Deborah Feldman: Überbitten

2. September 2017


Entweder man leugnete Gott, da die Shoah selbst seine Nichtexistenz, wenn nicht sogar seine Irrelevanz bewiesen hatte, oder aber man folgte der Vorstellung, Gott sei wutentbrannt, und schickte sich an, ihn durch vollkom­mene Selbstaufopferung auf dem Altar der rituellen Anbetung zu besänftigen.

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Wenn mein Blut jüdisch ist, ist es meine Seele auch. Deshalb will ich Bescheid wissen. Ich will verstehen, wie genau das Jüdischsein mir eingeprägt ist. Was genau ist es, das ich geerbt habe? Wie kann ich die Vorstellung davon in etwas Greifbares zwingen? Die Frage, die allen Fragen vorausgeht, lautet aber:
Wie kann ich mein Jüdischsein für mich erträglich machen?


Ich stelle diese beiden Zitate aus dem vorliegenden biographischem Text Deborah Feldmans [1] meiner Vorstellung des Buches Überbitten voran. Überbitten [5] ist das zweite Buch Feldmans, ihr Erstling Unorthodox [2] war sehr erfolgreich und erregte einiges Aufsehen: die Autorin beschreibt dort ihre Kindheit und Jugend in der ultraorthodoxen Gemeinschaft der Satmarer in Williamsburg/New York. Die Satmarer sind unter ihrem Rabbi den zweiten Weg gegangen: für sie war der Holocaust die Strafe eines wütenden und zornigen Gottes an seinem Volk und ihr Weg, diesen Gott wieder zu versöhnen, ist die absolute Unterwerfung unter sein Gesetz, ist der absolute Gehorsam.

Deborah [3] Feldmann wächst bei ihren Großeltern auf, die Großmutter ist ihre bewunderte und geliebte Leitfigur, die einzige Frau in Williamburg, die einen eigenen Garten bewirtschaftet – bis dieser aufgrund strikter Anwendung biblischer Gesetze vom Großvater ruiniert wird. Ihre Muttersprache ist jiddisch, die Englischkenntnisse des Kindes sind rudimentär. Die andere Straßenseite ist für die Bewohner von Williamsburg unerreichbares, fremdes Land; Radio, Fernsehen, Bücher gibt es praktisch nicht, die Bücher, die die junge Deborah sich heimlich besorgen kann, muss sie sorgfältig verstecken.

Mit fünfzehn wird sie heiratsfähig, eine genetische Untersuchung hat dies ergeben. Die Reinheit des Blutes ist wichtig für die Satmarer, die Gefahr genetischer Krankheiten real. Feldman erwähnt eine Familie, in der von neun Kindern sieben an Muskovizidose leiden… Die Reinheit des Blutes: ein Rassismus, den wir nur zu gut kennen. Viele Jahre später sollte ein ebenfalls auf den Begriff des ‚Bluts‘ gegründetes Prinzip Feldman noch einmal erschüttern, als sie nämlich erfährt, daß das Deutschsein über das `Ius sanguinis´, also über die Abstammung definiert ist: mindstens ein Elternteil muss deutsch gewesen sein (oder es muss ihm unrechtmäßig der deutsche Pass verweigert worden sein).

Feldmann muss eine arrangierte Ehe eingehen (das Aufklärungsgespräch vor der Hochzeit, das Feldman in Unorthodox schildert, ist unglaublich deprimierend und traurig….), aus der schließlich ein Sohn hervorgeht, Isaac. Als die Zeit herankommt, daß dieser auf die erste jüdische Schule, den Cheder gehen wird, entschließt sich Feldman, zusammen mit ihrem Sohn die Gemeinschaft der Satmarer zu verlassen.

Heimlich wagt sie erste Schritte in eine völlig fremde Welt, in der sie sich überhaupt nicht auskennt, schließlich fängt sie an, Literatur zu studieren, sie zieht von Zuhause aus, mietet schließlich eine trostlose Absteige  in Manhattan, dem Bezirk von NY, in dem die liberalsten Richter wirken, will sie doch die Scheidung und vor allem das Sorgerecht für Isaac.

Damit sind wir mittendrin in Überbitten, respektive am Anfang des Textes, der einen Zeitraum von insgesamt sieben Jahren, beginnend 2009 umfasst, Feldman ist zu diesem Zeitpunkt ihrer auch äußerlichen Abkehr vom Sektierertum der Satmarer dreiundzwanzig Jahre alt.

Es ist für Aussenstehende schlicht und einfach nicht nachzuvollziehen, was für ein Unterfangen Deborah Feldman mit ihrem irreversiblen Ausscheiden aus der Satmarer Gemeinschaft eingeht.  Jede Rückkehr ist ihr unmöglich, es ist erschütternd, zu lesen, mit welchem Psychoterror die Verwandtschaft versucht, Feldman (und vielen anderen, die ebenfalls ihre Gemeinschaften verlassen) das neue Leben zum Scheitern zu bringen – nach Innen als Abschreckung für Wankelmütige, aber nach Außen wohl auch als Strafe für den ungeheuerlichen Frevel des Verrats. Letztlich ist der Terror häufig erfolgreich: viele der `Häretiker´ begehen im Lauf der Jahre Suizid, über Feldman selbst werden Gerüchte, sie habe sich suizidiert, gestreut.

Diese Intoleranz wirkt in beide Richtungen. Feldman erzählt von einer Begegnung mit einem Konvertiten, der in die Satmarer Gemeinschaft ‚eintreten‘ will. Und sie weiß, daß dies unmöglich ist, er nie als voll- und gleichwertig anerkannt werden wird. Immer wird man davon ausgehen, daß er entweder eines Tages die Gemeinschaft wieder verlassen könnte oder daß er (wie Konvertierte oftmals) zu extrem würde (ich frage mich zwar, wie das bei den Satmarern aussehen könnte…) um seine Glaubensfestigkeit zu beweisen. Aus beide Befürchtungen heraus würde ihm niemand seine Tochter zur Frau anvertrauen. Und dann wieder die oft anzutreffende Heuchelei unter den Religiösen, von der Feldman ja schon in Unorthodox berichtet hat: geschwächt durch den Einfluss von Alkohol gibt der Konvertit auf Feldmans Frage hin zu, erst letzte Woche noch einmal mit seiner Freundin geschlafen zu haben.

Williamsburg ist ein Ghetto: diese Erkenntnis ist Feldman eines Tages ganz plötzlich bewusst: ein abgeschlossener Bezirk, in den niemand hineinkommt, aus dem niemand herauskommen darf. Abgegrenzt durch geistige und religiöse Mauern, durch die Sprachbarriere, durch die Isolation von der Aussenwelt, die als mächtiger Feind und Verderber droht. Nur innerhalb des Ghettos kann die Gemeinschaft überleben, ihr Blut rein halten und den Zorn ihres Gottes zu besänftigen versuchen.

Musste Feldmann – wie jede/r andere auch – in der Gemeinschaft nur gehorchen, so war sie jetzt gezwungen, ihr Leben einzurichten. In einer Umgebung, die ihr fremd war, ohne ein Netzwerk von Bekannten, Freunden oder Verwandten, in einer Sprache, die nicht ihre Muttersprache war und last not least unter stetig angespannten finanziellen Verhältnissen. Leere ist das Wort, das diesen Zustand treffend beschreibt, es ist nichts da, was sie hält – außer dem, was in ihr selbst ist und wirkt und natürlich das Bewusstsein um ihre Verantwortung für ihren kleinen Sohn Isaac. Sie fällt auf, kennt die Codes nicht, ist – so hat man beim Lesen das Gefühl – glücklich über jedes Lächeln, das man ihr schenkt. Sie wird bestaunt und begafft wie ein Tier im Zoo: eine junge Frau, die sie getroffen hat, lädt sie zu sich nach Hause ein, in den `Bible Belt´. Dort serviert man ihr Hummer, eine nicht-koschere Speise und starrt gebannt auf sie, wie sie ihn kostet….

Die finanziellen Nöte sind nicht zu unterschätzen, Armut als Ausgrenzung: wie soll sie sich mit Kommilitonen verabreden, wenn sie für kein Geld für ein Lokal oder Restaurant hat, wo man sich treffen könnte – so wie es unter den anderen üblich ist? Das letzte Ausweg, bevor sie gezwungen wäre, die Wohnung aufzugeben, ist eine brutale Eizellenspende, die sie körperlich an ihre Grenzen bringt. Was sie von ihren Kommilitonen an der Universität unterscheidet, ist die Tatsache, daß sie einen Vertrag in der Tasche hat über ein Buch, in dem sie über ihr Schicksal berichtet. Man macht sich keine Illusionen über den Erfolg eines solchen Nischenprodukts, wen interessiert schon das Schicksal einer ehemaligen Chassidin…

Der völlig unerwartete Erfolg bewirkt dreierlei: zum einen ist die Zeit der finanziellen Sorgen vorbei, zum zweiten ist sie zur Person öffentlichen Interesses geworden, eine belastende und keineswegs schöne Situation, die sie aber drittens in die Lage versetzt, auf ihren Ehemann Druck auszuüben, der Scheidung endlich zuzustimmen. Nach drei Jahren ist sie (fast) frei… muss jedoch in einem eng bestimmten Radius um NY leben bleiben, damit die Fahrten des Sohnes zu seinem Vater nicht zu weit werden.

Feldmann und ihr Sohn ziehen in eine ländliche Gegend, was konkret heißt, in eine ländliche Umgebung, in der sich reiche Leute ihre Sommerfrische errichtet haben… Dort lebt sie recht zurückgezogen, liest viel, sehr viel, lernt radfahren, kümmert sich um ihren Sohn. Und beschließt, nach Europa zu fahren, auf den Spuren ihrer Großmutter, um ihre eigene Vergangenheit aufzudecken und der Frage: Wer bin ich eigentlich, was macht mich aus? endlich auf den Grund zu kommen.

Es gibt viele Passagen im Buch, in denen sich Feldman mit dieser Frage auseinandersetzt: mit der Unfähigkeit der Juden, Glück zu empfinden, mit dem eingeborenen Schuldbewusstsein, das durch die alleinige Tatsache der Existenz begründet ist: Sünde galt als etwas Selbstverständliches, das menschliche Wesen, das da in meiner Gebärmutter heranwuchs, war schon sündig, allein weil es existierte. konstatiert sie in der Rückschau auf ihre Schwangerschaft, bei der in einem bizarren Ritual dieser Sünde wegen Hühner geopfert werden [S. 270]


Europa, dieser Flecken Erde, auf dem das Ungeheuerliche geschah, ist so ganz anders als Amerika. Die Stimmung ist anders, die Menschen sind es, die Gesprächsthemen. Das Jüdische der Städte ist oft verschwunden oder einem touristischen Judentum gewichen, aber auch die Juden/-innen, die sie trifft, sind so ganz anders als die amerikanischen: es herrscht eine Vielfalt an Ausprägungen, die es in den Staaten so nicht gibt: offensichtlich gibt es nicht das Judentum, das Jüdischsein, sondern viele davon… und es gibt die dunkle Seite, einen immer wieder verleugneten, aber dennoch existenten, für Juden spürbaren Antisemitismus.

Sie, die Schriftstellerin, lernt Künstler kennen und über diese wieder andere, sie wächst in einen Kreis von Intellektuellen hinein. Diese Kontakte befruchten sie, geben ihr Impulse… in den folgenden Monaten und Jahren fliegt Feldman immer wieder nach Europa, eine große Tour führt sie nach Ungarn, wo sie vor Ort die Spuren ihrer Großmutter aufspüren will. Und sie kommt auch nach Berlin, sozusagen ins Herz der Finsternis. Es ist kein schöner Aufenthalt, sie ist allein, sieht alles durch die Brille der Vergangenheit..

