barker-auge

Das Auge in der Tür bildet den Mittelteil von Pat Barkers Trilogie über den 1. Weltkrieg [1]. Konzentrierte sich die Handlung des ersten Bandes auf die indirekte Schilderung des Grauens auf den Schlachtfeldern, die uns durch die Traumatisierungen der Soldaten deutlich gemacht wurden, so liegt der Schwerpunkt dieses Bandes auf den Zuständen in England selbst.

Von den tragenden Figuren aus Niemandsland treffen wir hier noch auf Billy Prior und den Arzt Dr. Rivers. Der Dichter Siegfried Sassoon, der zentrale Figur des ersten Teils Niemandsland war, wird erst gegen Ende des Romans noch einmal in die Geschichte eingeführt. Er war nach seinem Aufenthalt in der Klinik wieder an die Front geschickt worden, jedoch zunächst einmal nach Palästina, erst später kam er wieder nach Frankreich, wo er angeschossen und verwundet wurde und in London wieder mit Dr. Rivers zusammentrifft.

Billy Prior wurde u.a. wegen seine Asthmas nicht an die Front geschickt, sondern begann seinen Dienst im Rüstungsministerium in London. In London macht er die Bekanntschaft von Charles Manning, von dem sich herausstellt, daß er ebenfalls im Ministerium arbeitet. Es ist eine durchaus intim zu nennende Bekanntschaft, da Prior zwar mit Sarah im fernen Schottland liiert ist, er seinen sexuellen Trieb aber trotzdem an Ort und Stelle auslebt, wobei ihm das Geschlecht des/der Gegenüber weitgehend egal ist.

Wir sind im Frühjahr 1918. Der Tagesbefehl vom 13. April ordnet an, daß jede Stellung bis zum letzten Mann zu halten ist … jeder Soldat bis zum Ende zu kämpfen hat, ein Befehl, der unter der Zivilbevölkerung Panik verbreitet. Sowieso werden Abweichler verfolgt und drangsaliert: Für ihn [i.e. der Vorgesetzte Priors im Ministerium, Lode] war das Ganze ein großes Schachbrett. Diese bunte Truppe aus Quäkern, Sozialisten, Anarchisten, Frauenrechtlerinnen, Gewerkschaftern, Sieben-Tage-Adventisten und weiß der Himmel wem war nur eine raffinierte Tarnung, hinter der die wahre Anti-Kriegsbewegung lauerte; eine disziplinierte, höchst effiziente Geheimorganisation, die ebenso überzeugt und entschlossen für den politischen Umsturz kämpfte, wie Lode sich dem Erhalt des Staates verschrieben hatte. …

Eine dieser Pazifistinnen ist Beattie Roper, die im Gefängnis sitzt, weil man sie eines Mordanschlags beschuldigt. Billy Prior kennt diese Frau gut, als Kind hat er viel Zeit bei ihr verbracht. Er besucht sie in ihrer Zelle. Einer der vor Beattie einsitzenden Häftlinge hatte um das Guckloch der Zellentür das titelgebende Auge gemalt. „Es ist nicht so schlimm, solange es an der Tür bleibt.“ Sie tippte sich an den Kopf. „Kritisch wird’s erste, wenn es hier drinnen anfängt.“ Wenn man den ersten Teil der Trilogie gelesen hat, weiß man, daß Prior seine eigenen Erfahrungen mit Augen hat….. wahrscheinlich ist Beattie von einem Provokateur hereingelegt worden, Arthur Spragge, ein Mann, mit dem Prior noch zu tun bekommen wird. Diese Episode des Romans mit Beattie Roper beruht auf einem realen Ereignis.

Man weiß nicht genau, welches Spiel Prior spielt. Will er seinen alten Freunden wirklich helfen oder will er, der Mitarbeiter eines Ministeriums, sie verraten? Er bringt seinen alten Freunden und Kameraden zugleich Zu- wie Abneigung entgegen. Mit den Worten von Beattie, der er Hilfe verspricht, klingt dies so: Ich werde dich nicht fragen, auf welcher Seite du stehst, …. Aber…. Weißt du, auf welcher Seite du stehst? Es ist ein sehr ernster, tiefgehender Zwiespalt, in den Parker ihren Protagonisten zwingt und sie löst diesen Zwiespalt im späteren Verlauf dann erschreckend und tragisch auf.


Einer der vielen Gründe, weshalb er [i.e. Prior] sich anders fühlte als seien Offizierskollegen, war, daß ihr England ein bukolischer Ort war: Wiesen, Flüsse, waldige Täler, mittelalterliche Kirchen, umgeben von ehrwürdigen Ulmen. Sie konnten nicht verstehen, daß die Front, dieser Apparat, der den einzelnen auf ein Rädchen im Getriebe reduzierte, diese verwahrloste Landschaft, sich für ihn und die allermeisten Soldaten nicht groß unterschied von dem Leben, das sei von zu Hause her kannten – in Birmingham, Manchester, Glasgow oder in den Bergarbeiterdörfern in Wales – sondern nur eine alptraumhafte Steigerung darstellte. [3]


Auch Priors Bekanntschaft Manning hat so seine Probleme. Er bekommt anonyme Post, befürchtet, daß seine homoerotische Neigung eventuell aufgedeckt worden ist. Steht sein Name auf dieser ominösen Liste der 47000 Namen (‚cabinet noir‘ bzw. ‚black book‘, über die realen Hintergründe für diese Passage ist hier [2] etwas zu finden), die des Verrats verdächtig sind? Und kann er es sich erlauben, zu dieser geheimnisvollen Aufführung von Wildes Salome zu gehen, zu der er eingeladen ist? Manning besucht die Aufführung trotz seiner Bedenken, aber sie gefällt ihm nicht. Die Realität hat das Bühnenstück längst überholt, sind auf der Bühne die abgeschlagenen Köpfe aus Pappmaschee, so ist man mittlerweile längst echte Köpfe gewohnt. Er musste nur eine Sekunde an den stinkende, gelben Schlamm an der Front denken, diesen Haferbrei, in die Klumpen Leichen oder Leichenteile waren, und schon schob sich eine unüberwindliche Wand zwischen ihn und diese Worte [der Salome im Angesicht des abgeschlagenen Kopfes von Jochanaan].


Beide, Mannings und Prior leben in London und gehen weiterhin zu Dr. Rivers, der die Klinik in Schottland ja ebenso verlassen hatte. Durch die Gespräche zwischen ihnen werden immer wieder deren Erinnerungen an die Erlebnisse an der Front eingeblendet und das Grauen vor diesem Krieg wird ‚lebendig‘ gehalten.

Ein für mich in anderer Hinsicht zentrales Kapitel des Buches beschreibt eine ‚Auseinandersetzung‘ zwischen Prior und Rivers. Bei ersterem treten seit kurzem Phasen auf, in denen er dissoziert und an die er nachher keine Erinnerungen mehr hat, es fehlen ihm Stunden seines Lebens. Ich habe gewisse Neigungen, denen ich nur mit äußerster Mäßigung nachgebe und auch nur dann, wenn man mich dazu auffordert. Jedenfalls nicht in diesem Zustand. Ich will damit nur sagen, daß daß daß ich in dem anderen Zustand nicht so scheißgewissenhaft bin. …. [das 3fache ‚daß‘ ist kein Fehler, sondern zeigt das Rückfallen Priors ins Stottern an], erklärt Prior dieses ‚Jekyll und Hyde‘-Gefühl seinem Arzt voller Aggression und Feindseligkeit. Dabei macht er ihn darauf aufmerksam, daß Rivers selbst ähnliche Symptome aufweist, die dieser bei ihm, Prior, feststellt. Rivers bietet ihm daraufhin einen Rollentausch an, er, Prior, solle seine Stelle als Arzt einnehmen. Es ist im folgenden Gespräch für Rivers ein Schock, wie schnell, brutal und erschreckend präzise Prior seine, i.e. Rivers, kindlichen Traumata anspricht…. „Himmelherrgott! Was immer es war, sie haben sich geblendet, um es nicht weiterhin sehen zu müssen!“ – „Ganz so drastisch würde ich es nicht formulieren.“ – „Sie haben ihr visuelles Gedächtnis zerstört. Sie haben ihr geistiges Auge ausgelöscht. So war es doch, oder?“ – Rivers kämpfte mit sich. Dann sagte er einfach: „Ja.“


Die ‚Blackouts‘ bei Prior häufen sich, dauern länger an. Er kann es nicht mehr leugnen, in einer dieser Phasen hat er etwas getan, was er, der ’normale‘ Prior nicht fassen kann. Ist es deshalb sein Entschluss, zu versuchen, wieder nach Frankreich an die Front zu kommen, trotz seiner Verlobung mit Sarah, die im Norden auf ihn wartet und dem Angebot Mannings, ihm eine gute Stellung im Ministerium zu verschaffen?


