Olga Grjasowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt

Mit diesem Roman hat hat die 1984 in Baku (Aserbeidschan) geborene Autorin Olga Grjasowa [1] ein beachtliches, ein beachtetes Debüt vorgelegt. Auch wenn der Titel für sich genommen einen leicht romantischen Einschlag hat und so möglicherweise in die Irre füht, denn der Roman handelt nicht von Russen, die ’nur‘ indirekt eine Rolle spielen und ebenso nicht von Birken. Es ist im Gegenteil ein tieftrauriger, ein tragischer, ein bewegender, aufwühlender Roman, der das Leben einer schwer traumatisierten jungen Frau zum Thema hat. Birken als Symbol der russischen Seele (dem Buch ist ein entsprechendes Zitat von Tschechow aus Drei Schwestern vorangestellt),Birken auch als altes Symbol für Reinigung, Erneuerung oder Neuanfang –  inwieweit sich damit ein Bezug auf Inhalt des Romans interpretieren läßt, mag jeder für sich entscheiden.

Wie die Autorin ist ebenso die Protagonistin des Romans in Baku als Tochter aus einer russisch-jüdischen Ehe gebürtig, wie diese kam sie Mitte der neunziger Jahre als Kontingentflüchtling [3] nach Deutschland. Insofern liegt die Vermutung auf der Hand, daß Grjasnowa in Der Russe… persönliche Erfahrungen mit eingebracht hat, ohne daß dies selbstverständlich als autobiographisch gedeutet werden muss. Die angedeuteten Lebensumstände bilden jedenfalls den Hintergrund des persönlichen Schicksals der zentralen Figur Maria (‚Mascha‘) Kogan, die – und damit beginnt der Roman – in einer Beziehung mit Elias, einem deutschen Fotografen, lebt.


Hintergrund…. welch ein beschönigender Begriff.

Hintergrund bedeutet in diesem Fall, daß  die junge Frau als Kind die Schrecken der Kriege und Auseinandersetzungen, die Ende des letzten Jahrhunderts im Kaukasus herrschten (Stichworte: Armenien, Aserbeidschan [2] und Berg-Karabach), miterlebt hat. Miterlebt hat, wie vor ihr, dem Kind, auf der Straße eine mit einem hellblauen Unterkleid angetane junge Frau aus der Höhe auf das Pflaster klatschte…  miterlebt hat, wie Schrecken und Terror jeden Tag zunahmen, miterlebt hat, wie der Vater, ein Russe, zwischen die Fronten der sich bekämpfenden Volksgruppen geraten war und sein Lebensziel verlor… miterlebt hat, daß das ganze Leben in drei Koffer zu packen war, mit denen man in dieses unbekannte Land, dessen Sprache man nicht sprach, dessen Lieder man nicht sang, fliehen musste… miterlebt hat, daß das, was man in diese drei Koffer gepackt, in diesem Land zu nichts nutze war… miterlebt hat, wie der Vater, in der Vergangenheit ein angehende Kosmonaut, in Deutschland zerbrach,….


Es gab ein Kind und es gab einen Vater. Der Vater wollte das Kind in Sicherheit bringen. Bis zu Großmuttters Wohnung mussten sie zehn Minuten lang laufen. Das Kind war noch keine sieben und spürte, dass sich in den letzten Tagen etwas verändert hatte, aber es hätte nicht sagen können, was. Daran dachte das Kind, als eine Frau neben ihm aufschlug. Das Blut rann langsam bis zu den Kinderschuhen und die Schuhspitzen des Mädchens färbten sich rot.  

Vater hatte aufgegeben, von einem Tag auf den anderen. Er freundete sich nicht mit anderen Menschen an, ging kaum aus dem Haus. Nur manchmal, um an den Tankstellen die Benzinpreise zu vergleichen..

Mein Lieblingsspiel hieß damals Nachrichten und ging  in etwa so: Man teilt den Park untereinander auf und versucht sich gegenseitig das Territorium abzujagen. Mit allen Mitteln, so wie in den Nachrichten, die damals direkt nach den Zeichentrickfilmen gezeigt wurden. Wir spielten Nationale Front. wir spielten Krieg. 


