Herta Müller: Atemschaukel

14. Februar 2010

Diese Buchbesprechung ist auch als Audio-File im literatur RADIO bayern erschienen.


Ab Frühjahr 1945 deportierte und internierten die Russen alle Rumänendeutschen im Alter zwischen 17 und 45 Jahren in Arbeitslager. Sie sollten im Rahmen einer „Wiedergutmachung“ zum „Wiederaufbau“ der im Krieg zerstörten Sowjetunion eingesetzt werden.Weil es an die faschistische Vergangenheit Rumäniens erinnert (vgl [1]), wurde dieses Thema in Rumänien lange Zeit totgeschwiegen, nur die Betroffenen untereinander und im Familienkreis kam diese Zeit zur Sprache.

Ab 2001 zeichnete Müller, deren Mutter selbst interniert worden war, Gespräche mit Deportierten aus ihrem Heimatdorf auf. Dieses Buch beruht auf Notizen und Erinnerungen von Oskar Pastior, der 2006 verstarb. [4]

Ich weiß, du kommst wieder

„Atemschaukel“ von Müller ist ein Buch mit einem Thema, es ist ein Buch über den Hunger. Nicht den kleinen Hunger zwischendurch oder den größeren, wenn man mal eine Mahlzeit übersprungen hat. Nein, über den Hunger, der den Menschen aushöhlt, der sich in jede Pore, in jede Höhlung, in jeden Gedanken, in jede Bewegung setzt. Der Hunger, der den Menschen als Hülle zurückläßt und ihn völlig okkupiert. Jeder Gedanke, alles Tun und Lassen wird von ihm bestimmt, er unterjocht den Menschen und der Mensch kennt nur noch den Hunger.

Der Hunger ist ein Gleichmacher, nicht ganz so konsequent wie der Tod, aber fast. Das ganze Leben dreht sich nur noch ums Essen, das Nicht-Hungern, das Nicht-Verhungern, das Über-Leben, das bischen Brot der Ration, die dünne Suppe, die kaum wärmt, das Unkraut, das als Salat gegessen werden kann, das Er-Tauschen von Essen gegen andere Kostbarkeiten.

Der Hunger ist ein Gleichmacher, er hebt alle anderen Massstäbe auf, er hebt die Individualität auf („… in der Dreieinigkeit von Haut, Knochen und dystrophischem Wasser sind Männer und Frauen nicht zu unterscheiden…“ [S.158]), er hebt die Geschichte auf, all das verblaßt neben ihm, spielt keine Rolle mehr. Nur die Zeit hebt er nicht auf, er lebt und wirkt in der Zeit, je langsamer die Stunden verstreichen, je lebendiger ist er. Der Hunger schläft nicht noch schlafen die Hungernden ihre unruhigen Träume, sie wachen, wachträumen, träumen. Vor dem Hunger sind und werden alle gleich.

Und der Hungerengel ist sein Bote.

Der Hunger wird zum Maß, der Hunger bestimmt die Moral. Hunger kennt keinen Ekel, kein Mitleid. Im Hunger wird alles zu Essen, und wenn es nur der Rauch des Feuers ist, der gekaut, geschluckt, geschmeckt wird. Der Hunger richtet alles aus, er läßt sich nicht vergessen oder verdrängen. Er läßt sich nie mehr vergessen, der Hunger wird zum Teil des Menschen: „Ich esse seit meiner Heimkehr aus dem Lager, seit sechzig Jahren, gegen das Verhungern.“ [S. 25, vgl auch 2]

Er ist allgegenwärtig, er ist der lebendig gewordene Tod.

Denn der Hunger ist nicht still, er wütet, er macht sich bemerkbar, er beraubt den Hungernden um alles, er nistet sich ein, er verdrängt, er wächst unersättlich, er ersetzt jegliches Gefühlt. Er läßt sich atmen, trinken, fühlen, essen, denken, sprechen, gehen, schlafen, träumen… Der Mensch wird Hunger.

Er ist allgegenwärtig, er ist zum Tod werdendes Leben.