Wie schon der erste Band Niemandsland ist auch dieser Mittelteil der Barkerschen Trilogie sehr beeindruckend. Vielschichtig und klug beleuchtet sie sowohl Rückwirkungen des Kriegs auf England und die Verhältnisse dort (die Lockerung der Sitten („Wie lange bist du hier?“ … „Zwei Tage“ – „Mach das Beste draus. Aber tu nichts, was wir nicht tun würden.“ – Er lächelte. „Wieviel Möglichkeiten bleiben mir da?“ – „Einige. Heutzutage.“ sagte Mrs. Riley.), den grassierenden Verfolgungswahn, die überbordenden Verschwörungstheorien oder der ‚Kampf‘ gegen Abweichler) als auch am Beispiel vor allem Priors und Mannings (aber auch anderer) die Schicksale der kämpfenden Soldaten. Es ist eine Klassengesellschaft die Barker beschreibt, die Arbeiterklasse, ungebildet und so armselig, daß diese Armut, der Mangel an Nahrung, sich körperlich in Kleinwüchsigkeit zeigt. Eine Klasse, die unter Verhältnissen leben muss, die sich nicht prinzipiell von denen an der Front unterscheiden. Ganz im Gegenteil zu der Offiziersklasse, die höhereren gesellschaftlichen Schichten entspricht, kaum Kontakt zur Realität der Arbeiter hat und – um den Ausdruck Barkers zu wiederholen – ein Leben unter ‚bukolischen‘ Verhältnissen führen kann – relativ gesehen auch in diesem Krieg. Und über allem schwebt der Geist einer latenten (männlichen) Homosexualität.

Mit den Figuren Prior und Rivers gelingen Barker ferner fesselnde Psychogramme von Menschen, die das persönliche Schicksal bzw. dann der Krieg auf die eine oder andere Weise deformiert (hat). Als ob das nicht reichen würde, ist es der Autorin ferner noch gelungen, dies alles so spannend und fesselnd darzustellen, daß man das Buch, wenn man es zur Hand genommen hat, nur sehr zögernd wieder weglegen möchte. Wenn dieser letzte Satz wie eine absolute Lesempfehlung klingen sollte: genau das war meine Absicht!

Links und Anmerkungen:

[1] Die Trilogie umfasst folgende Einzelbände (Verlinkung führt zu den Buchvorstellungen hier im Blog:
Niemandsland (dort finden sich auch noch weitere Anmerkungen zur Trilogie von Barker
– Das Auge in der Tür
– Die Straße der Geister
[2] Mindy Aloff: Behind the Veil (28.4.1998);  http://www.nytimes.com/books/98/04/26/reviews/980426.26alofft.html
[3] zu dieser erschreckenden Feststellung, die Barker Ende des Jahrhunderts formulierte, passt folgende Passage von D.H. Lawrence aus John Thomas & Lady Jane aus den zwanziger Jahren (also kurz nach dem Kriegsende) sehr gut: …. Hier in Wagly befand sie sich in der merkwürdigen Einflußsphäre von Sheffield. Der Himmel war oft sehr dunkel, es schien kein Tageslicht zu geben, man hatte ein Gefühl von Unterwelt. Selbst die Blumen, die in der dunklen Luft wuchsen, waren oft ein bißchen rußig. Und in der Atemluft war stets ein schwacher oder starker Geruch von etwas Unheimlichem, etwas Unterirdischem – Kohle oder Schwefel oder Eisen oder was es auch sein mochte. … Selbst also der Gasgeruch oder die Angst vor dem Gas, die in den Gedanken der Soldaten eine große Rolle spielt und auf die Barker immer wieder anspielt, taucht hier als originärer Bestandteil nordenglicher Industrielandschaft auf.

Pat Barker
Das Auge in der Tür
Übersetzt aus dem Englischen von Matthias Fienbork
Originalausgabe: The Eye in the Door, London 1993
diese Ausgabe: dtv, ca 290 S., 2000

Pat Barker: Niemandsland

8. März 2017

niemandsland

Das 20. Jahrhundert war für uns in Europa ein seltsam geteiltes Jahrhundert. Die erste Hälfte ist geprägt durch zwei menschenverachtende, menschenmordende Kriege, in denen unfassbare Grausamkeiten geschahen, deren Schrecken sich jedoch anscheinend so tief in die Psyche der Menschen eingeprägt haben, daß die zweite Hälfte (zumindest, was die Mitte und den Westen angeht) durch herrschenden Frieden und wachsenden Wohlstand charakterisiert werden kann. Der Fall des ‚Eisernen Vorhangs‘ gegen Ende des Jahrhunderts bestärkt diesen Eindruck.

Der Roman Niemandsland der englischen Autorin Pat Barker [1], den ich hier vorstellen will, ist Teil einer Trilogie, die sich mit dem 1. Weltkrieg aus englischer Sicht auseinandersetzt [2]. England war bei jedem der beiden Kriege auf Seiten der Sieger, nie jedoch gab es Bodenkämpfe auf englischem Territorium. So schlimm die Luftangriffe der Deutschen sowie die durch den U-Boot-Krieg hervorgerufenen Versorgungsengpässe für die englische Bevölkerung auch gewesen sein mögen, an Schrecken und Grausamkeit, wie sie auf den (Ab)Schlachtfeldern des Kontinents herrschten, gemessen, war dies geringfügig.

Pat Barker übernimmt diese Situation für ihren Roman. So wie der Engländer auf der Insel den Krieg nicht bzw. kaum direkt erlebt, so werden auch wir als Leser nicht auf die Schlachtfelder geführt, sondern wir werden mit den Folgen dieser Gemetzel konfrontiert und erleben das Grauen nur indirekt in den Schilderungen und Alpträumen der Soldaten mit.

Als rote Fäden zieht sich durch die Handlung von Niemandsland – der (deutsche) Titel des Romans [3] bezieht sich auf die apokalyptische Landschaft zwischen den Fronten, die völlig zerstört tot erscheint, obwohl tausende Soldaten auf beiden Seiten verschanzt sind und sich versteckt halten – das Schicksal dreier Personen. Dies sind der Schriftsteller und Dichter Siegfried Sassoon (1886 – 1967), [4]), ferner die fiktive Figur des Billy Prior, eines Offiziers, der durch seine Erlebnisse an der Front traumatisiert worden ist und dann als zentrale Persönlichkeit aller drei Bände der Psychiater William Halse Rivers Rivers ([1864 – 1922, [4]), der außerdem noch Anthropologe, Ethnologe und Neurologe war. Der Ort an dem ein Großteil der Handlung spielt ist, Craiglockhart, ein psychiatrischen Krankenhaus für Offiziere in der Nähe von Edingburgh.

Was soll ich mit diesem Lutschbonbon machen?

Die aus völlig unterschiedlicen Gründen in das Krankenhaus eingewiesenen Sassoon und Prior sind völlig unterschiedliche Charaktere. Während Prior aus einfachen Verhältnissen stammend durch seine Kriegserlebnisse in Frankreich die Sprache verloren hat und von Alpträumen gequält wird, hat sich der Dichter Sassoon in einem öffentlichen Aufruf gegen die Weiterführung des Krieges ausgesprochen, in dem politischer Irrtümer und Heucheleien willen sinnlos Frontkämpfer geopfert werden. Die von ihm erhoffte Verhandlung vor dem Kriegsgericht und die damit verbundene Diskussion seines Aufrufs blieb aus, ein Freund von ihm, der Dichter Robert Graves, konnte es arrangieren, daß ihm ein Nervenschock (Shell Shock bzw. Kriegsneurose) attestiert und er zur Behandlung nach Craiglockhart kam.

Beide werden Patienten von Rivers. Rivers ist ein besonderer Arzt, der zur Behandlung seiner Patienten ‚moderne‘ Methoden einsetzt, wie modern, erfahren wir als Leser gegen Ende des Buches in einer schlimmen Passage, in der Parker uns die konventionelle Behandlung damaliger Traumapatienten durch Elektroschocks schildert, die sich allenfalls im Ziel und in der euphemistischen Bezeichnung von einer sadistischen Folterorgie unterscheidet. Rivers dagegen setzt auf Gespräche, auf das Zulassen von Gefühlen auch wie Angst, er versucht, mit seinen Patienten über deren Alpträume zu reden, um die verschütteten und verdrängten Erlebnisse wieder hervorzuholen. Der Begriff der ‚Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)‘ existierte zur damaligen Zeit noch nicht, die ‚Störung‘ als solche natürlich schon, ihr wurden Begriffe wie beispielsweise ‚Kriegsneurose‘ zugeordnet. Stummheit oder Stottern waren häufige Symptome, aber auch Lahmheiten und weitere körperliche Beeinträchtigungen traten auf. Viele der Patienten litten an Alpträumen, Schlaflosigkeit und/oder Halluzinationen. Barker schildert uns diverse Ausformungen des Krankheitsbildes in den Figuren verschiedener Patienten, die sie in ihre Handlung einführt, diese Beschreibungen sind in ihrer Klarheit, die keineswegs nach Sensation haschen, erschreckend.

Der potentielle Aufwiegler Sassoon wurde also für krank erklärt, eine Vorgehensweise, die auch in heutiger Zeit nicht unbekannt ist, wenngleich mit anderer Motivation. Seine Ablehnung der Fortführung des Krieges war weder religiös bedingt noch ein Zeichen persönlicher Feigheit, im Gegenteil war Sassoon ein anerkannt guter Zugführer und Vorgesetzter, der wegen bemerkenswerter Tapferkeit ausgezeichnet worden war. Seiner Einweisung nach Craiglockhart zuzustimmen, fiel ihm sehr schwer, schließlich verbrachte er dadurch seine Tage in Sicherheit und relativer Bequemlichkeit, während seine Leute in Frankreich im Schlamm und unter dem Granatenhagel der Deutschen verreckten. In der Klinik bleibt Sassoon weitgehend für sich, einzig mit dem Dichter Wilfred Owen (1892 – 1918), ebenfalls Patient in der Klinik, freundet er sich locker an, die beiden werden in späteren Jahren als ‚War poets‘ bezeichnet [6].

