Leïla Slimani: Dann schlaf auch du

Die französisch-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani wurde 1981 in Rabat geboren und ging mit achtzehn Jahren, 1999, nach Paris, um dort zu studieren. 2014 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, auch dieser schon (in ihrem Geburtsland) mit einem Literaturpreis ausgezeichnet, bevor sie zwei Jahre später mit Chanson douce einen großen Erfolg in Frankreich erzielte. Die deutsche Übersetzung mit dem für mich auch nach dem Lesen immer noch rätselhaften Titel Dann schlaf auch du steht diesem Erfolg nicht nach, die Kritiken überschlagen sich auch hierzulande mit Lob und Ehre für Autorin und Buch.

Dann schlaf auch du von Leila Slimani

Das Baby ist tot.

In der Tat, schon dieser erste Satz des Buches hat es in sich, läßt kaum noch einen Zweifel aufkommen, was uns wohl erwartet: eine Tragödie offensichtlich antiken Ausmasses. Die Kleine dagegen war noch am Leben … wobei die Betonung – auch dies wird sehr schnell deutlich – eindeutig auf dem ’noch‘ liegt… blutend und ohnmächtig findet man zudem das Kindermädchen auf dem Boden liegend. In den Zimmern herrscht großes Durcheinander, das kleine Mädchen, Mila, hat sich heftig gewehrt. Die Mutter, die früher nach Hause gekommen war und das Verbrechen entdeckte, steht unter Schock, alles Leid der Welt tobt in dieser dem Wahnsinn nahen Frau, deren Schrei dem eines im Tiefsten verwundeten Tieres glich.

Wie hat alles angefangen, wie konnte es zu dieser Tragödie kommen: dies zu schildern hat sich die Autorin als Aufgabe gesetzt. Ausgangspunkt ist eine Familiensituation, wie man sie heutzutage häufig findet… Das junge Ehepaar, er, Paul, Tontechniker, sie, Myriam, Juristin, bekam ein Kind und über die Wiege gebeugt, vergaß Myriam den Rest der Welt und sie stellte es so an, daß sie nach anderthalb Jahren wieder ein Kind erwartete. Die Belastung durch zwei Kinder jedoch hatte sie unterschätzt, außerdem lockte das Angebot eines ehemaligen Kommilitonen, der sie gerne als Mitarbeiterin in seine Kanzlei geholt hätte. Schweren Herzens entschließen sich Myriam und Paul also, ihre Kinder tagsüber, wenn sie auf der Arbeit sind, einem Kindermädchen, einer Nanny, einer Nounou, anzuvertrauen. Unter allen Bewerberinnen macht Louise den besten Eindruck, eine Mittvierzigerin mit ausgezeichneter Referenz. Außerdem war es so etwas wie Liebe auf den ersten Blick: die Kinder schlossen diese Frau sofort in ihr Herz. Das eigene Kind von Louise, Stéphanie, war schon aus dem Haus.

Schon bald merken die Massés, daß sie eine Perle an Land gezogen haben: Louise kann nicht nur wunderbar mit den Kindern umgehen, die sie bald vergöttern, sie schafft auch Ordnung im Haus, putzt, wäscht, kocht… Sie wird eine kleine Legende in ihrer Bekanntschaft, die Massés zeigen sie herum wie ein Schmuckstück, auf das sie stolz sind. Manchmal zwar empfinden die beiden eine gewisse Übergriffigkeit, haben das Gefühl, daß es ein wenig zuviel des Guten ist, aber sie sind unsicher, sind in der Rolle des Arbeitgebers unerfahren und wollen schlussendlich auch keinen Ärger mit Louise riskieren – sie könnte ja sie ja verlassen. Man war also abhängig geworden oder – von Louises Seite aus gesehen – hatte diese es geschafft, das heimliche Kommando in der Wohnung zu übernehmen mit der für Paul und Myriam angenehmen Folge, sozusagen nur die Sonnenseiten eines Familienlebens (gemachtes Essen, geputzte Wohung, frisch gebadete, zufriedene und liebe Kinder) genießen zu können.

Spätestens mit dem gemeinsamen Urlaub auf einer griechischen Insel verschwimmt in Louises innerer Welt die Abgrenzung gegen die Familie immer mehr. Denn Louise ist – was aber niemand merkt, da am Mensch ‚Louise‘ niemand Interesse zeigt – eine grundeinsame Frau, deren bisheriges Leben im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet ist, daß es zu erdulden war. Der ungeliebte Mann war tot, die renitente Tochter weggelaufen, sie selbst ‚wohnte‘ in einem heruntergekommenen Zimmer, in dem sie ihre Frustration und ihre Einsamkeit durch Putzen abreagiert.

Daß Louise auch andere Seite hat, kommt in kleinen, hingetupften Szenen zum Ausdruck. Ihren Mann beispielsweise, der Blut hustete, beruhigte sie damals: Es ist nichts Ernstes, obwohl ihr erster Gedanke war: Es ist Ernst. Drei Monate später starb er – und hinterließ Louise einen Haufen Schulden. Selbst den Kindern der Massés gegenüber, Mila im besonderen, gibt es Situtionen, in denen sie Gewalt anwendet, es ist eine stille, unauffällige Gewalt, ein sehr fester Griff, eine sehr feste Umarmung, die die Luft abschnürt beispielsweise…

So wie ihr eigenes Leben immer mehr zusammenbricht – sie hat kaum Bekannte, der Vermieter kündigt ihr, das Finanzamt verliert die Geduld, weil sie ihre Post nie öffnet, das Geld reicht nicht – so wird die Familie Massé immer mehr zu ihrem Anker. Der Plan, sich ein Nest in dieser Familie zu bauen, wird zur Obsession bis hin zu dem Manipulationsversuch, Paul und Myriam Zeit und Gelegenheit zu geben, ein neues Baby zu machen (sozusagen als Arbeitsplatzgarantie für sich selbst), indem sie mit den Adam und Mila ausgeht…


Der Roman Slimanis ist schmal, der Text in ca. vierzig kurze Abschnitte unterteilt, die jeweils einer Episode gewidmet sind. So wie sich bei den Pointillisten das gemalte Bild aus den einzelnen auf die Leinwand getupften Farbenflecken ergibt, fügen sich Slimanis Textabschnitte zu einem (grob skizzierten) Gesellschaftsportraits zusammen, das über das Einzelschicksal der Familie und Louises hinausgeht.

Eingebettet ist dies in die Welt der jungen Paare, die beide ihrem Beruf nachgehen und Karriere machen wollen und dies mit ihrem Privatleben irgendwie unter einen Hut bringen müssen. Auf der Strecke bleibt dabei das Häusliche: da sie nicht mehr in der Lage sind, für Ordnung zu sorgen, geschweige denn, ihre Kinder zu betreuen, brauchen sie Hilfe. So fließt ein großer Teil des Geldes, das durch den zweiten Verdienst in die Familie kommt, gleich wieder ab so wie in Slimanis Roman zu Louise, dem Kindermädchen. Diese lebt in einer völlig anderen sozialen Schicht, es ist eine Art Nebenkosmos: die Kindermädchen des Viertels begegnen sich nachmittags im Park, beim Spazierengehen, in den Geschäften, es herrscht Klatsch und Tratsch über die jeweiligen Arbeitgeber, nicht immer ist die volle Aufmerksamkeit den Kindern gewidmet. Louise trifft ihre Kolleginnen zwar auch, hält sich jedoch abseits, knüpft keine Kontakte – mit einer Ausnahme: Wafa läßt sich einfach nicht abschütteln… über Wafa sollte Louise später dann sogar einen Mann kennenlernen, aber auch diese Bekanntschaft hilft ihr nicht weiter…

Die Angestellten entstammen meist der Migrantenszene, leben und arbeiten teils legal, teils illegal. Den Massés war es wichtig, daß ihr Kindermädchen legal arbeitet, da sie andernfalls  im Notfall möglicherweise zögern würde, Polizei oder Krankenwagen zu benachrichtigen… Louise ist eine Ausnahme, sie gehört zu der ins Prekariat abgeruschten  Schicht des weißen Bürgertums an, die in den Vorstädten, den Banlieues, lebt. Hier schafft Slimani schon einen fast ironischen Gegensatz zum Üblichen, denn ihre Arbeitgeberin Myriam hat nordafrikanische Wurzeln. Die aktuelle soziale Schichtung jedenfalls bestimmt das Verhältnis, als Mensch interessiert Louise die Massés nicht, von ihren erbärmlichen Lebensverhältnis erfahren sie nichts, sie erkundigen sich nicht danach. Daß sie Louise mit in ihren Urlaub nach Griechenland nehmen (und damit evtl. selbst den Keim der späteren Katastrophe säen) ist eher einem schlechten Gewissen der Angestellten gegenüber als wirklichem menschlichem Interesse geschuldet.

Louise andererseits ist unfähig, ihr eigenes Leben in die Hand zu bekommen. Die vom Mann hinterlassenen Schulden erdrücken sie, ihre versuchte Flucht vor dem Finanzamt via Umzug und Adressenänderung wirkt fast schon rührend naiv. Die einzige Struktur, die ihr hilft, ist die Aufrechterhaltung äußerer Ordnung mit Sauberkeit und Ordentlichkeit. Bei den Massés hat sie schnell gemerkt, welche heimliche Macht ihr zukommt, die Unsicherheit von Paul und Myriam als Arbeitgeber kommt ihr da sehr gelegen. Nur ist Kindermädchen ein Job mit Verfallsdatum, ihr irrwitziger Plan, ihre Arbeitsstelle (und damit ihr eigenes ‚Nest‘) zu sichern, zeigt, wie kurzfristig und naiv sie denkt und wie falsch sie ihre Situation einschätzt.

