Inge Jens: Langsames Entschwinden

8. Mai 2016

Inge (und vor allem ihr Sohn Tilman) Jens sind, was die Veröffentlichung von Büchern, die sich mit der Krankheit, dem Sterben und dem Tod von Walter Jens befassen, so wenig zurückhaltend, daß es mir bei diesem vierten (plus das Abschlusskapitel in der Autobiographie von Inge Jens) Büchlein [3] schwer fällt, noch eine originelle Einleitung zu formulieren…. denn eigentlich ist alles gesagt, von meiner Seite aus. Aus Sicht der beiden Hinterbliebenen offenbar noch nicht. Wobei ich Inge Jens, der Autorin dieses Büchleins, möglicherweise etwas Unrecht tue, denn treibende Kraft auch hinter dieser Publikation ist offensichtlich ihr Sohn Tilman. Zumindest berichtet Georg Diez in seiner Besprechung des Buches im Spiegel: … Es war Tilman, der sie [i.e. die Briefe] eines Tages las und meinte, sie sollte sie zu einem Buch machen, … [1].

Walter Jens, um jetzt doch wieder zum Objekt der Erinnerungen zurückzukehren, gehörte zu den Streitbaren dieser Republik in vor allen den 80er Jahren, er war einer der geistigen Heroen, ein Intellektueller hohen Anspruchs. 2013 ist er nach langen Jahren der Demenz in hohem Alter gestorben. Seine Krankengeschichte ist geprägt von einem stetigen Verlust mentaler, kognitiver und auch physischer Fähigkeiten, die Betreuung erfolgte durch seine Frau Inge im wesentlichen zu Hause, wobei sie die Unterstützung und Hilfe einer fähigen Pflegekraft hatte (an der Tilman Jens gleichwohl kaum ein gutes Haar läßt – ausser eben der Tatsache, daß sie Walter Jens gut versorgt hat).

Außer durch diese tragische Krankengeschichte von Walter Jens ist sein Siechtum auch geprägt durch andere Faktoren, die sich auch in dem vorliegenden Büchlein wiederspiegeln. Walter Jens war zeitlebens ein vehementer Vertreter des Rechts auf einen (wären die Umstände danach) eigenbestimmten Tod, in seiner Krankheit trat daher die Frage auf, ob er in seinem Zustand dies auch aktuelle für sich so sah – noch sehen konnte. Diese Überlegungen schlossen aktive Sterbehilfe in einer bestimmten Periode der Krankheit mit ein.

Ein zweiter Punkt ist die außergewöhnlich lange Verdrängung einer an sich auf der Hand liegenden Diagnose des Zustands von Walter Jens: Der Begriff „Demenz“ taucht erst sehr spät auf, lange Zeit behalf die Familie sich damit, von einer Depression zu sprechen, was zwar in gewisser Weise naheliegend war, hatte Walter Jens doch früher schon einmal eine Depression gehabt und überwunden. Doch allein die frühen Wortfindung- und Sprachschwierigkeiten des Erkrankten hätten zumindest zu einer entsprechenden Verdachtsdiagnose führen müssen. Diese Frage berührt mich persönlich, da ich genau um die gleiche Zeit meinen Vater auch wegen einer dementiellen Erkrankung zu begleiten hatte. Aus diesem Grund fällt es mir schwer, die Jens´sche Verdrängung der Tatsachen nachzuvollziehen.

jens inge


Im vorliegenden Büchlein gibt Inge Jens Briefe wieder (auszugsweise?), die sie in der Zeit des Fortgangs der Demenz ihres Mannes an Freunde und Bekannte geschrieben hat. Die Briefe sind chronologisch geordnet und geben daher einen Überblick auf die jeweilige Krankensituation und deren Entwicklung. Die Briefe sind anonymisiert, der Adressat wird nur in seiner Stellung zur Familie Jens angegeben (z.B. „langjähriger Freund“). Es wird leider nicht ausgeführt, inwieweit die Texte bearbeitet sind, ob sie Auszüge aus Briefen darstellen (wovon ich ausgehe), nach welchem Kriterium die Briefe ausgewählt wurden (Vollständigkeit). So werden zumindest acht Briefe aus dem Jahr 2007 aufgeführt, dagegen nur zwei aus dem Jahr 2013 – kaum vorstellbar, daß Inge Jens sich in diesem Jahr nur diese zwei Mal gegenüber ihren Freunden über das Leiden ihres Mannes ausgedrückt hat. Damit steht aber automatisch auch die Frage im Raum, was wollte/will Inge Jens dem Leser mit diesem Buch vermitteln? Um so interessanter ist diese Frage, wenn man die Inhalte im Hinterkopf mit dem vergleicht, was der Sohn Tilman Jens in seinen (ebenso aktuellen) Buch Du sollst sterben dürfen [3] über das Leiden seines Vaters schreibt. Aber dazu später, erst ein paar Worte zum Inhalt des Buches.


