Joseph Roth: Hiob

2. November 2016

Joseph Roths Hiob ist ein bekanntes Buch, man kann es nicht anders sagen, der Suchergebnisse sind es viele. Auch Reich-Ranicki empfahl seinerzeit die Lektüre [2], leicht gäbe sich die Weisheit Joseph Roths, gelassen und heiter, wenngleich er dem Werk Roths das Bahnbrechende absprach. Aber gerade in dieser Absage auf alles Gewaltige und Monumentale, die Konzentration auf das Alltägliche also und seine Menschen macht die Dauerhaftigkeit seines Werkes aus.

Den Hiob zu lesen hatte ich mir schon lange vorgenommen, den letzten Anstoß gab mir Baltschevs Geschichte des Amsterdamer Exilverlags Querido [3], in der Roth einigermaßen prominent erwähnt wird. Wobei der vorliegende Roman eines einfachen Menschen, so der Untertitel schon im Jahr 1930, also vor dem Exil Roths, publiziert worden ist.


hiob

Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Derselbe war schlecht und recht, gottesfürchtig und mied das Böse.

Mit diesen Worten [4] fängt das biblische Buch Hiob (Hiob 1,1) an, auch beginnt Roth seinen Hiob mit ähnlicher Formulierung: Vor vielen Jahren lebt in Zuchnow ein Mann namens Mendel Singer. Er war fromm, gottesfürchtig und gewöhnlich, ein ganz alltäglicher Jude. … Ein deutlicher Bezug auf das Buch der Bibel also, der den Grundtenor der Geschichte vorgibt, ist die Figur des Hiob doch Symbol geworden für einen Menschen, den das Schicksal unverschuldet und gegen all sein Bemühen schlägt und straft. Und ist nicht sogar das ganze Volk Israel ein Hiob unter den Stämmen, ein vom Schicksal verfolgtes und geschlagenes Volk seit jener Zeit von vor Tausenden von Jahren, in denen ihr Gott noch Wunder tat, große Wunder, um es zu leiten, in denen der Hiob, den Gott seinerzeit dem Satan zur Willkür und einer Wette wegen überließ, noch reich war – im Gegensatz zu Roths Hiob mit Namen Mendel Singer, der ein Armer war unter Armen, arm trotz seiner Gottesfurcht, dem Befolgen der Gebote und Verbote, dem Lehren und Anleiten der Kinder, denn Roths Mendel Singer war ein Lehrer, der den jungen Kindern die Bibel vermittelte, aber arm war er wie fast alle seine Glaubensbrüder.

Dieser Mendel Singer hatte drei Kinder, zwei Söhne, die unterschiedlicher untereinander nicht hätten sein können: Jonas, große und stark wie ein Bär und Schemarjah, schlank und zart wie ein Fuchs. Die Tochter hieß Mirjam, ihre Glieder waren zart, die Gelenke zerbrechlich und ihr Wesen das einer jungen Gazelle war. Deborah, das Weib Mendels, trug zu der Zeit, in der der Roman einsetzt, ein viertes Leben unter ihrem Herzen, denn Mendel liebte sein Weib und ergötzte sich an ihrem Fleisch. Doch mit Menuchim, wie sie den ihnen Geborenen nannten, ward ein Krüppel geboren, ein Behinderter, ein Menschlein, das nur ein Wort zu sprechen lernen sollte, ein Wort „Mama“, ein letztes Kind auch dieser Ehe, denn Deborahs Schoß blieb fortan trocken und unfruchtbar und Mendel Singer fing an, seine Frau mit anderen Augen zu sehen, Augen, in denen keine Liebe mehr war und ihrer beider Leben fing an, mehr dem von Geschwistern zu gleichen denn dem von Eheleuten.

Die Jahre vergingen…. ein Wunderrabbi (zu dem das Weib gegen den Willen ihres Mannes ging, denn Mendel vertraute auf Gott, nicht auf Wunder) prophezeite Deborah, daß ihr Menuchim gesund werden würde – in vielen Jahren und nie dürfe sie ihn verlassen. Die anderen beiden Söhne dagegen waren gesund, obwohl ihnen in den Augen der Eltern ein wenig Schaden gut getan hätte, denn dann wären sie möglicherweise verschont worden, aber so kräftig, wie sie waren, wollte sie der Zar haben für sein Heer. Nur einen der Söhne konnten Deborah retten, in dem sie ihm über einen bezahlten Mittelsmann zur Flucht verhalf, dem zweiten dagegen, Jonas, gefiel das Leben, das die Bauern und Soldaten lebten, ein Leben mit Pferden, mit Schnaps und auch mit Frauen, Jonas ging gern und freiwillig zu den Kosaken. Aber nicht nur ging der eine Sohn zu den Kosaken, diese kamen auch von sich Mendels Haus in aus in diesen Tagen, denn in Mirjam fing ein Feuer an zu brennen, das nur von Männern zu löschen war und Mirjam ließ sie es löschen, Tag für Tag und Nacht für Nacht….

