Sigrid Damm: Cornelia Goethe

9. April 2014

Den Goethes in Frankfurt am Main („Wen Gott lieb hat den giebt er Wohnung und Nahrung in Frankfurth„, J.B., Müller, 1747), wurden insgesamt sieben Kinder geboren, von denen aber nur zwei das Erwachsenenalter erreichten, vier starben sehr früh, ein Bruder etwas später im Kindesalter. Von den beiden überlebenden Geschwistern Johann Wolfgang und Cornelia sollte der eine weltberühmt werden, die andere dagegen wird weitestgehend unbekannt bleiben, zumindest demjenigen, der sich nicht für Goethe interessiert.

So wie mir. Ich kannte Cornelia Goethe auch nicht, diese Biographie von Sigrid Damm ist mein erster Kontakt zu ihr, der auf Wunsch meines Lesekreises zustande kam, ein für mich etwas zwiespältiger Literaturwunsch, da auch Biographien an sich nicht meine Leidenschaft sind….

Grab Cornelia Schlossers auf dem Alten Friedhof von Ememndingen,  Bildquelle [2]

Grab Cornelia Schlossers auf dem Alten Friedhof von Emmendingen,
Bildquelle [2]

Sigrid Damm läßt ihre Biographie einer Frau, von der nur wenig bekannt ist, die kaum schriftliche Zeugnisse hinterlassen hat, auf dem Friedhof von Emmendingen beginnen. Dort wurde Cornelia Schlosser, geb. Goethe („Göthin“) am 10. Juni 1777 beerdigt, sie war kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes gestorben. Wie schreibt man, so die Frage Damms an sich selbst, eine solche Biographie und warum schreibt man sie, warum mag sie interessant sein. Nun, letzteres dürfte leichter beantwortbar sein: in den Schicksalen der beiden Geschwister Johann Wolfgang und Cornelia spiegeln sich die Zeiten: er wird zum berühmten Dichterfürsten und sie als Frau, mit – so dürfen wir nach Studium der Biographie annehmen – gleichen, wenn nicht noch mehr Fähigkeiten gesegnet, mit einer dem Bruder (zumindest die ersten Lebensjahre) gleichwertigen Ausbildung bleibt weitgehend unbekannt, kann sich aus den Fesseln des Frauseins nicht befreien. Somit wird das Schicksal der Cornelia Goethe archetypisch für das Schicksal der allermeisten Frauen dieser Zeit, in der sich nur wenige erfolgreich gegen die eingespielte Rollenverteilung wehren können. Zu den wenigen gehört – um ein Beispiel zu benennen – Sophie La Roche [3], der wir in der Biographie als gemeinsame Bekannte von Cornelia und Johann Wolfgang Goethe begegnen.

Cornelia Schlosser, geb. Goethe, Schwester von Johann Wolfgang von Goethe. Bildinfos [2]

Cornelia Schlosser, geb. Goethe, Schwester von Johann Wolfgang von Goethe. Bildinfos [2]

Die dürren Daten aus dem Leben Cornelia Goethes [2]. Geboren am 7. Dezember 1750 in Frankfurt am Main, gestorben nach der Geburt ihrer zweiten Tochter im Alter von 26 Jahren am 8. Juni 1777 in Emmendingen. Verheiratet seit dem 1. November 1773 mit Johann Georg Schlosser [3]. Bestimmend für sie war zeitlebens das Verhältnis zum Bruder Johann Wolfgang, der ein Jahr vor ihr geboren worden war.

Aufgewachsen sind die Geschwister (wie erwähnt, sind im Hause Goethe fünf der sieben Kinder früh gestorben) in einem begüterten Haushalt. Der Vater Johann Caspar Goethe [3] war durch Erbschaft wohlhabend, er heiratete mit Katharina Elisabeth Textor [3] eine Tochter des Schultheissens, mit der ihm zusätzlich gesellschaftliche Reputation zukam. Der „Wirkliche Geheimrat“ (ein gekaufter Titel) Goethe war zeit seines Lebens immer Privatier – möglicherweise zum Teil den politischen Umständen geschuldet -, eine Tatsache, die sich auf die Erziehung der Kinder auswirkte – nicht unbedingt nur positiv, wie man vermuten kann.

