Dave Eggers: Der Circle

10. September 2014

Eggers Roman „Der Circle“ [3] hat Aufsehen erregt, ist in den Charts, oder – um im Terminus zu bleiben – im Ranking schnell an die erste Stelle gestiegen, die professionelle Kritik hat ihn ebenso wie viele der Kollegen BuchbloggerInnen überwiegend positiv aufgenommen. Allenfalls, soweit ich den Überblich habe, wurde die Schlichtheit der Sprache, sprich: die etwas geringe literarische Qualität angemerkt, ansonsten überwiegt Begeisterung.

Warum eigentlich?

Rot (i) Coverfarbe des Buches (ii) im Ranking der beliebtesten Farben bei Männern/Frauen jeweils Platz 2 Bildquelle [B]

Rot
(i) Coverfarbe des Buches
(ii) im Ranking der beliebtesten Farben bei Männern/Frauen jeweils Platz 2
Bildquelle [B]

Die Handlung des Romans ist zu einem erheblichen Teil schlicht und ergreifend einfach langatmig, die Hauptfigur Mae Holland (und das gilt analog auch für andere der Agierenden in ihrem jeweiligen Biotop) entspricht in einer dermaßen perfekten Weise dem Vorurteil, das man gegenüber jungen, amerikanischen Frauen aus der Provinz so hat, daß es schon fast peinlich ist und das Ganze wird dann auch noch in einer Art Endlosschleife über Hunderte von Seiten ausgewalzt. Und das Szenario eines alles überwachenden Systems hat Orwell in „1984“ schon spannender und hochwertiger dargestellt…. Aber ich greife vor….

Worum geht´s?

GEHEIMNISSE SIND LÜGEN

Besagte Mae Holland, im folgenden nur Mae genannt, 24 Jahre alt, bislang beschäftigt bei einer langweiligen, altmodischen Anstalt, die sich mit Strom- und Gasversorgung der Menschen befasste, bekommt durch Vermittlung einer Collegebekannten, Annie, eine Stelle bei „The Circle“ [3], einem, Quatsch, DEM Unternehmen der Informationssammlung und -verarbeitung schlechthin. Die Firma ist erst wenige Jahre alt, doch schon nimmt sie eine beherrschende Stellung ein, der allergrößte Teil der Suchfragen, die über das Internet laufen, gehen über diese Firma. Sie hat Geld wie Heu, das sie in alle möglichen Projekte steckt, in manche einfach nur, um zu zeigen: es geht! Geleitet wird die Firma von den sogenannten „Drei Weisen“, Männern völlig unterschiedlichen Charakters, gemein ist ihnen das Charisma und die Vision, die sie haben.

Mae ist begeistert. Der Campus, so nennt die Firma ihr Firmengelände, auf dem die weit über 10.000 jungen Menschen arbeiten, ähnelt an der Oberfläche mehr einem Freizeitpark: alles ist hell, licht, sauber, zugänglich, mit viel Grün. Man sieht Gruppen, die Sport treiben, die sich unterhalten, die umher schlendern… alles ist freundlich zueinander, es gibt keine schlechte Laune auf dem Gelände. Abends jagt ein Event das andere, alles selbstredend auf Firmenkosten.

Unsere Protagonisten fängt im Kundenservice mit der Bearbeitung von Kundenanfragen an. Es gibt gewissen Normen, die sie erfüllen sollte, was ihr aber keine Probleme macht, im Gegenteil, das Lob über ihre Arbeit spornt sie immer weiter an, es gibt ihr ein Gefühl, angekommen zu sein, dort zu sein, wo ihr Platz ist…. schon bald gibt es andere Aufgaben für sie, die Zahl der Bildschirme an ihrem Arbeitsplatz ist neben dem Ranking, mit dem ihr relativer Erfolg im Vergleich zu ihren Kollegen gemessen wird, eine Art Statussymbol…

Es ist unnötig, sich jetzt hier ins Detail zu begeben. Wesentlich ist, daß Mae die Firmenphilosophie voll inkorporiert hat, selbst gelegentliche Aha-Erlebnisse, wie die Tatsache, daß die Filmaufnahmen, die ihr Kollege Francis von der intimen Handlung, mit der sie ihn erfreute, heimlich gemacht und gemäß dem Firmenmotto, daß nichts vergessen und verheimlich werden darf, in die „Cloud“ hochgeladen hat, bringen sie nur kurzfristig ins Stolpern.

