Henning Mankell: Die rote Antilope

20. April 2015

Er wollte nicht werden wie all diese wunderlichen Insekten,
hinter einer Glasscheibe auf eine Nadel gespießt.
Der Unterschied zwischen der zugesperrten Tür und dem Glas,
das die Insekten bedeckt, war sehr gering.

mankell anti cover

Hans Bengler ist nicht das, was man einen zielstrebigen jungen Mann nennen kann. Er stammt aus einer kaputten Familie, die Mutter war gestorben, als er fünfzehn Jahre alt war, die Schwester leben im Ausland und im Elternhaus siecht mit seinen Kiefern malmend der syphilitische Vater vor sich hin, die alte Haushälterein betreut ihn.

Mankell führt uns mit seinem Roman Die rote Antilope in das Schweden der siebziger Jahre des 19. Jhdts. zurück, in den Süden das Landes, in dem Hans Bengler aus Växjö in Lund Medizin studieren will. Als jedoch in seiner ersten Anatomiestunde ein liederliches Frauenzimmer, das besoffen zu Tode gekommen war, obduziert werden sollte, bricht er sowohl zusammen als auch das Medizinstudium ab. Mehr durch Zufall als durch Absicht landet er daraufhin in der Biologie und wird Insektenforscher.

Der Wunsch, ein bis dato unbekanntes Insekt, eine Fliege vielleicht oder einen Käfer, zu entdecken und damit seinen Namen unsterblich zu machen, treibt ihn in das südliche Afrika. Schon auf der langen Schiffspassage verändert er sich, die Vergangenheit verblasst, selbst die Erinnung an Matilda, die kleine Prostituierte, zu der er immer gegangen war….

Von Kapstadt aus macht er sich 1876 mit einem kleinen Treck bestehend aus Ochsenwagen und einheimischen Treibern auf den Weg nach Norden in die Kalahariwüste. Schon jetzt und hier wird klar, daß Bengler die Mentalität dieser Einheimischen nicht begreift, dafür begreift er aber, daß er Macht hat über diese Menschen, sie sogar schlagen könnte. Er ist der Herr, letztendlich hier über Leben und Tod.

Nach einem anstrengenden und zermürbenden Treck stoßen sie nach zwei Monaten dem Verdursten nahe völlig unerwartet auf eine Hütte, in der Bengler vom Besitzer, als wäre es selbstverständlich, auf Schwedisch angeredet wird. Anderson, so sein Name, ist selber hier vor fast zwei Jahrzehnten gestrandet und lebt nun mehr oder weniger vom Tauschhandel mit den Eingeborenen. Zuerst aber bittet er Bengler, ihm ein Furunkel am Rücken, aus dem vielleicht neben Blut und Eiter auch ein paar Spinnen herauskommen könnten, aufzuschneiden, er selbst käme nicht dran und andernfalls müsse er wohl sterben….

Bengler bleibt erst einmal bei Anderson, Freunde werden sie nicht. Eines Tages findet Bengler in eine Kiste eingesperrt ein eingeborenes Kind, Anderson hat es gegen eine Sack Mehl getauscht. Seine Eltern sind ermordet worden, ob von einem anderen Stamm oder von Deutschen, die gerne Jagd auf Eingeborene machen, war nicht festzustellen. Bengler packt so etwas wie Mitleid (im besten Fall) oder ein missionarischer Impuls (im zweitbesten Fall) oder eine Geschäftsidee (im schlechtesten Fall) – er ist wohl selber darüber nicht im Klaren: jedenfalls adoptiert er den Jungen kurzerhand und reist ab, da er zu diesem Zeitpunkt seinen unbekannten Käfer schon gefunden hatte. Wobei man sich fragt, wer hier wirklich der unbekannte Käfer ist, mit dem sich Bengler einen Namen machen will: das aufgespiesste Insekt in der Kiste oder der Junge?

