Deborah Feldman: Überbitten

Entweder man leugnete Gott, da die Shoah selbst seine Nichtexistenz, wenn nicht sogar seine Irrelevanz bewiesen hatte, oder aber man folgte der Vorstellung, Gott sei wutentbrannt, und schickte sich an, ihn durch vollkom­mene Selbstaufopferung auf dem Altar der rituellen Anbetung zu besänftigen. ***** Wenn mein Blut jüdisch ist, ist es meine Seele auch. Deshalb will … Weiterlesen Deborah Feldman: Überbitten

Margret Greiner: Charlotte Salomon

Während der vierzig Jahre hatte ich oft an dieses bewundernswürdige und reine Mädchen gedacht, das ohne jeden Zweifel zu der Kategorie der nicht eben zahlreichen Gerechten in der modernen Welt gehört. (Marthe Pècher, 1981, in deren kleinem Hotel Charlotte die zwei Jahre lebte, in der sie ihr Werk schuf.)       üü Die Künstlerin Charlotte … Weiterlesen Margret Greiner: Charlotte Salomon

Robert Scheer: Pici. Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und …..

Der Autor, Robert Scheer [1] ist gebürtiger Rumäne aus Carei (1973), der Stadt, der wir auch in den Erinnerungen seiner Großmutter begegnen. 1985 emigrierte er mit der Familie nach Israel, ging dann einige Jahre später nach Deutschland und nahm schließlich die deutsche Staatsangehörigkeit an. Im März 2014 besuchte er seine Großmutter Elisabeth Scheer in Israel, die … Weiterlesen Robert Scheer: Pici. Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und …..

Dominique Valentin: Die Schickse

Schickse Seit dem 17. beziehungsweise 18. Jahrhundert bezeugt; ursprünglich die westjiddische Bezeichnung für „Christenmädchen“, sowie im Gegenzug dazu wohl in Sprachformen mit Kontakt zum Jiddischen „Judenmädchen“; zum andern ist das Wort im Rotwelschen zu „Mädchen, Frauenzimmer“ verallgemeinert worden, woraus sich wohl die abwertende Bedeutung „Flittchen“, die zuerst in der Studentensprache aufkam, herausbildete; das jiddische Wort … Weiterlesen Dominique Valentin: Die Schickse

Jochen Klepper: Die Flucht der Katharina von Bora

Das "eigentliche" Lutherjahr [3] ist ja erst nächstes Jahr, 2017, in dem sich zum 500. Mal der Anschlag der Thesen an das Portal der Schlosskirche in Wittenberg jährt. Kein Grund natürlich, nicht 2016 auch schon im Umfeld dieses Jubiläums zu begehen (Stichwort: Lutherdekade), offiziell mit einem Themenjahr Reformation und die eine Welt [4]. So ganz … Weiterlesen Jochen Klepper: Die Flucht der Katharina von Bora

Józef Zelkowicz: In diesen albtraumhaften Tagen

Wer meinen Blog regelmäßig besucht (oder auch nur gelegentlich...), hat wahrscheinlich/vielleicht meinen Beitrag über das in Auschwitz aufgefundene Tagebuch von Rywka Lipszyc [8] gelesen, diesem 14 jährigem Mädchen, das sein Leben im Getto Litzmannstadt beschreibt. Die Aufzeichnungen von Rywka wurden von Oktober 1943 bis April 1944 verfasst, immer wieder taucht in ihnen die Erinnerung an … Weiterlesen Józef Zelkowicz: In diesen albtraumhaften Tagen

David Foenkinos: Charlotte

Vorbemerkung: Die in eckigen Klammern gesetzten vierstelligen Zahlen sind mit den entsprechenden Blättern in Leben? Oder Theater? [4] verlinkt, die violetten Stellen sind aus diesem Stück zitiert, die grün markierten Passagen stammen aus dem vorliegenden Buch von Foenkinos. Eine junge Frau, großflächig gemalt in kräftigen Farben, brünettes, nach hinten gekämmtes, halblanges Haar, das Gesicht durch … Weiterlesen David Foenkinos: Charlotte

Das Tagebuch der Rywka Lipszyc

1991 wurde in Russland in einem Nachlass das handschriftliche Tagebuch eines jungen Mädchens entdeckt. Die ursprüngliche Finderin war eine russische Ärztin der Roten Armee, die das eng vollgeschriebene Heft nach der Befreiung des Lagers Auschwitz in der Nähe der Öfen gefunden hatte und an sich nahm. Es ist damit eins einer Handvoll von Dokumenten, die … Weiterlesen Das Tagebuch der Rywka Lipszyc

Jürg Amann: Der Kommandant

Jürg Amann hat in seinem Buch ("Monolog"): "Der Kommandant" die Aufzeichnungen des ehemaligen Lagerkommandaten von Auschwitz, die dieser in Haft anfertigte [1], zusammengefasst und auf ihre "Essenz hin zugespitzt". In der Banalität, in der große Teile der Texte erscheinen, liegt eine schier unfassbare Ungeheuerlichkeit, das Töten, das Morden wird in geradezu obszöner Art und Weise … Weiterlesen Jürg Amann: Der Kommandant

Patrick Modiano: Dora Bruder

Die Verhaftung staatenloser Juden in Paris wird von der französischen Polizei in der Zeit vom 16.7. – 18.7.1942 vorgenommen werden. Es steht zu erwarten, daß nach der Verhaftung etwas 4000 Judenkinder zurückbleiben…. bitte ich Sie dringend um Entscheidung darüber, ob diese Kinder der abzutransportierenden staatenlosen Juden etwas vom 10. Transport ab mit abgeschoben werden können. … Weiterlesen Patrick Modiano: Dora Bruder

