Christoph Peters: Mitsukos Restaurant

Kultur und Ästhetik des (feudalen) Japan haben Achim Wiese und Wolf Erben schon in der Schulzeit angetan, ein erster Versuch, ein japanisches Restaurant zu besuchen schlägt 1984 aber wegen unzureichender Finanzkraft fehl.

Ein paar Jahre später entdeckt der (mittlerweile unter anderem) Gelegenheitsschauspieler, -koch, und -gärtner Achim bei einer seiner Wanderung in den Wäldern rechts und links des Rheines ein Ausflugslokal mitten im Wald. Urdeutsche Gemütlichkeit ausstrahlend weist jedoch das Schild „Mitsukos Restaurant“ auf japanische Küche hin, die dort zubereitet wird und voller Neugier betritt Achim das Lokal. Sofort ist er von der Köchin Mitsuko fasziniert und sein in den letzten Jahren etwas in den Hintergrund getretenes Interesse für Japan wird wieder wach. „Mitsukos Restaurant“ wird in den nächsten Jahren sein Stammlokal und sogar mehr, voller Entscheidungsschwäche und Entschlusslosigkeit umwirbt er die exotische und geheimnisvolle Japanerin. Er will sie mit seinem Interesse für Japan beeindrucken, insbesondere Teezeremonie und Töpferkunst haben es ihm angetan, was dieser aber nicht sonderlich zu imponieren scheint.

Mitsuko, die Köchin, entstammt einer alten, vornehmen japanischen Familie. Mit dieser hat sie gebrochen, da sie sich den gesellschaftlichen Konventionen, die für eine Frau in dieser Schicht in Japan gelten, für sich nicht akzeptierte. Ihr Traum ist kochen und dies in ihrem eigenen Restaurant. Auf einer Europareise der Familie setzt sie sich ab und landet nach einigen Jahren und einigen Sackgassen, in die sie das Leben führte, in diesem Ausflugslokal, das sie zusammen mit ihrem neuen Partner Eugen führt.

Auch Wolf, mit dem Achim wieder Kontakt aufnimmt, der die letzten Jahre ebenso eingeschlafen war wie seine Japanophilie besucht das Lokal des öfteren, meist in Begleitung älterer Japaner. Er, der mittlerweile ein bekannter Schönheitschirurg ist, hübscht offiziell die Begleitungen der Herren auf, das gesamte Auftreten der Gruppe und Gerüchte lassen jedoch vermuten, daß mehr dahinter steckt…

Soweit der grobe Handlungsfaden, der in etwa wiedergibt, worum es in diesem Buch geht.

Man könnte den Inhalt auch so wiedergeben:

Eine Japanerin, der Geheimnisvolligkeit im wesentlichen darin besteht, daß man wenig von ihr erfährt, verfolgt den Traum, ein eigenes Lokal zu führen und gerät dabei immer an die falschen Männer. Z.B. auch an einen entschlussschwachen, schon als Schüler für Japan schwärmenden Achim, der einfach nur die Zeit verstreichen läßt, anstatt eine Chance zu suchen, solange sie da ist und nicht erst, nachdem der Zauber sich verflüchtigte. Und dann ist da noch Wolf, der schon in jungen Jahren so gut und bekannt zu sein scheint, daß sich die vornehmen, geheimnisvollen japanischen Besucher in seine Obhut begeben……

Das alles relativ langatmig ausgeführt, mit weiteren Figuren aus dem Kosmus deutscher Biederlichkeit und Stammtischseeligkeit angereichert und in die Breite gewalzt macht den Umfang des Romans aus, der mich, nachdem ich ihn dann doch beendete, unbefriedigt zurückgelassen hat…. Was wollte mir der Autor mit seinen Worten sagen? Wollte er die Unvereinbarkeit der Kulturen, der kulturellen Begegnung darstellen? Oder wollte er mit seinen Ausführungen zu manchen japanischen Themen ein Interesse für dieses Land und seine Kultur beim Leser wecken? Wollte er ausmalen, wie man sich durch die Konzentration auf vermeintliche Lebensinhalte von seinem eigenen, eigentlichen Leben ablenken kann…. ich weiß es nicht… ich weiß nur, daß ich gegen Ende des Romans froh war, es geschafft zu haben, weil ich merkte, daß ich anfing, kleinkariert zu werden, was ich immer tue, wenn ich unzufrieden bin… wie z.B. kann ein sich seit Jahren mit Japan befassender Mensch, der zu einer Teezeremonie eingeladen wird, offensichtlich überrascht davon sein, die Schuhe vor dem Betreten der Tatami ausziehen zu müssen (wäre er darauf vorbereitet gewesen, bräuchte er kaum Sorge wegen seiner möglicherweise „stinkenden Füße“ zu haben)? Ist es glaubhaft, daß ein kaum 30jähriger als Schönheitschirug schon so ein Renommée haben kann, daß….?