In der Rückschau dauerte der Leidensweg von Walter Jens ein gutes Jahrzehnt lang. Die ersten Anzeichen von Konzentrationsschwächen und zeitweiligem Desinteresse traten wohl so um 2002/3 auf, sie wurden verständlicherweise dem damals schon ansehnlichen Alter des Achtzigjähren zugeordnet. Später dann wurden Symptome der Erkrankung einer sich wieder zeigenden Depression zugeordnet, Unterschiede zwischen der vor langen Jahren überwundenen Depression und dem aktuellen Zustand wurden negiert: … dass ich den Unterschied zu der jetzigen Situation zunächst verdrängte und mir erst sehr spät eingestand, dass es dieses Mal doch recht anders war. .. Noch aber konnte Walter Jens zusammen mit seiner Frau (und wohl auch immer stärker unter deren Federführung) an Buchprojekten mitwirken, ebenso übernahm bei öffentlichen Lesungen und Auftritten Inge Jens immer häufiger die Führung. Im Jahr 2007 taucht dann der Begriff „Demenz“ in der Korrespondenz auf, aber nicht ohne gleich wieder eingeschränkt zu werden: … Diese Diagnose [i.e. Mikro-Angiopathie [2]] passt auch nach wie vor am besten auf das Krankheitsbild, das zwar häufig Züge einer Demenz aufweist, aber…. (30. Juni 2007) oder: Es ist (leider?) keine gradlinige Demenz, unter der mein Mann leidet, sondern eine Angiopathie. (25. Oktober 2007) Erst die nahezu beiläufige Bemerkung des Hausarztes: Nun, ihr Mann wird eben dement. schafft Klarheit – wenn auch nicht unbedingt darüber, was dies alles bedeutet.

Das Erinnerungsvermögen z.B. ist noch erstaunlich gut intakt. Man merkt, er weiß genau, was er sagen will …. würde, wenn er könnte. Aber diese Umsetzung von Erinnerung .. ins Sprachliche funktioniert nicht mehr. … das ist entsetzlich quälend. (25. Oktober 2007). Musik spricht ihn noch an, die Kommunikation mit ihm wechselt immer mehr auf die rein emotionale Ebene. An Gesund-Werden glaubt niemand mehr -auch er selbst, denke ich, nicht. (28. Dezember 2007). Immer wieder äußert Walter Jens den Wunsch, zu sterben, für Inge Jens ein Ausdruck eher dafür, so nicht leben zu wollen (z.B. in einem Brief vom 10. Dezember 2008).

Ich selbst habe es immer noch nicht ganz begriffen, dass der Mensch, der da um mich ist, den ich anrede und den ich um etwas bitte, zwar noch Ähnlichkeiten mit dem Menschen hat, der einmal mein Mann war, aber dennoch völlig unerreichbar und unfähig ist, auf mein Anreden, Forderungen oder Vorschläge adäquat zu reagieren. (19. Januar 2008). Zu dieser Zeit ordnet, so schreibt Inge Jens, ihr Mann vertrauteste Menschen allenfalls noch als „Mobiliar“ in seine Umgebung ein. ..