TEILEN IST HEILEN

Ja, sie begeht auch Sünden. Sie macht Sachen heimlich, niemand ist eingeweiht. Ohne sie zu teilen, als Individuum. Sie fährt z.B. Kajak, ohne dies jemandem zu sagen, ohne ihre Eindrücke zu teilen… Mea Culpa: sie bereut und ihre Buße (die sie gerne auf sich nimmt) ist es, sich gläsern bzw. „transparent“ zu machen: eine permanent mitlaufende Kamera, die sie um den Hals trägt, sendet alles, was sie macht, was sie sieht, hört, spricht, in einen entsprechenden Feed, den hunderttausende Viewer life verfolgen. Sie wird damit Teil einer Bewegung von“The Circle“, mit der im ersten Schritt vor allem Politiker, nein: nicht überwacht werden, sondern: diese zeigen können, wie ehrlich sie sind….

Je höher Mae im Ranking steigt (alles, was im Circle gemacht wird, wird vermessen und verglichen), desto wichtiger und einflussreicher wird sie einerseits, andererseits entfremdet sie sich der „normalen“ Welt immer mehr: es kommt zum Zerwürfnis mit den Eltern und mit alten Freunden, die die Segnungen ihrer Firma eher als Fluch empfinden. Ja, alles was ausserhalb der Firma ist, kommt ihr immer schmutziger, dreckiger, verlogener, gefahrvoller vor…

Die Firma hat eine Art kritische Masse, kritische Größe erreicht: sie ist so einflussreich geworden, daß sie sich anschickt, die landesweite Geschäftsführung der Politik zu übernehmen: ein verbindlicher Account bei „The Circle“ und die Verknüpfung aller Einzelfunktionen und aller Informationen würde eine wesentliche Effizienz- und Effektivitätsverbesserung im alltäglichen Leben geben….. Das Volk könnte direkt gefragt werden, die Abstimmungergebnisse wären in Echtzeit vorhanden, viele politische Gremien wären überflüssig…. Die Eliminierung des Bösen ist machbar!


Wenn man diesen Roman von Eggert liest, denkt man nicht zufällig an Firmen wie Apple [2], Google oder Facebook… und spätestens mit den Vorgängen um die NSA und ihr britisches Pendant, die endgültig klar gemacht haben, daß diese Institutionen nicht nur alles sammeln wollen, sondern, daß es technisch tatsächlich möglich ist, alles zu sammeln (mit Betonung auf „alles“) und – noch wichtiger – alles mit allem zu verknüpfen („Data Mining“ [4]), ist es klar geworden, daß der Einzelne die Kontrolle über seine Daten nicht mehr hat. Jede Banküberweisung, jede Lastschrift, jede Nutzung der EC- bzw. Kreditkarte, jede e-mail Anfrage an eine Firma ist ein potentieller Baustein zu seinem virtuellem Gegenpart, der ihn immer gläserner macht…

