ein ungeheurer Knall erfüllte die Luft und die Druck- und Sogwelle riss in weitem Umkreis fast alles nieder. Die  Überlebenden fassten das Geschehen nicht, glaubten im ersten Moment an einen direkten Bombentreffer, sie sahen sich verletzt, verschüttet, unter Balken begraben, hörten Hilfeschreie von Nachbarn, der eigenen Kinder, die von tief unten aus den Trümmern drangen…. man versuchte zu helfen, buddelte in der Trümmerschicht, zog und zerrte an den verschütteten Leibern. Auf den Straßen waren Verletzte zu sehen, Menschen mit großflächigen Wunden, mit verbrannter Haut…

Langsam registrierte man, wie groß der Schaden war. Nicht nur das eigene Haus, auch das Haus des Nachbarn war zerstört, alle Häuser in der Straße waren zerstört, alle Häuser im Viertel lagen in Trümmern, fast alle Gebäude der Stadt lagen in Schutt und Asche. Was konnte das für eine fürchterliche Waffe gewesen sein? Spekulationen gab es zuhauf…

Bei dem Angriff waren fast alle Ärzte der Stadt und Krankenschwestern gestorben, die Hospitäler zerstört, es herrschte das Chaos. Verwundete schleppten sich in die Krankenhäuser, in denen sich bald auf den Fluren die Toten stapelten. Kaum war eine auch nur rudimentäre Versorgung der Verletzten möglich, die wenigen Ärzte wie Dr. Sasaki arbeiteten unter eigener körperlicher Erschöpfung förmlich bis zum Umfallen – und hörten auch dann noch nicht auf.

Die, die noch mobil waren, suchten nach ihren Verwandten, die unter Umständen früh am Morgen auf die Arbeit gegangen waren… Scharen von Menschen strömten durch die Straßen, die nicht mehr zu erkennen waren. Man sammelte sich und die Verwundeten in Parks, am Fluss… Wasser, Wasser: der Durst der Menschen konnte kaum gelöscht werden, da die Wasserleitungen fast alle zerstört waren… Verletzte, die am Flussufer lagerten, mussten an andere Orte gebracht werden, die Flut… nicht immer gelang es, sie hoch genug zu lagern… immer deutlicher wurde, welch furchtbare Verletzungen und Verwundungen die Bombe bewirkt hatte… auf der Landzunge fand Tanimoto ungefähr zwanzig Frauen und Männer.  Er fuhr mit dem Kahn auf den Strand auf und forderte sie auf, einzusteigen. Keiner rührte sich und es wurde ihm klar, daß sie zu schwach waren. … Dann stieg er aus dem Wasser hinaus und hob … einige Männer und Frauen, alle nackt, in sein Boot. Rücken und Brust dieser Menschen waren klebrig und er erinnerte sich mit Schaudern, wie die großen Verbrennungen, die er tagsüber beobachtet hatte, aussahen: erst gelb, dann rot und angeschwollen wobei die Haut sich abschälte, und schließlich abends vereitert und übelriechend.

Man versuchte, die Stadt zu verlassen, in Außenbezirke zu kommen, die möglicherweise unzerstört geblieben waren, wo man Hilfe bekommen konnte… [5]

Nach ein paar Tagen drang das Gerücht durch, in Nagasaki wäre noch eine ähnliche Bombe geworfen worden…. der Tenno im Radio, unfassbar für die Menschen, daß der Kaiser direkt zu seinem Volk sprechen sollte… die Niederlage wird eingestanden.

Noch ein paar Tage danach zeigte sich ein bis dato unbekanntes Phänomen: Wunden, die angefangen hatten, abzuheilen, wurden auf einmal wieder rot, schwollen an und sonderten Sekret ab. Beim Kämmen fielen Haare büschelweise aus, in den Schleimhäuten waren Einblutungen festzustellen… manche der Symptome waren denen ähnlich, die bei einer Überdosis von Röntgenstrahlen auftraten… diese neuen Wunden der „Strahlenkrankheit“ heilten kaum ab….

Ein Jahr nach dem Abwurf der Atombombe war Fräulein Sasaki ein Krüppel, Frau Nakamura aller Mittel entblößt; Pater Kleinsorge wieder im Spital, Dr. Sasaki war nicht im Stande, wieder die Arbeit zu leisten, die er früher geleistet hatte, Dr. Fuji hatte die Privatklinik mit dreissig Zimmern verloren, ein Besitz, dessen Erwerb ihn viele Jahre gekostet hatte und den wieder aufzubauen er keine Aussicht hatte; Tanimotos Kirche war zerstört und er besaß nicht mehr seine außerordentliche Vitalität. …


Was Herseys Reportage auszeichnet, ist die zeitliche Nähe zu dem Abwurf der Atombombe(n). Natürlich gibt es viele Berichte, erschütternde Berichte, über die Zerstörung Hiroshimas, über die Qualen, die die Menschen erlitten haben, erleiden mussten, auch über die Langzeitfolgen, die die bis dato noch unbekannte „Strahlenkrankheit“ bedingte. Auch unter dem gesellschaftlich-sozialen Gesichtspunkt war diese ungeheure Aktion bedeutend: war man Opfer der Explosion oder wurde auch nur bekannt, daß man zu dieser Zeit in Hiroshima lebte, war man geächtet als Träger der Strahlenkrankheit, als schwächlich, weil Opfer und Geschädigter. Damit fiel man aus dem Wertekanon der japanischen Gesellschaft hinaus. Es hat lange gedauert, bis die Opfer des Atombombenabwurfs ihre Würdigung erfahren haben.

