Christoph Schlingensief: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

Christoph Schlingensief (1960 – 2010) war ein sehr publikumswirksam auftretender Opern- und Theaterregisseur, ein Aktionskünstler und (egal, was er anfasste) jemand der provozierte. Wie kaum ein anderer verschmolz bei ihm die Kunst, seine Kunst, mit seinem Leben zu einem Gesamtkunstwerk. Er muss sehr temperamentvoll und spontan gewesen sein, voller Einfälle und Ideen – die Arbeit mit ihm muss inspierend, aber auch anstrengend gewesen sein.

Treffen sich zwei Wärmekuchen und lassen ihre Last ab. [S. 214]

Anfang 2008 wurde bei ihm ein Lungenkarzinom festgestellt, zu diesem Zeitpunkt setzt das vorliegende Buch ein. Es wurde ihm der linke Lungenflügel operativ entfernt, es folgten Chemo- und Strahlentherapie. Obwohl die Prognose der Ärtze optimistisch war, wurden schon im Dezember des gleichen Jahres Metastasen im rechten Lungenflügel festgestellt. Im August 2010 starb Schlingensief an seiner Krankheit.

Christoph Schlingensief während der Verleihung des Nestroy-Theaterpreises 2009 in Wien; Quelle: [1]
Christoph Schlingensief während der Verleihung des Nestroy-Theaterpreises 2009 in Wien;
Quelle: [1]
So schön wie hier kanns im Himmel garnicht sein!“ umfasst Tagebucheinträge Schlingensiefs vom Zeitpunkt der Erstdiagnose bis ca. zum Zeitpunkt, an dem die Metastasen festgestellt wurden, überbrückt also ca. ein Jahr. Da der Autor seine Ausführungen in ein Diktiergerät gesprochen und aufgezeichnet hat, sind auch die Einträge, die direkt nach der Operation vorgenommen wurden, „authentisch“ mit diesem Datum.

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Bescheidenheit war Schlingensiefs Sache nicht, sie wurde es auch nicht in diesem Betrachtungen eines Krebspatienten. Einen nicht unerheblichen Teil seiner Gedanken formulierte er dahingehend, wie er diese Erkrankung in sein künstlerisches Werk einbauen könnte… frei nach Hape: „Das ganze Leben ist ein Spiel und wir sind nur die Kandidaten“ …. und dann sind da plötzlich doch die Momente, in denen ihm klar wird, daß es kein Spiel ist: „... Und das macht mir Angst, weil ich diesen Einbruch des Realen ja noch nie erlebt habe, weil es ja keine Fiktion mehr ist, kein Schauspiel, bei dem ich den Zuschauern einen Herzinfarkt vorspiele.“ [S. 75]. Nein. das IST der Tod, der jetzt als Möglichkeit, als sein ganz persönliches Schicksal, sehr konkret geworden ist.

„Ich bin zutiefst verletzt in meinem Gottvertrauen, in meiner Liebe zum Leben, zur Natur – ich will mich nur noch betrunken unter den Sternenhimmel von Afrika setzen und mich auflösen.“ [S. 52]

Die Erkrankung brachte Schlingensiefs Verhältnis zu Gott und zu Jesus ins Wanken, seitenlang wird darüber schwadroniert (ein Begriff, den der Autor selbst verwendet), was z.B. die wenigen Stunden, die Jesus am Kreuz hing, seien gegen die lange Zeit, die andere Menschen zu leiden hätten… hätte auch Schlingensief gerne gerufen: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“? Ich weiß es nicht, der Gedanke kam mir aber: „Gott bewahre, daß ich dir eins in die Fresse schlage.“ [S. 53] …