Natürlich wehrt sich der Junge, dem man nichts erklären kann, weil keiner die Sprache des jeweils anderen spricht, mit Händen und Füßen dagegen, abtransportiert zu werden, so daß Bengler sich gezwungen sieht, ihn zu fesseln und an den Wagen zubinden. Im Herbst 1877 schließlich erreichen die beiden per Schiff Frankreich, von dort aus geht es weiter auf See nach Schweden. In der Zwischenzeit haben sich die Bengler und Daniel (auf diesen Namen hat Bengler seinen Adoptivsohn „getauft“) etwas angenähert. Daniel lernt – oder unterliegt er nicht vielmehr einer Dressur? -, mit Messer und Gabel zu essen, Schuhe zu tragen und kann auch ein paar Brocken Schwedisch. Jedoch ist und bleibt er verschlossen, schweigsam und sehr zurückgezogen, nie lacht er. Das erste Lachen von ihm ist zu hören, als er aus einem Hotelfenster heraus im Hinterhof zwei Mädchen Seilspringen sieht.

Aber nicht nur für Daniel beginnt jetzt ein neues Leben, auch Hans Bengler merkt, daß sich in den Monaten seiner Abwesenheit sein altes Leben aufgelöst hat und er ein neues finden muss.

Im zweiten Teil des Romans wechselt der Erzähler die Perspektive, von jetzt an wird die Geschichte aus der Sicht des Jungen, der Molo heißt, was nie jemanden auch nur im geringsten interessierte, erzählt.

Für Molo (wie ich den Jungen jetzt nennen will, Mankell bleibt – obwohl er seinen Erzähler die Perspektive hat wechseln lassen, bei dem oktroierten Namen Daniel) ist in diesem kalten, nassen, dunklen Land alles fremd und unverständlich. Er weiß nicht, was er hier soll, zwar lernt er die Sprache im Lauf der Monate besser verstehen und auch sprechen, aber damit wächst sein Verständnis nicht. Er begreift, daß der Mann, der ihn hierher gebracht hat, ihm nichts Böses will, was er ihm Gutes tut, weiß er indes auch nicht. Molo vermisst die Wüste, den Sand unter den Füßen… alles ist so schwierig und kompliziert in diesem dunklen Land, angefangen vom Verrichten der Notdurft über das Essen bis hin zum Zwang, Schuhe zu tragen. Für alles gab es Regeln, und Daniel versuchte sie zu lernen, ohne daß er verstand, wozu.

Er wird angestarrt, fällt überall auf, fremde Menschen kommen, um ihn anzufassen, zu vermessen, festzustellen, wie groß sein Schädel ist, wie weit der Abstand zwischen den Augen, wie lang sich sein Penis ziehen läßt…. Er ist Objekt geworden einer dumpfen Neugier, Sensation eines Volkes, das sich am Exotischen mit einen kurzen Reiz für einen Moment aus dem eigenen dumpfen und dunklen Leben befreit.

Ich heiße Daniel. Ich glaube an Gott.

Sie leben in den übelsten Kaschemmen und Hotels, Benglers Plan, mit Vorträgen über die Insekten der Kalahari Erfolg zu haben und Geld zu verdienen, geht nur bedingt auf. Immer öfter spricht der Mann dem Alkohol zu und kommt abends besoffen in das Hotelzimmer zurück, in dem der Junge auf ihn wartet. Die wahre Attraktion seiner Vorträge soll Molo sein, der unter einem Tuch verdeckt, auf der Bühne zu sitzen hat und dann im geeigneten Moment entblößt wird: Ich heiße Daniel. Ich glaube an Gott. Wie ein dressiertes Tier.. Doch Molo ist kein Tier, sondern ein kleiner Junge, der sich nach seinen Eltern sehnt….

…. seinen Eltern, die er im Traumland trifft, die ihn von dort aus rufen, die ihm erscheinen. Kiko und Be sind nicht wirklich tot für ihn, sie sind nur auf der anderen Seite…. er trifft sie, kann sich manchmal an ihnen wärmen… er vermeint sie auch sehen, ganz wirklich, in dem großen Saal mit den vielen Menschen ganz hinten steht Kiko und Molo springt auf will zu Kiko laufen und die Leute geraten in Panik und entsteht ein Tumult und Kiko ist nicht mehr da und Bengler weiß nur, daß wieder alles schief gegangen ist, warum, das interessiert ihn nicht…

Molo hat einen Auftrag bekommen von seinem Vater Kiko, damals, als sie noch eine Familie waren: er soll die Antilope, die in den Felsen in der Wüste geritzt ist, der Heimstatt ist für die Götter, die in ihm wohnen, vollenden… Mankell erzählt uns über die Figur des Molo viel aus der Gedanken- und Gefühlswelt der Menschen im südlichen Afrika, die für die Europäer der damaligen Zeit kaum mehr waren als abrichtbare Arbeitstiere oder jagdbares Wild…. alles, was Molo dort hatte, die Familie, die Nähe, die Wärme, auch die der Körper, das Gefühl des warmen Sandes unter den Füßen, die Geräusche des Windes in der Wüste – all das vermisst er, nichts davon interessiert die Menschen in dem fremden Land.