In Herseys Reportage ist davon erst ansatzweise zu spüren. Zu nahe war man noch am Schrecken, als daß man seine Langzeitfolgen schon in vollem Umfang wahrnehmen konnte, der letzte Absatz seines Berichts (den ich oben wiedergegeben habe) läßt eine erste Ahnung davon aufkommen.

Die nüchterne, distanzierte Sprache, derer sich der Autor bedient, trägt dazu bei, den geschilderten Schrecken beim Lesen viel unmittelbarer zu empfinden als wenn er ihn selbst mit Attributen versehen hätte, durch die er seiner immanenten Eindringlichkeit beraubt worden wäre, auch dafür habe ich oben ein Textbeispiel gegeben.

Hiroshima war in den USA ein großer „Erfolg“, das Heft des New Yorker schnell ausverkauft, viele Nachdruckgenehmigungen wurden erbeten. Wohl zum ersten Mal bekamen die Menschen in den USA eine Ahnung davon, was in Japan geschehen war, was für ein Inferno diese Bombe angerichtet hatte. Die strengen Zensuranweisungen der Militärbehörde sind wohl auch als Zeichen dafür zu nehmen, daß man befürchtete, die Schilderungen der grauenhaften Auwirkung der Bombe könnten die Menschen schockieren und ihren „Widerstand“ wecken.

Es ist unvorstellbar und mit einem vernunftbegabten Hirn nicht nachvollziehbar, daß es auch heute noch Staaten gibt, die sich damit brüsten, neue atomwaffenbestückte Raketen aufzustellen, daß es Staaten gibt, die alles mögliche unternehmen, um in den Besitz dieser Technologie zu kommen, um damit anderen Menschen/Staaten mit der Vernichtung zu drohen. Aber es ist leider nur allzu gut vorstellbar, daß dieser Irrsinn nie aufhören wird. Trotzdem und vielleicht gerade deswegen ist es immer noch und immer wieder wichtig, solche Berichte über den menschengemachten „Weltuntergang“ zu lesen, damit man wenigstens nicht vergisst und weiß, was man anrichtet…. es ist eben doch mehr als eine Rauchwolke, die man auf dem Monitor sieht…

Links und Anmerkungen:

[1] Hier ist das Bild noch einmal in größerem Format zu sehen: https://radiergummi.files.wordpress.com/2015/07/hiro-ny-cover.jpg
[2] Wiki-Beitrag zum Buch (englisch): https://en.wikipedia.org/wiki/Hiroshima_(book)
[
3] die englische Textversion des Buches ist online zugänglich:  https://archive.org/stream/hiroshima035082mbp/hiroshima035082mbp_djvu.txt
[4] Wiki-Beitrag zum Bomber B-29:  https://de.wikipedia.org/wiki/Boeing_B-29
[5] Wer vielleicht selbst meditiert und/oder sich ein wenig im Zen auskennt, dem wird Pater Lasalle, der ebenfalls stark verletzt worden war und im Buch des öfteren erwähnt wird, bekannt sein.
[6] Wiki-Beitrag zum Autoren:  https://de.wikipedia.org/wiki/John_Hersey

Bildquellen[B]:
Cover: http://www.newyorker.com/magazine/1946/08/31/hiroshima
Atompilz: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAtomic_cloud_over_Nagasaki_from_Koyagi-jima.jpeg; von Hiromichi Matsuda (松田 弘道, ?-1969) [Public domain], via Wikimedia Commons
Bilder der Interviewten: [2]: … this photographic images are considered to be public domain according to article 23 of old copyright law of Japan (English translation) and article 2 of supplemental provision of copyright law of Japan.

Weitere Bücher, die sich mit den Atombombenabwürfen über Japan befassen: https://radiergummi.wordpress.com/category/jahrestag-atombombenabwurf/

im Einzelnen:

Hermann Vinke (Hrsg): Als die erste Atombombe fiel
Karl Bruckner: Sadako will leben
Paul Takashi Nagai: Die Glocken von Nagasaki
Edita Morris: Die Saat von Hiroshima
Edita Morris: Die Blumen von Hiroshima
Masuji Ibuse: Schwarzer Regen

 

John Hersey
Hiroshima
6. 08.1945, 8 Uhr 15
Übersetzt aus dem Englischen von ?
mit einem Vorwort von Robert Jungk
Originalausgabe: Hiroshima, NY, 1946
diese Ausgabe: athenäum, TB, ca. 187 S., 1989