Wundern die Eingewöhnungsschwierigkeiten im neuen Land? Wundert es, daß das junge Mädchen jahrelang fast nicht sprach, daß sie Gedanken hatte, dem Leben ein Ende zu bereiten? Wundert es, daß sie Aussenseiterin war, Opfer? Bis sie schließlich eines Tages beschloss, sich zu wehren… sie wurde von der Schule verwiesen, ging auf eine andere, zog von zu Hause aus und mit Sibel zusammen in eine Wohnung. Zu diesem Zeitpunkt war sie siebzehn Jahre alt. Nun sprach ich fünf Sprachen fließend und ein paar andere wie die Ballermann-Touristen Deutsch… resümiert sie ihre Erinnerungen an ihre Schulzeit, als sie in der Krankenhauskantine die dünne Suppe löffelt. Sie besucht Elias, Elischa, ihren Freund, der sich beim Fussballspielen den Oberschenkel gebrochen hat. Es gibt Komplikationen, die Operationswunde heilt nicht gut, Elias muss, nachdem er dann doch irgendwann nach Hause entlassen worden war, mit dem Notarzt wieder ins Krankenhaus, aber er stirbt. Maschas einziger emotionaler Halt im Leben stirbt.

Was nun folgt, ist die Schilderung eines Lebens, das auf ein schlimmes Ende hin zusteuert. Teilweise versagt ihr Körper Mascha den Dienst, ihre seelische Krankheit, die tiefen, tiefen Wunden, die sie in der Seele mit sich trägt, drängen danach, sich auch körperlich zu zeigen. Suizidale Gedanken, Todessehnsucht verspürt sie. Möglicherweise würde sie einfach verhungern, wenn nicht ihre Mutter sie versorgte…. Nur schwierig können Freunde sie zu Aktivitäten motivieren. Zwar macht sie letztlich ihre Dolmetscherprüfung, nutzt jedoch jede sich bietende Gelegenheiten, der Welt zu entfliehen. Wird ihr ein Joint angeboten, ergreift sie ihn, sie schläft mechanisch mit ihrem Dozenten, den sie am anderen Tag darum bittet, ihr einen Job in Israel zu besorgen.

Mascha ist durch ihre jüdische Mutter Jüdin, sie lebt diese Religion jedoch nicht. Die Gebete, die Rituale, sind ihr fremd. Sie spricht Arabisch, Hebräisch nicht. So fällt sie bei der Einreise in Israel sofort auf, wird als terrorverdächtig herausgefischt. Israel ist ihr Land, ist es ihr Land? Es bleibt offen, warum sie nach Israel wollte. Sind sie Claude Lanzmann? fertigt sie ihren Dozenten ab, der sie danach fragt. Sie hat Verwandte dort, aber der Kontakt zu ihnen trägt nicht. Die Arbeit, die sie als Dolmetscherin bei einer NGO angenommen hat, ist leicht und läßt ihr viel Freiraum. Immer wieder brodeln Erinnerungen an Elias nach oben, immer stärker kommt Verdrängtes an die Oberfläche, die Frau im blauen Unterkleid wird immer deutlicher. Das Blut. Der aufgeplatzte Unterleib. Es hört nie auf. Selbstvorwürfe, daß sie, Mascha, verantwortlich sei für den Tod Elischas… warum hat sie damals, warum hat sie damals nicht….

Sie lernt Ori kennen, mit dem sie einmal schläft, eher aus einem Irrtum heraus. Über Ori macht sie Bekanntschaft mit dessen Schwester Tal, einer politischen Aktivistin, der sie bald verfällt, ohne daß ihre Zuneigung von Tal erwidert wird. Im Gegenteil ist ihr bewußt, daß Tal sie ausnutzt, die letzte Kraft aus ihr heraussaugt: Sie weigerte sich hartnäckig, mich zu lieben. Mit ihr nimmt sie an Demonstrationen teil, Tränengas schlucken, wie sie es nennt… Zwischendurch immer wieder Telefonate nach Deutschland, zu Cem, einem ihrer engen Freunde, der nach einem ihrer Hilferufe sofort nach Israel kommt, um sich um sie zu kümmern. Erfolgserlebnisse wie das Dolmetschen bei einer Konferenz unter den Augen des Chefs hat sie nur selten. Im Gegenteil treten immer häufiger Panikattacken bis zu Zusammenbrüchen auf.