Mittlerweile schreibt sie an einem zweiten Buch, das jedoch bei ihrem Verleger auf wenig Begeisterung stößt: zu europäisch ist es, zu sehr an der Vergangenheit orientiert, das alles interessiert Amerikaner nicht….

Das Leben in den USA, das Feldman wohl (bewusst oder unbewusst) mit europäischen Verhältnissen vergleicht, droht in eine Art Sinnlosigkeit abzugleiten. In dieser Periode kommt sie durch ein Filmprojekt nach Amsterdam und von dort noch einmal nach Berlin. Dieses Mal empfängt die Stadt sie, die sich auch geändert hat, freundlicher, offener, sympathischer… ja, die Buchläden, die vielen Buchläden hatten es Deborah Feldman besonders angetan, die schmucklose, weil nicht auf Wirkung angelegte Art der Berliner, sich zu kleiden, sich zu verhalten, die Gespräche, die sich nicht um Mode, das nächste Auto etc pp drehen… das Lob, das Feldman über die Menschen ausschüttet, ist fast schon ein wenig viel… ;-)

… und da reift er ganz, ganz langsam, der ultimative Verrat an ihrer alten Gemeinschaft, an ihrer Großmutter… der Gedanke nämlich, nach Berlin zu ziehen, der Gedanke sogar an einen deutschen Pass.

Es ist nicht einfach, da man Deutscher aufgrund der Abstammung wird und diese muss Feldman belegen. Es kommt ihr hier zugute, daß sie schon als Schülerin in den Staaten ihre Ahnenreihe aufgestellt und sie bei ihrem Weggang viele Dokumente mitgenommen hat…. trotzdem ist es kompliziert und sie braucht fachkundige Hilfe und Geduld, bis aufgrund einer völlig unerwarteten Entdeckung, die ein großes Rätsel löst, endlich der positive Bescheid kommt, am 18. April diesen Jahres 2017. Damit ist Deborah Feldman mit ihrem Text praktisch in der Gegenwart angekommen, sie ist Berlinerin, empfindet die Stadt als ihr Zuhause, was sie zum ersten Mal in der `Theokratie´ Israels so empfunden hat.

Feldmann geht zum Schluss intensiv auf ein recht aktuelles Ereignis ein, das in etwa zu dieser Zeit stattgefunden hat: der brandenburgische NPD-Politiker Marcel Zech muss für acht Monate in Haft gehen, weil er nationalsozialistische Tattoos in der Öffentlichkeit gezeigt hatte, u.a. ein Bild des Lagers Auschwitz, in dem Feldmans Großmutter überlebt hatte. Feldmann war diesem Menschen im Schwimmbad begegnet, der Anblick dieses Tattoos hat sie fast paralysiert, die Verurteilung und die Tatsache, daß die Haftstrafe nach dem Gang durch die Instanzen tatsächlich ausgesprochen worden ist, hat ihr die Sicherheit gegeben, daß dieser Staat gegen solche Verherrlichung des Nazigeistes vorgeht.


Überbitten ist ein umfangreicher Text, er umfasst ziemlich genau siebenhundert Seiten. Meine vorstehende Zusammenfassung ist also nur sehr grob und allenfalls für einen ersten Überblick geeignet. Sowieso sind Feldmans Ausführungen weniger eine Darstellung äußerer Umstände als vielmehr eine Schilderung ihrer Suche nach sich selbst, nach ihrem Kern, dem Wesen, das sie ausmacht, auch dem Jüdischen in ihr, nach der Quelle ihrer Unruhe, ihres Aufstands gegen die Gemeinschaft: der innere Weg also von einer über zwei Jahrzehnte unter konsequenter Indoktrination leidender Chassidin zu einer sich ihrer selbst bewussten, eigenverantwortlichen Frau.

Ein schwerer Weg, ein langer Weg. Alpträume begleiten sie, immer wieder ein Traum, in dem sie an der Rampe in Auschwitz beteuert, sie nicht zu selektieren. Sie sucht ihren Platz in der Welt, ist unruhig, fühlt sich verloren: man attestiert ihr, auch wenn dies nicht hilft, eine posttraumatische Belastungsstörung. Schuldgefühle toben in ihr, so insistiert ihr ihre innere Stimme, ihr sei recht geschehen, als sie eines Tages den (wie jeder Radfahrer aus eigener Erfahrung weiß) unvermeidlichen ersten Sturz mit ihrem Rad dreht. Recht geschehen, weil sie für dieses Leben nicht gemacht ist, weil sie die Gemeinschaft verlassen, sie verraten hat…. daher habe sie den Schmerz verdient, ein Zeichen ihrer Unfähigkeit, hier zu überleben. Gut so, das ist gut so. Das genau verdienst du doch, oder etwa nicht? Diese innere Stimme wütet so verheerend in ihr, daß Feldman sogar betont, d.h., es für denkbar hielte, sie habe sich (als Selbstbestrafung) nie geritzt. Die Traumatisierung ist ein Erbe ihrer Erziehung: Die chassidische Sekte, in der ich aufgewachsen war, glich einem Zusammenfluss äußerst heftiger Traumata, in deren Sammelbecken sich die jeweiligen persönlichen Erfahrungen auflösten und zu einem ununterscheidbaren Gemeinschaftstrauma gerannen. Feldman resümiert aus dieser Situation und Erfahrung, daß sie zwar ihr Leben jetzt zwar aktiv gestaltet und lebt, aber meine Gefühle hatten darin versagt, sich der Veränderung meines Lebens anzupassen. In gewisser Weise steckte mein Hirn immer noch in der Vergangenheit fest. Panikattacken, Angst, Albträume: Nichts von dem stand im Einklang mit der ruhigen und erfüllten Existenz, die ich zu leben begonnen hatte.

Zum jüdischen Pessachfest wird die Haggadah, die Geschichte vom Auszug aus Ägypten, gelesen. Es gibt dort eine Episode, in der Anweisungen enthalten sind, wie vier Söhne unterschiedlichen Charakters über den Exodus zu unterweisen sind: vom Vernünftigen, vom Bösen, vom Naiven und von einem, der nicht zu fragen versteht.

Was sagt der Böse (2. B. M. 12, 26)? Er fragt: „Was bedeutet euch dieser Dienst?“ – „Euch“, sagt er, nicht „ihm“. Da er sich aus der Gemeinschaft ausschließt, leugnet er das Grundlegende des Judentums. Mache auch du ihm die Zähne stumpf und sage ihm (2. B. M. 13,8): Für das, was G’tt für mich getan hat, als ich aus Aegypten zog. „Für mich“, aber nicht „für ihn“. Wäre er dort gewesen, er wäre nicht erlöst worden„. [4]

Feldman sieht sich als solch eine `Böse´, die außerhalb der Gemeinschaft steht, sich außerhalb der Gemeinschaft gestellt hat. Aber sie sieht sich auch in guter Gesellschaft, Baruch de Spinoza war so ein Böser, ebenso wie in neuerer Zeit Hannah Arendt… der selbstgewählte Ausschluß, der hier mit seiner Boshaftigkeit gleichgesetzt wird. … verneint ein grundlegendes Prinzip des Judentums, das der Konformität und Verbundenheit; … mit der Individualität taucht die Bedrohung des Bruchs auf, die Zergliederung. Wie lautet die einzige akzeptable Antwort gegenüber diesem bösen Sohn? Die Haggadah sagt, ihm müssen die Zähne ausgeschlagen werden. … Individualität kann nicht geheilt werden. Ganz in dieser Tradition ist also der Psychoterror zu sehen, dem die Aussteiger aus den chassidischen Gemeinschaften von eben diesen unterworfen werden, bis hin zur Frage an den Rabbi, ob deren Töten gerechtfertigt wäre.

Ist oder sieht sich Deborah Feldman noch als Jüdin? Ich habe mir diese Frage während des Lesens öfter gestellt, ganz klar beantworten kann ich sie nicht. Sie schreibt einerseits [S. 527], daß sie bei dem Versuch, ihr Leben ausserhalb der Gemeinschaft neu aufzubauen eine eigene Version dessen entdeckt [hat], was es hieß, Jüdin zu sein, eine Version, die sich ehrlich anfühlt, leidenschaftlich und echt, aber das, was ich da gesucht hatte, passte zu keiner etablierten oder annehmbaren Vorstellung, und so konnten meine Kritiker nun ausrufen, dass meine Art, Jüdin zu sein, nicht echt war. … Und doch bin ich nichts anderes als eine Jüdin; ein verbannter Jude ist immer noch ein Jude, … Dem stellt sie am Schluß des Buches [S. 695] zusammenfassend gegenüber: Ich darf heute sagen, daß der Humanismus meine Religion geworden ist, dass die Autoren der Aufklärung meine Heiligen sind, und dass in dieser Hinsicht mein Glaube noch anwesend ist und in vielen Bereichen meines Lebens stützend wirkt, aber ich bin von keiner einzigen Autorität mehr übermäßig unterdrückt. Aber möglicherweise ist dies gar kein Widerspruch, zumindest nicht für Deborah Feldman selbst, denn warum sollte sich eine Frau, die sich den Prinzipien eines aufgeklärten Humanismus verpflichtet fühlt, nicht gleichzeitig jüdisch sein? 

`Überbitten´: ein altes jüdischen Versöhnungsritual. Und Feldman hat sich versöhnt, das wird aus diesem Bericht klar. Versöhnt mit sich selbst, versöhnt mit Deutschland, aber auch milde geworden gegen die Gemeinschaft ihrer Kindheit, versöhnt auch mit ihrer jiddischkajt, die nicht mehr die der Chassiden ist, sondern die sich in Richtung eines toleranten Humanismus weiterentwickelt hat. … ich habe auf unerklärlichem Wege gelernt, dieses Land und seine Menschen zu lieben, ganz so, wie ich gelernt habe, für die irregeleiteten Menschen, die mich erzogen hatten, und ihre traumatisierten, aber wohlmeinenden Methoden Zuneigung zu empfinden. 

Überbitten ist der Bericht eines langen inneren Weges, der wohl immer noch nicht zur Gänze beendet ist. Der weiter vorstehend erwähnte Albtraum von Auschwitz, der Feldman lange Jahre immer wieder quälte, hat sich geändert, ist nicht unbedingt einfacher geworden: immer noch die Rampe, aber jetzt gehört sie mit zu denen, die Uniform der Schlächter tragen…. Aus meinen wechselnden Rollen im Traum hatte ich gelernt, dass dei Kategorien Gut und Böse nicht taugen. Ich begriff vielmehr, dass die Welt in einem ständigen Schwanken zwischen den Polen existiert. Alles kann sich jeden Augenblick ändern, und Heldentum zeigt sich nicht darin, dass man zurückblickt und sich fragt, was man wohl getan hätte.


Bei solche intensiven Bücher wie Überbitten und Unorthodox, das ich jetzt einfach noch einmal mit hinein nehme, stellt sich die Frage: Was haben diese Berichte mit mir als Leser gemacht, wie haben sie auf mich, wie haben sie in mir gewirkt? Ganz einfach ist das nicht zu sagen, möglicherweise ist auch der Abstand zu den Texten noch zu gering. Was mir auf jeden Fall deutlich geworden ist, ist die Tatsache, wie wenig man doch weiß von dieser fremden Religion und ihrer Ausübung. Wohl kenne ich den einen oder anderen jiddischen bzw. auch chassidischen Schriftsteller (wobei schon die Tatsache, daß man keine jiddischen Autorinnen kennt, bezeichnend ist), kenne Werke von Scholem Alejchem, von den Singers oder auch Bubers Erzählung der Chassidim [6]. Es sind Bilder der osteuropäischen Shetlts, aber auch aus NY (Der Kabbalist vom East Broadway) mit ihren manchmal etwas skurrilen, aber liebenswerten Figuren, der Armut, die herrscht, der Gläubigkeit und einer einfachen Alltagsweisheit, die den Figuren häufig eigen ist. Dem Bild jedoch reißt Feldman mir ihren Aufzeichnungen die Maske vom Gesicht. Wahrscheinlich sind die Satmarer extremer noch als andere orthodoxe Gruppierungen, cum grano salis dürfte die von Feldman dargestellte schuld- und sühneaffine, glücks- und sinnenfeindliche Lebensauffassung verbunden mit einer latenten Aggressivität allem gegenüber, was als Abweichung empfunden wird, allen orthodoxen Gruppen mehr oder weniger eigen sein. Will ich also die von mir gestellte Eingangsfrage nicht nur rhetorisch auffassen, so käme ich zu der Antwort, daß Feldman Schicksal in der in ihrem Büchern dargestellten Form mich desillusioniert hat, die Ahnung bestätigt hat, daß das Bild dieses Judentums, das ich aus literarischen Quellen gewonnen hatte, nicht vollständig sein konnte.