Immer wieder Rückbesinnungen auf das Schicksal des Vaters, der wohl ein Jahr zuvor gestorben ist nachdem er langsam erblindet war. Die selbstkritische (!) Frage, ob er sich richtig verhalten habe, ob er sich besser hätte verhalten können: jetzt, im eigenen Schicksal, im eigenen täglichen Erleben einer Krankheit und ihrer Folgen, taucht sie am Horizont auf. Ebenso wie die Frage nach dem eigenen sozialen Engagement, da Schlingensief die Einsamkeit des (Krebs)Erkrankten am eigenen Leib erlebt: er muss mit der Diagnose und der Unsicherheit der Therapie leben und zurecht kommen und fühlt sich allein gelassen. Der Verlust der Autonomie, der Eigenständigkeit, das ausgeliefert sein den ärztlichen Entscheidungen und Anweisungen….. Ein Netzwerk zu gründen von Erkrankten, die sich gegenseitig stützen: sicherlich eine gute, sinnvolle Sache. Stelle ich mir jedoch vor, einen selbstverliebten Egomanen wie Schlingensief, der seinen Mund nicht halten kann, am Krankenbett zu haben in dem Bemühen, mich zu begleiten – nein, das stelle ich mir besser nicht vor…

Und immer wieder die Schuldfrage: woher kommt der Krebs, wer oder was ist schuld daran? Nachdem die Ärzte ungefähr taxieren konnten, wie lange der Krebs schon in ihm ist, verortete er Bayreuth und die Wagner-Musik als Auslöser, Ursache des Tumors…. irgendwann in dieser Phase schrie ihn seine Lebensgefährtin (und spätere Frau) Aino an, es solle doch endlich mal mit diesem Schuldgequatsche aufhören. Wie recht sie hatte!

Das ist der Moment, der wichtig ist. Ich huldige anderen.
Ich huldige nicht nur mir. [S. 163]

Wo bei Herrndorf [3] Arbeit und Struktur das Leben nach der Diagnose und während der Behandlung dominieren und Stütze geben, bleibt Schlingensief beim Denken und Planen: „Ich habe lernen müssen, auf dem Sofa zu liegen und nichts anderes zu tun, als Gedanken zu denken.“ [4] Es gibt ein Universum, in dessen Zentrum Schlingensief steht und um das sich Schlingensief dreht. Alle anderen sind nur schmückendes Beiwerk, Aino, seine Lebensgefährtin vllt ausgenommen. Eins der Projekte, die ihn sehr beschäftigen, ist der Plan, in Afrika ein Opernhaus zu errichten, überhaupt Afrika, ein Thema, das als Fluchtort für ihn immer wieder auftaucht: „… ich erhoffe mir, mich dort als Person in ihrer ganzen Absurdität irgendwie zusammenführen zu können. Als Bild stelle ich mir eine Art Auffanggefäß vor. Eine Arche, meinte Alexander Kluge am Telefon: Alles, was wichtig ist, wird gesammelt und in einem Kasten zusammengeführt. …. Ich baue ein Opernbaus in Afrika. Und diese Oper, die ich baue, bekommt eine Krankenstation, eine kleine Schule, eine Herberge, eine Kirche und Probebühnen. Aino schlug noch vor, daß es dort ein Sumpfgebiet geben solle. Aber im Kern wird da ein Opernhaus als Arche gebaut. „ [S. 63/4]. Das Projekt wird später in Burkina Faso umgesetzt, wenige Monate vor seinem Tod kann Schlingensief dort noch die Grundsteinlegung erleben. Andere Projekte, Regiearbeiten, dagegen sagt er ab, muss er absagen….

Nach Operation, Chemo und Bestrahlung machen die Ärzte Schlingensief große Hoffnung, wahrscheinlich sei er in seinem ganzen Leben noch nie so „sauber“ gewesen. Vergebens. Nur wenige Monate später (in denen keine Eintragungen ins Tagebuch gemacht wurden) finden sich Metastasen im rechten Lungenflügel. Der Gedanke an den Tod ist jetzt greifbar, denkbar geworden, der Ton der Aufzeichnungen ruhiger, abgeklärter. Schlingensief fängt an, Abschied zu nehmen, schreibt Briefe an Freunde, spricht sich mit der Mutter aus: „… habe mich neben sie gesetzt und den Kopf auf ihre Schulter gelegt. Als sie meine Hand nahm, konnte ich die Tränen laufen lassen. Aber vor allem konnte ich ihr gegenüber endlich all die Dinge aussprechen, die mir eine solche Last waren. … All das sagen zu können, … hat so gut getan, ich kanns gar nicht beschreiben. …“ [S. 253]