Tal bittet sie erneut, ein (angeblich) letztes mal, mit zu einem Treffen mit zu kommen, es geht in die Palästinensergebiete, nach Ramallah. Auch dort, bei diesem Treffen hält sie es nicht aus, sie flieht aus dem Klofenster, läuft durch die Gegend, weiß nicht, wo sie ist, fällt in Ohnmacht und wird im Hinterzimmer eines Cafés wach. Ein Mann ist bei ihr, hat sie dorthin gebracht, Ismael. Er sorgt für sie, kauft essen, läßt sie bei sich schlafen, ohne sie zu belästigen. Später nimmt er Mascha mit, sie fahren zur Hochzeit einer Cousine. Aber auch dort hält es Mascha nicht aus, sie flieht auch von dort, blutend, ins Nirgendwo, ruft Sami an, ihren alten Geliebten, er solle sie retten, nein, sie weiß nicht, wo sie ist, um sie herum ist nur das Irgendwo, das Nirgendwo….

An dieser Stelle ist die Geschichte Maschas, der Roman, an sein Ende gekommen. Es ist ein offenes Ende, in jedem Fall ein friedliches. Elias ist da, Mascha sieht ihn, er reicht ihr ein Taschentuch, das Nasenbluten zu stoppen, die Sonne wärmt und das Licht erhellt die Szenerie…


Maria Kogan, die Protagonistin, ist eine seelisch kranke Frau, ich denke, daß kann man auch als Laie feststellen. Mannigfache Traumatisierungen ließen sie zeitweise verstummen [4], erst nach langer Zeit erwacht ihr Lebenswille, ihr Wille, sich zu wehren, wieder. Sie weist alle Symptome einer heftigen, nicht mehr unter Kontrolle stehenden Trauer, einer großen Verlusterfahrung auf: Verdrängung, Wut, Zorn, körperliche Probleme, suizidale Tendenzen, Todessehnsucht. Sie, die Jüdin aus Aserbeidschan, die aber nie jüdisch gelebt hat, ist mehrfach entwurzelt: als aserbeidschanische Jüdin musste sie mit ihren Eltern aus ihrer Heimat fliehen, schon vorher kapselte sie sich nach dem ‚Ausfall‘ ihres Vaters (Du hast kein Wort gesprochen. … Du warst wie eine Fremde, hattest keine Wärme mehr in dir. … Nach jenem Tag hast du dich verschlossen und ich habe nie wieder einen Zugang zu dir gefunden. … erzählt ihr die Mutter später von ihrer Reaktion darauf) von der Familie ab und verstummte. In Deutschland dann war sie Aussenseiterin, konnte die Sprache nicht und es dauerte Jahre, in denen sie kaum sprach; ihr Freundeskreis generierte sich aus ähnlichem Milieu: die Kurdin (?) Sibel, die von ihren Brüdern misshandelt wurde, Sami, der in Beirut von einer libanesischen Mutter geborene Halbschweizers, in den sie sich verliebte und Cem, der junge Mann türkischer Abstammung. Später fand sie dann endlich Halt in Elias, dem ihre Eltern den Kosenamen Elischa gaben… und ausgerechnet Elias musste sterben, sie verlassen.

Es ist nicht so, als ob die Beziehung der beiden komplikationslos gewesen wäre. Zwar liebte Mascha Elias, doch sich ihm gegenüber öffnen, das konnte sie nicht. Die ‚Baku-Frage‘ stand zwischen ihnen, die sie ihm nie beantwortete, sie wollte sich ihm gegenüber nicht über Baku definieren.. Elias, Mascha stellte dies nach seinem Tod fest, als sie die Wohnung vor ihrer Abreise nach Israel auflöste, versuchte sich auf anderen Wegen über ihr Schicksal zu informieren: er hatte Zeitungsausschnitte, Bilder etc pp aus dem Kaukasus gesammelt und studiert. Aber trotz dieser Distanz, die Mascha wahrte, war Elias ihr Halt, bei ihm fühlte sie sich geborgen und geliebt, mit ihm – so steht zu vermuten – hätte sie eine Chance gehabt, ihr Leben mit all den Wunden in eine Bahn zu bekommen.

