Mark Twain: Das Tagebuch von Adam und Eva

Mark Twain, 1907 Bildquelle: [B]
Mark Twain, 1907
Bildquelle: [B]
Mark Twain [1], dieser amerikanische Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert, dürfte uns allen noch aus der Jugendzeit bekannt sein, die Kenntnis seiner beiden Romanfiguren Tom Sawyer und Huckleberry Finn gehören wohl zum Allgemeinwissen, selbst wenn man deren Abenteuer nicht gelesen oder schon wieder vergessen hat. Bekannt ist auch seine Geschichte vom Yankee an König Arthurs Hof und seine Reiseberichte über Europa, wo er sich oft aufhielt. In vielen dieser Texte zeigt sich ein humoristischer, ironischer Schriftsteller, der sehr unterhaltend, aber auch gut beobachtend schreiben konnte.

Hier stelle ich eine kleinere Arbeit von ihm vor, die Tagebücher von Adam und Eva, die ich mir für meinen nächste Vorleseabend ausgesucht habe. Bekanntlich waren Adam und Eva ja die ersten Menschen, Adam war etwas früher auf der Welt, konnte sich dort schon umsehen, das eine oder andere anschauen, bevor es mit der Ruhe dann vorbei war. Das häßliche Wort vom „wir“ war in die Welt gekommen, unvermeidlicherweise brachte es dieses langhaarige Wesen mit, das auf einmal die paradiesische Ruhe in nichts auflöste.

Nein, sie harmonierten nicht. Selbst mit guten Willen wäre diese Ansicht nicht vertretbar. Wo er Geniessen und Schauen wollte, testete sie, probierte sie, benannte sie. Der Wasserfall, den er so sehr liebte, sie nannte ihn die „Niagarafälle“, schließlich sähen sie ja so aus wie die Niagarafälle, der Name gebiete sich also von selbst. Sie benannte alles was ihr unter die Augen kam, ehe er sich´s versehen konnte, hatte alles einen Namen. Und Schilder gab´s auf einmal, so wie „Rasen betreten verboten„. Es war ungemütlich geworden.

Adam und Eva, Gemälde von Lucas Cranach, dem Älteren Bildquelle [B]
Adam und Eva,
Gemälde von Lucas Cranach, dem Älteren
Bildquelle [B]
„Sie“ (ihm war ihr Name erst einmal völlig egal) sah das naturgemäß anders, sie wollte ihm, der auf der Flucht vor ihr auf die Bäume kletterte, doch nur helfen. Was konnte sie dafür, wenn ihm nie ein Name einfiel? Damit es nicht peinlich wurde für ihn, erfand sie eben schnell einen…

Twain weist Eva die Rolle der Neuerin zu, derjenigen, die erforscht, experimentiert, die neugierig ist auf die Welt und die wissen will, wie sie funktioniert. Adam hingegen wird diese Unruhe leicht zuviel, er flüchtet dann auf, klettert auf einen Baum und trauert den vergangenen Zeiten nach… Das Wesen erstaunt ihn immer wieder, noch ist sie Tier für ihn, Tier unter Tieren und doch anders, Wasser strömt ihr aus den Öffnungen, mit denen man sieht und dabei entfliehen ihrem Mund jämmerliche Töne.

Interessant ist es, daß Twain der Frau die aktive Rolle zuweist während der Mann eher der Kontemplation zugeneigt ist. Obwohl – der Langeweile der Sonntage auch ihn zur Erholung in die Arbeit während der Woche treibt… Er ist wortkarg, wo sie ohne Ende plappert, er flüchtet, wo sie reden will, ja er weist sie aus seiner Hütte hinaus in den Regen, nur um allein zu sein…

Sicher, sicher, von dem Baum dort sollte man nichts essen. Aber konnte man Wissen nicht nur erringen, in dem man experimentierte, ausprobierte, testete? Und hatte die Schlange nicht gesagt, daß…. Adam war recht überrascht über den plötzlichen Lärm und Aufruhr im Paradies, und daß die Löwen und Tiger sein Pferd fraßen und ihm keineswegs mehr gehorchten. Gottseidank stand ein Baum in der Nähe, der ihn aufnahm! Der Tod war in die Welt gekommen….. Und als er das nächste mal Eva sah, war sie von oben bis unten mit albernen Blättern bedeckt, die er ihr wieder vom Körper riss, was ihrerseits Erröten und Kichern zur Folge hatte…. in der Summe war dies alles ein Ereignis – da ist sich Adam sicher – von dem sich die Welt nicht mehr erholen würde. Und es war eins, das ihm die Augen öffnet für die Einzigartigkeit von Eva….