Rivers ist die unermüdliche, ruhende, überforderte Seele des Krankenhauses. Langsam gelingt es ihm, eine Vertrauensbasis zu Sassoon herzustellen, auf deren Grundlage sie kommunizieren können. Dieser Kontakt mit Sassoon führt Rivers selbst an Grenzen und an einen tiefen Zwiespalt in ihm, denn dem Inhalt des Sassoonschen Aufrufs stimmt er im Grunde zu, aber seine Aufgabe im Krankenhaus ist es, die Offiziere wieder fronttauglich zu machen, damit sie in die sinnlos gewordene Schlacht zurück geschickt werden können.

Die Auseinandersetzung  Rivers mit der zweiten Hauptfigur auf Seiten der Patienten, Prior, ist anders geartet. Prior gibt sich aggressiv, feindselig, wirkt arrogant und ablehnend. Seine Stummheit überwindet er recht schnell, hartnäckig aber verweigert er dem Arzt Auskünfte über sein ‚Innenleben‘. Schließlich wendet Rivers, wie von Prior gewünscht, Hypnose an und deckt so das letztlich zum Trauma führende Erlebnis von Prior auf. Aber das ist nicht das einzige, denn Prior ist intelligent und teilweise verletzend offen: schnell hat er gemerkt, daß auch Rivers traumatische Erlebnisse in seiner Psyche zu verstecken scheint. Damit konfrontiert muss Rivers akzeptieren, daß Prior möglicherweise mit seiner Beobachtung recht hat…

Frauen spielen in dem Buch eine sehr untergeordnete Rolle. Sie kommen vor, sicherlich, als Krankenschwestern, als gelbgefärbte Arbeiterinnen in den Munitionsfabriken, die dort teilweise mit Gasmasken vor dem Gesicht arbeiten mussten. Zu ihnen gehört auch Sarah, die Prior in einem Cafe kennenlernt. Zwischen beiden entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung. Ansonsten durchzieht das gesamte Buch in seinen Männerfiguren eine mehr oder weniger latente Neigung zur gleichgeschlechtlichen Liebe. Wie erklärt es Lizzie, einer der Freundinnen von Sarah, so anschaulich, in Bezug auf ihren eigenen Freund?: … er hatte keine Schwestern, also hat er nie mit Mädchen zu tun gehabt. Auf der Schule keine Mädchen. Auf der Universität keine Mädchen. Und als er schließlich mich kennengelernt hat, da war´s natürlich zu spät. Die Sache war gelaufen. … Ist mir schleierhaft, wie die sich fortpflanzen. Auch Prior erscheint trotz seiner Annäherung zu Sarah weiterhin auch homoerotisch interessiert.

Immer wieder, teil unvermittelt, werden wir als Leser mit den Inhalten von Träumen, von Erinnerungen der Soldaten konfrontiert. Sie sind meist sehr erschreckend, das von mir vorstehend etwas zusammenhanglose Zitat ‚Lutschbonbon‘ gehört dazu, in die Details will ich hier gar nicht gehen. Die Schilderung des ‚Niemandslandes‘, das immer wieder in den Erinnerungen der Soldaten auftaucht, jedenfalls ist von äußerster Dystopie, es ist eine Landschaft nicht mehr von dieser Welt, in die hinein sie durch unsinnige Befehle gezwungen werden. Sie versinken dort symbolisch und förmlich im Schlamm, der sich durch die immer immerwährenden Regen aufgeweichte Erde, durch die in ihm versunkene, ausgelösten Leichname, durch Dreck, Unrat und Ausscheidungen gebildet hat. Allein der Geruch, der Gestank, der ihm entweicht…

Die englische Klassengesellschaft spiegelt sich auch auf dem Schlachtfeld, die höheren Offiziere bekommen von diesen Verhältnissen wenig mit, sie sitzen bei Rotwein und Pastete und schwadronieren, während die kaum ausgebildeten Soldaten, die in dieses Inferno geschickt werden, verrecken. Sie spiegelt sich auch in der Kleinwüchsigkeit (Barker redet an einer Stelle von kaum einem Meter fünfzig Körpergröße) vieler Rekruten, die aus dem armen Schichten Englands stammen und den – wenngleich auch einen andersgearteten – Überlebenskampf auch in der Heimat auszufechten haben. Zwischen diesen Soldaten und ihren unmittelbaren vorgesetzten Offizieren, den Zugführern und Kompaniechefs, zu denen Sassoon gehört, aber auch Prior, bildet sich unter diesen Bedingungen ein besonderes Verhältnis, ein besonders stark ausgeprägtes Verantwortungsgefühl der Offiziere zu ihren Soldaten.

Für die meisten der Offiziere ist der Aufenthalt in Craiglockhart eine Belastung. Sie empfinden ihren nervlichen Zusammenbruch als persönliche Schwäche, fürchten, daß man sie als Feiglinge ansieht. ‚Was hast du im Krieg gemacht, Siegfried?‘ Nun ja, ich habe drei sehr angenehme Jahre in einer Klapsmühle verbracht ich Mehlpudding gegessen und Golf gespielt habe. Während andere – darunter sehr enge Freunde draufgegangen sind. … äußert sich Sassoon im Gespräch mit dem einzigen anderen Patienten, mit der er sich in der Klinik anfreundet, dem Dichter Wilfred Owen. Kaum nachvollziehbar heutzutage der häufig geäußerte Wille der Offiziere, nach Frankreich zurückzukehren, selbst im Wissen um das, was einen dort erwartet. Dies liest man ja auch in anderen (Anti)Kriegsromanen, Frontsoldaten, die auf Heimaturlaub sind, fühlen sich allein, unverstanden und entwurzelt, ihre ‚Heimat‘, der Ort, an dem sie sich ‚richtig‘ fühlen, ist der Schützengraben, die Gemeinschaft derjenigen, die allesamt dem sinnlosen Tod entgegensehen.

Am Ende des Romans werden sie als geheilt, d.h. verwendungsfähig, zurück geschickt in den Krieg. Sassoon sollte den Krieg überleben, Owen stirbt eine sinnlosen Tod kurz vor dem Waffenstillstand. Prior wird  seines Asthmas wegen nicht mehr an die Front abkommandiert wird, sondern an das Rüstungsministerium in London. Selbst Rivers verläßt, völlig erschöpft, die Nervenheilanstalt und nimmt ein Angebot seines früheren Kollegen an, wieder mit ihm zusammen zu arbeiten.


Barker hat auf der Grundlage verschiedener Dokumente einen sehr beeindruckenden Roman über die Grauen des Ersten Weltkrieges geschrieben, der Fakten und Fiktion mischt. In ihm treten historische Persönlichkeiten (Siegfried Sassoon, Wilfried Edward Salter Owen, Dr. W. H. R. Rivers u.a.) auf, aber auch fiktive wie Billy Prior, deren Schicksale sie auf der Grundlage von Akten und Fallbeschreibungen hochdifferenziert ausformt. Man muss sich dabei vor Augen halten, daß der 1. Weltkrieg mehr Opfer forderte, weit mehr Opfer, als der 2. Weltkrieg. So starben zwischen 1914 und 1918 insgesamt 710.000 britische Soldaten, während im 2. Weltkrieg dagegen ’nur‘ ca. 271.000 Soldaten fielen (bei 31.000 bzw. 62.000 zivilen Opfern) [5], die Schrecken der dystopischen Abschlachtfelder Frankreichs, über die noch nicht einmal mehr Krähen fliegen wollten, die der Regen in unüberwindbare Schlammgefilde verwandelte, über die Gas waberte und die Schreie der Verstümmelten, die niemand bergen konnte, grub sich tief ein in die Psyche der Völker. Es ist dies, was Sassoon in seinem Aufruf anklagt: nicht den Krieg an sich, sondern ihn unter diesen Bedingungen sinnlos fortzuführen, die Menschen zu Material zu degradieren und das Schlachten nicht zu beenden, obwohl die ursprünglichen Kriegsziele mittlerweile (der Aufruf wurde 1917 geschrieben) durch Verhandlungen erreichbar seien.

Gleichzeitig vermittelt Barker neben der indirekten Darstellung der Kriegsgräuel auch ein Bild des damaligen Englands, dem sie sich dann im zweiten Band der Trilogie ausführlich widmet. Das damalige England zeichnet sie als ausdrückliche Klassengesellschaft mit der Arbeiterklasse, in dem Menschen vor lauter Not und Armut kleinwüchsig bleiben. Billly Prior entstammt dieser Schicht, er kommt aus dem Norden, einer Landschaft, die in ihrer Armseligkeit in mancher Beziehung so lebensfeindlich wirkt wie die Felder Frankreichs. Dagegen stehen die höheren Gesellschaftsschichten, denen materielle Sorgen fremd sind, die ihr Leben der Jagd und der Politik widmen können. Es ist aber auch eine Gesellschaft, in der es gärt, in der z.B. Frauen Rechte einfordern, in der in der Kunstszene ein Mann wie Oscar Wilde (der häufiger im Roman erwähnt wird) Homosexualität zum Thema macht – und die Gegenreaktion provoziert.

Solche homoerotischen Stimmungen durchziehen die Handlung des gesamten Buches. Insbesondere Prior (als Kind von einem Priester vergewaltigt) ist – obschon mit Sarah liiert – weiterhin empfänglich für gleichgeschlechtliche Reize, aber auch die Beziehung zwischen Sassoon und Owen und selbst in den Gesprächen mit Rivers schwingt immer solch verborgene Sexualität mit.

