Alessandro Manzoni: Die Verlobten (Das 2. Buch)

25. November 2014

Zusammenfassung beider Bücher

Die Geschichte spielt am Südhang der Alpen, im wesentlichen im Herzogtum Mailand der Jahre 1628 bis 1630. Zwei junge Menschen, Lucia und Renzo, in einem kleinen Dorf wollen heiraten, der Hochzeitstermin steht für den nächsten Tag fest. Doch aus einer momentanen Laune heraus ist der örtliche Feudalherr Don Rodrigo, der die Braut auf der Straße sah, eine Wette eingegangen, daß es ihm gelänge, dieses Mädchen für sich auf seine Burg zu holen. Durch seine Schergen droht er dem Pfarrer mit dem Tode, falls dieser die Trauung vollzieht.

Der Pfarrer fügt sich der Drohung, die Brautleute sind verzweifelt und versuchen allerlei, daß es doch noch zu dieser Hochzeit kommt, aber es gelingt ihnen nicht. Im Gegenteil kommt es zu großer Aufregung, als der Don Rodrigo beschließt, das Mädchen entführen zu lassen: die Verlobten können zusammen mit Lucias Mutter Agnese gerade soeben noch fliehen. Hier trennen sich die Wege der drei: Lucia und Agnese finden in einem Kloster Unterschlupf, Renzo flieht in die Stadt, nach Mailand.

In Mailand herrscht Hungersnot und die Menschen sind aufgebracht, gehen auf die Straße. Der unerfahrene Jüngling läßt sich, auch da er des Abends dem Wein zu schnell und zu sehr zusprach, zu unbedachten Worten hinreißen: die Obrigkeit macht ihn zum Sündenbock für den Aufruhr und inhaftiert ihn, doch Renzo hat Glück und kann den Häschern entfliehen. Auf Schleichwegen verläßt er Mailand ins benachbarte bergamaskische zu einem Verwandten, der dort eine Seidenspinnerei hat, in der er arbeiten kann.

Don Rodrigo derweil hat von seinem Plan, Lucia auf die Burg zu holen, noch nicht Abstand genommen: er bittet einen geheimnisvollen Burgherrn, dessen Namen wir nie erfahren, der aber mächtig ist und mächtig böse zudem, um Hilfe… die dieser ihm auch verspricht, doch bald darauf schon wird er unruhig ob des Versprechens und bereut fast, es gegeben zu haben. Trotzdem hält er es und er entführt Lucia. Doch in der Nacht reut ihn alles, die Entführung des Mädchens, sein bisheriges Leben und er gelobt Besserung. So läßt er Lucia frei und sorgt dafür, die Unterkunft bei einer guten Familie erhält.

Aber auch die große Politik nimmt Einfluss auf das Leben der Menschen: in der Region toben Kämpfe und Kriege, der später 30jährige Krieg genannte reicht in diesem Jahren bis hier in diese Region. Vieles, nein, fast alles wird verwüstet durch die marodierenden Truppen und schlimmer noch: sie bringen die Pest mit in die Städte, in die Dörfer, in die Häuser.

Ein großes, großes Sterben setzt ein, die öffentliche Ordnung verfällt – es ist niemand mehr da, der sie aufrecht halten könnte…. kaum, daß die Leichen eingesammelt und verscharrt werden können. Nur wenige überleben die Krankheit, unter ihnen ist Renzo, der sich jetzt, da er eine weitere Verfolgung kaum mehr fürchten muss, auf die Suche macht nach seiner Lieben. Und tatsächlich – nach langer Suche findet er sie, auch Lucia hat die Pest überstanden, doch einem gemeinsamen Lebensglück steht noch eins entgegen: das Gelübde Lucias, wenn sie gerettet würde, ledig zu bleiben…. doch ein Happy End nach knapp 800 Seiten Lektüre werden nicht an so einer Petitesse scheitern, selbstverständlich hat Manzoni für dieses Problem eine Lösung parat….