Eines Tages dann war dieses Ding da, dieser Fisch mit vier Beinen oder Armen und Geschrei, den sie sich auf den Bauch legte und damit glücklich schien. Sie holte ihn dann später wieder aus dem Teich, in dem er ausprobieren wollte, ab dieser komische Fisch auch schwimmen konnte…. Später nannten sie ihn Kain und beobachteten erstaunt seine Metamorphose… und im Gegensatz zu ihm, der nirgends ein zweites Exemplar dieses seltsamen Wesen finden konnte, hatte sie ein solches ohne Müh, im Handumdrehen, im Nu erwischt, als er mühsam und seit Wochen auf der Pirsche danach war. Sie nannten es dann Abel.

Manchmal allerdings, wenn er sie anschaute, empfand er, wie schön sie war und daß das Leben mit ihr besser war als ohne sie. Und sie? Sie liebte ihn einfach nur, weil er da war, weil er ein Mann war, weil er ihr Mann war….

Twain ist mit diesen „Tagebüchern“ eine wunderhübsche Geschichte gelungen, voll mit feinem Humor und viel Ironie, mit der er Eigenheiten von uns Männern und Frauen charakterisiert. Nie aber ist er bösartig oder verletzend, vielmehr erkennt man sich in den jeweiligen Macken und Eigenarten wieder und man durchschreitet diesen Weg der Annäherung von Adam und Eva an den/die andere/n mit ihm und ist absolut seiner Meinung, wenn er am Schluss Adam am Grabe Evas sagen läßt:

„Wo sie war, dort war Eden“.

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Artikel zu Mark Twain: http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Twain

[B]ildquellen:
– Portraits Mark Twain: Wiki-Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Twain; See page for author (unknown) [Public domain], via Wikimedia Commons
– Adam und Eva: Wiki-Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Lucas_Cranach_der_Ältere; Lucas Cranach the Elder [Public domain], via Wikimedia Commons

Mark Twain
Das Tagebuch von Adam und Eva
Übersetzt aus dem Englischen von Kim Landgraf
Originalausgabe: The Diary of Adam and Eve, London & New York, 1906
diese Ausgabe: Anaconda, HC, ca. 96 S., 2011

9 Kommentare zu „Mark Twain: Das Tagebuch von Adam und Eva

  1. die Herderausgabe habe ich sogar als Erstausgabe von 1994, ich kann sie nur empfehlen…es ist Sommerlektüre pur…
    ein anderes vergnügliches Werk ist Twains Tierleben bei 2001 erschienen
    sein hintergründiger Humor, als direkt boshaft würde ich ihn gar nicht bezeichnen, ist herzerfrischend.. Zitat von ihm:
    “ Als ich 14 Jahr alt war, war mein Vater für mich so dumm, daß ich ihn kaum ertragen konnte. Aber als ich 21 wurde, war ich doch erstaunt, wieviel der alte Mann in sieben Jahren dazu gelernt hatte.“

    lieber Gruß
    Karin

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    1. liebe karin, diese herder-ausgabe habe ich mir ja auch besort, wenngleich sie ein paar wenige jahre jünger ist als ihre erstausgabe, von 1998. aber trotzdem sehr schön, ein schmuckbüchlein! habe mir auch noch vom aufbau-verlag die „sommerwogen“ besorgt, ein gar allerliebstes werk mit den briefen an seine große liebe livy…
      das von ihnen gebrachte zitat ist herrlich, es zeigt, wie ironie, auch selbstironie entsteht, wenn man sichtweisen verändert, grenzen des denkens und sehens durchbricht… danke dafür…

      ihnen auch einen lieben gruß und einen hoffentlich weitgehend regenfreien sonntag! (hier ist gerade ein mächtiger schauer vom himmel gefallen….)

      fs

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  2. Eines meiner Lieblingstexte von Twain! Ich habe es zuerst als Hörbuch erlebt – hier kann man es gratis runterladen. „gratis-hoerspiele.de/mark-twain-das-tagebuch-von-adam-und-eva/“. Ich mag besonders, wenn er von dem Wasser spricht, was plötzlich aus „ihren“ Augen läuft…. die Fassungslosigkeit, die ihm da anzuhören ist, ist grandios.

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  3. Mark Twain war wirklich ein großer. Ich mag besonders seine (bösartigen) Reisebeschreibungen. Ist schade, dass er immer noch so oft auf Tom Sawyer und Huck Finn reduziert wird. Dieses Büchlein hier kannte ich noch gar nicht, vielen Dank für den Hinweis und die schöne Besprechung.
    Liebe Grüße, Kai

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