Sechs Jahre nach dem Abwurf der ersten Atombombe durch die Amerikaner auf Hiroshima sammelte der japanische Pädagogikprofessor Arata Osada Tausende von Berichten von Kindern über dieses Ereignis. Das Buch, in dem er ausgewählte Aufzeichnungen veröffentlichte („Die Kinder von Hiroshima“) konnte nur unter Schwierigkeiten erscheinen, da Veröffentlichungen bis zum Ende der amerikanischen Besatzungszeit Anfang 1952 streng zensiert wurden. Aus den 105 veröffentlichten Schilderungen wiederum wählte H. Vinke für diese deutsche Ausgabe 20 Berichte aus, die er durch Informationen ergänzt und in einen größeren Zusammenhang einbaut. „Die Kinder von Hiroshima“ wurde auch verfilmt [1], der Film ist – zumindest in Ausschnitten – auch auf youtube zugänglich [2].

Das Verfassen der Berichte bedeutete für die Kinder einerseits eine große Belastung, denn die meisten von ihnen hatten an diesem Tag alles verloren: Eltern, Geschwister, Verwandte. Das Elternhaus so zerstört wie die Schule, die ganze Stadt. Sie selbst verletzt, verstrahlt, ihrer Zukunft beraubt, manche Kinder starben noch nach Jahren an den Folgen der Bombe. Das Niederschreiben war aber auch eine Gelegenheit der Aufarbeitung dieser persönlichen Hölle und der Hoffnung, durch die Dokumentation auch ein Signal zu setzen gegen Krieg im Allgmeinen und den Einsatz von Atombomben im besonderen. Nicht vergessen werden darf, daß 1950 der Koreakrieg begann und die große Angst bestand, daß dort wieder Atomwaffen eingesetzt würden.

Die Berichte der Kinder sind inhaltlich sehr ähnlich, wie könnte es auch anders sein: die Zündung der Atombombe richtete ein derartiges Inferno an, das alles andere einfach überdeckte. Kurz vor 08:15 Uhr Ortszeit war Entwarnung gegeben worden für ein kurz vorher aufgetauchtes feindliches Flugzeug (das Beobachtungsflugzeug der Amerikaner für diesen Einsatz), so daß die Menschen wieder aus ihren Häusern und den Luftschutzeinrichtungen auf die Straße gingen. Es war der Zeitpunkt, an dem man zur Arbeit ging, zu den Arbeitseinsätzen, Kinder gingen zur Schule, es wurde eingekauft, vllt hockte man auch noch beim morgendlichen Frühstück….

Übereinstimmend wird von einem Lichtblitz berichtet, der alles überstrahlte, danach wurden die Menschen wie Puppen herumgeschleudert, viele wurden ohnmächtig und wachten Minuten später wieder auf, sie fanden sich unter Trümmern wieder, Glassplitter steckten in ihrem Körper, sie lagen blutig und verletzt unter Balken, unter Wänden, das Hausdach eingestürzt, das Mobiliar durcheinandergewirbelt. Hilferufe waren zu hören: „Mama, Mama.. Vater!“, ebenso suchten Eltern ihre Kinder. Man versuchte, sich zu befreien, sich aus den Haustrümmern heraus zu graben (nicht immer gelang dies, die Zeit war knapp, denn es tobten viele Brände, die sich ausbreiteten) und dann die anderen zu finden, man lief auf die Straße und sah, daß alle Häuser zerstört waren. Draußen liefen Menschen umher und schrien, sie hatten kaum noch Haut auf dem Fleisch, sie waren schwarz verbrannt, schmerzverzerrte Gesichter. Von oben fing es an, schwarze Tropfen zu regnen wie Pech [3]… Planlos liefen die meisten auf der Straße umher.. wohin sollten sie? Wer fehlte noch von der Familie… suchen, man musste sie suchen, lebten sie noch? Es war kein Durchkommen durch die Trümmer, entkräftet sanken viele zu Boden, der Fluß war schwarz von Leichen geworden: viele der Verbrannten sprangen ins Wasser, aus lauter Verzweiflung und in der Hoffnung, Kühlung zu finden…

Die gesamte Infrastruktur war zusammen gebrochen, die ärztliche Versorgung aus zwei Gründen absolut unzureichend: zum einen waren Ärzte und Krankenhäuser natürlich selber Opfer des Angriffs und zum anderen waren ein großer Teil der Verletzungen und die in den nachfolgenden Tagen auftretenden Krankheiten unbekannt und neu, der Begriff „Strahlenkrankheit“ wurde erst in den Jahren danach geprägt…

