Géza Ottlik: Die Schule an der Grenze

Ich weiß nicht, wer den ungarischen Autoren Géza Ottlik kennt, mir jedenfalls war er gänzlich unbekannt, auch kann ich nicht mehr nachvollziehen, wie ich auf dieses Buch kam. Wahrscheinlich, weil ich hie und da, wenn die Gelegenheit günstig ist, Bücher der Die Andere Bibliothek auch schon mal ‚blind‘ kaufe… wenn es so war, war es jedenfalls ein guter Kauf. Aber erst noch einmal zum Autoren.

Géza Ottlik [1] war ein vielseitiger Mann, Schriftsteller, Übersetzer, Mathematiker und ein Theoretiker des Bridge. Geboren wurde er 1911 in Budapest, dort starb er 1990 auch. Ab 1923 besuchte er eine der habsburgischen Militärschulen (‚K.K. Militär-Unterrealschule‘) und zwar die in Kőszeg [2], einem Ort, der nach dem Ende der habsburgischen Doppelmonarchie nur zwei Kilometer von der Grenze zu Österreich entfernt liegt. Nach vier Jahren wechselte er auf die Oberrealschule, ebenfalls eine Militärschule, in Budapest. Dies vier Jahre, der Titel des Buches Die Schule an der Grenze läßt es schon vermuten, sind Inhalt des Romans, wobei die Gewichtung auf der Anfangszeit, der Eingewöhnungszeit der Frischlinge in die Schule, liegt.

ottlik

Der Roman setzt im Jahr 1957 ein, ein Jahr nach dem Ungarischen Volksaufstand von 1956. Zwei Männer, beide Mitte Vierzig, in einem Freibad unterhalten sich, aber was heißt schon ‚unterhalten‘? Blicke, Grunz- und Zischlaute wie ‚Ühüm‘ oder ‚Sssss‘, aber auch Wortfetzen wie ‚He?‘ oder ‚Hm‘ tauschen sie miteinander aus, nur wo es um Konkretes geht, fallen für Aussenstehende verständliche Sätze wie ‚Eine Liege ist freigeworden‘. Aber auch eine solche Bemerkung enthält nicht viel Redundates.

Der Autor hilft uns Lesern jedoch, er erklärt und erläutert, was diese unverständlichen Laute bedeuten, welche Botschaften sie, verständlich nur für die beiden, transportieren. Sie sind Zeichen einer äußerst intensiven Verbundenheit, die aus einer Zeit stammt, die sie gemeinsam durch- und erlebt haben und die sie für ihr gesamtes Leben prägte. Bèbè, so der Kosename des Erzählers, teilt seinem Freund Szeredy an diesem brütend heißem Julitag mit, daß er von Gabòr, den sie erst in den letzten Jahren bei seinem Vornamen nannten, ansonsten war für ihn sein Nachname Medve in Gebrauch, ihm ein Päckchen geschickt hatte mit einem Manuskript über die gemeinsame Zeit an der Militärschule: An B.B. – nach meinem Tod ihm zu eigenen Händen zu übergeben. Sollte auch er nicht mehr am Leben sein, so bitte ungelesen verbrennen. B.B., damit war Benedek Bóth, genannt Bèbè, gemeint. Der auch einen Ermessensspielraum erhalten hatte: Mach damit, was du willst. Leb wohl, alter Spezi!

Die Anatomie des Dr. Tulp Rembrandt van Rijn, 1632 Bildquelle: [B]
Die Anatomie des Dr. Tulp
Rembrandt van Rijn, 1632
Bildquelle: [B]

Sie waren elf Jahre alt, stammten aus meist gutsituierten Familien, trafen aus der Hauptstadt ein und betraten eine andere Welt. Bis zu diesem Zeitpunkt geliebte, verwöhnte, ja: verhätschelte kleine Jungs, wurden sie schon beim Eintreffen mit den neuen Verhältnissen konfrontiert… Eine temperamentvolle und ziemlich sonderbare Erscheinung stieß die Tür zum Schlafsaal auf, in der die schon kahlgeschorenen und mit einer Uniform eingekleideten Jungs warteten, auf, ein kleiner Bub in Drillichuniform und blauer Mütze brüllt sie in schnaubender Ungeduld an, ohne jedoch auf Antwort zu warten… Jetzt reicht´s aber. Halt die Schnauze, oder ich zeig´s dir und dem ganzen dreckingen Neulingspack! Zum Kruziherrgott deiner Hure von Mutter! raunzte er einen der Jungs an, der es wagte, ihm etwas zu entgegnen. Ein erster Eindruck von der Schule, von ihrem neuen Leben, ein Eindruck, der nicht täuschen sollte.