Rivers ist die zentrale Gestalt des Romans, ja, der gesamten Trilogie. Er, der völlig Erschöpfte, der Ausgelaugte und Überforderte, ist der ruhende Pol, obschon er selbst eigene innere Kämpfe auszufechten hat, denn das Schicksal seiner Patienten läßt ihn keineswegs unberührt. In ihm wird der Kampf zwischen Barbarei und Zivilisation ausgefochten, er ist Abraham, der Isaac opfern, sprich: die ihm Anvertrauten an die Front zurück schicken muss und der darauf wartet, das befreiende Wort ‚Gottes‘ zu hören, das den Beginn der Zivilisation, die Grenze zur Barbarei markiert.

Summa summarum: Pat Barker ist mit ihrer Trilogie (die nächsten Bände werde ich bald hier auch vorstellen) ein zeitloses Meisterwerk über die Grausamkeit eines Krieges gelungen, das weit über den 1. Weltkrieg hinausreicht. Zudem ist es ein kluges und tiefgründiges zeitgeschichtliches Werk über das England dieser Epoche.

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Beitrag zu Pat Barker:  https://de.wikipedia.org/wiki/Pat_Barker
[2] Hier im Blog vorgestellte Bücher, die sich mit dem 1. Weltkrieg auseinandersetzen: https://radiergummi.wordpress.com/tag/1-weltkrieg/
[3] der Originaltitel des Buches lautet Regeneration, was u.a. sowohl mit ‚Wiederherstellung‘ als auch u.a. mit ‚Aufarbeitung‘ übersetzt werden kann und dem Inhalt des Buches besser entspricht als das deutsche ‚Niemandsland‘.
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Sassoon
https://de.wikipedia.org/wiki/William_Halse_Rivers_Rivers
https://de.wikipedia.org/wiki/Craiglockhart_Hydropathic
[5] nach http://www.science-at-home.de/wiki/index.php/Die_Opfer_des_1._Weltkriegs und https://de.wikipedia.org/wiki/Tote_des_Zweiten_Weltkrieges. Selbst wenn die Erhebungsgrundlagen für die Daten der beiden Quellen unterschiedlich sein mögen, sind die Unterschiede doch deutlich erkennbar. Sogar was die Gesamtzahl aller Gefallenen angeht, war der 1. Weltkrieg grausamer.
[6] vgl. z.B. hier:    https://theredanimalproject.wordpress.com/2011/03/09/poets-of-the-great-war-siegfried-sassoon-and-wilfred-owen/

Pat Barker
Niemandsland
Übersetzt aus den Englischen von Matthias Fienbork
Originalausgabe: Regeneration, London, 1991
diese Ausgabe: dtv, ca. 325 S., 1999
(anscheinend nur noch antiquarisch erhältlich)

 

titelbild_ausstellung_trostenez

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um das Begleitbuch zu einer belarussisch-deutschen Wanderausstellung [2], in der die Geschichte der größten Massenvernichtungsstätte auf dem Gebiet der 1941-44 besetzten Sowjetunion dargestellt wird. Diese Ausstellung wird zeitgleich in Belarus (die offizielle Bezeichnung für das eher noch unter dem Namen ‚Weißrussland‘ bekannte Land) und Deutschland gezeigt, der Text des Buches ist daher zweisprachig deutsch/russisch.

Malyj Trostenez [1] ist heute Vorstadt von Minsk, der Hauptstadt von Belarus. Zwischen Frühjahr 1942 und Sommer 1944 wurden im Lager geschätzt über 200.000 Menschen ermordet, Juden, Partisanen, Widerstandskämpfer und Kriegsgefangene. Die jüdische Autorin Lili Grün aus Berlin, von der ich im Blog hier schon ein Buch vorgestellt habe [3], gehört zu den Opfern dieses Lagers. Als absehbar geworden war, daß russische Truppen das Lager erobern würden, begannen die Nazis eine großer Vertuschungsaktion, sämtliche vergrabenen Opfer wurden wieder ausgegraben und verbrannt.

Das Begleitbuch, das ungefähr 240 Seiten umfasst, widmet sich nach einer Reihe von Grußworten inhaltlich erst einmal den Rahmenbedingungen. In kurzen Texten werden Eckdaten aufgeführt, die den Weg Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg bzw. den Vernichtungskrieg gegen Russland und in den rassenideologisch motivierten Massenmord an u.a. Behinderten, Juden, Sinti und Roma aufzeigen, bevor auf das Zwangsarbeiterlager Malyj Trostenez eingegangen wird.

Warnschild am Lager 'Malyj Trostenez'. Bildquelle [B]

Warnschild am Lager ‚Malyj Trostenez‘.
Bildquelle [B]

Schon 1942 wurde in der Sowjetunion eine Einrichtung mit dem etwas langen Namen: ‚Außerordentliche staatliche Kommission für die Feststellung und Untersuchung der Gräueltaten der deutsch-faschistischen Eindringlinge und ihrer Komplizen und des Schadens, den sie den Bürgern, Kolchosen, öffentlichen Organisationen, staatlichen Betrieben und Einrichtungen der UdSSR zugefügt haben‘ gegründet, die am 14. Juli 1944 in Malyj Trostenez ihre Arbeit aufgenommen hat. Errichtet worden war das Lager auf dem Gebiet der ehemaligen Kolchose ‚Karl Marx‘. Es versorgte die Deutschen im Raum Minsk mit Lebensmitteln, Werkzeugen und anderen Gütern. Den Massenmord unterstützte es durch Wartungsarbeiten an den Gaswagen und das Sortieren der geraubten Habseligkeiten der Ermordeten. Die Zwangsarbeit dauerte bis zu 15 Stunden täglich, Bestrafungen waren willkürlich und gingen bis zur Ermordung.

Exemplarisch werden verschiedene Lagerinsassen porträtiert, unter anderem auch die schon erwähnte Berlinerin Lili Grün. Des weiteren werden einzelne ‚herausragende ‚ Ereignisse im Lager beschrieben, so beispielsweise die letzte große Erschießungsaktion vom Juni 1944, der ca. 6500 Insassen des Lagers und Minsker Gefängnisse, unter ihnen auch Frauen und Kinder erschossen und verbrannt wurden. Zwei der Opfer konnten fliehen und später aussagen.

Das Buch schließt mit Kapiteln, in denen auf die Erinnerungskultur in den beiden beteiligten Staaten, Deutschland und Belarus, eingegangen wird.


Namen wie Auschwitz, Treblinka, Theresienstadt oder auch Buchenwald sind wohl jedem geläufig, die Existenz eines Lagers namens Malyj Trostenez dürfte den meisten, mich eingeschlossen, unbekannt sein. Malyj Trostenez war kein Tötungslager, sondern ein Zwangsarbeitslager, was – die Opferzahlen sprechen für sich – das Töten und Vernichten von Insassen nicht ausschloss, im Gegenteil. Der Komplex (der im Buch auch als ‚Vernichtungsstätte‘ bezeichnet wird) umfasst neben dem Zwangsarbeiterlager auch den Ort, an dem die Massenerschießungen stattfanden (Blagowschtschkowka)  und eine Anlage im Waldstück Schaschkowka zur Verbrennung von Leichen. Das zu diesem Thema, dies wird auch in den Vorworten zum Buch häufig betont, diese gemeinsame belarussisch/deutsche Ausstellung organisiert worden ist, kann zum einen dieses Informationsdefizit beheben, zum anderen trägt es zur Aussöhnung zweier Völker und Staaten bei. Verbrechen und damit Schuld anzuerkennen und zu akzeptieren ist der erste und ein notwendiger Schritt zur Aussöhnung und Aussöhnung ist Voraussetzung für ein friedliches Miteinander.

Dieses Begleitbuch zu der Wanderausstellung ist kein Buch, welches das Thema und die Geschichte des Lagers erschöpfend darstellt, es ist kein Buch für Fachleute. Das umfangreiche Bildmaterial wird von kurzen Texten, wie man sie von Ausstellungen kennt, erläutert, ferner werden Zitate und Aussagen von Zeitzeugen angeführt. Aber gerade das Bildmaterial und die verständlichen Erläuterung dazu veranschaulichen die Monstrosität eines solchen Lagers, in dem Menschenleben keinen Wert hatten, sondern der Beliebigkeit unterlagen. Und es entreißt – natürlich nur exemplarisch, anders geht es nicht – Menschen der Anonymität, in die sie das Lager, die Massenerschießungen und die Massengräber bzw. Verbrennungen verstoßen haben.


‚Wider das Vergessen‘ ist eins der bekannten Motive für die Aufarbeitung der bzw. Erinnerung an die Verbrechen, die im sogenannten Dritten Reich verübt worden sind. Was Malyj Trostenez angeht, ist dieser Prozess noch eine Stufe weiter zurück: die Existenz dieses (und evtl noch anderer?) Lagers muss erst wieder/noch ins Bewusstsein gerückt werden, muss dokumentiert und beschrieben werden. Nichts wird dadurch ungeschehen gemacht, keine Schuld abgegolten. Aber den Opfern wird so ein Teil ihrer Würde, die ihnen seinerzeit auf schlimmste Art und Weise genommen worden ist, wieder gegeben. Und Versöhnung kann nur stattfinden auf der Grundlage von Ehrlichkeit, dem Bekenntnis dazu, was einst geschehen ist und wer die Verantwortung dafür zu tragen hat.