Zum ausführlichen Inhalt des 1. Buches: http://wp.me/paXPe-77M


Alessandro Manzoni, Nach einer zeitgenössischen Lithographie Bildquelle: [B]

Alessandro Manzoni, Nach einer zeitgenössischen Lithographie
Bildquelle: [B]

Das 20. Kapitel

beschreibt uns das Tal, in der der Ungenannte sein Schloß hat, zu dem Don Rodrigo jetzt unterwegs ist. Er schildert dem Ungenannten seine Nöte und bittet ihm um Hilfe, die ihm nicht verweigert wird. Doch – kaum war Don Rodrigo gegangen, war sich der Ungenannte seiner Sache gar nicht mehr sicher, unbekannte Zweifel stiegen leise in ihm hoch, fast reute ihn die Zusage zur Hilfe, doch hatte er sie gegeben…

Durch einen Vertrauten ließ er seinen Plan umsetzen und so schickte die Signora die widerstrebende Lucia mit einem Auftrag, den sie vorgeblich zu erledigen hätte, aus dem Kloster hinaus auf die Straße, wo sie die Mannen des Ungenannten bald ergriffen. Von einem Fenster der Burg aus beobachtet der Auftraggeber die Ankunft der Kutsche mit dem Mädchen mit durchwachsenen Gefühlen. Im nachfolgenden

Kapitel 21

erfahren wir, wie die ängstliche Lucia im Schloss aufgenommen wird und wie sie mit ihrer Art und ihrer Rede die Zweifel im Herzen des Entführers weiter anfacht, so daß dieser eine durchwachte, von Fragen und Grübeleien durchzogene Nacht erleben sollte…

Im Kapitel 22

schließlich erzählt der Autor, daß der Ungenannte am nächsten Morgen davon erfährt, daß der Kardinal Borromeo, der Erzbischof von Mailand, in der Gegend sei und sich Haufen von Menschen voller Freude aufmachten, ihn zu sehen und so entschloss sich auch der Burgherr, sich auf den Weg zu diesem Mann zu machen. Ferner erfahren wir über das Wesen und die gute Seele des Kardinals, wie jedoch er und seine Begleiter auf den Besuch des Mannes , den alle so fürchten ob seiner Bösheit, reagieren, und wie dieser wiederum sich dem Kardinal nähert und sich diesem gegen über benimmt, davon setzt uns der Autor in

Kapitel 23

in Kenntnis. Es ist dies die Geschichte einer Bekehrung, einer Wandlung vom Saulus zum Paulus, vom Bösewicht zu einem Menschen, der bereut und im Innersten von Gott angerührt worden ist. Der Kardinal ist barmherzig mit dem Sünder, der ihm von seinem letzten Verbrechen beichtet, woraufhin der Kardinal alles in die Wege leitet, dieses zu einem guten Ende kommen zu lassen.

Kapitel 24

Hier wird berichtet wie Lucia aus der Burg abgeholt wird, wie sie dem Ungenannten verzeiht und von jenem in das Dorf gebracht wird, in dem sich der Kardinal aufhält. Dort wird ihr ein Bett in einem Haus einer guten Familie gegeben und ihre Mutter, nach der geschickt wurde, trifft ein. Welche Freude! Einzig Pater Abbondio, jener, der seinerzeit die Trauung nicht vornahm und der jetzt des Besuchs seiner Eminenz wegen in dem Dorfe weilt, ist nicht glücklich…

Schließlich erfahren wir noch, wie der Ungenannte in seine Burg zurückreitet, dort seine Schergen um sich versammelt und ihnen freistellt, entweder bei ihm zu bleiben, dann aber zu bereuen und fortan ein gottesfürchtiges Leben zu führen oder die Burg zu verlassen. Das Kapitel schließt mit der Feststellung, daß der Ungenannte, der Bekehrte, der Geläuterte trotz aller Ungewissheit, die jetzt über seiner Zukunft schwebt, die Nacht in Ruhe und Frieden schlafen kann.