In den etwas mehr als zwei Jahren, die ich jetzt in Deutschland lebe, ist mir sicherlich auch Hass begegnet, oft aber auch der Mut von Einzelnen, die sich aus historistischer Verantwortung heraus diesem Hass entgegenstellen. Es ist die Summe dieser vielen einzelnen individuellen Taten, die mich zu der Überzeugung brachte, dass ich keinen besseren Ort hätte finden können, um mich zu Hause zu fühlen, als hierzulande.

Ich möchte zum Abschluss auf dieses Statement antworten: ich bin überzeugt, daß Frau Feldmann, die mir im Lauf ihrer beiden Bücher sehr ans Herz gewachsen ist, für Berlin im Besonderen, für Deutschland im Allgemeinen, ein großer intellektueller, aber auch menschlicher Gewinn ist. Und ich hoffe sehr, daß dieser positive Eindruck, den sie von Deutschland gewonnen hat, nicht enttäuscht werden wird.

Links und Anmerkungen:

[1] https://www.deborahfeldman.de
[2] Deborah Feldman: UnorthodoxBesprechung hier im Blog:  https://radiergummi.wordpress.com/2016/05/10/deborah-feldmann-unorthodox/
[3] die Richterin Deborah ist eine der ganz wenigen Frauenfiguren im Judentum, die von ihrer Bedeutung her Männern gleich gestellt ist:  https://de.wikipedia.org/wiki/Debora_(Richterin)
[4] http://www.hagalil.com/judentum/feiertage/pessach/video/04-banim.htm
[5] In diesem Interview erklärt die Autorin dieses jiddischen Begriffs, dessen deutsche Entsprechung im Lauf der Zeit verloren gegangen ist: https://www.youtube.com/watch?v=5-vfrO7AdxE
[6] vgl. hier meine Buchvorstellungen im Blog:  https://radiergummi.wordpress.com/tag/jiddische-literatur/

 

 

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Während der vierzig Jahre hatte ich oft an dieses bewundernswürdige und reine Mädchen gedacht, das ohne jeden Zweifel zu der Kategorie der nicht eben zahlreichen Gerechten in der modernen Welt gehört.

(Marthe Pècher, 1981, in deren kleinem Hotel Charlotte die zwei Jahre lebte, in der sie ihr Werk schuf.)

      üü

Die Künstlerin Charlotte Salomon lebte vom April 1917 bis zum Oktober 1943. Sie war Jüdin, das reichte einer wahnwitzigen, damals staatstragenden Idee, sie zu ermorden, ihren Leichnam zu verbrennen. Ihre Asche, die aus den Schornstein Auschwitz` ausgespuckt worden ist, hat die Wälder der Umgebung gedüngt; ich schreibe dies, weil ich gerade in einem anderen Zusammenhang mit einer Freundin geredet habe, die aus nämlich Grunde die Wälder um Hadamar, einer Anstalt, in der ‚lebensunwertes Leben‘ vernichtet wurde, nicht anschauen kann. An diesen Aspekt denkt man selten.

Charlotte Salomon wurde als einziges Kind in eine zur Berliner Gesellschaft gehörende Familie geboren. Ihre Mutter, Franziska Grunwald, und ihr Vater Albert Salomon hatten sich im Krieg kennengelernt. Albert war Chirurg und Franziska hatte sich gegen den erklärten Willen der Eltern als Hilfskrankenschwester gemeldet.

Als Albert um die Hand Franziskas anhielt, waren die Eltern nicht sonderlich begeistert, sie hatten sich etwas ‚besseres‘ für ihre Tochter gewünscht, aber schließlich willigten sie in die Hochzeit ein. Zu diesem Zeitpunkt war Albert die tragische Suizidserie in der mütterlichen Linie der Familie nicht bekannt, er wusste nur von der Selbsttötung der Schwester Franziskas, nach der sie später ihre Tochter Charlotte benannten.

Franziska hatte nach der Hochzeit mit ihrer Arbeit im Hospital aufgehört, ihre Aufgabe war jetzt das Führen des Haushalts und die Pflege gesellschaftlicher Pflichten. Albert Salomon machte im Lauf der nächsten Jahre eine Karriere als Arzt und Professor.

Die Tochter Charlotte wurde 1917 geboren. Die erste Zeit, der Mann war noch im Krieg und arbeitete, ohne daß Franziska dies ahnte, in einem Feldlazarett an der Front, war sicherlich trotz Kindermädchen nicht einfach, Charlotte war ein Schreikind, niemand hatte sie gefragt, ob es ihr recht sei, auf diese Welt zu kommen, und der grundsätzliche Protest dagegen weitete sich schon in ihrer Kindheit auf alle Versuche anderer Menschen aus, über ihr Leben zu verfügen.

Aber selbstverständlich gedieh das Kind, nahm zu an Alter und Vorwitz, war hinreißend altklug und eigensinnig verbockt. Ließ sich die Energie des Mädchens im Vorschulalter noch durch sportliche Aktivitäten lenken, kam es nach der Einschulung zu Schwierigkeiten. Die Lehrer beschwerten sich und beschrieben die Sechsjährige als widerspenstig, ungehorsam und trotzköpfig. Auch zu Hause wurde das Mädchen den Erwartungen, die insbesondere die Großeltern an ein Kind ihrer Gesellschaftsschicht stellen, nur selten gerecht.

Um diese Zeit muss es auch begonnen haben, daß Franziskas Leben sich verdunkelte. Nicht in der Öffentlichkeit oder Gästen gegenüber, dort nahm sie ihre Pflichten war, aber in den stillen Stunden zu Hause fühlte sie sich immer öfter wie von einer ’schwarzen Walze‘ überrollt, die sie mit einem düsteren Trauerkleid zu umhüllen begann, welches schließlich als tiefschwarze Trauergarderobe jede Farbe und alles Licht in sich aufgesogen hatte.

Auf Betreiben der Großmtter  sagten sie dem Kind Charlotte, die Mutter sei sehr plötzlich an Grippe erkrankt und gestorben, erst viele Jahre später sollte sie als erwachsene Frau die Wahrheit erfahren. Das Kind trauerte um die geliebte Mutter, zog sich zurück, wurde schwierig, einzelgängerisch, vergrätzte ein Kindermädchen nach dem anderen, die Schulleistungen waren nicht besonders. Der Vater hatte wenig Zeit bei seinem Beruf, war ratlos, was aus dem Mädchen mal werden sollte, er ahnte aber, daß sie von der Mutter eine künstlerische Begabung mitbekommen hatte. Die Großeltern Marianne und Ludwig Grunwald wollten in die Erziehung des problematischen Kindes eingreifen, sie nahmen sie mit in einen Urlaub in das Engadin. Auch dort fiel das sich langweilende Kind durch Streiche eher unangenehm auf, bis sie zufällig eine junge Frau traf, an die sie sich wie eine Klette hängte. Zwar konnte diese Marie den Regen auch nicht stoppen, aber gegen die Langeweile hatte sie ein Rezept: zeichnen und malen… hier, in der Stube des Aussiedlerhofs, mit Blick über die verregneten Wiesen in die grauen Berge hinein, hier machte Charlotte Salomen ihre allerersten Schritte hin zu ihrer Berufung….

Es dauerte ungefähr vier Jahre, bis Albert Salomon auf einer Abendgesellschaft (Veranstaltungen, zu denen er nur selten und eher ungern geht) eine Frau traf, die er näher kennen lernen wollte. Paula Lindberg war eine bekannte und gefragte Sängerin, die auf sein Werben einging. Ob dies eine Heirat (1930) aus Liebe oder von Paulas Seite aus aus einer gewissen, nicht bösartigen Berechnung, geworden war, läßt Greiner ein wenig im Dunkeln: Albert Salomon hatte einen bekannten Nebenbuhler, Kurt Singer, ein vielbeschäftiger Mann aus der Kulturszene, der spätere Gründer des Jüdischen Kulturbundes [3]. Paula Lindberg jedenfalls hatte die Befürchtung, von diesem nur für seine Zwecke ausgenutzt zu werden, falls sie ihn erhören würde. Paula und Charlotte dagegen… Paula gewann dieses Mädchen schnell lieb und Charlotte vergötterte Paula, ihre Stiefmutter. So normalisierten sich in der Folgezeit die Verhältnisse im Hause Salomon.

Was sich nicht normalisierte, sondern im Gegenteil aus dem Ruder lief, waren die politischen Verhältnisse. Charlotte war zehn Jahre alt, als sie das erste Mal den Begriff ‚Judenbengel‘ hört und ihren Vater fragte, was denn damit gemeint sei. Albert Salomon aus dieser voll assimilierten Familie sah sich gezwungen, seiner Tochter zu sagen, daß sie selbst Jüdin ist und was das überhaupt heißt, Jude zu sein…

1933, drei Jahre nach der Hochzeit, wurden öffentliche Auftritte von Juden, also auch von Paula Lindberg, geb. Levi, verboten. Im gleichen Jahr wurde dem Professor Albert Salomon die Lehrbefähigung entzogen, der schon genannte Kurt Singer gründete den ‚Kulturbund Deutscher Juden‘, hier konnte auch Paula Lindberg noch ein Weile auftreten. Charlotte Salomon verließ das Gymnasium, weil sie, die Jüdin, dort diskrimiert wurde. Zur gleichen Zeit emigrierten die Großeltern, für kurze Zeit gingen sie nach Rom; als dort die Faschisten an die Macht kamen, zogen sie 1934 weiter nach Südfrankreich.

Charlottes Besuch einer Modezeichnerschule war nicht erfolgreich, sie nahm jedoch privaten Zeichenunterricht. Im Herbst 1935 wurde sie auf Probe an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst angenommen, doch schon zwei Jahre später verließ sie die Schule wieder, weil sie als Jüdin den ersten Platz eines Wettbewerbs, den sie gewonnen hatte, nicht annehmen durfte.

Bestimmend für das weitere, kurzes Leben Charlottes sollte die Bekanntschaft mit Albert Wolfsohn werden, der als Gesangspädagoge in das Haus Salomon kam. Charlotte verliebte sich in diesen exaltierten, durch Weltkriegserlebnisse traumatisierten Mann, der zu keiner Sekunde merkte, wie sehr sich Charlotte in ihn verliebt hat und der sich ihr meist mit schmerzender Gleichgültigkeit näherte – oder eben auch nicht….

Die Lagerhaft Albert Salomons in Sachsenhausen (1938), aus der ihn Paula mit Hilfe vieler Bekannter befreien konnte, raubte die letzten Illusionen. Charlotte wurde nach Südfrankreich zu den Großeltern geschickt, dort wähnten sie die Eltern in Sicherheit. Paula und Albert wollten in die USA emigrieren und Charlotte dann nachholen, ein Plan, der nicht umgesetzt werden konnte.