Denn – ohne auf die vielen der von Ottlik geschilderten Einzelheiten und Begebenheiten en Detail einzugehen – das Leben in dieser Militärschule war daraufhin ausgerichtet, den Jungens das Zivile auszutreiben. Zwar war es Schule in dem Sinne, daß sie Unterricht bekamen und lernten, aber das Militärische in der damaligen Vorstellung war das das Leben beherrschende Moment. Gehorsam war gefordert, selbstverständlich ohne Widerspruch, selbst berechtigte Entgegnungen wurde nicht geduldet, das Ertragen und Sich-Abfinden mit Ungerechtigkeiten war Lernziel. Disziplin war angesagt, die Anerkennung der Autorität, das schnellstmögliche Befolgen der Befehle. Bestrafungen waren an der Tagesordnung und da die Verfehlung eines Einzelnen häufig die Bestrafung der gesamten Abteilung zur Folge hatte, führte dies dazu, daß sich ebenso innerhalb der Gruppe die angestaute Aggression, der Ärger, der Frust in Handgreiflichkeiten Luft machte.

Schnell waren die Underdogs ausgemacht, die mit den weichen, mädchenhaften Gesichtern, die Stillen, die sich nicht wehrten, die sich sozusagen als Ziele anboten. Ohrfeigen, Beinstellen, Tritte in den Hintern waren an der Tagesordnung, wurden im Lauf der Zeit Kommunikationsmittel. Auf der anderen Seite bildete sich schnell eine Gruppen von Jungen um eine zentrale Figur, die eine regelrechte Zwangsherrschaft über die anderen ausübte. Was ihnen gefiel, nahmen sie sich, sie organisierten sich die größten Essenportionen, wurden sie nicht satt, nahmen sie sich von anderen das Brot.
„Zieh´ die Schuhe aus!“, befahl einer der Sitzenden. – „Warum?“ fragte Attila Formes verwundert. – […] „Weil Merényi es gesagt.“ hat antwortete der dritte drohend. …
Wer sich ihnen entgegenstellte, wurde geschlagen: Auch mich hatten sie verprügelt, auch Szeredy, alle. Alle hatten wir uns unter das Joch der Hörigkeit beugen müssen. Ein internes Terrorregime, das von den Unteroffizieren, die für die Jungens verantwortlich waren, stillschweigend geduldet wurde. Im Gegenteil, als einer der Jungs sich tatsächlich offiziell beschwerte, etwas, was es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hatte, wurde letztendlich dieser bestraft und verließ kurz danach die Schule: Kameraden verpetzt man nicht. Dieses Gewaltregime wird verinnerlicht, später, als neue Jahrgänge in die Schule kommen, agieren Bèbè und seine Kameraden genauso, wie sie es selbst erlebt haben.

Dieses erbarmungslose Leben unter stetigem Stress (auch die Schulstunden waren keine Erholung) hatte nur wenige Unterbrechungen. Die Sitzungen auf dem ekligen Klo gehörten dazu, auch ein paar der Lehrer erwiesen sich als umgänglich. In den späteren Jahren schufen sich die Jungs ein paar Freiräume, insbesondere, nachdem der schärfste der Hunde, Unteroffizier Schulze, versetzt worden war. Der Sport mit angeblichem oder tatsächlichem Training, zu dem die Jungs wollten, war so eine Refugium, in das sie sich dann stundenweise begeben konnten.

Zwei Konsequenzen zumindest zeigte dieses Leben: die eine war, daß keiner dem anderen traute oder überhaupt trauen konnte. Jeder war prinzipiell in der Lage, um seines eigenen Vorteils willen, dem anderen zu schaden. Unter diesen Verhältnissen kamen kaum Freundschaften zustande, wer hätte schon den ersten Schritt machen mögen, sich bloßzustellen und die vermeintliche Schwäche einer Sympathie zu einem anderen Schüler zuzugeben. Nur sehr langsam entwickelten sich Beziehungen zwischen den Jungs, die immer fragil blieben, in den späteren Jahrgängen schwang teilweise sogar eine unterschwellige erotische Komponente mit, Tibor Tòth mit seinem Mädchengesicht verführte wohl dazu…. Aber auch diese Beziehungen waren nur wenig belastbar, ein vermeintlich falsches Wort, ein falscher Blick konnten sie wieder auf den Prüfstand stellen, wie Schnecken zogen sich die Jungs wieder in sich selbst zurück – und hofften sehnsüchtig auf Versöhnung.

