Christoph Hein: Horns Ende

Christoph Heins erster Roman aus dem Jahr 1985 führt uns in eine mittlerweile weit entfernt scheinende Vergangenheit. Die Handlung ist angesiedelt in einer Kleinstadt, einer Kurstadt in der Nähe Leipzigs, im Jahr 1957, sie spielt in der damaligen DDR. Das Schlüsselereignis der Romans ist schon im Titel festgestellt, es ist Horns Ende und es gilt das gleich anfangs getroffende Diktum, daß der Tod eines Mannes wie Horn ausreichen [sollte], um diese Stadt wie ein biblisches Gomorrha auszutilgen.

Die Geschehnisse, um die es geht, sind wie schon gesagt, im Jahr 1957 angesiedelt, sie werden jedoch aus der Rückschau geschildert. Es ist kein Einzelner, der sich erinnert, Hein läßt verschiedene Personen aus dieser Stadt zu Wort kommen, aus deren Erinnerungen sich ein Gesamtbild ergibt: Dr. Spodeck, einer der örtlichen Ärzte gehört dazu, Gertrude Fischlinger, die einen Krämerladen betreibt und bei der Horn über Jahre als Untermieter lebte, der Bürgermeister Kruschkatz, der am Schicksal Horns (mit)verantwortlich ist, sie waren einst in Leipzig Genossen, damals war Horn noch Dr. Horn, aber Stellung und Titel wurden ihm, nachdem er denunziert worden war, seinerzeit aberkannt. Mit Thomas, dem Sohn des Apothekers werden die Erinnerungen das damals elfjährigen Kindes wiedergegeben, dessen Freund Paul, der unerzogene Sohn der Gertrude Fischlinger, Horn damals gefunden hatte und der dieses Bild (… sie waren völlig verändert. Ihre Zunge, ihre Lippen …) sein Leben lang nicht vergessen konnte. Etwas anders sind die Erinnerungen Marlenes, eines verwirrten Mädchen, bzw. mittlerweile einer verwirrten jungen Frau mit einem ganz besonderen Schicksal: sie hat die unter den Nazis Denunziation als lebensunwertes Leben überlebt – dies aber nur, weil die Mutter ein schreckliches Opfer erbrachte. Gohl, ihr Vater, arbeitet jetzt im Museum, Thomas ist oft bei ihm, ansonsten hat er keinen Kontakt ins Städtchen und hat sich völlig zurückgezogen. Aber der Chef der Zigeunersippe, die sich in diesem Jahr Ende Mai auf dem großen Platz im Zentrum niederläßt, besucht ihn, und zwar nur ihn, sonst niemanden, so wenig wie die Zigeuner sich überhaupt um die Anordnungen des Bürgermeister kümmern, der sie auf einen abseits gelegenen Platz manövrieren will.

Was sich in dieser Stadt um Horn herum ereignete, läßt sich in groben Zügen so zusammenfassen: Horn arbeitet als Leiter des kleinen, örtlichem Museums, er ist unzugänglich, abweisend, schroff. Seine Bestrafung und Verurteilung hat nicht dazu geführt, daß er seine Ansichten geändert hat, nach wie vor glaubt er sich im Recht – und daß ihm Unrecht geschehen ist, die Anbiederungen Kruschkatz‘, der sich mit ihm ‚aussöhnen‘ will, weist er strikt zurück. Horn veranstaltet regelmäßige Abende im Museum, die zu den wenigen kulturellen Veranstaltungen in der Stadt gehören, auch wenn diese Abende nur von wenigen besucht werden. Horn hält zu diesen Gelegenheiten lokalhistorische Vorträge, mit denen er jedoch wiederum bei Linientreuen aneckt, Bachofen ist so einer, der Stellvertreter des Bürgermeisters. Dieser jedoch lehnt es ab, des- und eines anderen, nochmalig ’schweren Fehlers‘ wegen gegen Horn vorzugehen. Er wird daraufhin selber denunziert und muss sich vor einer Kommission rechtfertigen.

Horns Tod, sein Suizid, ist ein letzter, stummer Protest dieses Mannes, der das Unrecht nicht mehr ertrug und der allen klarmachen wollte, welche Schuld sie tragen, was sie mit ihrem Verhalten zu verantworten haben.


Heins Roman ist aber weit mehr als die Darstellung dieses skizzierten individuellen Schicksals der Titelfigur. Es ist auch eine Auseinandersetzung mit den Verhältnissen in der DDR. Das Buch ist in acht Kapitel unterteilt, jedem Kapitel ist ein Dialog vorangestellt zwischen dem toten Horn und dem inzwischen gealterten (… es sind Jahre vergangen. Sehen Sie mich an, ich habe graue Haare.) Thomas. Der Tote findet keine Ruhe, er will wissen, was danach, nach seinem Tod geschehen ist, er pocht darauf, daß man sich erinnert (so wie auch er sich zu Lebzeiten immer an das ihm zugefügte Unrecht erinnert hat), daß man nicht vergißt, denn nur der, an den sich niemand erinnert, ist wirklich und endgültig tot…. Ein Satz, der sich in seinem Geltungsbereich ausweiten läßt auf die Ermordung der Juden, die der Zigeuner (die nach diesem Sommer nie wieder in der Stadt erscheinen sollten, also auch bildlich dem Vergessen anheim fallen werden wie der tote Horn) und der Ausmerzung des ‚unwerten Lebens‘, hier in der Figur der äußerst zurückgezogen lebenden Marlene.

Überhaupt die Erinnerung – Überlegungen zu ihr nehmen einen wichtigen Teil des Textes ein. Es gibt Passage, in der Thomas im Schlafzimmer der Eltern vor einem dieser alten dreiteiligen Spiegel sitzt, deren Außenflügel verstellbar sind. Je nachdem, wie man sie stellt, verändern sich die Bilder, Teile verschwinden, werden verzerrt oder ‚verkehrt‘ wiedergegeben. Damit wird der Spiegel zum Bild für die Erinnerung, die notwendigerweise immer auch durch die individuellen Charakteristika der jeweiligen Person geprägt ist und sich daher von der anderer unterscheidet: jede Erinnerung ist so wie auch jede Wahrheit relativ und nicht absolut. Auch dies ein ‚Angriff‘ auf den in der DDR offiziell herrschenden sozialistischen Realismus, der ein Absolutes vertritt.

Die Zigeuner mit ihren Pferden, Pferden, die sie den Bauern vermieten, die damit ihre Felder bewirtschaften – und die so dem politischen Druck zur Kollektivierung ausweichen können, zum Verdruss der Linientreuen.