Beide Geschwister, ungewöhnlicherweise auch das Mädchen, bekamen eine strenge, umfassende und früh, im Alter von drei Jahren, einsetzende, gleichwertige Ausbildung. Der Vater konzentrierte sich, da ihm das Fehlen der beruflichen Tätigkeit die Zeit und Muße ließ (vllt herrschte sogar eine gewisse Frustrierung durch die Absenz von Erfolgserlebnissen, die sich hier abreagieren konnte), ganz auf die Ausbildung der Kinder. Dieser Druck muss zum Teil erheblich gewesen sein, er führte zu einem sehr engen Vertrauensverhältnis der beiden Kinder, die sich zumindest im Geiste als gegen den Vater verbündet sahen.

Trotz der Gleichwertigkeit der Ausbildung und Schulung war die Welt schon in dieser Zeit für das Mädchen enger als für den Knaben, den sie des öfteren vom Fenster aus sehnsüchtig beobachten konnte, wie er das Straßenleben der lebhaften, pulsierenden Stadt erkundete, ein für Mädchen unschickliches Verhalten, das ihr verboten war. Erste Zuweisungen von Rollenverständissen der Zeit.

In diesen sollte Cornelia Goethe zeit ihres Lebens gefangen bleiben. Das Weib hat zu gefallen und dem Manne Kinder zu gebären. Das Leben soll sie ihm schön gestalten und ansonsten den Mund halten. Denn „.. eine Henne, die da krähet, und ein Weib, das gelehrt ist, sind üble Vorboten: man schneide beiden den Hals ab!„, einer Ansicht, zu der sich nicht nur Herder bekennt… Aber ich greife vor.

 Familie Goethe in Schäfertracht (Maler:  Johann Conrad Seekatz), Cornelia rechts im Bild, Bildquelle [2]

Familie Goethe in Schäfertracht (Maler: Johann Conrad Seekatz), Cornelia rechts im Bild,
Bildquelle [2]

Zurück zu Johann Wolfgang und Cornelia. Zwischen den beiden Geschwistern entsteht eine große Vertraulichkeit und Nähe. Sie leiden beide unter demselben Vater und sind ähnlichem Druck ausgesetzt, der sich gemeinsam besser ertragen läßt. Die pubertierende Cornelia fühlt sich zudem auch dadurch in dieses Innenverhältnis gezogen, da sie der Meinung ist, nach außen, in der Konkurrenz zu den gleichaltrigen Mädchen nicht bestehen zu können. Ist der Frauen Rolle die des Appendix zum Manne, so wird es für die Frau wichtig, eine entsprechende Partie zu ergattern. Und wie stellt man dies an? Durch Schönheit, durch äußeren Glanz, durch Putz und Koketterie. Dies kann Cornelia – ihrer Meinung nach – nicht bieten, der Spiegel wird ihr Feind, ihre Qualitäten, ihre Bildung, ihre Intelligenz sind nicht gefragt – mit einer Ausnahme: beim Bruder, der sie als Partner, zum Teil sogar als überlegenen Partner, auch als Konkurrentin, behandelt: „Cornelia ist … nicht nur stumme Zuhörerin, sonder Anreizende, sie hat den Instinkt für das Maß an Einwänden. Ist Partnerin, ohne hartnäckiger Widerpart zu sein. Das genau ist die Bedingung, die der Bruder für seine Arbeit braucht. … „. Das Verhältnis der beiden ist in dieser Zeit so intensiv, daß es nahe am Tabu vorbeischrammt…