Kapitel 25

Hier wird berichtet, wie Don Rodrigo auf dies alles reagiert und wie die Menschen anfangen, die Angst vor ihm zu verlieren. Auch wird erzählt, wie der Kardinal das Heimatdorf unserer Lieben besucht und sich Don Abbondio so gar nicht darüber freuen kann. Agnese und Lucia sind immer noch im Hause ihrer Gastgeber, aber von ihrer Anwesenheit dort hat ein vornehmes Ehepaar in einem nahe bei gelegenen Ort erfahren und dorthin wird Lucia nun eingeladen zu wohnen, so daß die beiden Frauen sich nun trennen müssen. Aber vorher geht es noch in ihren Heimatort, wo sie sofort vom Kardinal empfangen werden. Das Kapitel schließt mit dem Gespräch, mit dem der Kardinal Don Abbondio nach seinem Verhalten den beiden Liebenden gegenüber, das seinerseits Wirkung war der Drohung Don Rodrigos, das aber auch alles nachfolgende Geschehen ausgelöst hat, befragt und er das Verhalten und die Feigheit des Paters von Herzen missbilligt und tadelt. Im nächsten

Kapitel 26

führen die beiden ihr Gespräch fort, in dem Don Abbondio das Schändliche seines Handelns einsieht, bevor danach ein Bote des Ungenannten dem Kardinal ein großzügiges Geschenk für die beiden Frauen übergeben kann. Agnese, die mit dieser frohen Nachricht zu Lucia eilt, findet diese darob noch betrübter als ohnehin schon und erfährt schließlich von deren unseligen Gelübde. Und so kommen wir nach langer Zeit wieder zu Renzo, der immer noch im bergamaskischen zur Flucht ist, die Werkstatt seines Verwandten verlassen musste und nun unter einem anderen Namen in einem anderen Ort arbeitet und lebt. Ihm, so besprechen die beiden Frauen, soll die Hälfte des Geschenks zukommen. Der nachfolgende Abschnitt,

Kapitel 27

bringt uns die „große“ Politik jener Zeit, die die Geschicke Mailands und der anderen, benachbarten Fürstentümer bestimmt, näher samt den Eigenheiten der Männer und Frauen, die die Schicksale der Menschen letztendlich mit ihren Entscheidungen bestimmen, Entscheidungen über Krieg und Frieden, Leben und Tod. Und über den Aufstand in Mailand und den vorgeblichen Rädelsführer Renzo sind wir wieder bei jenem und seinem Schicksal. Der Schreiber der Geschichte schildert uns jetzt zum besseren Verständnis, wie umständlich und missverständlich die wenigen Briefe und Nachrichten waren, die Renzo aus der Ferne in seine Heimat senden und die er als Antwort von dort erhalten konnte. Währenddessen bemühte sich Lucia, die inzwischen bei Donna Prassede lebte, Renzo aus ihren Gedanken zu verbannen. Aber man weiß ja, wie dies ist, wenn man sich vornimmt, an etwas Bestimmtes nicht mehr zu denken… Das

Kapitel 28

führt uns dann wieder nach Mailand. Wunderbarerweise herrschte dort nach den Zeiten des Aufruhrs Überfluss an Brot und Mehl zu geringen Preisen. Wie dies zustande kam und welche Folgen dies hatte, berichtet uns der Autor ausführlich, hier sei nur soviel gesagt: der Überfluss war ein kurzfristiges Ereignis einem Strohfeuer gleich, das letztlich wieder in großer Not und übergroßem Mangel mündete, so bedeutsam, daß das Gesundheitsamt Bedenken bekam ob der Zustände für den Fall, daß eine Seuche ausbräche. Insbesondere die Ärmsten der Armen, die Bettler fing man schon an, im Lazarett zusammen unterzubringen. Das Sterben ging weiter und nahm erst mit der nächsten Ernte wieder ab…. und zu allem Überfluß wurde die Region auch noch von Kriegshändel mit durchziehendem, marodierendem Söldnervolk behelligt und die Menschen flohen aus ihren Häusern hinauf in die Berge..