Ganz im Gegensatz zum vermeintlichen Vergessen des alten Thomas steht die Ausführlichkeit der Erinnerungen der einzelnen Figuren im Roman. Diese Erinnerungen gehen weit über das Horn Betreffende hinaus, sie gehen weit in die Vergangenheit der jeweiligen Personen zurück, schildern ihr Leben, das meist trost- und freudlos war, von Demütigungen geprägt und fremdbestimmt. Dr. Spodeck beispielsweise, Sohn (einer von vielen, die der dominante Vater, ein ‚Wohltäter‘ der Stadt, in selbiger ausgesät hatte) eines Fabrikanten, wurde von diesem dazu ausgewählt, Medizin zu studieren und später die durch den Vater aufgekaufte Praxis zu übernehmen. Nur alle paar Jahre erschien der Sohn beim Vater zum demütigende Befehlsempfang, seiner Mutter zuliebe, wie er sich einzureden versuchte, in Wahrheit jedoch, weil der gegen den Vater nicht ankam…

Oder Gertrude Fischlinger, vom schlechten Mann schnell einer anderen wegen verlassen, mit der Erziehung ihres Sohnes heillos überfordert, selbst krank und malade und allein…. bei ihr wird Horn einquartiert, ein Untermieter, der für sie quasi unsichtbar bleiben sollte, bis auf eine unvermutete kurze Zeit der Wärme, die sich diese beiden Einsamen gegenseitig spenden sollten….

Thomas, der Sohn des Apothekers, noch in wilhelminischer Atmosphäre erzogen: der Kopf des Knaben vom Vater bei der Begrüßung von Entgegenkommenden noch weiter nach unten gedrückt, eine sehr symbolische Handlung. Der Vater, überhöht auf einem Podest stehend für das Kind, allmächtig, unangreifbar: selbst für die Hefte mit den spärlich bekleideten Damen, die Thomas beim heimlichen Durchsuchen der Bibliothek des Vaters hinter den Klassikern versteckt, findet, sucht sich der Knabe Vorwände…

Kruschkatz natürlich… ohne Ausbildung und Qualifikation hat sich dieser Mann hochgearbeitet, Stufe und Stufe einer Karriereleiter genommen, der er mit dem Bürgermeisterposten eine neue Stufe hinzufügen wollte. Eine Stufe, die er nicht nehmen sollte, an der er scheitern wird, beruflich und auch privat. Seine Frau, ohne die er nicht leben kann und die er aus Leipzig zu sich holt mit dem Versprechen, daß sie dort nicht beerdigt werden würde (man also in absehbarer Zeit das Städtchen wieder verließe) wendet sich von ihm ab, sagt ihm emotionslos, daß sie sich vor ihm ekelt, macht ihn ebenso für Horns Tod verantwortlich.

Es ist eine graue, trostlose Welt, die Hein schildert, trostlos die Figuren wie die graue Stadt mit ihrem zerfallenden Bahnhof. Von den Figuren ist keiner ein Sympathieträger, Mitleid ja, aber mehr? Selbst Horn bleibt fremd, ist dem Leser gegenüber genauso schroff und abweisend wie als Figur seinen Gegenübern.

Horns Ende von Hein (und hier bedanke ich mich sehr bei den Kolleginnen von meinem Lesekreis, durch die ich viele Anregungen erhalten habe): ein kleiner, intelligenter und auch ein wenig ein subversiver Roman über eine DDR, die es zwar nicht mehr gibt, die aber als Prototyp jeder Diktatur bzw. jedes autoritären Regimes gelten kann.

Links und Anmerkungen:

Von Christoph Hein habe ich hier im Blog schon folgende Romane besprochen:

– Frau Paula Trousseau
– Glückskind mit Vater

Christoph Hein
Horns Ende
DDR-Ausgabe: Berlin-Weimar, 1985

diese Ausgabe (Erstausgabe): Luchterhand, HC, ca. 266 S., 1985

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Bernd Kulik: Spur der Liebe

Die Spur der Liebe von Bernd Kulik hat anscheinend selbst kaum Spuren hinterlassen. Ich bin kein Detektiv, suche deshalb nicht übermäßig intensiv, aber die normalen Suchmuster haben tatsächlich bis auf eine einzige Besprechung auf einem Blog nichts zum Buch ergeben. Zum Kauf angeboten wird es, freilich, des öfteren über die diversen Kanäle und Anbieter… So kann ich nichts über den Autoren Bernd Kulik vermelden, auch die Geschichte hinter den Geschichten bleibt im Dunkeln und ebenso ist das Buch selbst nicht in einem ’normalen‘ Verlag erschienen ist. Aber es ist erschienen und birgt auf seinen 256 Seiten zehn Geschichten über das ‚Lieben‘ in der ehemaligen DDR, wobei Liebe hier rein körperlich zu verstehen ist, so wie es in einer der Stories (Die Abifeier) zum Ende heißt: „Okay, wir haben zwei geile Nummer geschoben und unseren Spaß gehabt. Nun starten wir ins Leben und werden sehen, was uns noch alles widerfährt.“ – „War’s das?“ – „Das war’s.“ – Frauen konnten manchmal so herzlos sein.

An diesem Zitat läßt sich mehreres festmachen, was sich durchgängig durch alle Geschichten zieht. Zum einen werden die (fast immer) jungen Frauen als sehr initiativ beschrieben und sind keineswegs die schüchternen Mädels, die durch den Mann erst erweckt werden müssen. Im Gegenteil ist der (fast immer) junge Mann oft derjenige, der die leitende und führende Hand der Frau braucht. Zum zweiten ist die Sprache direkt und unverblümt und spart auch Phänomene des Alltags nicht aus, wie dieses Beispiel zeigt (Silvester): (nach der ersten Nummer kost sie ihn unter der Bettdecke langsam vom Bauch aus nach unten und merkt an): „Mein Lieber, hast du auf einem Fischtrawler gearbeitet?“ – „Nee, nur in einem Fischladen verkehrt.“

Die Episoden sind fast alle nach einem Muster aufgebaut. Auf den ersten Seiten wird das Setting beschrieben, also der Ort der Handlung, die näheren Umstände und – das macht das Buch dann zumindest für Wessis doch interessant – auch fernere Lebensumstände in der seinerzeitigen DDR. Dann taucht, da praktisch immer aus Sicht des männlichen Parts geschrieben wird, das meist brünstige Weibchen auf, läßt entweder Initiative zu und/oder – wenn sie des Aussehens oder anderer Umstände wie Monatsblutung wegen keine provoziert – legt selbst (im wahrsten Sinne des Wortes) Hand an und ergreift sozusagen das Zepter. Im Anschluss wird viel missioniert, manche der Damen haben auch Lust auf griechisches, französische Exkursionen kommen vor, sind aber nicht Hauptquelle, aus der die Freude sprießt. Man sieht, es ist eher handfester und bodenständiger Sex, der getrieben wird und der keineswegs an Gefühle gebunden sein muss, sondern der häufig nur der Triebbefriedigung dient.

Zehn Geschichten, von denen bis auf eine Ausnahme (Grenzübertritt: zwar auch der selbe Aufbau der Geschichte, aber die Akteure sind zumindest mal gestandene Erwachsene) alle nach mehr oder weniger dem selben Schema aufgebaut sind, das ist letztlich nicht sonderlich interessant. Wenn man dem Umschlagtext glauben darf, erfährt man durch diese Episoden, wie die Ossis tatsächlich liebten. Nun ja, möglicherweise natürlicher als anderswo, aber so richtig doll war das auch nicht, auf der emotionalen Ebene, meine ich…

So war letztendlich für mich die Schilderung der Alltagsszenen aus der DDR (das Setting der Episoden) interessanter als die doch sehr vorhersehbaren erotischen Abschnitte der Geschichten.

