Ninja und Co, ohne KG…

Meine geschätzte Bloggerkollegin Birgit von Sätze&Schätze hatte im letzten Jahr eine „Reihe“ in ihrem Blog gestaltet mit dem Thema: Verschämte Lektüren (die interessanterweise kaum Beiträge enthält mit Büchern, deren man sich früher „schämte“ und sie daher im „Giftschrank“ oder in der zweiten Reihe verwahrte…). Auch ich war eingeladen, dazu einen Beitrag zu schreiben und ich tat es…. und was herausgekommen ist, möchte ich nun, nachdem es bei Birgit ja schon vor längeren online gegangen ist, auch hier (ganz leicht überarbeitet) vorstellen:


scham-alle

Tja, in meiner Jugend Maienblüte, als die Knochen noch kräftig waren, die Gelenke noch geschmiert, hing ich den ostasiatischen Kampfsportarten an. Zum Teil als 2. Dan „Chips- und Bierkonsum“ auf der Couch nach ausreichender Beuteergreifung in der örtlichen Videothek (Stichwort: Bruce Lee, van Damme und Steven Seagal.. und das waren damals noch Kasetten mit Bandsalat…), zum Teil auch im Dojo, wenn man die Turnhalle mal so hochtrabend bezeichnen will. Und dann eben auch literarisch (ähemmm… )…..

Der gute Eric Van Lustbader war einer derjenigen, welcher sich dem Thema scham-4widmete. Vor dem Hintergrund der japanischen Geschichte kombinierte er  in den Geschichte um seinen Protagonisten Nicholas Linnear  Verschwörung, Intrige, Liebe und Habgier zu Geschichten, die ich förmlich verschlungen habe. Ich glaube, wenn es notwendig gewesen wäre, wäre ich auch mit der Taschenlampe unter die Bettdecke gekrochen, aber aus dem Alter war ich dann doch schon ´raus. Mit anderen Worten, es waren total spannende Geschichten, pageturnig geschrieben und mit viel Details zum Thema alte japanische Kultur und Kampfkunst. Zugegeben, die intellektuelle Dimension kam etwas kurz (sag ich jetzt mal so aus der Erinnerung) – obwohl man natürlich nichts über die japanische Kultur erzählen kann, ohne daß hier auch philosophischen Aspekte erwähnt werden. Schaut man sich die Vita des Autoren an, so sieht man, daß er sich auch privat zum Japanischen hingezogen fühlt – unter diesem Aspekt fühlt man sich noch nach Jahrzehnten gleich viel wohler in den Geschichten, liest sie mit ganz ruhigem Gewissen: man hat ja seinerzeit dann doch was für die Bildung getan…..

Lustbader war, wie man an den Bildchen sieht, nicht der einzige, der auf dieser Welle schwomm, was für ihn gesagt, gilt cum grano salis auch für Leute wie Olden, Charney, Bailey, Trevanian – Namen, die mir heute so gar nichts mehr sagen, damals fanden sie natürlich alles Eingang in mein Regal und ihren Platz dort haben sie behauptet… eine Erinnerung an g´schamige Zeiten, literaturmäßig, meine ich….

scham-3

Ja, der Bushido, der Weg des Kriegers. Drunter ging´s damals nicht. War schon irgendwie was besonderes, wenn so ein Samurai sich vor den Augen seines in die Ferne starrenden Daimyō von den Klippen in den Tod stürzte, nur um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß zu Hause das Essen auf dem Tisch steht… ;-). Oder der gute, alte Musashi, der ja mal ganz groß in Mode war. Mit den Esstäbchen flugs die Fliegen im Gleichnamigen fangen und dann auf dem Weg zum Duell in aller Ruhe das Stirnband faltenscham-1. Aber es steckt teils, ernsthaft betrachtet, schon eine Menge Philosophie in diesen Geschichten, eine Philosophie, die unserer westlichen so fern war – und ist. Bei uns im Westen sind seinerzeit ja sogar Managerseminare im Geiste Musashi ausgerichtet worden, das schmale Bändchen neben dem Wälzer bietet dazu ein Konzentrat. (Ach ja, wer noch mehr verschämte Literatur entdecken sollte auf diesem Bildchen: alles nur Einbildung, in Wahrheit alles hochgeistig! Hinter dem Schutzumschlag muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.)

