The woman in white (1890), Cover
Bildquelle: [B]

Dieser Roman, dessen Erstveröffentlichung als Fortsetzungsroman 1860 erfolgte, stand Jahrzehnte bei mir als ungelesenes – und ich wage zu behaupten, seinerzeit ratlos in selbiges gestellte – Exemplar im Regal. Vielleicht brauchte ich als Leser einfach die vielen Jahre, um sozusagen ‚reif‘ zu werden… jedenfalls habe ich die letzte Zeit Spaß gewonnen an Büchern, deren Handlung im viktorianischen England angesiedelt ist und dazu gehört dieser Roman ganz zweifelsohne und unbestreitbar. Zudem begründet er ein Genre, er wird als einer der ersten Detektivromane angesehen, auch wenn die Hauptfigur des Walter Hartright [9] als Zeichenlehrer recht deutlich von dem abweicht, was man sich so als Detektiv vorstellt. Andererseits ist die Profession gar nicht so schlecht gewählt: ein Zeichner muss beobachten können und das kann Walter Hartright.

Man merkt dem Buch auch seine ursprüngliche Fassung als Fortsetzungsroman an: um die Leser bei der Stange zu halten (korrekterweise hätte ich wohl ‚Leserinnen‘ schreiben müssen, 1860 dürfte die Zahl von Männern, die Fortsetzungsromane gelesen haben, noch überschaubar gewesen sein), braucht es Spannung, braucht es Witz und Leichtigkeit, braucht es Dramatik, Tragik und die dazu passenden Figuren. All das bietet Die Frau in Weiß und in der deutschen Fassung, die ich gelesen habe kommt mir Arno Schmidt noch ein fantastischer Übersetzer hinzu, der nicht nur neue Wortkreationen in seinen Text einbaute (sonnenscheinte, submissirte….), sondern der auch die Stimmung des Textes in seiner Übersetzung eingefangen hat [4].


Worum geht es?

Besagter Walter Hartright ist Zeichenlehrer in London. In den Häusern, in denen er unterrichtet, ist er mit einem Professor Pesca bekannt geworden, einen nach England geflohenen (der Grund wird vom ansonsten redseligen Professor erst gegen Ende des Romans – und auch dann erst unter großer Not – enthüllt) Italiener mit beeindruckend kleinen Körpermaßen aber dem unbedingten Ehrgeiz, in jeder Beziehung zum echten Engländer zu werden. Diesem Pesca rettete Walter eines Tages das Leben, als dieser nämlich seine Schwimmkünste hoffnungslos überschätzend beim Bade im Meer unaufhaltsam dem Grund entgegensank. Die italienisch-temperamtentvoll überschäumende übergroße Dankbarkeit kann Pesca zu seiner Genugtuung ein wenig abtragen, als er eines Abends mit der Botschaft kommt, in der Provinz, in Cumberland, werde ein Zeichenlehrer gesucht. Die äußeren Bedingungen für diese Stellung sind excellent, trotzdem zögert Walter ein wenig, das allen verlockend erscheinende Angebot anzunehmen, kann aber letztlich keinen stichhaltigen Grund dafür nennen und gibt den Überredungsversuchen der Familie und Pescas nach.

Johnson’s England and Wales (1862) Cumberland ist die nördlichste der violett eingefärbten Regionen

Am Abend vor der Abfahrt wandert er vom Landhaus seiner Mutter im Hampstead langsam zurück nach London, in seine Wohnung. Es ist nach Mitternacht und er erschrickt, als er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter spürt. Er dreht sich um und sieht eine junge Frau, die ganz in Weiß gekleidet ist. Sie bittet um Hilfe, verrät jedoch kaum etwas von sich… und das wenige, das Walter erfährt, verblüfft ihn, ja, mehr als das: diese Frau erwähnt ihre glückliche Kindheit, die sie zum Teil in dem Haus verbracht hat, in das Walter morgen reisen wird….. Walter hält sein Versprechen, bedrängt die Frau nicht mit Fragen, setzt sie, in der Stadt angekommen, in eine Kutsche und läßt sie fahren. Kurz darauf kommt in großer Eile eine weitere Kutsche mit Männer auf der Suche nach einer in weiß gekleideten Frau, die aus einem Sanatorium geflüchtet ist….

Szenenwechsel: Zwar mit Verspätung, aber doch erreicht Walter Limmeridge House in Cumberland, lernt dort die Halbschwestern und zukünftigen Schülerinnen Marian Halcomb und Laura Fairlie kennen sowie deren Onkel Sir Frederick Fairlie, Esqu., die alte Gouvernante und diverse Diener. Laura ist blond und schön, Marian (nach eigenem Bekunden) brünett und häßlich (wobei sich dieses ‚Häßliche‘ nur auf das Gesicht bezieht, Walter, der sie beim Eintreten in den Raum zuerst von hinten sieht (Marian schaut ohne ihn zu bemerken aus einem der Fenster), ist von diesem Anblick entzückt..). Marian ist die erste Person, auf die Walter (außer dem Diener) am nächsten Morgen trifft, sie gibt ihm beim Frühstück eine sehr launige, amüsante Einführung in die Verhältnisse auf Limmeridge House… ihr gegenüber erwähnt Walter auch diese seltsame Begegnung am Vorabend seines Reisetages, woraufhin Marian verspricht, die alten Briefe der Mutter, die Lehrerin an der Schule war, an ihren Mann durchzuschauen, sei sei sicher, wenn das was wäre, stünde es in einem der Briefe…

…. und in der Tat, in einem der letzten Briefe, die Marian noch zu lesen hatte, berichtete die Mutter ihrem Mann von einer Frau, die mit ihrem süßen, aber in der Entwicklung etwas zurück gebliebenen Kind namens Anne Catherick aus familiären Gründen in das Dorf gekommen ist, und sie erzählt, das sie sich ein wenig um das Kind kümmerte. Unter anderem kleidete sie es neu ein, ganz in weiß…. es ist genau dies der Moment des Berichts von Marian an Walter, in dem die Schwester Laura, ganz in Weiß gekleidet, von außen durch das Fenster auf die beiden schaut und Walter eine frappierende Ähnlichkeit erkennt mit der Unbekannten, die er in London getroffen hatte.

Das ist in etwa die Ausgangsituation, die sich in den ersten knapp 100 Seiten ergibt. Aber keine Angst, ich werde nicht so ausführlich weiter schreiben, diese Ausführungen waren jedoch notwendig, um herauszuarbeiten, um was es im Roman geht: um die Identität dieser rätselhaften Frau in Weiß und um die Frage, was die Ähnlichkeit zwischen Laura und dieser Frau bedeutet: mit anderen Worten, es geht um das Schicksal der Personen, die wir bisher kennen gelernt haben, denn auch Walter ist direkt darin involviert, hat er sich doch – soviel sei verraten – schon sehr bald in Laura verliebt…

… ein unglückliches, zwar von beiden empfundenes, gottseidank jedoch nie ausgesprochenes Gefühl, denn die Hochzeit Lauras mit Sir Percival Glyde steht bevor. Und justament in diesem Augenblick wird ein anonymer Brief überbracht, der dunkle Andeutungen über den zukünftigen Ehemann Lauras enthält. Damit ist der Keim des Misstrauens gesät und obwohl sich der zukünftige Ehemann, der kurz darauf in Limmeridge House eintrifft, allem Anschein nach als tadellos höflich und bezüglich der gegen ihn im Raum stehenden Vorwürfe als ebenso auskunftsfreudig erweist, wandelt sich langsam aber sicher die Sympathie für ihn in Angst vor ihm… doch Laura fühlt sich durch ein dem Vater am Sterbebett gegebenes Versprechen gebunden, auch um den hohen Preis ihres ganzen, möglicherweise unglücklichen Lebens.

Man ahnt es, die Schicksale der beiden Frauen, Anne Catherick und Laura Fairlies, sind im tief Verborgenen miteinander verknüpft, die Szene, in der Walter Lauras Schwester Marian von seiner seltsamen Begegnung erzählt und Laura weiß gekleidet vor der großen Flügeltür erscheint, spricht Bände… und so handelt der ganze Roman, der einen Zeitraum von knapp zwei Jahren umfasst, davon, die Geheimnisse, die sich im Schicksal der beiden Frauen und in dem Sir Percivals verbergen, zu lüften, und das Leben Lauras, das nach der Hochzeit mit Sir Percival unglücklich zu nennen in der Tat ein heilloser Euphemismus wäre, zu retten und zum Glück zu führen….


Die Frau in Weiß ist ein voluminöser Roman von 295.000 Worten. Ich habe sie nicht selber gezählt, die Zahl wird von Vollmann genannt (wie auch immer er an diese Angabe gekommen ist) [8] und trotz dieses Umfangs ist das Buch in keiner Phase auch nur andeutungsweise langatmig. Dies hat, denke ich, mehrere Gründe. Sicherlich ist die Entstehungsgeschichte als Fortsetzungsroman einer davon (Die erste Folge des Romans erschien am 26. November in der von Charles Dickens (der mit Collins verschwippschwägert war) herausgegebenen Zeitschrift All the Year Round, (die online verfügbar ist und man sich daher das Vergnügen gönnen kann, das Original des Romans zu sichten [7]), die letzte Folge erschien dann am 25. August des Folgejahres. Der Autor musste also jeweils entsprechende Spannungsbögen aufbauen, die die Leserinnen bei der Stange hielten und auf die nächste Folge lauern ließen. Dies gelingt ihm ausgezeichnet, auch heutzutage mochte ich das Buch kaum aus der Hand legen.

Einfüh-rung des Protago-nisten in die von ihm doku-mentierte Geschichte [7]

Ferner bediente sich Collins eines Kunstgriffes: anstatt die Geschichte in Gänze von seiner Hauptfigur erzählen zu lassen oder von einem auktorialen Erzähler baut er seinen Roman wie eine Art Zeugenvernehmung vor Gericht auf: es kommen, wie er in seiner Einführung (siehe nebenstehende Abbildung) schreibt, jeweils die Personen zu Wort, die in der entsprechenden Situation am direktesten beteiligt und daher die glaubwürdigsten Berichterstatter waren. Diese Vorgehensweise macht den Text abwechslungsreich, da (zumindest in der Übersetzung) sich die individuellen Eigenheiten der jeweiligen Erzähler in ihrer Sprache niederschlagen. Das Geschehen ist aus der Rückschau geschildert, von daher ist zumindest eindeutig, daß die zentrale Figur des Walter Hartright alle Malaisen und Gefahren überlebt hat. Was für die wesentlichen Figuren des Buches nicht unbedingt gelten muss, beispielsweise erfahren wir im Lauf der Handlung davon, daß Laura Fairlie offensichtlich ihrer nervlichen Zerrüttung, die wohl zu einer Schwächung des Herzens geführt hat, erliegt. Ich kann mir förmlich vorstellen, wie sich in dieser Szene weiland jedwede Leserin in Tränenströmen gebadet wiederfand, auch ich dachte mir an dieser Stelle: ey, boay, kann doch wohl nich sein, ey, dat feine Mädchen jetz so apnippeln lassen… boay. dat ist man hart, ey. wenn dat man keine fehler is!: Ein weiteres Stilmittel Collins` also: das, was man heutzutage ‚Cliffhanger‘ nennt: man will, falsch: man muss einfach wissen, wie es weitergeht.

