Siegfried Lenz: So zärtlich war Suleyken

Lenz ist mein Autor nicht, ebenso wenig wie die anderen Größen unter den deutschen Schriftsteller zu jener Zeit,  so ist es folgererichtig, daß er hier bei mir auf dem Blog auch nur mit einem Werk vertreten ist, der Schweigeminute [1]. Daß diese Vorliebe bzw. Abneigung Bestand hat, dafür kann Lenzens „Verlust“ stehen: mein Lesekreis einigte sich auf diesen Roman und ich quäle mich im Moment durch dieses Panoptikum voll gestörter und kranker Menschen… hier [1] habe ich in einer entsprechenden Buchvorstellung kräftig abgelästern… ;-)

… aber:

Ich liebe Suleyken. Ganz ohne Frage: ein leidlich lesbares Buch, ohne Mangel an augenzwinkernder Liebe zu den Menschen… es sind einfache Menschen dort in Masuren, der Heimat auch des Autoren, es sind Bauern, Handwerker, Schäfer, Fischer… Masuren, eine wasserreiche Ecke dort „oben“ im ehemaligen Ostpreußen, mit einer uns hier, weil wir sie kaum noch hören, etwas seltsam anmutenden Sprache.

lenz

Es ist das Leben in all seinen Facetten, das in diesen zwanzig kleinen Geschichten auftaucht, von der Geburt bis hin zum Tod, der genommen wird als natürlich und als unvermeidbar, der zu feiern ist mit einen angemessenen Begräbnis (auch wenn der Sarg mit dem Leib dabei kurzfristig hochkant in die Ecke gestellt werden muss, um genügend Platz zu haben zum Tanzen, wo sich beim langsamen Drehen auch schon wieder zärtliche Bande zwischen den Trauernden entfalten). Wer hätte nicht gerne Onkel Manoah kennengelernt, dessen Enkel Alec sein Erbteil schon verpfändet, obwohl der Onkel noch lebt – nur auf das Versprechen hin, am Abend wäre es soweit… und Tante Arafa, die schlummernderweise tot über die Grenze bugsiert wird und die dann, die Fahrer müssen sich stärken, allein nach Hause findet, mit Hilfe der Pferde… der Schulinspektor sagt sich an die Suleykensche Schule zu inspizieren. Es sei nur soviel verraten, daß es die letzte Inspektion auf Jahrzehnte sein sollte… um die Wahrheit will der Schuster Kuckuck mit dem besten Schwimmer des Ortes schwimmen…. und nicht zuletzt Großvater Hamilkar Schaß, der zu den Füsilieren muss, dort aber nicht heimisch wird und trotzdem als erster Füsilier überhaupt einen der Schmuggler fängt, derenthalben es seit vielen Jahren jeden Tag Alarm gibt… und – damit man es weiß – in der Fremde ist es gut, wenn man nicht alleine ist…

.. ach, es gäbe soviel über die kleinen Geschichten, die Anekdoten zu erzählen, daß man letztlich das ganze Buch hier niederschreiben müsste. Aber das kann leidlich nicht der Sinn dieses Textes sein, hier soll dann nur eine Empfehlung ausgesprochen werden, sich diese Stücke aus dem prallen Leben, ein Denkmal auch einer vergangenen Zeit mit ihrer etwas umständlichen Sprache voll ungewohnter Wendungen in einer stillen Stunde (wieder einmal) zu Gemüte zu führen…..

Links und Anmerkungen:

[1] Buchbesprechung zu Lenz hier im Blog: Schweigeminute: https://radiergummi.wordpress.com/2013/08/02/siegfried-lenz-schweigeminute/
Der Verlust: https://radiergummi.wordpress.com/2014/11/19/siegfried-lenz-der-verlust/

Siegfried Lenz
So zärtlich war Suleyken
Originalausgabe: Hoffmann und Campe, 1955
diese Ausgabe. Fischer TB, ca. 120 S., 1960

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