Johann Wolfgang Goethe geht zum Studium nach Leipzig, das Versprechen, die Schwester nachzuholen, wird nie eingelöst. Ein reger Briefverkehr entspinnt sich zwischen den beiden und so, wie sich Cornelia in das herrschende Rollenverständnis der Frau einzufinden hat, nimmt der junge Mann selbstverständlich das des Mannes auf: in einer (zumindest heutzutage) immer penetranter und arroganter wirkenden Art und Weise versucht er, aus der Ferne die Schwester zu erziehen, zu formen, als sein „Werck„. Er macht ihr Vorschriften, was sie zu lesen hat, er verbietet ihr Lektüre, er kujoniert sie regelrecht, …. nicht in allem gehorcht das Mädchen, von ihren britischen Schriftstellern, die der Bruder verbietet, will sie nicht lassen. Es ist dies auch die Zeit erster Liebe, die sie zu jungen Männern spürt – vergeblicher Gefühle, die nicht erwidert werden, zumindest nicht so, wie sie es sich erwünscht…..

Der Bruder bestimmt ihr Leben, man gewinnt den Eindruck, er wolle die Verfügungsgewalt über sie. Nach Leipzig geht er nach Straßburg; als Student, dessen Dissertationsschrift abgelehnt wird, durchaus erfolglos: „… Herr Goethe hat eine Rolle hier gespielt, die ihn als einen überwitzigen Halbgelehrten und als einen  wahnsinnigen  Religionsverächter nicht eben nur verdächtig, sondern ziemlich bekannt gemacht [hat]„, so der Dekan der Universität. Zurück in Frankfurt eröffnet er eine Kanzlei, in der aber der Vater die Arbeit erledigt, bis dieser die Geduld verliert und den Sohn nach Wetzlar auf Reichskammergericht expediert, wo sich der Filius in Charlotte Buff verliebte und sich auch mit deren Verlobten Kestner befreundete. Dies ist ebenso die Zeit 1772/73, in der auch Cornelia einen Mann kennenlernt, zu dem sie sich hingezogen fühlt….

Die Zeiten, in der das Leben der Cornelia Goethe über das Erdulden (Damm zitierte eine Äußerung der Cornelia Goethe, in der sie davon redet, daß sie in Zukunft nur Unglück erwarte, das sie jetzt noch nicht kenne….) hinausging und lohnenswert erschient, waren im wesentlichen die Zeiten, in denen der Bruder zwischen seinen verschiedenen Lebensstationen in Frankfurt weilte. Es war die Epoche, in der die literarische Strömung des „Sturm und Drang“, auftauchte. Einige der Namen, die zu dieser Epoche gehörten, tauchen auch im Umkreis der Freunde Goethes auf: neben J.W. selber zum Beispiel Herder und Lenz [4]. Es war eine Gruppe junger Menschen, die sich zusammentaten, wanderten, in die Natur gingen, sich besuchten, diskutierten.. Cornelia fühlte sich wohl in diesem Kreis, dies war ihr intellektueller Anspruch auch an sich selbst. Schlosser, ihr zukünftiger Ehemann, gehörte auch dazu. Goethe erfuhr von der Liaison der beiden, als er schon in Weimar war, daß hier jemand war, der ihm seine Cornelia, seine Schwester, weg nahm, hat er beiden übel genommen, es wohl sein Leben lang nicht verwunden.

Die Ehe wird 1773 geschlossen, das Ehepaar reist gen Süden, erst nach Karlsruhe, der sterilen, jungen Stadt am Rhein, dann ein paar Monate später nach Emmendingen, wo der Mann einen hohen Beamtenposten erlangt. Die Flitterwochen, in denen sich das Paar gut versteht und Liebe zu einander verspürt, sind schnell vorbei. Cornelia Schlosser, die intellektuell ausgebildet ist, hat Probleme, ihre Rolle aus Ehefrau auszufüllen: Dienstboten zu organisieren, den Haushalt zu führen, dem Mann ein heimiliges zuhause zu bereiten. In der eher ländlichen Umgebung bleibt sie eine Fremde ohne Anschluss…. Weit entfernt ist die Ehe von der einstigen Vorstellung einer gleichberechtigten Partnerschaft…. Auf das erste Kind folgt eine lange Krankenzeit, fast zwei Jahre braucht Cornelia Schlosser, um wieder auf die Beine zu kommen. Ein kurzes Intermezzo einer glücklichen Zeit ist noch einmal der Sommer 1776. Viele Bekannte aus dem Sturm und Drang besuchen das Schlossersche Haus, machen Landpartien, treffen sich dort auf Gesellschaften. Doch das Glück währt nicht lange, ein paar Monate nur. Dann versinkt Cornelia Goethe wieder in eine Depression. Die zweite Schwangerschaft, die sie spürt, macht ihr Angst… Drei Wochen nach der Geburt ihrer zweiten Tochter erliegt Cornelia Schlosser, geb. Goethe, dem Fieber und der Krankheit, die sie wieder gepackt hatten.