Ein Zweites war die Verachtung des Zivilen. Die Zivilisten, für die acht Uhr morgens früh am Morgen war, während es für die Jungen schon als Vormittag galt. Es waren Kindermenschen, die viel redeten, aber wenig Ernsthaftes leisteten. Überhaupt das Reden: innerhalb von wenigen Tagen war die Sprache geschrumpft auf Obszönes und auf Flüche (Unser Wortschatz, dieses halbe Dutzend elastischer, steigerungs-und biegungfähiger Obszönitäten aus dem Themenkreisen Sexualleben und Verdauung, ersetzte in vollendeter Weise die denkbar verschiedensten Verben, Hauptwörter, Adjektive und Adverbien….), sie retadierte häufig auf reine Lautäußerungen oder wurde gar völlig averbal: … fauchte ich mit drohend vorgestrecktem Kinn etwas wie „Du Scheißkerl, du Riesenrindvieh“ in den Nacken. Da aber der plötzlich aufwallende Haß meine ohnehin beengte Kehle noch mehr zuschnürte, schrumpfte diese kurze Beschimpfung zu drei konsonantenartigen Lauten zusammen: „Dd! Sch! Rrr!“ […] Mit unseren großzügig verteilten Tritten konnten wir vielerlei mitteilen. Ihre Botschaften in Worte zu fassen ist allerdings schier unmöglich. Sie waren eigenständige Ausdrucksmittel, die durch nichts ersetzt werden konnten, so wie Worte oder Schriftzeichen, wie Bild, Musik oder der Kuß: hatte man einmal begonnen, sich ihrer zu bedienen, vermochte man sich an diese Art der Verständigung durchaus zu gewöhnen. 

So war es nur zu verständlich, daß die Kommunikation außerhalb dieses engen Kreises problematisch wurde. Medve beispielsweise, dem es gelang, einen Brief an seine Mutter an der ‚Zensur‘ durch die Offiziere vorbei zu schleusen, saß dieser, die daraufhin aus Budapest anreiste und ihn besuchte, stumm gegenüber und nahm ihr übel, daß sie als Mutter den Hilferuf des stummen Kindes nicht hörte bzw. verstand… Ängstlich wurde auch vermieden, einen Kameraden z.B. in den Ferien mit nach Hause zu nehmen, ihn den Eltern vorzustellen – man schämte sich, empfand die Eltern und Geschwister als nicht repräsentabel.

Unter den Jungs herrschte ein Klima der Apathie, der Hoffnungslosigkeit, der Angst, des Misstrauens, der steten Zweifels auch an sich selbst: Ich aber sann darüber nach, was eigentlich in mir vorgegangen sein mochte, weshalb ich Orbán nicht zur Hilfe geeilt war. Solange ich um mich wußte, war ich ein mutiger und ritterlicher Kerl gewesen, […] Ich sah noch nicht klar, wie weit diese meine neuartige Feigheit ging.

Aus all den kleineren und auch größeren Begebenheiten und Vorkommnissen, die Ottlik erst Medve, dann aber immer mehr Bèbè in den Mund legt, sind vllt noch drei besondere zu erwähnen: der Fluchtversuch Medves, nächstens aus dem Fenster des Aborts heraus in Richtung Grenze, der aber erfolglos bleibt. Doch trotz der Möglichkeit, die Schule zu verlassen, bleibt Medve, ihm ist ungeachtet allen Kummers das Leben dort offensichtlich immer noch lieber, als wieder nach Hause zurückzukehren. Als zweites ist folgendes Ereignis wichtig: Der Schüler Öttevényi hat sich im Rapportbuch offiziell unter Beschwerden eintragen lassen. In diesem Buch gab es tatsächlich eine Rubrik für Beschwerden, doch in der Praxis war es noch nie vorgekommen, daß jemand von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hätte. […] Weder Schulze noch die Offiziere machten daraus ein Hehl, daß jede Beschwerde von vornherein als unbegründet angesehen würde. Und drittens: Im höheren Jahrgang führte nochmal ein Schüler Beschwerde und zwar wieder gegen Merényi und seine Bande, so wie seinerzeit auch Öttenvényi. Tibor Tóth fing es jedoch geschickter an, er ging über den Geistlichen gegen seinen Widersacher vor und im Gegensatz zu Öttenvényi, der die Schule verlassen musste, war ihm Erfolg beschieden…