ALLES PRIVATE IST DIEBSTAHL

Eggert treibt dies auf die Spitze und schafft in „The Circle“ ein selbstausbeuterisches Überwachungsmonstrum. Selbstausbeuterisch weil die Firma ihre Mitarbeiter bis hin zum Zusammenbruch für sich arbeiten läßt und die diese Belastung mit Freuden auf sich nehmen: der stetige Vergleich mit ihren Kollegen über das umfassende Ranking, das bei allem und jedem mitläuft, schafft genügend Anreiz, immer noch ein wenig mehr zu machen. Folgerichtig reichen auf der anderen Seite wenige „nein“-Stimmen, um einen moralischen Zusammenbruch hervorzurufen…. Überwacht werden soll alles, was überwacht und gemessen werden kann: die Installation von Millionen Mini-Kameras überall auf der Welt verhindert das Verbrechen, denn das Verbrechen braucht die Heimlichkeit, das Verstecktsein…. Politiker, die gläsern sind, deren Schritte und Tätigkeit rund um die Uhr mit der Kamera begleitet werden, sind nicht mehr korrumpierbar, heimliche Absprachen, Klüngelwirtschaft sind so unmöglich…. das Tracking von Kindern durch implantierte Chips verhindert Entführungen und ermöglicht die sekundengenaue Standortbestimmung zur Beruhigung der Eltern…. Sensoren, die die Körperfunktionen permanent überwachen, können mögliche Erkrankungen schon weit im Vorfeld erkennen… Der Autor entwirft eine Menge Szenarien, über das, was möglich wäre…. The Circle is watching you!


Man kann in der Philosophie dieser Firma unschwer einen fundamentalistisch-religiösen Charakter erkennen. Eher augenfällig ist die Verwendung der Zahl „3“ in der Bezeichung der „Drei Weisen“, die – in dieser Analogie – an das Dreifaltigkeitsbild des christlichen Glaubens erinnern. Etwas subtiler sind die „All-„kategorien: All-wissen, All-sehend, All-gegenwärtig, All-umfassend, All-macht. Dies sind einem Gott zugeschriebene Eigenschaften, die „The Circle“ anstrebt: alles wissen, alles sehen, sich alles merken, alles mit allem zu verknüpfen, überall gegenwärtig sein: die Macht übernehmen, allmächtig werden. Die Firma duldet keine Götter mehr neben sich: 90 % Marktanteil sind steigerbar, erst bei 100 % ist der Anspruch erfüllt. Es werden Messen gelesen: regelmäßig kommt die Belegschaft zusammen und einer der Drei Weisen predigt der Gemeinde und schwört sie ein auf das gemeinsame Ziel. Das Heilsversprechen, der Erlösungsgedanke: wenn die Firma erst einmal die vollständige Kontrolle übernommen hat, alles sieht und alles weiß, ist das Schlechte, das Böse aus der Welt. Heimliches Masturbieren ist genauso unmöglich wie ein Bankraub geworden, niemand kann dem System entfliehen, denn jeder gehört ihm von Geburt an. Die wenigen, die sich in der Anfangsphase entziehen wollen, stehen auf verlorenem Posten, sie zu finden, ist eine der leichten Übungen. Auch das Böse ist identifiziert und damit bekämpfbar: das Nicht-Wissen ist das Böse bzw. das Heimliche und der letzte Hort der Heimlichkeit ist die graugefurchte Masse in der Hirnschale…

Mae ist in diesem Kontext die Überzeugte, diejenige, die bereit ist, für ihren Glauben jeden Andersdenkenden zu verraten, sogar über Leichen zu gehen, im wahrsten Sinn des Wortes: gegen ihren Ex Mercer führt sie eine Art Glaubenskrieg. Folgerichtig helfen ihr gegenüber – wie gegenüber keinem Anhänger eines Glaubenssystem, dem ist ja gerade das Kennzeichen zu eigen ist, daß man an etwas glaubenkann , obwohl man weiß, daß das nicht sein kann oder nicht so ist – keine Argumente: Fakten werden umgedeutet, in das eigene System eingepasst: Mercer ist nicht etwa in den Tod getrieben worden, sondern er war so krank, daß er nicht mehr in der Lage war, sich helfen zu lassen….