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Sigrid Dammes „Cornelia Goethe“ ist mehr als eine Biographie, mehr als ein Versuch, ein Leben nachzuzeichnen. Dieser Teil ist vllt sogar der geringere, aufgrund der unzureichenden Faktenlage ist vieles, was die Autorin schreibt, notwendigerweise Spekulation, Plausibilierung, Annahme, Deutung, Interpretation, Wahrscheinlichkeit oder einfach auch „Einfühlung“ in ein nah gewordenes Schicksal. Die allermeisten der Briefe Cornelias sind vernichtet, verbrannt worden. Was sie geschreibt hat, schließt Damm z.B rück aus den Antworten des Bruders an sie. Das Tagebuch ist erhalten, für zwei Lebensjahre der jungen Frau, von 17 bis 19, gibt es verklausulierte Auskunft über deren Befindlichkeit….

In wesentlichen Teilen schildert und deutet Damme ein inniges und „ungesund“ enges Geschwisterverhältnis, ungesund besonders von Seiten des Mannes her, der die Schwester als quasi-Eigentum ansieht, als ausschließlich zu ihm gehörig. Die Entscheidung der Schwester, zu heiraten, missbilligt er im Inneren aufs Tiefste, empfindet sie als Verrat, letztlich wendet sich der Bruder danach von der Schwester ab. Aber auch die Schwester braucht ihren Bruder zum Leben, versteht dessen Zurückweisung nicht. Damme versucht aufzuzeigen, wie hier psychologische Gesichtspunkte eine Rolle spielen, inwieweit sich diese Vorgänge zwischen Bruder und Schwester auch im dichterischen Werk Johann Wolfgangs widerspiegeln.

Bei einem Mädchen wie Cornelia , das durch den Bildungswillen des Vaters zunächst gleichberechtigt erzogen wurde, das geistig entwickelt, begabt, wach ist, brechen die Konflikte hart auf in dem Moment, da sie das Bewusstsein ihrer tatsächlichen Lage bekommt. Ihr fällt die Anpassung besonders schwer, weil sei auf etwas vorbereitet wurde, für das es in der Wirklichkeit keine Entsprechung gibt. Alle Anlagen müssen gewaltsam in ihr zurückgebogen werden. „

Der angesprochene Bildungswille des Vaters, den dieser mit strenger Disziplin durchsetzte, beschränkte sich auf die Vermittlung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, nicht auf die Förderung von Eigenschaften. Trotz aller Begabung und Kenntnisse hatte Cornelia Goethe nicht den Mut, das Selbstbewusstsein entwickeln können, dessen sie bedurft hätte, aus der traditionellen Frauenrolle zu entkommen. Daran ist sie letztlich zerbrochen: für sie war die Aussicht auf das Leben die Aussicht auf kommendes Unglück. Da sie kein Bild einer Zukunft hatte, war für sie – so Damme – die Selbstabtötung, die Verneinung, die Rebellion gegen ihre Weiblichkeit die Konsequenz.