Ein Kampf des Guten gegen das Böse, David gegen Goliath, ein Duell, bei dem eine Partei eine geladene Waffe, die andere eine Erbsenpistole in der Hand hat…. ein lichtes Dreigestirn gegen den Fürsten der Hölle und das übrige Pack. Natürlich sind die Sympathien klar vergeben, aber gnadenlos führt Collins seine Figuren immer weiter in Unglück, läßt er die dunklen Mächte immer weiter vordringen, bis sie schier auf ganzer Linie triumphieren. Doch Walter nimmt den Kampf auf [6]…

Die Figurenzeichnung: zwar sind die Sympathien selbstsprechend auf Seiten der Guten, doch interessatnerweise sind weder Walter noch Laura meine Favoriten gewesen. Zu rein, zu engelhaft, zu wenig Makel wiesen auf, da waren andere interessanter: zuvördert ist hier natürlich auf Don Bosco.. ähhh den Conte Fosco zu verweisen, eine zwielichtige Figur, nach außen hin ein hochintelligenter, hochgebildeter, charismatischer Menschenverführer, aber unter dieser Oberfläche ein Schurke, das Mastermind hinter all den dunklen Plänen und Intrigen, die im Roman gesponnen werden. So dunkel-gefährlich er ist, eine Leidenschaft jedoch teile ich mit Don dem Conte: die Hinwendung zu Marian, von der ich ebenso wie er gefesselt wurde, eine Frau mit Mut, mit Intelligenz, mit Verantwortungsbewusstsein und auch Entscheidungsfreude; sicherlich eine Identifikationsfigur, ein Idol für viele der damaligen Leserinnen.

Im Roman jedoch ist die Welt noch in Ordnung, herrscht noch das Primat des Mannes, insofern spiegelt er die damalige Lebensumwelt. Laura beispielsweise dümpelt die ganze Handlung hindurch bis zum Ende auf dem Selbstständigkeitsniveau und mit dem Selbstbewusstsein eines Kindes herum, die Contessa ist ihrem Mann geradezu in Hörigkeit ergeben, ansonsten kommen als Frauenfiguren fast nur Dienstpersonal vor. Einzig die unsympathische Mutter Annes sticht heraus, die sich trotz widrigster Umstände Ansehen erkämpft hat, sie ist im Roman jedoch nur eine der Nebenfiguren, die Collins braucht, um der Handlung einen entscheidenden Impuls zu geben. Bleibt Marian als Hauptfigur, die ich vorstehend so herausgehoben habe. Aber auch sie ist immer wieder in einer selbst auferlegten Beschränkung gefangen, in der sie sich als Frau natürlicherweise sieht: selbst diese starke Persönlichkeit orientiert sich am Manne. Da ich aber nichts als eine Frau bin, und ergo zeitlebens verdammt zu Prüderie, Phlegma und Petticoats, ….. oder Er [i.e. der Conte Fosco] schmeichelt meiner Eitelkeit dadurch, daß er sich mit mir so ernst und verständig unterhält, als wäre ich ein Mann. Jawohl! sind Aussagen aus Marians Tagebuch, indes der Conte Fosco z.B. verkündet: … denn wir Beide [i.e. er und seine Frau] haben nur noch eine Meinung, und das ist die meine. 

Nicht alle Männer jedoch sind stark. Lauras Onkel Frederick beispielsweise ist eine Karikatur, möglicherweise des ganzen Adels: kränklich, wehleidig, hypochondrisch, selbstmitleidig, permanent unpässlich, unhöflich, ungerecht und was einem an ‚un-’s noch einfallen mag. So sehr man ihn auch durchschütteln möchte, so sorgt er für doch für manch heiteren Moment im Stück – er ist die komische Figur im Buch, wenngleich eine mit unheilvoller Machtbefugnis. Ein Beispiel für inhärenten Humor, den er in die Handlung trägt: Ihm wird die Zofe Lauras gemeldet. „Lady Glyde’s Zofe soll hereinkommen, Louis. – Halt! knarren die Schuhe?“ – Ich konnte nicht umhin, diese Frage zu stellen. Knarrendes Schuhwerk reicht hin, mich für den Rest des Tages zu ruinieren. .. Selbst meine Dulderkraft hat ihre Grenzen. … gleichfalls ist der ungeliebte Mann Lauras, Sir Percival Glyde auf seine Art ebenfalls schwach: böse, unbeherrscht, jähzornig und wenig weitschauend. Er kompensiert seine Schwäche durch Aggressivität, in der Nähe des Conte wird er von diesem meist erfolgreich geführt.

Last aber bei weiten not least ist es jedoch der gesamte Plot der Geschichte, die Collins erzählt: Tragik, Dramatik, Herz und Schmerz, Liebe und Verrat, Lug und Trug, Verbrechen und edelste Gesinnung: an nichts sparte der Autor und gegen Ende der Handlung kommt es sogar zu einer gewissen ‚Action‘: Alles spitzt sich zu auf die finale Auseinandersetzung!

In einem Roman von fast 300k Worten ist viel enthalten. So könnte man noch auf die immer wieder durchscheinende abfällige Meinung, die gegenüber Ausländern durchscheint (Nun habe ich Ausländern gegenüber prinzipiell Gefühle menschlicher Duldung in mir zu nähren gesucht. Unsere Segnungen und Vorzüge sind ihnen nun einmal nicht zuteil geworden, …. so die Haushälterin Sir Percivals), eingehen, andererseits gibt es ebenso selbstkritische Passagen über England, wie hier beispielsweise über die zeitgenössische Stadtplanung: Gibt es in den Ödnissen Arabiens wohl eine Sandwüste, inmitten der Ruinen Palästinas den Anblick einer Verlassenheit, der mit dem widerwärtigen Eindruck auf das Auge, der niederschlagenden Wirkung auf das menschliche Gemüt wetteifern kann, wie ihn ein englisches Landstädtchen in den ersten Anfängen seiner Entstehung, im Übergangsstadium zum Wohlstand, mühelos erzeugt? 

Gegen Ende des Romans gibt Collins seiner Leserinnenschaft dann noch einmal so richtig Zucker: …. erzähle ich auch diese ganze Geschichte mit veränderten Namen. klingt beinahe so, als wäre das alles – so oder so ähnlich – in realiter tatsächlich geschehen. Ein Geschehen, das so außergewöhnlich ist, daß Collins auch noch einen Ratschlag bereit hält und Walter Hartright zum Schluss ausrufen läßt: Welch eine Situation! Ich empfehle sie den knospenden Romanschreibern Englands. Ich offeriere sie als gänzlich neu, den ausgeschriebenen Dramatikern Frankreichs…

Es ist genug geschrieben und kann abschließend mit einem Wort gesagt werden: Die Frau in Weiß war für mich was den Inhalt angeht, ein riesiges Lesevergnügen, die Freude des Lesens beruhte jedoch ebenso auf der Art und Weise, wie Wilkie Collins das alles in Szene gesetzt hat und wie es mit Hilfe Arno Schmidt für uns in Deutschland in Worte gefasst wurde.

Links und Anmerkungen:

[1] in der Wiki zum Autoren:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilkie_Collins
es gibt aber auch eine Vielzahl von ‚Fan’seiten zu Collins, z.B. diese hier: https://wilkiecollins.de/index.php?m=&l=v&cont=start&s=a
[2] es ist nicht überraschend, daß das Internet voll ist mit Hinweisen zum Buch. Hier zwei  davon, einmal die unvermeidbare Wiki: http://www.wilkie-collins.info/books_woman_white.htm und ferner eine literaturkritische Analyse des Romans, auch schon etwas angejahrt, aber der Name des Verfassers erinnert mich an was: https://wilkiecollins.de/index.php?m=&l=1&cont=life&s=w&kapitel=5
[3] —
[4] es schweift zwar etwas ab und gehört zwar nicht direkt zum Thema, aber die Einstellung Schmidts zum Genre des Kriminalromans ist diese Abschweifung wert. Dieser Aufsatz bietet einen schönen Überblick: Jan Süselbeck: Gedankenspiele von Lust & Mord – Ein kurzes Profiling zur notorischen Krimiverachtung Arno Schmidts;  http://literaturkritik.de/id/8510
Sofern jemand den im Text erwähnten Essay Schmidt zur Frau in Weiß auftreiben kann, wäre ich für eine Info dankbar!
[5] interessanter Artikel zum 150. Geburtstag des Romans: https://www.theguardian.com/books/booksblog/2009/nov/26/woman-in-white-150-years-sensation
[6] darin ähnlich unkaputtbar wie diese Maus:  https://www.youtube.com/watch?v=scXdT4ObY9k
[7] http://onlinebooks.library.upenn.edu/webbin/serial?id=allyearround; hier der Link zum Romanbeginn: https://archive.org/stream/allyearround02dick#page/94/mode/2up/search/Collins
[8] Rolf Vollmann: Die wunderbaren Falschmünzer – Ein Romanverführer; Eichborn, 2004; S. 1046
[9] manchmal frage ich mich wirklich, ob die Menschen, die den Klappentext verzapfen, das Buch überhaupt aufgeschlagen haben. So heißt die Hauptfigur auf dem hinteren Umschlag William anstatt Walter, auch dessen Begegnung mit der Titelfigur wird ziemlich falsch wiedergegeben….

Bildquellen:

(i) Cover 1890: By Cover art 1889 Chatto & Windus yellowback [Public domain], via Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_woman_in_white_Cover_1890.jpg)
(ii) England Karte: Alvin Jewett Johnson [Public domain], via Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1862_Johnson_Map_of_England_and_Wales_-Geographicus-_England-johnson-1862.jpg#)

Wilkie Collins
Die Frau in Weiß
Übersetzt aus dem Englischen von Arno Schmidt
Originalausgabe: The Woman in White, erstveröffentlicht in: All the Year Round, 1859/60
diese Ausgabe: Fischer TB, ca. 870 S., limit. Sonderausgabe 1998

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Diesen 2002 erschienenen Roman der englischen Literaturwissenschaftlerin und Schrifstellerin Sarah Waters [1] zu besprechen, ist eine kleine Herausforderung für mich, denn ich muss von meinem altgewohnten Schema, mehr oder weniger ausführlich auf den Inhalt einzugehen, abweichen. Bei Solange du lügst wäre eine solche Darstellung der Handlung ein dicker, dicker Spoiler, der den ganzen Reiz des Romans zunichte machen würde. Daher werde ich mich inhaltlich weitgehend auf den ersten von drei Teilen des Buches beschränken.

Dieser erste Teil beginnt mit diesem Satz: In jenen Tagen hieß ich Susan Trinder, ein Satz, der uns schon einiges von Susan, genannt Sue, verrät. Zum einen, daß sie im Verlauf der Handlung wohl einen anderen Namen erfahren und annehmen wird und daß sie, egal welches Schicksal ihr die Autorin zugedacht hat, alles überleben wird, zumindest in einer Verfassung, die das Erzählen ihrer Geschichte ermöglicht.

Einer Geschichte, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England, in der Nähe Londons spielt. Sue, so will ich sie der Einfachheit halber nennen, wird in einer Art privatem und illegalem Waisenhaus mit integrierten Kinderverleih groß. Kinderverleih bedeutet, daß Mrs Sucksby ihre Schützlinge zum Betteln verleiht, es ist ein kleinkriminelles Milieu, in dem Susan aufwächst. Im Gegensatz zu allen anderen Mädchen wird Sue von ihrer Pflegemutter jedoch umsorgt und geliebt, auch Mr Ibbs, der Lebensabschnittsgefährte der verwitweten Waisenhausbetreiberin, der im Viertel als Hehler arbeitet, ist ihr zugetan, ein freundlicher und sanfter Mensch. Überhaupt ist das Leben in dieser Kleinganovenfamilie anscheinend ganz heimelig, das bisschen Klauen und Mopsen kann so schlimm ja nicht sein… Die Gefahr, die damit verbunden ist, wird verdrängt; die Strafen, wenn man erwischt wird, sind drastisch, der Richtplatz mit Galgen ist vom Haus aus zu sehen. Sues leibliche Mutter beispielsweise ist dort gehenkt worden, so erzählte es Mrs. Sucksby – aber sie war ja auch eine Mörderin, hat jemanden erstochen…..