In Villefranche bei Nizza sind die Großeltern bei einer Amerikanerin, Ottilie Moore, untergekommen, die auf einem großzügigen, naturnahen Grundstück lebt und dort elternlos gewordene Kinder aufnimmt. Die Großeltern haben sich sehr verändert, die Großmutter ist ängstlich geworden, hat sich in sich zurückgezogen, der Großvater grantelt und ist mit allem unzufrieden. Beide bestehen darauf, die Verhältnisse, die sie aus Berlin gewohnt waren, möglichst auch in ihrem Exil beizubehalten. Dies führt zu häufigen Spannungen und als der Großvater dabei ertappt wird, mit völliger Selbstverständlichkeit Lebensmittel aus dem Vorratsraum zu stehlen, werden die Großeltern von Ottilie Moore rausgeschmissen. Die stille, das Licht, das Meer, den Garten malende Charlotte, „die Stumme“, wie sie manchmal genannt wird, sie hätte selbstverständlich bleiben dürfen…

Als sich auch die Großmutter im März 1940 vor den Augen Charlottes das Leben nimmt, erfährt die junge Frau von ihrem Großvater das ganze Ausmass des Familienunglücks, er schleudert es ihr in einem Anfall von Furor förmlich entgegen [6]. Charlotte ist am Boden zerschmettert, bitte lass mich nicht wahnsinnig werden fleht sie Gott an. Und obendrein grummelt der Alte, auch sie solle sich doch umbringen, damit dies Geklöne endlich aufhört.

Die Stimmung der Franzosen ihren ungebetenen Gästen gegenüber wird immer negativer [2], im Sommer 1940 werden Charlotte und ihr Großvater als ‚feindliche Ausländer‘ in Gurs, einem fürchterlichen Internierungslager in den Pyrenäen, eingesperrt. Wegen der Gebrechlichkeit des alten Mannes können sie beide das Lager im Juli wieder verlassen, die Aufenthaltsgenehmigung Charlottes ist fortan jedoch an das Leben ihres Großvaters gekoppelt. Charlotte fällt in ein tiefes, tiefes Loch, auch bei ihr treten suizidale Gedanken auf. Sie greift jedoch den Rat ihres Arztes, Dr. Moridis, der eine Art väterlicher Freund für sie ist, auf und fängt das Malen wieder an, das Malen ihres Lebens… für zwei Jahre mietet sie sich in einem kleinen Hotel ein, der Belle Aurora bei Marthe Pèncher und ihrem Mann… in dieser Zeit entstehen die vielen Hunderte von Bildern, die ihr Leben beschreiben und die ihr Erbe werden sollten für die Welt, in der ihr nur sechsundzwanzig Jahre vergönnt waren.

Nachdem sie ihr Werk vollendet hat, geht Charlotte wieder zurück zu ihrem Großvater, der Anfang 1943 jedoch an einem Schlaganfall stirbt. Den Packen Bilder übergibt sie Dr. Moridis: Dies ist mein Leben. Auf dem Gelände der Villa (Ottilie Moore war 1941 in die Staaten zurückgekehrt) betreut deren ehemaliger Liebhaber Alexander Nagler, ein österreichischer Jude, letzte Kinder, zu ihm zieht Charlotte jetzt. Und ihn heiratet sie auch, er ist bei all seinen vielen Schwächen der einzige Mensch, den sie noch hat… Werden dei beiden verraten oder haben sie sich selbst ans Messer geliefert? Greiner läßt diese letzte Möglichkeit offen, jedenfalls werden die mittlerweile schwangere Charlotte und ihr Mann am 21. September 1943 von der Gestapo abgeholt, nach Drancy überführt und von dort nach Auschwitz deportiert. Charlotte wird noch am Tag der Ankunft ermordet, Alexander stirbt wenige Wochen später an Entkräftung.


Charlotte Salomon hat als Künstlerin ’nur‘ ein Werk, ein allerdings einzigartiges, hinterlassen: eine aus einem therapeutischen Malen heraus entstandene Autobiographie, die mit kurzen, in die Bilder gemalten Texten und Ausrufen ergänzt und mit Musikanweisungen versehen ist. Es sind eine Unzahl von Bildern, viele Hundert hat Charlotte zu diesem von ihr Leben? oder Theater? getauften Kunstwerk arrangiert. Sonst ist wenig/nichts (?) von ihr erhalten geblieben, die vielen Bilder, die sie im Garten der Villa Ottilies gemalt hat – verschollen. Im Eingangskapitel schildert Greiner die Begegnung der Eltern Charlottes, die den Krieg überlebten (eine bitterste Ironie, daß ausgerechnet Charlotte, die in Sicherheit gebracht worden war, von den Nazis ins Gas geschickt wurde) mit Ottilie Moore. 1947 fuhren die Eltern auf den Spuren ihrer Tochter, von deren Tod sie durch das Rote Kreuz erfahren hatten, nach Südfrankreich. Sie trafen dort auf eine alkoholsüchtige, derangierte Ottilie Moore, die vor ihren Augen Bilder Charlottes zerriss und nur bereit war, den Eltern irgendwelche Kartons, die Charlotte ihr zugewidmet hatte und die im Keller standen, zu überlassen. Nur weil Ottilie Moore den Wert dieser Bilder nicht erkannte, ist Leben? oder Theater? der Welt erhalten geblieben.

Der Name Charlottes war (und ist) sicherlich kein Bestandteil der Allgemeinbildung. Ein wenig hat sich das nach 2014 geändert, in diesem Jahr erschien der Roman Charlotte von David Foenkino [4], der von der Kritik und den Lesern größtenteils mit Lob überschüttet worden ist. Ich habe damals zu diesem Buch keinen Zugang gefunden; Foenkinos Versuch, die Art, wie Charlotte ihre Bilder mit kurzen Textzeilen kommentiert hat, auf ein ganzes Buch auszudehnen, wirkte auf mich im Endeffekt sehr holprig. Das vorliegende Buch Charlotte Salomon – Es ist mein ganzes Leben von Margret Greiner zeigt dagegen eine deutlich angemessenere, sensiblere Ausdrucksform.

Im Gegensatz zu Foenkinos Titel, der vom Verlag als Roman etikettiert worden ist, hat der Verlag Greiners auf eine Kategorisierung verzichtet, lediglich bei der Kurz-Bio der Autorin wird auf deren Spezialität der ‚erzählten Biographie‘ verwiesen. Da auch kein Nach- oder Vorwort beigegeben ist, in dem die Autorin ihr Arbeitsweise und die Grundlagen ihrer Aussagen beschreibt, steht der Leser vor der praktisch nicht lösbaren Aufgabe, zu unterscheiden, was von den Aussagen Greiners belegt ist und was sie im Gegensatz dazu ‚erfunden‘ hat. Beispielhaft möchte ich hier nur die Episode herausgreifen, in der Charlotte mit dem von ihr so geliebten Alfred Wolfsohn (im Singspiel: Amadeus Daberlohn) eine Bootsfahrt auf dem Wannsee unternimmt. Greiner läßt in ihrer Schilderung des Tages Intimes geschehen, nicht unbedingt aber Schönes, Foenkino ist sehr viel nüchterner bei der Schilderung dieses Ausflugs, aber niemand wird wohl wissen, wie der Ausflug wirklich verlaufen ist.

Amadeus Daberlohn: in ihrem Singspiel, das ihr Leben beschreibt mit den Menschen, die darin vorkommen, bekommen diese andere Namen, die teilweise charakterisierend, teilweise ein wenig lächerlich sind. Paula Lindberg, die Sängerin, wird zu Paulinka Bimbam, Kurt Singer zu Doktor Singsang, der Dirigent Siegfried Ochs (ein Gesangslehrer ihrer Stiefmutter) zu Professor Klingklang, sie selbst wurde zu Charlotte Kann, die Tochter des Arztes Dr. Kann. Den von ihr verehrten Vater wollte sie nicht mit einer frivolen Benennung ins Lächerliche ziehen. Für sie war und blieb er die Verkörperung eines Menschen, der das Gute in die Welt bringen wollte und auch im Scheitern Würde bewahrte.

Der Aufbau des Textes ist, wie bei einer Biographie sinnvoll, weitestgehend chronologisch. Weitestgehend, weil Greiner ihre Schilderung mit zwei späteren Ereignissen beginnen läßt, zum einen bezieht sich das auf die Reise von Paula und Albert Salomon 1947 nach Südfrankreich, bei der Charlottes Werk gerettet wird und zum zweiten zieht die Autorin das Gespräch zwischen der verzweifelten Charlotte und ihrem Arzt Dr. Moridis, in dem dieser ihr rät, zu Malen und sich durch´s Malen auszudrücken – und damit die Entstehungsgeschichte des Zyklus – vor.


Es gibt in der Biographie Charlottes Fragen, die offen sind, die wohl auch der Autorin, Margret Greiner, rätselhaft geblieben sind. Sie betreffen das Verhalten der jungen Frau, das an manchen Stellen ihrer so sehr gefährlichen Lage als Jüdin so gar nicht entspricht. So kommt sie eines Tages außer Atem und erschöpft in ihr Hotel zu Marthe Pècher zurück, die sie nach dem Grund fragt. Charlotte antwortet ihr, es hätte eine Aufforderung an alle Juden gegeben, sich registrieren zu lassen und so sei nach Nizza gelaufen. Marthe Pècher konnte diese Auskunft kaum fassen: zum einen erfuhr sie erst durch diese Antwort, daß ihr liebgewonnener Gast, der in allem, dem Aussehen, der Kleidung, dem perfekten Französisch einer jungen Frau vom Land glich, die in der Stadt als Dienst- oder Hausmädchen arbeitete, Jüdin war und dann diese Dummheit, die Naivität, diese…. und gleichzeitig dieses unfassbare Glück: sie saß schon im Bus, als ein Polizist sie wieder rausjagte, er hielt sie wohl für eine fälschlicherweise zur Deportation vorgesehene Französin…. und das alles geschah, nachdem sie schon in Gurs gewesen war…

Auszug aus der Deportationsliste des Transport No. 60 (Drancy – Auschwitz)
Bildquelle: [B]

Besonders rätselhaft scheint Greiner jedoch die Hochzeit Charlottes gewesen zu sein. Sie legt dem Arzt Dr. Moridis, der Trauzeuge war [5] ihre Fragen und den Zorn in den Mund: warum in aller Welt haben die beiden überhaupt geheiratet und dann auf dem Standesamt auch noch ihre richtige Adresse angegeben? Wusste man auf dem Amt bei Charlotte, daß sie Jüdin war und eine Hochzeit mit einem Nicht-Juden verboten war, so rief in diesem Moment Alexander Nagler dem Standesbeamten aus freiem Willen zu: Wir sind doch beide Juden! 

Man geht davon aus, daß die beiden (um eines Judaslohnes wegen?) denunziert worden sind, angeblich hätten die Menschen im Dorf noch nach Jahrzehnten gewusst, durch wen, aber mit dieser Eintragung in den offiziellen Dokumenten wären sie wohl auf jeden Fall verloren gewesen. Für Brunners Leute wäre es damit ein leichtes gewesen, sie zu finden…


C´ET TOUTE MA VIE [1]

Die Bilder Charlottes, insgesamt schuf sie in den zwei Jahren über 1300 Blätter, sind farbkräftig und ausdrucksstark, kombiniert mit Texten und Musik. Sie beginnen 1913 mit dem Tod der Tante, deren Namen sie trägt: 1. Aufzug, 1913. An einem Novembertage verließ Charlotte Knarre das elterliche Haus und stürzte sich ins Wasser [4156, diese vierstelligen Nummern beziehen jeweils auf die Bilder im online zugänglichen Werk, das vom Jüdischen Museum in Amsterdam bewahrt wird: http://www.charlotte-salomon.nl/collectie/thema’s/charlotte-salomon/leben-oder-theater ] und endet im Epilog mit den Jahren 1939 bis 1942 in Südfrankreich. C´ET TOUTE MA VIE. Es umfasst Charlottes gesamtes Leben, das Singspiel ist autobiographisch und es ist therapeutisch. In einigen der Blätter sind Hinweise darauf zu finden, daß auch Charlotte der Gedanke daran, alles hinter sich zu lassen, nicht fremd war. In Greiners Text sind ein paar der Guachen abgebildet, es ist jedoch sehr empfehlenswert, den Text parallel zur oben verlinkten online gestellten Bildersammlung zu lesen, da die Autorin des öfteren Bildbeschreibungen und -interpretationen in ihre Arbeit eingefügt hat, die man natürlich sehr viel besser versteht, wenn man die Bilder parallel sieht.

