Es ist das Erfinden und das atmosphärische Erinnern,
das einen zu Dingen bringt, die man vergessen hat. [2]

luecke

Alle Toten fliegen hoch – im Rahmen dieses Bühnenprojekts ist auch dieser Teil der autobiographischen Erzählungen Meyerhoffs angesiedelt, gleichwohl ist er als Roman eingestuft. Alle Toten fliegen hoch – dieser Spruch erinnert an ein einfaches Kinderspiel, erhält aber im Kontext dieses Buches bzw. dieser Bücher eine besondere Bedeutung: Der Tod ist nicht selten in ihnen, viele der Bezugspersonen des Autoren sterben, der Vater, die Großeltern, der mittlere Bruder – möglicherweise, dieser Eindruck drängt sich nach diesem Buch auf, wäre sein, des Autoren, Leben, anders verlaufen, wenn der Tod zumindest seinen Bruder verschont hätte. Aber dazu komme ich später noch…

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke setzt ein, als der Autor ein ca neunzehn Jahre alter junge Mann ist (der Zeitraum von sieben bis neunzehn Jahren wird durch das Buch: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war [3] beschrieben). Kurz zur Ausgangssituation: Meyerhoff war ein Jahr in Amerika, sein heimisches Elternhaus liegt mittlerweile in Scherben: der mittlere Bruder ist tödlich verunglückt, die Ehe seiner Eltern zerbrochen, seine Mutter arbeitet in einem Krankenhaus in Italien, sein Vater lebt in Lübeck mit einer anderen Frau zusammen. In dieser desolaten seelischen Verfassung einer (mindestens) zweifachen Verlust- und Trauersituation bewirbt sich der junge Meyerhoff bei der Otto Falckenberg-Schule in München,, der – wie sie heute heißt – ‚Fachakademie für darstellende Kunst der Landeshauptstadt München‘ früherer hieß sie einfacher die ‚Städtische Schauspielschule‘ – um Aufnahme. Was ihn dazu trieb: es ist nicht erkenntlich, lange Zeit konkurrierte der (für einen Neunzehnjährigen nachvollziehbar) verlockende Gedanke an einen Zivildienst im Krankenhaus, bei der er im Schwesternwohnheim unterkommt, ernsthaft mit diesem Ausbildungswunsch (Ob und wie dieser Zivildienst abgeleistet wird, findet im übrigen keine Erwähnung mehr im Buch.).

Joachim Meyerhoff geht also nach München auf die Schauspielschule. Die Aufnahmeprüfung hat er einzig und allein aufgrund einer beeindruckenden Performance, für die er im Grunde nichts konnte, geschafft. In die Ausbildung selbst kann er von seiner Seite her vor allem Enthusiasmus einbringen, eine Begeisterung, die ihn immer wieder rettet, denn ansonsten gleichen die drei Jahre eher einer Durchhalteübung. Nur an zwei Stellen tauchen noch einmal solche Momente auf, die dem einen seiner Aufnahmeprüfung ähneln: bei einer Versteigerung von Kostümen fällt es ihm als dem Lulatsch zu, ein langgeschnittenes Paillettenkleid vorzuführen. In dieses Kleid zu schlüpfen ist für ihn wie in eine Haut zu schlüpfen, er fühlt sich fantastisch in diesem Kleid, nichts mehr muss er spielen: es fällt etwas hinunter und er bückt sich nicht mehr, er geht ganz automatisch in die Hocke… er fühlt sich frei, er ist nicht mehr Joachim Meyerhoff, er ist einfach nur noch. Der zweite dieser Momente sollte ausgerechnet die ‚Abschlussprüfung‘ sein, in der dem Schüler die Bühnenreife attestiert wird – oder auch nicht. Im Grunde ähnelt diese Situation derjenigen der Aufnahmeprüfung: war er seinerzeit schlecht vorbereitet, so ist er bei dieser Prüfung so erschöpft, daß er sich nicht mehr wehren kann gegen die inneren Zwänge: Die letzten Monate hatten mich in einen Zustand der Trance versetzt. Sorgen, Appetit- und Schlaflosigkeit. Letztendlich war ich einfach zu erschöpft, um schlecht zu sein. Er besteht.

Die drei Jahre Schauspielschule und anschließend noch die Zeit bis zum ersten Engagement in Kassel lebt Meyerhoff in München bei den Großeltern mütterlicherseits. Es war eine alkoholverschleierte Zeit in einem seit Jahrzehnten unverändert rosa eingerichteten Mädchenzimmer, hier ist Gegenpol zur Schule, der Ort, der Zustand, an dem sich der Autor seinerzeit allabendlich ausklinken und in den schützenden Kokon einer Umgebung begeben konnte, die sich seit Jahren nicht mehr verändert hatte und die ihm Sicherheit und Geborgenheit geben konnte.

Moooaaahhhh….

Seit Jahren nicht mehr verändert: dies ist wörtlich gemeint. Die Großeltern (die älteren unter uns werden die Großmutter Inge Birkmann, eine zu ihrer Zeit bekannte Schauspielerin, zumindest vom Gesicht her kennen, der Großvater Hermann Krings, war mir als Philosoph wenigstens vom Namen her ein Begriff [1]) in ihrer Villa in der Nachbarschaft zum Schloss und Park Nymphenburg hatten die Zeit zum Anhalten gebracht, indem sie keine Veränderungen mehr zuließen, ihr Leben verlief in derart streng ritualisierten Formen, daß sich Messen der katholischen Kirche dagegen wie Sponti-Veranstaltungen ausnehmen. Ich will dies nur an ganz wenigen Beispielen verdeutlichen: getaktet wurde der Tag der Großeltern durch den Genuss von Alkohol, der sie in fünf Etappen durch den Tag leitete: Champagner am Morgen, Weisswein beim Mittagessen, Whiskey um sechs Uhr abends, Rotwein beim Abendbrot und – wenn das Ende des Abends in Sicht kam – Cointreau. Später sollte Meyerhoff feststellen, daß es auch noch einen täglichen sozusagen ‚Sunriser‘ gab: Am frühen Morgen den hochprozentigen Enzian zum Gurgeln…

Ein zweites Beispiel: Einer der beiden Urlaubsortes des Paares war Lanzarote. Hermann, der Großvater, fotografierte. Jedes Jahr die gleichen Bilder, die gleichen Pose Inges am gleichen Platz vom gleichen Standort aus. Die Diaabende der beiden vergleicht Meyerhoff (ich liebe ihn für diesen Vergleich) mit Nahtoderfahrungen. Selbstverständlich waren Kommentare und Fragen zu diesen immer gleichen Bilder auch ritualisiert, was zu der grotesken Situationen führen konnte, daß evtl. alkoholbedingt das fein austarierte Räderwerk aus dem Gleichgewicht kam und eine Antwort auf eine Frage gegeben wurde, die dann selbst erst im Nachhinein gestellt wurde. Schließlich schlief man ein, sogar Hermanns Kopf fiel zur Seite. Nur seine  Hand, die für den Transport der Dias zu sorgen hatte, funktionierte weiterhin zuverlässig…… Die Addams-Family läßt grüßen…

Das Leben als Endlosschleife, als all-tägliche Wiederaufführung eines absurden Theaterstücks…. es passt dazu, wenn Meyerhoff festhält, daß seine Großeltern selbst zeitlos gewesen sind, daß vier Jahrzehnte lang ausgesehen hätten, als seien sie fünfzig gewesen… das Ritual, die Form als Panzer, als Schutzschicht.. nur selten zeigen sich Risse in dessen/deren Oberfläche, es sind Momente, in denen die Stimmung (bei der Großmutter) plötzlich kippt vom harmonisch-somnabulen ins verbalaggressiv-zornige.

Mit diesen kurzen Anmerkungen ist der Inhalt des Buches von Meyerhoff grob skizziert, ohne allzuviel Details zu verraten. Dies alles, die Theaterausbildung und das Leben bei den Großeltern, wird vom Autoren grandios geschildert. Er ist einer, der zu erzählen weiß, der zu beschreiben weiß, der zu fesseln weiß, der ein Gespür hat für die Pointe und der so sensibel ist, dabei niemals Wunden zuzufügen. Unter seiner Charakterisierung werden die beiden sonderlichen Großeltern zu Menschen, die einem als Leser ans Herzu wachsen, um so mehr, als wir in Rückblicken ihre eigene Lebensgeschichte erfahren. So absurd und grotesk manche der Episoden sind, so spürt man in jeder Zeile neben der Verwunderung die Liebe, die der Autor für seine Großeltern empfangt und immer noch empfindet. Für weit über drei Jahre, in der Zeit, in der das eigene Elternhaus zerbrach und die Seele verwundet war, war hier seine Zuflucht, in der er, der ‚Lieberling‘, von der allzeit eleganten Großmutter und dem listenführenden Großvater aufgenommen und im rosaroten Alkoholdämmer behütet worden war.


Nun noch ein paar Gedanken, die mir während des Lesens durch den Kopf gegangen sind.

Es würde mich beispielsweise interessieren, inwieweit ein Psychologe einem jungen, noch ungefestigten Menschen mit der angedeuteten aktuellen seelischen Last der zwei Verlustereignisse vom Tod des Bruder und dem Verlust des Elternhauses (die etwas ungewöhnliche Kindheit in der Umgebung, bzw. mitten drin einer psychiatrischen Anstalt kommt noch hinzu), die ja eher zum Sichabkapseln, Sichzurückziehen drängt, einer Schauspielausbildung zuraten würde, in der Selbstentblößung Programm ist…..