Kapitel 29

widmet sich dem Schicksale Don Abbonidos, der freilich ohne seine Haushälterin Perpetua der Notwendigkeit zur Flucht, sich selber in Sicherheit zu bringen, hilflos ausgeliefert gewesen wäre…. Agnese, die zu ihnen stößt, erinnert sich an das Versprechen des Ungenannten, ihnen in der Not zu helfen und so beschließen sie, zu diesem auf die Burg zu fliehen. Wie dies geschah und wie so dort aufgenommen wurden, ist in

Kapitel 30

berichtet. Die drei waren weiß Gott nicht die einzigen auf dem Weg in die Burg, aus allen Seitentälern strömten Hilfe Suchende auf den Weg hoch zum Ungenannten, der mit den wenigen Getreuen, die bei ihm geblieben waren, alles zur Verteidigung der Burg und der Menschen dort rüstete. Es waren viele marodierende, plündernde, mordende, zerstörende Haufen Volks, die durch das Tal zogen, die nördlich der Alpen später als 30jähriger Krieg bezeichneten Händel reichten bin in dieses stille Tal am Südhang der Berge…. und als sie durchgezogen kehrten die Geflohenen bangen Herzens zurück in ihre Häuser. Niemand brauchte mehr Schlüssel, um in die Häuser zu gelangen, all das Zerbrochene zu sehen, die Asche, zu der die Möbel geworden, um festzustellen, was alles geraubt und mitgenommen worden war….

Kapitel 31

Aber diese Sorgen und Nöte sollten die geringsten sein, bei dem, was die Soldateska ihnen daließen. Die Chroniken und Berichte sind nicht übereinstimmend, die Einzelheiten schildert jede etwas anders. Fest steht jedoch, daß einer der spanischen Soldaten der mit Kleidungsstücken, die er einem aus der Truppe Wallensteins abgekauft oder geraubt hatte, bei Verwandten Unterkunft genommen hatte, erkrankte und starb. Da der Arzt eine schwarze Beule an ihm entdeckte und als Todesursache die Pest vermutete, wurde die Familie abgesondert und eingesperrt. Aber dieses Haus war nicht das einzige, in dem der Tote sich vor seiner Erkrankung aufgehalten hatte, und so konnte sich die Pest aus anderer Quelle schließlich in der Stadt festsetzen. Welche Maßnahmen die Obrigkeit jetzt traf, wie die Menschen reagierten und ob dies alles half, das Unglück, das Mailand heimsuchte, zu vermeiden, wenigstens zu mildern, ist Gegenstand dieses und des nachfolgenden

Kapitel 32

Zu allem kam hinzu, daß die Menschen nicht an die Pest glauben wollten, lieber nahmen sie an, Giftmischer seien am Werk, Menschen, die eine besondere Salbe verbreiteten, an der man erkrankte. Man bestach die Ärzte (solange es noch welche gab…), anderes zu sagen als daß der Tote an der Pest gestorben sei… die ausgehobenen Gräber füllten sich schneller als man neue schaffen konnte und als schließlich der lange (und richtigerweise) zögernde Erzbischof dem Begehr der Menschen nach einer Prozession der Heiligen nachgab, kamen so viele Menschen auf engem Raum zusammen, daß die Krankheit, die Ansteckung, die Zahl der Toten schier explodierte.

Kapitel 33

Hier führt uns der Autor wieder zurück zur Ausgangsgeschichte, indem er uns das Schicksal Don Rodrigos schildert. Dieser ist in Mailand und trotz des unermesslichen Unglücks, das die Stadt darnieder hält, trifft er sich mit einen Freunden um durch Trinken, Essen und leichte Reden die Sorgen zu verscheuchen. Doch auch ihn ereilt das Schicksal, das er mit so vielen zu teilen hat… anders dagegen ergeht es unserem jugendlichen Helden, Renzo. Zwar ereilt auch ihn die Krankheit, doch kann er sich erholen, die Pest rafft ihn nicht dahin. Und ob des Durcheinanders der Zustände beschließt der junge Mann, in die Heimat zu gehen und seine Braut zu suchen. Wie zu erwarten, ist es dort keineswegs besser als in der Stadt, aber jedenfalls erfährt er, wo er Lucia finden kann: in Mailand. Dorthin macht er sich auf den Weg, was im