Es ist müßig, mehr zu zitieren. Die Krankheit von Walter Jens nimmt ihren unabänderlich Lauf, immer unerreichbarer wird der Kranke, immer problematischer für Inge Jens und ihre Helfer, zu „erraten“, was Walter Jens möchte oder was ihm gut täte. In vielen Briefen lobt Inge Jens insbesondere ihre Hilfe, die Pflegerin Frau H., die aus einer bäuerlichen Großfamilie kommt und Walter Jens oft mit auf den nahen, heimischen Hof nimmt. Dort „blüht“ der Kranke auf, nimmt (auf seine Art) am bunten Hofleben teil, wird Teil der Familie, mit der er einfach mitläuft. Stunden des (relativen) Glücks.

Er ist ein Mensch – auch noch in diesem Zustand -, wenn auch ein ganz anderer als der, der er einmal war. Auch Inge Jens durchläuft einen harten Lernprozess, der sich in den Briefen spiegelt. Die Krankheit ihres Mannes raubt ihr ihren intellektuellen Gegenpart, immer wieder beschreibt sie, wie heftig sie den Verlust empfindet, daß mit ihrem Mann keine Kommunikation mehr möglich ist, er immer stärker auf´s rein Kreatürliche reduziert wird – aber immer doch Mensch bleibt.

Immer wieder tauchen Überlegungen auf über den (vermeintlichen) Todeswunsch von Walter Jens und daraus resultierend das Ablehnen von lebensverlängernden Massnahmen. Am 17. Mai 2009 schreibt Inge Jens dagegen, daß sie sich gegen einer Erlösung aus freien Stücken zu Wehr setzen würde. Damit ist das Thema der aktiven Sterbehilfe, das im Hause Jens durchaus diskutiert wurde, wohl vom Tisch.


Walter Jens starb am 9. Juni 2013, damit wird der Zeitraum von Mitte 2011 bis zu seinem Tod „interessant“, denn der Sohn Tilman Jens befindet in seinem aktuellen Buch apodiktisch: Mein Vater ist zwei Jahre zu spät gestorben [5, Du sollst….. ], dieser von Tilman Jens genannte Zeitraum erstreckt sich also von Juni ´11 bis zum Tod. Inge Jens dagegen schreibt z.B. mit Datum vom 26. Januar 2012: Er ist den halben Tag – mindestens – bei Frau H. auf ihrem Hof in Mähringen – 10 km entfernt, wo er sich wohl fühlt. … es folgt eine recht ausführliche Schilderung der Verhältnisse dort.. Jeder im Dorf kennt Walter, jeder spricht ihn an …  Kurzum, es geht ihm dort, wo es notgedrungen abwechslungsreich und „interessant“ …. gelegentlich chaotisch, ja, derb, aber herzlich zugeht, so gut, wie es nur irgend sein kann bei seinem Zustand. … Walter „läuft mit“, backt Kuchen und isst ihn dann mit Behagen… Fast ein Jahr später noch, am 1. Dezember 2012 noch schildert Inge Jens: … [Diesen unglücklichen] Befindlichkeiten stehen jedoch andere entgegen, Zeiten, in denen er lacht, sich freut, es sich wohl sein lässt: beim Essen .. wenn er mit den Enkel-Zwillingen von Frau H. am Mähringer Kaffeetisch Kaba trinkt, wer er mit ihnen spielt … manchmal ist er sehr glücklich, wenn ich abends die Adventskerzen anzünde….

Dies läßt sich von aussen nicht wirklich beurteilen, aber bei allem Unglück und sich stetig verschlechterndem Allgemeinzustand wirken diese Aussagen von Inge Jens nicht so, als sei das Leben von Walter Jens in diesen besagten zwei Jahren ohne jegliche Freude gewesen.

Ein weiterer Punkt, an dem ich die Aussagen von Inge und Tilman Jens nicht in Deckung bringe, ist folgender: Tilman Jens beschreibt [a.a.O.], daß sein Vater mehrfach Lungenentzündung gehabt habe (auch Bronchitits) und daß seine Mutter in diesen Situationen bewusst den Geist der Patientenverfügung ignoriert hätte und Walter Jens daher (erfolgreich, bezogen auf die Infektionen) behandelt worden sei. In den Briefen, die Inge Jens zusammen gestellt hat, habe ich über diese psychisch und seelisch doch sicher sehr aufwühlenden Situationen nichts gelesen, sie tauchen dort einfach nicht auf. Selbstverständlich will ich mit diesen Beispielen Inge und Tilman Jens nicht gegeneinander „ausspielen“, aber ich wollte deutlich machen, daß offensichtlich ein Gesamtbild der Lebensumstände von Walter Jens in seinen letzten Jahren nur gewonnen werden kann, wenn man sich nicht auf eine Quelle allein bezieht.