Meyerhoff konstatiert nach einen Zusammenbruch, nach den Jahren der Ausbildung, daß ihm auf der Schauspielschule fein säuberlich Körper und Geist getrennt worden seien, eine  Erkenntnis, die ihn mit panischer Resignation erfüllte. Liest man die Passage, in der Meyerhoff diese Situation schildert [S. 284 ff], drängt sich einem der Eindruck auf, daß hier ein Mensch auf der Kippe zu einer psychischen Erkrankung stand. Die Hilfe kam von völlig unerwarteter Seite: Ich suchte in mir nach Resten von Stabilität. Gab es die überhaupt noch? …  Ich wusste es nicht. Da stieß ich auf etwas, was mir Halt versprach. Die Trauer um meinen Bruder hatte ich unbemerkt durch die Schauspielschule geschleust. Niemandem hatte ich von meinem Verlust erzählt…. Die Trauer um den Bruder war konkret, absolut authentisch und ganz und gar ich selbst. Bingo! Genau dies war mein Gefühl schon viele Seiten vorher: diese Trauer, ach, diese entsetzliche Trauer: wo nur versteckte er sie, wohin hatte er sie verbannt, die doch offensichtlich immer wieder heraus wollte und ihn bedrängte, indem sie ihn blockierte, die zu ihm gehörte, obwohl er sie nicht wahrnehmen wollte.


Nie liest man, daß sich Meyerhoff zu seinem Wunsch, Schauspieler zu werden, offensiv bekannt hat. Die ganze Ausbildung scheint von seinen Versagensängsten und Blockaden begleitet zu sein, lange noch ist die Vorstellung des Schwesternwohnheimes für ihn verlockend… Er sabotiert seine Ausbildung wo er nur kann: schon das Vorsprechen war absolut ungenügend vorbereitet (auch wenn gerade das dazu geführt hatte, daß es so beeindruckend war), beim zweiten Vorsprechen versuchte er nicht, an den Erfolg des ersten anzuknüpfen, sondern er versank im Mittelmaß mit seiner ‚Neubearbeitung‘. Ein Jahr später wird die Großmutter noch einmal wegen eines Filmprojekts gefragt, in das sie unter der Bedingung einwilligt, daß ihr Enkel auch mitspielen darf. Dieser schneidet sich dann eine Woche vor Drehbeginn die (rollenwichtigen) Haare ab. Es passt ins Bild, daß mit Ausnahme der Modenschau eigentlich alles im Desaster und Eklat endete, was er an der Schule anpackte…….

Dies alles (das offensichtlich immer verkrampfter Agieren bei der Ausbildung sowieso) hat mich zunehmen irritiert, ich wartete (ebenso wie die Schule) auf den ‚Aha‘-Moment, den ‚Danton‘-Moment, an dem der Knoten platzt, denn nur wenige Jahre später schon wird er von der Kritik als „genialer Burgschauspieler“ gewürdigt und ist vielfach ausgezeichnet [2]  – allein, dieser Moment kommt nicht. Zwar beendet er die Ausbildung mit der Befähigung zum Bühnenschauspieler, als einziger seines Jahrgangs jedoch bleibt er ohne Engagement. Erst geraume Zeit später kann ihn seine Mentorin nach Kassel vermitteln, aber auch dort ist er alles andere als glücklich oder erfolgreich.

Nachdem ihm wie schon erwähnt die Erkenntnis um den Verlust des Bruders aus einer ernsten psychischen Krise heraus geholfen hat, hilft ihm jetzt wiederum die Konfrontation, die Auseinandersetzung mit dem Tod. Die geliebten Großeltern sterben recht kurz hintereinander (selbst solche traurigen Anlässe versteht Meyerhoff so traurig-leicht zu schildern), auch der Vater erliegt seinem Krebsleiden – und er, der Autor, begegnet dem Werther und fühlt sich ihm immer seelenverwandter. In dieser Figur Goethes findet er sich auf einmal wieder: dieser Werther, so empfindet er, ist wie er, hier muss er nichts spielen, hier kann er einfach sein. Werther und er, sie beide spüren diese Lücke, ach, diese entsetzliche Lücke in sich. So bearbeitet Meyerhoff also dieses Stück und geht er mit ihm auf Rundreise, stirbt allabendlich den Tod auf der Bühne, spürt etwas von der tatsächlichen Möglichkeit, es zu tun. … der Schuss schloß die Lücke. Ich brauchte diesen selbstmörderischen Existenzbeweis. Frisch erschossen in der Finsternis zu liegen. Das war herrlich. 


Die romanhaften Erinnerungen Meyerhoffs enden mit einer Liebeserklärung an die Großeltern. Verschwimmen nach all den Jahren auch die Erinnerungen an den toten Bruder, ist die an den Vater nicht richtig greifbar, so sind die Großeltern verlässlicher Besuch aus dem Totenreich. Kaum, daß ich an sie denke, sind sie auch schon da, sitzen in ihren Sesseln und stoßen mit mir an. … Wie auch immer sie das geschafft haben, die Vergänglichkeit verschont sie und die Zeit trägt sie, wann immer ich es will, bereitwillig auf Händen zu mir.

Nach  Wann wird es wieder so, wie es nie war hat mich Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke erneut überzeugt und begeistert. Hier ist jemand, der erzählen kann, der von Stärken und Schwächen (auch eigener) berichten kann, ohne zu verletzen, der seinen Personen immer ihre Würde läßt bei all ihrer Verletzlichkeit, der auch in den schweren Momenten des Lebens noch Komisches entdeckt und es schildern kann, ohne daß es peinlich wird. Aus dem jungen Eleven, der damals auf der Bühne stehen und dabei nicht gesehen werden wollte, der inkognito sein wollte, ist mittlerweile ein grandioser Erzähler und Darsteller geworden und wenn dieser Autor schildert, wie er dereinst mit Horst Tappert in der Sauna des großelterlichen Hauses hockte, da springen einen beim Lesen Derricks Tränensäcke förmlich an, derart anschaulich und lebendig schafft er das!

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Seiten zu den Großeltern von Joachim Meyerhoff:
Inge Birkmann: https://de.wikipedia.org/wiki/Inge_Birkmann
Herman Krings: https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Krings
[2] Interview mit Meyerhoff: „Ich bin jetzt mal ehrlich“; in:  http://derstandard.at/3310602/Zur-Verabredung-mit-Grossmutters-Beinen

Joachim Meyerhoff
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
(Alle Toten fliegen hoch, Teil 3)
diese Ausgabe: KiWi, HC, ca. 350 S., 2015

schmerz cover

Der Schmerz – man muss da nicht viel zu raten: er ist uns unerwünscht, wir wollen ihn nicht. Aber selbst das ist so absolut nicht zutreffend, er hat viele Facetten und wenn sich Severin dereinst wünschte, daß „sie nur einmal wieder die Peitsche in die Hand nehmen würde“, so wird er schon seine Motive dafür gehabt haben, für die der Autor der Fantasie (durchaus unerwünscht) letztlich sogar zum Namenspatron wurde [2]…

Severin konnte seinerzeit noch nicht wissen (und es wird ihn auch nicht sonderlich interessiert haben), was Schmerz überhaupt ist, wie er entsteht, wo und wie er wirkt, und wie man ihn bekämpfen bzw. mit ihm umgehen kann. Zu ändern, daß wir ihm auch heutzutage in vielen dieser Fragen gleichen und meist nur mit solidem Halbwissen bestückt sind, sind die beiden Züricher Wissenschaftler  mit ihrem Buch Schmerz angetreten.


Die beiden Autoren [1] gehen systematisch vor. Nach der Erklärung, was Schmerz ist, wie er überhaupt entsteht, erläutern sie, welche Substanzen gegen Schmerz wirken, wie man ihn also auf dieser Basis bekämpfen kann. Daß Arzneien nicht das einzige Mittel sind, gegen Schmerz vorzugehen, diskutieren sie anschließend im Abschnitt über Schmerzbewältigung. Daß eine Schmerztherapie nicht immer wirksam wird, ist eins der Themen, die im Rahmen der Schmerkommunikation erläutert wird, danach folgt ein Abschnitt, der sich mit geschlechterspezifischen Aspekten befasst, bevor sich die Autoren das Buch abschließend einer Wechselwirkung zwischen Schmerz und Lust widmen.

Um dieses zur trockenen Wissenschaft neigende Programm anschaulich zu halten und mit Leben zu füllen, haben Wittwer und Folkers sich etwas einfallen lassen: sie unterbrechen ihre Erläuterungen mit einer Geschichte, die einen Tag im Leben des Herrn. D. schildert und damit beginnt, daß dieser vor dem Spiegel steht und sich die Nasenhaare ausreißt, ein – wie wohl jeder Nasenträger weiß – hin und wieder tränentreibendes Geschäft. Aber das ist nicht das einzige Ungemach, das ihn an diesem Tage traf: er wurde verlassen, von seiner Freundin, die auch noch die Katze mitnahm und – vielleicht schlimmer noch – Frau Meier, Nachbarin, 85, hedonistisch eingestellt, greift ihn beim Verlassen der Wohnung an der Tür auf…


Mit diesem Einstieg wird schon ein den Autoren wichtiger Aspekt deutlich: Schmerz, Schmerzempfindung, ist ein komplexes Phänomen, das sowohl durch ‚handfeste‘ (‚Nasenhaare‘), aber auch durch psychische Ereignisse (z.B. Magenschmerzen vor lauter Trauer oder Liebeskummer) hervorgerufen werden kann.