Kapitel 34

beschrieben wird. Allein: die Stadt beherbergt wohl mehr Tote als Lebende und kaum findet er das Haus, in dem er Lucia zu sehen hofft, bescheidet eine Magd – der einzige Mensch, der noch lebt von der Familie – sie sei im Lazarett und er solle jetzt sofort verschwinden. Dies gelingt ihm nur mit Mühe, denn wie schon fast zwei Jahre zuvor wird er wieder vom Pöbel durch die Straßen gejagt – man hält ihn für einen der Giftmischer, die die Krankheit verbreiten…

Kapitel 35

Renzo erreicht die Mauer des Lazaretts, in dem Lucia sein soll – noch lebend oder schon tot…. er weiß es nicht. Doch bevor er dies in Erfahrung bringen kann, trifft er jemanden, den zu sehen er nicht erwartet hat: in all dem Elend, all dem Stöhnen, dem Klagen, dem Sterben tut Pater Christoforo barmherzigen Dienst an den Erkrankten, unter denen auch Don Rodrigo sich befindet. Unter Pater Christoforos Ermahnung gibt Renzo seine Rachegedanken auf und verzeiht dem Sterbenden. Der Pater kann Renzo sagen, wo er Lucia suchen muss und so macht es Renzo und gar nicht lange, so hört er eine Stimme, so lieblich und lang ersehnt… Doch in

Kapitel 36

erfahren wir, wie sehr sich Lucia, die die Pest ebenfalls überstanden hat und jetzt eine Witwe betreut, mit der sie sich angefreundet hat, ebenfalls freut, Renzo zu sehen – und daß sie ihn von Herzen, flehentlich bittet, doch wieder zu gehen, ihres Gelübdes wegen…. doch wir haben nicht fast zwei Jahre und 800 Seiten mit den beiden gebangt, um an so einer kleinen Klippe zu scheitern: Pater Christoforo weiß Rat!

Kapitel 37 und 38

will ich nun in einem zusammenfassen, denn jetzt, wo die beiden Liebenden sich endlich gefunden haben, wo ihre ärgsten Widersacher an der Pest gestorben, wo sie in dem Kardinal einen Gönner haben, wird der Autor nicht müde, das Füllhorn von guten Ereignissen über sie auszuschütten. Renzo jedenfalls eilt in die alte Heimat, alles vorzubereiten für die Rückkehr Lucias, er überbringt die guten Nachrichten an Agnese und letztlich feiern sie die Hochzeit, die der Don Abbondio diesmal vollzieht – auch seine Feinde sind tot und endlich braucht er keine Angst mehr um sich zu haben. Doch Renzo und Lucia wollen nicht in dem alten Dorf leben bleiben, sie gehen ins Bergamaskische, dort leben sie mit Agnese zusammen und bald tollt eine ansehnlichen Kinderschar in ihrem Haus herum…..


Manzonis I Promessi Sposi ist – dies läßt sich in den Übersichtsartikeln [z.B. 2, 4 und 5] leicht nachlesen, für die italienische Literatur (und auch darüber hinaus) von herausragender Bedeutung. Der Roman ist in mehreren Versionen Bearbeitungen entstanden: ein Grund dafür war, daß Manzoni aus den diversen gesprochenen, sich stark unterscheidenden Sprachen und der Hochsprache der Literatur eine Sprache finden wollte, die sowohl in ganz Italien verstanden werden konnte und die außerdem die Kluft zwischen der akademischen und der gesprochenen Sprache überbrückte [4]. Damit sind die Promessi Sposi für das moderne Italienisch von herausragender und grundlegender Bedeutung geworden. Manzoni thematisiert das Sprachproblem in seinem Roman an mehreren Stellen: schon in der Einleitung weist er auf den (angeblichen) in barock Schreibweise verfassten, kaum verständlichen Originaltext hin, er beschreibt minutiös die generellen Schwierigkeit eines Schriftwechsels zwischen Renzo und Lucia/Agnese, also einfachen, des Schreibens unkundigen Menschen (seine Kinder sollte Renzo dann Schreiben und Lesen lernen lassen) die ihr Anliegen über Dolmetscher vom Gesprochenen ins Geschriebene formulieren lassen müssen und er beendet seinen Roman mit der spitzbübischen Bemerkung Renzos, wenn es schon so etwas wie Schreiben und Lesen gäbe, sollten es seine Kinder dann auch lernen….

