Swetlana Alexijewitsch: Der Krieg hat kein weibliches Gesicht

Die Autorin dieses 2015 bei Suhrkamp erschienen Buches, Swetlana Alexijewitsch, wird dort noch als mehrfache Preisträgerin u.a.. des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2013, vorgestellt. Mittlerweile haben sich die Ehrungen vermehrt um die angesehenste im Reich der Buchstaben, i.e. den Nobelpreis für Literatur 2015 [2]. Herzlichen Glückwunsch!

Swetlana Alexijewitsch wurde 1948, wenige Jahre nach Kriegsende also, in der Ukraine geboren und wuchs in Weissrussland auf. Sie studierte in Minsk Journalismus und arbeitete als Journalistin ebenso wie als Lehrerin. Im vorliegenden Buch entwickelte die Autorin Anfang der 80er Jahre zum ersten Mal ihren eigenen Stil, in dem sie die Stimmen von Menschen in einer Art literarischer Collage zu einem Ganzen zusammenstellte und formte. [1] In hunderten von Interviews und Briefen hat sie Aussagen einer bis dato kaum beachteten Gruppe von Weltkriegsteilnehmer gesammelt, von Frauen nämlich, die aktiv als Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg an der Front gekämpft hatten. Zwar waren viele dieser Frauen im Sanitätsdienst tätig (wie man es intuitiv vielleicht erwartet), holten die Verwundeten unter Beschuss von der Frontlinie und versorgten sie weiter im Lazarett, es gab aber auch Scharfschützinnen, Kraftfahrerinnen, Flagschützinnen; viele Frauen kämpften auch in den Reihen von Partisanen.

alexij - cover

Mit diesem Bericht über die Frauen im Krieg „eckte“ Alexijewitsch an: die russische Zensurbehörde warf ihr vor, mit ihm die „Ehre des Großen Vaterländischen Krieges“ beschmutzt zu haben. Erst 1985, nachdem Gorbatschow die Perestoika ausgerufen hatte, konnte dieses Buch in Russland erscheinen und rief eine ungeahnte Resonanz bei vielen Frauen hervor, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nie über ihre Erfahrungen hatten reden können. Daraus resultiert die vorliegende, überarbeitete und erweiterte Ausgabe von Der Krieg hat kein weibliches Gesicht, die 2008 in Moskau und 2013 in Deutschland erschien. Unter anderen enthält das Buch jetzt eine Aufstellung von Aussagen, die seinerzeit von der Zensurbehörde herausgestrichen worden waren, ferner auch Texte, die die Autoren selbst gestrichen hatte.

 


Ausgangspunkt der Aufzeichnungen ist die sich selbst gestellte Frage der Autorin, warum haben die Frauen, die doch ihren Platz in einer ursprünglich absoluten Männerwelt behaupteten, ihre Geschichte nicht behauptet? Ihre Worte und ihre Gefühle? Sie haben sich selbst nicht vertraut. Sich nicht anvertraut. Eine ganze Welt blieb uns verborgen. Ein separater weiblicher Kontinent. … Es gibt einen Krieg, den wir nicht kennen. Ich möchte die Geschichte dieses Krieges aufschreiben. Die weibliche Geschichte.  .Nimmt man den Buchtitel ernst und setzt ihn in Bezug auf diese ausformulierte Intention, so ist man versucht, kurz und bündig festzustellen: gescheitert, die weibliche Geschichte des Krieges gibt es nicht: Der Krieg hat kein weibliches Gesicht, offenbar also doch ein männliches.

Ganz so einfach ist es aber dann doch nicht (was jetzt wiederum die Frage nach dem Sinn des Buchtitels auf den Plan bringt), wie sich im Lauf des Buches zeigen wird: Frauen erinnern sich an anderes und anders. Sie können Dinge sehen, die den Männern verborgen sind. Es ist eine andere Welt, anders als die der Männer. Mit Geruch, mit Farben, mit Alltagsdetails. .. Doch worüber Frauen auch sprechen, immer ist der Gedanke präsent: Krieg, das ist vor allem töten und – schwere Arbeit. Und auch – ganz normales Leben. Sie haben gesungen, sich verliebt, sich die Haare frisiert. Aber das Wesentliche ist: Wie unerträglich es ist, zu töten, denn eine Frau gibt Leben. ….