Die letzte Anmerkung meinerseits führt zu der Empfehlung, das Buch von Inge Jens nicht als einziges zu diesem Thema zu lesen (entsprechendes gilt für das zitierte Buch des Sohnes), denn offensichtlich hat Inge Jens in ihren Briefen nicht über alles geschrieben – was ihr absolutes Recht war und ist. Es liegt in der Natur von Briefen (zumal an diverse Adressaten, zu denen unterschiedliche Grade der Vertrautheit bestehen mögen), daß sie subjektiv sind und ebenso sind sie keiner Vollständigkeit verpflichtet. Im Vergleich zu den Erinnerungen und Ausführungen ihres Sohnes werden so in diesen Briefen wichtige, einschneidende Entscheidungen im Zusammenhang mit der Patientenverfügung nicht angeschnitten.

Vereinfachend gesagt, läßt sich festhalten, daß die Briefe im wesentlichen um drei Themenkomplexe behandeln: den Zustand von Walter Jens (und daraus abgeleitet den Umgang mit ihm), die eigene Befindlichkeit der Briefeschreiberin und die Betonung darauf, wie wertvoll die Pflege des Kranken durch Frau H. (und später noch deren Freund) ist. Dies spielt in den zweiten Beitrag hinein, der im Buch abgedruckt ist, ein von Inge Jens überarbeiteter Vortrag zur Pflegesituation von Dementen auf der Caritas-Tagung der Diözese Augsburg im Jahre 2012. Sie betont hier, wie unzureichend Krankenhäuser auf die Aufnahme und den Umgang mit Dementen vorbereitet sind: … und fuhr heim mit der Erkenntnis, daß es für einen Demenzkranken [der nur noch pürierte Nahrung, die ihm gereicht wird, essen kann] nicht sehr schwierig sein müsste, zwischen all der beeindruckenden Hightech-Apparatur ganz schlicht und altmodisch zu verhungern. (Dem ist nichts hinzuzufügen…). Auf der anderen Seite ist die häusliche Pflege sehr aufwendig, und die Finanzierung wird nicht ausreichend unterstützt, so daß sie nicht jeder leisten kann – selbst, wenn es gewollt ist. Hier war Inge Jens in einer günstigeren Ausgangssituation.

So folgt, daß das Büchlein von Inge Jens über das Leben mit Demenzkranken und auftauchenden Problemen im allgemeinen einen recht guten Überblick gibt. Jede Demenz verläuft anders, aber im Großen und Ganzen doch in einem Rahmen, wie ihn Walter Jens und seine Angehörigen durchleben mussten. Will man sich jedoch über den Verlauf der Erkrankung von Walter Jens im Speziellen informieren, gibt dieses Buch offensichtlich nur Teilaspekte wieder und man sollte dann doch zu einer weiteren Quelle greifen, um ein vollständigeres Bild zu erhalten.

Links und Anmerkungen:

[1] Georg Diez: Und dann war er endlich tot; in: SPIEGEL 16/2016 S. 58/9
[2] http://www.diabsite.de/aktuelles/nachrichten/2011/110916b.html
[3] Bücher von Tilman und Inge Jens über die Krankheit/das Sterben von Walter Jens:
Tilman Jens (die Verlinkung führt zu den entsprechenden Buchvorstellungen hier im Blog):
Demenz – Abschied von meinem Vater
Vatermord
— Du sollst sterben dürfen
Inge Jens:
– Unvollständige Erinnerungen (letztes Kapitel des Buches)
– Langsames Entschwinden 

Mehr Hinweise auf Bücher zum Themenkreis „Krankheit, Sterben, Tod und Trauer“ sind hier zu finden: https://mynfs.wordpress.com

Inge Jens:
Langsames Entschwinden
Vom Leben mit einem Demenzkranken 
diese Ausgabe: Rowohlt, HC, ca. 160 S., 2016

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3 Responses to “Inge Jens: Langsames Entschwinden”