Die Berichte sind von Schulkindern verfasst, deren jüngstes war 1945 erst vier Jahre alt, die ältesten gingen schon in die 6. Klasse, dürften als zwölf, dreizehn Jahre alt gewesen sein. Es gibt Schilderungen, die mitten im Text abbrechen, zu stark sind die Erinnerungen, es sind ja erst ein paar wenige Jahre vergangen und die Unterstützung für die Opfer eher gering. Es war möglich, sich als Opfer von Hiroshima registrieren zu lassen, man wurde je nach Schwere der Betroffenheit verschiedene Klassen zugeordnet. Ein Spezielkrankenhaus für Strahlenkrankheiten wurde erst elf Jahre später eröffnet…. Die vielen Koreaner, die sich damals ärmlich als Zwangsarbeiter in der Stadt befanden, hatten z.B. große Probleme, als Opfer anerkannt zu werden. Für die amerikanischen Militärtechniker und auch Ärzte dagegen war Hiroshima (und drei Tage später Nagasaki) ein riesiges Freiluftexperiment unter realistischen Einsatzbedingungen: sie konnten die Wirkung der Bombe studieren, ihre Zerstörungskraft dokumentieren, die, was Sachen betrifft, momentan und fast absolut war, was Menschen angeht, wies sie dagegen eine ungeahnte Langzeitwirkung auf.

Außer diesen Erfahrungsberichten enthält das Buch kleinere Abschnitte, in denen auf bestimmte Themen eingegangen wird. Vorangestellt ist eine kurze Darstellung des technischen Ablaufs des Einsatzes, gegen Ende des Buches wird ein Interview mit dem Bomberpiloten Tibbets [4]wiedergegeben. Dieser stand Zeit seines Lebens zu dem Einsatz, als Soldat hat er einem Befehl gehorcht, der von allerhöchster Stelle kam. Zubilligen muss man ihm natürlich, daß er genau so wenig wie die anderen Besatzungsmitglieder wirklich wussten, was sie da an Bord hatten…

Gegen Ende des Buches wird Horst Eberhard Richter zitiert, daß man gegen Verdrängung und Verleugnung vorgehen muss und daß die Anschaulichkeit ein gutes Mittel ist, dagegen vorzugehen. In diesem Sinn ist diese kleine Büchlein gut geeignet, den Schrecken, der auch heute noch vieltausenfach in Bunkern gehortet ist (und nicht nur bei den USA oder Russland und und…, sondern auch bei erratischer handelnden Staaten…) wieder einmal vor Augen zu führen, vor allen denen, die noch nie davon gehört haben. Da die Texte zum großen Teil von Kinder geschrieben sind, sind sie auch für Kinder gut verständlich….

Links und Anmerkungen:

[1] Filmbeschreibung auf japankino.de
[2] Suchergebnis für diesen Film auf youtube
[3] Masuji Ibuse hat seinen Roman über die ersten neun Tage nach dem 6. August danach benannt: Schwarzer Regen
[4] einestages: Zeitgeschichte auf SpiegelOnline: Der Pilot der „Enola Gay“ ist tot

weitere Buchvorstellungen zum Thema: Hiroshima / Atombombenabwurf sind hier zu finden.

Hermann Vinke (Hrsg):
Als die erste Atombombe fiel
Originalausgabe: Tokio, 1980
diese Ausgabe: Ravensburger Buchverlag, TB, ca. 180 S., 1998

Bruckners mehrfach ausgezeichnetes Buch ist ein Text, der sich auf eindringliche Art und Weise mit dem Atombombeneinsatz gegen Hiroshima befasst. Dabei konzentriert er sich auf die Tage vor dem Abwurf, in dem er in zwei Erzählsträngen zum einen die Vorgänge auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Tinian [1] eingeht. Von dort aus werden Aufklärungsflüge über die japanische Inselkette geflogen, insbesondere auch immer wieder Flüge nach Hiroshima, das als japanisches Rüstungszentrum für die Amerikaner ein herausragendes Ziel darstellte, gleichwohl aber bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht angegriffen worden war. Bruckner macht klar, daß der bisherige Kriegsverlauf und das Kampfgeschehen auch bei den amerikanischen Soldaten nicht ohne Folgen geblieben ist. Nicht nur die Toten sind zu beklagen, auch viele der Überlebenden leiden unter dem, was Jahrzehnte später als PTBS [2] benannt werden sollte.

Die Stimmung auf der Basis ist seltsam, es laufen Vorgänge ab, die sich weder die Mannschaften noch die Offiziere erklären können. Zivilisten landen auf der Insel und bekommen alle Vollmachten, die Soldaten dürfen bei hoher Strafe ihre Unterkünfte nicht verlassen, eine seltsame, einem riesigen Sarg gleichende Fracht wird ausgeladen und in einen Hangar gefahren. Drei der erfahrensten Flieger der US-Armee wird schließlich befohlen, einen Angriff auf Hiroshima zu fliegen und dort diese eine Bombe abzuwerfen. Es ist ihnen nicht bekannt, was sie an Bord haben, erst recht nicht, was sie auf Erden für eine Hölle schaffen werden.