Schmerz ist eine unangenehme sensorische oder emotionale Erfahrung,
die mit tatsächlicher oder potenzieller Gewebeschädigung verknüpft ist
oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben werden kann [3]. 

Auf diese Definition berufen sich die Autoren und behandeln … Leid als eine bestimmte Art von Schmerz, wofür sie auch Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zitieren.

Schmerz ist dann vorhanden, wenn es weh tut: Schmerz ist eine Empfindung, die jeder Mensch für sich hat, die von anderen nicht (nach)gefühlt werden kann. Dabei ist es unerheblich (dies ist den Autoren wichtig), ob der Schmerz eine erkennbare Ursache hat (‚Nasenhaare‘) oder er ohne, daß die physiologischen Vorgänge der Schmerzempfindung ablaufen, durch andere Ursachen wie Liebeskummer, Trennungsschmerz oder ähnliches erzeugt wird, denn der Schmerz entsteht im Hirn und wird von dort aus im Körper lokalisiert. Das Hirn jedoch ist lernfähig und kann sich an neue Randbedingungen anpassen, diese Eigenschaften bieten eine Möglichkeit, Schmerzempfindungen auch durch psychische Faktoren zu beeinflussen.

Es gibt diesen dummen Spruch: „es kann gar nicht weh tun, ich bin so nah dabei und spüre gar nichts!“, auf den derjenige, der das Gesicht vor Schmerz verzieht, meist unwirsch reagiert. Es stimmt aber, Art, Ausmaß, Stärke etc pp einer Schmerzempfindung kann von aussen nicht nachgefühlt werden, dies ist ein Problem, eine dem/der jeweilig Betroffenem eine adäquate Schmerztherapie zukommen zu lassen. Hier liegt, liest man die Ausführungen der Autoren, vieles im Argen, zumeist zum Nachteil der Patienten…. geschlechtsspezifische Unterschiede existieren beispielsweise bzgl. der Wirksamkeit von Schmerzmitteln (bei rothaarigen Frauen z.B. wirkt Lidocain (Zahnarzt!!) schwächer als üblich), bei der Behandlung werden fälschlicherweise (unzutreffende) Erfahrungswerte, die der Behandelnde bislang gemacht hat, übertragen, ohne konkret den vorliegenden Einzelfall zu betrachten. Besonders problematisch sind Patientengruppen, die sich nicht adäquat äußern können: Babys und Säuglinge, aber auch alte Menschen oder Demente.

Wichtig ist den Autoren, daß die adäquate Schmerzbehandlung schnell erfolgen muss. Schmerz kann sich nach einer gewissen Zeit selbstständig machen und somit selbst vom Symptom zur eigenständigen Krankheit werden. Es ist daher kontraproduktiv, Schmerz ‚mannhaft‘ aushalten zu wollen, bis er irgendwann vorbei geht…

In diesem Kontext diskutieren die Autoren ebenfalls den Schmerz bei Tieren. Hier wird sie Leidensfähigkeit unserer Mitgeschöpfe meist bei weitem unterschätzt, ganzen Tiergruppen wird sie abgesprochen bzw. gar nicht erst zugebilligt. Würde man dies tun (man müsste es…), hätte dies große Auswirkungen auf z.B. den Tierschutz, aber auch unsere Ernährung….

Wie überhaupt läßt sich der Schmerz bekämpfen? Mit Schmerzmitteln natürlich, aber auch hier könnte sich noch einiges zum Positiven ändern. Die Verabreichung Opiaten beispielsweise ist immer noch zögerlich, weil falsche Vorstellungen über Nebenwirkungen (auf die man sich einstellen kann) und die (bei korrekter Applizierung zu vernachlässigende) Gefahr der Suchterzeugung bestehen. Zudem verhindern wissenschaftlich längst widerlegte Vorurteile in der Politik z.B. den Einsatz von Cannabinoiden (‚Hanf‘). In einem kleinen Kompendium der Schmerzmittel charakterisieren die Autoren diverse Stoffgruppen, die in der Schmerztherapie wichtig sind oder zukünftig möglicherweise zur Verfügung stehen werden.

Ausführlich wird auch auf den sogenannten Placebo-Effekt eingegangen, der sehr reale Wirkungen hat, denn mentale Faktoren sind für die Schmerzempfindung und damit auch die Schmerzbekämpfung wichtig. Ein recht umfangreicher Abschnitt befasst sich auch mit dem Thema „Spiritualität und Schmerz“: die Abtötung leiblicher Freuden auch durch freiwilliges Zufügen von Schmerz oder die Adelung der unter Folter gestorbenen Gläubigen zu Heiligen haben über lange Jahrhunderte die katholische Spiritualität mitgeprägt.

Wie schon weiter vorne angedeutet, bestehen auf der biologischen und auf der psychosozialen Ebene geschlechterspezifische Unterschiede zwischen Mann und Frau. Das diskutieren die Autoren ausführlich und gehen auf herrschende Mythen wie den vom Geburtsschmerz und der weinerlichen Weiblichkeit und den harten Macho ein. Wie in vielen anderen Fällen auch in diesem wieder das Problem, daß statistische Aussagen nicht erlauben, auf den Einzelfall zu schließen. Die daraus resultierende Gefahr, den Einzelfall mit Fakten, die über die Statistik gewonnen wurden, falsch weil inadäquat zu behandeln, wurde schon erwähnt.

Schmerz schließt mit einer Betrachtung über Zusammenhang von Schmerz und Lust ab, mit der ich meine Buchvorstellung eingeleitet habe, wobei jedoch die exponierte Beziehung zwischen den ‚Severins‘ und ‚Wandas‘ dieser Welt nicht betrachtet wird. Vielmehr geht es um das wohl jedem bekannte Phänomen, daß lustvolle Zustände Schmerz vermindern können, egal, ob es sich dabei sexuelle Erregung oder auch den Genuss Nahrungsmitteln wie Zucker oder Schokolade handelt.


Das Buch Schmerz ist randvoll mit Informationen, es ist daher unmöglich und auch nicht sinnvoll, dies hier in der ganzen Bandbreite wiederzugeben, ich hoffe, zumindest eine Andeutung über den Inhalt vermittelt zu haben. Die Fakten werden meist ’nur‘ referiert, das ausführliche Verzeichnis zur Primärliteratur eröffnet jedoch den Möglichkeit, die jeweiligen Informationen zu vertiefen. Insgesamt kommt das Verzeichnis der ‚Endnoten‘ auf über vierhundertsechzig Einträge, die meisten davon sind (einer groben Durchsicht nach) aus der ersten Dekade des gegenwärtigen Jahrhunderts. Damit kann das Buch auch als Nachschlagewerk dienen, zumal ein Register einen neben dem Inhaltsverzeichnis differenzierteren Zugang eröffnet.

Eine gewisse naturwissenschaftliche Grundbildung ist zum Lesen des Buches sicherlich sinnvoll und hilfreich: Schmerz, Schmerzempfindung, Schmerzbewältigung, Schmerzbekämpfung etc sind oft komplizierter Vorgänge, die auch eine bestimmte Terminologie bedingen. Die beiden Autoren schaffen es jedoch, dies so zu darzustellen, daß man auch als Laie zumindest die Grundzüge, das Wesentliche verstehen kann. Auch wird deutlich gemacht, wie umfassend der Gesamtkomplex Schmerz ist und er keineswegs auf ‚Aspirin‘ und ‚ein Indianer kennt keinen Schmerz‘ reduziert werden kann. Dieser Komplexität müsste in der Praxis der Medizinausbildung mehr Rechnung getragen werden, Vorurteile gegen Schmerzmittel wie Opiate müssten abgebaut werden, und einzelne politisch motivierte Verbote wie gegen cannabisbasierte Schmerzmittel müssten aufgehoben werden. Nicht unterschätzt werden darf auch die mentale Komponente des Phänomens Schmerz, sie kann die Belastung durch Schmerz erhöhen, bietet aber auch eine wirksame Möglichkeit, Schmerzempfindung besser ertragen zu lernen. Eine gute und wirksame Schmerzbekämpfung muss den ganzen Menschen einbeziehen.

Ein abschließendes Wort noch zu der in dem Buch eingebetteten Novelle: man darf hier keine literarische Perle erwarten. Die konstruierte Geschichte nimmt teilweise haarsträubende Kurven, um ihrer Funktion, auf Kommendes im Buch vorzubereiten, gerecht zu werden. Aber unterhaltend ist der slapstickartige Handlungsablauf, der nicht vor Fugu-Genuss, toten Pudeln, ausgeschlagenen Zähnen und einer attraktiven Zahnärztin zurückscheut, in jedem Fall, er vermittelt beim Lesen willkommene Erholungspausen. Und ein gewitzter Einfall des Autorenduos ist es ebenfalls.

Schmerz: ein Sachbuch also mit Anspruch und voller Informationen und – da es leider ja wohl jeden angeht – im Grunde für jeden interessant. Möglicherweise ‚munitioniert‘ es den/die einen oder anderen sogar für (hoffentlich nie notwendige) Diskussionen mit behandelnden Ärzten auf…..