In Rückblicken erzählt Slimani das trostlose Schicksal ihrer Protagonistin. Die ärmliche Kindheit, die Ehe mit den ungeliebten Mann, die Tochter, mit der sie nicht fertig wird; einmal war sie wegen einer psychischen Erkrankung in Behandlung, daß sie sich ihren Kolleginnen gegenüber nicht öffnet, mag damit zu tun haben. Immer wieder auch sind Szenen eingeflochten, die Louises als Kindermädchen bei früheren Anstellungen beschreiben, der Unterschied, zwischen ihrer Fähigkeit, mit fremden Kindern umzugehen und bei der eigenen Tochter zu ‚versagen‘, ist frappant. Immer wieder aber auch ganz kurze Blicke darauf, daß unter der Oberfläche Louises ein hohen aggressives Potential lauert.


Dann schlaf auch du erzählt diese zweifache Geschichte in distanziertem Ton, wirkt fast wie eine um Objektivität und Neutralität bemühte Reportage, die Sprache des Romans stellt keine besonderen Ansprüche. An keiner Stelle urteilt Slimani, schon gar nicht verurteilt sie, da der erste Satz des Romans dessen Ende vorwegnimmt, erlebt man als Leser das intensive Gefühl, wie hier ein Leben direkt auf einen Abgrund zuläuft, an der es zerschellen wird. Sie zeigt konsequent und unerbittlich auf, wie sich die miteinander verbundenen Schicksale auf Kollisionskurs bewegen, schildert Schlüsselstellen aus Louises Leben, stellt auch dar, wie die Unentschiedenheit Paul und Myriams, die einerseits Arbeitgeber sind, andererseits aber auch willkürlich hin und wieder eine Nähe schaffen, die Lousie verwirrt, Voraussetzungen zu dieser Katastrophe schaffen, wie aus Liebe zu den Kindern Hass wird. So wissen wir zwar am Ende des Buches, was und wie alles passiert ist, aber ähnlich der ermittelnden Kommissarin im letzten Abschnitt des Textes, bleiben wir doch rat- und fassungslos.

Leïla Slimani ist mit ihrem Roman ein Text gelungen, der nachwirkt.

Links und Anmerkungen: 

[1] zur Autorin: https://de.wikipedia.org/wiki/Leïla_Slimani
[2] die Geschichte der Namensgeberin für Louise: https://en.wikipedia.org/wiki/Louise_Woodward_case

 

Leïla Slimani
Dann schlaf auch du
Übersetzt aus dem Französischen von Amelie Thoma 
Originalausgabe: Chanson douce, Paris, 2016
diese Ausgabe: Luchterhand, HC, ca. 220 S., 2017

Ich danke dem Verlag für die Überlassung eines Leseexemplars.

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Thomas Hardy: Im Dunkeln

Vorbemerkung: der 1895 von Hardy veröffentlichte Roman Jude the Obscure ist im Deutschen auch unter folgenden Titeln publiziert worden: Im Dunkeln, Herzen in Aufruhr und Juda, der Unberühmte. Ein weiteres ‚Problem‘ ist der Name der Hauptperson, die im Original ‚Jude‘ heißt, was als Eigenname im Deutschen unbekannt ist und als Wort eine völlig andere, im Zusammenhang mit dem Roman irritierende Bedeutung hat. So wird der Protagonist der Geschichte in der Übersetzung also kurzerhand in ‚Juda‘ umbenannt, auch das ein Name, der biblische Assoziationen aufkommen läßt, was aber im Gesamtzusammenhang des Romans gar nicht so unpassend ist. (btw: ich habe mich in jungen Jahren in dieser Hinsicht auch mit dem Beatles-Titel Hey Jude sehr schwer getan….)

Mit dem Titel Im Dunkeln steht dieser Roman schon länger bei mir im Regal, als ich neulich bei Waters in ihrer Muschelöffnerin [3] dieses Buch erwähnt fand (was zeitlich ja sehr knapp ist, da der Roman erst 1895, also in der Endzeit der Romanhandlung Waters‘ erschienen ist) habe ich ihn mir endlich aus dem Regal geholt und das schon länger geplante Lesen auch umgesetzt….


Juda Fawley also ist die Hauptperson, deren Leben wir in diesem Roman verfolgen können. Er wird nach dem Tod der Eltern, über den wir im Lauf der Geschichte kurz aufgeklärt werden, bei der Tante groß, einer Tante, die ihn nicht besonders liebt, aber immerhin dafür sorgt, daß er gekleidet ist, zu essen hat und später dann auch arbeiten kann. Das große Idol des kleinen Juda ist der örtliche Lehrer und so beginnt der Roman gleich mit einer Trennung, der Schulmeister zog aus dem Dorfe fort; das schienen alles zu bedauern. Er; Phillotson mit Name, wollte in der recht nahe gelegenen Stadt Christminster (=Oxford), nichtsdestotrotz jedoch einer anderen Welt, weiterkommen, einen akademischen Grad erringen und Geistlicher werden. Mit diesem Begehr setzt er für den jungen Schüler Juda einen Traum in die Welt, dem dieser fortan nachjagen sollte. Die nächsten Jahre versucht der Junge, der im Dorf seines Traumes wegen ein wenig verlacht wird, sich Bildung anzueignen, er besorgt sich Bücher, lateinische und griechische und bringt sich diese Sprachen bei. Das Pferd beispielsweise, mit dem er später Brot für seine Tante, die eine Bäckerei hat, ausfährt, kennt bald den Weg und so läßt er es allein laufen und sitzt derweil auf dem Kutscherbock und lernt…

Aber Juda ist nicht nur Lernender, er hat auch ein funktionierendes endokrines System, auch wenn Hardy diesen Ausdruck im Roman natürlich nicht verwendet. Und dieses System wird durch Arabella im wahrsten Sinne des Wortes angeworfen. Als Tochter eines Schweinehalters hilft sie dem Vater und wäscht zusammen mit Freundinnen am Fluss, just in dem Moment, in dem Juda auf seinem Weg dort vorbei kommt, Schweinedärme aus und bewirft den Vorbeikommenden mit dem, was den Eber zum Eber macht. Ein fürwahr köstliche Szene mit Folgen: Christminster war  jetzt vergessen. Sich mit Arabella über den gewöhnlichen Dorfklatsch zu unterhalten, gewährte ihm größeren Genuß, als es eine Diskussion über sämtliche Philosophiesysteme mit sämtlichen Professoren der kürzlich noch an angeschwärmten Universität vermocht hätte; … und die Sonne war nicht weiter als eine praktische Lampe zur Beleuchtung von Arabellas Antlitz. …

Juda hängt wie der Köder an der Angel Arabellas und was Arabella fischen will, ist die Ehe. Und da Juda ein Ehrenmann ist, gelingt Arabella der Fischzug, ein subtiler Hinweis auf ihren neuen Mitbewohner, den Juda ihr (… beide hatten sich in der Zwischenzeit of und oft getroffen …) eingepflanzt hat, nimmt den jungen Mann (er ist kaum neunzehn Jahre alt, noch Lehrling in einer Steinmetzwerkstatt) in die Pflicht. Kurz und gut, es gibt eine Hochzeit, es gibt eine kurze Zeit des Glücks, eine längere des Unglücks, ein schockierendes Geständnis, eine Trennung, ein hilfloser Suizidversuch des von seiner Frau Verlassenen, ein Besäufnis und danach der große Weltschmerz. Und die Erinnerung an seinen früheren Traum, der er für dieses fehlgeleitete Intermezzo aufgegeben hat.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.. Nach dem Ende der Lehrzeit beschließt Juda, in sein verehrtes Christminster umzuziehen. Es ist ein Zauber, mit dem die Stadt ihn umfängt, all die berühmten Gelehrten, die dort gewirkt, erscheinen ihm in den Gassen, den Colleges, den hohen Toren, auf den Brücken…. ein Hochgefühl erfasst ihn, diese Atmosphäre des Wissens und der Weisheit….

Am Tag erscheint die Stadt dann schon nüchterner, die Fassaden bröckliger, für ihn als Steinmetz kann das nur von Vorteil sein. Aber nicht nur die Fassaden bröckeln, es bröckelt auch Judas fester Wille. Denn stetig höhlt die Erinnerung an das Bild der Cousine, das bzw. die ihm so schön und – er muss es sich eingestehen – begehrenswert dünkt, seine Zielstrebigkeit. Er hat das Bild noch bei der Tante zuhause gesehen und es sich von ihr erbeten, gegen das Verbot der Tante, Kontakt mit diesem Abkömmling des verfeindeten Teils der Familie aufzunehmen.

Auch hier jetzt nur die Kurzversion: Juda und Sue treffen sich zwar, aber noch ist er zu schicklich, verheiratet immer noch, und sie eine Verwandte… und so macht er sich mit seinem alten Idol, dem Lehrer gebliebenen Schulmeister bekannt und verschafft ihr dort eine Arbeit. Selbige hatte sie nämlich am Tag davor einiger Götzenbilder wegen verloren. Aber was passiert, wenn ein mittelalter Mann und eine junge, schöne Frau zusammenarbeiten? Eben, eben… und Juda muss dem hilflos zuschauen….. Und nicht nur hier bleibt der junge Mann aussen vor: sein (erstmalig) aktives Bemühen, auf einem College als Student angenommen zu werden, scheitert grandios: Schuster, bleib bei deinem Leisten, so die einzige Antwort, die er erhält. Und wieder lockt der Alkohol…. schließlich verläßt Juda Christminster und kehrt zurück in sein altes Dorf. Dort wenigstens macht man ihm Hoffnung, als Laie könne er durchaus auch in der Kirche dienen.