Nach vier Jahren Unterrealschule hatten sich die Schüler mit ihrem Leben dort arrangiert. Unteroffizier Schulze, die Plage Gottes für die Schüler, hatte die Schule verlassen, die anderen Unteroffiziere waren gemessen an ihm harmlos. Eine abschließende Studienreise führte die jetzt Fünfzehnjährigen nach Budapest, wo sie sich die Oberrealschule anschauten, die sie demnächst besuchen würden. Abends saßen sie noch einmal zusammen, Bébé, Medve und Szerenyi, auf dem Deck des Donauschiffes, mit dem sie reisten, sie rauchten und in Bébé  breitete sich die Erkenntnis aus, die unsagbar beseligende Einsicht, daß alles, trotz allem, in wunderbarer Weise gut ist, so wie es ist.


Géza Ottlik, so führt der kürzlich verstorbene ungarische Schriftsteller Péter Esterházy [3] in seinem Nachwort aus, ‚gehörte der christlichen Mittelschicht an, die Vorfahren waren wohlhabende Bürger, die vom (niederen Adel) abstammten.‘ Als Student (Mathematik und Physik) fing er an, für Zeitungen zu schreiben, die erste Version seines Romans über die Schule zog er 1949 kurz vor dem Erscheinen zurück. Sowieso wurden die Arbeitsbedingungen für insbesondere bürgerliche, i.e. volksfeindliche Schriftsteller ab 1948 strenger, viele von ihnen, so auch Ottlik, wandten sich Übersetzungen zu. 1959 schließlich konnte sein Roman Die Schule an der Grenze erscheinen.

Die Schule an der Grenze funktioniert auf verschiedenen Ebenen. Ganz an der Oberfläche beschreibt sie die Zustände in einer solchen Militärschule, Zustände, die auf andere militärische Einrichtungen übertragbar waren. Ich [i.e. Esterházy] erinner mich jedoch, daß ich, daß wir, als wir nach dem Abitur zum obligatorischen Militärdienst einrücken mußten, ihn fast als Handbuch benutzen konnten, wie man sich in dieser neuen und augenscheinlich gefährlichen Welt zu verhalten hatte. […] Ich war sehr jung und unerfahren, das galt es mit der Hilfe des Romanas zu kompensieren, als sei er ein Intensivkurs. Selten nur funktionier ein Roman so praktisch.

Dann ließen sich 1959 auch ganz aktuell Bezüge zum Volksaufstand, der erst drei Jahre vorbei war, ziehen. In der Eingangszene (die im Jahr 1957 spielt) wird gesagt, Medve, der Autor des Manuskripts, sei gestorben – der Rückschluss, daß dies mit den Unruhen zusammenhängt, liegt nahe. Auch die schriftliche Äußerung Medves … sollte auch er [i.e. Bébé] nicht mehr am Leben sein, … geht in diese Richtung. Ganz deutlich wird der Bezug auf die damaligen Vorgänge in Ungarn aber im Mittelteil des Romans. Wie vorstehend schon ausgeführt, hat es ein Zögling gewagt, sich mittels Beschwerde gegen die (interne) Unterdrückung aufzulehnen. Was danach folgt, ist ein Schauprozess, wie sie in Ungarn nach dem Volksaufstand ebenfalls zuhauf durchgeführt wurden. Der Schuldige stand von vornherein fest, trotzdem wurden in umfangreichen Befragungen Material gegen ihn gesamamelt und er dann in Schimpf und Schande vom Hof gejagt.