Parallel dazu beschreibt Bruckner das Leben in Hiroshima, das durch Hunger, großen Hunger geprägt ist, durch Einschränkungen, durch Alarme und Zwangsarbeit. Manche stehen stundenlang am Fluß, um sich letztlich über zwei dünne Fischchen zu freuen, die sie fangen konnten, andere betteln und sind froh, wenn ihnen trockenes Brot zugesteckt wird. In Träumen sehen sie Reisvorräte im Garten vergraben und wühlen diesen tagsdrauf um, in der Hoffnung, daß der Traum sie nicht belogen hat. Exemplarisch konzentriert sich Bruckner dabei auf die Familie Sasaki mit dem Vater, der Mutter Yasuko sowie dem Sohn Shigeo und dessen kleiner Schwester Sadako. Herr Sasaki ist irgendwo, man weiß es nicht, wo, im als Soldat im Einsatz, die Mutter arbeitet in einem Rüstungsbetrieb und die Kinder streifen durch die Stadt, um irgendetwas Essbares aufzutreiben. So auch am 6. August morgens, als diese Brummen in der Luft zu hören und diese einzelne Maschine am hohen Himmel zu sehen ist. Geht Gefahr von ihr aus? Ein schwarzes Ding stürzt aus ihr nach unten, bald hängt es an einem Fallschirm und schwebt zur Erde. Dann geht die in ihr verborgene, alles vernichtende Sonne auf…

Nur kurz geht Bruckner auf das ein, was in diesen ersten Sekunden nach dem Abwurf bzw. der Zündung der Bombe und den nachfolgenden Stunden an Schrecken herrschte. Die Angehörigen der Familie Sasati jedenfalls überlebten, weitgehend unverletzt, andere verdampften, stürzten sich mit unmenschlich schmerzenden Wunden in den Fluss, verreckten und krepierten.. wer die Situation in diesen ersten Stunden, Tagen kennen lernen will, sei auf andere Bücher verweisen wie z.B. „Schwarzer Regen“ von Ibuse [3].

Die Handlung macht in dieser Situation einen Schnitt und setzt ein paar Monate später wieder ein. Hiroshima ist ein einziges Trümmerfeld, durch das die Menschen auf der Suche nach „Wert“gegenständen streifen, die sie entweder selbst gebrauchen können oder die sie auf dem florierenden Schwarzmarkt gegen anderes eintauschen können. Zu diesen Menschen gehört auch die Familie Sasaki, die in einem notdürftigst zusammengeschusterten Bretterverschlag haust. Vater Sasaki, der seine Familie wiedergefunden hat, will wieder als Friseur arbeiten, doch fehlt im das Geld, um eine auch nur rudimentäre Ausrüstung anzuschaffen. In dieser Notlage lernt er einen Papierdrachenbauer kennen, der eine zündende Idee hat und auch gleich als sein Geselle und Gehilfe arbeitet. So geht es der Familie bald etwas besser….

Jahre vergehen. Sadako wächst zu einem kräftigem Mädchen heran, das gerne Rad fährt. So ist sie auch bei der Gedenkfahrt von Tokio nach Hiroshima dabei, sie hat hart trainiert und es gelingt ihr, auf ihrer Etappe einige andere Fahrer zu überholen. Aber nach dieser Fahrt ist sie sehr elend und schlapp, sie kommt ins Krankenhaus und dort wird eine ungewöhnlich spät ausgebrochene Strahlenkrankheit festgestellt. Vom medizinischen her gibt es keine Hoffnung für das Mädchen, aber sie und ihre Familie klammern sich an die alte japanische Vorstellung, daß man gesundet, wenn man tausend Papierkranische faltet. Und so faltet Sadako und faltet und faltet.. aber mit dem 990sten Kranich fliegt auch ihre Seele mit davon….

„Sadako will leben“ ist ein  jugendgerechtes Buch. Es verzichtet auf technische Details und konzentriert sich auf die Menschen und deren Leben. Es klammert auch ethische Fragen nicht aus, zum Beispiel die Frage nach der Schuld, wobei es sich nicht darauf beschränkt, wer am Atombombenabwurf Schuld trägt, genauso wirft es allgemein die Frage auf, inwieweit Soldaten, die „nur“ Befehle“ [4] ausgeführt haben, Schuld tragen an dem, was sie gemacht haben. Bruckner verzichtet ebenfalls auf allzu ausführliche Darstellungen des körperlichen Leids der Menschen, er verschweigt es nicht, er erwähnt es, aber er verliert sich nicht in Details.

Das Schicksal des Mädchens Sadako ist nicht erfunden. Ihr zum Gedenken wurde diese Statue errichtet, finanziert durch Spenden von Schülerinnen und Schülern aus Japan. Sie zeigt das Mädchen, das auf einer symbolisierten Bombe steht und einen Kranich fliegen läßt. Das Schicksal von der leukämieerkrankten Sadako erregte weltweit Anteilnahme und machte sie zu einem Symbol der weltweiten Friedensbewegung [5]

Will man jüngeren Menschen die menschengemachte Katastrophe von Hiroshima nahebringen, ist „Sadako…“ sicherlich ein gutes Mittel.