Und genau dazu sind die Ausstellung [4] und dieses begleitende Buch ein wichtiger Schritt.

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Beitrag zu  https://de.wikipedia.org/wiki/Vernichtungslager_Maly_Trostinez (Ich habe mich in meinem Text an die differierende Schreibweise des Buches für den Ortsnamen: ‚Malyj Trostenez‘ gehalten)
[2] http://ibb-d.de/erinnern/gedenkstaette-trostenez/
[3] Lili Grün: Alles ist Jazz (Besprechung hier im Blog)
[4] Bisher stehen (nach Angaben der PR-Agentur literaturtest.de) als nächste Ausstellungsorte Minsk (März 2017) und Köln (Oktober 2017) fest. Als weitere Stationen sind u.a. Frankfurt, Berlin und Wien geplant. Die Ausstellung in Hamburg ist vor ein paar Tagen beendet worden (http://ibb-d.de/events/eroeffnung-der-wanderausstellung-vernichtungsort-malyj-trostenez-geschichte-und-erinnerung/)

Bildquelle:

Warnschild: Außerordentliche Staatliche Kommission der Sowjetunion, 1944 (dem Buch entnommen)

IBB Dortmund */ IBB ‚Johannes Rau‘ Minsk **
in Zusammenarbeit mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden in Europa
Vernichtungsort Malyj Trostenez.
Geschichte und Erinnerung
diese Ausgabe: Buch zur Ausstellung, Softcover, ca. 240 S., mit vielen Abbildungen, 2016

*IBB: Internationales Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH 
** IBB: Internationales Bildungs- und Begegnungsstätte

Ich danke dem Verlag für die Überlassung eines Leseexemplars.

Wassermann - Caspar Hauser; Buchclubausgabe von 1958

Wassermann – Caspar Hauser; Buchclubausgabe von 1958

Ich kann mich noch gut erinnern…. mein Vater war ein einfacher Mann, der durch den Krieg um alle Möglichkeiten gebracht worden war, die wahrzunehmen er zweifelsohne das Potential gehabt hätte. So war er, der nach dem Krieg lange im Bergbau arbeitete, einer der wenigen aus seinem Umfeld, der Bücher in nennenswertem Umfang besaß – und sie auch nutzte! Unter anderem war er Mitglied eines Buchclubs – ich weiß nicht mehr genau welches – und im Regal stand neben den Drei Musketieren, dem Grafen von Monte Christo (die ich noch besitze) auch das Buch eines gewissen Jakob Wassermann [1]: Caspar Hauser. Aus irgendeinem Grund ist mir von all den Büchern gerade dieses im Gedächtnis geblieben, vielleicht liegt es am Schicksal Hausers, von dem ich aber aus anderen Quellen erfuhr, Wassermanns Buch habe ich nie gelesen.

Doch im Gedächtnis geblieben ist mir dieser jüdische Autor, der wie so viele andere auch dem Wahn eines zwölf Jahre überdauernden Tausendjährigen Reichs zum Opfer fiel und als jetzt diese Neuausgabe eines seiner Romane im Manesse-Verlag erschien, war und ist dies die Gelegenheit für mich, diesen Autoren kennen zu lernen. Zumal ich in letzter Zeit sowieso ein wenig in dieser Epoche der deutschen Literatur unterwegs war.

Faber oder Die verlorenen Jahre von Jakob Wassermann


Faber also (bei dessen Titel man unwillkürlich an Frischs Figur denkt und unwahrscheinlich, daß der Spätere den Roman Wassermanns nicht zumindest den Titel gekannt haben wird) und das Eintauchen in die Nachkriegszeit um 1920. Wie der aus Fürth stammende Autor selbst den Ersten Weltkrieg überstand, ist zumindest einer groben Sicht der biographischen Notizen im Netz [1] nicht zu entnehmen, die Wiki erwähnt zumindest, daß ihn seine damalige Frau von der freiwilligen Meldung zum Dienst abgehalten habe.

Nach unsteten Wanderjahren wurde sein literarisches Talent erkannt und Wassermann arbeitete mehrere Jahre als Redakteur beim Simplicissimus, in dieser Zeit lernte er uner anderen Schriftsteller wie Thomas Mann, Rainer Maria Rilke und Hermann Hesse kennen. Seine eigenen literarischen Versuche brauchten ein wenig Zeit, bis sie Erfolg zeitigten, aber nach Ende des Ersten Weltkrieges avancierte Wassermann dann zu einem der erfolgreichsten und meist gelesenen Autoren Deutschlands. Zusammen mit seinen Bücher wurde 1933 auch seine Hoffnung auf eine humane Welt zerstört, Wassermann starb nur ein Jahr später im Alter von sechzig Jahren.


Jammervoll hat die Zeit in den Seelen der Leute gehaust,
wer leugnet´s?

Faber oder Die verlorenen Jahre führt uns in die direkte Nachkriegszeit des Ersten Welkrieges. Die Hauptperson, Eugen Faber, vor dem Krieg Architekt, war schon in den ersten Wochen in russische Kriegsgefangenschaft geraten und nach fünfeinhalb Jahren über Sibirien und China zurück nach Deutschland, in seine unbenannte Heimatstadt gekommen. Sehr nüchtern und klar schildert Wassermann schon auf diesen ersten Seiten, daß Faber als Fremder heimkehrt, als Mensch, der sich seines Platzes in der Welt nicht mehr sicher ist. Kühl verabschiedet er sich von den Kameraden im Zug, mit denen er Wochen, ja Monate verbrachte, dann mietet er sich in einem schmuddeligen Wirtshaus ein, wird durch das Lachen der Frau im Nebenzimmer, das durch die dünnen Wände dringt, aber hinaus in die Nacht getrieben. Erst jetzt besucht er, nein: nicht die Schwester oder die Mutter oder seine Frau und seinen Sohn, sondern seinen alten Hauslehrer Fleming. Natürlich freut sich dieser sehr über diesen sehr überraschenden Besuch, ist aber auch verwirrt und befremdet über das Verhalten Fabers, der kaum redet, nur etwas zu essen und zu trinken erbittet. Zu Frau und Kind, Mutter und Schwester geht er erst später, es sollen Treffen und Begegnungen werden, die voller Konflikte sind. Daß in ’seinem‘ Haushalt mit Fides eine junge Frau lebt und arbeitet, wird von diesen nicht der geringste sein.

Faber… ist ein Heimkehrerroman, ein Soldat, der schon anfangs des Krieges in russische Gefangenschaft gekommen war, der auf seiner Flucht einen weiten Weg durch Sibirien und China hinter sich brachte und nach fünfeinhalb Jahren wieder in der Heimatstadt auftauchte. Natürlich traumatisiert durch das Erlebte, in der Erinnerung die heimatlichen Verhältnisse idealisiert und konserviert, muss er feststellen, daß er weder in seiner Ehe noch sonstig keineswegs einfach an dem Status wieder anknüpfen kann, den Ehe und Beruf vor dem Krieg hatten. Martina, seine Frau, ist keineswegs mehr die stille Gefährtin, die sich mit ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau bescheidet, sie arbeitet und engagiert sich jetzt in einem sozialen Projekt (wie man heute sagen würde), das verwahrlosten Kindern eine neue Heimat bieten will. Und an verwahrlosten Kindern hat diese Zeit wirklich keinen Mangel: […] Ein fünfzehnjähriges Mädchen trat vor, bedeckt mit Eiter und Grind, die Haare von Ungeziefer lebendig. Die Mutter Prostituierte, Vater gab es keinen; Pflegevater verschollen. Ein Heim hatte es nie gehabt, ein Bett nie gesehen; hatte genächtigt in Kellern, unter Brücken, auf Baugerüsten, … Wassermann schildert es auch allgemeiner: […] Aus einem engen, übelriechenden Schacht gleichsam quoll schmutzig und schleimig, was die Gesellschaft an Unrat in ihren Tiefen erzeugt hat. … so sollte es Faber bei einem späteren Besuch der ‚Kinderstadt‘, so der Name des Projekts, empfinden.

Mit diesem Konflikt zwischen Eugen Faber und seiner Frau Martina wird Faber auch zum Eheroman, zum Roman enttäuschter Hoffnungen und Sehnsüchte, zur Schilderung, wie ein sich entwickelndes und gewachsenes Selbstbewusstsein auf ein altes Rollenverständnisse stößt. Weder Eugen noch Martina entsprechen dem, was der jeweilig andere erhofft oder erwartet hatte, zwischen ihnen herrscht eine Sprachlosigkeit, die eine Annäherung verhindert, die im Gegenteil die Entfremdung weiter treibt, bis zu dem Punkt, an dem Faber (es sei dahin gestellt, ob aus wirklichem Gefühl oder aus seiner seelischen Pein heraus) erwiderte Nähe bei Fides spürt….

Als Lichtgestalt, die im Roman erst sehr spät tatsächlich als Figur in Erscheinung tritt, agiert im Hintergrund die Fürstin. Sie, eine ehemalige Nonne, agiert als Kraft- und Sinngeberin für Martina und die ganze Arbeit mit den verwahrlosten Kindern, sie ist die Initiatorin, die Seele der Arbeit. Ihr werden fast mystische Fähigkeiten zugeschrieben, eine ungeheure Menschenkenntnis, sie strahlt eine kaum fassbare positive Aura auf jeden aus, der ihr begegnet, letztlich, am Ende des Romans auch auf Faber selbst, der, auch aus Eifersucht, ihr ablehnend gegenüber steht.