  1. Devona Says:

    Das ist jetzt der zweite Beitrag von Dir, der mich zunächst gedanklich -und nun auch praktisch- in eine Richtung schubst, die mir doch eher unangenehm ist. Es ist weniger das Thema Demenz, was nochmal eine ganz eigne Kategorie ist und mir ganz andere Gedanken abnötigt, als vielmehr das Thema „Patientenverfügung“, mit welchem mir meine Mutter (71) regelmäßig um`s Eck kommt und welches ich meist mit „schreibs`s auf“ abtue. Sie hat sich informiert, sie hat die richtigen Formulare, sie weiß, was sie will und hat es mir selbstverständlich auch gesagt. Trotzdem: man MUSS en Detail darüber reden, letztendlich ( und ich glaube, genau das war eine der Formulierungen von Dir, die mich angeschubst haben) bin ICH diejenige, die das im Fall des Falles durchsetzen muss und es wird nur so gut für den Patienten sein, wie ich es bei der Durchsetzung bin. Ist die Behandlung einer Lungenentzündung bei Demenz eine lebenserhaltende Massnahme oder nicht, ehrlich gesagt, wüsste ich jetzt nicht, was SIE sich in so einem Fall vorstellt. JEDEN Einzelfall wird man sicher auch nicht vorher diskutieren können. Trotzdem: ich nehme das jetzt in Angriff, immer in der Hoffnung, dass einem selbst und den Liebsten ein Schicksal wie Walter Jens erspart bleibt.

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    • flattersatz Says:

      liebe devona,

      erst einmal möchte ich mich entschuldigen, daß ich erst so spät auf deinen lieben und langen kommentar reagiere. aber unorthodox hatte mich die letzten tag so in beschlag genommen, daß mein kopf nicht frei war für anderes… ;-)

      ja, ich kann deine zögerlichkeit gut nachvollziehen. daß ich weiß, was ich machen müsste, heißt auch bei mir noch lange nicht, daß ich es auch konsequent umsetze…. ich bekenne es. dabei weiß ich, daß solche gespräche, sind sie erst einmal in gang gekommen, sehr befreiend sein können. das thema sterben und tod ist bei deiner mutter ja offensichtlich präsent, sonst würde sie die patientenverfügung nicht erwähnen. aber die überlegungen dazu wälzt sie vielleicht nur im eigenen kopf herum, und es täte ihr gut, sie mit einer vertrauten person, mit ihrer tochter zu besprechen. es kommen dann immer neue gesichtspunkte hinzu. es ist ja nicht so, daß kategorisch diktiert wird, es wird ja auch über einzelnes diskutiert, auch deine bedenken, deine gedanken fließen ein in das, was festgelegt wird.

      es ist immer sinnvoll, außer der formalen patientenverfügung noch ein paar gedanken, möglichst in eigener handschrift, hinzuzufügen, in denen die prinzipielle einstellung zum sterben und zum tod erläutert wird. habe ich mich mit meinen eigenen sterben schon beschäftigt, was erwarte ich vom leben, wie soll mein sterben aussehen, was möchte ich auf keinen fall erleben, in welchem zustand nie sein? solche aufzeichnungen helfen sehr dabei, in situationen, die die patientenverfügung nicht im einzelnen enthält, den mutmaßlichen willen des/rjenigen zu ermitteln.

      für mich ist immer eine kleine beruhigung, daß diese patientenverfügung mich nur in die pflicht nimmt, wenn mein „betreuter“ tatsächlich nicht mehr selbst entscheiden kann. immerhin 2/3 aller menschen werden im alter nicht dement, die meisten bleiben auch in einer krankheit ansprechbar oder können vor einer operation (aus der sie im schlimmsten fall nicht mehr ansprechbar herauskommen) selbst festlegen, was sie sich wünschen, ob der in der patientenverfügung stehende wille (noch) gilt….

      es ist schwierig, es ist leidvoll, aber es vermittelt auch einen tiefen inneren frieden, sich mit diesem thema auseinanderzusetzen. nicht alles ist planbar, aber wenn man das, was planbar ist, geregelt hat, tut das gut!

      liebe grüße und ich wünsche dir und deiner mutter gute gespräche!
      gerd

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