Schlingensief beendet seine Aufzeichnungen mit dem dritten „Wunder„, das er zu Weihnachten erlebt: seine Freundin Aino und er verloben sich: „.. Es geht hier nicht um Stunden und Tage und Monate, es geht hier um ein ganzes Leben. Und dieses Leben, das ich jetzt mit Aino vor mir habe, wird wunderschön.“ [S. 254/5]

Christoph Schlingensief stirbt am 21. August 2010.

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Jeder Mensch hat das Recht, auf seine eigene Art mit der Krankheit, dem Sterben und dem Tod umzugehen, dies auch in die Öffentlichkeit zu bringen, wie es Schlingensief in seinen Aufzeichnungen gemacht hat. Dieses Recht zu haben bedeutet aber nicht notwendigerweise, auch den besten Weg gewählt zu haben oder gar die Pflicht für andere, den Betroffenen auf seinem gewählten Weg zu begleiten. So gebe ich zu, mit diesen Aufzeichnungen über eine Krebserkrankung meine Probleme gehabt zu haben. Zu sprunghaft, zu erratisch, zu irrlichternd: Schlingensief war so, warum sollte er sich in der Erkrankung ändern, sicherlich – aber ich konnte für mich aus diesem Buch nichts gewinnen. Damit stelle ich mich durchaus etwas ausserhalb der allgemeinen Rezeption des Buches in der Kritik [5], die dem Buch überwiegend wohlwollend bis positiv gegenübersteht.

Mein „Problem“ mit den Aufzeichnungen ist das Gefühl, daß sich Schlingensief dem Selbstmitleid hingibt und sich in einer Opferrolle sieht. Irgendetwas muss Schuld an dieser Erkrankung haben und wenn es die Musik von Wagner ist…. Es dauert lange, bis Schlingensief trennen kann zwischen Realität und Theater und der Versuch, das Reale (seinen Krebs) als Spielmaterial für sein künstlerisches Werk zu adaptieren, muss grundsätzlich scheitern. Der Tod ist eben kein Spiel – andererseits ist zu akzeptieren, daß dies eben der besondere, vllt sogar der für den Erkrankten einzige Weg war, in einer Art Prozess mit dem Ungeheuerlichen klar zu kommen.

Dem Buch selbst merkt man in seiner Sprache an, daß es auf mündlichen Aufzeichnungen beruht. Die Sprache ist nicht sonderlich anspruchsvoll und entspricht in weiten Passagen dem Gesprochenen (wie es der fehlende Apostroph im Buchtitel schon andeutet…), es sind viele Wiederholungen vorhanden, manches versteht man auch beim zweiten Lesen nicht…

So kann ich abschließend festhalten, daß diese Tagebuchaufzeichnungen für mich in Bezug auf den Prozess einer Erkrankung und später eines Sterbens unergiebig waren, zu exaltiert, wie der Betroffene seine Erkrankung wahrnimmt, zu fremd für mich. Für jeden jedoch, der sich für die Person Schlingensief interessiert, ist dieses Buch eine Fundgrube: viel erfährt man über das Verhältnis zu den Eltern, insbesondere dem Vater, auch seine Religiosität spielt eine große Rolle, hin und wieder wird auch das Verhältnis zu auch Berufskollegen und dem Theaterwesen angesprochen.