Bernd Kulik
Spur der Liebe
Erotische Geschichten aus der DDR
diese Ausgabe: Softcover, AC Distribution & Marketing, Berlin, ca. 256 S., 2011

Kathrin Schmidt: Die Gunnar-Lennefsen-Expedition

josepha

Was ein Buch, was für ein Roman, was für eine Geschichte… sie führt zurück ins Jahr 1976 jenseits der im Jahre neunzehnhundertneunundvierzig anscheinend endgültig befestigten Grenze in eine gemütliche Wohnung, in der sich Therese Schlupfburg (sic!) und ihre Urenkelin Josepha in ihrer eigenen Welt eingerichtet haben. Das ’sic!‘ steht dort nicht von ungefähr, wir werden es im Verlauf des Buches bzw. dieser Besprechung zu deuten wissen bzw. gedeutet bekommen.

Die jüngere der beiden Frauen, Josepha also, ist zu zweit: in ihrem Inneren wächst ein schwarz-weißes Kind heran, der Vater, der werdenden Mutter bekannt nur für eine Nacht, ist Angolaner, spielt aber im weiteren Verlauf keine Rolle mehr, wird von Josepha den neugierigen Offiziellen gegenüber, die sich um die Schwangere und deren Gesundheit kümmern, hartnäckig verschwiegen, so hartnäckig, daß auf der Schwangerenpappe – zumindest zeitweilig – ein ‚A‚ erscheint, für Asozialenkartei. Überhaupt spielen die Männer in dieser Geschichte allenfalls die von der Natur her als notwendig erachtete Rolle der Besamer und Befruchter, die wahre Macht obliegt den Frauen, der Geschlechtlichkeit zu wahren Wundertaten fähig ist.

Da härtet schon einmal eine Achtzigjährige das Gemächt des über Neunzigjährigen, um sich lustvoller Umarmung zu erfreuen, da empfangen über Sechzigjährige nach der Menopause noch Kinder, die nach wenigen Monaten geboren werden und deren ultraschnelle Entwicklung zu Sensationsmeldungen Anlaß gibt. In Sturzgeburten auf die Welt gekommene Zwillinge werden mit solch nahrhafter und mit unfassbarem Druck der Drüse entweichender Milch genährt, daß man ihrem Wachsen zusehen kann. So erregend der Anblick, daß dem anwesenden Amtmann spontan Sperma entweicht und sich in der Luft mit der Milch mischt, einer Milch, die just jenen spillerigen Amtmann süchtig macht, ihn zu athletischer Form bringt und seinen Stoffwechsel so umstellt, daß er nur noch mit Muttermilch funktioniert. Muttermilch, die ihm aus anscheinend nie versiegender Brust verabreicht wird….

Auch die Kinder, deren Väter wie erwähnt meist unwichtig sind und die ohne den Segen von Staat und Kirche die Welt erblicken, sind nicht ohne. Ottilies, der Therese lang vermisste und diesseits der im Jahre neunzehnhundertneunundvierzig anscheinend endgültig befestigten Grenze lebende Tochter beispielsweise schenkt (vorstehend schon erwähnt) spät in ihrem Leben einem Sohn noch selbiges, einem Säugling, dessen ausgeschiedene verdaute Nahrung den Geruch der jeweilig herrschenden Uniform annimmt – was beim Besuch der Mutter, d.h. jenseits der … etc pp, in der Öffentlichkeit zu heftiger Verwirrung unter den Menschen führt, ja, zu Panik fast. Überhaupt ist dieses Kind ein Kind mit drei Vätern, einen biologischen, einem Ziehvater und einem Zahlvater. Wie ist es überhaupt zu diesem Kind gekommen, dies ebenso eine wunderlich-magische Begebenheit, denn in Ottilies Nähe implodierten neuerdings sämtliche Bildschirme. Was wiederum zur Bekanntschaft mit dem Fernsehmechaniker Revenslueh führt, der zwar noch verheiratet war, aber doch bald zu den drei Vätern zählen sollte… das mit dem Verheiratetsein gab sich jedoch schnell, stürzte die Frau sich in ihrer Verzweiflung ob der Untreue des Gatten doch aus dem heimischen Fenster, fiel zwar relativ weich, war trotzdem verletzt. Es gab noch eine Versöhnung zwischen den Eheleuten, doch just in dieser versetzt Revenslueh seiner Frau unbeabsichtigt – sozusagen – den Todesstoß. So starb sie glücklich, der kleine wurde für sie zum großen Tod… und für den Mann hieß es jetzt: Leinen los, Ottilie ahoi!

Man sieht, es geht durchaus deftig zu, keine der Körperflüssigkeiten, die der Mensch absondert, bleibt unerwähnt und ohne Bedeutung. Nun passiert das Ganze aber nicht ohne Plan. Den beiden Frauen, Therese und Jospha, kommt nicht nur aufgrund ihrer Weiblichkeit Macht zu, ihnen wohnt auch Magisches inne, auf einer imaginären Leinwand nämlich in das Leben ihrer Vorfahrinnen blicken zu können. Diese Sitzungen, die die beiden abhalten, ihre Familiengeschichte zu erforschen, stellen die Stationen der titelgebenden Gunnar-Lennefsen-Expedition dar.

Sie beginnt 1914 in Ostpreusen mit einem Brudermord, die junge Therese nämlich sieht sich den Bruder mit einem Holzschuh erschlagen, um ihm den Gastod im tobenden Krieg zu ersparen. Therese arbeitete damals als Dienstmädchen und wurde vom Sohn des Gutsbesitzers geschwängert, besagte Ottilie war die Frucht dieser Nächte, doch eine Heirat zwischen Magd und Junker kam natürlich nie in Frage….. ein älterer Kürschner und Steineschneider wurde ihr angetraut, aber dieser Erbs machte es nicht lange, schon an der Hochzeitstafel zeigte er Schwächen, kotzte das gerade Verzehrte quer über den Tisch – nur weil Therese etwas schmatzte beim Essen… Nach seinem baldigen Tod wurde die Ehe annulliert, Fritz (der ein ungefähres anderthalb Jahrzehnt später beim Wettmasturbieren seines verkrümmten Penisses wegen Hemmungen haben sollte), die Frucht der beiden, wurde somit von einer ledigen Mutter als eheliches Kind geboren….

Die Tochter Ottilie selbst lernte die Liebe ebenfalls früh kennen, ihr Erwählter war der jüdische Fahrende Avraham Rautenkrantz aus Riga, der gelegentlich in Königsberg weilte. 1933 sollte sie ihn zum letzten Mal sehen, Rudolph nannte sie das Kind, das sie einem Deutschen Beischläfer unterschob. Dieser Rudolph ist wichtig für die Geschichte des Buches, denn er sollte später zum Vater werden von Josepha, deswegen wäre das Verschweigen seiner Herkunft hier ein Fehler gewesen. Verschweigen bzw. nur darauf hinweisen will ich jedoch darauf, daß es Ottilie nach dem Krieg nach Bayern verschlagen hat, daß Josphas Mutter bei der Geburt verstarb und Rudolph selbst sein Kind bei der Oma ließ, um mit einer anderen Frau noch einmal sein Glück zu finden, einer Frau, die ihr eigenes, tragisches Schicksal mit sich zu tragen hat…..