Molo in seiner Unwissenheit schmiedet Pläne, wie er wieder nach Hause, in die Wüste  kommen kann, auch, um den Auftrags des Vaters zu erfüllen. Er muss lernen, so wie der Gott, den diese Menschen hier in ihm so unverständlicherweise an die Planken genagelt haben, über das Wasser zu gehen, über das Wasser, über das er mit „Vater“ in dieses Land gekommen ist… aber es ist schwer, sich so leicht zu machen, daß man auf dem Wasser laufen kann, immer wieder sinkt er ein, wenn er nachts heimlich ans Meer läuft, um es zu lernen…

Nicht alle sind schlecht zu ihm. Eine Reporterin, der Bengler eine Lügengeschichte über Molos Herkunft erzählt und die dies durchschaut, spricht mit Molo selbst. Es ist dies eine Szene, bei der man nicht weiß, ob sie einfach nur kitschig ist oder ob sie in anrührender Weise von Menschlichkeit erzählt… ich habe mich für letzteres entschieden: Molo sieht in der jungen Frau seine Mutter, glaubt, Be habe sie zu ihn geschickt und er bittet sie, die Knöpfe zu öffnen, er möchte sich wie bei Be an ihre warmen Brüste schmiegen…. Als Bengler in diese Szene platzt gibt es einen Eklat, bei dem Bengler die Beherrschung verliert: rasend stürzt er sich auf die junge Frau. Was genau passiert, bleibt im Dunkeln, jedenfalls müssen Bengler und Molo fliehen…

Durch diese Flucht drehen sich die Verhältnisse um: Bengler geht zurück nach Afrika in die Wüste, diesem so heiß ersehnten Ziel Molos und Molo läßt er (und er gibt den Leuten Geld dafür) bei einer Bauersfamilie zurück. Alma und Edvin sind gute Menschen, Alma versucht, sich mit dem Jungen zu unterhalten, Kontakt zu ihm zu bekommen, aber Molo ist misstrauisch geworden, kein Mensch soll durch seinen Panzer in ihn hineinsehen und in ihm eventuell seine Fluchtpläne entdecken können. Aber wie soll ein kleiner, schwarzer Junge im schwedischen Winter fliehen? Fast erfriert er, bis man ihn findet und wieder zurück bringt, zitternd, hustend, fast tot….

Sanna ist ein Hoffnungsschimmer für ihn, das Mädchen, das völlig unbefangen ist, das dreckig ist, das stark riecht, das nicht bei Trost ist, das den Menschen lauscht, die in der Erde versteckt sind und das im Lehm wühlt, um zu ihm zu kommen. Etwas wie Zuneigung zu ihr entsteht in Molo, er spürt, daß diese Waise ebenso einsam und verloren ist wie er…

Noch einmal will er fliehen, zusammen mit Sanna, die jetzt mitkommen will: der Bauer, bei dem sie wohnen darf, hat ihr Gewalt angetan und sie will nur weg. Sie kommen recht weit, auf einem Boot rudern sie hinaus – und werden doch noch aufgegriffen und Molo, der lieber ins Wasser gehen will als sich auf das fremde Schiff bringen zu lassen, wird von Sanna verraten, sie hält ihn fest, so daß er nicht über Bord springen kann und so kann er nicht zu Be, die ihn ruft… böse Geister hindern ihn, Sanna kann kein Mensch sein, sie ist ein böser Geist, sie ist ein böser Geist, ein böser Geist, er muss sie vernichten, sie töten….

