Roberta S. Kremer (Hrsg): Zerrissene Fäden

"Zerrissene Fäden" widmet sich dem Schicksal der jüdischen Mode- und Textilbranche im Dritten Reich. Nun ist Mode zwar nicht unbedingt mein Thema, aber ich wollte mir gerne wieder mal ein Bändchen aus der schönen, bibliophilen Edition L.S.D. kaufen, die von Lagerfeld, Karl gestaltet wird. Und da habe ich mir des Untertitels wegen eben diesen Band … Weiterlesen Roberta S. Kremer (Hrsg): Zerrissene Fäden

Lion Feuchtwanger: Der Teufel in Frankreich

or einigen Wochen lasen wir in meinem Lesekreis von Modick: "Sunset" [6], einen Roman über den Tag im Leben des Lion Feuchtwanger, an dem er in seinem Exil in Kalifornien die Nachricht vom Tod seines Freundes Berthold Brecht übermittelt bekam. Die Besprechung des Buches führte zu einem Hinweis auf ein kleineres Werk Feuchtwangers (seine bekannten … Weiterlesen Lion Feuchtwanger: Der Teufel in Frankreich

Edwin Geist: „Stündlich zähle ich die Tage…“

Die Reinigung unseres Kultur- und damit auch unseres Musiklebens von allen jüdischen Elementen ist erfolgt. Klare gesetzliche Regelungen gewährleisten in Großdeutschland, daß der Jude auf den künstlerischen Gebieten weder als Ausübender noch als Erzeuger von Werken, weder als Schriftsteller noch als Verleger oder Unternehmer öffentlich tätig sein darf. Die Namen der »Größen« aus der Zeit … Weiterlesen Edwin Geist: „Stündlich zähle ich die Tage…“

Ruth Klüger: weiter leben

Ruth Klüger wurde 1931 als Susanne Klüger in Wien geboren. Aus der ersten Ehe ihrer Mutter hatte sie einen älteren, in Prag lebenden Halbbruder, Ruth Klüger selbst stammt aus deren zweiter Ehe mit einem wiederum aus kinderreicher, armer Familie kommenden jungen Mann, der studiert und sich als Frauenarzt in Wien niedergelassen hat. Es ging ihnen … Weiterlesen Ruth Klüger: weiter leben

Franz Werfel: Eine blaßblaue Frauenschrift

Franz Werfel hat seine Erzählung um den erfolgreichen Karrieristen Leonidas Tachezy 1941 geschrieben und sie in das Jahr 1936 gelegt. Der "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich unter Hitler war im Frühjahr 1938 erfolgt [6], die - wie Werfel in seiner Erzählung auch schildert - vorbeugende Übernahme hitlersche Judenpolitik in dieser Zeit vor dem vollzogenen … Weiterlesen Franz Werfel: Eine blaßblaue Frauenschrift

Johannes Tuchel: Hedwig Porschütz

Einige Tausend Juden überlebten den Zweiten Weltkrieg in Berlin, Kulke [4] spricht von 1.700, die versteckt wurden, andere Quellen reden von 9.000 [7] Überlebenden. Dies zeigt zweierlei: Es war möglich, im Dritten Reich Zivilcourage und Menschlichkeit zu zeigen, und diese stille, leise, oft lebensrettende Art des Widerstands wurde auch geleistet. Viel zu wenig, in viel … Weiterlesen Johannes Tuchel: Hedwig Porschütz

Robert Bober: Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen

So hatte ich keine Erinnung mehr an meinen Vater, erinnerte mich aber an den Vater meines Bruders, der wiederum selbst keine Erinnerung an seinen Vater hatte. Bernard Appelbaum ist der Sohn von Jacques Appelbaum, der früher Yankel hieß und als solcher die Hanna Horovitz geheiratet hat. 1939 flohen sie aus dem kleinen polnischen Przytyk nach … Weiterlesen Robert Bober: Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen

Ulrike Kolb: Yoram

Carla, studentenbewegte junge Frau der "unter dem Pflaster liegt der Strand"-Epoche, reist nach Israel, um das dortige Kindererziehungssystem im Kibbuz zu studieren, denn - so nicht nur ihre Überzeugung - die kleinbürgerliche Kleinfamilie ist am Ende und die Erziehung der Kinder muss weg von Strenge und Bevormundung hin zu einer liebevollen und lernintensiven Form. Ob … Weiterlesen Ulrike Kolb: Yoram