Wie auch immer… in dieses Idyll platzt eines Tages ‚Gentleman‘, wie Richard Rivers, ein Hochstapler und Betrüger genannt wird, mit einem tollen Plan, der Aussicht auf einen immensen Gewinn bietet. Der aber auch menschlich sehr mies ist… und er braucht Sue dafür als Komplizin. Für einen Anteil von dreitausend Pfund ist diese auch bereit…

Sie soll als Zofe zu einer gewissen Maud Lilly gehen. Diese Maud ist die Nichte des schrulligen, exzentrischen Hausherrn auf Briar, der seine Nichte ähnlich einer Gefangenen auf dem Schloss hält, wo sie für ihn arbeitet, aber ansonsten keine Aufgabe oder Beschäftigung hat. Nie darf diese Briar verlassen, so wird sie auch nie einen Mann kennenlernen und nie heiraten und die die bei einer Hochzeit fällige reiche Erbschaft antreten können…. und genau hier hakt der Plan von Gentleman ein, denn er will heimlich mit Maud fliehen und sie heiraten und Sue als Zofe Mauds soll dies vorbereiten.

Das sagt sich für Sue einfacher als es ist, denn im Lauf der Wochen entwickelt sie Gefühle für Maud, die sie ihr auch offenbart, beispielsweise als sie gefragt wird, was denn in der Hochzeitsnacht von einer Ehefrau erwartet wird…..

Man möchte beim Lesen dieser Passagen Sue öfter mal in den Hintern treten, daß sie sich endlich zu ihren Gefühlen bekennen solle, aber letztlich stellt sie doch die Gewinnerzielungabsicht über diese zart erblühende Liebe. So kann Rivers zusammen mit Maud und Sue seinen Plan tatsächlich durchziehen, die drei fliehen nachts aus Briar und Maud und Richard heiraten in einer kleinen Kapelle, getraut von einem obskuren Geistlichen. Soweit, so gut, doch als es jetzt darum geht, den miesen Teil des Plans umzusetzen und Maud wieder loszuwerden, erfährt die Handlung eine völlig unerwartete Wendung um mindestens 540°….

Der zweite Teil des Romans wird aus der Sicht Mauds erzählt, sie schildert ihre Kindheit und frühe Jugend, die sie einem Irrenhaus verbrachte, in dem ihre Mutter bei der Geburt gestorben war. Die Pflegerinnen dort lieben das Kind, es wächst frei und ungebunden auf – ein Leben, das sich abrupt ändern sollte, als sie ihr etwas seltsam lebender und agierender Onkel zu sich nach Briar holt, in einer ganz bestimmten Absicht….

In diesem Abschnitt überlappen sich die Schilderungen Sues und Mauds über ihre gemeinsame Zeit auf Briar. Wie Spinnen lauern sie beide in ihren Netzen, die jeweils andere zu einzufangen, nicht wissend, daß sie selbst nur Figuren sind eines schon viel älteren Netzes, das schon seit langem sorgsam um sie gelegt worden ist. Und doch müssen beide ihre Gefühle unterdrücken, Gefühle, die mächtig sind, Liebe und Hass kämpfen miteinander in den Seelen der Figuren, verstricken sie in seelische Konflikte, die kaum zu lösen scheinen…. und dann noch dies:

… denn auch für Maud läuft nach der Flucht aus Briar noch lange nicht alles so, wie sie sich das vorgestellt hatte: Waters verpasst ihrer Geschichte noch einmal eine Wendung.


Solange du lügst besteht also aus drei Teilen, von denen Sue im ersten und dritten Teil die Erzählerin ist, Maud dagegen im Mittelteil, in dem sie ihre Geschichte schildert. Diese beiden jungen Frauen bilden zusammen mit Richard Rivers und dem Onkel Mauds auch die zentralen Figuren der Geschichte. Die die Autorin jeweils Sue und Maud erzählen läßt – also nicht auf einen allwissenden Erzähler zurückgegriffen hat – wirken auch die oft recht gegensätzlichen Sichten auf die Dinge glaubwürdig. Dabei liest sich die Geschichte sehr flüssig und schnell, viele Dialoge halten sie in hohem Tempo, aber auch die seelischen Konflikte schildert Waters sehr anschaulich. Andererseits hat die historisch bewanderte Literaturwissenschaftlerin Waters auch einiges an Lokalkolorit aus viktorianischer Zeit mit einfließen lassen. Man darf davon ausgehen, daß die Beschreibungen von z.B. London (die Verhältnisse in Irrenhäusern, das Vermieten von Kindern zum Betteln, die Enge und Ärmlichkeit der Häuser, der Dreck, der Lärm zumindest in den ärmeren Stadtteilen, der ewig graue Himmel über London, die bunt schillernde Themse, die allen Unrat der Stadt ins Meer mitnimmt…), aber auch die Darstellung häuslicher Verhältnisse den zeitgenössischen Standard wiedergeben, ebenso wie die der im geheimen blühenden Produktion und Rezeption erotischer Literatur, einem Fachgebiet, auf dem Waters ihre Promotion verfasst hat.

Interessant ist in dieser Hinsicht die Figur des Onkels von Maud, einem exzentrischen Büchernarren, der manisch an einer ausführlichen Bibliographie schreibt, einer Bibliographie über Erotika, wie wir später erfahren werden. Eine solche Bibliographie gibt es wirklich, ihr Verfasser ist ein gewisser Henry Spencer Ashbee, ein – genau – manischer Sammler von Erotika (nach Fuld [5] hat er nach seinem Tod der British Library einen Bestand von 15299 Werken vermacht, die den Grundstock des ‚Giftschranks‘ dieser Bibliothek bilden sollten), ferner ist dieser Ashbee Verfasser einer frühen Aufklärungsschrift über den bestimmungsmäßigen Gebrauch der betreffenden Organe beim Akt. Schien ihm selbst doch der Akt mit seiner pumpenden Bewegung der männlichen Hüfte, den klaffenden Körperöffnungen und den verzerrten Gesichter wenig elegant, so sollte er zumindest technisch ohne Komplikationen ablaufen. Deswegen ist Mauds schüchteren Frage an Sue, was denn von einer Ehefrau in der Hochzeitsnacht erwartet würde, gar nicht so sehr aus der Luft gegriffen, die Erotika, zu denen sie – auch das erfahren wir im zweiten Teil des Buches – Zugang hatte, enthielten solch sachbezogene Aufklärung nicht. Die nüchterne Ansicht Ashbees über die Ästhetik des Geschlechtsaktes ist auch insofern interessant, da er als (hinreichend sicher) vermuteter Autor von My Secret Life [3, 5, 6], eines über viertausend Seiten ausgebreiteten Liebesleben, in dem er innerhalb eines halben Jahrhunderts um die 1200 Frauen ‚besprungen‘ haben will (um einen von Waters im Roman für diesen Vorgang verwendeten Begriff zu nutzen) ….

Aber noch einmal zurück zum Buch. Alles hat ein Ende, die Wurst bekanntlicherweise zwei und auch ein Roman braucht zumindest eins… Die Handlung des Textes mit all ihren Irrungen und Wirrungen ist zum Abschluss gekommen, was fang ich an mit den Figuren? Hier einen wirklich gelungenen Abschluss hinzukriegen, scheint mir eine der schwersten Aufgaben eines/r Autoren/in. Auch in Solange du lügst deucht mich der Schluss der schwächste Teil des ansonsten so schönen Romans zu sein. Hier läßt Waters letztlich sterben, was Bösestwicht ist, bestraft, was minder schwerer Verfehlungen zu beschuldigen ist und was zusammengehört, wird schlussendlich zusammengefügt. Das die mit einem Thema zur erotischen Literatur promovierte Autorin am Ende dafür sorgt, das das Haus Briar diesem Genre treu bleibt, ist ein letzter, schöner Einfall Sarah Waters in Solange du lügst.

Auch wenn mir der Schluss des Buches etwas herbeigeschrieben vorgekommen ist, ändert das nichts an meinem Gesamteindruck, daß dieser im historischen Gewand des viktorianischen England daherkommende Krimi spannend ist mit all seinen Wendungen, daß er ferner eine differenzierte Zeichnung seiner Figuren aufweist (zu dem Punkt ließe sich vieles sagen, zumal die ‚Guten‘ nicht nur gut sind, sondern auch ihre dunklen Seiten, ihre Abgründe, haben. Aber das darzustellen würde den Rahmen dieser Buchvorstellung sprengen und zudem spoilen…) und daß Ort und Zeit der Handlung glaubwürdig dargestellt sind. Daß im Hintergrund parallel eine zarte Liebesgeschichte mitläuft, verleiht dem Roman zusätzlichen Reiz. Daß solch ein Roman Leser und Leserinnen hat, ist nicht verwunderlich, daß er ob seiner Beliebtheit auch verfilmt worden ist, ebensowenig. Den Trailer zum Film kann man sich natürlich bei youtube anschauen [6]

Links und Anmerkungen:

[1] vgl. hier die Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Sarah_Waters
[2] vgl. hier die Wiki: https://en.wikipedia.org/wiki/Henry_Spencer_Ashbee
[3] https://www.theguardian.com/books/2001/feb/25/biography.features
[4] Index Librorum Prohibitorum: being Notes Bio- Biblio- Icono- graphical and Critical, on Curious and Uncommon Books, by Pisanus Fraxi (London, 1877)
[5] Werner Fuld: Eine Geschichte des sinnlichen Schreibens, Galiani Berlin, 2014, S. 209 ff
[6] Walter: My Secret Life; Brüssel, 1888-1892 (englische Originalausgabe). Auf Deutsch u.a. in der Die Andere Bibliothek (Band 24) oder vollständig bei Haffmanns&Tollkemitt, Zürich. Man sollte sich aber nicht allzuviel versprechen, das Werk langweilt nach wenigen Seiten, das Übermaß verliert schnell an Reiz….
[7] Trailer (dt) zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=jzgBcrDVV4A

Weiter von Waters hier im Blog besprochen:

Die Muschelöffnerinhttps://radiergummi.wordpress.com…muscheloeffnerin/
beide Bücher sind in Neuauflagen bei Krug & Schadenberg zugänglich.

Sarah Waters
Solange du lügst
Aus dem Englischen übersetzt von Stefanie Retterbush
Originalausgabe: Fingersmith, 2002
diese Ausgabe: Aufbau Taschenbuch Verlag, ca. 625 S., 2005

Des 1966 verstorbenen englischen Autoren Evelyn Waughs [1] bekanntester Roman Wiedersehen mit Brideshead, der vor wenigen Jahren in einer gelobten Neuübersetzung bei Diogenes wieder erschienen ist, stand seit Jahren ungelesen bei mir in einer/der alten Übersetzung von Franz Fein im Regal. Mit zunehmendem Lesealter jedoch gewinnen diese englischen Gesellschaftsromane für mich immer mehr Reiz, ich habe weiter unten aufgelistet [3], welche ich davon – und alle mit Begeisterung – bis jetzt gelesen und hier vorgestellt habe. Jetzt also Brideshead, mir noch im Gedächtnis als (damals, Anfang der 80er Jahre) unvorstellbar dröge Fernsehserie [2], die ich mir konsequenterweise auch nicht angetan hatte. Vielleicht lag es die ganzen Jahre an dem dieser Serie entnommenen Umschlagbild der einfachen Taschenbuchausgabe, die ich mein eigen nenne:  es zeigt u.a. Jeremy Irons in der Figur des Erzählers Charles Ryder, dessen, den Niedergang einer aristokratischen Familie nachzeichnenden Erinnerungen der Roman wiedergibt.