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Artikel zur Insel Tinian
[2] Wiki-Artikel zur Posttraumatischen Belastungsstörung
[3] Masuji Ibuse: Schwarzer Regen bei hier im blog
[4] heutzutage beinhaltet der Begriff „Befehl“ auch, daß er einen Anspruch auf Gehorsam hat, also nicht Gesetzen widerspricht. Wie es damals war, müsste man prüfen….
[5] Wiki-Artikel zu Sadako Sasaki
** Bildquelle und Angaben zum Autor/Urheber

Karl Bruckner
Sadako will leben
Arena-Taschenbuch, 264 S., 2010
Erstausgabe: 1961

 

Nagasaki ist unserem Gedächtnis weniger präsent als Hiroshima, es ist wohl eine allgemein menschliche Eigenschaft, das „Zweitereignis“ gegenüber dem ersten in der Bedeutung geringer einzuschätzen. Und doch steht das Grauen, das in Nagasaki herrschte dem von Hiroshima in keiner Weise nach.

Am 9. August 1945 um 11:02 Uhr detonierte mit „Fat man“ [1] die zweite Atombombe im Kriegseinsatz über Japan.

Sie traf mit Nagasaki eine Stadt, die in mehrfacher Hinsicht „Pech“ hatte. Zum einen war die Stadt „nur“ das Ausweichziel. Primärziel war ursprünglich Kokura an der Nordküste von Honshu, wegen des dort zum Zeitpunkt des Zielanflugs um 10:44 unter einer dichten Wolkendecke, die die Lokalisierung des Zielpunkts unmöglich machte. So wich man auf Nagasaki aus, das jedoch auch unter einer dichten Wolkendecke lag. Die Besatzung musste jetzt entscheiden, ob man die schon scharf gemachte Bombe einfach ins Meer werfen wollte oder ob man sie per Radar ins Ziel bringen sollte. Da riss die Wolkendecke auf und gab kurzzeitig den Blick auf ein Gebiet etwas flussabwärts des ursprünglichen Zielsektors frei. Die Bombe wurde abgeworfen und detonierte in 500 m Höhe über den steilen Hängen in dieser Region, die die zerstörerische Wirkung der Bombe etwas abschwächten (alles ist relativ….).

Auf amerikanischer Seite lief nicht alles nach Plan, die Fertigstellung von „Fat man“ musste in aller Eile durchgeführt werden, da der Einsatz vorgezogen wurde. Da außerdem die Wirkung der Hiroshima-Bombe derart umfassend und zerstörerisch war, musste man davon ausgehen, daß sich die Nachricht von deren Einsatz in Japan nur mit Verzögerung verbreitete, da alle Kommunikationswege ebenfalls zerstört waren. Ursprünglich war davon ausgegangen worden, daß sich die Informationen über die Auswirkungen der Bombe rasch im Land verbreiten würden. Die erhoffte demoralisiernde Wirkung der Bombe hat sich also noch nicht entwickelt gehabt. Es wurde hektisch an einem Flugblatt gearbeitet, in der die japanische Bevölkerung über die Wirkung der Bombe aufgeklärt werden sollte verbunden mit der Aufforderung, an den Tenno zu appellieren, den Krieg zu beenden.

***

Da es jedoch einen Engpass an Flugblattbomben gab, wurden diese Flugblätter über Nagasaki erst am 10. August abgeworfen, so daß die Forderung nach dem Appell an den Kaiser (zumindest hinsichtlich der Stadt Nagasaki) ins Leere lief.

Bis Ende 1945 starben in Nagasaki 70.000 Menschen, im Laufe der nächsten 5 Jahre waren es 140.000, die Todesrate entsprach schließlich doch der von Hiroshima. [2]

****

Am 9. August 1945 ist um elf Uhr zwei Minuten in 550 m Höhe über Matsuyama im Zentrum des Urakami-Viertels von Nagasaki eine Pluton-Bombe atomisch explodiert.
Eine Gewalt gleich einem mit 2000 Metersekunden daherfegenden Sturm zerstörte und pulverisierte jeden Gegenstand auf der Erdoberfläche. Das im Explosionszentrum entstandene Vakuum riß wie ein Tornado die Trümmer hoch in den Himmel und ließ sie darauf zu Boden stürzen.
Die erzeugte Hitze betrug 9000° Celsius. Sie kremierte jeglichen Gegenstand. Bombensplitter in Form weißglühender Bälle regneten nieder und entfachten in weitem Umkreis Brände. Über dreißigtausend Menschen wurden getötet, über hunderttausend verletzt. Weitere ungezählte Tausende waren den radioaktiven Strahlen ausgesetzt, die zur Atomkrankheit führten.
Eine dichte Wolke von Staub, Schmutz und Rauch bildete sich nach der Explosion. Sie legte sich vor die Sonne und bewirkte eine tiefe Dunkelheit, genau wie bei einer Sonnenfinsternis.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Arzt Dr. Nagai [7], ein Katholik [3], in der Medizinschule von Nagasaki. Gerade war eine Luftschutzübung abgehalten und der Endalarm gegeben worden… Nagai berichtet von der Hochsommersonne, die über dem südwestlich gelegenen Urakami-Viertel auf die Erde brannte, als das Geräusch einer einzelnen B-29 zu hören war. Beobachter konnten sehen, daß die hoch fliegende Maschine etwas fallen ließ…. es gab keine Detonation, nur ein helles Licht.. und diese gigantische Welle, die in ungeheurem Tempo über die Hügel und Felder schoss, sich ausbreitete und alles niederwalzte und zerriss. Kein Blatt, kein Grashalm, nichts war mehr zu sehen, nachdem sie vorüber war. Alles war dahin.