Bei den vierundzwanzig dem Buch beigegebenen Abbildungen sind es vor allen drei, die mich besonders erschüttern. Es sind die Verzweiflung, die Einsamkeit, die Hoffnungslosigkeit, dieses Gefühl des absoluten Ausgeliefertseins und der ebensolchen Hilflosigkeit, das in Abbildung 19 [4808] zum Ausdruck kommt: Charlotte auf dem Bett sitzend, auf den leeren Koffer starrend, den sie für ihre Flucht nach Frankreich zu packen hat…. Lieber Gott, lass mich bloss nicht wahnsinnig werden als sie den Suizid der Großmutter miterlebt [4907]. Lautlos windet sich dieser verzweifelte Aufschrei unüberhörbar aus dem Bild in die Seele des Betrachters…. aber auch der naive Traum des jungen Kindes vom Tod der Mutter, die als Engel in den Himmel schwebt, läßt einen beim Betrachten nicht unberührt [4175].

Ich habe gestern noch bei einer Blogkollegin, die mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hatte, einen Kommentar gepostet [7] und in diesem Kommentar die Formulierung gefunden, die mir gefehlt hat: ‚es ist, als ob die Bilder eine Brücke schlagen von Seele zu Seele, als ob sie einen besonders tiefen, intimen Blick in ein Geheimnis offenbaren…‘: schaue ich die Bilder an, so spüre ich tatsächlich diesen darin verborgenen Schmerz und die Verzweiflung der jungen Frau zerrt auch an mir….

Dagegen (dieser ‚Widerspruch‘ bezieht sich selbstverständlich nicht auf die Qualität der Bilder, sondern auf meine Reaktion darauf….) ist die Darstellung Der Tod und das Mädchen (nicht im Bilderzyklus enthalten) eine der schönsten zum Thema, die ich kenne und auch das etwas düstere Portraits ihres Ehemannes, Alexander Nagler, beeindruckt mich sehr….

Es gibt Bücher, die sind mehr als Texte. Für mich gehört Greiners erzählte Biographie der Charlotte Nagler/Salomon dazu. In ihrem Schicksal manifestiert sich alles Unglück, alles Unheil dieser Welt auf zwiefache Weise: diese ungeheuerliche familiäre Belastung durch die tragische Suiziddisposition in der mütterlichen Linie und den hier auf eine Person heruntergebrochenen Wahnsinn der Nazis. Das zu dokumentieren hat Greiner angemessene und einfühlsame Worte gefunden, das ist ein großes Verdienst….

…..ich selbst möchte an dieser Stelle aufhören mit Schreiben, obwohl ich noch so viel schreiben könnte, weil mein Herz voll ist von weiteren Worten, aber es ist eh lang geworden und ‚es‘ geht auch ziemlich an mich….

Ich müßte es wohl nicht noch einmal extra sagen, aber ich lege dieses besondere Schicksal jedem ans Herz und dieses Buch dazu, das – der Vollständigkeit halber sei es erwähnt – noch ein Literaturverzeichnis, eine Zeittafel und kurze Angaben über die Lebensläufe der wichtigsten Personen enthält…..


Links und Anmerkungen:

[1] siehe die online-Präsentation des Joods Kultureel Kwartier: http://www.charlotte-salomon.nl/collectie/thema’s/charlotte-salomon/leben-oder-theater

[2] Lion Feuchtwanger hat dies in seinem Buch Der Teufel in Frankreich sehr anschaulich beschrieben, Feuchtwanger selbst hat die Lager durchlebt und ist der Deportation nur knapp entkommen (Der Link führt zu meiner Beschreibung des Buches)

[3] Die Gründung dieses ‚Kulturbundes deutscher Juden‘, der später von den Nazis in ‚Kulturbund der Juden in Deutschland‘ umbenannt wurde, war dem Regime sehr recht: zum einen war es schlicht und einfach die Einrichtung eines kulturellen Ghettos, denn im Kulturbund dürften nur jüdische Stoffe von Juden für Juden adaptiert werden. Dem Ausland gegenüber konnte der Kulturbund andererseits als wohlfeiles Feigenblatt dienen. Zum zweiten galt schlicht und einfach Heydrichs Aussage (1935), daß damit sämtliche jüdischen kulturellen Aktivitäten leichter erfasst und zentral überwacht werden konnten [aus: Saul Friedländer, Das Dritte Reich und die Juden 1933 – 1939, München, 1998)

[4] David Foenkinos: Charlotte. Hier finden sich auch noch einige weiterführende Links, die ich hier nicht aufgenommen habe. Die dort noch angegebene Verlinkung zum Amsterdamer Museum hat sich leider geändert, man kommt (nur) mit den URL, die hier in dieser Besprechung angegeben sind, direkt zu den Bildern.

[5] Die Eintragung beim Standeamt ist im weiter unten aufgeführen Buch von Pollock und Silvermann abgebildet.

[6] die Texte dazu hatte ich in [4] zitiert, wer mag…..

[7] Marina Büttner: Margret Greiner: Charlotte Salomon „Es ist mein ganzes Leben“ Knaus Verlag; in:  https://literaturleuchtet.wordpress.com/2017/04/16/margret-greiner-charlotte-…/

Auch interessant:

Charlottes Leben als Oper, hier aufgeführt am Theater Bielefeld:  https://theater-bielefeld.de/veranstaltung/charlotte-salomon.html

Selbstportrait und Foto von Charlotte Salomon aus der Kunstsammlung in Yad Vashem: http://www.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/art/salomon.asp

Bildersammlung, auch mit Fotos von Charlotte und ihren Großeltern in Villefranche:  https://www.pinterest.de/pin/541909767641981714/

Bildquelle:

Margret Greiner
Charlotte Salomon
„Es ist mein ganzes Leben“
Originalausgabe: Knaus, HC, ca. 320 S., 2017

Ich bedanke mich beim Verlag für die Überlassung eines Leseexemplars.

pici

Der Autor, Robert Scheer [1] ist gebürtiger Rumäne aus Carei (1973), der Stadt, der wir auch in den Erinnerungen seiner Großmutter begegnen. 1985 emigrierte er mit der Familie nach Israel, ging dann einige Jahre später nach Deutschland und nahm schließlich die deutsche Staatsangehörigkeit an.

Im März 2014 besuchte er seine Großmutter Elisabeth Scheer in Israel, die mittlerweile neunzig Jahre alt war, um endlich ihre Geschichte zu hören. Eine Geschichte, die ganz normal im Jahre 1924 anfängt, mit einem liebevollen jüdisch-orthodoxen Familienleben, in das sich nach und nach die politisch bedingten Repressalien für Juden schoben, von denen niemand ahnte, daß sie nur die harmlosen Präliminarien einer nicht fassbaren Katastrophe sein sollten.

Elisabeth („Pici“) Scheer wurde 1924 als viertes Mädchen (nach Leona (Lulu), Ana (Anci) und Ilona (Icu) im Hause Meisels geboren. Carei, ihre Geburtsstadt, gehörte nach dem Ende des Habsburger Reiches so wie heute auch auch zu Rumänien, während  des Zweiten Weltkriegs dagegen zu Ungarn, es liegt im Grenzgebiet beider Staaten [2]. Um die Zeit der Geburt Picis gab es ca. 2000 Juden in der Stadt. Nach Pici wurde noch ein langersehnter Junge, Béluska (Bela), geboren.

Die Familie lebte nicht im Überfluß, hatte jedoch ihr Auskommen. Der Vater, Hermann Meisels, den Pici verehrt, betrieb einen kleinen Holzhandel, er muss ein sehr besonnener, ruhiger Mensch gewesen sein, der in sich und seinem Glauben ruhte. Mit den Nachbarn, obwohl katholisch, gab es keine Probleme, man respektierte sich gegenseitig.

Pici erinnert sich, daß sie das erste Mal mit ihrem Judentum im Alter von fünf Jahren konfrontiert worden ist, ein Knabe schrie ihr auf der Straße „Jude, Jude“ hinterher. Das Mädchen ging gerne in die deutsche Volksschule, lernte gut, sehr gut und war ehrgeizig. Im Schuljahr 1934/35 wurde sie als Jüdin jedoch von der Schule verwiesen und musste auf die rumänische Schule gehen, wo sie die Sprache nicht verstand. Es waren bittere Zeiten für das Mädchen, aber Pici biss sich mit viel Willensstärke durch. Um diese Zeit tauchte der ‚Volksbund‘ im Straßenbild auf, in schwarzen Uniformen mit Ledergürtel und um die Brust führenden Lederriemen stolzierten die Jungens durch die Stadt.

Nach der Schule musste dem Mädchen aber, auch aus finanziellen Gründen, einen Beruf zu lernen, ein weiterführender Schulbesuch war ihr nicht möglich: sie wurde Näherin. In den Jahren 38/39 nahmen die Repressalien weiter zu. Es wurden Berufsverbote für Juden ausgesprochen, der Vater musste seinen Handel mit Holz einstellen, auch die Schwestern konnten ihrem Beruf nicht mehr nachgehen. Für die Familie wurde das tägliche Auskommen damit immer schwieriger. Im Herbst 1940 wurde Carei ungarisch, viele Rumänen flohen, manche empfangen die Ungarn mit Freuden. Im Hause Meisels quartierte sich der Hauptmann der ungarischen Truppen ein, ein unangenehmer Mensch, für den die Bewohner des Hauses nicht existent waren.

Bis zum 2. Mai ´44 konnte Pici als Näherin arbeiten, am nächsten Tag, dem 3. Mai, mussten die Meisels ins Ghetto Carei. Wir packten einen Koffer mit Kleidungsstücken für sechs Personen, ein wenig Lebensmittel, in ein Laken waren Federbett und Kissen gewickelt. Für die meisten der nicht-jüdischen Bewohner Careis schien die Vertreibung der Juden ein freudiges Ereignis zu sein, nur wenige zeigten Mitgefühl.

Nun erzähle ich dir, wie es ist, drei Tage in einem Viehwaggon zu verbringen, in dem siebzig Menschen eingeschlossen sind. Männer, Frauen, Kinder und Babys. Juni-Schwüle. Ohne Wasser. Ohne Luft. Ein Eimer mit Trinkwasser. Der zweite Eimer dient als Toilette. Wir fuhren ins Ungewisse. Damit habe ich das Wesentliche gesagt. Ziel des Transports aus Carei war das Ghetto Satu Mare [3], ca. 17-18.000 Juden wurden hier in zwei Straßenzügen eingepfercht….

Es fällt Pici schwer, weiter zu erzählen. raus, weiter, schneller, los, los.. mit diesem Geschrei wurden sie im Juni ´44 aus den Waggons getrieben. Drei der Schwestern, Icu, Anci und sie selbst, blieben zusammen, von Mutter und Vater wurden sie getrennt: sie waren in Auschwitz angekommen. Immer noch war die grausame Realität nicht durchgedrungen: die glatzköpfigen Skelette, die sie hinter dem Stacheldraht um Essen betteln sehen, widern sie an, und sie dachte mit Anerkennung an die Deutschen, die diese kahlköpfigen Wahnsinnigen eingesperrt hatten. Dies erinnert an eine Szene, wie sie auch Kertész in seinem Roman eines Schicksallosen [6] schildert: auch hier dünkten dem Erzähler die Jammergestalten hinter dem Zaun als so erbärmlich, daß er davon ausging, sie seien ja wohl zurecht eingesperrt worden…

Auf einmal fragten Hunderte, wo ihre Familienangehörigen seien. „Dort im Himmel. Im Rauch.“ … Aber wir glaubten nicht. Wollten nicht glauben.