Es ist eine Szene gleich vom Beginn des Buches. Verliebt betrachtet Charles Ryder den mit geschlossenen Augen an seinem Wein kostenden Sebastian Flyte. Beide sind neunzehn Jahre alt, in ihrem ersten Jahr als Studenten in Oxford, zum ersten Mal aus der Obhut der Familien in die eigene Verantwortlichkeit entlassen – und diese Freiheit ausnutzend. Sie genießen ihr Studentenleben, und dieser Genuss ist nicht der Zuwachs an Wissen….. Geld spielt bei beiden keine große Rolle, obwohl der Sproß des alten Adels der Marchmains, Sebastian, noch bedeutend besser gestellt ist als Charles… Es ist eine Sommerpartie, die die beiden mit einem Auto unternommen haben, sie liegen unter einem Baum, genießen sich und den Wein und das Essen, die Sonne, die laue Luft, das Leben, das vor ihnen liegt und so viele Möglichkeiten offenhält….

Wiedersehen mit Brideshead schildert die Geschichte der auf Brideshead residierenden Marchmains in den Jahren von 1923 bis 1939. Die Marchmains, das sind die Kinder ‚Bridey‘, Sebastian, Julia und Cordelia sowie die getrennt lebenden Eltern: die ihren Glauben lebende Mama Teresa und Edward Marchmain, der damals, 1918, nach dem Ende des Krieges, nicht mehr nach England zurück gegangen ist, sondern in Italien blieb, wo er mit Cara in Venedig lebt. Unnötig zu sagen, daß sein katholischer Impetus bei Null liegt.

Sebastian und Charles haben sich in Oxford kennen- und lieben gelernt, obwohl die homoerotische Komponente von Waugh nie ausgeschmückt wird und sich nur in Andeutungen wiederspiegelt. Obwohl Sebastian es am liebsten ganz vermieden hätte, lernt Charles die Familie der Marchmains kennen und wird als Freund von Sebastian, aber auch als eigene Persönlichkeit dort geschätzt. Das Verhältnis von Sebastian zur Familie ist gestört, ist neigt eher zu einer Art Nicht-Verhältnis. Es ist vor allem die subtile Art der Mutter, von der er sich unter Druck gesetzt fühlt, der Mutter, die mit ihrem Katholizismus – und sie versteht es prächtig, Gespräche mit ihr in diesem Sinne zu lenken – wie ein Bollwerk steht. Daß Charles sich als Agnostiker versteht, tut der gegenseitigen Sympathie keinen Abbruch, aber je mehr sich diese Sympathie zeigt, desto mehr fürchtet Sebastian, Charles an seine Mutter zu verlieren.

Die Geschichte, die Waugh erzählt, ist eine Rahmenhandlung eingebunden. 1944 liegt die Einheit des Hauptmanns Ryder in einem Bereitstellungsraum, von dem aus sie in einen anderen wechseln muss. Dort wird die Brigade in einem riesigen alten Herrenhaus untergebracht, das Ryder als das Haus wieder erkennt, das er so gut kennt und in dem er einmal heimisch geworden war, bevor sein Lebenstraum dann innerhalb kürzester Zeit zusammengebrochen war. Dieses Wiedersehen weckt die Erinnerungen an damals, sie brechen auf in ihm und werden lebendig, die Freunde von damals, seine große Liebe von damals, all das erscheint wieder in seinem Gedächtnis, in dem das Geschehen wie ein Film abläuft….

… ein Film, der wie schon gesagt, 1923 einsetzt mit der ersten Zeit als Student in Oxford, die dem Genuss gewidmet ist, dem Trinken vor allem. Aber schon hier zeigt sich, daß Charles und Sebastian auf getrennten Wegen wandeln. Cara sollte es später, als die beiden den alten Marchmain und seine Geliebte in Venedig besuchen, ausformulieren: Charles trinkt, weil es schön ist, hilft, den Augenblick zu genießen, Sebastian trinkt, um dem Augenblick zu entfliehen…

Ist das erste Semester der ungebundenen Lebensfreude gewidmet, schleicht sich ins zweite Semester Melancholie und Traurigkeit, ins dritte gar Finsternis. Während Charles ernstlich anfängt, zu studieren, ergibt sich Sebastian immer mehr dem Alkohol, seine Eskapaden führen letztlich dazu, daß er nur noch unter Aufsicht in Oxford bleiben darf, eine Bedingung, die er nicht akzeptieren kann.

Charles seinerseits fällt in Brideshead in Ungnade: er hat Sebastian mit Geld ausgeholfen, das dieser in Alkohol umgesetzt hat…. beide verlassen Brideshead: Sebastian flieht der Kontrolle durch die Familie und landet letztlich in Marokko, Charles verläßt Brideshead für immer, so wie er glaubt, gibt auch das Studium auf und geht nach Paris, um Maler zu werden.

1926 herrscht in England ein Generalstreik, in Paris gewinnt man aufgrund der Zeitungsberichte das Gefühl, eine Revolution fände statt. Mit Gesinnungsgenossen kehrt Charles aus Patriotismus nach England zurück, das jedoch keineswegs im Chaos versunken ist. Bei den Marchmains steht ein Trauerfall an: die Mutter liegt im Sterben und die Familie, die von seiner Rückkehr nach England erfahren hat, bittet Charles, Sebastian zu finden. Den er dann in Marokko auftreibt, jedoch nicht nach England schaffen kann. Mit dem Tod der Mutter und ihrem Requiem wird die Hauskapelle der Marchmains geschlossen….

Ein Zeitsprung von vielen Jahren…. Charles ist mittlerweile ein renommierter Maler geworden, er ist mit Celia verheiratet, die er in seinen Erinnerungen nur als ‚meine Frau‘ bezeichnet, nie mit Namen nennt. Zwei Jahre ist seiner Familie und vor der englischen Gesellschaft nach Südamerika ausgewichen, kehrt jetzt mit Skizzen und Entwürfen von dort zurück, erinnert sich kaum noch daran, daß seine Frau bei seiner Abfahrt erneut schwanger war – ihre Briefe hat er nur unregelmäßig erhalten, ob er sie überhaupt gelesen hat, ist ungewiss.

Auf der Rückreise über den Atlantik findet Charles Julia, ebenso verheiratet wie er, als Passagier an Bord eingeloggt. Die auf dem Schiff Versammelten vergnügen sich zusammen, geben Gesellschaften, die Charles anöden und vertreiben sich die Zeit. Was ansonsten in der Literatur häufig die Flut symbolisiert, dafür steht hier der auftretende Sturm, der das Schiff durchschüttelt, Celia praktischerweise zwei Tage seekrank ans Bett fesselt und der derart die Leidenschaft und die Liebe zwischen den von der Seekrankheit verschonten Julia und Charles ausbrechen läßt.

Beide lassen sich scheiden, wollen einander heiraten. Daß es letztlich nicht dazu kommt, woran liegt das…. letztlich läßt es sich wohl an der völlig unerwarteten Rückkehr des alten, mittlerweile siechen Lords auf seinen Sitz zurückführen, der das zwischen den Kindern ausgeklüngelte Arrangements wer wo wohnen und leben soll (auch der hölzerne Bridey wandelt zu dieser Zeit auf Freiersfüßen) durcheinander wirbelt… und am Horizont wütet auf dem Kontinent dieser kleine Mann mit seinen wahnsinnigen Ideen, die – so erkennt man mittlerweile – auf einen Notfall, vulgo: Krieg, hinauslaufen werden…..


Wiedersehen mit Brideshead ist ein Gesellschaftsbild mit einer katholisch gebliebenen Adelsfamilie in England, eine der wenigen. Das ist ein Problem für die Familie, besonders für die jungen Frauen, die eine standesgemäße Ehe eingehen wollen: die Auswahl möglicher Partner ist klein und die Frauen können nicht einfach nur warten, bis sie erwählt werden, sondern müssen selbst auf die Jagd gehen. An Julia, deren erste Ehe mit Rex Mottram (der seinerseits auf einen gesellschaftlichen Aufstieg spekuliert) auf diese Art zustande kommt, zeigt Waugh dies. Am Ende der Ehe ist Julia für Rex nur noch zwei Gemälde wert, für die er in die Scheidung einwilligt…

Der Roman zeigt jedoch in der Hauptsache den Zerfall einer Familie, verursacht (zumindest mitverursacht) durch die Religiosität, die besonders von der Mutter gelebt wird. Insbesondere der Sohn Sebastian ist diesem von der Mutter ausgehenden Druck nicht gewachsen, Cara (die Geliebte des Vaters) hat mit ihrer Beobachtung, der Trunk Sebastians sei Flucht, völlig recht. Sein relatives Lebensglück soll Sebastian, der nach der Abschied aus Oxford niemals mehr von sich aus mit der Familie Kontakt hat (die ihn ihrerseits jedoch finanziell unterstützt), tatsächlich erst in Marokko finden, gegen Ende des Romans schildert Cordelia, wie Sebastian (in ihrer Vorstellung) sein Leben halbwegs geordnet als Faktotum eines Klosters beschließen wird….

Das Netz, das die katholische Kirche auswirft, ist eng, keiner entkommt ihm… gegen Ende des Romans sind alle gefangen, Sebastians Schicksal habe ich schon erwähnt, Lord Marchmain, jahrelang im Konkubinat lebend, akzeptiert in der Sterbeminute noch die Sakramente, die die Familie ihm – gegen den Rat von Charles – geben läßt, Cordelia, ebenso wie Bridey nie am Glauben zweifelnd, empfindet zwar nicht den Ruf in sich, Nonne zu werden, widmet sich jedoch der Nächstenliebe als Krankenschwester im Krieg. Und Julia…. schreckt auf einmal vor der letzten Sünde zurück, will sich dieser nicht ergeben, dieser nicht… ist mit Sebastian schon der verlorene Sohn in gewissem Sinn heimgekehrt, kehrt mit Julia sozusagen die verlorene Schwester ebenfalls ‚heim‘: später, als Hauptmann, sollte Charles erfahren, daß Lady Julia Flyte zusammen mit ihrer jüngeren Schwester nachPalästina ist, dorthin also, wo Christus wirkte – eine auch geographische Heimkehr. Und Charles, der selbsternannte Agnostiker? Hauptmann Ryder, dem die Kirche letztlich sein Lebensglück im letzten Moment aus den Händen gerissen hatte, ging – und damit endet der Roman -im neuen Quartier in die alte Kapelle von Brideshead und sprach ein Gebet, eine alte, neuerlernte Wortfolge.

Wiedersehen mit Brideshead ist ein atmosphärisch sehr dichte Geschichte, über die jederzeit ein nie reißenden Schleier melancholischer Elegie geworfen ist. Eine willkürlich herausgegriffene Textstelle gegen Ende des Romans soll dies verdeutlichen. Am Abend sitzen Julia und Charles in Brideshead zusammen, er betrachtet sie: … es war ein Gewand, dessen Gewicht und steife Falten die Ruhe ihrer Haltung betonten; ihr Hals stieg köstlich schön aus dem einfachen Goldkreis oben auf; ihre Hände lagen still zwischen den Drachen [i.e. ein Muster im Kleid] in ihrem Schoß. … es fiel mir ein, daß sie so auf dem Schiff gesessen war, vor dem Sturm; daß sie so ausgesehen hatte und ich bemerkte, daß sie wieder besaß, was sie mir für immer verloren zu haben schien: die magische Traurigkeit, die mich angezogen hatte, das entbehrungsvolle, verkümmerte Aussehen, das zu sagen schien: Sicherlich bin ich doch für etwas anderes als das da gemacht worden? Es wäre interessant, den Stil der Neuübersetzung mit diese hier zu vergleichen.