Christoph Schlingensief
So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!
Tagebuch einer Krebserkrankung
diese Ausgabe: Kiepenheuer & Witsch, HC, ca. 255 S., 2009

[1] Wiki-Artikel zu Schlingensief: http://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Schlingensief;
Bild: By Manfred Werner – Tsui (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons
[2] Im Jahr 2010 wurde das Projekt Wirklichkeit, im Februar war Grundsteinlegung in Burkina Faso:  http://www.operndorf-afrika.de
[3] Wolgang Herrndorf: Arbeit und Struktur;  https://radiergummi.wordpress.com/2014/02/04/wolfgang-herrndorf-arbeit-und-struktur/
[4] siehe hier: http://www.schlingensief.com/projekt.php?id=b001
[5] Christopher Schmidt von der Süddeutschen versteigt sich sogar auf die Meinung, dieses Buch sei eine „der wichtigsten Neuerscheinungen des Frühjahrs“ (2009). Was liest der Mann sonst? Briefmarkenkataloge? zitiert  nach:  http://www.perlentaucher.de/buch/christoph-schlingensief/so-schoen-wie-hier-kanns-im-himmel-gar-nicht-sein.html

mehr Buchbesprechungen zum Thema: Tod, Sterben, Krankheit im Themenblog:  http://mynfs.wordpress.com

 

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12 Kommentare zu „Christoph Schlingensief: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    1. die besprechung in der fr ist auch nicht begeistert (kann man auszugsweise bei perlentauchers lesen siehe [5]). aber eine besprechung sagt ja nicht unbedingt etwas über ein buch oder einen leser aus, sondern manchmal mehr über die beziehung der beiden. vllt ist es in diesem fall so, die art und das auftreten des autoren waren noch nie meine sache gewesen…. ;-)

      … und vllt spielt bei den vielen guten besprechungen auch ein kleiner bonus des namens wegen mit. ein völlig unbekannter autor hätte mit dem buch vllt anders abgeschnitten… ;-)

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  1. Habe noch einmal deine Rezension zu Herrndorfs „Arbeit und Struktur“ gelesen. Wahrscheinlich ist es wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen, aber mir drängt sich die Frage auf warum Herrndorf dich sehr viel mehr erreichte. Auch mich hat das Buch sehr berührt. Naja es hilft wohl nichts-ich setz Schlingensief auf meinen „noch zu lesen „Stapel. LG Xeniana

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    1. liebe xeniana, ich denke schon den ganzen tag über diese frage nach. habe ich eine antwort gefunden? ich bin mir nicht sicher… Herrndorf… bei ihm gewann ich das gefühl, daß er erfasst hatte, was diese krankheit (möglicherweise) für ihn bedeutet, daß fortan jeder tag wichtig geworden ist für ihn. er begab sich an die arbeit, weil er noch was zu sagen hatte, fertig werden wollte, dies auch hinterlassen wollte. bei schlingensief hatte ich eher das gefühl, daß er zwar auch pläne schmiedete (und nachher ja wohl auch umsetzte, aber das war dann nicht mehr thema des buches), aber im wesentlich doch auf wirkung aus war. für ihn schien mir die krankheit – nicht ausschließlich, aber auch – spielmaterial zu sein, mit das künstlerisch zu verarbeiten sich anbot. einige dieser zitate, die ich in meiner besprechung gebracht habe (tendentiell, ich gebe es zu) stoßen mich geradezu ab: „Ich huldige nicht nur mir!“ was für ein arrogantes, überhebliches statement, wie gnädig er doch ist, auch andere anzuerkennen! ich möchte es so sagen: bei einem charakter wie schlingensief würde ich es mir sehr überlegen, ob ich eine begleitung annehmen würde….

      danke für deine frage, sie hat mich – wie geschreibt – noch einmal zum nachdenken gebracht!