So widmet sich unser Held wieder der Theologie, wenngleich diesmal eher in Bezug auf ihre praktische Anwendung in einer zukünftigen Gemeinde. Bis ihn eine Nachricht Sues erreicht, sie sei unter strenger Zucht in einem Lehrerinnenanwärterseminar und er solle sie doch… na ja, besuchen halt. Ach, so wie die Sonne die Dunkelheit vertreibt, vertreibt die Sehnsucht nach der still Geliebten die Hingabe an das Studium der Theologie – natürlich folgt Juda sofort dem Ruf des Weibes. Welches er ernster, farbloser antrifft als er es aus Christminster kannte. Seltsam geschlechtslos scheint Sue ihm, wankend in ihren Bemerkungen und ihrem Reden, während er…. und dann noch dies: sie habe ihm, dem alten Lehrer Phillotson, die Heirat versprochen!

Kann man sich vorstellen, wie die Welt des Juda jetzt ins Wanken kommt, ins Schwanken, ins Trudeln und Rotieren? Und wie er doch nichts sagen kann, ist sie doch eine Verwandte und er auf dem Weg zum Hilfspriester, und außerdem: er hat ein Weib vor dem Gesetz und der Kirche… so fährt er tief geknickt, aber dies nicht zeigend, zurück in seine so trostlose Heimstatt, die ihm vor kurzem noch so sicher beherbergte.

Was soll man sagen? Einer Dummheit wegen, die zu einfältigem Gerede führt, wird Sue des Seminars verwiesen, also ist auch für Phillotson kein Grund mehr, mit der Hochzeit zu warten: Ob er denn den Brautvater spielen könne, fragt Sue ihren Vetter… denn er sei doch ihr einziger verheiratete Verwandter, den sie hier habe. Denn auch das geschah noch: er beichtete ihr seinen Status als verheirateter Mann.

So geht es hin und her, sie ruft ihn, auch wieder an den neuen Wohnort, an den sie zusammen mit ihrem neuen Manne lebt, und sie schickt ihn wieder weg, obschon in Juda die Gewissheit immer größer wird, das sie unglücklich ist in ihrer Ehe so wie er es war in der mit Arabella. Der er – so sei es hier vermerkt, ohne näheres dazu zu sagen bis auf die Tatsache ihrer Juda verblüffenden neuerlichen Verheiratung in Australien – durch Zufall in einer Wirtschaft, in die er in der Absicht, sich mit zumindest mal einem Hochprozentigen über die Not zu helfen, eingetreten war, zu seiner großen Überraschung wieder begegnet.

Es kommt jedoch bald die Stunde jetzt des Ehemanns Phillotson, der als tragischer Held über sich hinauswächst: Sue, die immer unglücklicher wird in ihrer Ehe, die, als ihr Mann ihr Zimmer betritt, lieber aus dem Fenster springt, als ihn zu empfangen, bittet ihren Mann, sie gehen zu lassen. Und dieser Mann, seiner Zeit (und in den meisten Fällen wohl sogar noch unserer) voraus, will kein Gefängniswärter sein für die von ihm so geliebte, sieht kein Sinn in Zwang und Gewalt und läßt sie bedingungslos gehen – gegen den Rat aller anderen, gegen die herrschenden Vorstellungen von Sitte und Moral, obwohl er davon ausgehen muss, davon ausgeht, daß Sue zu ihrem Vetter gehen wird, dessen Liebe zu seiner Frau er wohl gespürt hat.

So kommt es. Sue und Juda leben fortan zusammen, auch wenn Sue sich schwer damit tut, zu lieben und Juda darunter leidet. Immerhin werden ihrer beiden Ehen geschieden, aber sie gehen keine neue Ehe miteinander ein, Sue scheut dies wie der Teufel das Weihwasser: dieser Vertrag, der zur Liebe zwingt, würde gerade die Liebe zwischen den Vertragspartnern töten…

Diese ‚wilde Ehe‘ ist für die beiden eine Zeitlang eine Blase des Glücks, in der sie leben und auskommen. Aber wie jede Blase platzt auch diese irgendwann… Sie sind eines Tages plötzlich und überraschend zu dritt: Arabella teilt Juda in einem Brief mit, daß er Vater sei, sie sei damals acht Monate nach der Trennung niedergekommen und schicke ihm jetzt seinen Sohn, damit er ihn aufziehe. So kommt der ‚kleine Gnom‘ – wie er genannt wird – in diese ungewöhnliche Zweisamkeit, ein Kind noch und doch schon so alt wie ein alter Mensch, ein Kind voller Traurigkeit und Depression, ein Kind, das nicht lachen kann noch sich freuen… doch Sue liebt ihn wir ein eigenes Kind und diese Liebe wird von Kind erwidert.

Die Leute fangen über zu tuscheln über die drei… wechseln die Straßenseite, wenn sie ihnen begegnen, sie werden gemieden, geschnitten, nicht mehr gegrüßt… die Aufträge für den Steinmetz Juda Fawley nehmen ab. Daß Sue und Juda nach einigen Tagen Abwesenheit wieder zurück nach Hause kommen und sagen, sie hätten in dieser Zeit geheiratet, hilft nicht mehr.. es beginnt ein Wanderleben, Juda arbeitet sozusagen als freischaffender Handwerker mal hier, mal dort….

Nach Jahren trifft Sue, die auf einem Markt Backwaren verkauft, welche der kranke Juda (seine Tante war ja Bäckerin) gebacken hat, auf Arabella, die die Situation der Familie, die mittlerweile zwei eigene Kinder hat und sichtbar ein drittes erwartet, intuitiv richtig einschätzt. Und Arabella trifft auf dem Heimweg wiederum Phillotson, mit dem sie sich unterhält…..

Sue, Juda und die Kinder leiden Not. Sie gehen auf Judas Wunsch nach Christminster zurück, das sie vor Jahren verlassen haben. Und diese Stadt empfängt sie kalt und mit Regen. Durchnäßt, schmutzig, mit dem dickem Bauch Sues sieht man sie für sonderlich an und nicht vertrauenswürdig, so daß sie kaum eine Unterkunft finden. In dieser Not kommt es zu einem verhängnisvollen Gespräch zwischen Sue und dem kleinen Gnom…

Welch ein Unglück, welch ein Unglück….. die Kinder sind tot, Sue verfällt einer Art religiösem Wahn und sieht ihr gesamtes Leben als versündigt an. Die Ehe, früher für sie ein verabscheuungswürdiger Vertrag zwischen Vertragspartnern, wird jetzt für sie ein heiliges, nicht lösbares Sakrament. In ihrer neuen Welt sieht sie immer noch mit Phillotson verheiratet, und so wie sie diesen einst verließ für Juda, verläßt sie Juda nun und geht zurück zu ihrem früheren Mann, der ihr verzeiht und sie aufnimmt. Sie erneuern die Ehe vor dem Priester und Sue nimmt auch die letzte Konsequenz ihrer selbst auferlegten Buße auf sich und begibt sich ‚freiwillig‘ nächtens zu ihren Mann aufs Zimmer.

Und Juda? Die Geschichte wiederholt sich…. So wie Arabella den jungen Juda einsponn und fing in ihrem Netz, so fängt sie sich ihn auch jetzt wieder. Sie füllt den gebrochenen Mann mit Alkohol ab, packt ihn an der Ehre und schleift ihn wiederum vor das Standesamt… Es bringt ihr kein Glück, Juda, an Leib und Seele gebrochen, siecht bald krank vor sich hin und während sie sich bei dem großen Spektakel in Christminster lieber eine Regatta anschaut, haucht er allein gelassen sein Leben aus.


Thomas Hardys Im Dunkeln bzw. Jude… ist ein umfangreicher Roman. Nicht nur weist er fast fünfhundert Seiten Text auf, er ist auch recht eng gesetzt, trotzdem liest er sich sehr gut und mit großem, freilich durch das schlimme Ende mit Traurigkeit durchsetzten Vergnügen. Die übergeordneten Kapitel benannt nach den jeweiligen Wohnorten sind ihrerseits aufgeteilt in kleinere Abschnitte, die das Lesen sozusagen ‚portionsweise‘ erlauben. Dazu ist der Text flüssig formuliert, mit vielen Beschreibungen und Erläuterungen, aber auch Dialoge und Gespräche zwischen den einzelnen Figuren nehmen einen großen Raum ein. Mich hat diese Art des Textes lange an ein anderes Buch erinnert, ohne daß ich wusste, an welches, bis es mir dann plötzlich einfiel: nämlich an Manzonis wunderbaren italienischen Roman Die Verlobten [5]. Hier wie dort steht ein junges Paar im Mittelpunkt des Geschehens (auch wenn Manzoni seinen Roman im Gegensatz zu Hardy glücklich ausgehen läßt), die Handlung wird streng chronologisch geschildert, beide Autoren streuen immer wieder Erläuterungen, Betrachtungen, erklärende Ausführungen, aber auch offene Fragen und Problemstellungen in ihren Text ein.