Der Hunger ist ein großer Herr!

Immer wieder der Gedanke, sich selbst zu töten, zu erlösen: die zwei Schwestern reden ihr dies aus. …. Pici und ihre Schwestern durchleiden das gesamte Grauen eines Nazi-KL, den Hunger, die Schikanen, die stundenlange Appelle, die Schläge, Krankheiten, Verletzungen, Angst, Schrecken, Mutlosigkeit, Verzweiflung und den immer gegenwärtigen Tod… Pici entgeht den Selektionen, sie wird in verschiedene andere Lager zu teilweise grotesken Arbeitseinsätzen deportiert. Unter anderem war sie im KL Walldorf. Offensichtlich gehörte sie zu den 1700 von der Organisation Todt angeforderten Zwangsarbeiterinnen, die dort am Ausbau des Flughafens eingesetzt wurden [4].

Ich konnte die Tage nicht mehr auseinander halten, nur so, dass an einem Tag dies und an einem anderen Tag jenes geschah. Aber immer waren wir sehr hungrig und froren. Das Lager Ravensbrück [5] im Winter, ein großer Schritt Richtung gänzlicher Untergang. Keine Baracken, in der Dezemberkälte hausten fünfzehnhundert Menschen in einem Zelt auf einem Steinboden….

Während Picis Schwestern die Lager nicht überlebten, kam sie selbst noch nach Rechlin und von dort aus in einem Todesmarsch nach Malchow. Anfang Mai ’45 zeigten sich deutliche Auflösungserscheinungen bei den Deutschen, als Bewachung wurden entweder Halbwüchsige oder Alte eingesetzt, weggeworfene Uniformteile lagen in Straßengräben… am 9. Mai versetzte die Überlebenden die Sirene „Fliegeralarm“ noch einmal in Angst und Schrecken, doch diesmal verkündete sie das Ende des Krieges.

Pici hat das Grauen dieses einen Jahres als einzige der Familie überlebt, sie selbst war schwer erkrankt. Auf dem Heimweg nach Carei lernte sie Izidor Scheer kennen und lieben. Ihr Sohn wurde am 25. Dezember 1946 geboren.

Nach dem Erzählen war sie erschöpft, sie schloss die Augen und fiel in einen tiefen Schlaf. Sie hatte sich viel von ihrer Seele geredet.


Pici. Erinnerungen an …. ist ein besonderes Buch, das aus dem Stil anderer Erinnerungsliteratur herausfällt: es ist sehr persönlich. Der Autor, Robert Scheer, behält den Charakter seiner Gespräche mit Pici auch in der Schriftform bei. Er streut seine Fragen an die Großmutter in die einzelnen Passagen mit ein, auch seine Lenkung der Erzählungen („Erzähl nun etwas über deine Mutter.“) und ebenso die Reaktion seiner Großmutter auf die Erinnerungen, die mit ihrer Schilderung wieder wach werden, ihr vor Augen treten. Nicht alles ist für sie einfach zu erzählen: Jetzt kommt das, wovor ich solange ausweichen wollte, wie nur möglich. Es wird aber auch deutlich, daß das Reden ihr offensichtlich Erleichterung schafft: …. ich spüre, ich sollte über jeden Schrecken berichten, vielleicht kann ich mich auf diese Weise davon befreien.

Wie ungeheuerlich die Ereignisse damals für die junge Frau gewesen sein müssen, kann man daran erkennen, daß sie sich teilweise gar nicht mehr daran erinnern kann: Ich kann mich nicht erinnern, wie wir vom Ghetto in Carei zu den Viehwagons gelangten, wo wir eingestiegen sind, wie wir gereist sind. Ich weiß nicht, wo wir ausgestiegen sind und ich kann mich nicht daran erinnern, auf welchem Weg wir nach Satu Mare hineingelangt sind. Bis heute fehlen mir diese Erinnerungen. ….

Der Schrecken der Konzentrationslager im Dritten Reich ist mittlerweile bekannt und gut dokumentiert, ebenso wie die damit zusammenhängenden Deportationen, Vertreibugen, „Arisierungen“ etc pp. Details, die möglicherweise noch bekannt werden, ändern das grauenhafte Gesamtbild wohl nicht mehr, obwohl sie manchmal schon erstaunen. Daß in Lagern, so erzählt Pici, nachts zeitweise Schallplatten abgespielt wurden, auf denen wütendes Hundegebell und das Gehgeräusch von Männer in Stiefeln zu hören waren, was in der Dunkelheit der Nacht die Frauen in Angst und Schrecken versetzte, war mir beispielsweise unbekannt.

Dessen ungeachtet hat dieses Erinnerungsbuch an die Leiden von Elisabeth Scheer seine Berechtigung. Jedem, der damals unter dem Terror des Regimes leiden musste und nur ganz knapp dem Tod entkommen ist (und die Ermordeten sowieso) hat das Recht darauf, daß wir seine Geschichte anhören, daß wir ihm die Stimme, sie zu erzählen, zubilligen, daß wir nicht in die manchmal zu hörende reflexartige Ablehnung: „nicht schon wieder, es reicht…“ verfallen. Auf diese Weise erhält Pici etwas zurück, wenn man es so will, nämlich die Würde, die man ihr damals nehmen wollte. 

So erreichen Pici und Robert Scheer dreiererlei: eine Schilderung des Lebens einer jüdischen Familie im Rumänien vor dem 2. Weltkrieg, eine Dokumentation des Grauens, das Pici überlebte und last not least wird die Erinnerung an einige Menschen, die in Picis Leben wichtig waren und die fast alle ermordet worden sind, lebendig gehalten: den Vater Hermann, die Mutter Gizella, die Schwestern Anci, Icu und Luluka mit ihrer Tocher Zsuzsika sowie an den Bruder Béla. Aber auch an Nachbarn, Schulkameradinnen und Freude wird erinnert, ebenso an Leidensgenossinnen in den Lagern….

Pici. Erinnerungen … ist ein zutiefst menschliches Buch auch über Unmenschliches, in dem wir eine bewundernswerte Frau kennen lernen, die sich nach dem Grauen des Krieges und der Lager ein neues Leben aufgebaut hat und hier kurz vor ihrem Tod im vergangenen Jahr 2015 ihrem Enkel ihre Geschichte als Vermächtnis anvertraut und hinterlassen hat.

Ergänzt wird ihre Geschichte durch viele Familienbilder und weitere Dokumente, sowie durch ein Nachwort der Verlegerin

Links und Anmerkungen:

[1] Website des Autoren: http://robertscheer.de
Facebook-Seite des Autoren: https://www.facebook.com/robert.scheer.3572
[2] Wiki-Beitrag zu Carei: https://de.wikipedia.org/wiki/Carei
[3] englische Wiki-Seite zu Satu Mare: https://en.wikipedia.org/wiki/Satu_Mare_ghetto
[4] vgl. z.b. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/KZ-Außenlager_Walldorf und
hier: http://www.kz-walldorf.de
[5] vgl. z.B. hier: http://www.ravensbrueck.de, hier: https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Ravensbrück oder hier: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/ravensbrueck/
[6] Imre Kertész: Roman eines Schicksallosen, Buchvorstellung hier im Bloghttps://radiergummi.wordpress.com/2010/01/04/imre-kertesz-roman-eines-schicksallosen/

Robert Scheer
Pici. Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück
Übersetzt aus dem Ungarischen von Robert Scheer
diese Ausgabe: Marta Press, Softcover, 228 Seiten, 33 Abbildungen, 2016

Ich danke dem Verlag für die Überlassung eines Leseexemplars.

Schickse

Seit dem 17. beziehungsweise 18. Jahrhundert bezeugt; ursprünglich die westjiddische Bezeichnung für „Christenmädchen“, sowie im Gegenzug dazu wohl in Sprachformen mit Kontakt zum Jiddischen „Judenmädchen“; zum andern ist das Wort im Rotwelschen zu „Mädchen, Frauenzimmer“ verallgemeinert worden, woraus sich wohl die abwertende Bedeutung „Flittchen“, die zuerst in der Studentensprache aufkam, herausbildete; das jiddische Wort שיקסע‎ (YIVO: shikse) ist eine Femininbildung zum westjiddischen שײגעץ‎ (YIVO: sheygets) ‚Christenbursche; Schimpfname für einen jüdischen Burschen‘, welches auf das hebräische שָׁקֵץ‎ (CHA: šāqēṣ) ‚Abscheuliches; Gräuel‘ zurückgeht; das Femininum hat jedoch wegen der christlichen Dienstmädchen in jüdischen Familien eine erheblich größere Rolle gespielt. [1]

Ich kann mich noch an meine frühe Kindheit erinnern, ich weiß noch, daß mein Vater diesen Ausdruck (wie auch andere aus dem Jiddischen oder Rotwelschen) verwendete. Ob dies abwertend war oder neutral einfach für ein junges Mädchen/eine junge Frau, kann ich nicht mehr sagen. Im Sprachgebrauch selbst habe ich „Schickse“ schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gehört, wieder begegnet ist mir der Begriff erst wieder in Meyers Roman über Wolkenbruchs wunderliche Reise… [4], die ich hier vor kurzem ebenfalls vorgestellt habe und die mich letztlich auch zu diesem Roman von Dominique Valentin führte.


schickse cover

Ich habe eben den Roman von Thomas Meyer erwähnt. Auch bei Valentin geht es wie in seinem Buch um das grundlegende Problem, daß sich ein jüdischer Mann in eine goje, eine Schickse, ein nicht-jüdisches Mädchen bzw. Frau verliebt. In beiden Schicksalen führt diese Tatsache zu einem Bruch mit der Familie, in beiden Fällen jeweils über die Mutter. Mag der (sexuelle) Kontakt eines Juden mit einer Nichtjüdin unter Umständen, wenn es diskret läuft, noch tolerabel sein (der Mann der Mutter, der eigentlichen Hauptperson in Valentins Buch, selbst hat im Lauf der Jahre diverse christliche Frauen, zu denen er geht), stellt die Absicht, sie zu heiraten, einen absoluter Bruch dar: die Kinder aus dieser Ehe wären keine Juden mehr, dann das Jüdischsein wird über die Mutter auf die Kinder vererbt.

Die Schickse ist ein autobiographischer Roman, Dominique Valentin ist diese Schickse, die Hure, die mit ihrem Geschlecht Moses eingefangen hat, eine zweiundreißigjährige alte Jungfer, die kein Goj haben wollte und die mit ihren Schlichen ihren zarten Jungen eingefangen hat – so die Mutter von Moses in einem Brief an ihren Sohn. Wir werden nie eine Schickse akzeptieren: im Namen deiner toten Familie, im Namen der Unschuldigen, die zerstückelt und verbrannt worden sind, weil sie Juden waren. Laß deine Eltern und dein Volk nicht im Stich. Es ist eure Pflicht, eine jüdische Generation aufzubauen.

Ein wenig führt die Kategorisierung des Klappentextes „autobiogaphischer Roman“ in die Irre: Dominique Valentin tritt selbst nur selten in Erscheinung, das meiste über sie erfahren wir noch über die Ermittlungsergebnisse des Privatdetektivs, den die Mutter auf sie ansetzt, um im letzten Moment die Hochzeit zu verhindern. Erst ganz spät im Buch erscheint sie auch als „Ich“-Erzählerin. Valentin ist die indirekt Hauptperson des Buches, sie steht in direkter Konkurrenz zur Mutter ihres Geliebten Moses, beide kämpfen um ihn, als Frau die eine, als Mutter und Jüdin die andere.