Molos weiteres Leben bei Alma und Edvin, zu denen er zurückgebracht wird, ist wie das Flackern einer sterbenden Kerzenflamme. Molo zieht sich immer weiter zurück…. nein, eigentlich ist es kein Rückzug, es ist eine Rückkehr nach Hause, er kehrt zurück, er läßt sich in den Urgrund seines Ichs, seines Seins fallen, er kommt der Wüste immer näher, er spürt, daß Kiko und Be auf ihn warten… es ist Edvin, der „sieht“, daß Molo umgeben ist von Menschen, die man nicht sieht, er, dem Molo ansonsten ein Rätsel ist, er ist es, der die Anwesenheit von Kiko und Be spürt, nicht Alma, die sieht, daß der Junge, den sie in Herz geschlossen hat, aus Sehnsucht stirbt ….. ein Hindernis muss er noch überwinden, den bösen Geist, der zwischen ihm und Be steht, zwischen ihm und der Wüste, ihm und Kiko, zwischen ihm und seinem Sein….

Die Krähen zankten sich. Sie tauchten hinab in den Lehm, rissen sich wieder empor, und ihr Gezeter tönte schneidend durch den Wind. Es hatte lange geregnet, in diesem Augustmonat 1878. Die Unruhe der Krähen kündigte den Herbst an und einen langen, strengen Winter. Aber einer von den Kätnern, die zum Schloss Kågeholm gleich nordwestlich von Tomelilla gehörten, wunderte sich über die Krähen. An ihrer Unruhe war etwas, das er nicht kannte. Und Krähenschwärme hatte er schon sein ganzes Leben lang gesehen. Spät am Nachmittag ging er an einem Graben entlang, der mit Wasser gefüllt war. Fast bis zuletzt blieben die Krähen sitzen. Aber als er zu nahe kam, verstummten sie und flatterten weg. Und er, der gekommen war, um zu sehen, was die Unrast der Vögel verursachte, entdeckte sofort, was es war: Da lag ein totes Mädchen, zur Hälfte unter einem Reisighaufen begraben.

 Jetzt ist der Weg frei für Molo, er kann nach Hause zurückkehren. Der Sarg, der in die Erde gelassen wird, ist in Wirklichkeit leer.


Mankells Roman Die rote Antilope schildert das Schicksal eines – vielleicht sogar aus guter Absicht -nach Europa verschleppten afrikanischen Jungen. Dort jedoch wird die gute Absicht konterkariert durch die Instrumentalisierung des Jungen, der als exotisches Schauobjekt (aber auch als wissenschaftliches einer neuen Disziplin: Rassenkunde) missbraucht wird. Fast niemand kümmert, daß Molo/Daniel ein Mensch ist, ja, manchmal wird das sogar angezweifelt, niemand fragt ihn nach seinen eigenen Bedürfnissen, seine Wünsche, seine Träume – nichts davon interessiert Bengler oder die anderen. Für sie ist nur wichtig, daß er lernt, sich zu benehmen.

Die zwei Kapitel des Romans, deren Inhalt ich oben skizziert habe, werden aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Im ersten Teil wird auf das Schicksal Benglers eingegangen, es endet mit dem Entschluss, den Jungen zu adoptieren. Die Nennung konkreter Zahlen und Daten suggeriert ein historisches, tatsächlich stattgefunden habendes Ereignis, ein den beiden Abschnitten nachgeschalteter Epilog über einen Schrifsteller in der Jetztzeit (Mankell selber?), der sich in der Kalahari auf die Suche macht nach dem Stamm Molos, verstärkt dies zwar, aber Mankell betont im Nachwort, daß dies eine Geschichte ist, die so hätte geschehen können

Speziell im zweiten, aus der Sicht Molos geschilderten, Abschnitt will uns Mankell, ein Freund Afrikas, wohl die besondere Gedanken- und Gefühlswelt der Menschen dort vermitteln. Er läßt dazu die völlig konträren Welten Europas und Afrikas aufeinander“prallen“, wer aus dieser Kollision als Verlierer  hervorgeht, steht damit schon von Anfang an fest. Eine an Träumen und Traumwelten orientierte Lebenswelt kann dem Ansturm einer wissenschaftlichen, an Geld und messbaren Erfolgen interessierten Gesellschaft kaum standhalten, zumal diese sich ihrer vorgeblichen zivilisatorischen Überlegenheit sehr bewusst ist….