Die Aristokratie ist wie in anderen Romanen dieser Zeit auch in Waughs Roman im Niedergang begriffen: sie lebt über ihre finanziellen Verhältnisse, hat sich den nach dem Ende des Ersten Weltkrieges geänderten gesellschaftlichen Bedingungen nicht angepasst. Aber der normativen Kraft des Faktischen kann auch sie sich kaum wiedersetzen: auflaufende Schulden müssen bezahlt, die Ausgaben den Einnahmen angepasst werden; es werden keine Einführungsbälle mehr für die Debütantinnen ausgerichtet. Die Phänomene werden im Roman nicht ausgewalzt, sondern Waugh stellt sie in wenigen Passagen, als z.B. Inhalt eines Monologes dar.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, daß das Buch in zwei Teil gegliedert ist: Es beginnt mit der Freundschaft zwischen Sebastian und Charles, wendet sich dann jedoch von Sebastian, der hin und wieder noch erwähnt wird, ab und konzentriert sich auf die Charles und Julia sowie deren Beziehung.

Ich habe mich beim Lesen dem Zauber, den das Buch ausströmt, hingegeben. Wie gesagt, eine stete Melancholie, elegische Passagen, tragische Schicksale: ein Sitten- und Gesellschaftsbild, das mich – obwohl es meine Lebensumwelt so fern ist – in seinen Bann gezogen hat. Daß der Roman in England in der Phalanx der besten eingeordnet ist, kann ich gut verstehen.

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Beitrag (engl.) zum Autoren: https://en.wikipedia.org/wiki/Evelyn_Waugh
[2] dto zur TV-Umsetzung des Buches: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiedersehen_mit_Brideshead
natürlich auch bei youtube zu finden: https://www.youtube.com/watch?v=_ZtPGYLEzpw
[3] weitere englische (Gesellschafts)Romane, die ich hier auf dem Blog schon vorgestellt habe:

Pat Barker
– Niemandsland
– Das Auge in der Tür
– Die Straße der Geister
Nancy Mitford: Englische Liebschaften
D.H. Lawrence: John Thomas & Lady Jane (Lady Chatterley)
Thomas Hardy: Im Dunkeln
Sarah Waters: Die Muschelöffnerin

Evelyn Waugh
Wiedersehen mit Brideshead
Die heiligen und profanen Erinnerungen des Hauptmanns Charles Ryder
Übersetzt aus dem Englischen von Franz Fein
Originalausgabe: Brideshead Revisited, 1945
diese Ausgabe: Ullstein, TB, ca. 320 S., 1982

Anthony McCartens funny girl erschien 2014 in deutscher Übersetzung, interessanterweise habe ich keine englische Ausgabe gefunden, auch bei z.B. goodreads wird nur auf den bei Diogenes erschienen, übersetzten Roman verwiesen [3]. Falls es tatsächlich keine englischsprachige Ausgabe gibt, hat dies möglicherweise (aber das ist natürlich nur eine Vermutung meinerseits) damit zu tun, daß die Hoffung des Autoren, jeder würde das Buch als Aufruf zur Toleranz und ‚Brücke zwischen den Kulturen‘ verstehen, dann doch nicht so gesichert ist [4]. Sei es drum, vielleicht gibt es ja auch verlagsinterne Gründe für diese zumindest ungewöhnliche Publikationsgeschichte.


Bei funny girl (nicht zu verwechseln mit der 1964 mit gleichen Titel publizierten Geschichte (?) etc pp. einer gewissen Isobel Lennart; sogar der große online-Händler ist hier ins Schleudern geraten [5]) handelt es sich um die Geschichte des Emanzipationsprozesses einer jungen Britin, deren Eltern aus dem kurdischen Teil der Türkei geflohen und nach England emigriert sind.

Die Familie Gervas wohnt in Green Lanes [6], einer Gegend im Norden Londons, in der sich viele kurdische bzw. türkische Emigranten angesiedelt haben, so daß diese hier im Großen und Ganzen ihr Leben noch nach den Traditionen ihrer Herkunftsorte gestalten können. Zwar haben sie sich durchaus eingerichtet im neuen Land, die Gervas sprechen sogar mittlerweile in der Familie im Alltag die Sprache des neuen Landes, wenngleich sie in Krisensituationen wieder in die uralte Sprache ihre Heimat mit all den Gesten und Mimiken ‚zurück’fallen. Der sowieso schon immer potentiell schwelende Konflikt zwischen den Generationen wird in diesen Familien durch den Zusammenprall der Kulturen in seiner Härte noch potentiert. Die erste Generation, der die Titelheldin Azime angehört, ist zwischen den zwei Kulturen wie zwischen zwei Mahlsteinen eingeklemmt, denn deren konstituierenden Merkmale sind kaum miteinander zu vereinbaren.

Diesen existentiellen Konflikt bekommt Azime zu spüren. Sie, die zwanzigjährige Britin, liebt das Leben, sie lacht gerne so wie sie gleichfalls die Begabung hat, sich Witze zu merken und sie zu erzählen. Sie kann ihre beste Freundin Buna damit aus deren Trübsal über ihr Schicksal, das dem Azimes entgegengestellt wird und ihr den Horror vermittelt, den ein tradionelles Leben potentiell für sie als Frau bereit hielte, herauskatapultieren und ins Lachen bringen. In der elterlichen Wohung dagegen darf sie der kleine Bruder mit seinen sechzehn Jahren ungestraft, mit Billigung des Vaters, ohrfeigen, er wird sie bald im Auftrag des Vaters aus Lokalen zerren, in denen sie sich mit einem jungen Männern getroffen hat: die traditionelle Rollenverteilung des ländlichen Kurdistan lebt in der Wohnung weiter. Azime unterliegt zuhause in solchen Fällen der Standardstrafe der Mutter für ungebührliches Verhalten (x Tage Zimmerarrest). Ferner muss sie im schlecht laufenden Möbelgeschäft des Vaters arbeiten, diese ungeliebte Beschäftigung bietet ihr andererseits Muße für ihre Träume.

Da Azime aber niemand ist, der sich das alles gefallen läßt (so hat sie sich seinerzeit nach dem Probemonat beispielsweise geweigert, weiterhin ein Kopftuch zu tragen) kommt es regelmäßig zu Auseinandersetzung, auch ist Azime zu Heimlichkeiten gezwungen und zu Lügen. Daß sie zum Beispiel Deniz kennt, diesen ungeheuer sympathischen Schlacks, durch den ihr Leben einen entscheidenden Kick bekommen sollte.

Deniz nämlich ist im eigenen Verständnis der so ziemlich weltbeste Stand-up Comedian, den man sich vorstellen kann. Daß dieses Verständnis ein Alleinstellungsmerkmal von Deniz ist, merkt Azime schnell, als sie ihn eines Abends heimlich in den Comedy-Kursus von Kristin begleitet….

Der weitere Ablauf der Handlung ist jetzt vorhersehbar: für Azime wird es eine reale Möglichkeit, als Comedian (die erste muslimische Stand-up Comedian der Welt) aufzutreten – und zwar in einer Burka, denn natürlich darf niemand erfahren, wer sie ist und was sie dort treibt…. nach anfänglichen Problemen (natürlich ist Azime schüchtern, hat Selbstzweifel, mangelndes Selbstbewusstein etc pp) kommen erste Erfolgserlebnisse und sie merkt, daß sie den Menschen etwas zu sagen hat und sie zum Lachen bringen kann…

Azime bekommt aber auch sofort die Schattenseiten zu spüren. Dank Deniz, der sich als ihr Manager geriert, erfährt die Presse ihren Namen und damit ist zuhause die Hölle los. Aber nicht nur zuhause brodelt es, auch bei Facebook schlägt ihr offene Feindschaft bis hin zu (Mord)Drohungen entgegen. Diese Drohungen sind keineswegs nur so dahingesagt, Azime und Deniz werden nach einem Auftritt sehr real attackiert.

Es gibt Zeiten des Zweifels, der immer währenden Angst – natürlich, wer könnte dies verdenken. Der Druck der Gemeinschaft ist groß, die Familie wird zusammengetrommelt und Azime steht ganz allein gegen alle, die sie, die Abtrünnige, zurückholen wollen in die althergebrachten Traditionen. Die steten Verheiratungsversuche der Mutter beispielsweise (die Azime jedoch sehr witzig zu lesen stets erfolgreich sabotiert) sind eine parallel laufende Nebenhandlung in der Geschichte.

So geht es eine ganze Zeit lang hin und her, bis es dann etwas ’süßlich‘ wird: der Vater (der die Tochter natürlich heiß und innig liebt) entdeckt deren versteckte Notizen und Einfälle und kann sich vor Lachen kaum noch halten, auch ist er in seiner Eitelkeit geschmeichelt, denn Azime hat viele seiner Sprüche für ihre Auftritte notiert. Azime andererseits hat bei dem Versuch, sich dann doch in die Gemeinschaft einzufügen, endgültig gemerkt, daß sie das nicht kann. Zudem bekommt sie das Angebot zu einem Auftritt, daß sie einfach nicht abschlagen kann… und unter den fünfzehntausend Zuhöreren ist schluss- und endlich auch ihre gesamte Familie. Ende gut, alles gut?


funny girl, das sei zu Anfang festgehalten, ist trotz des ernsten Themas ein sehr amüsant und gut zu lesender Roman, er ist Unterhaltung der besseren Art. Es gab einige Stellen, an denen ich laut aufgelacht habe, weil die Azime in den Mund gelegten Sprüche das einfach verlangten. Aber auch die Geschichte als solche ist natürlich wichtig.

Es ist der – jetzt hätte ich fast geschrieben: die ewig alte Geschichte vom – Zusammenprall der Kulturen am Beispiel des Lachens. Der Westen mit seiner auf individuelle Freiheit ausgelegten Kultur, in dem das Lachen, der Witz keineswegs verpönt ist, im Gegenteil, und dem Islam, für den das Lachen eine seichte Ablenkung ist vom wahren und gläubigen Leben (den vermeintlich schädlichen Einfluss des Lachens hat ja schon Umberto Ecos in seinem Roman Im Namen der Rose erfolgreich thematisierte).

Azime als Heldin der Geschichte ist sehr mutig. Sie nimmt die Position einer Aussenseiterin in Kauf, eines Menschen, der sich außerhalb der Gesellschaft stellt, in die er hineingeboren worden ist, in der er eingehüllt und getragen werden könnte. In der Geschichte werden ihr mehrere Personen gegenübergestellt, die genau dies machen: ihre jüngere Schwester Döndü, die allen verbalen Bekundungen zum Trotz letztlich das Kopftuch tragen wird, weil sie nur dadurch in der sie umgurrenden Gemeinschaft der Frauen bleiben kann, die Mutter Babite selbst natürlich, die die traditionellen Werte des verlassenen kurdischen Dorfes lebt und leben will, die beste Freundin Banu, die sich ihre unglückliche, von massiver häuslicher Gewalt geprägte Ehe schönredet… und dann war da noch dieses sechzehnjährige Mädchen, das ebenfalls wie Azime rebelliert, weil es in einen italienischen Jungen verliebt war, den sie nicht lieben durfte und das den Eltern den Gefallen tat, ihnen den Ehrenmord zu ersparen, indem es vom Balkon springt….

In einem zweiten Aspekt weist die Titelheldin ebenfalls großen persönlichen Mut auf, unterstützt und ermuntert durch ihren Freund Deniz: sie überwindet die Angst, die ihr durch Hass und Drohungen eingeflößt wird. Sie wird als Witze erzählende, in einer Burka öffentlich auftretende Muslima zur Hassperson per se, auf sie konzentriert sich die angesammelte Wut und Frustration all derer, die sich berufen fühlen, ihr radikales Verständnis von Religion und Kultur zu verteidigen – und das sind nicht wenige und sie sind nicht zimperlich.