Nagai hatte das Glück, hinter einer massiven Betonmauer zu stehen, als die Bombe detonierte. So wurde er zwar verletzt, überlebte aber wie einige seiner Mitarbeiter, denen es ähnlich ging. Die allermeisten jedoch starben. Man wusste nicht genau, was passiert war, vereinzelte Gerüchte gab es über die Bombe, die Hiroshima zerstört hatte und so vermutete man schnell, daß dies eine ähnliche Bombe gewesen war. In der Nacht hörten Nagai und seine Gefährten die Flugzeuge, die die oben erwähnten Aufrufe abwarfen, als er mit wenigen Überlebenden in der Nacht durch die verwüstete Stadt irrte. Am Morgen fanden sie dann die Flugblätter….

Zweimal hörten wir in der Nacht feindliche Flieger ber uns. Sie streuen Flugblätter [siehe das kleine Bildchen, anklicken] aus.
Gegen Mitternacht ließ der Brand endlich nach. Die Hilfsschrei und das Jammern hatten ganz aufgehört. Waren sie alle tot, hatten sie erschöpft aufgegeen oder Schlaf gefunden? Kein Laut zwischen Himmel und Erde…
Es war ein feierlicher Moment.
Feierlich und entscheidungsschwer auch war der Augenblick im Kaiserpalast zu Tokio, wo der Tenno den Befehl erließ, daß die Nation sich ergebe. ….


Die Aufzeichnungen von Nagai spiegeln eine seltsam gespalten anmutende Gemütsverfassung wieder. Zum einen natürlich der Schrecken, der Horror der Bombe, der er nur knapp entkommen ist und deren Wirkung so ungeheuerlich, so unfassbar war. Zum anderen aber transzendiert er dieses, indem er sich klar zu machen versucht, was eigentlich passiert ist, wie diese Bombe funktioniert haben mag, was der wissenschaftlich-technische Hintergrund war. Mit erschreckender Nüchternheit beobachtet er auch die Wirkung der Bombe, die direkten Schäden, die sie hervorruft, die Verbrennungen z.B. aber auch Schäden durch die Druck- und Sogwelle [5], ebenso die ersten Symptome einer Strahlenkrankheit, die nach wenigen Stunden auftreten. Vielleicht ist auch dies eine besondere Art der Verdrängung:

… wir lagen nun hier im Unterstand als Opfer der Atombombe, die eine Kristallisation der atomphysikalischen Theorie war. Nun waren wir selbst zum Objekt des Experiments gewordne, wir hatten am eigenen Leib dei Wirkung der Bombe erfahren. Zudem befanden wir uns in der seltenen Lage, unsere Beobachtungen der Bombenspätfolgen an den Opfern fortzusetzen.“

Die wenigen Überlebenden versuchen mit den Mitteln, die ihnen noch geblieben sind (es sind nicht allzuviele) den Verletzten, auf die sie treffen, zu helfen. Sie versuchen, die nächsten Siedlungen zu erreichen, errichten Krankenstationen, die oft nicht mehr leisten können als Verbände zu wechseln und Zuspruch zu geben. Langsam nur war es möglich, die Versorgung der Überlebenden zu organisieren. Am 11. August wurden dann die Patienten (von ihm) ins Militärhospital verlegt, nun galt es, die Toten und Vermissten zu suchen und zu kremieren: „Rote Flammen hüllten die Scheiterhaufen ein; in klinene Gruppen umringten sie die Überlebenden mit wortlosem Starren.„. Jetzt kamen auch immer mehr Angehörige in die Trümmerlandschaft, um ihre Verwandten und Vermissten zu suchen: „… Dieses Suchen war herzzerreissend… Die meisten vermochten nicht einmal eine Leiche zu finden. … Auch wenn eine Leiche gefunden wurde, war ihre Identifikation … nicht … durch ihre Gesichter möglich, die verunstaltet und unkenntlich waren. .. sie standen da in wortlosem Schmerz, und manchem blieben die lösenden Tränen versagt.

In den nächsten Tagen wird einfach versucht, mit den primitivsten Hilfsmitteln, die zur Verfügung stehen, den Kranken zu helfen und sich selbst, denn natürlich sind auch die Helfer nicht verschont geblieben. Depression breitet sich aus, Verzweifelung, bei manchem bekommt der schützende Mantel des Nicht-Erfassens der Ungeheuerlichkeit Risse und läßt Hoffnungslosigkeit aufkommen. Was spielt der einzelne Kranke für eine Rolle, wenn doch die ganze Nation am Boden liegt und zerstört ist? Aber immer wieder gelingt es Nagai, dem auch geistigen Führer dieser Helfergruppe, sich und seine Leute mit Selbstdisziplin diese Krisen zu überwinden „Unsere Pflicht war, uns um die Gesundheit der einzelnen zu kümmern….