Ein Bote brachte eines Tages eine Nachricht vom geflohenen Schemarjah, der sich jetzt Sam nannte und in Amerika lebte. Er wollte seine Eltern zu sich holen und sie entschlossen sich schwersten Herzens zur Reise. Menuchim, den geliebten Krüppel, mussten sie zurücklassen um Mirjam zu retten, sie von den Kosaken zu trennen und nach Amerika mitzunehmen.

Mendel blieb auch in New York ein russischer Jude, aber er war dort einer unter vielen. Er fremdelte, aber er lebte sich ein. Sein Sohn Sam machte gute Geschäfte, er war verheiratet und hatte ein Kind. Mirjam arbeitete in seinem Geschäft und freundete sich mit Mac, seinem Kompagnon, an. Diesen guten Entwicklungen stand das ungewisse Schicksal von Jonas und von Menuchim entgegen, die Ungewissheit nagte am Herzen von Mendel und Deborah, auch die Reue, Menuchim zurückgelassen zu haben, wog schwer auf ihrer Seele, die Schuldgefühle quälten sie, gar oft stand Mendel am Fenster, um gedankenverloren an die alte Heimat hinaus zu blicken….

Gerade war der Entschluss gefasst, zurück zu fahren zu Menuchim, als der Krieg ausbrach, es war 1914, eine Reise nach Russland war unmöglich geworden. Und dann zog Sam, dem Amerika ein neues Vaterland geworden war, für dieses Land in den Krieg…

Noch betete Mendel Singer seine Gebete, noch wiegte er seinen Körper im Takt des Gesangs, noch befolgte er die Gebote des Herrn ohne Zögern, doch dieser kannte kein Erbarmen mit seinem treuen Diener. Ob der Nachricht vom Tod Sams, die ihnen überbracht wurde, brach Deborah vor Verzweiflung tot zusammen und Mirjam, die Schwester verfiel dem Irrsinn. Nur Mendel, ihm geschah nichts außer diesem Unglück und der Verzweiflung, die seine Familie traf…

Voller Zorn war nun der Mendel Singer, voller Verzweiflung, voller Verbitterung. Trauer erfüllte sein Herz und unsäglicher Schmerz wohnte in ihm. Geschlagen wurde er von seinem Gott, Unglück bringe er über die Seinen, so dachte er und sagte sich los von ihnen und lebte fortan allein, in einem Hinterzimmer bei einem der jüdischen Freunde in der Straße. Er sagte sich los auch von seinem Gott, wütete gegen ihn in seinem Zorn und seiner Hilflosigkeit und fast hätte er es geschafft, seine Gebetsriemen zu verbrennen, sein Gebetbuch… Denn das brauchte er jetzt nicht mehr, er betete nicht mehr noch sang er die Psalmen oder wiegte sich in derem Takt. Vergeblich kamen die Freunde und versuchten, ihn wieder zu ihrem Gott zurück zu führen…

Alt war er geworden, der Mendel Singer, alt und gebeugt, gebeugt und schwach, schwach und ohne Freude. So war er, als er – der Krieg war mittlerweile zu Ende – durch Zufall eine Schallplatte fand, die er auf dem Grammophon des Freundes abspielte, und das Lied, es hieß ‚Menuchims Lied‘ packte ihn, rührte sein verhärtetes, vergrämtes Herz an, immer wieder spielte er das Lied, bis er es mitsingen konnte und endlich ein leichtes Lächeln um seine Lippen zu spielen begann.

Mendel feierte als Geringster der Anwesenden mit seinen Gastgebers das Osterfest, als ein fremder, gut gekleideter Mann an die Tür anklopfte, gerade als die Stelle gelesen wurde, an der der Prophet Eliahu in die Stube einzulassen wäre. Es war der Komponist von Menuchims Lied, der da Einlaß begehrte, ein berühmter Musiker: es war der Mann, der schon seit Jahren nach einem gewissen Mendel Singer aus Zuchnow suchte, es war – so offenbarte er sich – Menuchim. Und Mendel Singer ward von diesem Augenblick an ob des geschehenen Wunders wieder versöhnt mit seinem Gott, haderte nicht mehr mit diesem, fing wieder an zu singen und zu beten und er blieb bei seinem Sohn, der sich von nun an um seinen alten Vater kümmerte.