Aber bevor es dazu kam, war der zweite Weltkrieg zu überstehen, die Reihe der Ahnen geschlossen zu halten, was nicht einfach war, folgerichtig ist die Geschichte oder wäre sie es, würde ich es unternehmen hier an dieser Stelle, kompliziert zu erzählen. Jedenfalls ist die Mutter Josephas ein weiteres, ein Wasserkind der schon hier erwähnten Sturzgebärenden, Wasserkind, weil sie durch das Badewasser empfangen wurde, in dem sich vorher der ejakuliert habende, nur noch durch Muttermilch nährende Amtmann gereinigt hatte…. Eaulalia nannte sie ihre Mutter, die Kleine war bei der Geburt nur wenige Zentimeter groß, aber voll entwickelt – zum Erstaunen aller.

Es ist kompliziert und das Vorstehende nur ein auf wenige der vielen Figuren konzentrierter Auszug. Es gab Situationen, an denen wäre die Kette der Ahninnen fast unterbrochen worden, weil sie z.B. verdampften in der Hitze des Dresdener Infernos, der Krieg zerriss die Familien, es kam zu Vergewaltigungen und ‚Judenf***s‘, Kinder wurden mit versteckt und mit anderen Identitäten in andere Leben geworfen, in Leben, in denen sie gleichzeitig Tochter, Adoptivtochter und Vergewaltigungsopfer ein und desselben Mannes wurden….

Ohne die Hilfe eines speziellen Kosmos von Göttinnen wäre es nicht gelungen, wäre die Linie der Schlupfburgs irgendwann geendet. Göttinnen wie Inklinatia, die Göttin der Gleichgewichtsstörung, Diploida, die Göttin der Abstammungslehre, Östromania, die Göttin der weiblichen Tollheit, Fidelia, die Göttin der grundlos heiteren Stunden, Exkrementia, die Göttin … na ja, gut, das wird wohl jeder ahnen…. ein bunter Göttinenkosmos also (ich habe nur Beispiele genannt), der sich in der Gestaltung, Begleitung und Behütung der Weiberschicksale hin und wieder  über die Jahrzehnte hinweg in die Quere kam, weil die Interessenlage manchmal etwas unterschiedlich war, der aber summa summarum das Projekt ‚Schlupfburg‘ erfolgreich in die Gegenwart geführt hat.

Es sind nur winzig kleine Leckerbissen, Appetizer sozusagen, des Inhalts, auf die ich hier eingegangen bin. Das Buch ist so randvoll mit Episoden, Geschichten und Ereignissen, daß eine nur halbwegs vollständige Inhaltsangabe ziemlich lang geriete, sofern sie überhaupt möglich ist, ohne das halbe Buch zu referieren…. aber ich wiederhole mich….


In Schmidts Roman wechseln sich die Erzählebenen ab. Die Rahmenhandlung spielt im Jahr 1976 in der DDR, in den einzelnen Etappen der Gunnar-Lennefsen-Expedition führt uns die Autorin anhand der Schicksale der diversen Vorfahrinnen zurück in die deutsche Vergangenheit, in das Ostpreussen anfangs des 20. Jahrhunderts, in den Zeit zwischen den Kriegen, in den Zweiten Weltkrieg mitsamt seinen Gräueln des Holocaust, die direkt in die Familiegeschichte hineinwirken. Die Teilung Deutschlands dann mit Ottilie auf jenseitiger und den anderen noch lebenden Gliedern der Familie auf diesseitiger der im Jahre neunzehnhundertneunundvierzig anscheinend endgültig befestigten Grenze, eine Formulierung, die sich häufig im Text der selbst 1958 in Gotha gebürtigen Autorin findet.

Die neunzehnjährige Josepha arbeitet in einer Druckerei, der ‚VEB Kalender und Büroartikel Max Papp‘ in der thüringischen Kleinstadt W.. Im Verlauf des Romans erfahren wir eine Menge über das Leben in dieser damaligen DDR, über die Arbeitsbedingungen, über soziale Umstände, über das Alltagsleben. Natürlich fällt Josepha durch die hartnäckige Verweigerung, den Vater des (wie nur sie weiß) schwarzweißen Kindes zu nennen, auf, hat Nachteile, will sich ganz aus der staatlichen Betreuung herausziehen und kann nur durch Not und Mühe von einer Freundin überredet werden, sich zu arrangieren mit dem staatlichen System. Auch hier, in der Umgebung der DDR, spart Schmidt nicht mit wunderlichen und slapstickartigen Einlagen: die Faust Josephas, die im Zimmer der Meisterin bei Gelegenheit voller Wut in die Fruchtmarmelade schlägt, expediert beispielsweise eine Kirsche auf das wandhängige Bild des Staatsratvorsitzenden, dessen Mund sich daraufhin unabwischbar kirschrot färbt. Nicht nur dies…. mit unzüchtigen Aufforderungen, die fortan den gespitzten Lippen des formals zu Spröden entweichen, treibt das Bild später die Meisterin, die das Bild bei sich zu Hause seiner marmeladigen Schändung wegen verstecken wollte, zu unerhörten Manipulationen am eigenen Körper an, bis schließlich rauchverzehrte Gestalten, von den ‚zuständigen Stellen‘ ausgesandt, sich ihrer annahmen und sie nie mehr gesehen wurde…. immer waren es die ‚zuständigen Stellen‘, durch geheime Nummern alarmiert, die für Ordnung im Sinne der Ordnungsmacht sorgten, für eine Ordnung, die ängstigte….

Zeitgeschichte also aus weiblicher Sicht. Aber mehr noch stellt der Roman eine Hommage an die Macht der Frauen dar, einer Macht, die sich auch und gerade ihrer Geschlechtlichkeit bedient. Die schlupfburgischen Frauen bekennen sich zu ihrer Lust, viele ihrer Kinder sind unehelich (zumindest gemacht worden), werden ohne Vater erzogen. Sie bedien(t)en sich der Männer so wie es selbst Josepha mit dem schwarzweißen Kind im Bauch (der ‚Schlupfburg‘) noch praktiziert: im Urlaub auf der Luftmatratze in der Ostsee schaukelnd lädt sie in plötzlich erregter Lust den unerwartet auftauchenden Schnorchler ein, seinen anderen Schnorchel doch flugs (oder besser schwimmend und klammernd) in ihr zu versenken… derart tauscht Schmidt in diesen Passagen ihres Roman die übliche Rollenverteilung: der Mann wird hier zum Objekt, dessen sich die Frau bedient. In anderen Episoden retardiert der Mann zum Säugling, dessen Leben voll und ganz von der Mutter(milch) abhängt: der erwähnte Amtmann Thalerthal beispielsweise, der sich nur noch von Muttermilch nähren kann. Auch Erbs, der später annullierte Ehemann Thereses war so ein schwaches Geschöpf, das neben seiner Frau nicht existieren konnte und von dannen ging….