Edgar Hilsenrath: Der Nazi & der Friseur

Es ist schon eine provozierende Konstellation, die der Autor für seinen Roman gewählt hat. "Der Nazi & der Friseur": ein makabres Rollenspiel, in dem der Max Schulz die Hauptrolle innehat. Aber der Reihe nach... Im Mai 1907 wurden in einem kleinen schlesischen Städtchen, Wieshalle, zwei Jungen geboren, praktisch gleichzeitig: der Max Schulz und der Itzig … Weiterlesen Edgar Hilsenrath: Der Nazi & der Friseur

Stanislaw Lem: Provokation

Als Band 740 erschien 1982 in der altehrwürdigen Bibliothek Suhrkamp ein kleines Bändchen mit einem Essay des polnischen Gelehrten Stanislaw Lem, in dem dieser das fiktive Werk des (ebenfalls fiktiven) deutschen Anthropologen und Historikers Horst Aspernicus: Band 1: "Endlösung als Erlösung" und Band 2: "Fremdkörper Tod" bespricht.  Von diesen beiden Bänden will ich hier kurz … Weiterlesen Stanislaw Lem: Provokation

Iris Hanika: Das Eigentliche

"Das Eigentliche", dieser Roman von Iris Hanika ist ein schwieriges Buch. Es hat keine durchgängige Handlung, vielmehr begleiten wird den Archivar Hans Frambach, Jg. 1962, ein paar Tage lang durch sein Leben, das er beruflich im "Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung" in Berlin verbringt. So wie dort ist auch der private Teil seines Lebens eher düster und … Weiterlesen Iris Hanika: Das Eigentliche

Inge Deutschkron: Ich trug den gelben Stern

Inge Deutschkron ist 11 Jahre alt, als ihre Mutter 1933 zu ihr sagt: "Du bist eine Jüdin" [8] und sie auffordert, zu zeigen, daß sie deswegen nicht weniger wert sei. Es ist verständlich, daß das Mädchen mit diesem Satz erst einmal nicht allzuviel anfangen kann. Es lebt mit den Eltern in Berlin, wächst in behüteten … Weiterlesen Inge Deutschkron: Ich trug den gelben Stern

Steve Sem-Sandberg: Die Elenden von Łódź

"... bis zum zum Jahr 1940 waren die allgemeinen Richtlinien innerhalb des [im RSHA zuständigen] Referats, die Judenfrage in Deutschland und den von Deutschland besetzten Gebieten durch eine planmäßige Auswanderung zu regeln. Als zweite Phase kam von diesem Zeitpunkt an die Konzentrierung aller Juden in Polen und den übrigen von Deutschland besetzten Gebieten des Ostens, … Weiterlesen Steve Sem-Sandberg: Die Elenden von Łódź

Peter Härtling: Felix Guttmann

Kurz nach der Jahrhundertwende wird im Jahr 1906 in Breslau Felix Guttmann geboren. Er ist das einzige Kind eines liberalen jüdischen Tuchhändlers und seiner Frau, die es zu bescheidenem Wohlstand gebracht haben. Das Reglement im Haus ist streng, der Vater ist die unumstrittene Herrscherfigur, die Mutter spielt im Leben des Jungen kaum eine Rolle, tritt … Weiterlesen Peter Härtling: Felix Guttmann

Andrzej Szczypiorski: Die schöne Frau Seidenman

Maria Magdalena Gostomska ist 35 Jahre alt, hat blaue Augen und helles blondes Haar. Die Offizierswitwe lebt allein in Warschau, es geht ihr recht gut, sie arbeitet das Werk ihres früh verstorbenen Mannes auf. So könnte es für sie im Warschau des Jahres 1943 weitergehen, begegnete sie nicht zufällig auf der Straße dem Bronek Blutmann, … Weiterlesen Andrzej Szczypiorski: Die schöne Frau Seidenman

Tatiana de Rosnay: Sarahs Schlüssel

Die Verhaftung staatenloser Juden in Paris wird von der französischen Polizei in der Zeit vom 16.7. - 18.7.1942 vorgenommen werden. Es steht zu erwarten, daß nach der Verhaftung etwas 4000 Judenkinder zurückbleiben.... bitte ich Sie dringend um Entscheidung darüber, ob diese Kinder der abzutransportierenden staatenlosen Juden etwas vom 10. Transport ab mit abgeschoben werden können. … Weiterlesen Tatiana de Rosnay: Sarahs Schlüssel

Lothar Schöne: Das jüdische Begräbnis

Es kommt keiner, dachte ich, weil es eben jüdische und christliche Erde gibt. Die einen Krumen glauben an Jesus, die anderen nicht, und die Gräser, die auf ihnen wachsen, sind entweder getauft oder beschnitten. Ich muss darauf achten, daß die Blumen koscher sind, die ich aufs Grab stelle. Ein Anruf ist es, der den Ich-Erzähler … Weiterlesen Lothar Schöne: Das jüdische Begräbnis