Ungefähr eine Million Frauen haben aktiv in der Roten Armee am 2. WK teilgenommen, ob hier die Kämpferinnen in Reihen der Partisanen mit einbezogen worden sind, weiß ich nicht. Die Frauen haben in allen möglichen Funktionen gedient, sogar für Frauen in der Marine auf See gibt es Beispiele. Sie waren (wie schon angeführt) Funkerinnen, Feldscherinnen, Krankenschwestern, Scharfschützinnen, Geschützführerinnen, Telefonistinnen, Wäscherinnen, Instrukteurinnen etc pp…. entweder direkt an der Front oder kurz hinter der Front, wo die für die Versorgung der Frontsoldaten/-innen zuständigen Einheiten liegen.

Sie wurden als junge, unschuldige, lachende, singende, auf Leben gespannte Mädchen überrascht vom Krieg, vom Überfall der Faschisten auf Russland. Und sie stürmten die Wehrkomitees, um sich registrieren zu lassen, um an die Front zu kommen: …ich hatte an diesem Tag ein Rendezvous. Ich dachte, an diesem Tag würde er mit gestehen: „Ich liebe dich“, aber er kam ganz traurig an: „Vera, es ist Krieg! Wir werden direkt von der Schule an die Front geschickt. … Ich musste unbedingt an die Front und unbedingt ein Gewehr in die Hand!. Vierzehnjährige gaben sich als Sechzehnjährige aus, Sechzehnjährige als Achtzehnjährige. Die Wehrkomitees wollten keine Mädchen an die Front schicken, aber sie gingen immer wieder ins Wehrkomitee, klopften wieder und wieder an., schmuggelten sich in die Truppentransporte an die Front, ließen sich dort nicht abschütteln, fuhren einfach nicht wieder zurück, bis man sie in die Truppe aufnahm. Alle waren bereit, die Heimat zu verteidigen, dies war ihnen wichtiger als der Tod: Wir waren so erzogen, … man hatte uns beigebracht, unser Land zu lieben. Offenbar war diese Erziehung sehr erfolgreich…

Sie kamen an die Front… dort jedoch war man auf Frauen bzw. Mädchen nicht eingerichtet. Es gab es keine Frauenausrüstung. Schuhgröße 34 in Stiefel 42., keine Blusen, keine Frauenunterwäsche, nur grobe Männersachen. Die Zöpfe wurden sofort abgeschnitten. Die Gewehre waren größer als die Mädchen…. Mancher Kommandeur wollte die Mädchen schonen, sie irgendwo auf der Schreibstube einsetzen: wütender Protest: „Genosse noch höherer Chef, ich fahre sowieso nicht nach Hause, ich komme mit Ihnen auf den Rückzug!“ Die militärischen Gepflogenheiten waren ihnen, wie man liest, (weitestgehend noch) fremd.

Die Konfrontation mit der Realität eines Fronteinsatzes muss grausam gewesen sein. Viele der Mädels waren zum ersten Mal von der Mama getrennt, Heimweh, Sehnsucht nach ihr. Die Angst unter dem Feindbeschuss, die fürchterlichen Verletzungen, der Hunger, die Armseligkeit des Soldatenlebens. Der Schlafmangel, der Lärm der Geschütze, das Eingewöhnen in einen militärischen Alltag, das Vergessen des Frau-Seins. Bei einigen Frauen reagierte der Organismus: sie bekamen während des Krieges keine Regel, andere Mädchen schrieen erschrocken auf und glaubten, sie seine verwundet.. sie waren so unschuldig, wußten noch nichts von der „Frauensache“… Drei Tage dauert es, bis man an der Front die Zivilisation abgelegt hat, halb Tier ist, halb Mensch….

Sie standen ihren Mann, so erinnern sie sich. Holten die Verletzen unter Feindbeschuss aus dem Gefecht, Mädels, die verletzte, zerfetzte Soldaten, die viel schwerer sind als sie, bergen. Grausige Szenen.. das Bein ist fast ab, aber beim Herankriechen ist die Tasche aufgegangen und alles ist herausgefallen. Also beisst sie die letzten Fleisch- und Hautfetzen durch… wurden selbst verwundet, das Bein musste amputiert werden, aber es gab keine Narkosemittel und nur eine Zimmermannssäge…. saßen am Flakgeschütz und schossen und schossen und schossen. Fuhren LKW und reparierten sie, wuschen die Wäsche, die immer blutig war und dreckig war, in endlos langen Schichten, kochten Kessel voller Grütze und am Abend kam keiner zum Essen: alle waren tot. Und sie überstanden auch die Folter des SD und der Gestapo….