Valentin bemüht sich, die Motivation ihrer Feindin, anders kann man das Verhältnis von Seiten der Mutter aus nicht bezeichnen, zu verstehen. Nie erfahren wir den Namen der Mutter, sie ist immer nur die Mutter von Moses, genauso wie der Vater immer nur der Vater von Moses ist. Anders dagegen verfährt Valentin mit anderen Verwandten, der Onkel Klein-Moses lebt mit seiner Familie in den USA, die Tante Sarah lebte in direkter Nachbarschaft zu Moses´ Familie.

Das Leben hat die Mutter von Moses hart gestraft. Der Vater wurde von einem der ersten Autos, die es in Lodz gab, überfahren. Vor den Nazis floh die Familie nach Osten, dort wurde sie, noch ein Mädchen, mit einem Mann verheiratet. Mit zugebissenem Mund ertrug sie fortan für ihr ganzes Leben das, was man wohl eheliche Pflicht nennt. Beide, Mann und Frau, waren nicht imstande, sich zu lieben. Ein einziges Mal in ihrem Leben war der Mann zärtlich und liebe(voller), ein einziges Mal breitete sich so etwas wie Wärme in ihrem Bauch aus… Drei Kinder brachte sie zur Welt, Moses war der mittlere der drei Jungs.

Mutter und Vater überlebten den Krieg, andere, viele, Familienmitglieder dagegen nicht. Nach dem Krieg hatte der Vater großen geschäftlichen Erfolg. Auch ohne Schulbildung schuf er mit seinem Instinkt ein großes Vermögen mit Immobilien, ausgehend von Frankfurt expandierte er z.B. auch in die USA. Dort war sein Schwager Klein-Moses sein Statthalter. Geld jedenfalls war im Überfluss vorhanden.

Schuf der Vater ein geschäftliches Imperium, so war das der Mutter ein Netzwerk des Hasses, des Misstrauens, der Bespitzelung. Sie, die nie Liebe empfangen hatte, konnte auch keine geben. Einzig, wenn die Kinder krank waren, kam so etwas wie Fürsorge in ihr zum Vorschein. Wenn jemand in dieser Familie lieben konnte, war es Sarah, die Tante der Jungs.. ein unglückliche Liebe ist es, die das Leben der ledig bleibenden bestimmte…

Dominique Valentin versucht als verhasste Geliebte ihres Sohnes den Charakter von dessen Mutter zu verstehen, nachzuvollziehen, wie sich ihr Leben zu solch einem Ergebnis formte. Natürlich – die vielfachen Traumatisierungen der Kindheit, der frühe Tod des Vater, der Holocaust, der soviele Familienmitglieder verschlang, die unglückliche Hochzeit mit den lebenslang erfolgenden „geduldeten“ Quasi-Vergewaltigungen hat aus dem resoluten, lustigen, feurigen Mädchen eine verbitterte Frau gemacht, die ihr Leben lang schwieg. Als ihr durch den Reichtum nach dem Krieg die Möglichkeiten gegeben waren, kompensierte sie diese Traumatisierungen, diesen absoluten Vertrauensbruch in das, was das Leben zu bieten hat, auf zwei Arten: durch den Aufbau einer absoluten Kontrolle über alle Menschen, mit denen sie zu tun hatte und dadurch, daß sie das Jüdischsein zum Absoluten erhob. Die Erhaltung und der Fortbestand der Juden war für sie das, dem sich alles unterzuordnen hatte.

Die Kontrolle, die die Mutter ausübte, war absolut. Immer wusste sie Bescheid, fand sie Zuträger und Informanten, die sie über die Vorgänge draußen, bei Moses und seiner Schickse in Kenntnis setzten: es war Sache des Preises. Selbst in den USA war ihr Einfluss auf ihren Onkel beherrschend. Sie war der (fast) unangefochtene Tyrann der Familie. Fast – denn an den Rändern franzte es aus. Schon der jüngste der Söhne, der ungewollte und ungeliebte Willy, war mit einer Christin zusammen und damit verstoßen; auch Moses entzog sich ihrer Kontrolle, je älter er wurde, immer mehr. Und in den USA verstand es die Schickse sogar, beim Besuch des Onkels in New York durch einen zündenden Witz die Atmosphäre soweit aufzulockern, daß sie nicht mehr wie durchsichtig behandelt wurde.

Trotz nahezu verzweifelt anmutender Bemühungen konnte die Mutter von Moses die Hochzeit von Moses und seiner Geliebten nicht mehr verhindern. Schwiegermutter und Schwiegertochter wechselten nie ein Wort, begegneten sie sich selten bei (wenigen) Familienfeiern der Brüder, zu denen Moses und sie im Lauf der Zeit dann doch eingeladen wurden, ignorierte die Mutter von Moses die Anwesenheit ihrer Schwiegertochter mit zusammen gepressten Lippen und hoch erhobenem Haupt. Der Vater von Moses dagegen war bei einem offiziellen Termin, an dem der Sohn ihm die Schwiegertochter vorstellte, sogar gezwungen, ihr die Hand zu geben. Wenigstens wechselte er noch ein paar Worte mit seinem Sohn….

pars pro toto: das individuelle Problem, das die Autorin hier schildert, kann ohne große Verfälschung verallgemeinert werden, handelt es doch von den Problemen des Zusammenlebens von Juden, die den Holocaust mit- und überlebt haben und Nicht-Juden. Selbst wenn sich das Verhältnis in den letzten Jahren entspannt hat, ist es sensibel, die Probleme, die auftreten, wenn israelische Politik (insbesondere von Deutschen) kritisiert wird, sind bekannt.

Ein erschütterndes Schicksal entfaltet sich in Dominique Valentins autobiographischem Roman. Eine Überlebende des Holocaust, die ihr Leben lang an den seelischen Verletzungen zu tragen hatte und den Widrigkeiten des Lebens zuvor kommen wollte, in dem sie alles unter ihre Kontrolle brachte. Sie machte den anderen damit das Leben zur Hölle, das Kind Moses kann einem leid tut, liest man von den Folgen, die die Lieblosigkeit der Mutter bei ihm zeitigte und von denen die Autorin berichtet.

Natürlich interessiert, wer dieses Familie war, die in Frankfurt (und anderswo) so beherrschend und wichtig war, man könnte es sicher aus Angaben des Buches, die an mehreren Stellen sehr konkret sind (Moses war/ist Theatermensch, es sind Daten angegeben, wo und wann er welche Stücke inszeniert hat, die Rezensentin in der SZ hat seinerzeit auch die Identität genannt) ermitteln. Aber letztlich ist es nicht wichtig. Interessanter war und ist für mich die Frage, warum Dominique Valentin dieses Buch geschrieben hat. Ihre Schwiegereltern sind beide tot, mit dem Begräbnis ihrer Schwiegermutter endet die erzählte Familiengeschichte im Buch. Mit dem überwiegenden Rest der Familie, so habe ich es gelesen, herrschte zumindest ein friedliches Nebeneinander.

Aber wie tief müssen die Verletzungen gewesen sein – oder noch sein -, die der Hass der Mutter von Moses bei ihr hervorgerufen haben. Wie tief auch ihr Gefühl, ihre Liebe für Moses, an dem sie trotz aller Widrigkeiten festhielt… Daß sie sich nicht auch in Hass flüchtete, sondern versuchte, das Schicksal ihrer „Feindin“ zu ergründen, hat sicherlich dabei geholfen, einen Teil des Schmerzes abzufangen. Musste der andere Teil durch diesen Schrei hinaus in die Öffentlichkeit geheilt werden? Eine Art Karthasis also? Wehleidig oder selbstmitleidig ist Valentins Schilderung dagegen nie, sie selbst, ich sagte es, tritt auch erst spät in Erscheinung, ein großer Teil des Textes bemüht sich, ein Bild vom Leben der Mutter und der Familie zu zeichnen.

Zur reinigenden Karthasis, dem Schrei in die Öffentlichkeit, würde der Stil des Romans (man muss sich immer wieder vergegenwärtigen, daß es sich um einen Roman handelt, der eine Bearbeitung realer Gegebenheiten wiedergibt) passen: wie in einem einzigen Guss auf´s Papier gebracht wirkt der Text, kaum gegliedert, Rückblenden und Gegenwart gehen zum Teil nahtlos ineinander über. Dies passt hervorragend zur Arbeitsweise unseres Gedächtnisses, das sein Erinnerung ja auch nicht chronologisch, sondern in „Happen“ abspeichert, die dann wieder zusammengesetzt werden zu einer Geschichte [3]. Exakt so liest sich der Text, der sehr fesselnd ist, der mitnimmt, gefangen hält, der anschaulich und farbig ist, der erschüttert, entsetzt und von einem großen Erzähltalent kündet: so überrascht es nicht, wenn ich Die Schickse voller Überzeugung empfehlen kann. Leider habe ich von Dominique Valentin keine weitere (ins Deutsche übertragene) Arbeit mehr gefunden, das ist wirklich schade.

Links und Anmerkungen:

[1] aus: https://de.wiktionary.org/wiki/Schickse, dort sind auch die entsprechenden Quellenangaben zu finden
[2] Webseite der Autorin: http://www.dominiquevalentin.com/index_accueil.php
[3] dazu ist im Spiegel (in anderen Zusammenhang zwar) ein verständlicher Beitrag gewesen, in dem die Funktionsweise des Gedächtnisses anschaulich erklärt wird
[4] Thomas Meyer: Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse; Besprechung hier im Blog

die grün unterlegten Stellen sind (u.U. grammatikalisch angepasste) Zitate aus dem Buch.

Dominique Valentin
Die Schickse
Übersetzt aus dem Französischen von Eva Moldenhauer
Originalausgabe:
diese Ausgabe: Schöffling & Co, HC, ca. 206 S., 1996

Klepper marke

Sondermarke zum 50. Todestag Jochen Kleppers 1992 Bildquelle [B]

Das „eigentliche“ Lutherjahr [3] ist ja erst nächstes Jahr, 2017, in dem sich zum 500. Mal der Anschlag der Thesen an das Portal der Schlosskirche in Wittenberg jährt. Kein Grund natürlich, nicht 2016 auch schon im Umfeld dieses Jubiläums zu begehen (Stichwort: Lutherdekade), offiziell mit einem Themenjahr Reformation und die eine Welt [4]. So ganz passt das Buch, welches ich jetzt vorstellen möchte, nicht in das Thema dieses Jahres 2016, aber wie gesagt, die Feierlichkeiten ziehen sich ja sowieso über eine ganze Dekade hin…

Die Flucht der Katharina von Bora von Jochen Klepper (ich gehe einfach davon aus, daß jeder weiß, daß Katharina die Frau von Luther, die Lutherin [2] also, war) ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen ist es kein vollständiger Roman, sondern das Fragment eines größeren Werkes, das der Autor nicht mehr vollenden konnte. Jochen Klepper, der, so wie ich mutmaße, wohl nur noch Fach- und Kirchenleuten [5] bekannt ist, hat sich zusammen mit seiner jüdischen Frau und seiner jüdischen Stieftochter am 11. Dezember 1942 suizidiert. Die Zwangsscheidung stand unmittelbar bevor und damit die Deportation der geliebten Menschen in ein Konzentrationslager. Die zweite, ältere Stieftochter konnte rechtzeitig nach England fliehen.