Mercer ist der Anti-Circle, den Eggers in seine Geschichte eingebaut hat. Der Ex von Mae, altmodisch, konservativ, besteht auf Individualität, auf eigene Rechte, auch auf das Recht „nicht zu wissen“, zu vergessen, nicht erreichbar zu sein. Mercer schreibt noch Briefe auf Papier…. Seine Appelle an Mae, nachzudenken, einzuhalten, zu überlegen und zu reflektieren verhallen ungehört…


Dieser quasi-religiös deutbare Ansatz kann eine Erklärung dafür sein, daß die Figuren des Romans flach sind, an der Oberfläche dümpeln: sie glauben, mehr brauchen sie nicht. Die Figuren mehrdimensionaler zu gestalten, würde die Botschaft des Buches nur verkomplizieren…. Egal, was passiert, Mae hat keine Zweifel, stellt nichts in Frage. Bailey, einer der drei Weisen, ist der Gütige, der Verstehende, der Verzeihende, ist derjenige, der durch Zuwendung und Suggestion überzeugt und selbst aus innerer Überzeugung handelt. Etwas mehr ist zu Stenton zu sagen, dem zweiten der Dreierband: er ist skrupellos, er ist derjenige, der auch den wirtschaftlichen Erfolg im Auge hat – und die Macht. Stenton sieht mit sadistischem Wohlgefallen, wie der transparente Hai, den er von einer Tiefseeexpedition mitgebracht hat, alles um ihn herum auffrisst, in wahnsinner Geschwindigkeit verdaut und ausscheidet. Nichts ist vor ihm sicher…. bald ist das Aquarium leer von Wesen, die nicht transparent sind… Geheimnisvoll ist der Dritte der Drei Weisen, Ty, der mehr als Mythos denn als reale Person in der Firma gehandelt wird. Und dann wäre da noch Kalder, der wie ein Kistenteufelchen auf der Bühne erscheint, Mae erfolgreich anbaggert und dann wieder verschwindet… seine Logik im Gesamtzusammenhang der Geschichte ist nicht zu sehen bzw. wirkt sehr konstruiert.

Der Roman hat noch einen Vorteil: man braucht nicht zu denken. -zig Seiten füllt der Autor mir Beschreibungen der wunderbaren Umgebung auf dem Campus, mit Schilderungen der Arbeit von Mae, mit Angaben über Viewerzahlen, Rankings, Likes etc pp. Auf die Dauer wirkt das leicht langweilig…. nun könnte man aber der Meinung sein, daß man sich immerhin überlegen müsse, was gegen diese Firma und ihre Philosophie einzuwenden ist, welche Gefahren das Unternehmen birgt – aber gefehlt. Das ist der Part von Mercer, in mehreren Monologen zählt er dies ausführlich und mit Leidenschaft auf und serviert es uns Lesern in leicht verdaubaren Häppchen….


Überhaupt keine Frage: das Thema der Machtfülle, die bei einzelnen Firmen angesiedelt ist, ist wichtig und elementar für unsere Gesellschaft. Wer den Zugriff, am Ende gar das Monopol auf Informationen hat, hat die Macht in den Händen. Was Eggers jedoch schildert, ist zu plakativ, zu einfach strukturiert, als daß eine solche Machtkonglomeration auf diese Weise ablaufen würde únd damit verharmlost er das Problem. Hier macht die Überspitzung nicht sensibel, sondern sie lenkt ab und verschleiert, die wahre Gefahr wird leiser und subtiler daher kommen…. andererseits, das mag sein, setzt Eggert vielleicht auch darauf, daß diese plakative Darstellung ein größeres Publikum erreicht als es eine differenziertere, mehr in die Tiefe gehende erreichen würde..

So komme ich für mich zu der Meinung, daß „The Circle“ ein insgesamt zwar langatmiger, aber wegen der aktionsreicheren zweiten Hälfte dann doch recht unterhaltsamer Roman über ein spannendes und wichtiges Thema ist, dem es ganz sicher gut getan hätte, wenn der Autor sich auf die Hälfte des Textumfangs beschränkt hätte….