Von der Ausgangssituation her hat mich der 1930 von Roth veröffentlichte Hiob an einen anderen berühmten Roman erinnert, den ich vor ein paar Monaten hier vorgestellt habe: Tewje, der Milchmann von Scholem Alejchem [6]. Beide Geschichten spielen grob um die gleiche Zeit im osteuropäischen Judentum auf dem Gebiet der heutigen Ukraine, beide schildern dieses Judentum, keiner der Autoren konnte ahnen, daß es nur wenige Jahre später ausgelöscht sein würde. Hie wie dort ist eine Zeit des Umbruchs, auf der Ebene der Menschen, aber auch der der Politik. Die Kinder beider Elternpaare fügen sich nicht mehr klaglos ein in die überlieferten Traditionen, haben ihre eigenen Vorstellungen. Weder die Autorität der Eltern noch die der Religion reichen aus, die Widerstrebenden zu zähmen. So geht bei Roth der Sohn Jonas zum Militär und benimmt sich wie jeder andere ‚Kosak‘ auch, Mirjam ist offensichtlich nymphoman, gibt sich mit den Soldaten ab, …. traf sie sich mit einem von ihnen, oder auch mit zweien. Manchmal kamen drei. Sie empfindet dabei keine Scham. Weil du einen Mendel Singer geheiratet hast, muss ich nicht auch einen heiraten. Hast du einen besseren Mann für mich, was? Hast du eine Mitgift für deine Tochter? Vernichtende Worte, in denen auch die fehlenden Aussichten für die Zukunft der jungen Juden formuliert sind. Mirjam richtet diese Worte ohne Emotionen an ihre Mutter, die ihrerseits dachte, Hilf, guter Gott, sie hat Recht ….

Während bei Tewje jedoch die Progrome, die in Russland ab 1905, nach dem Ende des russisch-japanischen Krieges (vgl [5]) angesprochen werden und Tewje auch unter ihnen zu leiden hat, spielen sie bei Roth überraschenderweise keine Rolle. Ein einziges Mal wird der Begriff im Zusammenhang mit einer ‚Progromstimmung‘ verwendet, von Progromen oder anderen Nachstellungen ist jedoch nichts zu lesen. Wird Tewje zum Ende des Romans zum Vertriebenen, der in der alten Heimat nicht mehr gewollt wird, so reisen die Mendels bei Roth aus persönlichen Motiven aus, politisch motivierte Vertreibung ist es nicht. Roth hat seinen Hiob in etwa gleichem Umfang aufgeteilt: das Schicksal der Singers, die der Rettung Mirjams wegen nach Amerika zum zweiten Sohn auswandern, wird in etwa gleichem Umfang geschildert wie ihr Leben in Zuchnow. Dies ein weiterer Unterschied zu Alechjems Roman, der ausschließlich in der alten Heimat seines Helden spielt.

So erweitert Roth im Gegensatz zu Alechjem seine Geschichte um eine zusätzliche Perspektive: den der Migration in ein fremdes Land. Ein Land, das mit Licht und Schatten geschildert wird, hinter dessen leuchtender Fassade oft der Schmutz und der Dreck verborgen liegt. Exemplarisch gelingt es Deborah in Amerika nicht, die Dielen ihrer Behausung so sauber, so gelb-glänzend zu schrubben wie in ihrer alten Heimat…. und das zahllose Ungeziefer, das in den Spalten und Löchern, die es allerorten gibt, lebt, läßt sich nicht vertreiben.

Erst mit Menuchim lernt Mendel Singer das glänzende Amerika kennen, das große, saubere, leuchtende, vornehme Hotel Astor, die Blick von oben auf die Leuchtreklamen und Lichter der Stadt, das Meer auch, den gelben Strand, an dem der frühlingshafte Wind durch die schütteren Haare des alten Mannes, der zum ersten Mal in seinem Leben freiwillig seinen Kopf entblößt…  Mendel vertraut sich seinem Sohn an, wohin du fährst, ist es gut….