Die Gunnar-Lennefsen-Expedition war als Buch ein großer Erfolg, die Kritik (mit wenigen Ausnahmen) feierte es, es 1998 beim Ingeborg-Bachheim-Wettbewerb mit dem Preis des Landes Kärnten ausgezeichnet [2]. Es ist in der Tat ein Lesespaß, ein Roman, der beim Fabulieren und Erzählen keine Grenzen kennt und vor nichts scheut. Attribute wie ‚derb‘, ‚prall‘, ’sinnenfroh‘ (so wie es die aus- und einladende Rückenansicht auf dem Buchcover suggeriert), aber auch ‚phantastisch‘ charakterisieren diesen Roman durchaus treffend, dabei hat er ebenfalls genügend ernste und tragische Passagen, in denen sich Bilder und Beschreibungen historischer Zeiten formen. Die Art und Weise in der Schmidt geschrieben hat, entspricht dem teilweise märchenhaften Inhalt: es ist zwar kein Text ohne Punkt und Komma, aber über weite Strecken ohne Absatz und Unterbrechung, häufig ein nur spärlich strukturierter Fließtext über viele Seiten, so wie ein atemloser Erzähler sein Werk eben verrichten würde. Ob man es dagegen tatsächlich als Geschichtsschreibung aus weiblicher Sicht (so im Klappentext des Romans) nehmen kann, sei dahin gestellt oder ob der Roman doch eher ein in den historischen Kontext eingebundenes Fabulat ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Jedenfalls ist Schmidts Roman ein opulenter Lesespaß, wenngleich der Spaß für mich genauso groß gewesen wäre, wäre das Buch ein wenig kürzer geraten. Denn da auch eine Autorin wie Schmidt nicht immer nur Neues oder Altes neu erzählen kann, verliert der Verstoß gegen übliche Inhalte und Beschreibungen im Lauf der Episoden an manchen Stellen an Reiz und wiederholt sich, die Magie der beiden Frauen Therese und Josepha verflacht sozusagen. Abgesehen davon jedoch kann ich aus meiner Sicht das Studium dieses ganz speziellen Expeditionsberichts nur anraten.

Links und Anmerkungen:

[1] Autorenseite bei ihrem Verlag: https://www.randomhouse.de/Autor/Kathrin-Schmidt/p77677.rhd
[2] http://archiv.bachmannpreis.orf.at/bp98/fs_autoren.html

ferner gibt´s bei mir im Blog noch die Besprechung von Kathrin Schmidts Roman: Du stirbst nicht aus dem Jahr 2009:  https://radiergummi.wordpress.com/2009/11/03/kathrin-schmidt-du-stirbst-nicht/

Kathrin Schmidt
Die Gunnar-Lennefsen-Expedition
diese Ausgabe: btb, TB, ca. 428 S., 2007

Christoph Hein: Glückskind mit Vater

Den Beitrag gibt es auch als podcast im literatur RADIO bayern zu hören.

hein - cover


Christoph Hein, 1944 in Sachsen geborener Dramatiker und Autor, legt mit Glückskind mit Vater seinen neuen Roman vor, der das Leben eines Menschen beschreibt, der in den letzten Kriegstagen geboren wurde und der sein Leben lang die Schatten des Vaters, den er nie sah, nicht überwand. Ausdrücklich vermerkt Hein, daß dem Roman wahres Geschehen zugrunde liegt, (auch) seine eigene Biografie [1] weist zumindest in den Anfangsjahren Analoga auf zu der seines Protagonisten Konstantin Boggosch, wie auch im Verlauf des Romans in einer weiteren Figur, die nur ganz kurz in die Handlung eingeführt wird, Parallelen zu Hein zu entdecken sind.

Bis auf ein zweijähriges Intermezzo spielt das Buch in der DDR und nach der „Wende“ dann in Deutschland. Bis auf Magdeburg, wo der Protagonist einige Zeit seines Lebens wohnte, werden keine Ortsnamen genannt, einzig eine Rolle spielen die Buna-Werke, ein Werk zur Synthese von Kautschuk, das 1936 gegründet wurde und zur I.G. Farben gehörte. Nach dem Krieg wurde es 1954 in einen VEB überführt, der zu den größten Industriekonglomeraten der DDR gehörte.

Im Roman dagegen war die Buna im Besitz eines gewissen Gerhard Müller. Dessen Frau war in den letzten Tagen des Krieges mit ihrem zweiten Kind hochschwanger, die Russen hatten die Gegend schon erobert. Die Hochschwangere dauerte den russischen Offizier, der sie aus der prachtvollen Villa ausquartieren musste, er versprach ihr, eine Unterkunft für sie zu organisieren. Das „Glückskind“ unter dem Herzen schien ihr das Schlimmste zu ersparen, doch Stunden später kehrte der Offizier mit versteinertem Gesicht zurück, schmiss die Schwangere mit ihrem zweijährigen Sohn aus dem Haus: der Frau eines solchen Kriegsverbrechers würde er keinesfalls helfen. Es ist dies der Moment, in den die Frau von den Untaten ihres Mannes erfährt. So kommen die zwei wie andere Flüchtlinge auch nur notdürftig unter, bei der Schwägerin, mit der sich die Mutter nicht versteht.

Die Mutter ist erschüttert über das, was sie von ihrem Mann, dem in den letzten Kriegstagen  der Prozess gemacht worden war und der gehängt wurde, erfährt, sie sagt sich los von ihm und erreicht, daß sie und die beiden Kinder ihren Geburtsnamen tragen dürfen: Boggosch. Doch das Ablegen des alten, mit Blut befleckten Namens ist nur etwas an der Oberfläche, es kann nichts daran ändern, daß der Mann, daß der Vater Gerhard Müller war, ein hohen SS-Offizier und einer der schlimmsten Kriegsverbrecher.

Von der Unmöglichkeit, seiner Abstammung zu entkommen, handelt dieser Roman Heins. Er konzentriert sich auf den seinerzeit noch ungeborenen Sohn Konstantin. Dessen Bruder Gunthard dient im Roman als Antagonist: er kommt vom Charakter her auf seinen Vater, erweist sich im Lauf der Jahre als skrupel- und gewissenlos, setzt seinen Vorteil durch, wo immer es geht. Für ihn ist der Vater (und damit auch er) ein Opfer der Siegerjustiz. Im Gegensatz dazu ist Gerhard Müller für Konstantin und seine Mutter ein Fluch, dem sie zwar zu entkommen suchen, es aber nicht schaffen. So verweigert man der Mutter trotz ihrer guten Ausbildung und Kenntnisse eine Anstellung als Lehrerin, mühsam ernährt sie sich und ihre Kinder mit Putzen.

Die Brüder erfahren die Wahrheit über ihren Vater erst spät, Konstantin ist schon 11 Jahre alt, Gunthard hat zu dieser Zeit schon lange heimlichen Kontakt zum Onkel väterlicherseits, der in der BRD wohnt und gerichtlich feststellen lassen konnte, daß die Verurteilung seines Bruder nicht durch ein ordentliches Gericht erfolgt war. Ein Urteil, das ihm und dem indoktrinierten Neffen willkommen als Rehabilitation des Bruders/Vaters dient. Erst als die  Mutter von diesem heimlichen Briefverkehr Gunthards erfährt, erzählt sie den beiden Brüdern die Wahrheit….

So wie Gunthard diese nicht akzeptiert, fühlt sich Konstantin von diesem Zeitpunkt an wie mit einem Kainsmal behaftet. Noch weiß er es noch nicht so genau, aber sein Kainsmal ist die Akte, in der alles festgehalten ist, seine Papiere, denn davor schützt auch die Namensänderung nicht.