Hardys Roman schildert nicht nur eine Lebensgeschichte, er hat auch selbst eine und auch diese ist eher eine ‚dunkle‘. In der Nachschrift zur Neuausgabe des Romans im Jahre 1912 (die erste Ausgabe erscheint 1895) stellt Hardy die Rezeption seines Romanes bei Kritik und Publikum dar.  Er rief schon wenige Tage nach Erscheinen ein „schrilles Crescendo“ bei der Kritik hervor (die sich das Lesen des Romans aber weitestgehend gespart hatte), auch „wurde [der Roman] von einem Bischof verbrannt – wahrscheinlich [mutmaßt Hardy], weil der Kirchenfürst verzweifelt darüber war, daß er nicht mich selber verbrennen konnte.“ Eine andere Kritikerin „zeterte“ in einer „weltbekannten Zeitschrift“ über das Buch und taten kurz darauf brieflich an den Autoren den sehnlichsten Wunsch kund, diesen kennen zu lernen….. summa summarum haben diese (und weitere) Reaktionen der Kritik eine (für uns Leser) verhängnisvolle Wirkung auf Hardy gehabt: „… das Erlebnis heilt mich von jeder weiteren Neigung, Romane zu schreiben.“ In der Tat ist Jude, the Obscure das letzte Romanwerk Hardys geblieben, die Änderungen der Ausgabe von 1912 sind, so hält Hardy fest, nur stilistischer Art, „größere Änderungen allgemein- kritischer Art“ hat er nicht vorgenommen, wohl, weil er auch nach den vergangenen Jahren nichts anderes zu sagen hatte. Dieser Nachschrift ist ebenfalls zu entnehmen, daß der Roman in Deutschland als Fortsetzungsroman erschienen ist. Hardy zitiert einen Kritiker, der in Sue Bridehead den Phänotyp der modernen, intellektuellen, emanzipierten nervösen Frau sieht, die Notwendigkeit, die Ehe als Beruf zu begreifen, leugnet. Daß Sue im Roman am Ende zusammenbricht, wäre, so hält der Kritiker bedauernd fest, einer Frau als Autorin nicht untergekommen.


In Dunkeln hat zwei Hauptthemen. Dies ist zum Anfang des Romans, der gegen Ende der viktorianischen Epoche spielt, die Undurchlässigkeit, Arroganz und Hochmut der ‚besseren‘ Gesellschaft, die es nicht zuläßt, einen Menschen aus niedriger Herkunft zu akzeptieren und zu fördern. Der Autodidakt Jude Fawley, der sich mit viel, sehr viel Mühe und Durchhaltevermögen eine zugegebenermaßen willkürliche Bildung angelesen hatte, wird abgewiesen, auf seinen Stand und seine soziale Schicht verwiesen als demjenigen Platz in der Gesellschaft, in der er sein zufriedenes Auskommen finden kann. Erst gegen Ende des Romans wird davon geredet, daß sie diese (für den jungen Jude noch undurchdringliche) Ausgrenzung lockert, daß unter Umständen auch begabte Menschen aus unteren sozialen Schichten die Chance auf Weiterbildung erhalten können. Für Jude kommt das zu spät, auch wenn gegen Ende der Geschichte deutlich wird, wie sehr es ihn immer noch nach Christminster zieht, nach den so abweisend und dunkel über der Stadt dräuenden Gebäuden der Colleges…

Das Hauptthema des Romans ist freilich der Angriff des Autoren auf Institution der Ehe. Hardy schildert, wie sich Jude als junger Mann durch die sinnlich-erotische Arabella einfangen läßt, einer Frau, mit der ihn sonst nichts verbindet als die körperlichen Freuden, die er mit ihr wohl erleben darf [6]. Die schildert Hardy zwar nicht, aber da Arabella ihn mit einer Schwangerschaft zur Eheschließung bringt, darf man diese sicher vermuten. Diese Schwangerschaft Arabellas ist ein Schlüsselelement in der ganzen Geschichte, in Leben von Juda und (durch den ‚alten Gnom‘) später auch im Leben von Juda und Sue. Letztlich kann man noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob Arabella Juda und Sue nicht sogar belogen hat mit der Behauptung, dieses Kind sei Judas Kind, so wie sie Juda ja auch in frühen Jahren belog… Es sei an dieser Stelle nur angemerkt, daß Hardy im Übrigen sämtliche Ehen bei den Fawleys als schlecht bezeichnet.

So wie Judas erste Ehe scheiterte, so scheitert auch die Ehe Sues, die sie nicht mit dem Mann eingeht, den sie liebt – insofern sie zu diesem Gefühl überhaupt fähig ist, so etherisch, ja, fast asexuell sie gezeichnet wird -, sondern den älteren Mann, ihren Lehrer und Mentor Phillotson, zu dem Juda sie geführt hat. Sue betrachtet die Ehe keineswegs als Sakrament, für sie ist es ein Vertrag, der obendrein noch zum Lieben verpflichtet und damit die Liebe zerstört. Ihrer Meinung nach bleibt die Liebe zwischen Menschen, die freiwillig und nicht unter dem Zwang der Ehe miteinander leben, viel lebendiger und stärker, eine Ansicht, deren Folgen Juda und Sue Jahre später ins gesellschaftliche Abseits und Unglück stürzen lassen werden. In den vielen Diskussionen zwischen Juda und Sue geht Hardy später immer wieder auf diesen Punkt ein, so wie er die halbherzigen Versuche der beiden, sich doch der gesellschaftlichen Norm zu unterwerfen, immer wieder scheitern läßt. Dieses Lebensmodell der ‚wilden Ehe‘, die Hardy schildert, sie sollte noch Jahrzehnte brauchen, bis es gesellschaftlich halbwegs akzeptiert worden ist.

Die angestrebte (und dank Phillotsons generöser Art erreichte) ‚Flucht‘ aus der Ehe ist ein Skandal. Eine Frau der damaligen Zeit hat sich zu fügen, einzurichten – so wie der Mann sie zu fügen hat, notfalls auch mit Zwang. Das ich nicht mit ihm als Ehemann leben kann […] es ist eine Marter für mich […] Was mich so maßlos quält, ist die Pflicht, diesem Mann jedesmal zu Willen zu sein, wenn er es möchte, so gut er auch sonst ist! – dieser schreckliche Vertrag, der einen zwingen will, auf eine bestimmte Art zu empfinden, in einer Sache, deren eigentliches Wesen ihre Freiwilligkeit ist. Diese Sue in den Mund gelegte Aussage dürfte deren revolutionäre Ansicht hinreichend belegen. Den von ihr angesprochenen Willen des Mannes, dem sie sich zu unterwerfen hätte, den übte Phillotson übrigens nicht aus…


Der junge Juda träumt von Bildung, von der Karriere als Theologe und später dann als Pfarrer: beide Male wird er jedoch durch den Lockruf der Liebe und der Körper daran gehindert: seine Sehnsucht nach den jeweiligen Frauen besetzt ihn völlig und lenkt ihn vom Geistigen ab. Er ist ein ‚weicher‘ Mensch, ein nachgiebiger, ein Träumer auch, gegen Arabella mit ihrer rustikalen und stabilen Art hat er keine Chance, sich durchzusetzen, und auch Sue, die Zerbrechliche, setzt – zumindest in der Frage der Eheschließung – ihre Ansicht gegen ihn durch, weil er aus Liebe zu ihr immer nachgibt.

So wie im Lauf der Jahre wurde der Hang zum Theologischen bei Juda geringer wurde, nimmt er langsam aber sicher die Ansichten Sues über die Untauglichkeit einer Ehe als auch seine an. Die radikale Änderung der Ansichten Sues ausgelöst durch die unermessliche seelische Verletzung dieser empfindsamen Frau nach dem Tod der Kinder ist daher um so schockierender für Juda: daß sie ein einmal gegebenes Eheversprechen nun als ewig gültig ansieht, bedeutet nicht nur, daß sie und Phillotson in ihrem Geist noch verheiratet sind, sondern auch Juda noch mit Arabella. Und so wiederholt sich die Geschichte, so wie Sue einst von Phillotson die Freiheit erbat, fleht sie nun den verzweifelnden Juda an, sie gehen zu lassen. Daß sie zu ihrem Mann, den sie weltlich erneut heiratet, keine Liebe verspürt, ist nicht mehr wichtig, wichtig ist, daß sie die ihr selbst auferlegte Buße ableistet… und so führt die Romanhandlung zu den Konstellation, die es schon anfangs gab: sowohl Juda als auch Sue, die sich erneut in unglücklichen Ehen wiederfinden.

Der Roman hat neben dem beiden Hauptfiguren Juda und Sue noch die beiden Figuren des Phillotson und der Arabella mit wichtigen Funktionen.

Der Schulmeister Phillotson verläßt zu Beginn des Romans, wie Jahre später auch Juda, das Dorf, um in Christminster Karriere zu machen. Ebenso wie später Juda scheitert er damit, bleibt letztlich auch bei ’seinem Leisten‘, sprich, er bleibt Lehrer. Er verliebt sich in dieselbe Frau wie Juda, er weigert sich (obwohl die Gesellschaft dies erwartet), Zwang gegen diese Frau anzuwenden und er verliert die Frau an einen anderen, eine weitere Parallelität in beider Leben. An diesem Verlust gehen beide zugrunde: Phillotson wird auf Grund seiner Entscheidung aus der Gesellschaft ausgestoßen und sanktioniert, kann sich gerade noch mit Hilfe eines letzten Freundes fangen, Juda jedoch bricht zusammen, wacht als Ehemann einer ungeliebten Frau wieder auf und wartet körperlich geschwächt nur noch auf seinen Tod.