Der Hiob Roths ist ein von Gott Geschlagener, der von Gott abfällt. Nach dem Tod seines Sohnes, dem Tod seiner Frau, dem Irrsinn seiner Tochter rechnet er ab mit ihm, mit ihm, dem er sechzig Jahre lang in Verblendung gedient hatte. Gott ist grausam, und je mehr man ihm gehorcht, desto strenger geht er mit uns um. Er ist mächtiger als die Mächtigen, mit dem Nagel seines kleinen Fingers kann er ihnen den Garaus machen, aber er tut es nicht. Nur die Schwachen vernichtet er gerne. Die Schwäche eines Menschen reizt seine Stärke, und der Gehorsam weckt seinen Zorn. …. schleudert er seinen Freunden, die ihn in seiner Trauer besuchen, entgegen – und natürlich seinem Gott. Es ist dies die Szene, in der der Bezug zum Buch Hiob vielleicht am deutlichsten durchkommt: seine vier besten Freunde aus dem Viertel, in dem er lebt, besuchen ihn so der biblische Hiob von drei Freunden besucht wird, die sich jeweils seiner Rede entgegenstehen. In dieser Passage nimmt Roth auch direkten Bezug auf das Buch Hiob: ‚Erinnere dich, Mendel‘, begann Rottenberg, ‚erinnere dich an Hiob. Ihm ist Ähnliches geschenen wie dir. … Auch er lästerte Gott. Und doch war es nur eine Prüfung gewesen. … ‚ Es wäre interessant, jetzt die jeweiligen Reden und Gegenreden miteinander in Bezug zu setzen, das würde wohl den Rahmen dieser einfachen Buchbeschreibung sprengen.

Der biblische Hiob wird am Ende von Gott rehabilitiert und in den früheren Stand eingesetzt, noch mehr sogar erhielt er von Gott als er verloren, die Toten freilich blieben tot. Dieser Hiob schließlich starb alt und des Lebens satt, auch Mendel findet am Ende sein Glück, den Glauben daran, daß sich Jonas wieder einfinden würde und daß Miriam gesunde und dann schöner als alle Frauen der Welt zurückkehre – auch dies noch einmal ein Bezug auf Hiob 42. Und doch ist es nicht der alte, unbedingt Gehorsame, dieser Hiob jetzt, denn er fühlt ein merkwürdiges und auch verbotenes Verlangen in sich und gibt ihm nach: er entblößt … aus freiem Willen sein Haupt und läßt den Wind mit den schütteren Haare spielen.


Joseph Roth war ein deutschsprachiger Autor, sein Geburtsort Brody in Galizien gehörte damals zu Österreich-Ungarn, liegt jetzt in der Ukraine, Scholem Alechjem, der Dichter des Tewje, dagegen war ein jiddischer Schriftsteller. Das Jiddische, und dies ein großer Unterschied und auf den ersten Blick seltsam anmutend, kommt im Hiob dagegen nicht vor, der Begriff wird einmal einziges mal angeführt, als auf dem Auswandererschiff die Durchsagen in diversen Sprachen, u.a. dem Jiddischen, aufgezählt werden. Roths Vermeidung jiddischer Begriffe geht so weit, daß er sogar das jüdische Pessachfest als Osterfest bezeichnet. Damit ist Hiob zwar eine Beschreibung des osteuropäischen Judentums (als Nachhall einer Galizienreise Roths von 1926 und unter dem Einfluss der gläubigen Schwiegereltern verfasst), aber eine aus der Ferne, aus der Sicht, dem Blickwinkel des aufgeklärten Europäers, eines säkularen Juden, der für aufgeklärte Europäer geschrieben hat.

Ein weiterer Grund dafür ist einfach zu benennen, Roth schrieb keine Heimatgeschichte für jüdische Leser, sondern er richtete sich an ein großes Publikum, denn er brauchte schlicht und einfach Geld. Martin Lowsky geht in seinem ausführlichen Nachwort auf die damalige persönliche Situation Roths ein. Dieser hatte 1928 mit seiner Arbeit am Hiob begonnen, es sollte ein packender Roman werden, der möglichst viele Leute begeistert. Denn Roth ersehnte den finanziellen Erfolg. Und zwar aus einem tragischen Grund: seine Frau Friedl war an Schizophrenie erkrankt und die notwendige ständige Betreuung war teuer. Im Hiob taucht Friedl Schicksal in der Person Mirjams auf, deren beider Prognosen durch die behandelnden Ärzte negativ waren. Vor diesem Hintergrund wird Roth selbst zu einem Schicksalsverwandten seines Hiobs, wie dieser am Schluss des Buches von Mirjam wird auch Roth davon geträumt haben, seine Friedl wieder gesund in die Arme nehmen zu können….