Links und Anmerkungen:

[1] wie bringt man, ohne ein formulierungsmäßiges Monster zu erzeugen, die Information unter, daß es sich bei den Autoren um ein sozusagen gemischtes Doppel handelt? Man möge mir verzeihen, daß mir das nicht wirklich gelingt…
Infos zu Frau Amrei Wittwerhttp://www.collegium.ethz.ch/ueber-uns/collegium-helveticum/personen/dr-amrei-wittwer/ und (sehr interessant) auch hier: https://www.zhdk.ch/index.php?id=55281
Kurzbiografie von Gerd Folkers: http://www.swir.ch/de/der-swir/organisation-de/der-rat/85-inhalt-cat/359-prof-dr-gerd-folkers-de
[2] Leopold von Sacher-Masoch: Venus im Pelz, in der im Blog vorgestellten Ausgabe auf S. 99
[3] Definition der Internationalen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes, im Buch: S. 30

Amrei Wittwer, Gerd Folkers
Schmerz
Innenansichten eines Patienten und was die Wissenschaft dazu sagt
diese Ausgabe: Hirzel-Verlag, Kartoniert, ca. 216 S., 2016

Ich danke dem Verlag für die Überlassung eines Leseexemplars.

Ein Thema kehrt in Drieus Romanen häufig wieder: das Thema der Jüdin. Gilles Drieu, dieser stolze Wikinger, hatte keine Hemmungen, Jüdinnen zu verschachern, zum Beispiel eine gewisse Myriam. … Bei Jüdinnen ergab Drieu sich der Illusion, ein Kreuzfahrer zu sein, ein teutonischer Ritter. …. Aber Drieu als Kollaborateur? Das erkäre ich mühelos: Drieu faszinierte die dorische Virilität. Im Juni 1940 fallen die wahren Arier, die wahren Krieger über Paris her: Eilig zieht Drieu das Wikingerkostüm aus, das er sich geliehen hatte, um die jüdischen Mädchen von Passy zu misshandeln. Er findet zu seiner wahren Natur zurück: Unter dem metallblauen Blick der SS-Männer wird er weich, schmilzt, fühlt plötzlich orientalische Sehnsüchte in sich aufkeimen. Schon bald liegt er in den Armen der Sieger. Nach ihrer Niederlage opfert er sich.

Der diesen keineswegs bewundernden Blick auf den Autor des vorliegenden Erzählbandes Die Komödie von Charleroi wirft, ist Raphaël Schlemilovitch, der Protagonist des fulminanten Romans Place de l’Étoile von Patrick Modiano [2], in dem der Nobelpreisträger für Literatur des Jahres 2014 u.a. mit der kollaborierenden intellektuellen Elite Frankreichs im Zweiten Weltkrieg abrechnet.


Thomas Laux hat dieser vorliegenden Sammlung von sechs Erzählungen, die der Manesse-Verlag dieses Jahr 2016 in deutscher Erstausgabe herausgebracht hat, ein erklärendes Nachwort beigefügt, in dem er auf diese schillernde Figur des Pierre Drieu La Rochelle [1] eingeht.

Solidität und Entschlossenheit, so Laux, sind keine Begriffe, auf die man bei der Charakterisierung von Drieu zurückgreifen würde. Ab 1934 bekennt dieser sich offen zum Faschismus und arbeitet mit den Okkupanten zusammen, 1940 übernimmt er, ein wahrhafter ‚Frankreichhasser‘, auf Vorschlag des deutschen Botschafters in Paris die Redaktion einer im Verlag Gallimard erscheinenden Monatszeitschrift, aus der er 1943 müde und schwermütig geworden, wieder ausscheidet. Sein ‚glühender‘ Antisemitismus läßt sich nicht auf ein Ereignis und bestimmte Gegebenheiten zurückführen, in erster Ehe war sogar er mit einer Jüdin verheiratet. Vor seinem Bekenntnis zum Faschismus zeigte er nach dem 1. WK pazifistische Gedanken, freundete sich mit Surrealisten an, auch für den Kommunismus wusste er sich zu erwärmen, bis er dann 1934, dem Publikationsjahr des vorliegenden Buches sich zum Faschismus bekannte. Gegen Kriegsende jedoch, als die Niederlage des Faschismus offensichtlich wurde, erwärmte er sich erneut für die kommunistische Idee, auch mystisches aus Indien fing an, ihn zu faszinieren.

Ich habe diese sich stetig ändernde Ausrichtung Drieus hier grob referiert, weil es beim Lesen seiner Geschichten dem Verständnis und Einordnung hilft. Beginnen wir also unsere Reise in die Gedankenwelt dieses schillernden französischen Intellektuellen.

charleroi


Die Komödie von Charleroi ist die längste der sechs Erzählungen des Buches und gibt ihm ihren Namen. Der Ich-Erzähler ist als Sekretär bei Madame Pragen, einer bürgerlichen Witwe angestellt, einer Art wandelndes Potemkin´schen Dorfes, eine bourgeoise Frau, die nach aussen viel darstellt, die auf ihre Wirkung bedacht ist, die aber wenig Substanz verkörpert. Sie musste selbst in Licht der Öffentlichkeit stehen oder an diesem Licht teilhaben, in dem bekannte Persönlichkeiten standen. Es ist der 2. Juli 1919, die beiden Personen sind auf der Fahrt von Paris nach Charleroi in Belgien. Dort begann für den Ich-Erzähler am 24. August 1914 der Krieg in einem Gefecht gegen die Deutschen. Madame Pragen will sich den Ort und die Schlachtfelder in seiner Umgebung ansehen, auf denen Claude, ihr Sohn, damals starb. Der Erzähler (Der Besuch der Stätten lockte und ängstigt ihn zugleich) erinnert sich an Claude, einem jüdischen Kameraden, den er als schwachen und ungeschickten Bourgeois mit Zwicker auf der Nase, blass und auf die Ankündigung „Sie sind da“ mit offenem Mund auf dem Boden hockend und erledigt im Gedächtnis hat.

Die Delegation mit Honoratioren aus dem Ort um Madame Pragen herum besucht die Schlachtfelder von damals. Wo jetzt Kühe grasten, wurde vor wenigen Jahren Blut vergossen, liegen die Kameraden von damals… Der Erzähler erinnert sich an diesen 24. August 1914, wie er ihn erlebte, zwischen Angst und Furcht einerseits und auf der anderen Seite Anfällen von Mut und Heroismus, in denen er nach vorne stürmte, er den Rausch eines Anführers spürte, denn ein Anführer ist ein Mann in seiner Vollendung; der Mann, der in derselben Bewegung gibt und nimmt. Immer wieder klingt die Verachtung für Frankreich durch, das seine Soldaten mit schlechter Ausrüstung unvorbereitet in den Kampf schickte. Mit roten Hosen lagen sie gut sichtbar im Gelände, die wenigen, schlechten Maschinengewehre waren bald funktionsuntüchtig, die Offiziere zur Handlung unfähig.. wie anders dagegen die Deutschen, die in ihrem feldgrauen Uniformen praktisch unsichtbar waren, der MG sie unablässig mit Kugeln eindeckten, deren Artillerie nicht aufhörte, zu mit Feuer zu überziehen… er wird verletzt, irrt auf der Flucht durch die Gegend, trifft wieder auf seine Truppe, doch der Krieg war für sie wie für mich verloren. … Es war wie 1870. Die französische Armee mit ihren roten Hosen trat den Rückzug  an. Geschlagen von der Technik, von der ‚Explosion der Chemie‘, es ist kein ehrenhafter Kampf mehr Mann gegen Mann, der Krieg ist ihm zu anonym geworden, zu sehr Materialschlacht….

Die äußere Handlung geht derweil weiter, mitten im Wald hat der nordische Genius …. einen Friedhof, ein kleines Walhalla, in der die stille männliche Reinheit herrscht, angelegt. Man gräbt diverse Särge aus, öffnet sie, blickt in den honigartigen Horror, den sie beinhalten, bis Madame Pragen endlich definiert: „Das ist er„.

Die Welt ist absurd. Doch die Gesten, die sie ausführt, sind schön.

Stilistisch hat mich diese Erzählung stark an Mondiano (zumindest die Romane, die ich von ihm kenne) erinnert, den ich eingangs ja zitierte: ein Protagonist, der in Gedanken ein prägendes Ereignis noch einmal erlebt, durchanalysiert und bewertet, der wechselnden Emotionen ausgesetzt ist, der ein inneres Zwiegespräch führt, in dem er seine eigene Position zu finden sucht, der sich auch treiben läßt vom gegenwärtigen Gedankenstrom.

Inhaltlich finden wir in Die Komödie… das in den Erläuterungen Gesagte wieder: die Verachtung für Frankreich mit den mehrfach erwähnten roten Hosen für seine Soldaten aus augenscheinlichstes Symbol und der schlechten Bewaffnung als fatalstem, die spürbare Verachtung für die Juden, die zum ersten Mal in der Charakterisierung Claudes deutlich wird und dann später noch einmal bei einer anderen Person: Joseph Jacob. Das war ein Jude. Ein Jude, wie man so sagt. Was ist ein Jude? Keiner weiß es. Aber man spricht davon. Persönlich war er friedfertig, nicht sehr intrigant, ein recht hübscher Bursche, ziemlich vulgär, nicht klug, kein bisschen intellektuell. Ein kleiner Börsenspekulant. Er hatte eine hübsche schmale Nase mit Sommersprossen. Diese Beschreibung also eine Mischung aus bekannten Verleumdungen und einem durchwachsenen persönlichen Eindruck, dessen Aspekte fast auf Erotisches hinzudeuten scheinen. Eine entsprechende, aber ironisierende Verachtung findet sich ebenfalls gegenüber Madam Pragen als Vertreter der Großbürgertums.