Ihre Ansprüche an das Leben waren gar nicht so extravagant. Später, in Israel, sollte sie von Tal danach gefragt werden und antworten: Was ist will, ist fließendes Wasser, Strom und ein friedlicher Platz, an dem niemand stirbt. Dann sei sie doch in Deutschland gut aufgehoben gewesen… Tal wusste jedoch nichts davon, daß in Deutschland einen Elias gegeben hatte, der gestorben war, so daß Mascha dort nicht bleiben konnte…

Eine so tief traumatierte Frau in einem Land, einer Region, die selbst unter Traumata leidet, das konnte nicht gut gehen. Wo einige arabische Schriftzeichen ausreichen für einen Terrorverdacht und zum Erschießen des Laptops führen. Wo viele der Israelis (so auch Tal und dann Ori) nach ihrem Wehrdienst nach Indien fliegen, um dort auszuflippen und von der Fürsorge wieder nach Israel zurückgebracht zu werden. Wo Friedensaktivisten mittlerweile verhasst sind und gesagt bekommen: Wir haben langsam genug vom Frieden. Wir wollen Rechte und einen Staat. Der Friedensprozess hat versagt, und wir wollen keine Normalisierung… bekommt sie im Palästinensergebiet zu hören. Hier, im Gebiet der Palästinsenser verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart für sie endgültig, der Gang durch die Straßen des palästinensischen Dorfes ein blutiges Déjà-vu….

Ein Panzer kam auf uns zu, wälzte ein parkendes Auto nieder. Der Panzer ließ das Auto hinter sich, aus einem der Fenster über ihm wurde ein Molotowcocktail geworfen. Er fiel wie ein Sternschnuppe und hinterließ einen Schweif. Damals hatte mich dieses Bild fasziniert. … ich lief Kreise, bis ich nicht mehr atmen konnte, …. Artemis und Schuschanik, das waren die Namen der Töchter von Großmutters Freundin. Gajan war ihr Name. Der Panzer bleib abrupt stehen, sein Bug drehte sich und die Kanone richtete sich auf das Fenster, aus dem der Angriff kam. Ein Knall. Das Küchenfenster zitterte. Im Nachbarhaus klaffte ein Loch. Dahinter ein Küchentisch eine eine geblümte Tapete. Ich wischte mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, das Blut blieb an meiner Wange kleben. 


Grjasnowas Roman ist in vier Teile untergliedert. Der erste Teil schildert die relativ kurze Zeitspanne zwischen dem Unfall von Elias und seinem Tod. Er gibt mit vielen Rückblicken auf die Vergangenheit Maschas übersichtsartig sowohl einen Überblick das Familienschicksal, das in dieser Zeit durch die Kämpfe und Feindschaften der Volksgruppen im Kaukasus geprägt war, ferner stellt der die Probleme der letztlich nach Deutschland geflüchteten Familie in ihrer neuen ‚Heimat‘ dar.

Damit erhält dieses 2013 veröffentlichte Buch einen sehr aktuellen Bezug. Denn jeder Flüchtling der nach Deutschland kommt, ist erst einmal auf jeden Fall entwurzelt: seiner Sprache, seiner Heimat, seiner Familie, den gewohnten Sitten und Gebräuchen entrissen. Ferner ist jeder Flüchtling, der aus (Bürger)Kriegsgebieten kommt, traumatisiert und in der Seele verwundet. Grjasnowas Geschichte von Mascha zeigt dies deutlich, sie zeigt auch, wie schwierig es für einen Flüchtling ist, über seine seelischen Verletzungen zu reden. In Deutschland haben wir dies selbst erlebt: viele unserer Eltern oder Großeltern wollten und/oder konnten erst im Alter (wenn überhaupt) über Kriegserlebnisse reden…. Dazu kommt bei den Flüchtlingen noch, daß sie immer wieder mit Ablehnung, mit Vorurteilen bis hin zu offener Aggression von Einheimischen konfrontiert werden.