Eine schöne Idee ist es dagegen, die einzelnen Abschnitte des Buches durch eine Geschichte aus dem alten, feudalen Japan voneinander zu trennen, die Peters, zumindest an dem Klischee, das wir von dieser Zeit haben, gemessen, interessanter und farbiger gelungen ist, als der Hauptteil des Romans. Das diese Geschichte mit der Haupthandlung in einem Zusammenhang steht, liegt natürlich auf der Hand, aber dies tut ihrem Reiz keinen Abbruch….

Facit: „Grandios gelungen“, so wird die FAZ auf dem Cover zitiert. Vielleicht sind hier aber auch nur die Druckfahnen irgendwie durcheinander gekommen und auf irgendeinem Roman, der es verdiente, steht jetzt: „kann man lesen, muss man aber nicht“….

Christoph Peters
Mitsukos Restaurant
btb, Tb, 2011, 418 S.

7 Kommentare zu „Christoph Peters: Mitsukos Restaurant

  1. von peters habe ich in einem hauptseminar zum thema heimat „stadt land fluss“ gelesen und fand es ganz gut. „mitsukos restaurant“ habe ich angebrochen, zu öde.

    das etikett „bestseller“ betrachte ich mittlerweile als eine aufforderung, ein buch NICHT zu lesen.

    viele grüße, monika

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    1. im grunde sollte man nur auf der basis seiner persönlichen vorlieben bücher auswählen. ob nun mit prädikat „bestseller“ (kein mensch sagt, warum überhaupt…) oder ein mit preis ausgestattetes werk, gefallen muss es einem aus diesem grund noch lange nicht. wenn man aufgrund persönlicher kriterien auswählt, hat man zumindeste eine gute chance, ein buch zu bekommen, mit dem man freundschaft schließen kann….

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  2. Generell sind so lobende Etikette wie „grandios gelungen“ ja auch recht nichtssagend. Wenn auf Büchern sowas wie „das beste des Jahres…“ darufsteht, dann greife ich lieber erst gar nicht so. Wobei ich muss sagen, ich habe für ein Buch jetzt „die beste Biografie“ des Jahres als Etikett verwendet, weil es mich so berührt hat. War aber bisher auch das erste und einzige Mal

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  3. Ich kenne weder Buch, noch Autor, möchte dir aber für den letzten Absatz deiner Rezension danken: offenbar ist dies nicht der erste Fall, in dem Lobpreisungen und Verrisse verwechselt worden sind; zumindest frage ich mich bei einigen Rezensionen in gängigen Feuilletons angesichts meiner eigenen Lektüreerfahrung öfter, ob ich vielleicht ein ganz anderes Buch gelesen habe.

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    1. genau das ist das gefühl, das mich auch beschlich.. eine leise irritation, da die meisten besprechungen des Buches(siehe hier z.B. im perlentaucher) recht positiv sind. Ich habe das Werk ohne zu wissen, was mich erwartete, wegen des Themas „Japan“ (ein Interesse, das nicht auf der aktuellen Katastrophe beruht) gekauft… [übrigens scheinen die FAZ-Rezensentin von Lovenberg und ich einen sowieso gegensätzlichen Geschmack zu haben.. es ist die Dame, die die Vorstellung, eine alte Frau habe was mit einem jüngeren Mann, als eklig bezeichnete… (in ihrer Rezi zum „Nacktbadestrand“ von Vavrik, einem im großen und ganzen zwar egalem buch, das aber dann doch wegen der Thematisierung „Sex im Alter“ (sic!) interessant ist…)]

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