Drieu kannte den Krieg, er hat den 1. WK mitgemacht, lag vor Verdun und kämpfte auch auf anderen Schlachtfeldern. Er schildert ihn in seinen Erzählungen, er stellt nicht so sehr das körperliche Gemetzel in den Vordergrund, sondern eher die psychischen Auswirkungen des Kampfes, des Beschusses, des mangelnden Vertrauens in die Vorgesetzten ….


Apropos Verdun… die zweite Erzählung, Der Hund der heiligen Schrift, deutlichst kürzer als die vorangegangene, spielt in Verdun – bzw. eben nicht, denn Drieu wendet hier einen raffinierten Trick an: er splittet die Erzählung in zwei Teile. Der erste Teil spielt in einer Eliteeinheit, die normalerweise nur zu den großen Offensiven im Frühjahr und im Herbst eingesetzt wird. Die Männer im Ruheraum erholen sich prächtig, als ein paar neue Kameraden eintreffen, unter ihnen ein Sergeant Grummer, der sich abseits hält, der Kleidung nach etwas ‚Besseres‘ ist, eine Aura der Unnahbarkeit um sich verbreitet. Ist es Angst? Gummer stellt ein Versetzungsversuch nach dem anderen, er will zu den Fliegern. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Einheit unerwartet früh ihren Einsatzbefehl nach Verdun bekommt, wird seinem Gesuch stattgegeben.

Viele Jahre später wird der Ich-Erzähler in Paris zu einer Filmpremiere eingeladen, gezeigt werden soll ein Film über die Schlacht bei Verdun. Mit zwiespältigen Gefühlen nimmt er die Einladung eines Freundes zu diesem Film an. Schon nach wenigen Momenten sah er Orte vor sich, an denen er so gelitten und durch das Leiden manch extreme Seite von sich selbst kennengelernt hatte. …. Trotzdem ist auch das gelungenste Kunstwerk eine Enttäuschung für jeden, der die elende Wahrheit in Händen gehalten hat, doch kann es ihn in einen Rausch versetzen, der seine teuren Erinnerungen befördert. .. In der Stille, die im Saal herrscht, hört er in der Reihe hinter sich Gemurmel und leises Aufstöhnen, in der Pause hört er das Gespräch des Paares mit. Der Mann war in Verdun, läßt sich bewundern…. es ist genau dieser Sergeant Grummer, den der Ich-Erzähler nach Ende des Films sieht und erkennt und auch Grummer erkennt ihn, erbleicht und senkt seine Lider. Und die Frau neben ihm durchzuckt eine Art Erleuchtung….

Auf diese raffinierte Art schildert Drieu die Schrecken Verduns indirekt, die ungeheure, gigantische Angst, die die Männer auf den flachen Hügeln sich niederkauern und winden ließ: Was für eine Bestie, besessen von einen zynischen, obszön, hysterischen, rasenden Bekenntnis, war da hinter Thiaumont, in der Mulde von Fleury aus all unserer Angst erwachsen, der Angst geduckter, gekrümmter, sich wälzender, in der gefrorenen Erde eingegrabener, im Schweiß, im Schlamm, im Blut versauernden Männer. 


Die Reise zu den Dardanellen entspricht vielleicht am ehesten der Erwartung an eine Kriegserzählung. Der Ich-Erzähler, zweiundzwanzig Jahre und fünf Monate alt, befindet sich nach einer Verwundung in der Etappe, in der Normandie, er sieht sich selbst als Drückeberger. Dies hat ein Ende als ein Freiwilligenregiment für den Einsatz gegen die Türken aufgestellt wird und er sich mit seiner Einheit meldet. Bevor der Truppentransport der dreitausend Freiwilligen an die Dardanellen (Schlacht von Gallipoli als Basis zur Eroberung von Konstantinopel) in Marsch gesetzt wird,  gibt es noch einen längeren Aufenthalt in Marseille. In der Türkei kommen sie in grausame Grabenkriege, die Türken beschießen sie aus allen Rohren, die Deutschen sind auch da und die Vorgesetzten der bunten Franzosentruppe erweisen sich als allesamt unfähig und inkompetent. So ergreift der Erzähler die Eigeninitiative und kämpft auf eigene Verantwortung unter Mißachtung der Befehle… es nutzt nichts. Zwar überlebt er, aber er weiß, nicht wie….

Inhaltlich kann man diese etwas längere Erzählung in zwei Abschnitte teilen. Der erste schildert den Versuch eines Selbstfindungprozesses, den der junge Mann durchlebt, unter anderen bei und mit verschiedenen Prostituierten in Marseille. Der längere Teil schildert das Leben und die Ereignisse im Regiment und nachher die Kämpfe in der Türkei. Wie durchgängig im Buch kommt Frankreich auch hier im Vergleich mit Verbündeten schlecht weg: mangelhafte Disziplin, lottriges Auftreten, unfähige und feige Offiziere. Die Kämpfe selbst sind grausam und dreckig, der Schrecken besteht aus Hitze, Durst, verwesten Leichen, schikanösen Bombardements, Ruhr.Die Laufgräben sind voll von den Abfällen des Krieges, Konservendosen, Armen, Gewehre, Beutel, Kisten, Beine, Scheiße, Geschosshülsen, Granaten, Stofffetzen und sogar Papier. Der Erzähler unterliegt unter diesen Verhältnissen selbst irrationalen Mutausbrüchen, in denen er voranstürmt, zum Schrecken seiner Leute: Man muss immer alles selbst machen. Man muss gegen die Chefs und gegen die eigenen Männer mindestens genauso kämpfen wie gegen den Feind.


Es ist eher ein Krieg der Fabriken als ein Krieg der Menschen. Die Verachtung für diese Art des Krieges wird auch in Der Oberleutnant der Tirailleurs deutlich, verbunden mit der Schuldzuweisung: Das ist die Demokratie und der Feststellung: Ein Mann darf einen Mann nur töten, wenn er ihn sieht, auf Armlänge. … Wir werden in dieser Erzählung nach Marseille geführt. Es ist 1917, der Ich-Erzähler trifft dort auf einen Oberleutnant der marokkanischen Truppenteile, mit dem er ins Gespräch kommt. Es geht um den Krieg, natürlich, um die Angst in Verdun (Ich wäre kein Mensch, wenn ich keine Angst gehabt hätte. Die diese trostlose Schlächterei ertragen können, sind keine Menschen, oder?), den Schrecken von Thiaumont, den der Erzähler in dieser Episode angestoßen durch das Gespräch über Verdun nacherlebt.


Der Deserteur spielt in Südamerika. Der Ich-Erzähler besucht Bolivien dort nach dem Krieg als Mitglied einer Wirtschaftsdelegation und wird am Tag nach seinem Vortrag von einem Mann aufgesucht, der sich als Deserteur von 1914 vorstellt, der schon fünfzehn Jahre mit keinem intelligenten Franzosen mehr geredet hatte…. Das folgende Gespräch dreht sich wiederum um die Themen: Vaterland, Patriotismus, das Wesen des Krieges, den Nationalismus… mit Aussagen wie: Akzeptiert man das Vaterland, akzeptiert man den Krieg. oder: Zivilisation heißt Krieg Beim Anblick seines Gegenübers sinniert der Erzähler: Wie kann man diesen Menschentypus an den universellen Sozialismus von morgen anpassen? Wie kann man diese Linie mit der Linie Stalins und Hitlers verknüpfen. Die auf S. 120f wiedergegebenen Ausführungen zum Nationalismus, den er dort als ‚Krankheit‘ bezeichnet, sind sicherlich eine Schlüsselstelle für seine politischen Ansichten.


Die das Buch abschließende Erzählung Das Ende des Krieges spielt 1918 wieder in der Nähe Verduns. Amerikanische und französische Truppen kämpfen gemeinsam, wobei die Amerikaner mit einer gewissen Verachtung auf das Frankreich, das sie durchquert hatten, mit den kleinen Häusern, den Misthaufen, den Männern, die Prügel einstecken und den vielen schamlosen Huren, schauen. Der Ich-Erzähler ist als Dolmetscher und Verbindungsoffizier tätig, noch einmal geht es ihm darum, Mut zu beweisen, deshalb bittet der den General, ihn auf die Inspektion der vordersten Frontlinie begleiten zu dürfen. Er ist hin- und hergerissen von seinen Gefühlen, wie in anderen Erzählungen taucht auch hier wieder der Beschuss mit der riesigen Granate in Thiaumont auf, bei dem ihm aus innerster Seele ein Schrei entfahren war, an diesen Schrei musste er sich klammern, denn dieser Schrei war ihm geblieben, seit zwei Jahren genügte der kleinste Anlass an jedem beliebigen Ort, damit er mich von Neuem gänzlich ausfüllte…. diese Schilderung eines Flashbacks kann man wohl als frühe literarische Fixierung einer PTBS ansehen, die den Ich-Erzähler quält…



Sechs Erzählungen, die im Ersten Weltkrieg spielen, geschrieben von einem Autoren, der sein ‚Vaterland‘ verachtet, der deutlich antisemitische Untertöne in seinen Text einfließen läßt und der seine Affinität zum aufkeimenden Faschismus der Zeit, in der er das Buch publiziert, nicht verheimlicht… muss man das lesen? Oder anders herum gefragt: warum habe ich es gelesen? Hätte ich mir das Buch schicken lassen, wenn ich mich vorher eingehender informiert hätte? Mich hat das Coverbild gereizt, ich gebe es zu, und des prinzipielle Sujet der Erzählungen, die den ersten großen Weltenbrand umfassen….