Trotz sehr guter Leistungen in der Schule verweigert man ihm die Aufnahme in ein Sportinternat, auch den Besuch der Oberschule…. In Konstantin reift der Entschluss, in den Westen zu gehen, ein abenteuerlicher Plan ist es, sein Ziel ist die Fremdenlegion, in der die Herkunft keine Rolle spielt. Zwar ist er mit seinen vierzehn Jahren viel zu jung, aber er denkt, daß er das Problem lösen kann.

In der Tat gelingt es ihm, in den Westen zu kommen, die Fremdenlegion jedoch ist ein demütigendes Erlebnis von wenigen Minuten Dauer. Aber er findet in Marseille Freunde, Männer, die sich seiner, ihres  kleinen „Boches“, annehmen: durch die Sprachen, die die Brüder bei der Mutter gelernt haben, arbeitet er bein einem Antiquar als Dolmetscher. Es ist eine glückliche Zeit in Marseille für ihn.. bis ihn auch hier der Schatten des Vaters einholt: er glaubt ihn in einem Buch über eine Widerstandsgruppe, in der seine Freude im Krieg kämpften, wieder zu erkennen….

Dies und auch Heimweh treiben ihn zurück, in den Tagen des Mauerbaus geht er die andere Richtung, aus dem Westen in den Osten…. Konstantin bleibt nur wenige Tage in der Stadt seines Vaters und geht dann nach Magdeburg. Es gelingt ihm, wie auch schon in Marseille, Arbeit in einem Antiquariat zu finden und in der Abendschule das Abitur zu machen, er gewinnt Freunde, lernt Beate kennen und studiert schließlich Lehrer, weil Lehrer fehlen – sein Wunschstudium in Babelsberg war ihm mit seiner Akte nicht möglich. Jedoch auch hier ein Glückskind: Viele Jahre später sollte er wissen, daß er ein geborener Pädagoge war.

Eine große Tragödie überschattet ein paar Jahre später sein Leben…. er läßt sich mit der Aussicht auf die Stellung als Direktor an eine Gymnasium in einer Kleinstadt versetzen. Aber auch hier gibt es Probleme für ihn, insgesamt wird er zweimal Direktor – und ebenso oft wird er wieder abgelöst…. Er kann seiner Akte nicht entkommen; Konstantin akzeptiert letztendlich sein „Sohn-sein“ als unabänderlich und unter den herrschenden Bedingungen als eine Art „Sippenhaft“. Genauso wie die Taten des Vaters in die Vergangenheit wirkten: auch der einst hochgeachtete Großvater, Vater des Gerhard Müller, fiel in Ungnade, nach ihm benannte Straßen verloren ihren Namen….

Nach der Wende 1989 spült es andere wieder nach oben, die ihr Fähnchen rechtzeitig gewendet hatten, er dagegen gilt als Vertreter der DDR…. und 2010 schließlich, und damit sind wie nahe an der Jetztzeit, wird er pensioniert.

Und hier setzt der Roman auch zweifach ein: eine Reporterin will für die örtliche Zeitung den Umstand, daß noch vier (ehemalige) Direktoren der Schule in der Stadt leben, zu einem großen Bericht nutzen – und ein Brief des Finanzamtes erreicht ihn, in dem die Kirchensteuerfahndung nach einem auf den Namen „Konstantin Müller“Getauften sucht… Du belügst mich. Es gibt etwas, was du mir verschweigst. Etwas, vor dem du davonrennst. Vor dem du ein Leben lang auf der Flucht bist. ….Konstantin Boggosch ist niemand, der viel von sich erzählt, auch seiner Frau Marianne nicht.


Einen Massenmörder zum Vater, dies ist ein Erbteil, das es zu Schultern gibt. Man kann ihm auf mehrer Arten gegenüber treten: Gunthard repräsentiert die eine davon, Konstantin und seine Mutter eine andere.

Gunthard leugnet, stellt sich selbst als Opfer einer Verleumdung, hier namens Siegerjustiz, dar. Daher sieht er auch keine Veranlassung, seine Geburtsstadt zu verlassen, im Gegenteil, er tritt in das alte Werk seines Vaters ein, macht dort eine Ausbildung und kommt voran, bis zu dem Punkt, an dem er nach der Wende die seinerzeit in seinem Namen von der Mutter abgegebene Verzichtserklärung für das Erbe widerrufen kann. Mit diesem Ausweichen in die Wirtschaft geht er der direkten Konfrontation mit dem Staat, der in einer Art „Sippenhaft“ die Nachkommen mit in die Verantwortung zieht, aus dem Weg. Zudem ist Gunthard vom Charakter her ganz anders als Konstantin, robuster, skrupelloser, gefühlskälter.

Anders dagegen Konstantin. Auch wenn er als Kampfsportler eigentlich darauf trainiert sein sollte, eine Auseinandersetzung mit einem Gegner anzunehmen, wählt er die Flucht, das Ausweichen, das Verleugnen. Aber anders als sein Bruder, der die Taten leugnet, will er den Vater leugnen, abstreiten, sich von ihm distanzieren. Es dauert lange, bis er merkt, der der Schatten des Vaters immer an ihm hängen bleiben wird, selbst wenn es Perioden gibt, in denen er sich frei fühlt und nicht an ihn denken muss. Kein Aus- und Zurückweichen seinerseits befreit ihn jemals wirklich, irgendjemandem ist immer bekannt, wessen Sohn er ist.

Wie wäre sein Leben verlaufen, hätte er seinerzeit in Marseille in Mut gehabt, seinen Freunden gegenüber die Wahrheit zu bekennen? Natürlich wäre es möglich gewesen, daß sie ihm die Freundschaft aufgekündigt hätten, aber damit wäre er auch nicht schlechter gestellt gewesen als er es durch seine Flucht war. Zu jung, wahrscheinlich war er trotz seiner Intelligenz zu jung, um dies richtig einzuschätzen.

So wurde Konstantin im Lauf der Zeit von einem Verschweiger zu einem Schweiger. Er redete nicht viel, privates schon garnicht. Seine zweite Frau Marianne weiß kaum etwas von seiner Lebensgeschichte, von seinem Vater, dem Bruder, sie weiß nicht den Grund, aus dem heraus er keine Kinder möchte, auf welches Erbe er verzichtet, selbst seine Erkrankung hält er vor ihr geheim…. ein Mensch also, der kein Vertrauen hat in die anderen, der die Vergangenheit immer noch abschütteln will, in dem er sie verschweigt, der keinen Sinn darin sieht, sie wieder zu wecken, in dem man über sie redet, ein Mensch auch, der Erinnerungen misstraut, denn mit unseren Erinnerungen versuchen wir, ein missglücktes Leben zu korrigieren….