Die Haltung Phillotsons, mit der er auf die Bitte seiner Frau reagiert, sie gehen zu lassen, ist bemerkenswert. Ich denke, ich behaupte nicht zuviel, wenn ich sage, daß sie in dieser Weise auch heute noch ungewöhnlich wäre. In der damaligen Zeit ist es sicher eine skandalöse Einstellung, einen ‚Wahnsinnsgedanken‘ nennt es sein Freund, … es wird überall Anstoß erregen. Großer Gott, was wird Shaston [die Stadt, in der sie leben] sagen! dies ficht Phillotson jedoch nicht an: Wenn ein Mensch blindlings in einen Sumpf [i.e. in diesem Fall die Ehe…] gelaufen ist und um Hilfe ruft, bin ich geneigt, ihm Hilfe zu bringen, wenn es mir möglich ist. … ich bin ein fühlender Mensch, kein logisch denkender. … ich sehe nicht ein, warum nicht die Frau und die Kinder die soziale Einheit bilden sollen, ohne den Mann… weitet er seine Gedanken später noch aus. Fass den Entschluß, die mit ein paar Weiberlaunen abzufinden. … Laß sie nicht fort! so der abschließende Rat des Freundes. Doch der nächste Morgen kam heran…: Du kannst gehen – mit wem du willst. Du hast meine völlige, bedingungslose Einwilligung. 

Will man an Phillotson Eigeninteresse feststellen, so ist es später möglich, da er Sue noch einmal heiratet, obwohl im klar ist (sein muss), daß sie in einem Zustand ist, der diesen von ihr behaupteten Willen dazu und die Freiwilligkeit, sich diesmal unter ihn zu legen, Lügen straft. Vielleicht denkt er auch, daß das Verweigern dieser ‚Buße‘ für Sue noch schlimmer wäre, daß die erneute Heirat gesellschaftlich für ihn vorteilhaft ist, daß wird er in jedem Fall sehen.

Ist Sue die etherische, zerbrechliche, fragile Figur mit scharfen Intellekt und mit eigener Meinung, eine Frau wie ein Blatt im Wind der Gefühle, so ist ihre Gegenspielerin Arabella auch äußerlich ihr Gegenteil: prall, sinnlich, erotisch, durchsetzungsfähig und skrupellos. Sie steht mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität, das Sinnieren, Zweifeln und Grübeln einer Sue ist ihr völlig wesensfremd. Was sie will, bekommt sie – auf die eine oder die andere Art und Weise. Daß auch sie damit nicht glücklich wird, verschmerzt sie, es sind schließlich noch andere Männer da, die sie sich angeln kann…..


„Jude the Obscure is an angry book, and a deeply radical one. To write it, Hardy went further into himself than ever before, exposed his deepest feelings …“ schreibt der Guardian zu dem Roman in seiner Liste der einhundert besten englischen Romane [4], in die er zweifelsohne gehört – was eine kühne Bestätigung meinerseits ist, da ich dafür ja keinerlei Grundlage habe, sprich die anderen Romane kenne. Aber Im Dunkeln ist in der Tat ein wunderbares Buch, das in seiner Konsequenz, mit der die geheiligte Institution der Ehe in Frage gestellt wird, auch heute noch weit mehr ist als ’nur‘ Unterhaltung: es ist eine Lektion in Toleranz ebenso wie in der Frage nach der Sinnhaftigkeit der Ehe (bei uns ja jetzt in gewisser Weise durch die „Ehe für alle“ sogar eine aktuelle Frage). Ebenso ist Jude…. eine Darstellung der viktorianischen Epoche, die langsam den Ende zugeht und sich moderneren Fragen stellen muss wie dem Zugang zu Bildung für alle oder der Rolle der Frau in der Gesellschaft. Dies alles ist eingebunden in tragische Lebensläufe, die – bedingt durch die gesellschaftlichen Umstände – schon von Anfang an kaum Chancen auf ein gutes, selbstbestimmtes Leben ließen. So endet der Roman traurig, Sue gebrochen, sich selbst auf dem Altar eines fehlgeleiteten Glaubens opfernd und Juda sogar den Tod suchend. Phillotson wird als Ehemann nicht wirklich glücklich sein, sieht jedoch gesellschaftlich/beruflich wieder eine Zukunft und einzig für Arabella geht die Welt weiter mit allen Chancen, die sich einer Frau wir ihr bieten.

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Eintrag zum Autoren: https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hardy
[2] —
[3] Sarah Waters: Die Muschelöffnerin; Besprechung im Blog ‚aus.gelesen‘
[4] Robert McCrum: The 100 best novels: No 29 – Jude the Obscure by Thomas Hardy (1895); in:  https://www.theguardian.com/books/2014/apr/07/100-best-novels-jude-obscure-thomas-hardy
[5] Alessandro Manzoni: Die Verlobten; Besprechung im Blog ‚aus.gelesen‘
[6] Im Klappentext wird von einer ’schamlos pornographischen Darstellung der modernen Frauen‘ geredet. Das Wort ‚pornographisch‘ ist was Im Dunkeln betrifft, jedoch wohl  (unterstellt man nicht, es sei aus rein vermarktungstechnischen Gründen genannt) anders zu lesen, über die seltene Verwendung des Wortes ‚Busen‘ geht der Text nicht hinaus. Insofern ist also Entwarnung zu geben bzw. darauf hinzuweisen, daß möglicherweise diesbezügliche Erwartungen enttäuscht werden.

Thomas Hardy
Im Dunkeln
Jude the Obscure
Übersetzt aus dem Englischen von Eva Schumann
Originalausgabe: Jude the Obscure, London 1895 (1894/95 gekürzt als Fortsetzungsroman im Harper’s New Monthly Magazine)
diese Ausgabe: Greno, HC, ca. 490 S., 1988; mit ausführlichen Anmerkungen

Han Kang: Die Vegetarierin

Literatur aus Korea ist hierzulande zwar kein weißer Fleck, über den Korean Book Service [1] sind immerhin fast zweihundert ins Deutsche übersetzte Titel im Bereich ‚Literatur und Belletristik‘ verfügbar, ferner war das Land 2005 Gastland der Frankfurter Buchmesse. Trotzdem ist koreanische Literatur doch immer noch etwas außergewöhnliches…. mit Han Kangs [3] preisgewürdigtem Roman Die Vegetarierin ist jetzt ein Titel erschienen, der bei der Kritik für Aufsehen sorgt und der schnell in den Bestsellerlisten auftauchte, wenngleich er zumindest beim Börsenblatt auch schon wieder daraus verschwunden ist [2]. Ein Strohfeuer also? Schön jedenfalls, daß Die Vegetarierin nicht auf dem Umweg über das Englische, sondern direkt aus ihrer Originalsprache zu uns gekommen ist.

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Die Vegetarierin ist ein schmaler Roman, ein Lesestoff für einen Abend. Es ist die  verstörende Geschichte einer jungen Frau, Yong-Hye, die eines Tages ohne von aussen erkennbaren und nachvollziehbaren Grund beschließt, vegetarisch zu leben, alles vom Tier stammende zu vermeiden (d.h., im Grunde sogar eine vegane Lebensweise einschlägt).

Erzählt wird die Geschichte Yong-Hyes in drei Kapiteln. Den einführenden Abschnitt lesen wir aus der Sicht des Ehemannes als Ich-Erzähler, die beiden folgenden Passagen dagegen werden zwar auch aus der Sicht einer jeweils anderen Person geschildert, einmal aus der des Schwagers und dann aus der der Schwester In-Hye, jedoch fungieren diese beiden nicht als Ich-Erzähler.

Die Darstellung setzt in etwa mit dem Entschluss der Hauptperson ein, vegetarisch zu leben. Mit diesem Entschluss verließ Yong-Hye die absolute Durchschnittlichkeit, die sie in den Augen ihres Mannes durch die Abwesenheit von z.B. Esprit, Charme, modischen Vorlieben, besonderer körperlicher Anziehungskraft oder auch Intellektualität auszeichnete, was sie für ihn, einen ebenfalls in der Durchschnittlichkeit untertauchenden Mann attraktiv machte; bis zu diesem Zeitpunkt des einsetzenden Vegetarismus hielt er sie in jeder Hinsicht für völlig unscheinbar. Eine Sonderlichkeit war allerdings schon vorher zu beobachten, da Yong-Hye, wie er schon bei ersten Treffen vor der Hochzeit bemerkte, keinen BH trägt.

Ich hatte einen Traum.

Sukzessive verfolgen wir, wie die junge Frau der normalen Lebenswelt in Korea immer weiter entgleitet. Nicht nur, daß sie sämtliche fleischhaltigen Lebensmittel aus dem Haushalt entfernt – dies wäre, hätte sie sich etwas geschickter verhalten, unter Umständen gesellschaftlich noch akzeptabel gewesen, da Vegetarismus auch in Korea nicht mehr ganz unbekannt ist, wenngleich er als gesellschaftlich unerwünscht gilt. Jedoch provoziert sie durch die kompromisslose und unerklärte Absolutheit ihrer Haltung. Desgleichen zieht Yong-Hye sich aus der ehelichen Beziehung zurück, da ihr Mann – so sagt sie ihm – Fleischgeruch ausdünstet, der sie anekelt. Gesellschaftlich stellt sie ihn bloß und schadet seiner beruflichen Karriere, weil sie zu eine wichtigen Einladung seines Chefs in unangemessen schlichter Kleidung und deutlich sichtbar ohne BH erscheint, was sowohl die Männer als auch die Frauen verwirrt und vor den Kopf stößt. Da nur die wenigsten Speisen völlig frei sind von Fleischzutaten, isst sie kaum etwas und Grund dafür, daß die Stimmung unter den Eingeladenen schlecht ist.

