Bernd Kulik: Spur der Liebe

29. März 2017

Die Spur der Liebe von Bernd Kulik hat anscheinend selbst kaum Spuren hinterlassen. Ich bin kein Detektiv, suche deshalb nicht übermäßig intensiv, aber die normalen Suchmuster haben tatsächlich bis auf eine einzige Besprechung auf einem Blog nichts zum Buch ergeben. Zum Kauf angeboten wird es, freilich, des öfteren über die diversen Kanäle und Anbieter… So kann ich nichts über den Autoren Bernd Kulik vermelden, auch die Geschichte hinter den Geschichten bleibt im Dunkeln und ebenso ist das Buch selbst nicht in einem ’normalen‘ Verlag erschienen ist. Aber es ist erschienen und birgt auf seinen 256 Seiten zehn Geschichten über das ‚Lieben‘ in der ehemaligen DDR, wobei Liebe hier rein körperlich zu verstehen ist, so wie es in einer der Stories (Die Abifeier) zum Ende heißt: „Okay, wir haben zwei geile Nummer geschoben und unseren Spaß gehabt. Nun starten wir ins Leben und werden sehen, was uns noch alles widerfährt.“ – „War’s das?“ – „Das war’s.“ – Frauen konnten manchmal so herzlos sein.

An diesem Zitat läßt sich mehreres festmachen, was sich durchgängig durch alle Geschichten zieht. Zum einen werden die (fast immer) jungen Frauen als sehr initiativ beschrieben und sind keineswegs die schüchternen Mädels, die durch den Mann erst erweckt werden müssen. Im Gegenteil ist der (fast immer) junge Mann oft derjenige, der die leitende und führende Hand der Frau braucht. Zum zweiten ist die Sprache direkt und unverblümt und spart auch Phänomene des Alltags nicht aus, wie dieses Beispiel zeigt (Silvester): (nach der ersten Nummer kost sie ihn unter der Bettdecke langsam vom Bauch aus nach unten und merkt an): „Mein Lieber, hast du auf einem Fischtrawler gearbeitet?“ – „Nee, nur in einem Fischladen verkehrt.“

Die Episoden sind fast alle nach einem Muster aufgebaut. Auf den ersten Seiten wird das Setting beschrieben, also der Ort der Handlung, die näheren Umstände und – das macht das Buch dann zumindest für Wessis doch interessant – auch fernere Lebensumstände in der seinerzeitigen DDR. Dann taucht, da praktisch immer aus Sicht des männlichen Parts geschrieben wird, das meist brünstige Weibchen auf, läßt entweder Initiative zu und/oder – wenn sie des Aussehens oder anderer Umstände wie Monatsblutung wegen keine provoziert – legt selbst (im wahrsten Sinne des Wortes) Hand an und ergreift sozusagen das Zepter. Im Anschluss wird viel missioniert, manche der Damen haben auch Lust auf griechisches, französische Exkursionen kommen vor, sind aber nicht Hauptquelle, aus der die Freude sprießt. Man sieht, es ist eher handfester und bodenständiger Sex, der getrieben wird und der keineswegs an Gefühle gebunden sein muss, sondern der häufig nur der Triebbefriedigung dient.

Zehn Geschichten, von denen bis auf eine Ausnahme (Grenzübertritt: zwar auch der selbe Aufbau der Geschichte, aber die Akteure sind zumindest mal gestandene Erwachsene) alle nach mehr oder weniger dem selben Schema aufgebaut sind, das ist letztlich nicht sonderlich interessant. Wenn man dem Umschlagtext glauben darf, erfährt man durch diese Episoden, wie die Ossis tatsächlich liebten. Nun ja, möglicherweise natürlicher als anderswo, aber so richtig doll war das auch nicht, auf der emotionalen Ebene, meine ich…

So war letztendlich für mich die Schilderung der Alltagsszenen aus der DDR (das Setting der Episoden) interessanter als die doch sehr vorhersehbaren erotischen Abschnitte der Geschichten.

Bernd Kulik
Spur der Liebe
Erotische Geschichten aus der DDR
diese Ausgabe: Softcover, AC Distribution & Marketing, Berlin, ca. 256 S., 2011

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