Es ist – nicht nur hautfarblich – ein Roman in Schwarz/Weiß. Das Schweden, das Mankell beschreibt, ist dunkel, es ist arm, dreckig, es stinkt, es ist verlaust und verwanzt, die Menschen sind zumeist dumpf, dumm und/oder unsympathisch. Afrika dagegen weist die Exotik auf, die man liebt: Sonne, warmer Sand, fröhliche Eingeborene, die ihren unbeschwerten (?) Tätigkeiten nachgehen, schwatzhaft sind die Frauen, ernsthaft der Mann, der an Felsen Götterbilder ritzt. Sonderlich arbeitsam und fleißig sind sie nicht, deswegen muss man manchmal streng sein als Weißer…. prallen beide Welten aufeinander, verliert die afrikanische: in Afrika selbst werden die Einheimischen gerne niedergemetzelt, wie es ihnen nach Europa verschleppt ergeht, ist das Thema des gesamten Romans. Diese Konstellation führt dazu, daß der Leser seine Sympathien sehr schnell nur noch auf Molo konzentriert

Mit Bengler und Molo hat Mankell zwei Archetypen geschaffen: den gescheiterten Europäer, der nach Afrika geht: „Es kommt oft vor, daß Europäer, die untalentiert sind, nach Afrika kommen. Hier können sie ihre Hautfarbe und ihren Gott geltend machen. Müssen nichts können, nichts wollen. Hier lebt man gut davon, Menschen zur Unterwerfung zu zwingen. ….“ Ein deutliches Statement Mankells… Bengler entspricht dem weitgehend: zu Hause kein rechtes Bein auf den Boden bekommen, die Entdeckung eines Käfers, um seinen Namen für die Ewigkeit zu konservieren: ein eher bescheidenes Ziel (bei allem Respekt für den Käfer). Und die Afrikaner? Haben der Brutalität und dem Selbstbewusstsein der Fremden ihre Träume entgegenzusetzen, aber selten nur behalten Träume gegenüber Peitschen und Gewehren die Oberhand…

Mankells Roman ist auch eine Einführung in die afrikanische Seele ebenso wie eine Anklage an die europäische, die auf diesem Kontinent Schuld auf sich geladen hat. Inwieweit seine Darstellung des Molo und seiner Träume zutreffend ist oder übertrieben – ich vermag es nicht zu beurteilen, ich kann es mir aber gut vorstellen. Insofern sehe ich in den Kritiken, die gerade die gerade die Figurenzeichnung des Jungen als exotisch, drastisch, klischeehaft, im Ganzen als unglaubwürdig bezeichnen, auch einen Erscheinung derartiger Ignoranz, die das Fremde, oder hier: das Ge-/Beschriebene als solches nicht gutheißt, da es den eigenen Erwartungen nicht entspricht [1].

Zusammenfassend kann ich festhalten, daß Die rote Antilope ein sehr berührendes, tragisches Schicksal beschreibt, das sich aus dem Zusammenprall zweier unterschiedlicher Kulturen ergibt, denn gut gemeint (unterstelle ich dies mal) ist noch lange nicht gut gemacht. Und daß Mankell gut, unterhaltend und spannend schreiben kann, muss man  – glaube ich – nicht extra betonen.

Links und Anmerkungen:

[1] https://www.perlentaucher.de/buch/henning-mankell/die-rote-antilope.html

Henning Mankell
Die rote Antilope
Übersetzt aus dem Schwedischen von Verena Reichel
Originalausgabe: Vinders Son, Stockholm, 2000
diese Ausgabe: dtv, ca. 380 S., 2003

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4 Responses to “Henning Mankell: Die rote Antilope”

  1. Bolzi Says:

    Mein einziges Mankell-Buch. Ich fand es damals auch sehr berührend und hatte mir eigentlich vorgenommen, noch mehr vom Autor zu lesen.
    Vielleicht klappt es jetzt mit dieser kleinen Erinnerung mal :)

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  2. antetanni Says:

    Ich habe dieses Buch vor vielen Jahren gelesen, die Geschichte hat mich sehr beeindruckt. Wer es noch nicht gelesen hat -> unbedingt tun! Es lohnt sich.

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  3. buchblüten Says:

    Ich habe erst gestern ‚der chronist der winde‘ von henning mankell ausgelesen…wie schön, direkt im anschluss eine so passende inspiration für ein weiteres buch unter den neuen blogbeiträgen zu finden :-)

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