Es sind sechs Geschichten, die jeweils von einem Ich-Erzähler erzählt werden. Für mich war es jeweils – ohne, daß dies explizit gesagt wurde – der gleiche Erzähler, mir ist auch noch eine Stelle erinnerlich, in der sich auf eine vorhergehende Erzählung bezogen wird. In den Geschichten wird viel Erlebtes geschildert, Drieu ging 1914 als junger Mann mit einundzwanzig Jahren in den Krieg, er kämpfte vor Verdun und in den Dardanellen, war wie sein Erzähler verwundet. Drieu kannte also den Krieg, stellt ihn authentisch und ohne Illusionen dar, kannte dessen Grausamkeit, umso unverständlicher seine Begeisterung für den Faschismus, der Europa erneut in Brand setzte.

Thomas Laux geht in seinem Nachwort eben kurz auf diese Frage ein, wie man Drieu heutzutage lesen kann angesichts seiner offenen Kollaboration mit den Nazis im Zweiten Weltkrieg. Die französische Ausgabe ist aus diesem Grund mit einer profunden Einleitung und weiteren Erläuterungen und Anmerkungen zum Text versehen, die deutsche Ausgabe weist dieses Nachwort von Laux auf sowie Anmerkungen, die jedoch im wesentlich Sachinformationen zu Namen und Daten geben.

Nimmt man die antisemitische und rassistischen Äußerungen Drieus zwar zur Kenntnis, stellt sie aber nicht in den Mittelpunkt, so stellt Die Komödie von Charleroi eine illusionslose Schilderung der Verwüstungen dar, die ein Krieg auf dem Schlachtfeld und in der Psyche eines Soldaten anrichten kann. Insbesondere die zwei Namen ‚Verdun‘ und ‚Thiaumont‘ ziehen sich durch die Geschichten, Ereignisse, die mehr als einen Soldaten aus der Bahn geworfen haben werden – sofern er überlebt hat. In manchen Momenten, auch Laux weist darauf hin, erinnert Drieu an Jünger mit seiner Formulierung vom „Stahlgewitter“: auch bei Drieu wird die Technisierung des Krieges hervorgehoben, aber im Unterschied zu Jünger bedauert; der Kampf Mann gegen Mann entspricht seiner Vorstellung vom Krieg weit eher.

So zweifelhaft einige Aussagen des Buches sind, so gelungen und gekonnt ist die literarische Umsetzung des Themas, dessen sich Drieu angenommen hat. Zumindest in dieser Hinsicht ist die Lektüre des Buches sehr lohnend und dem Manesse-Verlag kommt das Verdienst zu, es in dieser wunderschön gestalteten Ausgabe zugänglich gemacht zu haben.

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Beitrag zum Autor: https://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Drieu_la_Rochelle
[2] Patrick Modiano: Place de l’Étoile (Buchvorstellung hier im Blog)
Der genannte Name ‚Gilles Drieu‘ bezieht sich auf die Titelfigur des Romans Gilles (1939/42), die biographische Ähnlichkeiten zum Autoren hat, auf die auch Laux in seinem  Nachwort hinweist (Liebesgeschichten, diffuse Todessehnsucht, Faschismus als letzte Option).

Pierre Drieu La Rochelle
Die Komödie von Charleroi
mit einem Nachwort von Thomas Laux
Übersetzt aus dem Französischen von Andrea Spingler und Eva Moldenhauer
Originalausgabe: La Comédie de Charleroi, Gallimard (Paris), 1934
diese Ausgabe: Manesse, HC, ca. 270 S., 2016 (dt. Erstausgabe)

Ich danke dem Verlag für die Überlassung eines Leseexemplars.

Kriwy

Das Bild einer jungen Frau ohne Haare auf dem Kopf, schaut man genauer, sieht man Stoppeln wachsen. Die Augenbrauen schmal, auch hier fehlen die Haare. Der kahle Kopf läßt die Ohren hervortreten, die mit kleinen Ohrgehänge geschmückt sind. Der halb geöffnete Mund zeigt eine weiße Zahnreihe, die Wangen sind leicht gerötet: das Gesicht der jungen Frau, die direkt in die Kamera schaut und damit den Eindruck erweckt, uns, den Betrachter, anzusehen, vermittelt zweierlei Eindrücke: auf der Ebene des Verstandes weiß man, daß diese Frau Schweres erlebt und durchlitten hat, möglicherweise noch mitten drin ist in ihrer Krankheit, gefühlsmäßig dagegen strahlt das Gesicht Offenheit und Zuversicht aus.

Bekommt man wie ich, der ich auf dem Land lebe, doch relativ viele Bücher per Post, so ist man immer gespannt, was in dieser oder jener eintreffenden Büchersendung denn nun für ein Werk drin ist. Dieses Buch mit seinem recht großen Format und demzufolge großen Coverbild hat mich überrascht und spontan die oben geschilderten Eindrücke hervor gerufen. Ich habe das Umschlagbild lange auf mich wirken lassen, bevor ich das Buch öffnete, habe mich vertraut gemacht mit diesem Gesicht, diesen Anflug von Lächeln, das zu ahnen ist, der Spiegelung des Fotografierenden in der Pupille, den kleinen Fältchen an den Augen…. fast hatte ich damit gerechnet, daß Natalie Kriwy, die sich auf diesem Portraits hat abbilden lassen, plötzlich anfing zu sprechen…


Natalie Kriwy [1], geboren 1979, lebt als Fotografin in Lübeck. Ende August 2011 palpierte ihr Gynäkologe einen Knoten in der linken Brust, verschwieg ihr aber den Befund. Sie selbst bemerkte diesen Knoten (… eine kleine, feste Kugel….) ein paar Tage später beim Abtasten. Am 14. September bekam sie nach entsprechenden Untersuchungen in der Klinik die Diagnose, daß dieser Knoten bösartig war, sie also Brustkrebs hatte: …. ich hatte keine Angst. Ich stand unter Schock. Und ich habe mich davor gefürchtet, es Titi [i.e. ihre Mutter] zu sagen. … aus irgendeinem Grund habe ich mich stark gefühlt. .. Endlich wusste ich, was los war. Die Ungewissheit der letzten zehn Tage war weg und das hat mich sehr erleichtert. und auch: Die Tränen und die Angst kamen erst zwei Tage später. Es wird im Arztgespräch ein Behandlungsplan erstellt, der eine Chemotherapie mit sechs Zyklen umfasst, eine Genanalyse der Tumorzellen wird empfohlen.

Die Chemotherapie schlägt an und zeigt die ‚üblichen‘ Nebenwirkungen: Müdigkeit, Haarausfall, körperliche Schwäche u.a.m.

Bis das Ergebnis der Genanalyse vorliegt, vergeht ein Vierteljahr, es wird Natalie Kriwy am 22. Dezember 2011 mitgeteilt. Es ist ungünstig, der Tumor  beruht auf einer BRCA1-Mutation [2], es war bei dieser Diagnose für Natalie keine Frage, dass sie beide Brustdrüsenkörper entfernt haben wollte. Sie war auch hier für die radikale, für ihr Gefühl sichere Lösung. [Zitat von Dorothea Fischer, behandelnde Ärztin]. Die beidseitige Mastektomie wurde mit einem sofortigem Wiederaufbau beider Brüste kombiniert [3]. Die OP und der Wiederaufbau der Brüste verlaufen sehr gut, die Zeit der Wundheilung ist anstrengend und teilweise schmerzhaft. Am 24. März war dann ein besonderer Tag für Natalie: In der Früh bin ich …. alleine zum ersten Mal seit Ende des ersten Chemozyklus joggen gegangen. Das normale Leben bahnt sich wieder seinen Weg….

Ein zusätzlicher wichtiger Punkt in ihrer Krankengeschichte war es, die Möglichkeit aufrecht zu erhalten, ein Kind zu bekommen, schließlich war Natalie ja erst knapp über dreißig Jahre alt.


Ziemlich zeitgleich zur Erstdiagnose beschloß Natalie Kriwy, die Fotografin, ihre Krankengeschichte zu dokumentieren, in ihrem eigenen Medium, der Fotografie und als Tagebuch. Beide Teile dieser Aufzeichnungen enthalten nicht nur die persönlichen Eindrücke, Gefühle, Hoffnungen und Ängste, sondern umfassen ebenso Daten wie beispielsweise die über die bei den insgesamt sechs Zyklen der Chemotherapie applizierten Medikamente, Fotos der Infusionsbeutel u.ä.

Herausgekommen ist dieses sehr beeindruckende, sehr intensive Fotobuch, dem das Tagebuch angeschlossen ist. Wir begegnen in diesem Buch einer schönen Frau, die zu jeder Zeit ihr Schicksal annimmt, ja, es offensiv annimmt. Natürlich – auch sie spürt die existentielle Angst, die mit der Diagnose verbunden ist, hat Träume, aber sie verschließt nicht die Augen, verdrängt nichts. Sie zögert keinen Moment, den radikalen Weg zu gehen, der ihr als der sichere erscheint.