Bei einem Familientreffen versucht der jähzornige Vater Yong-Hyes dieser mit Gewalt etwas Fleisch in den Mund zu schieben. Die Situation eskaliert und hat einen Suizidversuch der jungen Frau zur Folge. Der Schwager kann die durch den Messerschnitt entstandende Blutung stillen und bringt Yong-Hye in ein Krankenhaus.

Im zweiten Abschnitt erfahren wir, daß sie nach der Behandlung wieder etwas zugenommen hat und es ihr allgemein besser geht, sogar auf Arbeitssuche begibt die junge Frau sich wieder. Ihr Mann jedoch hat sich mittlerweile von ihr getrennt.  Der Suizidversuch hatte aber noch eine weitere Wirkung: er war der Beginn einer Art magischen Beziehung zwischen dem Schwager, der die blutende Yong-Hye ins Krankenhaus brachte und eben Yong-Hye. Unterdrückt diese dem Schwager nicht bewusste Beziehung auch in der ersten Zeit seine Kreativität und beeinflusste sein gesamtes Leben und ebenso seine Ehe, so drängt diese unterdrückte Obsession nach dem Besuch eines Balletts mit unbekleideten, körperbemalten Künstlern immer stärker nach aussen.  Daß seine Frau mit dem Hinweis auf den immer noch vorhandenen Mongolenfleck seiner Schwägerin, der in seiner Phantasie sofort zum Kelch einer grünen Blüte wird, die verhängnisvolle Entwicklung, die zu einer weiteren familiären Katastrophe führen wird, endgültig in Gang setzt, ist eine besondere Tragik des Geschehens.

Der dritte Abschnitt spielt wieder einige Jahre später. Yong-Hye ist ein einer Nervenklinik ausserhalb der Stadt. Nach der Katastrophe mit ihrem Schwager nahmen die Wahnvorstellungen immer mehr Raum in ihr ein, in ihrer Welt mutiert sie immer mehr zur Pflanze. Die Familie ist zerbrochen, nur noch In-Hye kümmert sich um sie. Aus ihrer Sicht lesen wir über das weitere Schicksal Yong-Hyes. Diese isst praktisch nichts mehr, ist nur noch Haut und Knochen und lebt in ihren Wahnvorstellungen, ihr einziges Ziel ist es noch, zur Erde, in den großen Kreislauf zurückzukehren….


Jedes der drei Kapitel des Buches bedeutet eine Steigerung in der Obsession der jungen Frau. Bezieht sich ihre Abscheu vor Fleisch anfänglich nur auf das Essen, später dann auch auf den Verkehr mit ihrem Mann und Kleidungsstücke, die vom Tier stammende Komponenten enthalten, so kann sie im folgenden Abschnitt des Buches die Anweisungen des Künstlers/Schwagers nur befolgen, wenn ihr Partner ebenfalls mit Pflanzenbilder bemalt ist – so wie sie. Diese Pflanzen auf der Haut bilden einen Schutz, unter dem sie sich wohl fühlt, sie wäscht die Bilder auf den eigenen Körper nicht ab, will sie bewahren. Bei dem männlichen Partner hingegen überdecken sie das Tierische, das Animalische, vor dem sie sich ekelt, das sie ablehnt.

In der letzten, finalen Stufe, lehnt sie jegliche Nahrung ab, sie braucht nur noch Licht und Wasser. Ist es ihr bewusst, daß sie so sterben wird? Wenn ja, so schreckt es sie nicht, der Tod würde sie zurück in den ewigen Kreislauf führen…


Wacht Gregor Samsa eines Morgens auf und ist verwandelt, so scheint Yong-Hye etwas entsprechendes anzustreben: den Übergang, die Metamorphose in eine Pflanze. Vor allem Bäume haben es ihr angetan, die Riesen des Waldes, die – so glaubt sie – verkehrt herum stehen, weshalb sie in der Klinik sich ebenfalls häufig im Kopfstand übt…. Im übrigen tauchte dieses Bild eines ‚Baumes‘ schon im zweiten Abschnitt mit dem Schwager auf, der sie die Natürlichkeit eines wildgewachsneen Baumes, der noch nie zurechtgestutzt worden war, ausstrahlen sah.

Ich hatte einen Traum, dies ist die einzige Erklärung, die sie ihrer Umwelt gibt. Verständlich, daß damit nichts erklärt ist, der um sich greifende Wahn der jungen Frau immer rätselhafter wird. Die Träume allerdings, die wir als Leser erfahren, sind schlimm, blutig, gewalttätig… bald schläft Yong-Hye kaum noch, verstößt gegen immer mehr der (un)geschriebenen Verhaltensregeln der (koreanischen) Gesellschaft, wird immer mehr zu Aussenseiterin, bis der Suizidversuch sie endgültig als krank kennzeichnet. Man könnte dies als Bild sehen für die Gesellschaft allgemein: der Aussenseiter, das Abweichende als krank, als Krankheit.

Es ist mein Herz, das schmerzt, und in meiner Magengrube spüre ich einen undefinierbaren Druck. Er ist immer da. Im Moment sogar, wenn ich keinen BH trage. Auch ein tiefer Atemzug bring keine Erleichterung. 
Was sich dort angesammelt und festgesetzt hat, das sind Schreie und Gebrüll. Und die kommen vom Fleisch. Ich habe zu viel davon gegessen. All die Seelen sind drort eingeklemmt, da bin ich sicher. Blut und Fleisch werden verdaut […] Der Rest wird ausgeschieden. Aber die Seelen klammern sich hartnäckig in meinem Magen fest. …

Die Verständnislosigkeit der Umwelt äußern sich in heftiger, ja, brutalen Aktionen gegen die junge Frau. Versucht der Mann auch aus Eigeninteresse zumindest anfänglich noch, seine Frau in Schutz zu nehmen, so provoziert der Vater (obwohl sicherlich in Verkennung des Ernstes der Lage) einen Suizidversuch, mit schierer Kraft schiebt er seiner Tochter ein Fleischstück in den Mund. Später, in der Klinik, sind die Behandlungsmethoden ebenfalls oft auf Gewalt gegründet, die den Willen der Patientin, deren Weigerung zur Kooperation ignoriert und mit Anwendung von Zwangsmitteln bricht.

Yong-Hye wird zum Störfaktor, auf privater und auf gesellschaftlicher Ebene. Die private Entscheidung zu einem bestimmten Lebensstil offenbart immer stärker ihren Wahncharakter. Das die junge Frau sich auch in der Öffentlichkeit hin und wieder völlig unaufgeregt barbusig zeigt, passt ins Bild. Yong-Hye wirft das geordnete, vorgezeichnete Leben aller Personen, mit denen sie in Beziehung steht, durcheinander.

Die ältere Schwester In-Hye hasst Yong-Hye mittlerweile, machdt sie für das eingetretene Unglück verantwortlich, besucht sie aber trotzdem regelmäßig in der Klinik und fängt an, über ihr eigenes Leben zu reflektieren und bislang nicht hinterfragte Prinzipien in Frage zu stellen:

Alles ist sinnlos.
Ich halte es nicht mehr aus.
Ich kann so nicht weitermachen.
Ich will nicht mehr. 

Noch einmal betrachtete sie die Dinge, die um sie herum standen. Sie gehörten ihr nicht. Ebenso wenig wie das Leben, das sie führte. […] Sie verstand, dass sie schon seit langem tot war. Dass ihr kräftezehrendes Leben nur ein Trugbild war, eine Farce. […]

Wir begleiten In-Hye bei ihrem Besuch der Schwester. Es ist eine lange Busfahrt in strömenden Regen, durch sich in den Boen wiegende Bäume, durch dunkle Tunnels, alles ist symbolisch aufgeladen. Schon während dieser Fahrt, aber vor allem bei der Schwester, der es sehr schlecht geht, kommen immer wieder Bilder aus der Vergangenheit hoch, die sie jetzt auf einmal deutlicher sieht, im Lichte der familiären Katastrophe neu einordnet und sie kommt zu der Erkenntnis, daß das Leben und die Ehe, das/die sie geführt hat, auch sie in eine Katastrophe hätte treiben können: Sie sieht die Wahrheit deutlich: Wenn nicht ihr Mann und Yong-Hye die Ersten gewesen wären, die Grenzen überschritten und damit die heile Welt zerstört hatten, dann wäre es wahrscheinlich sie selbst gewesen, die sich aufgelöst hätte und auf Nimmerwiedersehen verschwunden wäre. …


Das Buch, ausgezeichnet mit dem Man Booker International Prize 2016 (einem Preis für ausländische, ins Englische übertragene Bücher) ist schmal und liest sich gut. Die Sprache ist einfach, klar, nüchtern und sachlich, sie stellt keineswegs große Ansprüche an den Leser. Das Geschehen ist dramatisch. Es ist nicht die Tatsache, daß eine Frau beschließt, kein Fleisch mehr zu essen, dies wäre auch in Korea zwar seltsam, aber unter Umständen als neue Sitte noch akzeptabel gewesen, es ist die Tatsache, der Rigorosität und des Fehlen eines nachvollziehbaren Grundes. Ein Traum, in dem sie Gesichter sieht, die dem Fleisch bzw. den ehemaligen Tieren innenwohnenden Seelen, die sich in ihrem Inneren festklammern – gibt sie den Fragen ihrer Verwandten nach, so sind diese durch solche Antworten kaum zufrieden zu stellen.