Bis auf diesen zweijährigen Aufenthalt in Marseille spielt sich fast die gesamte Handlung in der DDR ab und so skizziert Hein peu a peu ein Bild des alltäglichen Lebens dort. Es ist kein Blick von oben, von der Führungsebene aus auf die kleinen Leute, es ist im Gegenteil gerade das Leben der kleinen Leute, so wie es sich für sie abspielt. All die Sachen, die im Hintergrund laufen und die zum großen Teil erst nach der „Wende“ herauskamen (Stichwort „IM“), spielen hier kaum eine Rolle. Einzig über die „Akte“ Konstantins wird deutlich, daß die Partei (und ihre Oberen) nichts vergisst, alles im Blick behält – und zum Teil selbst unter Zwängen steht. So vermeidet es Hein, mit dem Wissen von heute auf die damalige Situation zu schauen und zu bewerten oder zu verurteilen.

Interessant sind die Schilderungen Heins, wie Konstantin Ende der 50er Jahre die DDR Richtung BRD bzw. natürlich Frankreich über Berlin (Notaufnahmelager Marienfelde) verläßt und wie er zwei später unter den misstrauischen Augen der Grenzbehörden wieder zurückkommt in die DDR mit ihrem trostlosen Alltag, ihren grauen Städten, ihren Trümmerbergen, die z.B. in Magdeburg das Stadtbild noch beherrschten. Das Antiquariat von Bärbel: der einzige Lichtblick in der Stadt, nachher natürlich dann Bea… und immer wieder auch der Einfallsreichtum der Menschen, sich in den Verhältnissen einzurichten. Auch in dieser Hinsicht ist der Blick Heins nüchtern, Wertungen von Verhalten meidet er, was er schildert, muss für sich selbst sprechen.


Der Roman liest sich trotz seiner erheblichen Umfangs von deutlich über 500 Seiten schnell und leicht. Dies liegt zum einen an der Sprache Heins: recht nüchtern, klar und unkompliziert erzählt er die Geschichte eines Lebens. Die Anzahl der Figuren hält sich in Grenzen, man verliert nicht den Überblick, zumal Wechsel in den Lebensumständen Konstantins meist auch mit einem Wechsel der (wenigen) Personen, mit denen er sich umgibt, verbunden ist. Ferner ist der Text streng chronologisch aufgebaut, es gibt praktisch keine Rückblenden, auf jeden Montag folgt der Dienstag, auf das Jahr x das Jahr (x+1). Da sich die Schilderungen Heins einzig auf Konstantin konzentrieren, gibt es ebenso keine Parallelhandlungen, in die sich die Geschichte aufspalten könnte, Schicksale und zwischenzeitliche Erlebnisse anderer Figuren werden durch Dialoge oder Gespräche dargestellt.

In der Summe ist mit Glückskind mit Vater ein Roman entstanden, der ohne Schnörkel vom Schicksal eines Menschen handelt, der sich zeitlebens nicht von seinem Vater emanzipieren konnte, auch weil er die offene Auseinandersetzung mit diesem Ballast seiner Seele scheute und sein Leben lang in die Flucht auswich. Es war die besondere Tragik des Protagonisten, daß er ein paar wenige Jahre zu jung war, um die Chance zu begreifen, die ihm das Leben in Frankreich eröffnet hätte, hätte er sich zu einem „Ja, aber….“ entschließen können. Statt dessen geht er in das Land zurück, in dem seine Herkunft tatsächlich ein großer Hemmschuh für ihn, mit seinen Eigenschaften, seinen Wünschen war. Hat er sich im Lauf der Jahre in der DDR auch eine Art stilles Glück geschaffen, so war immer noch bedrohlich „die Akte“ da, die schriftliche Fixierung seines Geburtsmakels, das niemand erfahren durfte und das ihn zum Verschweiger machte, fast allen gegenüber.

Der hier erzählten Geschichte liegen authentische Vorkommnisse zugrunde, die Personen der Handlung sind nicht frei erfunden. Christoph Hein stellt dies seinem Roman voran. In diesem Sinne ist es menschliches, ein deutsches Schicksal, das er erzählt, eingebettet in die Besonderheiten dieses Landes. Ein klar erzählte Geschichte, die auf alle Umwege und Schleichpfade verzichtet, die einfach nur beschreibt und erzählt. Und die mehr nicht braucht.

P.S.: Auf diesen ominösen Brief von der „Kirchensteuerfahndung“ (?), den der Autor anfangs erwähnt, geht Hein übrigens nicht mehr ein; eigentlich schade, ich hätte gern mehr erfahren, selbst google ist bei diesem Begriff etwas zurückhaltend mit Auskünften…

Links und Anmerkungen:

Den Beitrag gibt es auch als podcast im literatur RADIO bayern zu hören.

[1] Wiki-Beitrag zum Autoren:  https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Hein

Vom Autor wurde hier im Blog ferner vorgestellt: Frau Paula Trousseau

Christoph Hein
Glückskind mit Vater
diese Ausgabe: Suhrkamp, HC, ca. 525 S., 2016

Ich danke dem Verlag für die Überlassung eines Leseexemplars.

Joachim Gauck: Winter im Sommer – Frühling im Herbst

Joachim Gauck legt in diesem 2009 erstveröffentlichtem Buch eine selektive Biographie, bezeichnet als Erinnerungen, vor. Selektiv in dem Sinn, daß er für die Zeit bis zur Wende durchaus auch privates und familiäres erzählt, während er ab 1989 den Text weitestgehend auf die öffentliche Person Joachim Gauck und dessen Ansichten beschränkt.

Recht ausführlich geht der 1940 in Rostock geborene Gauck auf seine Familie und seine Kindheit ein [1]. Das Kriegsende erlebte der damals 5jährige in Wustrow an der Ostsee mit dem Vormarsch der Russen.

Die Weichenstellung für sein gesamtes weiteres Leben fand am 27. Juni 1951 statt: Sein Vater, der als Marineoffizier gedient hatte, wurde abgeholt, interniert und letztlich zu 25 Jahren Lagerhaft in Sibierien verurteilt. Dies trieb die gesamte Familie Gauck in einen passiven Widerstand gegen das Regime, der in der Folge konsequent durchgehalten wurde. Mitgliedschaft in den Jugendorganisationen der Partei zum Beispiel waren strikt verpönt und wurden nicht geduldet. Auch in anderer Hinsicht war diese Zeit prägend für Gauck: als ältester Sohn war er für die Mutter zum Ansprechpartner geworden und lernte früh, auch Verantwortung zu übernehmen. 1955 kam dann der Vater zurück zur Familie, für Joachim bedeutete dies, aus der „herausgehobenen“ Position als „Partner“ der Mutter wieder in seine „eigentliche“ Rolle als Sohn zuruckzutreten, etwas, was nicht immer leicht gefallen sein muss.

Passiver Widerstand, das sich dem Regime verweigern, wurde in der DDR nicht belohnt. Da die Partei großen Einfluss hatte auf die Ausbildung und Berufswahl der jungen Menschen, blieb für viele Studierwillige, die der Partei – in welcher Weise auch immer – auffällig geworden waren, nur Theologie als Studienfach übrig, eine Erklärung dafür, daß sich in der DDR viele Pastoren politisch aktiv bzw. interessiert zeigten. Zwar war die Kirche keine Partei oder gar politische Opposition, doch wurde sie immer mehr zum einzigen Ort, an dem eine freie Meinungsäußerung möglich war. Zugleich vermittelte die kirchengemeindliche Gemeinschaft einen starken Rückhalt für den Einzelnen, der so auch in kritischen Situationen, z.B. Vorladungen zum Verhör, Anwerbeversuche durch die Stasi u.ä. Rückhalt finden konnte. Andererseits bedeutete es natürlich auch, daß die Kirchengemeinden ein bevorzugtes Ziel für die Überwachung durch die Stasi waren.