Gerüchte über die (abgeschätzte) Unbewohnbarkeit der Region (von 75 Jahren ist die Rede) demoralisieren zusätzlich. Doch nach 3 Wochen sieht man Ameisenkolonien im Zentrum der Zerstörung, nach einem Monat konnte man Würmer und Ratten beobachten, auch Getreide keimte und trieb aus, sogar Blumen fingen an zu blühen. Aus solchen Beobachtungen wurde Hoffnung geschöpft: „.. Ich sagte allen, es sei möglich, wieder im Bombenbezirk zu lebne mit der Einschränkung, daß Kinder noch etwas warten sollten, weil sie für die Strahlenwirkung empfindlicher sind.“ [6], langsam richten sich die Menschen wieder in der Region ein, erst in Unterständen, Baracken und Behelfsbehausungen, später dann in festen Häusern. Sehr genau kategorisiert Nagai den Ablauf dieser Wiederbesiedlung Nagasakis.

Weihnachten wurde die zwar vom Turm der Kathedrale gestürzte, aber unversehrt geborgende Glocke wieder geschlagen und „.. kündete den Frieden, der wiedergekehrt war.

Was Nagais Bericht über den Atombombenabwurf über Nagasaki von vielen anderen unterscheidet, ist, daß er außer der Beschreibung dessen, was geschehen ist, versucht, Erklärungen zu finden. Um mit der Ungeheuerlichkeit umgehen zu können zieht er sich auf die Position eines Wissenschaftlers zurück, der sich selbst zurücknimmt und beobachtet und die Beobachtungen analysiert. Dadurch gelingt es ihm in hohem Maße, die eigene Betroffenheit erst einmal zurückzudrängen und Handlungsfähigkeit und -kompentenz zu erlangen. Folgerichtig wird er auch Leiter der Gruppe Helfender, die den Abwurf der Bombe durch glückliche Umstände relativ unbeschadet überlebt haben. Diese Beobachterrolle mutet beim Lesen etwas seltsam an, unwillkürlich taucht die Frage auf, wie man eine solche Katastrophe so neutral und objektiv registrieren und nach Erklärungen suchen kann, denn – auch das klingt durch – die technisch-wissenschaftliche Leistung, die hinter und in der Bombe steckt zeugt ihm von Größe und imponiert.

In all dem Chaos empfindet Nagai, der Helfer und Beobachter „feierliche“ Momente. Das mutet sehr seltsam und unpassend an. Aber es sind die Momente der Stille, einsetzender und herrschender Ruhe, die Augenblicke, in denen das Chaos in der Dunkelheit verschwunden ist, in denen die Ruhe der Nacht dem Überlebenden die Gelegenheit gibt, sich wieder einer selbst bewusst zu werden, seines eigenen Überlebens, Momente, die diesem auch – als Gegenreaktion vllt – Hoffnung geben auf weiters Überleben….

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Artikel zu Fat man
[2] Rhodes R: Die Atombombe, Greno 1988, S. 740ff
[3] die alte japanische Stadt Nagasaki [4] war seit 1853 Vertragshafen der Europäer und wurde von Portugiesen und Holländern beeinflusst, hier befand sich die größte christliche Gemeinde des Landes
[4] Wiki-Artikel zu Nagasaki
[5] So berichtet er z.B. von einer Schwangeren, der Bauch aufgerissen worden war und deren Baby vom der Plazenta umschlossen zwischen ihren Beinen… weiter schreibt er: „Zahllosen Leichen war der Magen aufgerissen, und ihre inneren Organe lagen verstreut auf dem Boden. In siebzig Metern Abstand fand man Leichen mit abgerissenen Schädel, ja es fanden sich solche, denen die Augäpfel aus den Höhlen geschleidert waren. …“ usw
[6] … tragisch, aber man wusste noch nichts über den Charakter und die Langzeitauswirkungen radioaktiver Strahlung (eigentlich ein falscher Begriff, den nicht die Strahlung ist radioaktiv, sondern die sie aussendenden Stoffe….., aber es hat sich halt so eingebürgert). Im Gegenteil, Hiroshima und Nagasaki bildeten den ersten reichen „Erfahrungsschatz“, den man in dieser Hinsicht bergen konnte…..
[7] Wiki-Artikel über Paul Takashi Nagai, siehe auch das kleine Vorschaubildchen vom Rückeneinband des Buches

Paul Takashi Nagai
Die Glocken von Nagasaki
übersetzt von Friedrich Seizaburo
diese (gekürzte) Ausgabe: St. Benno-Verlag GmbH, Leipzig 1957. 130 Seiten; Broschiert;

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