Der rote Faden, der sich durch den gesamten Roman zieht, ist die Liebesgeschichte von Lucia und Renzo, zwei jungen Menschen aus dem ländlichen, bäuerlichen Milieu: einfache, ehrliche Menschen. Im Gegensatz dazu werden die meisten der „Höheren“, sprich der Adligen, der Burgherren, als moralisch zweifelhaft bis hin zu ausgesprochen böse beschrieben. Doch trotz der Liebe zwischen Renzo und Lucia sind Die Verlobten kein Liebesroman: die meisten Zeit sind sie getrennt und auch wenn sie zusammen sind, fehlen alles Ingredienzien, die einen Liebesroman ausmachen. In jedem Fall ist es aber ein historischer Roman, insbesondere im 2. Buch geht Manzoni ausführlich auf geschichtliche Hintergründe jener Epoche ein: die spanische Herrschaft in Mailand, die Hungersnot in Mailand, das Übergreifen des 30jährigen Krieges auf die Region, die Händel der einzelnen Fürstentümer miteinander und dann besonders der Pestzug, der die Region verwüstete. Einzelne Abschnitte des Buches lesen sich fast wie historische Einschübe, insbesondere in den „Pestteilen“ des Buches greift Manzoni auf literarische Vorlagen zurück.

Denn die I Promessi Sposi ist auch ein Pestroman, ein Roman, der das unvorstellbare Leid der Seuche schildert (wie es Jahrhunderte früher Boccaccio in seinem Dekameron (1. Tag) schon festgehalten hatte), der das Bemühen der Behörden und deren Vergeblichkeit, dagegen vorzugehen, beschreibt, der darlegt, wie die Menschen versuchten, sowohl sich vor der Pest zu schützen als auch vor den Behörden (in Familien mit einem Erkrankten wurde dieser in das „Lazarett“ gebracht, die Familie wurde ins Haus gesperrt und die Türen und Fenster mit Brettern vernagelt, Gegenstände, mit denen ein Kranker in Berührung gekommen war, wurden verbrannt….). Manzoni greift in diesen Kapiteln auf historische Dokumente zurück und führt die in diversen Texten verstreuten Darstellungen zu einem stimmigen Gesamtbild des Grauens einer ungehindert wütenden Seuche zusammen. Einer Seuche, die jede Ordnung aufhebt, die das Unterste zu Oberst kehrt, die niemanden verschont, die ganze politische und gesellschaftliche Ordnungen zerstört. Sehr symbolhaft beendet Manzoni das Grauen durch ein reinigendes Gewitter, das wie von einer höheren Macht geschickt, allen Schmutz und allen Unrat weg wäscht.

Das Buch wurde zu einer Zeit veröffentlicht, die im Vergleich zu unserer fast bilderlos ist. So läßt er sich Zeit, alles in aller Ausführlichkeit zu beschreiben, die Landschaften, die Menschen, die Städte, die Häuser und die Sitten. Für uns heute, die wir so vieles über Bilder in sehr kompakter Form „serviert“ bekommen, ist dies erst einmal langatmig, es zwingt uns zum Entschleunigen und führt uns damit tiefer in das Beschriebene als es manches Bild vermag. Zudem sind die wunderschönen Illustrationen eine ganz herrliche Ergänzung zu den Texten…

