Françoise Dorner: Die letzte Liebe des Monsieur Armand

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Monsieur Armand ist ein alter, pensionierter, verbitterter Witwer, dem die Lebenslust abhanden gekommen ist. Er schleppt sich durch seine freudlosen Tage, hält sich mit einem streng ritualisierten Tagesablauf aufrecht. Seit seine Frau verstorben ist, vereinsamt er zusehends, seine Kinder, mit denen er sich entfremdet hat, wohnen weit weg von ihm, zu seinen alten Schülern hat der ehemalige Philosphielehrer keinen Kontakt, auch die Kontake zu seinen alten Kollegen sind sehr spärlich. Einzig eine Zugehfrau kommt regelmäßig in seine mit jetzt ungeliebten Büchern vollstehende Wohnung.

Pauline ist das Gegenteil von ihm: jung, hübsch, lebenslustig. Dabei ist auch sie vom Leben schon gezeichnet, ihre sich ewig streitenden Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen, den sie als einzige übelebte und auch ihre Männerbekanntschaften enden regelmäßig unglücklich, da ihr keine der Liebhaber Wärme und Geborgenheit geben kann, eben das, was sie im Grunde ihres Herzens braucht und sucht.

Durch einen Zufall treffen sich die beiden bei einer Busfahrt. In Monsieur Armand weckt der Anblick von Pauline sofort spontane Zuneigung, ja auch Begehren, ein Gefühl, das ihn verwirrt und verunsichert. Fortan fängt er an, seine eigene Lebenssituation mit anderen Augen zu sehen, sein schlechtes Verhältnis zu seinen Kindern, seinen trister Tagesablauf, die Eintönigkeit seines Lebens. Er versucht, Pauline, von der er ein paar dürre Angaben über ihre Arbeitsstelle hat, zu finden. Aber erst ein Zufall führt sie wieder zusammen.

Pauline ihrerseits begegnet Monsieur Armand mit völliger Unbefangenheit, er ist ihr sympathisch, erscheint ihr zuverlässig und gebildet, so ganz anders als die jungen Männer, mit denen sie ansonsten zusammen ist. Freundschaft, ja Zuneigung, entwickelt sich zu ihm, schnell auch wächst in ihr der Wunsch, Monsieur Armand in ihre „Traumfamilie“ aufzunehmen, als Großvater.

In Monsieur Armand dagegen wachsen immer mehr Zweifel, ob das Leben, das er bisher geführt hat, richtig war. In all seinen guten Vorsätzen war er offensichtlich seinen Kindern in strenger, liebloser Vater, seiner Frau ein unaufmerksamer, egoistischer Gatte, keineswegs so warmherzig und offen zu seinen Mitmenschen wie jetzt zu Pauline. Nun scheint es zu spät, dies wiedergutzumachen. So geht es in seinem Gefühlsleben auf und ab, bis er zu letztlich doch zu einer inneren Zufriedenheit gelangt, die es ihm ermöglicht, einen radikalen Schnitt zu machen und den Frieden mit seiner Welt zu finden.

Spät in seinem Leben findet Monsieur Armand die Lebensfreude wieder, aufgeweckt durch eine junge Frau. Leider läßt die Autorin ihn zwar Frieden finden mit seiner Umwelt, seinem Sohn insbesondere, aber warum sie dieses tragische Ende für ihre Hauptperson wählt, ausgerechnet jetzt, da sie wieder einen Sinn im Leben erkennt und merkt, daß sie anderen Menschen wertvoll ist, das versteh ich nicht so ganz. Ist es eine bestimmte französische Philosophie, die hinter dieser Wendung der Geschichte steckt? Ich weiß es nicht…

Es ist ein kleines Büchlein, geschrieben als imaginärer Dialog aus der Sicht von Monsieur Armand und Pauline. Eine Geschichte auch über die Kraft der Liebe, die Menschen ändern kann, über die Suche nach dem Sinn und der Freude des Lebens. Dabei nicht geschrieben als philosphisch angehauchter Text, sondern als heiter und fröhlich zu lesende Erzählung, deren Sinn jeder mit seinen eigenen Erfahrungen vertiefen kann.

Facit: Ein kleines Büchlein für einen verrregneten Nachmittag mit dem Potenzial, zum Nachdenken anzuregen

Françoise Dorner
Die letzte Liebe des Monsieur Armand
Diogenes, Dezember 2008, 144 S.
ISBN-10: 3257239033
ISBN-13: 978-3257239034

2 Kommentare zu „Françoise Dorner: Die letzte Liebe des Monsieur Armand

  1. Anders als der Autor der obigen Rezension finde ich das Ende der Geschichte absolut logisch. Ich meine außerdem, dass hier auf die leichte französische Art philosophiert wird. Man wird an den „Existenzialismus“ der ersten Nachkriegsjahre erinnert.
    Ich gehöre allerdings auch einer Altersgruppe an, in der das Verständnis für die Probleme des Monsieur Armand groß ist.

    Beim zweiten Lesen habe ich die Übersetzung ins Deutsche mitbenutzt und dabei zweierlei festgestellt:
    – Viele umgangssprachliche Wendungen sind mir neu; wahrscheinlich gab es sie zu meiner Zeit noch nicht.
    – Die Übersetzung ist sehr gut, aber der Duft des Originals fehlt in der deutschen Fassung.

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    1. nun, am alter für das verständnis soll es nicht unbedingt liegen…. ich danke dir für diesen kommentar, über den ich viel nachgedacht habe, weil darin ein grund genannt sein könnte für die allgemeinen schwierigkeiten, die ich mit französischer literatur (in der übersetzung) habe. mir fehlt – ich muss es zugeben – das wissen über diese von dir genannten philosophischen hintergründe, ich könnte mir mittlerweile vorstellen, daß diese einiges von dem, was mir oft fremd und unverständlich erscheint, erklären würden…

      „… der Duft des Originals…“: ein schöner ausdruck, danke dafür!

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