Lothar Schöne: Schall und Rauch

3. Oktober 2012

Lothar Schöne, der schriftstellerisch dem Journalismus entstammt, beherrscht neben der Romanform aus dieser Profession heraus natürlich auch die Form der Glosse, der Kurzgeschichte, der kleinen Erzählung, die auf ein überaschendes Ende hinausläuft und die die Widrigkeiten, Skurrilitäten oder einfach nur die Alltäglichkeiten des normalen Lebens aufgreift, zu- und überspitzt, mit einem Spritzer oft schwarzen Humors würzt und Kopfschütteln, Schmunzeln, Heiterkeit oder auch Nachdenklichkeit beim Leser erzeugt – ja nachdem…

Mit „Schall und Rauch“ legt er erneut eine Sammlung solcher Kurzgeschichten vor. Ob es sich nun darum handelt, dass der Sammler wertvoller Chronometer mit dem seltsamen und ungebetenen Besucher ein sekundengenaues Spiel spielt, ob es die beiden jungen Männer sind, die sich auf  Beerdigungskaffees mit Essen und Trinken versorgen, aber dann das Heft doch lieber selbst in die Hand nehmen wollen, um das Geschäft anzukurbeln, oder ob es darum geht, endlich ganz frank und frei die Todsünde unserer modernen Zeit zu benennen und nebenbei noch dem untreuen Ehemann einen Denkzettel zu verpassen: Schöne fasst dies in kleine, feine Geschichten, die ihre Protagonisten mit ihren Schwächen und Unzulänglichkeiten nie blosstellen, sondern in denen er uns einen Spiegel unserer selbst vorhält.

Welcher Mann wäre noch nie angesichts eines ihn überraschend erhaschten Anblick einer schönen Frau mit seiner Fantasie auf eine prickelnde Reise gegangen …. um eine Reise ganz anderer, frostiger Art geht es dagegen in der Titelgeschichte „Schall und Rauch“, in der der Autor sich dem Menschheitswunsch annimmt, das Leben immer weiter zu verlängern… oder kommt es ganz anders und die Menschheit, zumindest die biogene, gerät ins Hintertreffen gegen die künstliche, deren Aufsichtsorgane streng darüber wachen, daß die Sterilität der Verhältnisse gewahrt bleibt und nicht durch Gelüste der biologischen Art zerstört wird?

Fünfzehn solcher kleinen Geschichten umfasst das Büchlein, in dessen letzter Schöne dann seiner Heimat, dem scheenen Meenz, noch Referenz erweist, in dem er Mark Twain, der seinerzeit ja durch Europa reiste, auch hier Station machen läßt. Mark Twain, als wahrheitsliebender Reporter, dem jedoch keine große Zeitungszukunft beschieden ist…

Wie auch immer, Schönes Geschichten sind mit leichter Hand geschrieben, sie kommen nicht mit dem gefürchteten teutonischen Ernst daher, ohne sich jedoch dabei ins Seichte zu verlieren. Sie reißen an, stellen in Frage, überspitzen ohne aber dabei zu verletzen, sie erzeugen einen „Aha!“-Effekt beim Lesen, sie sind – da meist in Dialogform geschrieben – kurzweilig und unterhaltsam, selbst da, wo die Geschichte so ausgeht, „als ob“ man das Ende schon erahnen würde, immer versucht der Autor, seinem Text mit einer unvermuteten Wendung ein überraschendes Ende zu geben. Oft finden wir uns als Leser in den Texten wieder und haben die Gelegenheit, so wir uns nicht einfach dem Spaß am Lesen hingeben wollen, auch hie und da nachdenklich zu werden, ob der Autor nicht Recht hat mit der Wunde, auf die er seinen Finger legt. So ist ein vergnügliches Büchlein entstanden, wie geschaffen zum Lesen auf langen Fahrten, zum Verschenken oder auch zum Vorlesen in gemütlicher Runde….

Links und Anmerkungen:

Von Lothar Schöne finden sich folgende Buchvorstellungen bei aus.gelesen:
Das Labyrinth des Schattens
Das jüdische Begräbnis
Die unsichtbare Bruderschaft

Lothar Schöne
Schall und Rauch
Klöpfer und Meyer, HC, 192 S., 2012

Ich danke dem Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars.

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8 Responses to “Lothar Schöne: Schall und Rauch”


  1. Von Lothar Schöne habe ich noch nie etwas gelesen, das klingt aber bei dir, lieber Flattersatz, als sollte ich das unbedingt nachholen.

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