Links und Anmerkungen:

[1] confidential. Information nur auf Anfrage: aus.gelesen(ät)web.de
[2] nur als Beispiel die geplante Architektur der neuen Apple-Zentrale, wie sie 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde: http://www.zeit.de/kultur/2011-08/foster-apple-campus
[3] Was hat eigentlich den Verlag geritten, den Originaltitel „The Circle“ mit „Der Circle“ ins Deutsche zu übertragen? Hat da keiner gewusst, was „Circle“ auf deutsch bedeutet oder dachte man, das „The“ würde den deutschen Leser überfordern….
[4] Wiki-Beitrag zum Thema: http://de.wikipedia.org/wiki/Data-Mining
[5] Wiki-Seite zum Autor: http://de.wikipedia.org/wiki/Dave_Eggers

[B]ildquellen: „Rot“ screenshot google-Bildsuche „Rot“, 05.09.2014. Statistische Angaben nach: http://www.metacolor.de/farben/lieblingsfarben.htm

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6 Responses to “Dave Eggers: Der Circle”

  1. Karin Says:

    Guten Morgen, lieber Flattersatz,

    ich konnte mir vorstellen, daß Ihre Meinung zu diesem Buch zwiegespalten ist, zu plakativ, zu wenig literarisch und die Langatmigkeit hat mich auch sehr gestört.
    Aber nur mit dieser Vereinfachung, dieser Darstellung erreicht er die Leute und rüttelt sie auf und das wollte er wahrscheinlich. Wenn wir uns den durchschnittlichen Bildungsstand der Leserschar dieses Buches auf der Welt vorstellen, dann ist es für sie gerade richtig geschrieben, um sie endlich mehr zum Nachdenken zu bringen, die nervenden Wiederholungen mit ähnlichen neuen Übergriffen sind angelegt wie Seifenopern im Fernsehen, doch spätestens bei der Schilderung der Szene des letzten Besuches bei Mae’s Eltern werden sie es kapiert haben, was es bedeutet gläsern zu sein.
    Ob er sein Ziel erreicht, ein endgültiges Umdenken der Massen zu erreichen, das bezweifele ich, zumal aus meiner Sicht heute NIEMAND mehr in der Lage ist, der schon erreichten Machtfülle dieser Firmen (zumal die Politik dem bisher keine Grenzen setzt, zwar redet, aber nicht handelt ) Einhalt zu gebieten.
    ich erlaube mir, die Besprechung aus der FAZ als zusätzlichen Link zu setzen.

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/der-dritte-kreis-der-hoelle-dave-eggers-der-circle-im-vergleich-mit-huxley-und-orwell-13089429.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    Kann es sein, daß ich irgendwo gelesen habe, daß Eggers die Einnahmen aus diesem Buch komplett für irgendeine Organisation spendet?
    Für mich war Mae ein Brechmittel, in den Augen von Arbeitgebern ist sie der ideale Mitarbeiter und sie mußte jung und begeisterungsfähig sein, hätte man einer älteren Person das Handeln so abgenommen? Ja, alles plakativ und doch in Vielem zutreffend.
    Ich war froh, dieses Buch zuklappen zu können, gebe aber auch zu, daß ich mich ohnmächtig gefühlt habe.

    Mit nachdenklichen Grüßen
    Karin

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    • flattersatz Says:

      vielleicht, liebe karin, leben wir auch von unseren ansichten… sie schreiben: „Wenn wir uns den durchschnittlichen Bildungsstand der Leserschar dieses Buches auf der Welt vorstellen, dann ist es für sie gerade richtig geschrieben, um sie endlich mehr zum Nachdenken zu bringen“. ich kann mir, ehrlich gesagt, diesen bildungsstand nicht vorstellen. und ich kann mir nicht vorstellen, daß die leser, denen man die aussage des buches anbleuen muss, dieses buch überhaupt lesen würden… ich bleibe dabei, daß es zu weit weg ist von der lebenswirklichkeit der allermeisten menschen außerhalb des inneren kreises der realen firmen im silicon valley. und den kenn ich ehrlich gesagt, ja auch nicht… da habe ich nur gelesen, daß es mittlerweile spannungen gibt mit der normalbevölkerung wegen der preissteigerungen und auch noch diverser anderer sachen…. nein, ich bleibe dabei, das buch widmet sich einem wichtigen thema, ist aber als buch toto nur mäßig spannend mit flachen figuren, als dystopie recht unterhaltsam. Was ihm recht gut gelingt ist die darstellung des selbstausbeuterischen systems, dem sich mae und die anderen so willig unterwerfen: das mit den likes und so kennt man ja auch aus dem täglichen leben und ein schelm, wer behauptet, er würde sich nicht freuen, wenn er viele likes auf was auch immer bekäme… ob man dann natürlich, so wie mae, den schritt macht, sich nächtelang hinzusetzen und zu posten, um likes zu bekommen… das ist die sich anschließende frage…