Faber enthält ebenso in anderer Hinsicht Ansätze eines Familienromans. Eugen Faber hatte noch drei Geschwister, der Vater war Arzt und die Mutter Anna, Tochter eines nach Hannover eingewanderten Schotten, war die Unruhe des Hauses. Sie war engagierte Frauenrechtlerin, ging mit ihrem Überzeugungen in die Öffentlichkeit und verwirklichte ihre Ansichten ebenfalls in der Erziehung ihrer Kinder, und zwar in der Art, daß sie ihnen völlige Freiheit ließ. Wassermann schildert das Leben in diesem Haushalt aus der Sicht des schon erwähnten Hauslehrer Fleming, der sich über die Menschen, denen er begegnete, immer Notizen machte: …. Wunderliches Haus, wunderliche Vergesellschaftung von Menschen. Eltern, die sich der Herrschaft über ihre Kinder freiwillig entschlugen, Kinder, für die die Worte Gehorsam und Zucht lächerliche Schälle waren. Keine Regel, keine Ordnung, kein Maß und Gleichmaß, keine religiöse Bind und und tiefere Pietät, alles nur zufällige Übereinkunft und Sichvertragen nach Laune und Wahl. …. Am Ende des Romans – der Vater war im Krieg an einer Krankheit gestorben – sollte die Mutter Anna eine gebrochene Frau sein, all ihre Kinder waren auf die eine oder andere Weise im Leben gescheitert, ihr Bemühen, sie zu freien Menschen zu erziehen, hatte sie zu orientierungslosen gemacht, eine deutliche Kritik an der Reformpädagogik vor und während der Weimarer Zeit [2]. Wassermann läßt die Kinder Klara und Eugen diese fundamentale Kritik an Annas Erziehungsideal in heftigen Anklagen formulieren.


In ihrem Nachwort weist Insa Wilke auf eine Rede Wassermanns hin, die dieser Ende 1922 vor Studenten in Kopenhagen hielt: Rede über die Humanität. Am Beginn seiner Rede erklärt Wassermann habe ihn die Betrachtung dessen angetrieben, ‚was Menschen tun und was Menschen leiden‘, und die daraus folgende Frage, ob der Einzelne unwiderruflich verurteilt sei, ‚alle Qual und Bedrängnis, die von der Gesamtheit ausgeht, […] hinzunehmen wie ‚Sturm oder Erdbeben‘. Jakob Wassermann entwarf seinen „Homo Faber“ als Möglichkeit, das, woran ‚er sich gewöhnt hat, als sein unvermeidliches Schicksal zu bezeichnen, in seinen Wirkungen aufzuheben oder wenigstens abzuschwächen.‘ 

Schlüsselbegriff für seinen Humanitätsbegriff ist Wassermann die Achtung, die anderen entgegengebracht wird, Achtung als Gegensatz zum Mitleid. So wie sie beispielsweise Martina praktiziert wird, die ihre Arbeit bei den Kindern nicht aus Mitleid macht, sondern auch praktischen Erwägungen. Am deutlichsten kommt dieses Prinzip ‚Achtung‘ in der Szene zur Geltung, in der Fides den auf Abwegen geratenen Valentin (dies die endgültige Niederlage des antiautoritären Erziehungsideals von Anna Faber), dadurch noch einmal (zumindest vorläufig) rettet, daß sie ihm im Gegensatz zu den anderen, die nur drohen, Achtung entgegenbringt und nicht verurteilt. Zu nennen wäre aber auch die Aufnahmeprozedur für die verwahrlosten Kinder in die Kinderstadt, in der die Kinder weitgehend nüchtern und neutral weder Verurteilung noch demütigendes Mitleid zugemutet wird (… daß nicht geklagt, gejammert, geweint, geschluchzt wurde, sondern lediglich konstatiert und protokolliert..). 

Es gibt aber auch Gegenbeispiele, zuhauf. Die Fürstin, diese Lichtgestalt des Romans, erklärt Faber bei ihrem Treffen, daß sie jetzt, wo er wieder da ist, Martina wieder an ihn zurückgeben müsse, Martina demütigt ihre Seelenfreundin Fides damit, daß sie ihr und Eugen ihren ‚Segen‘ erteilt: Da ihr euch gern habt, Eugen, und ich es nun weiß, so sollt ihr euch nicht abquälen, so müsst ihr einander haben. Nimm sie, Eugen, nimm sie zu dir, nimm sie mit dir.  Menschen als Verhandlungsmasse, zum Objekt herabgestuft. Weitere Beispiele für solche Nicht-Achtung lassen sich leicht finden, auch – und damit zurück zum Ausgangspunkt – die Erziehung bzw. Nicht-Erziehung läßt sich als mangelnde Achtung der Mutter vor den Kindern sehen, die deren grundlegendes Recht darauf, wie auch immer ausformulierte und gesetzte Grenzen und Leitlinien des Zusammenlebens kennen zu lernen, ignoriert. 


Der Roman, der kurz nach Kriegsende spielt, ist in einer unruhigen politischen Zeit angesiedelt. Im November 1918 wurde revoltiert und am Ende dieser Novemberrevolution die (Weimarer) Republik ausgerufen, eine Republik, die sowohl von rechten als auch von linken Kräften attackiert wurde, um hier nur den Kapp-Putsch von 1920 zu nennen und der Epoche des Wassermannschen Romans zu bleiben. Zu nennen wäre natürlich auch die grassierende Inflation zu dieser Zeit in der Weimarer Republik. Diese politischen (und wirtschaftlichen) Unruhen treten im Faber nur als Hintergrund auf und in Person diverser Figuren: das rechte Spektrum völkischer und nationaler Gesinnung wird durch den reichen Schwager Fabers, Hergesell, repräsentiert, der linke Rand kommunistischer Ideen und mit Russland liebäugelnder Revolutionäre tritt in der Figur des Baltesser auf, der Faber zu einem großen Verrat überredet, einem Verrat an dem Werk seiner Frau. Fleming ist die Figur des zurückgezogenen Wissenschaftlers, Anna die Kämpferin für die Rechte der Frauen und die Fürstin mag man als Personifizierung von im nicht fassbaren angesiedelten Heilsversprechen sowie zutiefst moralischen Handelns nehmen. Die weiter vorstehend dargelegte Zwiespältigkeit der Personen bleibt davon unberührt.

Eugen Faber – er darf nicht vergessen werden. Aufgewachsen in einem Elternhaus, das ihm maximale Grenzenlosigkeit bescherte und die Umwelt zur Willkür auslieferte. Eine Ehe geschlossen, die sich wie von Gott gegeben anfühlte. Schmählich, weil sehr schnell in Kriegsgefangenschaft geraten, alles Hoffen und Sehnen an die Heimat, das Heim gebunden, die lange Flucht und dann die enttäuschende Ankunft. Schon der offensichtlich recht intensive Briefverkehr mit Martina (übergehen wir die Frage, wie dieser Kontakt praktisch gehalten werden konnte in Gefangenschaft und Flucht..) hat Fragen und Irritationen hervorgerufen, zu Hause dann fühlt er nur Fremde und Kälte. Er gehört nicht mehr dazu, mehrfach taucht der Begriff der ‚Entwurzelung‘ im Roman auf. Stumme Verzweiflung bemächtigt sich seiner, aus der heraus er mehrfach großen Fehler begeht…. auch im Beruf, in der Stellung, die man ihm verschaffen kann, findet er keine Befriedigung, sieht er keine Aufgabe mehr für sich… letztlich läßt Wassermann seine Handlung auch offen, es ist nicht klar, was aus Faber wird. Zwischen zwei Frauen stehend, die ihre eigenen Probleme haben, entscheidet er sich dafür zu gehen (‚Lösen, um zu binden.‘) und abzuwarten, bis die eine weiß, daß die Flamme erloschen ist, die sie unschuldig entzündet hat […] und die andere das Feuer wieder nähren will […] Rätselhaft der Schluss des Romans, der eine man möchte sagen, verwirrte Martina zeigt, die mit einem Ton […] zwischen kindlichem Schmerz und strahlendem geheimnisvollen Jubel [rief]: „Fides, wach auf! Fides, wach auf! Weißt du es denn nicht? Hast du´s gehört? Er ist fort, der Liebste! Der Aller-Allerliebste ist von mir gegangen….“ 


Faber oder die verlorenen Jahre ist ein handlungsarmes Stück. Es lebt von von den Betrachtungen der Protagonisten, von den Gesprächen zwischen ihnen, den Diskussionen und Auseinandersetzungen, von den Erinnerungen auch. Wassermann konzentriert sich auf die seelischen Nöte seiner Protagonisten, Faber steht bei ihm als Figur für den entwurzelten und als Fremden, als Aussenseiter zurückgekehrten Kriegsteilnehmer, der die Welt, die er vor dem Krieg kannte, nicht mehr auffindet. Politische Strömungen bekämpfen sich mit zum Teil radikalen Methoden, Krieg und Armut haben soziale Verwerfungen hervorgerufen, einer Arbeit nachzugehen, erscheint sinnlos. Was sich im nächsten Weltkrieg wiederholen sollte, ist auch schon in diesem Menschenschlachten zu beobachten: die Frauen zu Hause, die durch die Abwesenheit der Männer auf sich selbst gestellt waren, entwickeln Selbstbewusstsein und Initiative – müssen dies sogar, um materiell und auch seelisch zu überleben. Nur, daß die Rückkehrer, die sich nichts sehnlicher wünschen als sich hineinfallen zu lassen in das Bild vom Heim, das sie noch verinnerlicht haben, um dann so tun zu können, als hätte die verlorenen Jahre es nicht gegeben, damit nicht zurecht kommen….