Beherrschend in der Biographie der Frau ist das enge Verhältnis der beiden Geschwister und dessen – letztlich zerstörende – Auswirkung auf Cornelia Goethe. Der Bruder nahm sich, dem damaligen Verständnis vom Mann-Sein entsprechend, alle Freiheiten, betrachtete seine Schwester zwar als besonderes Verhältnis, aber ohne, daß er sie deswegen als Persönlichkeit anerkannt hätte. Jedes Zeichen von Eigenständigkeit ihrerseits strafte er mit Liebesentzug, sprich: der Kontakt wurde abgebrochen, die Schwester auf Entzug gesetzt. Während Cornelia Goethe sehr darunter litt, kann man sich ein analoges Leiden des Dichters kaum vorstellen, er setzte seinen Ärger, seine Emotionen in Dichtung um – für die Nachwelt ein Gewinn, zweifelsohne, der damit indirekt auch der Schwester (zumindest in kleinen Teilen) mit angerechnet werden muss….

Hatte Cornelia Goethe überhaupt eine Chance bei den damaligen Verhältnissen? Sie hätte sie gehabt, wenn im Vaterhaus vom Vater neben den Fertigkeiten und Kenntnissen auch der Weg vermittelt worden wäre, diese zu nutzen: Selbstbewusstsein, emotionale und psychische Stärke, Eigenständigkeit. Schließlich gibt es Beispiele für solche Frauen, die Dichterin Laroche, die ja zum Freundeskreis gehört, ist ein solches. Diese Eigenschaften fehlten der Schwester aber völlig. Somit läßt sich überspitzt sagen, daß Cornelia Goethe in ihrer Zeit eine absolute Aussenseiterin war, zum Scheitern verurteilt: das, was sie konnte, was sie wollte, war ihr „Leben“ bedeutete, war verpönt, nicht gewünscht, im Gegenteil. Das was sie als Frau hätte machen müssen, um rollenkonform zu leben, war wiederum ihr verpönt, ja, das konnte sie nicht, weil sie das nie gelernt hatte: einen Hausstand zu organisieren, gesellschaftlich zu glänzen, dem Mann zu dienen. So nimmt es nicht wunder, daß die seltenen Perioden des Glücklichseins immer mit der Anwesenheit des Bruders und eines Kreises Gleichgesinnter verbunden waren. Diese Zeiten waren endlich, ins Gefängnis des Alltags zurückgeworfen überfielen Traurigkeit und Schwärze ihre Seele: die Depression zog sie immer tiefer hinunter ins Unglücklichsein. Ein tragisches Leben, das früh endete und dessen Erinnerung durch die schäbige Aufarbeitung des Bruders (in „Dichtung und Wahrheit“) für die Nachwelt geprägt ist. Diese Rezeption der Schwester zumindest hat Sigrid Damm korrigiert.

 ************

Dammes Schreibstil ist gut lesbar mit vielen Nominalphrasen (bei der Bezeichnung verlasse ich mich ´mal auf [5]), verlangt aber Aufmerksamkeit beim Lesen, schnell sind ansonsten wichtige Passagen überlesen.  Sie zitiert viel, einige Dokumente sind extra für dieses Buch ins Deutsche übersetzt worden. Es entsteht nicht nur das Leben der Hauptperson vor unserem geistigen Auge (mit allen Einschränkungen bzgl. der Quellenlage), sondern auch ein Zeitbild, insbesondere das der Frau und das des städtischen Bürgertums in Frankfurt. Gut getan hätten der Biographie einige Abbildungen, von der mehrfach erwähnten überaus korrekten Handschrift der Cornelia Goethe zum Beispiel oder auch Bilder aus ihrem Umkreis… für den einen oder anderen ist vllt auch der besondere Blick auf den berühmten Bruder neu, obgleich ich vermute, hier wären Bestätigungen durch (andere) Goethekenner sinnvoll. Unter diesen Gesichtspunkten also ein durchaus anzuratendes Buch, das mit Gewinn zu lesen ist.