Natalie Kriwy ist während der Zeit ihrer Krankengeschichte mehrere: Sie ist Tumorpatientin, sie ist Fotografin, sie ist Fotomodel. Das wichtige dabei ist, daß sie nicht auf die Rolle der Kranken beschränkt ist. Ihr Fotografieren (es sind viele Tausende Fotos, die sie schießt) versetzt sie in die Lage, sich in dieser Funktion eben nicht als Kranke zu sehen: sie muss die technischen Details checken, die Komposition der Bilder festlegen, was will sie überhaupt aufnehmen und festhalten… etc pp. Eine sehr (auch in diesem Zusammenhang muss man das sagen:) schöne Bilderfolge ist beispielsweise die von ihrer „Haaraktion“ Mitte Oktober 2011, also gut zwei Wochen nach Beginn der ersten Chemo: es sind achtzehn Bilder ungefähr im Passfotoformat, die eine meist lachende, manchmal auch grimassierende Natalie Kriwy zeigen, die sich mit beiden Händen die Haar vom Kopf reisst…. sie schreibt dazu: Das war echt beeindruckend. …. Zwischendurch wollte Basti [ihr Freund, der hier als Fotograf fungiert] auch mal ziehen. Das durfte er natürlich. … Ich habe viel gelacht und war auch wirklich beeindruckt, wie das Ganze ablief. ….  Ihrem Freund, so hält Natalie Kriwy fest, ging diese Aktion viel näher als ihr selbst.

Es wird aus den Tagebuchaufzeichnungen deutlich, wie massiv die Erkrankung das normale Leben über den Haufen wirft. Am 17. Februar 2012 konstatiert sie: Der Tumor ist weg und die Brüste auch. Irgendwie ist jetzt doch alles etwas komisch. So abgeschlossen. Keine Zeit mehr in der Klinik, keine Ärzte mehr, keine weißen Kittel. Das normale Leben wird sich wieder seinen Weg bahnen. .. Für das zurückliegende halbe Jahr war die Klinik weitgehend ihr normales Leben, die Reisen und Unternehmungen, die sie zwischenzeitlich gemacht hatte, nur Ausflüge davon… Das normale Leben: es ist nicht leicht. Ihr Körper läßt sie noch manchmal im Stich, was sie früher konnte, fällt ihr jetzt schwer oder ist gar unmöglich. Falsche Bewegungen und zu hohe Belastungen (beim Heben z.B.) erzeugen Schmerzen, die Schmerzen wiederum rufen Ängste hervor: das Vertrauen in den Körper fehlt und das Selbstwertgefühl leidet ebenso: … ich musste weinen. Ich will kein Krüppel sein und fühle mich auch nicht so. Aber in bestimmten Situationen bis ich es wohl doch. Ein Krüppel bin ich. [am 5. Februar 2013]

Ein gutes Jahr nach der Diagnose hat Natalie Kriwy zu ihrer großen Freude zum ersten Mal wieder ihre Tage, Mitte Oktober zum zweiten Mal. Auch jetzt, bei der anstehenden Familienplanung, zeigt sich ihre Konsequenz: Ich will meine Eizellen auf die Genmutation untersuchen lassen. Inzwischen ist auch klar, aus welchem Familienzweig die BRCA1-Mutation stammt, die Familienmitglieder, die sie informiert, gehen unterschiedlich mit dieser Information um, nur ihre Mutter und ihre Tante lassen sich ebenfalls testen.

Der letzte Tagebucheintrag ist vom 2. April 2014. Ihr Projekt nimmt langsam Formen an, sie ist in Paris, um im Rahmen einer Ausstellung „Cheveux chéris“ einen Vortrag über ihr Vorhaben zu halten. Sie muss, auf dem Podium angekommen, weinen, aber ich habe meine Tränen schnell wieder im Griff und begann mit meinem Vortrag, als ob nichts gewesen wäre.


Ihr Projekt, der Fototeil… natürlich kann man keinen Bildband besprechen, ohne auch auf die Bilder einzugehen. Die meist großformatigen Bilder sind dokumentarisch, sollen festhalten, archivieren gegen das Vergessen. So finden sich Abbildungen der Mützen, die sie trägt, der Schminksachen, die von einer Freundin gekauft bekommt auch Landschaftsaufnahmen von der Nordsee, von frühlingshaften Blüten oder der Winterlandschaft, die sie in der Reha geniessen kann. Aber es gibt auch die ’schwierigen“ Bilder, die aus dem OP von der Mastektomie beispielsweise oder die drei Aufnahmen mit ihr, von der man nur den völlig haarlosen Kopf sieht, im Bett unter der Bettdecke, entweder mit geschlossenen Augen oder nachdenklich an die Decke schauend. Diese absolute Haarlosigkeit wirkt beim Anschauen wie eine hochpotentierte Nacktheit, die völlige Schutzlosigkeit und Ausgeliefertheit suggeriert. Erschütternd ihr letztes Porträt mit meiner natürlichen Brust: sie sitzt fast völlig unbekleidet auf einem Stuhl, kleine Kreolen im Ohr, die Haare – natürlich, sie fehlen. Die Arme sind seitlich auf der Sitzfläche abgestützt. Der Blick geht ein klein wenig am Fotografen vorbei schräg in die Höhe. Zusammen mit der Bildunterschrift wird beim Betrachten schlagartig die Endgültigkeit dessen was in zwei Tagen geschehen wird klar, das Unwiderrufliche der Aktion… Dann ein paar Seiten und zwölf Tage später ein Selfie von ihr im Spiegel mit ihrer ’neuen“ Brust, auf der gegenüberliegenden Seite ein Bild mit den mit blutrotem Sekret gefüllten Drainagebeuteln, die sie bis dahin getragen hat. Im letzten Drittel oder Viertel der Bilderstrecke dann stolz die neuen Haare, die jetzt lockig wachsen, immer wieder Portraits mit ihren neuen Haaren…


14/09 Tagebuch einer Genesung: ein wahnsinnig lautleises Buch: laut, weil in den Bildern, in den Texten der Krebs in seiner ganzen Schrecklichkeit sichtbar wird, leise: weil Kriwy es versteht, dies sublim spürbar zu machen, nicht durch Schocken oder Entsetzen, sondern durch Nachdenklichkeit und Sensibilität.

Die Texte verraten eine sehr starke Frau, die sehr viel ‚richtig‘ gemacht hat. Sie ist ihren Weg gegangen, hat so gehandelt, wie sie es für sich als richtig empfunden hat, ohne dabei Ratschläge und Informationen ihrer Umwelt zu ignorieren. Sie hat einen stabilen Verwandten- und Freundeskreis (in dem zufälligerweise, weil ihr Freund Arzt ist, viele Ärzte sind), der sie unterstützt und trägt, sie hat vor allem mit ihrem Projekt der Krankheitsdokumentation ein Vorhaben, das über den Krebs hinausgeht, zeitlich und auch mental. Ich denke, daß dies in vielen Situationen sehr unterstützend war.

Eigentlich ergibt es sich, glaube ich, aus dem vorstehend von mir geschriebenen, aber ich sage es trotzdem noch einmal: Kriwy hat mit diesem Buch etwas sehr Schönes geschaffen, etwas, was Frauen, die unter einem ähnlichen Schicksalschlag zu leiden haben, helfen kann: ja, es ist nicht einfach, es ist scheisse und schwer, aber du kann es schaffen, wie ich es geschafft habe.

Ich wünsche Frau Kriwy von ganzem Herzen zweierlei: daß ihr ein weiterer Schicksalsschlag dieser Art in ihren Leben erspart bleibt und daß ihr Kinderwunsch in Erfüllung geht. Und daß sie glücklich wird, wünsch ich ihr sowieso…..

Links und Anmerkungen:

[1] Homepage von Natalie Kriwy: http://www.nataliekriwy.com
[2] Übersichtsartikel „BRCA1“ in der Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/BRCA1
[3] ein prominente Fall eines solchen Vorgehens betrifft die Schauspielerin Angela Jolie. Ihre Entscheidung zur (vorsorglichen) beidseitigen Mastektomie, also ohne, daß sie schon an Krebs erkrankt war, ist nicht unumstritten. Vgl. z.B. hier: https://thetruthaboutcancer.com/angelina-jolie-brca-gene/

Natalie Kriwy
14/09 Tagebuch einer Genesung
diese Ausgabe: Prestel, HC, ca. ca. 225 S. (Fototeil: ca. 140 S.)

Ich danke dem Verlag für die Überlassung eines Leseexemplars.

Meyerhoff

Erfinden heißt Erinnern.

Dieser Teil des autobiographischen Projektes von Meyerhoff (Alle Toten fliegen hoch [1]) schildert seine Kindheit, die er auf dem Gelände einer psychiatrischen Klinik in Schleswig verbrachte – nicht als Patient oder Bewohner, sondern als Sohn des Direktors, dessen Wohnhaus im Zentrum der Anlage stand [2]. Hier wohnen sie, der Vater, ein imposante Erscheinung, nicht so sehr die Körpergröße, sondern eher dessen Umfang betreffend, die Mutter und die drei Söhne, jeweils drei Jahre auseinander. Und, ach ja, der Hund, ein Landseer, der treueste Freund des späteren Autoren.

Die Zeiten damals waren direkter, brutaler, der Begriff der ‚political correctnis‘ noch nicht allgegenwärtig. Ein Terminus wie ‚Hirni‘ durchaus gebräuchlich, aber hier im Buch gar nicht einmal auf einen der Insassen angewandt (das sicherlich auch hin und wieder), sondern von seinen Brüdern auf den Erzähler Joachim, der auch so seine Probleme hat.