Jakob Wassermann gelingt es in seinem Roman, sich trotz der vielen Themen, die er anschneidet, nicht zu verzetteln. Einzig die Episode mit Valentin wäre vielleicht nicht notwendig gewesen, andererseits läßt gerade sie den Charakter von Fides deutlich hervortreten, erfüllt letztlich also doch eine wichtige Aufgabe…. so schafft Wassermann ein großartiges Bild einer Zeit im völligen Umbruch, einer Epoche, die sich neu erschaffen muss, weil das Bisherige in Trümmern liegt. Insofern ist Faber auch ein Gesellschaftsroman, in dem Wassermann seine Vorstellung einer humanen, auf Achtung des Gegenüber fussenden Gemeinschaft formuliert.

Manche der Gespräche und Ausführungen, die Wassermann seinen Figuren in den Mund legt, wirken heutzutage möglicherweise etwas umständlich, etwas grüblerisch, aber wir heutigen haben mittlerweile ja auch gelernt (hoffentlich…), Sprachlosigkeit zu überwinden. Seinerzeit war das In-Sprache-Bringen gerade für Männer noch nicht hoch entwickelt, wir müssen´s hinunterschlucken; wir müssen tapfer sein. Die Welt verlangt es von uns, so erklärt Eugen Faber seinem Sohn, daß dieser nicht weinen soll über das Unglück, das auch dieser natürlich spürt. Diese Erklärung gilt selbstverständlich für´s Sprechen wie für´s Weinen….

Der Roman Faber… ist nach seiner Erstpublikation 1924 bei S. Fischer in Berlin nicht mehr allzu häufig aufgelegt worden. Für 1945 habe ich noch eine schweizerische Ausgabe (Carl Posen, Zürich) gefunden, 2011 erschien eine Taschenbuchausgabe im Salzwasser-Verlag. Die vorliegende Neuerscheinung in der Bibliothek der Weltliteratur des Manesse-Verlages ist ein (wie bei dieser Edition gewohnt) wunderschönes Buch, das mit Erläuterungen und dem sehr informativen Nachwort von Insa Wilke, einer jüngeren deutschen Literaturkritikerin und Germanistin abgerundet ist. Und dem Verlag kommt das große Verdienst zu, mit diesem Buch einem Autoren, dessen Werke 1933 verbrannt worden waren, wieder eine Stimme gegeben zu haben.

Links und Anmerkungen:

[1] – Wiki-Beitrag zu Wassermann: https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Wassermann
– https://www.literaturportal-bayern.de/autorinnen-autoren?
– http://www.jakob-wassermann.de
[2] zur Geschichte der Reformpädagogik:  https://de.wikipedia.org/wiki/Reformpädagogik#Geschichte_der_Reformp.C3.A4dagogik

Ein Roman, der in ähnlicher Thematik das Schicksal eines Heimkehrers darstellt, ist Erich Maria Remarques: Der Weg zurück; Besprechung hier im Blog: https://radiergummi.wordpress.com/2011/11/12/erich-maria-remarque-der-weg-zuruck/

Jakob Wassermann
Faber oder Die verlorenen Jahre
mit einem Nachwort von Insa Wilke
Erstausgabe: Berlin, 1924
diese Ausgabe: Manesse (Bibliothek der Weltliteratur), HC, ca. 416 S., 2016

Ich danke dem Verlag für die Überlassung eines Leseexemplars.

gebrauch

Der 2003 verstorbene serbische Autor Aleksandar Tišma wurde 1924 geboren und wuchs in Novi Sad, dieser Stadt in der Vojvodina im nördlichen Serbien, nicht allzu weit von der ungarischen Grenze entfernt, auf. Einiges aus seiner Biographie findet sich in diesem überwältigendem Roman, der die Zeit des Zweiten Weltkrieges und die ersten Nachkriegsjahre überstreicht, wieder [1]. So zum Beispiel spiegelt sich in der Grundstruktur der Familie Kroner des in der Hauptsache in Novi Sad spielenden Romans die seiner eigenen christlich-jüdischen Herkunft wieder, auch hat das ‚Fräulein‘ des Romans ein reales Vorbild und ihr Tagebuch, das Tišma am Ende seines Werkes wörtlich wiedergibt, existiert in diesem Wortlaut. Bei dieser Lehrerin hatte Tišma ebenso wie seine Figuren Deutschunterricht.

Novi Sad liegt an der Donau, eine verschlafene, träge Stadt mit Einwohner aus vielen Völkern. Vor dem 2. Weltkrieg gehörte sie zum Königreich Jugoslawien, im 2. Weltkrieg übernahmen ab 1941 die mit Hitler verbündeten Ungarn das Regime in der Stadt. Auch in Novi Sad kam es zu Verhaftungen, die Menschen flüchteten, es gab Denunziation gegen Juden, im Untergrund bildeten sich Partisanenverbände. Diese eroberten die Stadt 1944 zurück und vertrieben fast alle Deutschen, die noch in Novi Sad waren. In dieser Stadt also spielt der Hauptteil der Handlung des Buches.

Tišmas konzentriert sich auf einige Personen(gruppen). Das sind die schon erwähnten Kroners. Robert Kroner ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der seinerzeit aus im wesentlichen sexuellen Motiven heraus die Dienstmagd und Gelegenheitsprostituierte Therese (‚Resi‘) geehelicht hatte, womit er gegen eines der Grundverbote seines Glaubens verstieß. Zwei Kinder hat die Familie, den Sohn Gerhard, die Tochter Vera. Da die sexuelle Attraktion zwischen den Ehepartner schon längst dahin ist, sucht der Mann seine Befriedigung ausserhalb des Hauses, im Hause Herzfeldt unterstützt man ihn gerne dabei, er ist dort bekannt und Stammgast in dem Milieu, das auch seiner eigenen Frau aus der Zeit vor ihrer Ehe nicht fremd ist. Robert Kroner ist ein gebildeter Mann, der immer noch im Herzen seinem geliebten Wien und der deutschen Kultur nachtrauert. Wien musste er vor Jahren aus familiären Gründen verlassen. Robert Kroner erfasst das zwar Unglück, das mit den Deutschen auf Novi Sad zurollt, Initiative zu ergreifen ist er dagegen nicht in der Lage.

Noch sind die Zeiten so, daß man sich einrichten kann, es kommt zu kuriosen Konstellationen. Zwar hat offiziell ein Kommissar die Geschäfte des Juden Kroner übernommen, doch dieser ist umgänglich, da er auf die Kenntnisse Kroners angewiesen ist. Außerdem findet er Gefallen an Vera, die, nachdem die Verbote gegen Juden immer restriktiver werden, ihre Zeit mit Sonnenbaden im Hof totschlägt – vor den Augen des Kommissars, der zufällig immer hinter dem Fenster steht. Ihn will Vera, der dieses Gefallen an ihr nicht verborgen geblieben ist, für ihre Zwecke, die Flucht nämlich, einspannen. Es sollte dazu nicht kommen…. Gerhard, der Sohn, erweist sich als tatkräftiger als sein Vater, er bekommt Kontakt zu einer Widerstandsgruppe… kurioses geht im Hause Kroner vor, weil mit Sepp der Bruder der Mutter während seines Urlaubs im Haus ein und aus geht, völlig ignoriert, daß Nichte und Neffe, die er sehr mag, nach offizieller Lesart der damaligen Herrscher Halbjuden sind und er auch mit seinem Schwager, dem Juden Robert, abendliche Gespräche pflegt und ihm sein Leid klagt, wie belastend für ihn als Angehörigen der SS doch das Abschlachten der Juden ist, wenn stundenlang immer neue vor die Gewehrläufe getrieben werden und ins Massengrab geschossen werden müssen, bis sich die Grube immer höher füllt mit zuckenden Leibern, weil nicht alle schon tot sind, wenn sie hineinstürzen…. Momente, in denen einem beim Lesen die Luft wegbleibt.

Die Familie Lazukic…. der Vater, ein Notar und Deutschenhasser, die Mutter ein Hausmütterchen und dann noch zwei Söhne, von denen Sredoje eine tragende Rolle im Roman zukommt. Sredoje ist intelligent, gerissen und in wesentlichen Aspekten seines Verhaltens triebgesteuert. Schon von früher Jugend an lockt ihn das Geheimnis, das sich um Frauen spinnt und er löst es relativ schnell auf, womit er die Zusammenhang zwischen Sex, Macht und Gewalt kennenlernt… Die Befriedigung seiner sexuellen Gier macht über große Teile seines Lebens, soweit wir es im Gebrauch der Menschen verfolgen können, ein wesentliches Handlungsmotiv aus.