… und doch blieben sie Frauen, dachten anders, achteten auf anderes, legten Wert auf anderes. Die hilflosen Versuche, das Gesicht zu schützen: wenn schon sterben, dann schön und nicht so verstümmelt. Nahmen Zucker als Haarfestiger anstatt ihn zu essen, wollten sich schminken, wuschen sich die Haare, nahmen zu Not Gras, um Dreck abzureiben. Entdeckten Blumen und Blüten, die die Männer nicht zu Kenntnis nahmen. Sangen Lieder…

Aber ihre Seelen blieben verletzt, ein Leben lang. Sie erzählen von Träumen, in denen alles wieder hochkommt. Für viele ist die Farbe „Rot“ unerträglich: die Farbe des Blutes… manche können kein Hühnerfleisch mehr essen, dessen helle Farbe gleicht dem Fleisch von Menschen… solche Beispiele liest man viele in den Aussagen. Womit wir bei einem weiteren traurigen Kapitel wären: der Zeit nach dem Krieg, als es für die Überlebenden wieder nach Hause ging.

Der Sieg war ein Sieg der Männer.

Manche wurde so empfangen: Wir wissen genau, was ihr dort gemacht habt! Ihr habt dort mit unseren Männer geschlafen. Frontschlampen! Soldatenflittchen! Hatten die Mädchen vor Jahren lernen müssen, im Krieg zu überleben, müssen sie nun den Frieden lernen und es wird ihnen nicht einfach gemacht. Oft ist nichts mehr da, das Haus verbrannt, die Sachen verbrannt, die Familie verbrannt. Kinder erkennen ihre Mutter nicht mehr mit den kurzen Haaren, den Militärklamotten, sie haben Angst vor diesem fremden Mann…. die einstigen Freundinnen haben jetzt vielleicht einen Beruf, haben was gelernt, haben einen Mann.. und was können sie außer töten? Die meisten haben zudem gesundheitliche Probleme, die jetzt in Friedenszeiten um so stärker zu Tage treten. Bei anderen wiederum tritt nicht der erhoffte Frieden ein: das eigene Land wendet sich gegen sie, der NKWD holt den einen oder anderen aus der Familie und wirft ihn für Jahre ins Lager. Man war denunziert worden….

Auffällig in den Aussagen der allermeisten Frauen ist der „positive“ Grundtenor. Sicher, der Krieg war grausamst, aber die Kameraden waren gut zu den Mädchen, schützten sie, die Verwundeten waren für ein Lächeln dankbar und starben dann mit einem solchen auf ihrem Gesicht. Man bzw. Frau war gut, manche versorgten sogar ohne Ansehen der Persönlichkeit Deutsche, wenn die Situation so war. Sogar Essen gaben manche ihnen, wenn ein Zug Gefangener an ihnen vorbei marschierte. Der anonyme Hass auf die Faschisten klang manchmal ab, wenn ein konkreter Mensch vor ihnen litt.

Mädchen, junge hübsche Mädchen unter vielen, vielen Männern. Die jahrelang keinen Urlaub bekamen, keine Frau sonst sahen. In einer Armee, die nicht wie z.B. die Wehrmacht, für die Triebabfuhr Bordelle betrieb (so verabscheuungswürdig dieser Betrieb auch war)… und das soll problemlos funktioniert haben? Es gibt zwei Frauen im Buch, die dieses Thema „sexuelle Übergriffe“ angesprochen haben: Wenn geschossen wurde, auf dem Schlachtfeld, da riefen sie „Schwester! Schwesterchen!“, aber nach dem Gefecht lauerten sie einem dauernd auf. Nachts traute man sich gar nicht aus dem Unterstand … Haben die anderen Mädchen ihnen davon erzählt oder nicht? Sie haben sich geniert, nehme ich an … und geschwiegen. Aus Stolz! Aber es war so. Keiner wollte sterben. Ein Gegenmittel war es, sich mit dem Bataillonskommandeur anzufreunden…. eine andere Frau berichtet, daß nachts, wenn sie schlief, immer Hände zu ihr kamen, sie berührten, über sie hinwegfuhren… im Lazarett fiel dann auf, wie unruhig, um sich schlagend, sie schlief…


Viele der Frauen, die Alexijewitsch aufgesucht hat, haben zum ersten Mal von all diesen Dingen erzählt. Nicht immer war dies den Männern recht, diese waren eher an Fakten interessiert: wer wann wo gekämpft hat und mit welchen Ergebnis. Die Gefühlsduselei ihrer Frauen war ihnen unangenehm, aber für diese war ihre Zuhörerin ein Geschenk Gottes: nach all den Jahrzehnten jemand, der sich Zeit nahm für sie, dem ihr Schicksal wichtig war… häufig flossen Tränen….