Etty Hillesum: Ein denkendes Herz

Etty Hillesum war eine junge, lebensbejahende Frau. Hochintelligent studierte sie Jura und Slavistische Sprachen in Amsterdam, promoviert auch, studierte aber weiter. 1914 in Deventer geboren, wo auch die Eltern noch lebten und eine turbulente Ehe führten, war sie 26 Jahre alt, als die Niederlande besetzt wurden. "Das artverwandte germanische Volk" [4] fiel unter Besatzungsregime, selbstverständlich fielen auch die … Weiterlesen Etty Hillesum: Ein denkendes Herz

Marcel Cohen: Raum der Erinnerung

Über den französischen Schriftsteller Marcel Cohen ist (zumindest auf dem einfachen Weg) im Internet kaum mehr zu erfahren, als daß er 1937 geboren wurde, ferner eine Auflistung seiner Werke [1] und auch verliehener Preise. Sein Buch "Raum der Erinnerung -  Tatsachen", 2013 erschienen, ist der Versuch eines mittlerweile älteren Mannes, weit zurückzugehen in die eigene … Weiterlesen Marcel Cohen: Raum der Erinnerung

Louis Begley: Lügen in Zeiten des Krieges

Vielleicht sollte ich die Besprechung dieses Romans mit einem kurzen Abriss über die Biographie des Autoren beginnen [1]. Louis Begley wurde im Oktober 1933 als Ludwik Begleiter in Stryj (damals Polen, heute Ukraine) geboren [1a]. 1939 überfiel das Dritte Reich Polen, das unter Deutschland und Russland aufgeteilt wurde, wobei Stryj unter russische Herrschaft fiel. 1941 brach Deutschland den Pakt … Weiterlesen Louis Begley: Lügen in Zeiten des Krieges

Karlijn Stoffels: Mojsche und Rejsele

Karlijn Stoffels "Mojsche und Rejsele" spielt im Wirkkreis des polnischen Arztes und Pädagogen Janusz Korczak [6]. In den Mittelpunkt gestellt und als Erzähler fungiert jedoch eine andere Figur, ein damals 13jähriger jüdischer Junge, Mojsche. Diesem begegnen wir in der Rahmenhandlung ein halbes Jahrhundert nach Kriegsende in Tel Aviv als älterem Mann. Unwirsch reagiert er auf … Weiterlesen Karlijn Stoffels: Mojsche und Rejsele

Otto Dov Kulka: Landschaften der Metropole des Todes

Der israelische Historiker Otto Dov Kulka [1] hat mit "Landschaften der Metropole des Todes" ein sehr persönliches Buch herausgebracht. Das Thema des Buches mit dem etwas sperrigen Titel wird im Untertitel deutlich: Auschwitz einerseits und andererseits die Möglichkeiten der persönlichen Auseinandersetzung und Bewältigung des dort Erlebten. Das Buch ist hochgelobt und ausgezeichnet [2]. Kulka wurde … Weiterlesen Otto Dov Kulka: Landschaften der Metropole des Todes

Gilles Rozier: Im Palast der Erinnerung

Der Franzose Gilles Rozier ist ausgewiesener Kenner und Fachmann jüdischer und jiddischer Kultur und Literatur, sowie Schriftsteller und Übersetzer. Mit diesem Tatsachenroman "Im Palast der Erinnerung" schildert er das eruptive Auftauchen des jiddischen als bedeutende Literatursprache im frühen 20. Jahrhundert und - wenige Jahrzehnte später - das Abmähen der besten Köpfe durch die großen Schlächter … Weiterlesen Gilles Rozier: Im Palast der Erinnerung

Edgar Hilsenrath: Der Nazi & der Friseur

Es ist schon eine provozierende Konstellation, die der Autor für seinen Roman gewählt hat. "Der Nazi & der Friseur": ein makabres Rollenspiel, in dem der Max Schulz die Hauptrolle innehat. Aber der Reihe nach... Im Mai 1907 wurden in einem kleinen schlesischen Städtchen, Wieshalle, zwei Jungen geboren, praktisch gleichzeitig: der Max Schulz und der Itzig … Weiterlesen Edgar Hilsenrath: Der Nazi & der Friseur

Iris Hanika: Das Eigentliche

"Das Eigentliche", dieser Roman von Iris Hanika ist ein schwieriges Buch. Es hat keine durchgängige Handlung, vielmehr begleiten wird den Archivar Hans Frambach, Jg. 1962, ein paar Tage lang durch sein Leben, das er beruflich im "Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung" in Berlin verbringt. So wie dort ist auch der private Teil seines Lebens eher düster und … Weiterlesen Iris Hanika: Das Eigentliche

Inge Deutschkron: Ich trug den gelben Stern

Inge Deutschkron ist 11 Jahre alt, als ihre Mutter 1933 zu ihr sagt: "Du bist eine Jüdin" [8] und sie auffordert, zu zeigen, daß sie deswegen nicht weniger wert sei. Es ist verständlich, daß das Mädchen mit diesem Satz erst einmal nicht allzuviel anfangen kann. Es lebt mit den Eltern in Berlin, wächst in behüteten … Weiterlesen Inge Deutschkron: Ich trug den gelben Stern