Natürlich weist dieser sehr komplexe Roman sehr viel mehr Figuren und Schicksale auf, als man hier andeuten kann. Milinko Bozic beispielsweise, einen Alterskameraden von Vera und Sredoje, der sich in Vera verguckt, aber die Freundschaft zu ihr in wesentlichen deshalb pflegt, weil er dadurch Gelegenheit hat, allabendlich mit Robert Kroner zu sprechen, seine Bibliothek zu nutzen. Alle drei, Vera, Sredoje und Milinko, sind auch dadurch verbunden, daß sie bei der alleinstehenden Lehrerin Anna Drentvensek Deutschunterricht nehmen. Diese Anna Drentvensek ist eine unglückliche Person, ein ‚Fräulein‘, durch einen Mann aus eine Ort am Fuss der Berge mit klarer Luft in das schwülträge Novi Sad gelockt, einem Mann, der sie nicht glücklich machte, der im Gegenteil schmarotzte und sie ausnutzte, bis sie ihn verjagte. So lebt sie jetzt allein und fängt an, ein Tagebuch zu schreiben, Aufzeichnungen zu machen in ein Poesiealbum, mit dem Tišmas seinen Roman sowohl beginnen als auch enden läßt, denn Anna vertraut ihr Tagebuch kurz vor ihrem Tod Vera an…

Der Krieg stülpt sich über das Leben der Protagonisten und verändert alles. Robert sieht das Unglück kommen und kann sich nicht entschließen, sich dagegen zu stemmen. Er streitet mit Gerhard, seinem Sohn, der sich einer Untergrundgruppe anschließt, die eines Tages auffliegt. Gerhard wird abgeholt, später dann auch der Rest der Familie bis auf die arische Mutter. Es ist das vielleicht das grausamste Abschnitt im Buch, wenn Tisma jetzt das Schicksal Veras schildert, die noch zusammen mit der Großmutter in den mörderischen (Vieh)Transporten durch das Land gefahren wird, bis sie endlich halb verhungert und verdurstet in einem Lager ankommen. Sie sehen Menschen hinter den Zäunen, seltsame Menschen, die sich seltsam bewegen, seltsam aussehen, sie deuchen ihnen Wahnsinnige zu sein…… Die Selektion nach Arbeitsfähigkeit, die Eingangsprozedur: Entkleiden, Rasieren, andere, zerlumpte Klamotten, die Baracken, der Schmutz, der Staub, der Schlamm nach dem Regen, die Appelle, der Hunger… Schon längst ist die Großmutter mit einem Stück Seife in der Hand unter die Duschen getrieben worden, wo sich Schreie und letzte Gebete mischen…

Vera wird wieder selektiert, von Handke, Oberscharführer. Im Freudenhaus ist ein Platz freigeworden, Handke hat sie ausgesucht, den einzunehmen [2]. Das bedeutet Schmerz für sie, fast unerträglichen, besseres Essen auch, ja, aber auch völliges Ausgeliefertsein den Männern, von denen sie ausgesucht wird, denn Überleben kann sie nur, wenn keine Klagen kommen: Vera ist zum Gebrauchsgegenstand geworden. Vielleicht habe ich mich damit abgefunden, ich bin ja am Leben sollte sie ein paar Jahre später mal sagen….

Vera überlebt den Krieg, überlebt das Lager, gebrochen. Nur scheinbar gelingt es ihr in der ersten Zeit mit Hilfe einer älteren, mütterlichen Frau, sich einzugliedern in die Abläufe des Lebens, die sich nach dem Krieg neu organisieren. Aber es kommt der Zeitpunkt, in dem ihre Kraft und ihre Disziplin nicht mehr ausreichen, die Fassade nach außen hin aufrecht zu halten, hinter der Fassade ist das Lager noch sehr existent….

Eines Tages wird ihr ihr Name hinterher gerufen, sie dreht sich um – ist es Sredoje. Auch er hat den Krieg überlebt, ist der letzte, der einzige der Familie. Auch ihm gelang es wie Vera nicht, nach dem Krieg die Verheerungen, die dieser in ihm angerichtet hat, zu überwinden. Für ihn war es ein bewegtes Leben im Krieg, die Flucht der männlichen Familienmitglieder vor den Deutschen (die Mutter wurde mit dem Auftrag, auf das Haus aufzupassen, zurück gelassen), gefolgt von einer Existenz im kleinkriminellen Milieu, danach ein Leben der Kollaboration mit den Deutschen (das ihm viel Gelegenheit bot, seinen dunklen Trieb auszuleben) so wie mit der Flucht vor ihnen und der Untergrundkampf gegen sie…

Vera und Sredoje – die beiden Übriggebliebenen, die sich wiedergefunden haben, die beiden Gebrochenen, tun sich zusammen. Wen hätten sie sonst? Sie teilen die Erinnerung an die Zeit vor dem Krieg, eine weitgehend unbeschwerte Zeit, sie benehmen sich kindisch, als wäre die Zeit ihrer Gemeinsamkeit im Einstigen stehengeblieben. …. sie kommen sich wirklich wie die Kinder vor, während sie so stundenlang beieinander liegen und sich küssen….. aber Vera wehrt sich innerlich gegen diese Erinnerung, sie möchte, daß diese Liebe keine Vergangenheit hat, nur Gegenwart ist…. und noch etwas teilen sie: das Tagebuch des ‚Fräuleins‘, den den Krieg überlebt hat und das Sredoje Vera als Geschenk mitbringt…


Alexander Tisma präsentiert uns in seinem Roman Der Gebrauch des Menschen in erschreckender Klarheit und analytischer Schärfe Motive und Handlungen seiner Protagonisten ebenso wie die Verletzungen, die der Krieg ihnen zufügte. Nichts geschieht hier selbstlos, alles ist mit Hintersinn und mit dem Motiv, etwas bestimmtes zu erreichen, belastet, jeder gebraucht jeden. Am deutlichsten tritt dies in den Hauptfiguren Vera und Sredoja hervor. Diese beiden Figuren sind in gewissem Sinn komplementär angelegt. Vera muss als ‚Feldhure‘ (man hat ihr im Lager dieses Wort über ihrer Brust eintätowiert) Männern ohne Einschränkungen zur Verfügung stehen – im wahrsten Sinne des Wortes also: zum Gebrauch. Sredoje dagegen genießt den Kitzel, der sich aus Angst und Macht speist, der Macht nämlich, mit seinem Ausweis die Frauen zu zwingen, ihm zu Willen zu sein, seinen Trieb zu befriedigen. Ob er wirklich zur Liebe fähig ist, von der er Vera gegenüber redet, bleibt offen, denn zum Schluß, als Vera fährt, bleibt vom Tagebuch nur noch Glut und Asche.

Tisma redet weniger vom Krieg selbst als von den Spuren, die er in den Menschen hinterläßt. Die Traumatisierten stehen bei ihm im Mittelpunkt, diejenigen, die unter die mörderische Kriegswalze gekommen waren und überlebten – oder auch oft nicht. Veras Überleben gründete sich auf den grausamen Tod einer anderen Frau im Freudenhaus, Sredojes Überleben dagegen auf Instinkt, Gerissenheit und Anpassungsfähigkeit; letztlich ist die Tatsache, daß sie überlebt hat, bei beiden dem Zufall geschuldet, offen bleibt, wie sie weiterleben werden.

Es ist erstaunlich, wie dieser im Fließtext geschriebene Roman, der nur grob durch Absätze gegliedert ist und auch die wörtliche Rede nicht hervorhebt, sofort fesselt und in Bann zieht. Tišma erzählt seine Geschichte distanziert, mit Abstand, ohne Emotionen und Bewertungen, er sagt nicht: dies und jenes ist schrecklich, der inhärente Schrecken des Krieges mit all seinen Facetten wie der Flucht der Menschen und die Versklavung in den Lagern) tritt vielmehr durch seine Art der Schilderung, die nichts verschweigt oder beschönigt, sondern einfach nur beschreibt, automatisch hervor: …. Er trat hinter Lija, holte aus und traf mit aller Wucht ihren Unterschenkel. Sie schrie, und trotzdem hörte man den Knochen splittern. Es folgte das andere Bein. Dann beide Oberschenkel. ….

Tišma unterbricht den weitgehend chronologischen Ablauf seiner Geschichte hin und wieder mit einem Kunstgriff: in Kapiteln wie ‚Todesarten‘, ‚Straßenszenen‘, ‚Wohnstätten‘ oder ‚Konstitutionen‘ faßt er teilweise in Rückblicken, teilweise aber auch in die Zukunft vorgreifend, das Schicksal mehrerer seiner Personen zusammen, beispielsweise die Art und Weise ihres Todes. Selten ist mir in der nüchternen Präzision der Schilderung eindringlicheres untergekommen.

Auch wenn mir selbst die ursprüngliche deutsche Buchausgabe, die 1991 bei Hanser erschienen ist, vorliegt, so ist der ZEIT zu danken, diesen literarischen Höhepunkt in ihrer Bibliothek der verschwundenen Bücher [2] wieder aufgelegt zu haben.

Links und Anmerkungen:

[1] zur Person Aleksandar Tišmas
– Wiki-Beitrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Aleksandar_Tišma
– Nachruf in der FAZ:  http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/literatur-schriftsteller-aleksandar-tisma-ist-tot-193166.html
– informativ ist auch dieser Beitrag in der NZZ: Achim Engelberg: Die Chronik der Niedertracht – Erinnerung an den serbischen Erzähler Aleksandar Tišma; in: http://www.nzz.ch/die-chronik-der-niedertracht-1.17990052
[2] http://shop.zeit.de/editionen/buch-editionen/2377/die-zeit-bibliothek-der-verschwundenen-buecher

Aleksandar Tišma
Der Gebrauch des Menschen
Aus dem Serbokroatischen übersetzt von Barbara Antkowiak
Originalausgabe: Upotreba čoveka, Belgrad, 1980
diese Ausgabe: Carl Hanser Verlag, HC, ca. 326 S., 1991

 

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