William P. Young: Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott

„Bin gespannt, wie Ihnen das Buch hier gefällt!“ Mit diesen Worten drückte mir meine Buchhändlerin vorige Tage „Die Hütte“ von W.P. Young in die Hand. Heute, ein paar Tage später, nach dem Lesen, kann ich die Frage im Grunde immer noch nicht beantworten und mehr als „..es ist ein seltsames Buch, ich muss da noch ein wenig drüber nachdenken…“ habe ich nicht erwidern können. In der Tat, ein etwas ungewöhnliches Buch.

huette

Fangen wir vorne an, erst einmal die Grundgeschichte. Mack(enzies) lebt mit seiner Frau und seinen Kindern ein normales Leben mit Höhen und Tiefen. Am Ende der Ferien beschließt er, mit dreien seiner Kinder noch ein paar Tage an einen Bergsee zu fahren und dort zu campen. Es sind wunderschöne Tage, auf dem Platz lernt er nette Menschen kennen und alles ist beinahe perfekt. Doch am letzten Tag kippt das Kanu, mit dem zwei seiner Kinder am Ufer unterwegs waren um und nach der aufregenden Rettung ist die Jüngste Tochter, Missy, nicht mehr da.

Die Suche nach ihr ist vergeblich und bald müssen Mack, seine Familie und seine Freunde mit der zur Gewissheit werdenden Vermutung leben, daß Missy einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Es ist eine schwere Zeit für Mack, etwas, was er die „Große Traurigkeit“ nennt, senkt sich grau und schwer über ihn. Sein Glauben an Gott, durch seine schwere Kindheit trotz religiöser Ausbildung schon angeschlagen, gerät endgültig ins Wanken. Dann findet er eines Tages im Briefkasten eine Aufforderung zu einem Treffen an „Der Hütte“, der Hütte, in der seinerzeit die letzten Spuren von Missy gefunden wurden, unterschrieben von „Papa“. Und Papa, das ist der Name, mit dem Nan, Macks Frau mit Gott redet. Itzo sind wir hier an dem Punkt, an dem es etwas ungewöhnlich wird…..

Denn in der Hütte trifft Mack tatsächlich Gott in seiner Dreifaltigkeit, eine rundliche Afroamerikanerin als Vater, einen hakennasigen Jüngling als Sohn und ein nicht zu fassendes, irisierendes Wesen als Heiliger Geist. Mithin eine Konstellation, die dem üblichen Klischee nicht entspricht….

Diese 2 oder 4, je nachdem, wie man zählt, verbringen nun das Wochenende in dieser Hütte miteinander. Gott geben sich viel Mühe, Mack ihr Wesen und ihre Eigenschaften zu verdeutlichen, ihm klar zu machen, was diese Schöpfung und speziell der Mensch für Gott bedeuten. Und auch und gerade warum Gott alles so geschehen läßt, das Gute wie das Böse, wie es geschieht. Langsam versteht Mack, was Gott mit seiner Schöpfung bezweckt, welche Absichten er verfolgt und daß letztlich alles einem höheren Zweck dient….

Es sind, daß muss ich zugeben, zum Teil sehr, sehr schöne Gedankengänge in dem Buch beschrieben. Einer der Kernbegriffe sind die Liebe und das unbedingte Vertrauen in Gott, durch die jeder Mensch Erlösung erfahren kann. Und das große Unglück für die Menschen war (und auch für Gott war das eine schwierige Situation….) die Ungehorsamkeit des Menschen, sein Übertreten des Gebotes, vom Baum der Erkenntnis seine Finger zu lassen. Damit hat er sich seine Unabhängigkeit von Gott ertrotzt und mit dieser Unabhängigkeit ist auch das Böse in die Welt gekommen. … Nun ja, es sind viele Seiten, in denen Gott versucht, die Fragen von Mack zu beantworten, und es sind (wie gesagt) einge sehr schöne Gedanken dabei. Und wenn man genügend glaubt und Vertrauen in Gott hat, kann man sogar übers Wasser gehen…..

An manchen Stellen des Buches ist eine ganze Menge Zuckerguss über die Inhalt gegossen worden, man stellt sich die Szenerie unwillkürlich als Disney-Film vor. Mack, kurzzeitig von Gott mit einer besonderen Sehgabe bedacht, sieht, wie die Menschen bunte Lichter ausstrahlen, mit denen sie kommunizieren… und ähnliches mehr. Das Übers-Wasser-Gehen rechne ich auch mal mit zu diesem süßlichen Gebrabbel…

So weiß ich immer noch nicht, ob mir das Buch gefällt oder nicht. Hätte Young nicht ausgerechnet Gott himself auftreten lassen, sondern eine Schublade niedriger gegriffen, wäre es vllt leichter, sich nur auf den Inhalt zu konzentrieren. Andererseits: vllt brauchen die Amerikaner so was, das Buch war ja drüben ein Riesenerfolg. Und da Gott sowieso seit gut 2000 Jahren schweigt und alles den Exegeten seiner alten Schriften überläßt (seltsam, das Verstummen, die Jahrhunderte vorher war er ja recht mitteilsam…), ist es zumindest mal ein netter Gedanke, ihn mal wieder zu Wort kommen zu lassen. Und wenn es nur via in den Mund gelegter Worte ist.

Facit: Interessante Gedanken in einer seltsamen Verpackung

William P. Young
Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott
ALLEGRIA, Juni 2009; geb. 304 S.
ISBN-10: 379342166X
ISBN-13: 978-3793421665

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