Jochen Klepper hat ein Tagebuch geführt, das auszugsweise wieder gegeben ist. Hier sind sowohl seine vorbereitenden Arbeiten für den geplanten Roman Das ewige Haus beschrieben als auch der Kampf um das (Über)Leben der Familie. Sicherlich gibt es heute aktuelle Literatur zur Person Katharina von Boras, zur Zeit Kleppers war dies den Angaben Kleppers zufolge nicht der Fall, mühsam sammelte und recherchierte der Autor Material für seinen Roman. Die Arbeit daran wurde u.a. durch eine Einberufung zum Wehrdienst unterbrochen, nur ein paar Monate nach Einberufung Ende 1940 wurde Klepper jedoch, weil er mit einer Jüdin verheiratet war, wegen „Wehrunwürdigkeit“ unehrenhaft aus der Wehrmacht entlassen. Er nahm die Arbeit an seinem Roman über Katharina wieder auf, sie gab seinem Leben einen Halt (Es ist seltsam: Während ich keines neuen Kirchenlieds mehr fähig bin, glaube ich, ließe man mir von aussen ein wenig Ruhe, Das ewige Haus wie aus einer unauslöschbaren Erinnerung schreiben zu können. Es ist eben so, daß das fremde Leben Katharinas völlig in mir dominiert. (31. Jan. ´42)) , denn die äußeren Bedingungen für die Familie wurden immer schlechter.

10. 12. 1942

Nachmittags die Verhandlung mit dem Sicherheitsdienst.

Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott -,
wir gehen heute nacht gemeinsam in den Tod.
Über uns steht in den letzten Stunden das Bild
des segnenden Christus, der um uns ringt.
In dessen Anblick endet unser Leben.

Zwar konnte Klepper in der ersten Zeit noch durch direkte Kontakte mit Frick, dem damaligen Innenminister, erreichen, daß für seine Frau und Stieftochter Ausnahmegenehmigungen (Befreiung von Auflagen für Juden) galten, als jedoch Frick die Zuständigkeit für das Sachgebiet entzogen und auf die Gestapo übertragen worden war, verschlimmerte sich die Lebensituation dramatisch. Für kurze Zeit gab es noch einmal Hoffnung, da sich die Möglichkeit der Emigration der Stieftochter zumindest, vllt auch der Ehefrau, nach Schweden eröffnete. Eichmann selbst deutet wohl an, die Möglichkeit einer Ausreiseerlaubnis zu überdenken. Als er diese jedoch nicht erteilte, sah die Familie Klepper keine andere Möglichkeit mehr zusammen zu bleiben als im Tode.

Das Fragment  des unvollendet gebliebenen Romans, Die Flucht der Katharina von Bora, wurde (in der von mir hier vorgestellten Buchausgabe) aus dem Nachlass herausgegeben und eingeleitet von Karl Pagel.


Wir schreiben das Jahr 1523, die Osternacht im Kloster Marienthron [6], einem Zisterzienserorden im Kurfürstentum Sachsen. Noch ist der Konvent der Frauen unter der Äbtissin Margarete von Haubitz dreiundvierzig Nonnen stark, aber in dieser Nacht passiert Ungeheuerliches. Im Schutze der Dunkelheit und der Osternacht, in der die strenge Ordnung des Klosters nicht gegeben ist, schleichen sich acht Nonnen auf die Pforte nach außen zu. Ein Schrecken durchfährt die Nonnen – im Kreuzgang taucht eine Gestalt vor ihnen auf, sie wittern Verrat, daß ihr Fluchtversuch entdeckt worden sei von dieser Nonnen, in der sie Katharina von Bora erkennen. Doch auch Katharina schlupft durch die von heimlicher Hand geöffnete Pforte nach aussen, wo sie erwartet werden. Zwei Knaben noch, Diener der Äbtissin helfen ihnen, die Klostermauer zu überwinden und zu dem Fuhrwagen zu kommen, der ihrer erwartet. Leonhard Koppe, der Kaufmann aus Torgau, der mit dem Kloster viele Geschäfte machte, versteckt (erstaunt über die nicht erwartete neunte Nonne und ihr gegenüber misstrauisch) die Nonnen hinter Fässern und Planen und macht sich mit seinen Helfern auf den Weg nach Torgau, wo die Flüchtenden in Sicherheit sein werden. Nach langer nächtlicher Fahrt auf schlechten Wegen durchqueren sie das dem Kloster naheliegende Grimma und gelangen schließlich ans Ziel, wo die Nonnen zwar sicher sind, sich für sie eine unsichere Zukunft offenbart [7].

Die Flucht der Nonnen ist in zweierlei Hinsicht etwas Ungeheuerliches: sie, die Bräute Christi, brechen das heilige Gelübde und kehren in den Stand zurück, den sie auf immer zu verlassen hatten. Und sie berufen sich auf den Ketzer aus Wittenberg, den Doktor Martinus, der die heilige Ordnung der Kirche gehörig durcheinander wirbelt mit seinen Predigten, mit seinen Ansichten, mit der Verdammung des Ablasshandels, der die Menschen verwirrt mit seiner Übersetzung der Bibel, so daß sie auf einmal verstehen, was dort geschrieben steht und sie anfangen, Fragen zu stellen, nicht mehr widerspruchslos alles hinzunehmen.

Gespalten hat diese Irrlehre die Kirche und die Welt schon. Schon bekennen sich einzelne Landesherren zu dieser neuen Lehre, während andere weiterhin der alten anhängen. Risse gehen durch das Land, politische Verwerfungen wie in Sachsen. Der Herzog Georg ist ein Feind Luthers im Gegensatz zum Kurfürsten…. die Nonnen, wiewohl die ersten Frauen, sind nicht ersten, die aus den Klösterkonvente wieder in die Welt gegangen sind. Viele Mönche haben den geistlichen Stand schon verlassen, heimliche Botschaften werden mit anderen ausgetauscht, so wie auch die neun Nonnen von des Doktor Martinus Lehre erfahren haben.

Geschickt baut Klepper seine historischen Exkurse über z.B. die Vorgeschichte der Reformation in der Region von Grimma, über das Klosterleben, über die Tradition, aus wirtschaftlichen Gründen insbesondere junge Mädchen in Klöster zur Erziehung „abzuschieben“ (wobei dies nicht für die Mädchen/Frauen nicht unbedingt die schlechtere Alternative ist), über den Widerspruch zwischen dem Gebot der persönlichen Armut von Mönch bzw. Nonne und dem Reichtum eines Klosters an sich in seine Geschichte ein.

Klepper läßt seine Flüchtigen, bevor sie am Ostermorgen beim rettenden Torgau das Lamm und den Hirten auf der Straße sehen noch die Region des Todes durcheilen: das Moor, das dunkel ist, dessen Nässe alle Wurzeln abtötet bis auf die der Eibe, des Baumes der Hel, der alten Totengöttin. Im neuen Glauben, so zeigt er damit, liegt die Hoffnung und das Leben, der alte Glauben birgt dies nicht mehr, wer sich in ihm verwurzeln will, endet wie die Bäume im Moor: als tote Stämme.

In Torgau, im Haus von Koppe, zeigt sich deutlich, was die flüchtigen Nonnen schon vorher in Briefen von Verwandten angedeutet bekamen: niemand will sie aufnehmen, ihr weiteres Schicksal ist völlig offen, genauso wie das der Katharina von Bora, die sich in ihrem nächtlichen Gespräch mit Koppe, bei dem sie während der Fahrt saß, als weitsichtige, intelligente und auch selbstbewusste Frau gezeigt hatte.

Hier endet das Fragment….


Katharina von Bora, Porträt von Lucas Cranach dem Älteren von 1526 Bildquelle [B]

Katharina von Bora, Porträt von Lucas Cranach dem Älteren von 1526
Bildquelle [B]

Das weitere Schicksal Katharina von Boras ist bekannt. Erste Versuche, zu heiraten, scheiterten, weil sie als abtrünnige Nonnen von den jeweiligen Familien abgelehnt wurde. Auch Luther wandelte auf Freiersfüßen, bekam jedoch „einen Korb“ und da war halt dann noch die Katharina da… um es etwas launig auszudrücken. Katharina war Luther eine große Stütze, sie managte ein durchaus Respekt abnötigendes „Familienunternehmen“ bis hin zum Bierbrauen, schenkte sechs Kindern (von denen ein im frühen Kindesalter starb) das Leben und war ihrem Mann eine geschätzte (auch Gesprächs)Partnerin. Nach dem Tod Luthers 1546 bekam sie finanzielle Schwierigkeiten, musste zwischenzeitlich kriegsbedingt nach Magdeburg umziehen, danach die zerstörten Güter (mit Hilfe verschiedener Fürsten) wieder aufbauen. 1552 hatte sie einen Unfall mit einer Kutsche, an dessen Spätfolgen sie schließlich starb. Bestattet wurde sie in Torgau [2], der genaue Ort der Grablege ist nicht bekannt.

Kleppers Romanfragment ist ein sehr ruhiger, nachdenklicher Text, der mit Sorgfalt zu lesen ist. Er stellt das Einzelschicksal dieser bedeutenden Frau in den geschichtlichen Kontext der Reformation, die die Vormachtstellung der katholischen Kirche frontal und in ihren Grundfesten angriff. Leider ist der Roman ein Fragment geblieben, zwar sind noch Exzerpte nachfolgender Kapitel vorhanden, aber ausgearbeitet worden ist nur das vorliegende 1. Kapitel des 1. Teils.

Seine besondere Eindringlichkeit erhält der Text durch das Schicksal des Autoren. Er ist das Thema, das Jochen Klepper in den letzten Monaten, ja: Jahren beschäftigt und innerlich umgewälzt hat, sicherlich hat es ihm auch Kraft und Willen gegeben, die immer bedrohlicher werdende Lebensituation ein Stück weit besser zu ertragen. Erstaunlich war für mich seine weiter vorne zitierte Tagebucheintragung, daß ihm dieser Katharina-von-Bora-Stoff noch möglich war, während er schon keine Kirchenlieder mehr schreiben konnte. Ich hätte erwartet, daß er eher im Kirchenlied Trost gefunden hätte….

Ein stilles, sehr tragisches Schicksal: drei Menschen, denen der Suizid als die bessere Wahl galt. Eine Treue dreier Menschen zueinander tatsächlich bis in den Tod hinein. Der Tod hat sie nicht geschieden, er hat sie vereint. Ist dies, angesichts des Schicksals, das die beiden Frauen dadurch vermieden haben, ein Trost? Und wer von uns hätte die Kraft dieses Mannes, der sich, um zu überleben, „nur“ hätte scheiden lassen müssen…..

Diese ältere Ausgabe enthält neben dem Romanfragment ferner folgende Beiträge:

  • Jochen Klepper: eine Darstellung der letzten Monate seines Lebens, nach seinem Tagebuch
  • Das Tagebuch der letzten Wochen
  • zur Entstehung des Fragments

Links und Anmerkungen:

[1] – Wiki-Beitrag zum Autoren: https://de.wikipedia.org/wiki/Jochen_Klepper
– Eintrag im Ökonomischen Heiligenlexikon: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienJ/Jochen_Klepper.htm
[2] zu Katharina von Bora:
–  Wiki-Beitrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_von_Bora
–  eher stichwortartige Lebensdaten: http://www.lutherin.de/
[3] http://www.luther2017.de/de/2017/reformationsjubilaeum/
[4] http://www.luther2017.de/de/2017/lutherdekade/themenjahr-2016/
[5] Klepper war ein bekannter Kirchenmusiker, sie Liedbeispiel in [1] „Heiligenlexikon“
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Nimbschen
[7] Die Entfernung Grimma – Torgau beträgt Luftlinie ungefähr 40 km. Man kann sich vorstellen, was die drei Pferde, die Zugtiere gespannt waren, geleistet haben in dieser Nacht.

Bildquelle:

Briefmarke: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:DBP_1992_1643-R.JPG, gemeinfrei nach § 5 Abs. 1 UrhG
Portraits Katharina von Bora: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Katharina-v-Bora-1526.jpg; gemeinfrei

Jochen Klepper
Die Flucht der Katharina von Bora
Erstausgabe: ?
diese Ausgabe: Evangelische Verlagsanstalt Berlin, HC, ca. 212 S., 1956

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