McCarten läßt das Ende seiner Geschichte teilweise offen. Weiter vorne schrieb ich, daß es etwas ’süßlich‘ wird, damit meinte ich die letztendlich stattfindende Aussöhnung mit der Familie. Offen bleibt jedoch, wie sich der Hass, der sich in den sozialen Netzwerken, aber ebenso ganz konkret in Angriffen auf Azime persönlich, zeigt, weiter entwickelt.


McCarten greift in funny girl aktuelle gesellschaftliche Phänomene auf: die Zerrissenheit der ersten Generation zwischen den alten Traditionen des Herkunftslandes der Eltern und dem Land, in dem sie groß geworden und aufgewachsen sind. Dieser Zwiespalt äußert sich teilweise radikal mit Hass und Gewalt: anonym und enthemmt in sozialen Netzwerken, aber auch mit anonymen Briefen, mit ganz handfesten Angriffen auf Leib und Leben. Nicht umsonst läßt der Autor seine Geschichte vor dem Hintergrund der Serie von Terroranschlägen 2005 in London spielen.

Anthony McCarten ist in Neuseeland geboren, lebt aber in London. Muslim ist er erkennbar nicht (zumindest für mich), in funny girl schreibt er also über eine gesellschaftliche Gruppe, der er selbst nicht angehört. Natürlich klingt das, was er schreibt, plausibel und glaubhaft – es bedient schließlich alle Vorurteile, die man als Leser möglicherweise selbst hat und widerspricht auch nicht dem, was man gegebenenfalls tatsächlich gesehen oder gehört hat, entweder in persönlichen Erlebnissen oder durch z.B. Hasskommentare und -beiträge auf Facebook. Trotzdem habe ich mir beim Lesen immer mal wieder vor Augen gehalten, daß funny girl ein Roman ist, daß er mit einiger Sicherheit verdichtet, zuspitzt, akzentuiert und übertreibt: er ist kein Tatsachenbericht und man sollte ihn nicht dazu missbrauchen, eigene Vorurteile bestätigt zu sehen. Möglicherweise hat McCarten auch aus diesem Grund einen ’schlechten‘ Christen mit in seine Geschichte eingebaut.

funny girl ist trotz des ernsten Themas ein sehr witziger Roman, McCarten fügt immer wieder Passagen ein, in denen er das ‚Programm‘ von Azime (und anderen Comedians) wiedergibt. Nicht weniger köstlich sind die Szenen der angestrebten Verheiratungen Azimes durch die Mutter und schließlich die Treffen der Tochter mit den bedauernswerten Kandidaten. McCarten versteht es, zu formulieren, zu erzählen, zu unterhalten. Dialoge, Gespräche und Beschreibungen wechseln sich ab, mit der ‚Nebenfigur‘ Kirsten, die Leiterin des Comedykurses, hat er eine sehr lebenskluge Frau in die Handlung mit hereingebracht. Azime, die Heldin der Geschichte, wächst einem im Lauf der Handlung immer mehr ans Herz, so viel Angst, aber auch so viel Mut und so viel Witz…

… und wer dann noch eine Aufzählung von Oxymora zu schätzen weiß, der ist mit funny girl absolut richtig bedient.

Und? Hat jetzt jeder mitbekommen, wie gut mir das Buch gefallen hat, wie gern ich es gelesen haben? Nicht? Na ja, für euch sag ich´s noch deutlich: Well done, McCarten!

Links und Anmerkungen:

[1] die Autorenseite beim Verlag: http://www.diogenes.ch/leser/autoren/m/anthony-mccarten.html
[2] —
[3] vgl. Bibliographie bei goodreads:  http://www.goodreads.com/author/show/288213.Anthony_McCarten
[4] vgl. hier: http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/lesezeit/175223/index.html
[5] vgl. hier: https://www.amazon.com/funny-girl-Isobel-Lennart/dp/3257068921/ref=asap_bc?ie=UTF8
[6] die Gegend, in der der Roman spielt, wie sie bei Wiki beschrieben wird: https://en.wikipedia.org/wiki/Green_Lanes_(London)

Mehr von Anthony McCarten auf diesem Blog:

– Englischer Harem
– Hand aufs Herz
– Ganz normale Helden

Anthony McCarten
funny girl
Übersetzt aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié
Originalausgabe: ? 
diese Ausgabe
: Diogenes, TB, ca. 370 S., 2014

Vorbemerkung: der 1895 von Hardy veröffentlichte Roman Jude the Obscure ist im Deutschen auch unter folgenden Titeln publiziert worden: Im Dunkeln, Herzen in Aufruhr und Juda, der Unberühmte. Ein weiteres ‚Problem‘ ist der Name der Hauptperson, die im Original ‚Jude‘ heißt, was als Eigenname im Deutschen unbekannt ist und als Wort eine völlig andere, im Zusammenhang mit dem Roman irritierende Bedeutung hat. So wird der Protagonist der Geschichte in der Übersetzung also kurzerhand in ‚Juda‘ umbenannt, auch das ein Name, der biblische Assoziationen aufkommen läßt, was aber im Gesamtzusammenhang des Romans gar nicht so unpassend ist. (btw: ich habe mich in jungen Jahren in dieser Hinsicht auch mit dem Beatles-Titel Hey Jude sehr schwer getan….)

Mit dem Titel Im Dunkeln steht dieser Roman schon länger bei mir im Regal, als ich neulich bei Waters in ihrer Muschelöffnerin [3] dieses Buch erwähnt fand (was zeitlich ja sehr knapp ist, da der Roman erst 1895, also in der Endzeit der Romanhandlung Waters‘ erschienen ist) habe ich ihn mir endlich aus dem Regal geholt und das schon länger geplante Lesen auch umgesetzt….


Juda Fawley also ist die Hauptperson, deren Leben wir in diesem Roman verfolgen können. Er wird nach dem Tod der Eltern, über den wir im Lauf der Geschichte kurz aufgeklärt werden, bei der Tante groß, einer Tante, die ihn nicht besonders liebt, aber immerhin dafür sorgt, daß er gekleidet ist, zu essen hat und später dann auch arbeiten kann. Das große Idol des kleinen Juda ist der örtliche Lehrer und so beginnt der Roman gleich mit einer Trennung, der Schulmeister zog aus dem Dorfe fort; das schienen alles zu bedauern. Er; Phillotson mit Name, wollte in der recht nahe gelegenen Stadt Christminster (=Oxford), nichtsdestotrotz jedoch einer anderen Welt, weiterkommen, einen akademischen Grad erringen und Geistlicher werden. Mit diesem Begehr setzt er für den jungen Schüler Juda einen Traum in die Welt, dem dieser fortan nachjagen sollte. Die nächsten Jahre versucht der Junge, der im Dorf seines Traumes wegen ein wenig verlacht wird, sich Bildung anzueignen, er besorgt sich Bücher, lateinische und griechische und bringt sich diese Sprachen bei. Das Pferd beispielsweise, mit dem er später Brot für seine Tante, die eine Bäckerei hat, ausfährt, kennt bald den Weg und so läßt er es allein laufen und sitzt derweil auf dem Kutscherbock und lernt…

Aber Juda ist nicht nur Lernender, er hat auch ein funktionierendes endokrines System, auch wenn Hardy diesen Ausdruck im Roman natürlich nicht verwendet. Und dieses System wird durch Arabella im wahrsten Sinne des Wortes angeworfen. Als Tochter eines Schweinehalters hilft sie dem Vater und wäscht zusammen mit Freundinnen am Fluss, just in dem Moment, in dem Juda auf seinem Weg dort vorbei kommt, Schweinedärme aus und bewirft den Vorbeikommenden mit dem, was den Eber zum Eber macht. Ein fürwahr köstliche Szene mit Folgen: Christminster war  jetzt vergessen. Sich mit Arabella über den gewöhnlichen Dorfklatsch zu unterhalten, gewährte ihm größeren Genuß, als es eine Diskussion über sämtliche Philosophiesysteme mit sämtlichen Professoren der kürzlich noch an angeschwärmten Universität vermocht hätte; … und die Sonne war nicht weiter als eine praktische Lampe zur Beleuchtung von Arabellas Antlitz. …

Juda hängt wie der Köder an der Angel Arabellas und was Arabella fischen will, ist die Ehe. Und da Juda ein Ehrenmann ist, gelingt Arabella der Fischzug, ein subtiler Hinweis auf ihren neuen Mitbewohner, den Juda ihr (… beide hatten sich in der Zwischenzeit of und oft getroffen …) eingepflanzt hat, nimmt den jungen Mann (er ist kaum neunzehn Jahre alt, noch Lehrling in einer Steinmetzwerkstatt) in die Pflicht. Kurz und gut, es gibt eine Hochzeit, es gibt eine kurze Zeit des Glücks, eine längere des Unglücks, ein schockierendes Geständnis, eine Trennung, ein hilfloser Suizidversuch des von seiner Frau Verlassenen, ein Besäufnis und danach der große Weltschmerz. Und die Erinnerung an seinen früheren Traum, der er für dieses fehlgeleitete Intermezzo aufgegeben hat.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.. Nach dem Ende der Lehrzeit beschließt Juda, in sein verehrtes Christminster umzuziehen. Es ist ein Zauber, mit dem die Stadt ihn umfängt, all die berühmten Gelehrten, die dort gewirkt, erscheinen ihm in den Gassen, den Colleges, den hohen Toren, auf den Brücken…. ein Hochgefühl erfasst ihn, diese Atmosphäre des Wissens und der Weisheit….

Am Tag erscheint die Stadt dann schon nüchterner, die Fassaden bröckliger, für ihn als Steinmetz kann das nur von Vorteil sein. Aber nicht nur die Fassaden bröckeln, es bröckelt auch Judas fester Wille. Denn stetig höhlt die Erinnerung an das Bild der Cousine, das bzw. die ihm so schön und – er muss es sich eingestehen – begehrenswert dünkt, seine Zielstrebigkeit. Er hat das Bild noch bei der Tante zuhause gesehen und es sich von ihr erbeten, gegen das Verbot der Tante, Kontakt mit diesem Abkömmling des verfeindeten Teils der Familie aufzunehmen.

Auch hier jetzt nur die Kurzversion: Juda und Sue treffen sich zwar, aber noch ist er zu schicklich, verheiratet immer noch, und sie eine Verwandte… und so macht er sich mit seinem alten Idol, dem Lehrer gebliebenen Schulmeister bekannt und verschafft ihr dort eine Arbeit. Selbige hatte sie nämlich am Tag davor einiger Götzenbilder wegen verloren. Aber was passiert, wenn ein mittelalter Mann und eine junge, schöne Frau zusammenarbeiten? Eben, eben… und Juda muss dem hilflos zuschauen….. Und nicht nur hier bleibt der junge Mann aussen vor: sein (erstmalig) aktives Bemühen, auf einem College als Student angenommen zu werden, scheitert grandios: Schuster, bleib bei deinem Leisten, so die einzige Antwort, die er erhält. Und wieder lockt der Alkohol…. schließlich verläßt Juda Christminster und kehrt zurück in sein altes Dorf. Dort wenigstens macht man ihm Hoffnung, als Laie könne er durchaus auch in der Kirche dienen.

So widmet sich unser Held wieder der Theologie, wenngleich diesmal eher in Bezug auf ihre praktische Anwendung in einer zukünftigen Gemeinde. Bis ihn eine Nachricht Sues erreicht, sie sei unter strenger Zucht in einem Lehrerinnenanwärterseminar und er solle sie doch… na ja, besuchen halt. Ach, so wie die Sonne die Dunkelheit vertreibt, vertreibt die Sehnsucht nach der still Geliebten die Hingabe an das Studium der Theologie – natürlich folgt Juda sofort dem Ruf des Weibes. Welches er ernster, farbloser antrifft als er es aus Christminster kannte. Seltsam geschlechtslos scheint Sue ihm, wankend in ihren Bemerkungen und ihrem Reden, während er…. und dann noch dies: sie habe ihm, dem alten Lehrer Phillotson, die Heirat versprochen!