Yong-Hye wird zur Aussenseiterin, der Versuch, sie mit Zwang in die Gesellschaft zurückzuholen, endet mit einer Katastrophe, wenn man so will, beginnt hier, mit dem Versuch des Vaters, ihr Fleisch in den Mund zu schieben, die Ursache-Wirkungs-Kette, die sich (zumindest auf diese geschilderte Art und Weise) zur familiären Tragödie auswächst, wobei man natürlich nicht weiß, wie es anders gekommen wäre.

Was machen mit Aussenseitern, die sich selbst durch harte Massnahmen nicht bekehren lassen? Yong-Hye wird nach dem Suizidversuch in eine Klinik gebracht, eingesperrt. Der Schwager erinnert sich Jahre später seines damaligen Eindrucks, daß es besser gewesen [wäre], sie wäre gar nicht erst wieder aufgewacht, so schwierig und unauflösbar sei ihre Situation gewesen. Eine Situation, die sich noch einmal wiederholen sollte, wieder diese beiden Menschen, Yong-Hye und der Schwager, die in einer für Aussenstehende unverständlichen und kompromittierenden Situation beobachtet werden und vom sofort herbeigerufenen psychiatrischen Notdienst abtransportiert werden.

Auch wenn Yong-Hyes Wahnvorstellungen in der Schilderung der Autorin in der Tat krankhaft sind – sie führen schließlich zu ihrem Tode, wie es uns der schwarze Vogel am Himmel im vorletzten Absatz symbolisiert – so lassen sich doch übergeordnete Aussagen aus dem Roman extrahieren:

(i) In der rigiden koreanischen Gesellschaft wird abweichendes Verhalten notfalls mit Gewalt korrigiert. Ist dies nicht möglich, muss der Abweichler eingesperrt und als Kranker behandelt werden. Anders ausgedrückt, plädiert Han Kang in ihrem Roman für das Recht, sich selbst auszudrücken, nach der eingenen Facon glücklich zu werden.
(ii) unter der glatten, unverbindlichen Oberfläche (koreanischer) Familien lauern Verwerfungen, Spannungen und unterdrückte Wünsche, die sich, wenn sie virulent werden, zu großen Tragödien auswachsen können.
(iii) (Familiäre) Katastrophen können aber auch die Chance bieten, das bisherige Leben zu reflektieren und neu zu gestalten.

Han Kangs Roman Die Vegetarierin ist ein kleines, unprätentiöses Schmuckstück. Kompromisslos nimmt sie die Verwerfungen unter der glatten Oberfläche ihrer Mitmenschen wahr und analysiert sie scharf. Ihre Protagonisten verzweifeln an der Gesellschaft, werden krank an ihr oder sind bereit, alles auf´s Spiel zu setzen, um sich selbst zu verwirklichen. Letztlich scheitern jedoch alle Figuren des Romans und die Gesellschaft geht darüber hinweg, als hätte es sie nie gegeben.

Links und Anmerkungen

[1] http://www.koreanbook.de/deutsche-buecher/literatur-und-belletristik/romane/?sPage=1&sPerPage=48
[2] Einstieg im Börsenblatt im August (KW 33) auf Platz 16, Ende September (Kw 38) wird er nicht mehr geführt (https://www.boersenblatt.net/artikel-buchcharts_____die_aktuellen_bestsellerlisten.1240483.html, Stand: 05.10.2016)
[3] Wiki-Beitrag zur Autorin:     https://de.wikipedia.org/wiki/Han_Kang

Han Kang
Die Vegetarierin
Übersetzt aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee
Originalausgabe: 채식주의자, Ch’angbi, 2007
diese Ausgabe: Aufbau-Verlag, HC, 190 S., 2016

 

Sam Fuller: Shock Corridor

Samuel Fuller [1] drehte diesen Film [3] im Jahr 1963. Der Plot läßt sich in der Wiki ausführlich nachlesen [2], deshalb gibt´s den hier nur in der Übersicht: Der ehrgeizige Journalist Johnny Barrett will den Pulitzer-Preis erhalten und recherchiert dazu einen Mord, der in einer psychiatrischen Klinik begangen wurde. Dazu muss er sich selbst in diese Klinik einweisen lassen. Nur mit Mühe kann er seine Geliebte Cathy dazu überreden, sich als seine Schwester auszugeben, mit der er ein inzestuöses Verhältnisch eingehen will. In der Klinik kann er drei „Zeugen“ des Mordes identifizieren, die er aushorchen will.

In diesen drei Zeugen konzentriert sich die Kritik Fullers an der amerikanischen Gesellschaft. Diese richtet sich im ersten der Zeugen, einem Mann, der sich für einen Konförderiertengeneral hält, gegen die Militarisierung der Gesellschaft (der Koreakrieg ist noch nicht lange vorbei und die Veteranen werden von der Gesellschaft nach ihrer Rückkehr schlecht behandelt, ferner wird die Angst vor dem Kommunismus geschürt und instrumentalisiert), gegen die Rassendiskriminierung (der schwarze Patient Trent, ein ehemaliger Student, leidet an der Vorstellung, ein Weißer zu sein, dessen Tochter einen Schwarzen heiratet. Ich denke, die Rassenhass-Monologe, die er im Film von sich gibt, sind wörtliche Zitate aus dieser Zeit, die Figur des Trent, die sich z.B für ein Grundungsmitglied es Ku-Klux-Klan hält, ist am auffälligsten gezeichnet). Im infantilen Physiker Boden, dem letzten der Zeugen, drückt sich die Kritik an der nuklearen Aufrüstung aus.

Barrett gelingt letztlich die Aufklärung des Mordes, aber die Zeit in der Anstalt färbt auf ihn ab, seine Verbissenheit, den Mord aufzuklären, die „medizinische“ Behandlung durch die Ärzte (z.B. Elektroschocks) führt dazu, daß er selbst immer mehr Wahnvorstellungen entwickelt. Zum Schluss kann er den Mörder zwar stellen, aber er hat sein eigenes Leben durch seinen Ehrgeiz zerstört.

Der Film spielt im wesentlichen auf dem Flur der Anstalt, nur wenige Szenen sind im Schlafraum bzw. im Behandlungszimmer, daher rührt der Titel des Streifens. Die „Aussenwelt“, repräsentiert durch die Redaktion der Zeitung, für die Barrett arbeitet, ist kalt, abgebrüht und bereit, über Leichen zu gehen. Auf Gefühle, z.B. denen von Cathy, wird keine Rücksicht genommen, das Ziel heiligt jedes Mittel.

Obwohl der Film ja ein ernstes Thema behandelt, ruft er an einigen Stellen ein spontanes Lachen hervor. Zu seltsam sind manche Szenen. An einer Stelle z.B. öffnet Barrett versehentlich die Tür zum Frauentrakt, in dem offensichtlich alle Frauen nymphoman sind. Vor dieser Gefahr wurde Barrett schon vorher gewarnt. Im Gegensatz zum sauberen Flur der Männer sind bei den Frauen auch die Wände mit (für die damalige Zeit) eindeutiger Graffiti, die wohl die erotischen Wünsche der Frauen wiederspiegeln sollen, verziert. Vielleicht ein Bild Fullers für die Doppelbödigkeit der amerikanischen Moral…. jedenfalls wird Barrett von mehreren Frauen in einer Art rituellem Tanz eingekreist, die Frauen nähern sich ihm wie ein Schwarm Piranhas, stürzen sich auf ihn und … also, so wie nachher aussah, waren es eher Kannibalinnen, die sich da auf ihn stürzten und ihn zu Boden rangen. Hoffen wir mal, daß die Damen keinen Appetit auf Hot Dogs hatten…

In gewisser Weise ein Zeitsprung, an dem man doch sehr deutlich die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte festmachen kann, ob sie nun das Verhältnis Mann/Frau betreffen, die Zustände in psychiatrischen Kliniken oder die insgesamt aggressive Stimmung in der Gesellschaft. Natürlich hat sich auch die Art, Filme zu drehen, völlig verändert, auch deswegen oft die unfreiwillige Komik einiger Szenen.

Der Korridor der Anstalt, ein Weg ohne Ziel, ohne Ausgang. Wer einmal dorthin gekommen ist, kommt nicht mehr weg, so wie Barrett, der Journalist. Das Erschrecken der Männer ausserhalb (hier seines Chefs) kommt zu spät, der Frau bleibt nur die Rolle als duldendes, leidendes und hilf- bzw. einflussloses Wesen. Die amerikanische Gesellschaft (der damaligen Zeit): für Fuller eine kranke Gesellschaft in der Sackgasse. Wie würde Fuller das heute sehen?

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Artikel über Samuel Fuller
[2] Wiki-Artikel zum Film
[3] der Trailer zum Film
[4] Fuller, Kafka, Klasen: Warum, wieso, weshalb?

Sigrid Neudecker: Wie war ich?