Tja, das war schon Äktschn pur. Fliegende Ninja, die durch Strohhalme atmend am Grunde des See überdauerten, bis ihr Einsatz kam. Sollte man mal probieren, so durch einen Strohhalm atmen. Fühlt sich nicht so sehr nach Ninja an, eher nach Mensch mit akuter Atemnot. Von daher sehr lehrhaft. Überhaupt war Tod, töten und sterben ein Hauptthema der Romane. Aber immer mit Stil. Da gab´s auch schon mal einen Dolch in den eigenen Bauch, um so etwas wie seine Ehre zu retten. Seppuku nannte sich das dann und war dem Fremden völlig unverständlich. Und dem gemeinen Volk, dem, das auch noch arbeitete, wurde schon gerne mal auf´s Haupt gehauen oder auch selbiges gleich ganz ab. Und´s Weibervolk: entweder Engel oder Teufel, Miko halt…mit allen Wassern (ausser Weihwasser) gewaschen, aber am Ende doch immer auf der Verliererstraße…

Hat irgendjemand, der schon lange genug auf diesem Erdenrund weilt, eigentlich den Shogun damals nicht gesehen? Richard Chamberlain alias Anjin-san und Fürst Toranaga mit der kehligen Aussprache? Ach, was zitterte man im Geheimen mit, wenn die mandscham-2eläugige Schöne (leider verheiratet) und der langnasige Fremde die Schmetterlinge im Bauch flattern fühlten… na ja, schließlich wurde John Blackthorne dann sozusagen Ehren-Samurai, samurai-iger als die Samurais. War eh klar. Wieso muss ich jetzt an die Dornenvögel denken?

Wirklich viel weiß ich natürlich nicht mehr von diesen Romanen, die ich einmal verschlungen habe. Aber ich schätze mal, das muss ich auch nicht wirklich bedauern, war halt so ´ne Periode in meiner geistig-moralischen Entwicklung, durch die ich durch musste. :-) Und wenn ich mich in meinem Text so ein wenig lustig gemacht habe, ist das nicht allzu ernst zu nehmen, die japanische Hochkultur ist faszinierend, sie imponiert mir immer noch. Aber sie ist eben auch nur eine Facette des Landes, von den anderen hört man eher weniger und was man hört, ist nicht so glanzvoll….

Links und Anmerkungen:

.. gibt´s heute nicht, いいえ  いいえ . Oder doch, eine: auch in Savannah/Georgia gab´s mal einen Samurai. Aber da war alles ganz anders…. und wie, das lese ich gerade… ;-).
und hier geht´s jetzt zu den gesammlten verschämten lektüren bei birgit. also doch noch ein link… ;-)
Verschämte Lektürenhttp://saetzeundschaetze.com/category/lesezeichen/verschamte-lekturen/

9 Kommentare zu „Ninja und Co, ohne KG…

  1. Lustbader habe ich auch gelesen, bis mir sein(e) Protagonist(en) endgültig auf den Geist ging(en), Clavell auch. Klar, Shogun … auch die Verfilmung, und nein, ich habe kein Chamberlain-Trauma davongetragen, aber ich war dann später bei der Last-Samurai-Verfilmung sehr skeptisch :-) Hatte Clavell nicht auch diverse China-Romane geschrieben? Die mochte ich sogar noch mehr, glaube ich. Lange ist das her …
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. ja, du hast recht, den tai-pan habe ich ja auch mit auf dem foto oben.. aber es gibt noch mehr von ihm, ein paar davon auch bei mir. habe ich hier verschwiegen… ;-)

      na klar geht einem das irgendwann auf die ei***, ich meine, auf den geist, es sind ja vom grundmuster her immer ähnliche geschichten in diversen variationen. jeden tag china-restaurant ist ja auch nicht das paradies auf erden… *lol*

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    1. ja, liebe birgit, das wäre schön, es waren immer sehr amüsante beiträge. ich schau bei mir auch nochmal unterm bett und auf dem speicher auch noch mal nach… vllt habe ich da ja noch und schon längst vergessene sätze und schätze lagern, deren ich mich schämen sollte… ;-)

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  2. Das ist ja mal eine schöne Idee, die verschämt in die zweite Reihe verbannten Schmöker hervorzuziehen. Ich bekenne, dass ich über „Felix Krull“ bei „Es muss nicht immer Kaviar sein“ von Simmel gelandet bin. Da der sich so süffig las, habe ich mir dann noch den ein oder anderen Wälzer von ihm gegönnt. „Die Dornenvögel“ und „Shogun“ sind allerdings an mir vorbeigerauscht.

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