Und er ist nie weit weg. Kertesz beschreibt es in seinem Buch [5], kaum drei Tage und der Hungerengel besucht die Menschen und begleitet sie fortan auf all ihren Wegen….. Der Hungerengel und der Mensch gehören zusammen, alles wird mit Essen verglichen, die Farben von Gegenständen, der Geruch, alles erinnert an Essen, Essen, essen……

Im Januar 1945 wird der 17jährige Siebenbürgener Sachsen Leo Aulberg aus Hermannstadt nach Sibirien in ein Arbeitslager deportiert. Seine Großmutter verabschiedet ihn mit den Worten: „Ich weiß, daß du wieder kommst„. So trivial der Satz ist, er läßt Leo die Zeit im Lager überleben. Das Buch beruht auf Aufzeichnungen eines ehemaligen Häftlings über seine Lagerzeit, es gibt Einblicke in den Lageralltag, vor allem aber in die Gedanken- und Gefühlswelt von Leo Aulberg.

Es ist kein Tagebuch im Sinne einer chronologischen Aufzählung. Grob wird die Zeitenfolge eingehalten, das Buch setzt mit der Deportation ein und hört mit der Rückkehr nach 5 Jahren Haft auf. Aber, soviel kann gesagt werden, es ist kein Kreis, der sich schließt, es ist für einen Lagerhäftling unmöglich, einfach mit seinem alten Leben weiter zu machen.

Interessant wäre es, wenn man die Aufzeichnungen des Oskar Pastior, die dem Buch zugrunde liegen, mit dem, was Müller daraus gemacht hat, vergleichen könnte. Hat dieser 17 (18, 19, ….) jährige schon solche sehr komplexen, fast spirituellen Gedanken gehabt?

Als Häftling in einem Lager zu sein, muss eine der fürchterlichsten Erfahrungen sein, die man machen kann. Man ist in einer Umgebung, die sich feindlich gegen den eigenen Körper und den Geist verhält, der Tod ist allgegenwärtig, wird billigend in Kauf genommen, wenn nicht sogar gefördert. Wie kann man mit so einer Situation umgehen?

Leo Aulberg hat einen Weg gefunden, den sicher nicht allzuviele gewählt haben. Er erscheint mir fast meditativ, wenn ich das Kapitel über die Herzschaufel lese, Leos Ausführungen über das richtige Schaufeln, die verschiedenen Stellungen und Handhaltungen, je nachdem, wieviel Kohle noch auf dem Wagen liegt, damit diese wie ein Vogelschwarm sich vom Blatt ablöst und fliegt. Schön ist die Bewegung, wie ein Tango, fließend im ganzen Körpfer, harmonisch, sie wärmt ihn, nur der Hunger, der Hungel frisst die ganze Artistik, denn der Hungerengel ist immer dabei…. ich musste bei dieser Beschreibung des Schaufelns (auch wenn mir dies unangemessen erscheint) an Dürckheims „Der Alltag als Übung“ denken in dem Sinne, daß alles, was wir im Alltag machen, wenn wir es bewusst machen, auf uns selbst zurück wirkt, uns stärkt und uns Kraft gibt. Und mir scheint, Leo hat Kraft zum Überleben auch dadurch gewonnen, daß er quasi durch die äußere, häßliche Hülle der Situation/Gegebenheit hindurch einen Kern, einen Inhalt, einen Weg gefunden hat, der ihn stärken kann [6]. „Jede Schicht ist ein Kunstwerk“: auch dieses Kapitel schildert die Art und Weise, wie Leo diese alltägliche Sklavenarbeit ummünzt, um für sich eine innere Stärkung daraus zu ziehen. Natürlich – der Hunger wird dadurch nicht geringer, die Arbeit nicht weniger, die Verhältnisse werden nicht besser, aber die Moral, die Seele von Leo werden gestärkt.

Leo nimmt wahr, deutet um, verknüpft mit Erinnerungen aus glücklichen Zeiten. Man kann sich wahrscheinlich (nicht) vorstellen, wie es Ende des Krieges in einer maroden, heruntergekommenen, vergammelten Kokerei in Russland ausgesehen, gerochen haben muss. Chemikalien, Schrott, Abfall, Halden über und über….. Gerüche, Farben, Pfützen, Staub ohne Ende, im Winter die Kälte und der Schnee, im Sommer gleißende Hitze… Leo beschreibt, wie er „Fluchtwörter“ benutzt, diese für ihn substantiell notwendig waren. Fluchtwörter: Wörter, mit denen er das Häßliche, Gefährliche benannte nach Sachen, an die er erinnert wurde. Mit dieser Umdeutung bannte er die Angst, die mit allem verbunden war, er erlaubte nicht, daß die Substanzen Macht über ihn bekamen [S. 184]:

Weil ich den chemischen Substanzen nicht ausweichen konnte, ihnen ausgeliefert war – sie zerfraßen unsere Schuhe, Kleider, Hände und Schleimhäute – habe ich beschlossen, die Gerüche der Fabrik zu meinen Gunsten umzudeuten. Ich habe mir Duftstraßen eingeredet und angewöhnt, für jeden Weg auf dem Gelände eine Verführung zu erfinden….. weil ich den Substanzen nicht erlauben wollte, giftig über mich zu verfügen. … auch diese Wörter substantiell notwendig waren. Notwendig und eine Folter, weil ich ihnen glaubte, obwohl ich wusste, wozu ich sie brauchte.

Müller spielt wieder mit den Begriffen, die bezeichnen sollen, für was es kein Wort gibt. Hungerengel ist so einer, aber auch das Mundglück, das Kopfglück und das Eintropfenzuvielglück. Die Herzschaufel, der Nichtrührer, der Weiße Hase, das Wangenbrot, der Blechkuss, der Kartoffelmensch…. das Unsagbare sagbar machen, das gelingt Müller, die ihre eigenen Erfahrungen hat, auch in diesem Buch sehr, sehr gut. Dem Meldekraut, diesem für die Internierten überlebenswichtige Unkraut, widmet sie ein Kapitel, das für mich wegen der Bilder, die sie dort für das Hungergefühl entwickelt, zum Beeindruckensten des Buches gehört.

Der Lageralltag, die Läuse, die Wanzen, das Abwiegen und Verteilen der Brotration, die im Winter am Fuss festfrierenden Fusslappen, die Toten, die Krautsuppe, das Ritual der Rasur beim Lagerfriseur, die Appelle und die Langeweile, den alles durchdringenden Zementstaub, den Dreck, das Durchwühlen der Abfälle nach Kartoffelschalen (die im Essen dann zu Nudeln werden….)… der Lageralltag reduziert sich auf´s Überleben. Dreihundert-vierunddreißig Tote zählt Leo in den 5 Jahren (wobei man dran denken muss, daß es sich nicht um ein Kriegsgefangenenlager handelt). Im letzten Lagerjahr bessern sich die Bedingungen etwas, die Internierten erhalten etwas Geld, mit dem sie Essen kaufen können und Stoffe, um sich Kleidung zu schneidern. Es erwachen auch wieder andere Eigenschaften, etwas Eitelkeit, ja, sogar Freude am Leben bei zum Beispiel Tanzabenden. Und trotzdem, der Hungerengel ist noch immer anwesend, warnt mit leiser Stimme, daß auch alles wieder vorbei sein könnte….

Nach der Entlassung ist Leo vielleicht kein gebrochener, aber ein gezeichneter alter Mann im Alter von 22 Jahren. Er hat nichts gelernt, findet sich in den Familienalltag nicht ein (in 8 Monaten, so schreibt er, wird er kein einziges Mal berührt von seinen Angehörigen…). Er arbeitet die erste Zeit (wie im Lager auch) als Handlanger. In seiner Vorstellung ist er immer noch im Lager, ja, er fühlte sich dort heimishcer als hier als Fremder in seiner Heimat. Seine geschlechtliche Orientierung macht es ihm zusätzlich schwer. Trotzdem heiratet er, entflieht aber dieser Ehe (und einer erwarteten Verfolgung durch die Behörden) nach Österreich.

Müllers „Atemschaukel“ ist ein schwieriges Buch, wer Unterhaltung sucht, sollte es meiden. Es ist ein Buch, das einen ratlos zurückläßt, wenn man erkennt, welche ein Leben lang andauernden Verletzungen im Menschen durch solche extremen Situationen hervorgerufen werden (Auch Müller selbst arbeitet ja in ihren Büchern, so auch in diesem, eigenes und familiäres Schicksal auf). Und soviele Millionen erleiden immer noch solches oder ähnlich schlimme Schicksale, werden verletzt und gezeichnet zurückgelassen. Und es handelt sich um einen kollektiven Schaden, der ganze Völker, Volksgruppen betrifft und der -zig Jahre braucht, um auszu“wachsen“ aus den Menschen. Das beste, was passieren kann, ist, daß die Menschen lernen, mit ihren Verletzungen und seelischen Narben zu leben, aber gerade dies gelingt vielen nicht…

Facit: ein wichtiges, schwieriges Buch, für das man sich Zeit nehmen muss.