Sigrid Neudecker ist keine Unbekannte. Sie schreibt in der ZEIT Wissen-Redaktion und, manche mögen sie von daher noch eher kennen, sie betreibt den ZEIT Sex-Blog, weil sie „der festen Überzeugung [ist], dass es keinen Grund gibt, das Thema Sex nicht genauso offen zu behandeln wie andere Alltäglichkeiten“. Recht hat sie. Auch wenn sie damit als kleiner Multiplikator genau das macht, was sie im ersten Kapitel ihres Buches durchaus eloquent und zustimmungsfähig anprangert: nämlich langsam aber sicher die Schamgrenze senken und die Privatsphäre auslöschen.

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Aber eins nach dem anderen. Der Untertitel des Buches lautet: „Der Mythos vom perfekten Sex“. Bevor sie aber zu diesen Thema kommt, führt sie einen unterhaltsamen Rundumschlag gegen die gesellschaftliche, vor allem durch das Fernsehen, in den letzten Jahren dann auch durch das Internet festzustellende Tendenz, Privates zugunsten des öffentlichen aufzulösen. [1]

Als einen der Initialpunkte erwähnt sie den (den älteren unter uns vielleicht noch bekannten) Auftritt von Leonie Stöhr 1970 bei „Wünsch dir was“, der seinerzeit zu heller Empörung im bundesdeutschen Feuilleton führte. Ein paar durch Kleidung sichtbare Brüste.. was ist das schon gegen den Pen.isbru.ch von Dieter B. oder auch Jürgen Drews… Der Knackpunkt, den Neubauer anführt, wird vllt noch deutlicher, wenn man ein paar Jahre zurück geht: Hildegard Knef zeigte sich 1950 in „Die Sünderin “ nackt. Deutschland tobte. Aber im Gegensatz zu Stoehr war Knef eine Schauspielerin, der Auftritt von Stoehr war ein Auftritt von jemandem wie dir und mir. Und – so unscheinbar das seinerzeit angefangen hat – so fulminant und vehement erodierte die Schamgrenze. Bei Tutti Frutti (das keiner schaute, aber jeder kannte….) strippten die Teilnehmerinnen selbst und ließen die Hüllen fallen, in Sendungen wie „Wahre Liebe“ oder bei Erika Berger wurde sich auch verbal kaum noch Hemmung auferlegt. Und der Daily Talk am Nachmittag, das Schmidt´sche Unterschichtenfernsehen, ließ dann endgültig jede Beschränkung ausser acht: dort tobten sich herr und frau nachbar für eben dieselben aus.

So erodierte (nach Neudecker, und wer wollte ihr widersprechen) im Lauf weniger Jahre vor allem durch das Fernsehen, aber auch durch Printmedien, die natürliche Scham der Menschen: was die da oben können, kann ich auch! Das Mitteilungsbedürfnis, wer wann mit wem wie oft und warum in welcher Stellung gemacht hat, wuchs weiter und weiter, was vom Wesen her privat und intim ist, durfte dies nicht bleiben. Und über das, was heutzutage auf immer und ewig in facebook, in blogs und foren an Daten und Einzelheiten verbreitet ist (und kaum einer stört sich drum, daß er oftmals mit den AGB´s auch die Rechte an den veröffentlichten Daten/Bildern abgibt)…. wer 1985 den Aufstand über die Volkszählung miterlebt hat, schüttelt eh nur den Kopf…..

Neudecker versucht in diesem einleitenden Kapitel folgende Kausalkette plausibel zu machen: Die Ablösung der exotische Figur „Schauspieler“ oder „Darsteller“, der von seiner Rolle lebt, durch den Mann/die Frau von nebenan, also durch jemanden wie uns, die Zuschauer selbst führt zu dem Effekt, daß langsam aber sicher, daß, was in den entsprechenden Darbietungen geschildert, gezeigt wird, als normal angesehen wird. Dies koppelt jetzt wieder rück auf die Medien, indem sich der Gedanke festsetzt, was überhaupt dort geschrieben steht, muss die Wahrheit sein. Und dies wird jetzt verallgemeinert auf alle Medien, ob Ratgeber in Buchform oder Frauen-/Männerzeitschriften, seien es TV-Reportagen oder Meldungen und Beiträge im Internet: Der Mythos entsteht und setzt sich in den Köpfen fest.

Und diese Mythen, und damit sind wir endlich beim Untertitel, entlarvt sie in den folgenden Kapiteln ihres Buches. Zum Beispiel in „Pimp my body“: Wie sieht der erstrebenswerte Körper von Männlein und Weiblein im Bild der Medien aus? Sixpackig, siliconbrüstig, knackärschig und symmetrisch-labig (womit gemeint ist, es gibt auch asymmetrisch ausgeformte Labien, was natürlich (sic!) korrigiert werden kann. btw: daß Neudecker in ihrem Aufzählung der Skurrilitäten garnicht auf das Anal-Bleaching eingegangen ist.. nicht, weil mich das besonders interessiert, aber ich hätte gerne gelesen, wie sie das niederschreibt….). [2] Ebenso und genau die Frage: „Wie sieht der perfekte Sex aus?“, wann, wo, wie, mit wem warum und wie oft? Und überhaupt….

Neudeckers Buch ist kein wissenschaftliches Elaborat mit entsprechendem Vokabular über das Thema, es ist mehr ein persönlicher Appell an den gesunden Menschenverstand des Lesers, all das, was ihm die Medien vergaukeln, beiseite zu schieben und sich darüber klar zu werden, was ER denn SELBST will und mag. Brüste unterliegen eben natürlicherweise der Schwerkraft, Penisse sind nicht immer eisenhart und Haare wachsen auch nicht nur auf dem Kopf…. Wenn ihm/r einmal vögeln im Monat reicht und er/sie damit zufrieden ist, dann sollte man sich durch Geschwätz nicht einreden lassen, zum perfekten Sex gehöre 3 mal die Woche mit 5 unterschiedlichen Stellungen….. Zur Selbstbestimmung zurückfinden, das ist ihre Aufforderung an uns alle.

Das Buch liest sich sehr unterhaltsam, auch wenn ich sagen muss, daß Neudecker so ein klein wenig ihrer eigenen Feststellung, daß die Schamgrenze immer weiter gesenkt wird, auf den Leim geht. So hält sie beim Weiblein zwar an der „Vagina“ fest, das männliche Pendant bezeichnet sie aber oft ungebremst als Sch*anz, Schni**edel, Ständer… f*cken ist auch so ein Wort, das kennt natürlich jeder und es mag Situationen geben, in denen es (und nur es) angebracht ist, aber in einem Buch, was ernst genommen werden will, hat es m.E. nach nichts zu suchen. So unterhalten sich die Menschen, die ich kenne, auch nicht. Es mag in der großen Stadt anders sein, vllt ist dort die Schamgrenze wirklich so weit abgetaucht, wie Neudecker es suggeriert, das kann ich nicht beurteilen. Aber trotz dieses Einwands ist ihrer These, daß das, was man täglich im TV, in der Werbung, im Internet an Sex sieht und hört und was dadurch öffentlich gemacht wird, die allgemeine Empfindlichkeit gesenkt hat und das, was früher privat war, jetzt öffentlich wird, zuzustimmen. Und ihrer Aufforderung, sich wieder selbst auf die eigenen Bedürfnisse zu besinnen und sich nicht fremdbestimmen zu lassen, sowieso….

Facit: ein unterhaltsames Buch über ein ernstes Thema, bei dem man an vielen Stellen anfängt zu sagen: ja, das stimmt, da hat sie recht!

Link zu einen podcast (Interview mit Neudecker bei swr1. einen besseren habe ich leider nicht gefunden….)

Sigrid Neudecker
Wie war ich?
Fischer Tb, August 2009, 247 S.
ISBN-10: 3596182328
ISBN-13: 978-3596182329

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[1] Zufälle… mir ist beim Aufräumen das Buch von Domian/von Sinnen: „Jenseits der Scham“ in die Hände gefallen (ich habe es noch in einer anderen Ausgabe als der verlinkten, mit Doppeltitel: Extreme Leben/Jenseits der Scham). Das war ja auch schon so ein früher Versuch, den Mann/die Frau von der Straße als voyeuristisches Objekt für den Zuhörer/-schauer zu präsentieren. Natürlich ging man damals, 1994, im immerhin öffentlich-rechtlichen Bereich etwas schamhafter vor, aber das ist nur das Feigenblatt. Motiv für die Sendung war, so Fritz Pleitgen (Intendant) in seinem Vorwort: „Dem Radio des WDR ging das junge Publikum stiften. Mit aller Kraft [soll wohl heißen, egal wie….] sollte der böse Trend gestoppt und umgekehrt werden.“ Nun ja, jenseits der Scham (aus dem Inhaltsverzeichnis): Fisten, Jung und lesbisch, Der Schwanz, Sodomie, Kindesmissbrauch, Inzest, Alt und schwul, Autofellatio (nein, das ist kein Autotest), Päderasten etc pp…. ich muss zugeben, einen gewissen Unterhaltungswert kann man den einzelnen Beiträge nicht absprechen….. Jenseits der Scham eben…

[2] Mein Zahnarzt, bei dem ich heute saß, parlierte ein wenig mit mir (wahrscheinlich um das Kreischen des Bohrers zu übertönen…] und erzählte, daß er am Wochenende die Praxis eines befreundeten Kollegen besucht hätte, der nur noch High-End-Behandlungen macht und sich auf das Spritzen von Botox spezialisiert hätte….. die Nachfrage nach starren Mienen ist wohl da….