Kann man sich vorstellen, wie die Welt des Juda jetzt ins Wanken kommt, ins Schwanken, ins Trudeln und Rotieren? Und wie er doch nichts sagen kann, ist sie doch eine Verwandte und er auf dem Weg zum Hilfspriester, und außerdem: er hat ein Weib vor dem Gesetz und der Kirche… so fährt er tief geknickt, aber dies nicht zeigend, zurück in seine so trostlose Heimstatt, die ihm vor kurzem noch so sicher beherbergte.

Was soll man sagen? Einer Dummheit wegen, die zu einfältigem Gerede führt, wird Sue des Seminars verwiesen, also ist auch für Phillotson kein Grund mehr, mit der Hochzeit zu warten: Ob er denn den Brautvater spielen könne, fragt Sue ihren Vetter… denn er sei doch ihr einziger verheiratete Verwandter, den sie hier habe. Denn auch das geschah noch: er beichtete ihr seinen Status als verheirateter Mann.

So geht es hin und her, sie ruft ihn, auch wieder an den neuen Wohnort, an den sie zusammen mit ihrem neuen Manne lebt, und sie schickt ihn wieder weg, obschon in Juda die Gewissheit immer größer wird, das sie unglücklich ist in ihrer Ehe so wie er es war in der mit Arabella. Der er – so sei es hier vermerkt, ohne näheres dazu zu sagen bis auf die Tatsache ihrer Juda verblüffenden neuerlichen Verheiratung in Australien – durch Zufall in einer Wirtschaft, in die er in der Absicht, sich mit zumindest mal einem Hochprozentigen über die Not zu helfen, eingetreten war, zu seiner großen Überraschung wieder begegnet.

Es kommt jedoch bald die Stunde jetzt des Ehemanns Phillotson, der als tragischer Held über sich hinauswächst: Sue, die immer unglücklicher wird in ihrer Ehe, die, als ihr Mann ihr Zimmer betritt, lieber aus dem Fenster springt, als ihn zu empfangen, bittet ihren Mann, sie gehen zu lassen. Und dieser Mann, seiner Zeit (und in den meisten Fällen wohl sogar noch unserer) voraus, will kein Gefängniswärter sein für die von ihm so geliebte, sieht kein Sinn in Zwang und Gewalt und läßt sie bedingungslos gehen – gegen den Rat aller anderen, gegen die herrschenden Vorstellungen von Sitte und Moral, obwohl er davon ausgehen muss, davon ausgeht, daß Sue zu ihrem Vetter gehen wird, dessen Liebe zu seiner Frau er wohl gespürt hat.

So kommt es. Sue und Juda leben fortan zusammen, auch wenn Sue sich schwer damit tut, zu lieben und Juda darunter leidet. Immerhin werden ihrer beiden Ehen geschieden, aber sie gehen keine neue Ehe miteinander ein, Sue scheut dies wie der Teufel das Weihwasser: dieser Vertrag, der zur Liebe zwingt, würde gerade die Liebe zwischen den Vertragspartnern töten…

Diese ‚wilde Ehe‘ ist für die beiden eine Zeitlang eine Blase des Glücks, in der sie leben und auskommen. Aber wie jede Blase platzt auch diese irgendwann… Sie sind eines Tages plötzlich und überraschend zu dritt: Arabella teilt Juda in einem Brief mit, daß er Vater sei, sie sei damals acht Monate nach der Trennung niedergekommen und schicke ihm jetzt seinen Sohn, damit er ihn aufziehe. So kommt der ‚kleine Gnom‘ – wie er genannt wird – in diese ungewöhnliche Zweisamkeit, ein Kind noch und doch schon so alt wie ein alter Mensch, ein Kind voller Traurigkeit und Depression, ein Kind, das nicht lachen kann noch sich freuen… doch Sue liebt ihn wir ein eigenes Kind und diese Liebe wird von Kind erwidert.

Die Leute fangen über zu tuscheln über die drei… wechseln die Straßenseite, wenn sie ihnen begegnen, sie werden gemieden, geschnitten, nicht mehr gegrüßt… die Aufträge für den Steinmetz Juda Fawley nehmen ab. Daß Sue und Juda nach einigen Tagen Abwesenheit wieder zurück nach Hause kommen und sagen, sie hätten in dieser Zeit geheiratet, hilft nicht mehr.. es beginnt ein Wanderleben, Juda arbeitet sozusagen als freischaffender Handwerker mal hier, mal dort….

Nach Jahren trifft Sue, die auf einem Markt Backwaren verkauft, welche der kranke Juda (seine Tante war ja Bäckerin) gebacken hat, auf Arabella, die die Situation der Familie, die mittlerweile zwei eigene Kinder hat und sichtbar ein drittes erwartet, intuitiv richtig einschätzt. Und Arabella trifft auf dem Heimweg wiederum Phillotson, mit dem sie sich unterhält…..

Sue, Juda und die Kinder leiden Not. Sie gehen auf Judas Wunsch nach Christminster zurück, das sie vor Jahren verlassen haben. Und diese Stadt empfängt sie kalt und mit Regen. Durchnäßt, schmutzig, mit dem dickem Bauch Sues sieht man sie für sonderlich an und nicht vertrauenswürdig, so daß sie kaum eine Unterkunft finden. In dieser Not kommt es zu einem verhängnisvollen Gespräch zwischen Sue und dem kleinen Gnom…

Welch ein Unglück, welch ein Unglück….. die Kinder sind tot, Sue verfällt einer Art religiösem Wahn und sieht ihr gesamtes Leben als versündigt an. Die Ehe, früher für sie ein verabscheuungswürdiger Vertrag zwischen Vertragspartnern, wird jetzt für sie ein heiliges, nicht lösbares Sakrament. In ihrer neuen Welt sieht sie immer noch mit Phillotson verheiratet, und so wie sie diesen einst verließ für Juda, verläßt sie Juda nun und geht zurück zu ihrem früheren Mann, der ihr verzeiht und sie aufnimmt. Sie erneuern die Ehe vor dem Priester und Sue nimmt auch die letzte Konsequenz ihrer selbst auferlegten Buße auf sich und begibt sich ‚freiwillig‘ nächtens zu ihren Mann aufs Zimmer.

Und Juda? Die Geschichte wiederholt sich…. So wie Arabella den jungen Juda einsponn und fing in ihrem Netz, so fängt sie sich ihn auch jetzt wieder. Sie füllt den gebrochenen Mann mit Alkohol ab, packt ihn an der Ehre und schleift ihn wiederum vor das Standesamt… Es bringt ihr kein Glück, Juda, an Leib und Seele gebrochen, siecht bald krank vor sich hin und während sie sich bei dem großen Spektakel in Christminster lieber eine Regatta anschaut, haucht er allein gelassen sein Leben aus.


Thomas Hardys Im Dunkeln bzw. Jude… ist ein umfangreicher Roman. Nicht nur weist er fast fünfhundert Seiten Text auf, er ist auch recht eng gesetzt, trotzdem liest er sich sehr gut und mit großem, freilich durch das schlimme Ende mit Traurigkeit durchsetzten Vergnügen. Die übergeordneten Kapitel benannt nach den jeweiligen Wohnorten sind ihrerseits aufgeteilt in kleinere Abschnitte, die das Lesen sozusagen ‚portionsweise‘ erlauben. Dazu ist der Text flüssig formuliert, mit vielen Beschreibungen und Erläuterungen, aber auch Dialoge und Gespräche zwischen den einzelnen Figuren nehmen einen großen Raum ein. Mich hat diese Art des Textes lange an ein anderes Buch erinnert, ohne daß ich wusste, an welches, bis es mir dann plötzlich einfiel: nämlich an Manzonis wunderbaren italienischen Roman Die Verlobten [5]. Hier wie dort steht ein junges Paar im Mittelpunkt des Geschehens (auch wenn Manzoni seinen Roman im Gegensatz zu Hardy glücklich ausgehen läßt), die Handlung wird streng chronologisch geschildert, beide Autoren streuen immer wieder Erläuterungen, Betrachtungen, erklärende Ausführungen, aber auch offene Fragen und Problemstellungen in ihren Text ein.

Hardys Roman schildert nicht nur eine Lebensgeschichte, er hat auch selbst eine und auch diese ist eher eine ‚dunkle‘. In der Nachschrift zur Neuausgabe des Romans im Jahre 1912 (die erste Ausgabe erscheint 1895) stellt Hardy die Rezeption seines Romanes bei Kritik und Publikum dar.  Er rief schon wenige Tage nach Erscheinen ein „schrilles Crescendo“ bei der Kritik hervor (die sich das Lesen des Romans aber weitestgehend gespart hatte), auch „wurde [der Roman] von einem Bischof verbrannt – wahrscheinlich [mutmaßt Hardy], weil der Kirchenfürst verzweifelt darüber war, daß er nicht mich selber verbrennen konnte.“ Eine andere Kritikerin „zeterte“ in einer „weltbekannten Zeitschrift“ über das Buch und taten kurz darauf brieflich an den Autoren den sehnlichsten Wunsch kund, diesen kennen zu lernen….. summa summarum haben diese (und weitere) Reaktionen der Kritik eine (für uns Leser) verhängnisvolle Wirkung auf Hardy gehabt: „… das Erlebnis heilt mich von jeder weiteren Neigung, Romane zu schreiben.“ In der Tat ist Jude, the Obscure das letzte Romanwerk Hardys geblieben, die Änderungen der Ausgabe von 1912 sind, so hält Hardy fest, nur stilistischer Art, „größere Änderungen allgemein- kritischer Art“ hat er nicht vorgenommen, wohl, weil er auch nach den vergangenen Jahren nichts anderes zu sagen hatte. Dieser Nachschrift ist ebenfalls zu entnehmen, daß der Roman in Deutschland als Fortsetzungsroman erschienen ist. Hardy zitiert einen Kritiker, der in Sue Bridehead den Phänotyp der modernen, intellektuellen, emanzipierten nervösen Frau sieht, die Notwendigkeit, die Ehe als Beruf zu begreifen, leugnet. Daß Sue im Roman am Ende zusammenbricht, wäre, so hält der Kritiker bedauernd fest, einer Frau als Autorin nicht untergekommen.


In Dunkeln hat zwei Hauptthemen. Dies ist zum Anfang des Romans, der gegen Ende der viktorianischen Epoche spielt, die Undurchlässigkeit, Arroganz und Hochmut der ‚besseren‘ Gesellschaft, die es nicht zuläßt, einen Menschen aus niedriger Herkunft zu akzeptieren und zu fördern. Der Autodidakt Jude Fawley, der sich mit viel, sehr viel Mühe und Durchhaltevermögen eine zugegebenermaßen willkürliche Bildung angelesen hatte, wird abgewiesen, auf seinen Stand und seine soziale Schicht verwiesen als demjenigen Platz in der Gesellschaft, in der er sein zufriedenes Auskommen finden kann. Erst gegen Ende des Romans wird davon geredet, daß sie diese (für den jungen Jude noch undurchdringliche) Ausgrenzung lockert, daß unter Umständen auch begabte Menschen aus unteren sozialen Schichten die Chance auf Weiterbildung erhalten können. Für Jude kommt das zu spät, auch wenn gegen Ende der Geschichte deutlich wird, wie sehr es ihn immer noch nach Christminster zieht, nach den so abweisend und dunkel über der Stadt dräuenden Gebäuden der Colleges…

Das Hauptthema des Romans ist freilich der Angriff des Autoren auf Institution der Ehe. Hardy schildert, wie sich Jude als junger Mann durch die sinnlich-erotische Arabella einfangen läßt, einer Frau, mit der ihn sonst nichts verbindet als die körperlichen Freuden, die er mit ihr wohl erleben darf [6]. Die schildert Hardy zwar nicht, aber da Arabella ihn mit einer Schwangerschaft zur Eheschließung bringt, darf man diese sicher vermuten. Diese Schwangerschaft Arabellas ist ein Schlüsselelement in der ganzen Geschichte, in Leben von Juda und (durch den ‚alten Gnom‘) später auch im Leben von Juda und Sue. Letztlich kann man noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob Arabella Juda und Sue nicht sogar belogen hat mit der Behauptung, dieses Kind sei Judas Kind, so wie sie Juda ja auch in frühen Jahren belog… Es sei an dieser Stelle nur angemerkt, daß Hardy im Übrigen sämtliche Ehen bei den Fawleys als schlecht bezeichnet.