Links:

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Ion_Antonescu
[2] eine Erinnerung die Müller auch in der eigenen Familie so wahrgenommen hat: „Meine Mutter hat überlebt und steht in ewiger Komplizenschaft mit der Kartoffel. Kein anderer Mensch hat beim Kartoffelessen diesen Blick wie sie, diesen Atem, für den es … kein Wort gibt. Als müsse sie heute, 50 Jahre später, bei jeder Kartoffel noch einmal am Leben vorbei in den Tod, und umgekehrt. …. ”“ aus: Der König verneigt sich und tötet
[3] Inhaltsangabe
[4] dem Nachwort zum Buch entnommen
[5] Imre Kertész: Roman eines Schicksallosen
[6] Ein anderes Beispiel für eine analoge Überlebenstaktik in einer ähnlich extremen Situation schildert Reichard in seinem Bericht über seine Begegnung mit N. Kampusch: „…Stark war sie schon, bevor sie entführt wurde. Intelligent, vor allem wohl sozial intelligent. In der Gefangenschaft spürte sie, dass sie sich mit Hass selber umbringen würde. Sie griff zu einer Lösung, die im normalen Leben schon schwer genug ist und für ein Kind in ihrer Lage geradezu unglaublich erscheint: Sie verzieh. Verzieh Priklopil, so schnell es ging, alle Bosheiten, mit denen er sie drangsalierte. Sah in ihm das, was er war: ein fehlgeleiteter, schwacher Mensch, klein gehalten durch den Vater, dessen Anerkennung er suchte, aber nicht bekam. Weil sie das begriff, verzieh sie ihm, dass er sie klein hielt….“ in ZEIT-Magazin 3/2010, S. 23 oder online hier

Diese Buchbesprechung ist auch als Audio-File im literatur RADIO bayern erschienen.

Herta Müller
Atemschaukel
Hanser, HC, 304 S.
ISBN-10: 3446233911
ISBN-13: 978-3446233911

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6 Responses to “Herta Müller: Atemschaukel”

  1. Hael Saad Al-Dobeibi Says:

    Der Roman „Atemschaukel“ von Herta Müller besteht aus 64 Kapiteln, in denen Müller den Hunger als Räuber der Menschlichkeit des Menschen bezeichnet. Er findet in der arabischen Welt einen großen Erfolg, nachdem dieser bei der Erscheinung direckt in die erste Fremdsprache, nämlich ins Arabische übersetzt wurde. Der Roman wurde in einer ästhetischen Sprache geschrieben und ist eine Beschreibung eines Zeitraums in Europa. Müller erzählt in diesem Roman, was die Geschichtsschreiber nicht erwähnen wollten und es aus politischen Gründen zu vergessen versuchten. Müller schildert mit Leid die Beschaffenheit, mit der der Mensch unter dem Deckmantel des Umbaues des Größten Staates vernichtet und zerstört wurde. In den sowjetischen Gulag-Konzentratonslagern haben sich die Deportierten nicht nur das Hungerkleid angezogen, sondern uach den Hunger geschmeckt. Im Roman bezeichnet die Autorin den Hunger nicht nur als Hunger vom Essen, sondern auch Hunger von der Freiheit, Hunger der menschlichen Würde und Hunger des würdigen Lebens. Meiner Meinung nach sind die Gefühle „Hunger und Angst“ die einzigen Gefühle, die man schmecken könnte, wenn man die erlebt. Der Begriff „Hungerengel“, den von der Autorin in diesem Roman verwendet wurde, ist ein paradoxer Begriff, da er aus zwei sich logisch ausschließender Wörter besteht. „Hunger“ ist ein böses Gefühl und dies wird vom bösen Geist vermittelt. „Engel“ ist ein Vertreter des Gutes bzw. der guten Gefühle.

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    • flattersatz Says:

      Ich danke dir für deinen sehr ausführlichen Kommentar, der ja schon eine eigene Besprechung des Buches ist…. das mit der Übersetzung des Werkes ins Arabische wusste ich nicht, in dieser facebook Notiz gibt es dazu noch ein paar nähere Angaben. Weißt du, wieso dieser Roman den Nerv in den arabischen Staaten offensichtlich so gut trifft? Auch dort der Hunger, nehm ich an….