Links und Anmerkungen:

[1] Kurzbiographie: Monika Gemmer: Cornelia Goethe, die vergessene Schwester in: http://www.frankfurt.frblog.de/cornelia-goethe
[2] Wiki-Beitrag zu Cornelia Goethe: http://de.wikipedia.org/wiki/Cornelia_Schlosser; Bild „Schäferfamilie„: Johann Conrad Seekatz [Public domain], via Wikimedia Commons
Bild „Rötelzeichnung C. Schlosser„: Johann Ludwig Ernst Morgenstern [Public domain], via Wikimedia Commons
Bild: „Grabstelle„: By Andreas Schwarzkopf (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons
[3] Wiki-Artikel zu Persönlichkeiten, die in der Besprechung erwähnt werden:
– Sophie La Roche: http://de.wikipedia.org/wiki/Sophie_von_La_Roche
– Johann Georg Schlosser: http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Georg_Schlosser
– Johann Caspar Goethe: http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Caspar_Goethe
– Katharina Elisabeth Textor: http://de.wikipedia.org/wiki/Catharina_Elisabeth_Goethe
[4] Wiki-Artikel zum „Sturm und Drang“: http://de.wikipedia.org/wiki/Sturm_und_Drang
[5] Weitere Rezensionen zum Buch:
– http://www.lesekost.de/Biograf/HHLB20.htm

Nachtrag/Ergänzung vom 30. April 2014:

In der heute online gegangenen Besprechung des Buches von Renate Feyl: Das sanfte Joch der Vortrefflichkeit wird mit Caroline von Wolzogen eine Frau porträtiert, die fast zur gleichen Zeit lebte wie Cornelia Goethe und die wie diese intellektuell und literarisch sehr interessiert war, der aber ein gänzlich anderes, wohlmeinenderes Schicksal beschieden war. Dies ermöglicht einen interessanten Vergleich zweier  Frauenschicksale aus dieser Zeit, wie ihn in einem Gastbeitrag Atalante von Atalantes Historien gezogen hat.

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8 Responses to “Sigrid Damm: Cornelia Goethe”


  1. Lieber Flattersatz,
    so, ausführlich zusammengefasst und kommentiert finde ich die Geschichte interessant. Ich fürchte nur ich hätte keine Geduld, das ganze Buch zu lesen, weil, und da geht es mir so wie Dir, dem Göte und seiner Schwester tatsächlich nicht mein literarisches Hauptinteresse galt und gilt. Darf man das als intensiver Leser und Germanist einfach so sagen? Keine Ahnung, es ist leider so.
    Wie dem auch sei, Deine wie immer sehr detailreiche Besprechung hat mir jetzt das Lesen erspart – und ich bilde mir doch ein, die Grundzüge der ‚Geschichte‘ jetzt zu kennen. Das ist wunderbar und deshalb Danke für Deinen schönen Text. Der war auf jeden Fall bereichernd.
    Liebe Grüße, Kai

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    • flattersatz Says:

      lieber kai,

      herzlichen dank für deinen kommentar, der mich sehr gefreut hat!

      ich denke, es ist kein charakterfehler, goethe nicht zu mögen, er wird genug liebhaber haben, um ein paar abweichler zu verkraften.. ;-) mein intensivster kontakt mit ihm fand den letzten sommer statt. ein schauspieler (schlag mich, ich habe den namen vergessen) hat den faust in kurzform rezitiert, in dem er insgesamt sechs rollen gesprochen hat. auch wenn die rollen gegen ende der zwei stunden etwas ineinander übergingen (was das unterscheiden für den zuhörer anging), was das als gedächtnisleistung schon imponierend (die forderung nach faust II als zugabe hat er jedoch abgelehnt…)… aber das hat mir dann auch gereicht und es hat keinen appetit auf mehr geweckt…

      liebe grüße
      fs

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  2. Auch ich wusste bisher nichts über Cornelia Goethe, auch wenn einem der Name im Germanistikstudium schon mal am Rande begegnet ist (1. Stunde Faust- Seminar, Goethes Biografie). Ein toller Buchtipp, den du uns hier gegeben hast, ich werde es auf jeden Fall im Hinterkopf behalten und vllt demnächst mal selber lesen!