Die Erinnerung eines Menschen ist eine unzuverlässige Informationsquelle. Das Gehirn siebt, verdrängt, mischt aus einzelnen Erinnerungen neue zusammen, baut Gehörtes mit ein in die eigene Erlebniswelt, sortiert, wertet…. Aber es gibt auch objektive Kriterien für den Wert, den die Frauen für die Rote Armee hatten: viele von ihnen bekamen Orden und Auszeichnungen, wurden von den Kommandeuren gelobt und – soweit in Führungspositionen – auch von den Untergebenen respektiert und möglicherweise „geliebt“. Auch solches klingt immer wieder an.

Die enttäuschte Hoffnung: wenn der Krieg aus ist, wird es niemals wieder Krieg geben. Die Menschen werden sich lieben, werden in Frieden zusammen leben, werden arbeiten, Kinder bekommen, werden alt werden und in Frieden sterben…. Es sollte anders kommen.


Alles kann zur Literatur werden.

Bei der Buchveröffentlichung einer Autorin, die für ihr Werk den Literaturnobelpreis bekommen hat, stellt sich manchmal die Frage: kann man als Leser die Tatsache, daß das Werk der hier: Autorin (als Beispiel für ihr Schaffen diene das vorliegende Buch) derart geehrt worden ist, nachvollziehen?

Alfred Nobel, der die nach ihm benannten Preise für Chemie, Physik, Medizin, Frieden und Literatur gespendet hat, hat die Vergabekriterien für den Literatur-Nobelpreis vage gehalten. Es soll der ausgewählt werden, „der in der Literatur das Vorzüglichste in idealer Richtung geschaffen hat“ (so die Formulierung, die ich gefunden habe), ein Kriterium, das zumindest drei Parameter enthält, die der Definition bedürften: Was ist Literatur, was ist das Vorzüglichste und was ist mit idealer Richtung gemeint und ich bin ganz sicher nicht der Mensch, der diese Definitionen liefern kann (und es ja auch nicht muss)…..

Dennoch kann ich die Kritik von Iris Radisch [3] an der Verleihung des Preises an Swetlana Alexijewitsch gut nachvollziehen. Nehme ich dieses vorliegende Werk von ihr beispielhaft (so wie man liest, entsprechen die anderen Bücher von ihr diesem in seiner Konzeption und seinem Aufbau), so sieht man, daß von ca 350 Textseiten vielleicht 50 oder 60 von ihr sind, denen die anderen ungefähr 300 (bearbeiteten?) Seiten mit  Gesprächsprotokolle der Frauen gegenüberstehen. Unabhängig davon, wie wichtig das Werk, diese Zusammenstellungen an sich sind, entspricht das dem, was „man“ unter Literatur versteht? Radisch sieht hier einen sehr freien Literaturbegriff (und wenn alles Literatur ist, dann ist letztlich nichts mehr Literatur), der im Grunde alles schriftlich Niedergelegte umfasst und damit verschiedene Kategorien vermengt: Literarisches mit Journalistischem und mit Chronistenarbeit. Solches nämlich ist meiner Meinung nach die Arbeit das Buch/Werk Alexijewitschs eher denn Literatur im Sinne eines Grass, Böll, eines Modiano, einer Müller oder auch eines (immer wieder nicht ausgezeichneten) Philip Roth, selbst wenn Alexijewitsch im vorliegenden Buch konstatiert: Alles kann zur Literatur werden. Letztlich hat wohl auch die Vergabe des Literaturnobelpreises oft eine politische Komponente (in der Vergabebegründung dieses Jahres heißt es: „….für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt„[4], was nicht unbedingt ein Hinweis auf neu erschlossene literarische Dimensionen ist als das sie eher auf gesellschaftliche bzw politische Aussagen hindeutet), womit ich nicht (noch einmal ausdrücklich) den Wert der Arbeit von Swetlana Alexijewitsch anzweifeln will.

