Lothar Schöne: Tote sterben gesünder

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Lothar Schöne, mit dem ich auch schon eine gemeinsame Lesung hatte, ist ein dem Rheingau und den Städten Mainz und Wiesbaden eng verbundener Autor. Dieser kleine Krimi ist im E. Humbert Verlag publiziert worden, einem kleinen Verlag in der Rheinhessischen Schweiz. Hier auf dem Blog finden sich mittlerweile diverse Bücher von Schöne (siehe unten), die zum Teil – wie angedeutet – regionalen Charakter haben. So auch „Tote sterben gesünder“, der in Wiesbaden spielt, aber so manchen Abstecher macht ins gegenüber liegende Mainz und in den Rheingau. Wohnt man, so wie ich, nicht all zu weit von dieser schönen Ecke weg, ist das schon ganz witzig, wenn man bei Ortsnennungen sofort die entsprechenden Bilder im Kopf hat. Und in diesem Fall fällt dem Rezensenten natürlich auch sofort auf, daß der VW Passat von S. 11 die A66 bei Eltville niemals verlassen konnte, weil nämliche da schon lange als B42 firmiert….

Worum geht es in diesem Krimi? Nun, es geht um eine erquickliche Anzahl von Toten, bei denen die Todesursache nicht klar ist, die Umstände jedoch an natürlichen Abläufen zweifeln läßt. Hier weiß der Leser dann aber mehr als die Ermittler, denn diese tappen im Dunkeln und versuchen, sich einen Durchblick zu verschaffen, während wir sozusagen denTätern über die Schulter schauen. Und diese sind irgendwo im Dunstkreis einer kleinen Pharmafirma zu suchen, die im Moment von einem großen Unternehmen aufgekauft wird. Gibt es da einen Zusammenhang? Oder sind die Wettschulden des ersten Toten doch die heißere Spur? Und hat der plötzliche Tod von Claudia Graf, die wegen einer plötzlichen Bronchitis ins Krankenhaus musste, irgendetwas mit dieser Sache zu tun?

Das jedenfalls glaubt Florian Wunder, Kommissar und Mitarbeiter von Julia Held, der Kriminalhauptkommissarin, die diesen Fall bearbeitet und die eine gute Freundin der verstorbenen Claudia Graf war. Diese zwei Ermittlerfiguren sind ein typisches Buddy-Paar, zwei gegensätzliche Figuren, die sich gegenseitig frotzeln, aber doch gut als Team agieren. Julia Held, bei deren leicht dementem Vater sie immer wieder auf neue Fragen stößt, die für diesen Fall wichtig sind/sein könnten, kommentiert die Welt mit Shakespearezitaten, während der Kollege Wunder etwas einfacher gestrickt ist und sich eher Sorgen um seine körperliche Unversehrtheit machen muss, wenn er seiner Freundin mal wieder wegen einer Observation einen Korb geben muss.

So geht es in diesem kleinen Krimi, der sich Betrügereien im Pharmasektor widmet, munter hin und her, er ist sehr dialogisch geschrieben und weist ein hohes Tempo auf. Der Humor kommt nicht zu kurz, wenn der Autor z.B. den besagten Wunder-Mann von seiner Freundin mit Bücher aus eigener Feder bewerfen läßt oder der Vorgesetzte der beiden Ermittler mal wieder als Archetyp des mediengeilen Chefs, der die Lorbeeren für sich abgreifen will, ins Zimmer stürmt und dann infomäßig doch an der eher kurzen Leine gehalten wird…. etwas aufdringlich wirkt dagegen die vielfache Nennung diverser deutscher Automodelle, mit denen die Akteure den Rheingau durchmessen, ein „product placement“ der schriftstellerischen Art……

Ganz sicher hat Schöne mit diesem Krimi, der der erste zu sein scheint einer zu erwartenden Reihe mit diesem Ermittlerpaar, das Genre nicht neu erfunden, ich möchte mich auch nicht anheischig machen, dafür zu garantieren, daß alles und jedes der Geschichte logisch unangreifbar gestaltet ist. Aber der Autor hat den kleinen Roman kurzweilig gestaltet, wenn man mag, kann man sogar eine gewisses Mass an Gesellschaftskritik bzw. (Gesundheits)Politikkritik darin finden, letzteres ist ja ein dankbares Objekt für Kritik…. Genau das richtige also, wenn man in Bahn oder Flieger zwei, drei Stunden unterhaltsam und kurzweilig überbrücken will. Und wer das Lokalkolorit des Rheingaus mit seinen zwei Metropolen mag, für den ist das Büchlein eh attraktiv…

Weitere Bücher von Lothar Schöne im Blog:

– Das Labyrinth des Schattens
– Das jüdische Begräbnis
– Die unsichtbare Bruderschaft
– Schall und Rauch

Lothar Schöne
Tote sterben gesünder
diese Ausgabe: E. Humbert Verlag, TB, ca. 160 S., 2013

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