Im zweiten Teil des Romans wird die Zeit zwischen dem Tod Elischas und der Abreise nach Israel geschildert. Mascha leidet unter Apathie und Antriebslosigkeit, Erinnerungen an Elias beherrschen sie, aber auch an ihren Exfreund Sami, an diese unglückliche und auch unerwiderte Liebe, denn Sami liebt Neda und Neda liebt Paul, den älteren Bruder Samis… Die beiden letzten Teile spielen dann in Israel und schildern, wie angedeutet, den immer fragiler werdenden Zustand Maschas.

Die einzelnen Teile des Buches sind ihrerseits in kurze Abschnitte gegliedert, die beim Lesen des nicht immer einfachen Stoffes die Möglichkeit zum Innehalten bieten. Die Geschichte selbst spielt auf verschiedenen Zeitebenen, die in der Gegenwart spielende Handlung wird häufig von Erinnerungen und Rückblenden unterbrochen, es ist nicht immer einfach, diesen Zeitsprüngen zu folgen.

Dieser ’sprunghafte‘ Stil der Autorin entspricht dem nicht mehr planvollen Leben der Protagonistin, deren Handlungsmotive von außen nicht immer nachzuvollziehen ist. Der Entschluss, nach Israel zu fliegen, ist sicher der folgenschwerste Entschluss dieser Art, es gibt auch auch noch eine ganze Reihe anderer Szenen, in denen das deutlich wird. Dabei ist natürlich auch zu berücksichtigen, daß der Zustand Maschas sich im Lauf der im Roman überstrichenen Zeit immer deutlicher verschlechterte. Funktioniert der Verdrängungsmechanismus nicht mehr, ist einfach so viel Leid in ihr, daß sie es nicht mehr unter kontrollieren kann? Die schreckliche Szene beispielsweise mit der Frau im blauen Unterkleid, die sie als Kind erlebte, taucht jedenfalls in ihren Erinnerungen immer wieder auf und mit jeweils mehr Details.

Das Ende des Buches ist offen, kann – wie in meinen Lesekreis, in dem wir das Buch diskutierten, geschehen – in verschiedener Art und Weise interpretiert werden. Mascha steht in dieser letzten Szene jedenfalls ohne genau zu wissen, wo sie ist, blutend auf einem Feld und telefoniert nach Hilfe…. aber der einzige, der sie dort finden kann, ist Elias, der ihr ein Taschentuch gibt, das Bluten zu stoppen…. sie hakt sich bei ihm ein. Die Sonne ist schon fast untergegangen, aber es ist noch hell.

Der Russe ist einer, der Birken liebt und ich bin einer, der von diesem Buch sehr berührt war/ist. Olga Grjasnowa hat eine intensive Geschichte erzählt, sie ruft uns mit dieser Geschichte ins Bewusstsein, daß jeder, der als Flüchtling zu uns kommt, an seinen eigenen, traurigen, tragischen Schicksal leidet, das aus ihm ein Opfer macht, das wir mit Erwartungen, wie dieser Mensch sich hier zu verhalten hat, wie er auf ‚Zuwendungen‘ zu reagieren hat, nicht überfrachten dürfen.

Es ist kompliziert.

Links und Anmerkungen:

[1] zur Autorenseite beim Hanser-Verlag: https://www.hanser-literaturverlage.de/autor/olga-grjasnowa/
[2] zur neueren Geschichte Aserbeidschans erhält man hier einen Überblick: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Aserbaidschans#Neuere_Geschichte
[3] Wiki-Beitrag zu Kontingentflüchtlingen aus ehemalig sowjetischen Gebieten: https://de.wikipedia.org/wiki/Zuwanderergruppe#Kontingentfl.C3.BCchtlinge
[4] dieses Verstummen erinnert mich an Pat Barkers Niemandland, in dem sie beschreibt, wie die Traumatisierungen auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges auch zu solchen Verstummungen führten (https://radiergummi.wordpress.com/2017/03/08/pat-barker-niemandsland/). Man kann an diesem Analogon erahnen, wie tief die seelische Verwundung von Mascha Kogan gereicht hat.

Olga Grjasowa
Der Russe ist einer, der Birken liebt
Erstausgabe: Hanser, 2012
diese Ausgabe: dtv, 2013, ca. 280 S.

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