Nicht mit der Anstalt, nein, damit gar nicht. Allabendlich wird er vom Geschrei der Patienten in den Schlaf gewiegt, schläft Joachim mal woanders, zum Beispiel bei der Oma, schläft er schlecht – die Schreie fehlen. Die Anstalt ist sein Spielplatz, durch das Anstaltsgelände muss er laufen, wenn er zur Schule geht und wenn er von ihr zurück kommt – er kennt die Bewohner, hat keinerlei Scheu oder gar Angst vor ihnen. Nur vor dem Glöckner ängstigt er sich, diesem riesigen Kerl, der mit zwei Glocken bestückt über die Wege läuft und diese unentwegt schwingen und klingen läßt. Aber selbst diese Angst überwindet er und bald gehört es zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, auf dem Rücken des glockenschwingenden Riesen übers Anstaltsgelände zu traben.

Es ist viel Situationskomik in den Erinnerungen (vgl. dieses Interview [3]) Meyerhoffs, in dem, was er erzählt. Der Besuch des ‚Klaren aus dem Norden‘ (für alle, die zu jung sind: Gerhard Stoltenberg, u.a. ehemaliger Ministerpräsident von Schleswig-Holstein) zur Einweihung eines neuen Gebäudes beispielsweise, der in einer schlammigen Rutschpartie endet, weil einer der Patienten seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht: sich mit einer Spielzeugpistole in der Hand hinter Büschen zu verstecken und „Hände hoch oder ich schieße!“ zu rufen…. die Schilderung des weihnachtlichen Rundgangs des Herrn Direktor durch die diversen Häuser, bei dem der Jüngste immer dabei war… die Blutsbrüderschaft mit dem Hund (obwohl mir der Hund da sehr leid tat….).. apropos Hund: die Rückkehr des ‚Faschingssalates‘ (höhö.. sag ich jetzt nicht, was damit gemeint ist, bin ja kein Spoiler!) in die heimische Wohnung…. einfach köstlich – genauso wie die Schilderung des Sommerfestes, egal, ob – wetterabhängig – als reines Vergnügen oder als Durchhalteübung und Regenfestival…

Die Handlung läßt der Autor einsetzen, als sein Erzähler, also er selbst, sieben Jahre alt ist. Dies ist ein Zeitpunkt, an dem die Welt noch in Ordnung ist. Der Vater ist ein unermüdlicher Leser und Horter von Daten und Wissen, ein Kettenraucher und – nun ja, daß er gerne und viel isst, man sieht es ihm an. Ein Mensch aber auch mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen sowie zwei linken Händen: für die Praxis war er nicht gemacht, das Planen und konzipieren war sein Metier, geschuftet hat dann die Mutter, den Haushalt sowieso… dem Erzähler selbst fiel das Lernen nicht leicht, er war voller Fantasie, aber Buchstaben und Zahlen wollten in seinem Kopf nicht heimisch werden. Die Brüder zogen ihn damit auf, er solle früh ins Bett gehen, damit er morgen fit sei und endlich mal ´ne ‚Fünf‘ in Mathe schaffe…. Wutanfälle, Zornesausbrüche und Heulattacken brachen aus ihm heraus und waren beileibe nicht selten…

Die Welt ist eng und begrenzt, von den Anstaltsmauern und dem Vater. Ein Versuch, Urlaub zu machen, endet schnell und wird nicht wiederholt. Die Welt, zumindest wie sie Meyerhoff für die ersten Jahre schildert, bleibt draußen, später erst öffnet sie sich für den Jungen und seine Brüder.

Im Lauf des Älterwerdens zeigten sich Risse im Familienidyll, kleine zuerst, dann größer werdende… Der rätsel- und furienhafte Wutanfall, den die Mutter eines Tages hatte, ein Ausbruch, der die des Sohnes bei weiten in den Schatten stellte… manchmal nahm die Mutter eine Auszeit, sie, die aus dem Süden stammte, musste in die Wärme, ging für ein paar Wochen zu ihren Eltern nach München. Bei den regelmäßigen Anrufen, die sie von Franco aus Italien bekam war sie nicht wieder zu erkennen: lebhaft, voller Glut redete sie mit ihm… zu Uhrzeit, wenn sich Franco in Italien zum Ausgehen fertig machte, legte sich in Schleswig ihr Mann ins Bett… das elterliche Schlafzimmer, die Stellung der Betten zueinander, war der Gradmesser für die Art der momentanen elterlichen Beziehung… dem aufmerksamer gewordenen Beobachter wurde irgendwann klar, daß der Vater es mit der ehelichen Treue nicht so genau nahm…

Die ‚Erinnerungen‘ Meyerhoffs beginnen in der Tat, so steht auf dem Cover geschrieben, ‚brüllend  komisch‘ (na ja, direkt gebrüllt habe ich dann doch nicht, aber häufiger gelacht schon) und werden im Verlauf der geschilderten Jahre immer tragischer und trauriger. Der Vater verläßt die Familie, die Mutter geht in den Süden, nach Italien, der ‚mittlere Bruder‘ verunfallt tödlich… das Haus im Zentrum der Anstalt wird leerer und trostloser. Dann wird beim Vater Krebs diagnosiziert, er will dies seiner neuen Lebensgefährtin nicht zumuten und kommt zurück in das Haus im Hesterberg – und auch die Mutter kehrt zurück und es entwickelt sich jetzt, in dieser schlimmen Situation, eine gereifte, liebevolle Beziehung zwischen den beiden, die es so, in dieser zärtlichen Art, noch nie gab.


Hauptthema des Buches ist, dies wird im Verlauf der Handlung immer deutlicher, die Beziehung des Erzählers zu seinem Vater. Die Bewunderung des Kindes, die im Lauf der Jahre umschlägt auch in Erstaunen und Verständnislosigkeit, ohne daß sich daraus Abneigung entwickelt. So ist dieser Roman wohl auch ein Versuch der Annäherung an diesen früh verstorbenen Mann, der Versuch, sein Leben und damit auch die eigene Vergangenheit, zu erkennen:

Erst wenn ich es geschafft haben werde, all diese abgelegten Erinnerungspäckchen wieder aufzuschnüren und auszupacken, erst wenn ich mich traue, die scheinbare Verlässlichkeit der Vergangenheit aufzugeben, sie als Chaos anzunehmen, sie als Chaos zu gestalten, sie auszuschmücken, sie zu feiern, erst wenn alle meine Toten wieder lebendig werden, vertraut, aber eben auch viel fremder, eigenständiger, als ich mir das jemals eingestanden habe, erst dann werde ich Entscheidungen reifen können, wir die Zukunft ihr ewiges Versprechen einlösen und ungewiss sein, wir sich die Linie zu einer Fläche weiten. 

Mit diesen nachdenklichen Worten Meyerhoffs, der das Gefühl hat seine Vergangenheit gestalten [zu müssen], … damit so etwas wie eine offene Zukunft für ihn entstehen kann, will ich meine Buchvorstellung beenden, ihnen ist kaum etwas hinzuzufügen. Außer meinem Facit, daß dieser Roman, dieses ‚Erinnerungspäckchen‘ ohne Einschränkungen des Lesens wert ist.

Links und Anmerkungen:

[1] Biographie des Autoren in der Wiki:  https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Meyerhoff
[2] Es ist ein wenig bitter, wenn man diesen schönen, einfach schönen Roman gerade gelesen hat und dann bei der ‚Recherche‘ auf Zeitungsartikel wie diesen hier stößt: Redaktion: Tod in der Psychiatrie? – Staatsanwaltschaft ermittelt; in: http://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/tod-in-der-psychiatrie-staatsanwaltschaft-ermittelt-id12280881.html. Der Vater des Autoren wurde 1972 Direktor der Anstalt. In Bezug auf ihn steht in diesem Artikel: „Auch als 1972 mit Professor Hermann Meyerhoff ein neuer junger Direktor seinen Dienst auf dem Hesterberg antrat, der mit den Missständen aufräumen wollte, dauerte es noch Jahre, bis sich die Atmosphäre änderte, berichten frühere Mitarbeiter.“

Zwei Jahre zuvor, 2013, war die Anklage noch nicht so klar formuliert, aber die Aussage von Wolfang Petersen: ‚Es war die Hölle‘ spricht Bände: Frauke Bühmann: Über die Kindheit in der Psychiatrie; in: http://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/ueber-die-kindheit-in-der-psychiatrie-id3523601.html.

Über solche Zustände ist im Roman Meyerhoffs natürlich nichts zu finden, in der Rückschau des jetzt jungen Mannes am Ende des Textes wird allerdings festgehalten, daß der frühere Zustand der Anstalt ein unhaltbarer war…, aber gleichzeitig wird die romantisierende Erinnerung bewahrt, Meyerhoff konstatiert, daß die (zu diesem späteren Zeitpunkt noch 300 Patienten beherbergende Institution) einen beschissen hoffnungslosen Eindruck auf ihn mache und er sich nach wie vor nach der selbstverständlichen Normalität dieses Wahnsinnsortes sehnte.

zur Geschichte der Anstalt z.B. hier: http://www.alte-schleihalle.de/kinder-und-jugendpsychiatrie-hesterberg/
[
3] Joachim Dicks: Erfundene Erinnerungen; in: http://www.ndr.de/kultur/…meyerhoff123.html. Im Grunde wird dies ja schon im Titel angedeutet, weniger die reinen Fakten als das Atmosphärische stehen im Buch, der konsequenterweise deshalb wohl als „Roman“ eingestuft ist.

Joachim Meyerhoff
Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
Alle Toten fliegen hoch, Teil 2
diese Ausgabe: KiWi, TB, ca. 350 S., 2016

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