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    • flattersatz Says:

      das buch enthält sicherlich einiges an hintergrund auch über den bruder selber, daher könnte ich mir schon vorstellen, daß es auch für dich als germanistin interessant ist…. und gut geschrieben ist es allemal!

      herzliche grüße
      fs

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  3. atalantes Says:

    Hallo Flattersatz,

    ich finde Deine ausführlichen Besprechung sehr bereichernd. Sigrid Damm habe ich im vorletzten Jahr mit ihrem autobiographischen Titel „Wohin mit mir“ kennen gelernt. Bekannt ist sie ja vor allem durch ihr Buch „Christiane und Goethe“, für das sie auch MRR und der Rest des Quartetts lobte.

    Bei Deiner Besprechung ist mir aufgefallen, wie sehr Sigrid Damm von der Frauenbewegung geprägt wurde. Du stellst ja heraus, daß kaum Quellen erhalten sind. Vieles muss folglich Interpretation sein. Die Frage nach der Motivation, wer hat was warum geschrieben, kann man als Leser gerade von Autobiographien aber auch anderen historischen Darstellungen nicht außer Acht lassen.

    Es wäre sicher auch interessant in anderen Goethebiographien etwas über das Verhältnis der Geschwister zu lesen.
    Ich wäre ein wenig vorsichtig, dem Vater die Schuld an der Persönlichkeitsentwicklung seiner Tochter zu geben. Der Mensch ist schließlich und zum Glück nur bis zu einem gewissen Grad formbar. Da muss man gar nicht erst Rousseau bemühen.

    Versteh‘ mich nicht falsch, ich bin zwar jünger als die Autorin, die ich im Übrigen sehr schätze, habe aber die Frauenbewegung der Achtzigern miterlebt, und daran erinnert mich auch ein wenig die Grundmotivation dieser Biographie.

    Viele Grüße, auch an den Literaturkreis, Deine Erfahrung, daß diese Lektüren manchmal eine Herausforderung darstellen, kenne ich, ;)
    Atalante

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    • flattersatz Says:

      liebe atalante,

      erst einmal herzlichen dank für deinen ausführlichen kommentar, wir haben uns ja jetzt längere zeit nicht mehr ge“sehen“…

      über deine bemerkung bzgl der frauenbewegtheit von damm bin ich ein wenig gestolpert (aus unwissenheit, ich kenne mich da nicht aus9, weil damm doch aus der ddr kommt und die große zeit der frauenbewegung beim fall der mauer doch vorbei war. oder liege ich da falsch? anyway… das vieles, sehr vieles im buch interpretation ist, nachempfinden ist jedenfalls richtig. aus den antwortbriefen des bruders zum beispiel schloss damm auf die briefeinhalte von cornelia zurück, jeopardizing könnte man das nennen… insofern ist nur wenig gesichertes wissen in dieser biographie und sicherlich fließt einiges von damm selbst mit ein.

      was die schuldzuweisung an den vater angeht, so kann ich die argumentationskette von damm schon nachvollziehen. ein (karrieremäßig) frustrierte vater, der zwar einerseits seine tochter fördert, in dem er ihr eine erstklassige ausbildung zukommen läßt, sie aber inkonsequenterweise nicht mehr fördert, von dieser auch gebrauch zu machen. mit ersterem hebt er sich über den zeitgeist, mit letzterem entspricht er ihm wieder. und auch auf die „karriere“ als hausfrau wurde cornelia eher schlecht als recht vorbereitet, wie man dann in der ehe mit schlosser sehen konnte. aber es stimmt auch, daß revolutionäres potential in cornelia wohl nicht vorhanden war, sie hat sich gefügt und ist nur in den seltenen momenten aufgeblüht, wenn der bruder sich ihr gewidmet hat oder sie in einer ihr entsprechenden gesellschaft war. anstatt dagegen aufzubegehren, ist sie durch depressiv geworden.

      ich habe in meinem bücherschrank neulich eine biographie der caroline von wolzogen gefunden, ähnliche epoche, ähnliches intellektuelles potential (davon gehe ich aus), aber ein völlig anderes leben. dieses buch werde ich demnächst lesen, ich bin sehr gespannt auf den vergleich – ich hoffe wenigstens, daß man ihn ziehen kann…

      herzliche grüße
      flattersatz

      p.s.: danke für deine grüße an meinen literaturkreis, die ich gerne zurück gebe! mittlerweile sind wir ein kleines, aber feines team, das viel spaß miteinander hat. diese woche hatten wir von loti die islandfischer auf dem programm….