      ob reale existierende firmen in ihrer machtfülle noch eingeschränkt werden können, das wird ja gerade an google ausprobiert. ich weiß es nicht, ich denke, daß kann man auch als laie nicht einschätzen. es gibt ja noch konkurrenzfirmen, nur nutzt die kaum jemand. oder gehen sie bei suchfragen mit z.b. „bing“ oder über die „web.de“ suche vor? ich möchte wetten, nein. und selbst wenn – wäre das den beelzbub mit dem teufel austreiben? es ist und bleibt eine schwierige situation…. btw: nachdem wir jetzt ja wissen, wie sehr unser aller bundeskanzlerin sich nach den ergebnissen von meinungsumfragen (i.e. volkes stimme) richtet, müßte sie ja im falle eines falles gegen eine firma votieren, die von 80? 90? % der menschen genutzt wird…. uiuiuiuiiii….

      diesmal – variation delectat – erfolgt mein „guten morgen“ und mein dank an sie für den ausführlichen, nachdenklichen kommentar am schluss – aber nichts desto weniger genauso herzlich!
      seien sie lieb gegrüßt
      fs

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    • flattersatz Says:

      liebe karin, da sie das ja nicht sehen können, hier für sie noch mal ein link, auf den birgit boe mich aufmerksam gemacht hat:

      http://www.carta.info/73964/dave-eggers-der-circle-so-ein-schlechter-roman/

      herzliche grüße
      fs

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  2. buecherliebhaberin Says:

    Lieber Flattersatz,

    so nun brauch ich das Buch nicht mehr lesen. Hatte überlegt aber ich werde es nicht zur Hand nehmen. Was sind aber Konsequenzen dieser Lektüre? Sich ins Private zurückziehen? Blog und die blaue Seite löschen? Einen Kompromiss finden? Gab es für dich Momente, in den du überlegt hast, zu handeln?

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    • flattersatz Says:

      ich denke, liebe buchlieberhaberin, der kompromiss ist die lösung. bei den sachen, die eggers beschreibt (und die jetzt durch „innovative“ produkte von apple und google ja tatsächlich umgesetzt werden (in der letzten ZEIT war zudem ein beitrag über die online-gesundheitsüberwachung und wie die ärzte darauf reagieren sollten/müssten…)), hat man immer noch die wahl, ob man sich so ein gerät kauft und es trägt/nutzt oder nicht. problematischer sind die tracking funktionen, die man wenig beeinflussen kann: handy-positionsortung, zahlen mit plastik, online-käufe, suchfragenprofile…. so suche ich z.b. öfter nach kirchlichen fragestellung, um die in die irre zu führen (ein scherz. meinerseits. ;-)) die entwicklung ist so, und man kann sich da kaum raushalten, ohne merkliche bequemlichkeitseinbussen. ok, muss ich akzeptieren. im i-net kann ich versuchen, die kontrolle über klardaten zu behalten, in dem ich sie nicht angebe, zur not schwindele. ich kann überall verschiedene nicknames und profile verwenden, die verknüpfungen schwierig machen.. ach, es gibt schon möglichkeiten, da ein bischen vorzusorgen. löschen war nie eine alternative. zurück ins mittelalter auch nicht. ;-)

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  3. […] The Circle: Nach allem, was ich auf diversen Blogs dazu las (etwa beim Kaffeehaussitzer oder beim Flattersatz), erwartete ich in erster Linie spannende Unterhaltung, ungefähr wie beim Da Vinci Code. Und genau […]

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