Mit Der Krieg hat kein weibliches Gesicht (ich verstehe den Titel angesichts des Inhalts im Übrigen immer noch nicht) hat sie jedenfalls den Soldatinnen der Roten Armee eine gewichtige Stimme verliehen. Sie, die im Krieg zum Teil über sich hinaus gewachsen waren, wurden nach dem Krieg nicht geehrt, ihre Verdienste verschwiegen. Im Gegenteil ließ man sie mit all den Problemen, die sie aus dem Krieg mit hinüber in den Frieden brachten, allein. Dies wird sich auch nach der Veröffentlichung des Buches in Russland kaum geändert haben, aber zumindest  hat die Autorinnen den vielen Frauen, die für ihr Land kämpften, eine aufrüttelnde Stimme gegeben. Und sie hat – wie es schon so oft geschehen ist und immer vergebens – die Grausamkeit, die Menschenverachtung eines jeden Krieges dargestellt.

Links und Anmerkungen:

[1] Webseite der Autorin in der Wiki:  https://de.wikipedia.org/wiki/Swetlana_Alexandrowna_Alexijewitsch
[2] siehe zum Beispiel hier auf der Autorenseite des Hanser-Verlages:  http://www.hanser-literaturverlage.de/autor/swetlana-alexijewitsch/
[3] Iris Radisch: Plötzlich ist jeder Text ein Kunstwerk;  http://www.zeit.de/2015/42/literatur-nobelpreis-swetlana-alexijewitsch
[4] zitiert nach: – : Swetlana Alexijewitsch erhält den Literaturnobelpreis;  http://www.zeit.de/kultur/literatur/2015-10/nobelpreis-literatur-2015-live

Ein Übersichtsartikel in der Wiki über Frauen beim Militär:  https://de.wikipedia.org/wiki/Frauen_im_Militär

zur Farbcodierung: grün markierte Stellen sind dem vorliegenden Buch entnommen (unter u.U. grammatikalisch leicht verändert in den Text eingefügt), violette Stellen sind Zitate aus anderen Quellen.

Swetlana Alexijewitsch
Der Krieg hat kein weibliches Gesicht
Übersetzt aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt

Originalausgabe:
diese Ausgabe: suhrkamp-taschenbuch 4605, ca. 360 S., 2015

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2 Kommentare zu „Swetlana Alexijewitsch: Der Krieg hat kein weibliches Gesicht

  1. Du fragst an einer Stelle, weshalb Alexijewitsch diesen Titel gewählt hat. Ich vermute, es geht um die Wahrnehmung des Großen Vaterländischen Krieges in der Sowjetunion nach 45 und bis heute. Danach waren es die Männer, die Sieger, die Veteranen, die furchtlosen Partisanen, die dem Krieg ihr Gesicht geliehen haben. Da kommt ja sogar das Wort Vater drin vor, nicht Mutter oder Frau oder Schwester. Die Rolle der Frauen wurde dabei untern Teppich gekehrt. Oder noch schlimmer, wenn sie erzählt haben, sie waren aktiv dabei, wurden sie schief angesehen, wie Front-Flittchen. Mich haben diese Zeugenberichte sehr mitgenommen. Und ich bin der Autorin sehr dankbar, dass sie die Frauen hat zu Wort kommen lassen. Jenseits vom Hurra-Kanon und der stereotypen Wir-waren-Helden-Lesart. Es gibt übrigens noch einen Dokumentarfilm zu diesem Buch, mit dem gleichen Titel ( У войны не женское лицо) von Wiktar Daschuk aus den Jahren 1980-1984. Aber ich habe ihn noch nicht gesehen.

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    1. vielleicht hast du recht und der buchtitel bezieht sich wirklich auf die öffentliche wahrnehmung, die die autorin hier korrigiert.

      der film – leider ist wohl kein video davon im netz vorhanden, zumindest habe ich keins gefunden. hier ist aber ein kurzer filmbeitrag mit alexijewitsch, bei dem es auch um das thema geht: http://www.dctp.tv/filme/scharfschuetzinnen-weibliche-partisanen/.

      herzlichen dank für deine ausführliche antwort, liebe scherbensammlerin!

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