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      • atalantes Says:

        Hallo Flattersatz,

        ich schaue oft bei Dir vorbei, versuche aber meinem Vorsatz treu zu bleiben und nur dann etwas zu kommentieren, wenn ich etwas zu sagen habe, jenseits aller Plänkelei und das Stempelchen vergesse ich meist sowieso.

        Zum Buch:
        Du hast ganz Recht, bei Erscheinen des Buchs, 1987, lebte Damm noch in der DDR. Allerdings gab es auch dort in den Achtzigern, trotz staatlich verordneter Gleichberechtigung, eine starke Emanzipationsbewegung, die im Unterschied zu der in der BRD stärker kirchlich orientiert.

        Ich glaube, daß Sigrid Damm, wie viele intellektuelle Frauen dieser Zeit, davon beeinflusst wurde. Das zeigt sich in ihrem autobiographischen Rombuch „Wohin mit mir“. Wie Du in meiner Rezension lesen kannst, hat es mir sehr gut gefallen.

        Als ich nun Deine Besprechung zu „Cornelia“ las, kam mir vieles vertraut vor. Es zeigt die Einstellung der Autorin, gegen die ich absolut nichts einwenden möchte, und die auch in ihrem Roman „Ich bin nicht Ottilie“ fassbar zu sein scheint.

        Auf dieser Grundlage hat Damm, so scheint mir, das Geschehen im Hause Goethe zu modern interpretiert. Natürlich erhielten die Töchter des gehobenen Bürgertums eine gute Ausbildung, das verlangte schon die gesellschaftliche Stellung. Aber genau die verlangte auch ein angemessenes rollenkonformes Verhalten. Frauen wie Sophie La Roche waren eine Ausnahme.

        Ach, falls Du bei Caroline von Wolzogen an den Roman von Feyl denkst, schließt sich wieder der Kreis zum Literaturkreis. Wir hatten ihn in unseren Anfängen mal im Programm. Das ist schon lange her und da ich damals noch keine Rezensionen schrieb, in der Erinnerung leider ziemlich verblasst.

        Freundliche Grüße,
        Atalante

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        • flattersatz Says:

          hallo atalante,

          mit dem „selten sehen“ war nicht vorwurfsvoll gemeint, ich bin selbst ja auch nicht der große kommentator… ;-)

          ich lass das einfach im wesentlichen mal so stehen, was du geschrieben hast. zum einen klingt es plausibel und zum anderen habe ich auf dem gebiet der frauenbewegung auch wirklich keine kenntnisse, mit denen ich eventuell dagegen halten könnte…

          das ist einzig noch die depression von cornelia, die – und ich denke, das ist ein guter ansatz – auf die diskrepanz zwischen ihrem intellektuellen potential und dem grauen alltag rückführbar ist. und der graue alltag, sprich das rollenkonforme verhalten, wird durch die abhängigkeit von drei männern (die die gesamtgesellschaft repräsentieren) geprägt: den vater, den bruder und dann am ende durch den ehemann. so bin ich überzeugt, daß sich das leben von cornelia anders entwickelt hätte, wenn es von diesen dreien anders gefördert worden wäre. aber was du schreibst, gilt natürlich analog: auch die männer haben sich rollenkonform (für die damalige zeit) verhalten… am ende kommt dem schicksal von cornelia eine gewisse unausweichlichkeit zu…

          und ja, bei caroline von wolzogen denk ich an dem feyl´sche buch. bin sehr gespannt! ja, diese kleinen buchbesprechungen sind mir mittlerweile auch wertvoll als erinnerungsstütze. was hier nicht steht, ist vergessen…. ;-)

          herzliche grüße
          fs

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