Nicht zuletzt ist der gesamte Roman auch eine Parabel für ein totalitäres System (wenngleich Esterházy dazu schreibt, daß Ottlick uns nicht die parabelhafte Parabel [kein Schreibfehler meinerseits] der totalitären Systeme bietet, aber da bin ich anderer Meinung), i.e. dasjenige der Schule, die strukturell mit Befehl und absolutem Gehorsam und damit zusammenhängend mit Ungerechtigkeiten, Bestrafungen, Sanktionen etc pp arbeitet und ihre Schüler zu ebensolchen Menschen erzieht, die sich nicht mehr auflehnen und das innere totalitäre System, das von einem der Schüler aufgebaut wird, der eine Schar von Claqueuren um sich geschart hat (in die bzw. aus der er als Lob- oder Strafmaßnahme willkürlich aufnehmen bzw. verstoßen kann) und der seine Herrschaft einerseits sehr körperlich ausübt, durch Gewalt nämlich, der andererseits aber es auch versteht, ein Klima der Angst um sich herum zu verbreiten.

Ottlik läßt in seiner Geschichte ein gutes Ende zu. Letztlich übertreibt es Merényi mit seinen Aktionen und er wird dafür bestraft. Auch die vier Jahre Unterrealschule mit ihrer Unterdrückung gehen vorbei (mit Schulze ist die Personifizierung von Befehl und Gehorsam sogar schon früher verschwunden) und so wie es scheint, sind die Sitten auf der Oberrealschule deutlich gelockerter. Insofern ist der letzte Satz des Buches, die unsagbar beseligende Einsicht, daß alles, trotz allem, in wunderbarer Weise gut ist, so wie es ist, im ersten Moment verwirrend, wird aber dann doch nachvollziehbar.


Der Autor läßt seinen Roman im Jahr 1957 einsetzen, das fragliche Manuskript führt uns in die Jahre 1923 bis 1927 zurück, eine klassische Rahmenhandlung also. Die Ottlik aber schnell auflöst, deren Abgrenzungen er verwischt. Schon bald sieht sich Bébé nämlich gezwungen, Erläuterungen und Kommentare zu Medves Text zu geben, und sehr schnell verläßt er das Medvesche Manuskript und gibt seine eigenen Erinnerungen wieder.

Ich musste mir bei der Lektüre des Buches immer wieder vor Augen halten, daß es sich bei den Schülern dieser Schule an der Grenze um Jungs im Alter von elf bzw. nachher fünfzehn Jahren handelt, Kinder bzw Jugendliche also. Im Roman agieren, denken und benehmen sie sich wie Erwachsene, einzig in Schulstunden, die nicht ganz so streng verlaufen, kann man erahnen, daß hier Jungs beschrieben werden, die im Grunde ganz andere Bedürfnisse haben als die, sich militärischer Zucht auszusetzen und in einem Klima der psychischen wie der physischen Gewalt erwachsen zu werden.

Inhaltlich hört das Buch mit dem Ende der Unterrealschule auf. Nur ganz am Rande erfahren wir, daß außer dem Erzähler Bébé, der Maler geworden ist und Medve, dem Schriftsteller, beim Militär geblieben sind. Selbst Szerenyi, der Freund Bébés, ist noch im Militärdienst, obwohl er damals im Krieg in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war, einer Geschichte mit einer Frau wegen, die eine klitzekleine Nebenhandlung im Buch ausmacht.

Die Schule an der Grenze – ein zeitloser Roman, den ich sehr gerne und trotz seines Umfangs auch schnell gelesen hatte. Dazu noch als Band in Die Andere Bibliothek – eine kleine Perle im Buchregal.

Links und Anmerkungen:

[1] – Wiki-Beitrag zum Autoren: https://de.wikipedia.org/wiki/Géza_Ottlik
– Nachruf aus der ZEIT (vom 2.11.1990): Zsuzsanna Gahse: Ein Vater;  http://www.zeit.de/1990/45/ein-vater
[2] Wiki-Beitrag zu Kőszeg:  https://de.wikipedia.org/wiki/Kőszeg
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Péter_Esterházy

Bildquelle: Die Anatomie…: Rembrandt [Public domain oder Public domain], via Wikimedia Commons, gemeinfreies Werk

Géza Ottlik
Die Schule an der Grenze
übersetzt aus dem Ungarischen von Charlotte Ujlaky
mit einem Nachwort von Peter Esterházy
Originalausgabe: Iskola a Határon, Budapest, 1959
diese Ausgabe: Eichborn, Die Andere Bibliothek Band 293, HC, ca. 520 S., 2009

Advertisements

... und deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s