So wie Judas erste Ehe scheiterte, so scheitert auch die Ehe Sues, die sie nicht mit dem Mann eingeht, den sie liebt – insofern sie zu diesem Gefühl überhaupt fähig ist, so etherisch, ja, fast asexuell sie gezeichnet wird -, sondern den älteren Mann, ihren Lehrer und Mentor Phillotson, zu dem Juda sie geführt hat. Sue betrachtet die Ehe keineswegs als Sakrament, für sie ist es ein Vertrag, der obendrein noch zum Lieben verpflichtet und damit die Liebe zerstört. Ihrer Meinung nach bleibt die Liebe zwischen Menschen, die freiwillig und nicht unter dem Zwang der Ehe miteinander leben, viel lebendiger und stärker, eine Ansicht, deren Folgen Juda und Sue Jahre später ins gesellschaftliche Abseits und Unglück stürzen lassen werden. In den vielen Diskussionen zwischen Juda und Sue geht Hardy später immer wieder auf diesen Punkt ein, so wie er die halbherzigen Versuche der beiden, sich doch der gesellschaftlichen Norm zu unterwerfen, immer wieder scheitern läßt. Dieses Lebensmodell der ‚wilden Ehe‘, die Hardy schildert, sie sollte noch Jahrzehnte brauchen, bis es gesellschaftlich halbwegs akzeptiert worden ist.

Die angestrebte (und dank Phillotsons generöser Art erreichte) ‚Flucht‘ aus der Ehe ist ein Skandal. Eine Frau der damaligen Zeit hat sich zu fügen, einzurichten – so wie der Mann sie zu fügen hat, notfalls auch mit Zwang. Das ich nicht mit ihm als Ehemann leben kann […] es ist eine Marter für mich […] Was mich so maßlos quält, ist die Pflicht, diesem Mann jedesmal zu Willen zu sein, wenn er es möchte, so gut er auch sonst ist! – dieser schreckliche Vertrag, der einen zwingen will, auf eine bestimmte Art zu empfinden, in einer Sache, deren eigentliches Wesen ihre Freiwilligkeit ist. Diese Sue in den Mund gelegte Aussage dürfte deren revolutionäre Ansicht hinreichend belegen. Den von ihr angesprochenen Willen des Mannes, dem sie sich zu unterwerfen hätte, den übte Phillotson übrigens nicht aus…


Der junge Juda träumt von Bildung, von der Karriere als Theologe und später dann als Pfarrer: beide Male wird er jedoch durch den Lockruf der Liebe und der Körper daran gehindert: seine Sehnsucht nach den jeweiligen Frauen besetzt ihn völlig und lenkt ihn vom Geistigen ab. Er ist ein ‚weicher‘ Mensch, ein nachgiebiger, ein Träumer auch, gegen Arabella mit ihrer rustikalen und stabilen Art hat er keine Chance, sich durchzusetzen, und auch Sue, die Zerbrechliche, setzt – zumindest in der Frage der Eheschließung – ihre Ansicht gegen ihn durch, weil er aus Liebe zu ihr immer nachgibt.

So wie im Lauf der Jahre wurde der Hang zum Theologischen bei Juda geringer wurde, nimmt er langsam aber sicher die Ansichten Sues über die Untauglichkeit einer Ehe als auch seine an. Die radikale Änderung der Ansichten Sues ausgelöst durch die unermessliche seelische Verletzung dieser empfindsamen Frau nach dem Tod der Kinder ist daher um so schockierender für Juda: daß sie ein einmal gegebenes Eheversprechen nun als ewig gültig ansieht, bedeutet nicht nur, daß sie und Phillotson in ihrem Geist noch verheiratet sind, sondern auch Juda noch mit Arabella. Und so wiederholt sich die Geschichte, so wie Sue einst von Phillotson die Freiheit erbat, fleht sie nun den verzweifelnden Juda an, sie gehen zu lassen. Daß sie zu ihrem Mann, den sie weltlich erneut heiratet, keine Liebe verspürt, ist nicht mehr wichtig, wichtig ist, daß sie die ihr selbst auferlegte Buße ableistet… und so führt die Romanhandlung zu den Konstellation, die es schon anfangs gab: sowohl Juda als auch Sue, die sich erneut in unglücklichen Ehen wiederfinden.

Der Roman hat neben dem beiden Hauptfiguren Juda und Sue noch die beiden Figuren des Phillotson und der Arabella mit wichtigen Funktionen.

Der Schulmeister Phillotson verläßt zu Beginn des Romans, wie Jahre später auch Juda, das Dorf, um in Christminster Karriere zu machen. Ebenso wie später Juda scheitert er damit, bleibt letztlich auch bei ’seinem Leisten‘, sprich, er bleibt Lehrer. Er verliebt sich in dieselbe Frau wie Juda, er weigert sich (obwohl die Gesellschaft dies erwartet), Zwang gegen diese Frau anzuwenden und er verliert die Frau an einen anderen, eine weitere Parallelität in beider Leben. An diesem Verlust gehen beide zugrunde: Phillotson wird auf Grund seiner Entscheidung aus der Gesellschaft ausgestoßen und sanktioniert, kann sich gerade noch mit Hilfe eines letzten Freundes fangen, Juda jedoch bricht zusammen, wacht als Ehemann einer ungeliebten Frau wieder auf und wartet körperlich geschwächt nur noch auf seinen Tod.

Die Haltung Phillotsons, mit der er auf die Bitte seiner Frau reagiert, sie gehen zu lassen, ist bemerkenswert. Ich denke, ich behaupte nicht zuviel, wenn ich sage, daß sie in dieser Weise auch heute noch ungewöhnlich wäre. In der damaligen Zeit ist es sicher eine skandalöse Einstellung, einen ‚Wahnsinnsgedanken‘ nennt es sein Freund, … es wird überall Anstoß erregen. Großer Gott, was wird Shaston [die Stadt, in der sie leben] sagen! dies ficht Phillotson jedoch nicht an: Wenn ein Mensch blindlings in einen Sumpf [i.e. in diesem Fall die Ehe…] gelaufen ist und um Hilfe ruft, bin ich geneigt, ihm Hilfe zu bringen, wenn es mir möglich ist. … ich bin ein fühlender Mensch, kein logisch denkender. … ich sehe nicht ein, warum nicht die Frau und die Kinder die soziale Einheit bilden sollen, ohne den Mann… weitet er seine Gedanken später noch aus. Fass den Entschluß, die mit ein paar Weiberlaunen abzufinden. … Laß sie nicht fort! so der abschließende Rat des Freundes. Doch der nächste Morgen kam heran…: Du kannst gehen – mit wem du willst. Du hast meine völlige, bedingungslose Einwilligung. 

Will man an Phillotson Eigeninteresse feststellen, so ist es später möglich, da er Sue noch einmal heiratet, obwohl im klar ist (sein muss), daß sie in einem Zustand ist, der diesen von ihr behaupteten Willen dazu und die Freiwilligkeit, sich diesmal unter ihn zu legen, Lügen straft. Vielleicht denkt er auch, daß das Verweigern dieser ‚Buße‘ für Sue noch schlimmer wäre, daß die erneute Heirat gesellschaftlich für ihn vorteilhaft ist, daß wird er in jedem Fall sehen.

Ist Sue die etherische, zerbrechliche, fragile Figur mit scharfen Intellekt und mit eigener Meinung, eine Frau wie ein Blatt im Wind der Gefühle, so ist ihre Gegenspielerin Arabella auch äußerlich ihr Gegenteil: prall, sinnlich, erotisch, durchsetzungsfähig und skrupellos. Sie steht mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität, das Sinnieren, Zweifeln und Grübeln einer Sue ist ihr völlig wesensfremd. Was sie will, bekommt sie – auf die eine oder die andere Art und Weise. Daß auch sie damit nicht glücklich wird, verschmerzt sie, es sind schließlich noch andere Männer da, die sie sich angeln kann…..


„Jude the Obscure is an angry book, and a deeply radical one. To write it, Hardy went further into himself than ever before, exposed his deepest feelings …“ schreibt der Guardian zu dem Roman in seiner Liste der einhundert besten englischen Romane [4], in die er zweifelsohne gehört – was eine kühne Bestätigung meinerseits ist, da ich dafür ja keinerlei Grundlage habe, sprich die anderen Romane kenne. Aber Im Dunkeln ist in der Tat ein wunderbares Buch, das in seiner Konsequenz, mit der die geheiligte Institution der Ehe in Frage gestellt wird, auch heute noch weit mehr ist als ’nur‘ Unterhaltung: es ist eine Lektion in Toleranz ebenso wie in der Frage nach der Sinnhaftigkeit der Ehe (bei uns ja jetzt in gewisser Weise durch die „Ehe für alle“ sogar eine aktuelle Frage). Ebenso ist Jude…. eine Darstellung der viktorianischen Epoche, die langsam den Ende zugeht und sich moderneren Fragen stellen muss wie dem Zugang zu Bildung für alle oder der Rolle der Frau in der Gesellschaft. Dies alles ist eingebunden in tragische Lebensläufe, die – bedingt durch die gesellschaftlichen Umstände – schon von Anfang an kaum Chancen auf ein gutes, selbstbestimmtes Leben ließen. So endet der Roman traurig, Sue gebrochen, sich selbst auf dem Altar eines fehlgeleiteten Glaubens opfernd und Juda sogar den Tod suchend. Phillotson wird als Ehemann nicht wirklich glücklich sein, sieht jedoch gesellschaftlich/beruflich wieder eine Zukunft und einzig für Arabella geht die Welt weiter mit allen Chancen, die sich einer Frau wir ihr bieten.

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Eintrag zum Autoren: https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hardy
[2] —
[3] Sarah Waters: Die Muschelöffnerin; Besprechung im Blog ‚aus.gelesen‘
[4] Robert McCrum: The 100 best novels: No 29 – Jude the Obscure by Thomas Hardy (1895); in:  https://www.theguardian.com/books/2014/apr/07/100-best-novels-jude-obscure-thomas-hardy
[5] Alessandro Manzoni: Die Verlobten; Besprechung im Blog ‚aus.gelesen‘
[6] Im Klappentext wird von einer ’schamlos pornographischen Darstellung der modernen Frauen‘ geredet. Das Wort ‚pornographisch‘ ist was Im Dunkeln betrifft, jedoch wohl  (unterstellt man nicht, es sei aus rein vermarktungstechnischen Gründen genannt) anders zu lesen, über die seltene Verwendung des Wortes ‚Busen‘ geht der Text nicht hinaus. Insofern ist also Entwarnung zu geben bzw. darauf hinzuweisen, daß möglicherweise diesbezügliche Erwartungen enttäuscht werden.

Thomas Hardy
Im Dunkeln
Jude the Obscure
Übersetzt aus dem Englischen von Eva Schumann
Originalausgabe: Jude the Obscure, London 1895 (1894/95 gekürzt als Fortsetzungsroman im Harper’s New Monthly Magazine)
diese Ausgabe: Greno, HC, ca. 490 S., 1988; mit ausführlichen Anmerkungen

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