So studierte Gauck also Theologie und wurde dann als Gemeindepfarrer eingesetzt. Dies hieß unter den real existierenden Bedingungen Missionsarbeit: die Kirchengemeinden waren mickrig, wenn es sie überhaupt gab, Kirchen waren oft nicht vorhanden, die Jugendweihe machte der Konfirmation starke Konkurrenz. Trotzdem schaffte es Gauck, eine starke, funktionierende und lebende Gemeinschaft aufzubauen. Dadurch wurden die Kirchenoberen auf den jungen Pfarrer aufmerksam und übertrugen ihm auch größere Aufgaben, wie die Organisation von Kirchentagen, in der DDR ganz besondere Ereignisse.

Der Westen, dessen Lebensverhältnisse über das Westfernsehen und verwandtschaftliche Kontakte weitgehend bekannt waren, übte eine große Faszination gerade auch auf jüngere Menschen aus. Viele stellten Ausreiseanträge oder versuchten zu fliehen. Auch Gaucks eigene Kinder gingen rüber, Gauck nennt die Zahl von 3 Mio Menschen, die in den 40 Jahren ihrer Existenz die DDR verlassen haben…. Für Gauck ist der Mauerbau 1961 der eigentliche Gründungsakt der DDR, durch ihn schuf sie sich als „Gefängnis“ für ihre Bevölkerung, von der sich ein großer Teil in stiller Apathie versuchte, mit den Verhältnissen zu arrangieren.

Im Herbst 1989 begann dann die Entwicklung, die der DDR die unblutige Revolution brachte. Ausführlich schildert Gauck hier die Ereignisse und man gewinnt den Eindruck, daß die Vorgänge damals in sehr kurzer Zeit eine Eigendynamik entwickelten, die kaum noch aufzuhalten war. Über Jahrzehnte angestauter Druck entlud sich in Demonstrationen und Märschen, in Gottesdiensten, Versammlungen und Protestliedern. Schnell schälten sich auch unter den Protestierenden bestimmte Führungsfiguren heraus, es gründeten sich diverse Gruppen, die alle das gleiche Primärziel verfolgten, nämlich die herrschende Gerontokratie wegzufegen. Ihr Ziel hatte erreichte diese Bewegung, als man anfing, gegen  Schild und Schwert der Partei vorzugehen, sprich, die Zentralen der Stasi zu stürmen und zu besetzen, zuletzt das riesige Hauptquartier in der Berliner Normannenstraße. Auch diese Übernahmen gingen sehr geordnet vor sich, zum Teil wurden Volkspolizei und Staatsanwaltschaft mit eingeschaltet, um Ausschreitungen und Übergriffe oder auch Waffeneinsatz von Seiten der „Firma“ zu verhindern.

Die „älteren“ unter den Lesern erinnern sich noch, es ging damals alles sehr schnell und mit einer Eigendynamik, die kaum zu steuern schien. Waren sich in der DDR anfangs viele einig, daß Wiedervereinigung nicht das Ziel ist, sondern der Versuch, in der DDR einen besseren Staat aufzubauen, schildert Gauck aus seiner Innensicht der Vorgänge, wie es letztlich dann doch zur Vereinigung der beiden Staaten kam.

Ein großer Teil des Buches widmet sich natürlich seiner Funktion als Leiter der Stasiunterlagenbehörde, die recht schnell seinen Namen trug. Auch hier ging der Gründung ein langer Streit voraus, wie mit den schier unfassbar umfangreichen Aktenkilometern [3] (die der geplanten Vernichtung durch die Stasi entgangen sind), umzugehen wäre. Die aus dem Osten kommenden Aktivisten waren eher basis-demokratisch motiviert und wollten jedem Betroffenen seine Akte geben, die westlichen Behörden dagegen taten sich schwer mit einer Veröffentlichung der Akten, manchem wäre ein stillschweigendes Ignorieren lieber gewesen als eine Aufarbeitung [2]. Gauck geht auf die Schwierigkeiten ein, die die Gründung und der Aufbau einer solchen oberen Bundesbehörde, für die es bis dato noch kein Vorbild gab, mit sich brachten, besonders lobt er seinen damaligen Stellvertreter Geiger, einen bayerischen Juristen, der ihm, dem Demokratie-Neuling aus dem Osten geschickt durch die Fallstricke angewandter westlicher Demokratie half…

In den zwei Amtszeiten gelang es Gauck, eine funktionierende und anerkannte Behörde aufzubauen und vielen, sehr vielen Menschen Einsicht in ihre Akten zu ermöglichen. Dabei kam es immer wieder zu erschütternden menschlichen Szenen… es ist auch unfassbar, wenn Eheleute sich gegenseitig bespitzelten und als IM der Stasi zuarbeiteten. In diesem Zusammenhang geht Gauck auf einige besonders prekäre Fälle ein, wie z.B. den der IM-schaft von Manfred Stolpe, die ja über lange Zeit in den Medien Thema war.

2000 wurde nach zwei Amtszeiten Marianne Birthler, auch eine ostdeutsche Aktivistin der ersten Stunde, als Amtsnachfolgerin von Gauck gewählt. Damit finden auch die Betrachtungen Gaucks selbst ein Ende, aber nicht, ohne daß er noch einmal seine Vorstellungen zum Begriff der Freiheit, der für ihn zentral ist, erläutert.

Diese „Erinnerungen“ eines Menschen, der mitten drin war, der vorn mit dabei war, sind Geschichtsunterricht von seiner besten Art. Man merkt Gaucks Text an, daß er als Pastor das Predigen gelernt hat, das Geschriebene liest sich flüssig, es ist logisch aufgebaut und weiß zu überzeugen. Und er schreibt nicht von aussen, er ist jemand, der die Entwicklung, die Eigenarten, die Schwächen und die Fehler des DDR-Systems gekannt hat, unter ihnen gelitten hat, Gauck erzählt (auch anhand von exemplarischen Einzelschicksalen) über das wirkliche Leben in diesem Ex-Staat.

Links und Anmerkungen:

[1] hier sei auf den recht ausführlichen Artikel in der Wiki verwiesen: Joachim Gauck
[2] vgl. dazu hier: Schäuble und Kohl waren einig. Besonders unrühmlich war seinerzeit der Widerstand Kohls gegen die Herausgabe seiner Akten, die in entsprechenden anderen Fällen bei Personen öffentlichen Interesses durchaus vorgesehen war und vorgenommen wurde, wie Gauck erläutert. Kohl prozessierte und verzögerte eine Herausgabe der Akten lange (siehe hier)
[3] was schließlich durch das Stasi-Unterlagengesetz geregelt wurde, in das viele der ostdeutschen Vorstellungen einfloss (siehe wiki)

Joachim Gauck
Winter im Sommer – Frühling im Herbst
Erinnerungen
Pantheon Verlag, brosch., 352 S.
Erstveröffentlichung: Siedler, 2009