Zur Sprache Roths ist noch etwas anzumerken. Sie hat etwas märchenhaftes, suggestives: Vor vielen Jahren lebte in Zuchnow…. oder … Hinter ihm leuchtete ein gelber Schal auf, ein gelber Schal, ein gelber Schal. …. oder  Sein Schlaf war traumlos. Sein Gewissen war rein. Seine Seele war keusch. und als letztes Beispielzitat für die oftmals gebrauchte Voranstellung des Objekts im Satzbau: Eine Frau und drei Kinder musste er kleiden bzw. Den Mund verdeckte der Bart. Durch solche stilistischen Feinheiten wird der Text abwechslungreich, beim Lesen ist man aufmerksam und gibt sich dem Sog der Geschichte hin. Trotz dieses oft poetischen Zungenschlages sind die Schilderungen des jüdischen Alltags sowohl in Russland als auch in Amerika realistisch: der Dreck, die Armut, die demütigende Behandlung auf den Amtsstuben, das ebenso demütigende Betteln und Feilschen, wenn das Geld für das Gewünschte nicht reicht….

Hiob ist ein zutiefst menschlicher Roman, der eins der Grundthemen der menschlichen Existenz thematisiert: das Ausgeliefertsein. Der Mensch mag nicht glauben, daß nur der Zufall das Leben und das Geschehen beherrscht: dem Zufall ist man wirklich ausgeliefert, eine Macht, die lenkt (oder die Dinge einfach laufen lässt) kann man möglicherweise beeinflussen, durch Gehorsam, durch Anrufung, durch Opfer. Um so tiefer die Enttäuschung, wenn dies wirkungslos ist, wenn sich der Mensch zum Spielball gemacht sieht von dem, dem er in seiner Seele die Macht über sich zugeschrieben hat.

So hat Roth mit seinem Hiob ein bleibendes Buch geschrieben, keins, das – nach Reich-Ranicki – literarische Spuren hinterlassen hat, aber eins, das immer aktuell sein wird und dies verbindet mit hohem ‚Lesegenuss‘, so nennt es Lowsky. Ihm ist zuzustimmen.

Mehr durch Zufall (sic!) als durch Absicht bin ich an die preiswerte Ausgabe der Reihe der ‚Hamburger Lesehefte‘ gelangt, sie kostet (ohne daß man dies dem durchaus vorzeigbaren und schönem Büchlein ansieht) weniger als der Verdauungsschnaps im Lokal nach einen guten Essen… und enthält ausser der Geschichte noch das schon erwähnte Nachwort sowie zahlreiche erklärende Anmerkungen und noch ein paar wenige Materialien. Der Text selbst richtet sich nach der Erstausgabe. Ein Büchlein für den schmalen Geldbeutel und die weit geöffnete Seele!

Links und Anmerkungen:

[1] http://www.ursulahomann.de/RomanEinesEinfachenMannesDieHiobDeutungJosephRoths/komplett.html
[2] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/fragen-sie-reich-ranicki/fragen-sie-reich-ranicki-die-besten-romane-von-joseph-roth-1259324.html
[3] Bettina Baltschev: Hölle und Paradies, Buchbesprechung hier im Blgo
[4] z.B. hier: http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/hiob/1/
Der in Hiob 1,1 auftauchende Begriff ’schlecht‘ ist kein Irrtum, er ist ein schönes Beispiel für den Bedeutungswandel, den Worte im Lauf der Zeiten erleben können, wie es z.B. hier beschrieben wird: Guy Deutscher: Du Jane, ich Goethe (Buchvorstellung hier im Blog)
[5] Vladimir Jabotinsky: Die Fünf, Buchbesprechung hier im Blog
[6] Scholem Alejchem: Tewje, der Milchmann, Buchbesprechung hier im Blog

Joseph Roth
Hiob
Roman eines einfachen Mannes
mit einem Nachwort von Martin Lowsky
Erstausgabe: Kiepenheuer, Berlin, 1930
diese Ausgabe
:Hamburger Leseheft Nr. 225, broschiert, 160 Seiten

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One Response to “Joseph Roth: Hiob”

  1. il_libraio Says:

    Eines meiner absoluten Lieblingsbücher, das man immer mal wieder lesen kann/sollte!
    Hatte mal eine Phase, da hab ich nur Roth und Remarque gelesen, immer abwechselnd ;-)

    Gefällt 1 Person


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