      Was das Paradoxe beim Begriff „Hungerengel“ angeht, erinnere ich dich an den Begriff des „Todesengels„, der durchaus gebräuchlich ist, der die Aufgabe hat, die Seele in die jenseitige Welt zu leiten (wobei der Terminius „Todesengel“ zumindest in Deutschland noch eine weitere, diesmal wirklich negative Bedeutung hat). Es ist also durchaus gebräuchlich, zwei Begriffe mit konträrer Konnotation zu einem zusammenzuführen.

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      • Hael Saad Al-Dobeibi Says:

        Vielen Dank für Deinen Kommentar. Du hast einerseits recht. Aber:

        Hunger
        • Das Gefühl von „Hunger“ durchzieht den ganzen Romans  es bestimmt Leo Aubergs Leben sowohl während, als auch nach der Gefangenschaft im Arbeitslager
        • Hunger wird nicht nur als ein Gefühl beschrieben, sondern als etwas Elementares
        • Hungerengel:
         Wird bereits im ersten Kapitel angelegt
         Personifikation des Hungers durch den „Hungerengel“  „Der Hungerengel denkt richtig, fehlt nie, geht nicht weg, kommt aber wieder, hat seine Richtung und kennt meine Grenzen, weiß meine Herkunft und seine Wirkung, geht offenen Auges einsichtig, gibt seine Existenz immer zu, ist ekelhaft persönlich, hat einen durchsichtigen Schlaf, ist Experte für Meldekraut, Zucker und Salz, Läuse und Heimweh, hat Wasser im Bauch und in den Beinen.“ (S. 91)
         Der Gestalt des Engels, die mit positiven Eigenschaften in Verbindung gebracht wird (Gestalt zwischen Himmel und Erde), werden negative Assoziation wie Hunger, Tod und Qual zugeordnet
         Ein Engel „lebt“ ewig  beherrscht das ganze Leben
         Assoziation Hungerengel – Todesengel
         Hungerengel ergreift Besitz vom Menschen. Doppelgängermotiv: Hungerengel verkörpert den unmoralischer Teil des Menschen (z.B.: Hungerengel treibt den Protagonisten dazu ein Erdmännchen zu töten; Brotdiebstahl)
        • Verwendung von Neologismen  z.B. „Augenhunger“, „Gaumenhunger“ (S. 31); Stärkere Betonung des Hungers- Bilder werden deutlich
        • Hunger als Teil der Entfremdung von sich selbst „hungerblind“ (S. 47).
        • Die Individualität der Menschen schwindet, „weil alle Hunger haben“; Gleichheit durch den Hunger  z.B. Aussehen
        • Hunger als Überlebensstrategie: Leo überlebt, weil seine Gedanken sich um den Hunger drehen, den er immer neu ausführt
        • Hunger als prägende Erfahrung/ als Zwang Leo Auberg isst auch zuhause weiter um zu überleben, obwohl er gar nicht mehr müsste
        • Verbindung des Titels „Atemschaukel“ mit dem Thema Hunger  ist möglich; durch den Hungerengel kommt man zum Titel  Titel im Buch nur vier Mal erwähnt:
        S. 34 „Die Atemschaukel überschlägt sich. Ich muss hecheln.“
        S. 82ff. Kapitel Herzschaufel
        S. 87 „Er [der Hungerengel] lässt meinen Atem schaukeln. Die Atemschaukel ist ein Delirium und was für eins.“
        S. 265 „an der Wand war das Ticken meine Atemschaukel, in meiner Brust war es meine Herzschaufel. Sie fehlte mir sehr.“

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  2. […] [2] Wiki-Artikel zur Kennzeichnung der Häftlinge in Konzentrationslagen [3] Herta Müller: Atemschaukel [4] Wiki-Artikel zum […]

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  3. Ausgezeichnete Rezension! Hertha Müllers „Atemschaukel“ ist für mich eines der erschütterndsten Bücher der vergangenen Jahre und eines der größten Kunstwerke!

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    • flattersatz Says:

      ich danke dir für dein lob, das freut mich sehr. obwohl es schon eine weile her ist mit der atemschaukel, erinnere ich mich noch gut an das schreiben des textes. das war – wie das lesen – eine herausforderung. und wenn ich nicht vorher kürzere texte von müller gelesen hätte, wäre ich an der atemschaukel vllt gescheitert. so aber war sie ein riesiger gewinn für mich!

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