Die Menschenzeichnung Manzonis…. es treten eine Vielzahl von bemerkenswerten Persönlichkeiten in diesem Roman auf: Don Abbandio, Don Rodrigo, die Signora, der Ungenannte, Kardinal Borromeo, Don Christoforo… natürlich Lucia und Renzo… sie alle werden in ihrer Geschichte beschrieben, ihr Charakter wird durchleuchtet, ihre Handlungen werden erörtert und gewertet. Die Schilderung des Zusammentreffens von Kardinal Borromeo und dem Ungenannten mir ihrem Gespräch ist z.B. wie auch das Gegenstück, die Tadelung Don Abbondios durch den Kardinal ein Höhepunkt des Romans.

Natürlich – auch Manzoni nutzt das Recht des Schriftstellers, auch Zufälle anzuhäufen, um seine Geschichte erzählen zu können: daß sowohl Renzo als auch Lucia an der Pest erkranken und beide wieder genesen, daß Pater Christoforo am Ende gerade dann anwesend ist, als sein Rat das Gelübde Lucias betreffend, besonders gefragt ist oder (als eines der bemerkenswertesten Ereignisse vllt überhaupt) die Wandlung des Ungenannten vom Saulus zum Paulus….

Es gäbe ganz sicher noch sehr viel mehr zu erzählen, denn „Die Verlobten“ sind ein umfangreicher Roman, es ist ein alter Roman und nach anfänglichem Scheuen: es ist ein schöner Roman, ein Leseerlebnis, in das man sich viele hundert Seiten lang hineinfallen, hineinkuscheln und hineinschmiegen kann….

Links und Anmerkungen:

[1] In dieser Region des heutigen Italiens spielt die Geschichte:  https://www.google.de/maps/@45.6328649,9.3807591,10z
[2] Wiki-Beitrag zum Buch: http://de.wikipedia.org/wiki/I_Promessi_Sposi
[3] Wiki-Beitrag zum Mantuanischen Erbfolgekrieg: http://de.wikipedia.org/wiki/Mantuanischer_Erbfolgekrieg
[4] http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/ringvorlesungen/romane_antike_19jh/Manzoni_Brautleute.pdf wichtig!!
[5] Hans Vilmar Geppert: Der historische Roman: Geschichte umerzählt – von Walter Scott bis zur Gegenwart, S. 40 ff: Alessandro Manzoni: I promessi sposi / Die Verlobten (1827) in: http://books.google.de/books?…..

Die Verlobten“ sind im Projekt Gutenberg online zu lesen: http://gutenberg.spiegel.de/buch/2706/1

[B]ildquellen: Portrait: http://it.wikipedia.org/wiki/Alessandro_Manzoni; Guarda la pagina per l’autore [Public domain], attraverso Wikimedia Commons

 Alessandro Manzoni
Die Verlobten
Übersetzt aus dem Italienischen von ?
Neubearbeitung nach der deutschen Erstausgabe von 1827
Herausgegeben von R. W. Pinson
Originalausgabe: siehe Links und Anmerkungen
diese Ausgabe: Fackelverlag Stuttgart (EXLIBRIS Universal-Bibliothek der Weltliteratur), HC, ca. 760 S., 402 Abbildungen, Stuttgart 1983

 

 

 

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2 Responses to “Alessandro Manzoni: Die Verlobten (Das 2. Buch)”

  1. belmonte Says:

    Sehr schöner Blogpost. Habe den Roman vor einem Jahr beendet und war ähnlich begeistert. Deine Wiedergabe hat mich sehr an meine eigene Lektüre erinnert. Vielleicht hat Du mal Lust, in meinen Blogpost zum Roman reinzuschauen (http://wp.me/p1Vmd7-Ny).

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    • flattersatz Says:

      lieber belmonte, herzlichen dank für deinen besuch und dein lob, über das ich mich gefreut habe. natürlich habe ich mir deinen beitrag angeschaut, die verbindung von renzos wanderung mit der der deutschen romantiker ist mir doch völlig entgangen! schön, bei dir darauf hingewiesen worden zu sein!

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