      liebe grüße
      fs

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  2. Guten Morgen, lieber Flattersatz,

    wie emotional unterschiedlich man doch Bücher empfindet: mich hat der Schlingensief viel mehr berührt in seiner Trotzigkeit, seines Selbstmitleides, das als Begleiterscheinung einer solchen Krankheit für mich immer entschuldbar ist. Seine geradezu kindliche Abrechnung mit Gott, die doch nur Spiegelbild seiner Hilflosigkeit ist.
    Dann, wie Sie es oben auch schon erwähnten: er ist Theatermensch, auf Außenwirkung bedacht , er will auch im Angesichts des Todes auf der Bühne stehen und schreibt dann eben so theatralische Sätze wie „Ich huldige nicht nur mir“ ,
    Herrndorf huldigt in seinem Buch auch nur sich selber und mich haben z.B. seine Aufzeichnungen meistens emotional kalt gelassen, mir fehlte die menschliche Wärme, trotz der Tränenströme, die auch dort zuhauf flossen.
    Ein Vergleich dieser beiden ist schon deswegen eigentlich gar nicht möglich, weil die Krebserkrankungen so unterschiedlich waren: Lungenkrebs bei klarem Verstand und Gehirntumor mit zerstörtem Verstand (ein großer Teil der Aufzeichnungen vom Herrndorf hat ja die Passig für ihn verfaßt und vor allem lektoriert und ihre Härte spürt man in diesem Buch, vlt. ist es das, was mich stört, weil ich den leisen Verdacht habe, daß sie solche Sätze wie beim Schlingensief gar nicht für die Veröffentlichung zugelassen hätte).

    Selbstzeugnisse von Menschen, die dem Tode ausgeliefert sind, dürfte man eigentlich gar nicht rezensieren…., doch die Vermarktung will es so.

    Liebe nachdenkliche Karfreitagsgrüße von mir an Sie

    Karin

    .

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    1. liebe karin,

      sie sprechen mit ihrem letzten satz eine frage an, die ich mir auch oft stelle, gerade bei schlingensief gestellt habe: darf man solche bücher, die im angesicht oder zumindest in der ahnung des eigenen todes geschrieben wurden, rezensieren?

      ich denke, das wird sie jetzt nicht überraschen, ja, das darf man. es wäre naiv anzunehmen, man habe zu solch einem buch, seinem inhalt, der art, wie es geschrieben ist, keine meinung, davon keinen eindruck. natürlich hat man den und damit auch eine persönliche beziehung dazu und wenn es nur eine „digitale“ ist: gefällt mir oder gefällt mir nicht. über solche meinungsäußerungen (mein blog heißt ja „aus.gelesen – Buchvorstellungen: Gedanken und Reflektionen“, meint: ich schreibe nicht so sehr über bücher als vielmehr über meine gedanken dazu) kommt man zur diskussion und somit zum erkenntniszuwachs. so war mir die tatsache z.b., daß bei herrndorf ja u.u. vieles von der passig war, nicht so klar bewusst, wie sie das jetzt schreiben.

      wovor man sich hüten sollte, denke ich, sind urteile. ich persönlich komme mit der art schlingensiefs nicht klar, das ist aber kein urteil über diesen menschen, es ist einfach nur eine feststellung. auch im richtigen leben habe ich die pflicht, begleitungen abzulehnen, wenn mir der mensch, den ich zu begleiten hätte, unsympathisch ist. daher ist alles, was sich anmasst, mit „falsch“, „richtig“, „hätte besser“ etc zu argumentieren, sehr kritisch zu betrachten: jeder stirbt seinen eigenen tod, auf den er sein recht hat. was, denke ich, erlaubt ist, ist das wahrnehmen dessen was geschieht, das einordnen und das erwägen von alternativen möglichkeiten im sinne von angeboten und handlungsalternativen.

      ach ja, ein passendes thema für karfreitag…. ;-)

      seien sie herzlichst gegrüße, liebe karin!
      fs

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  3. Lieber Herr Flattersatz,

    ich habe dieses Buch ganz anders gelesen. Das, was Sie schreiben, sehe ich ähnlich. Aber ich interpretiere es ganz und gar anders. Schlingensiefs Beharren darauf, dass jemand „Schuld“ haben müsse, ist so menschlich! Angesichts des fassungslosen Entsetzens, quasi zu Beginn des Aus-dem-Leben-gerissen-Werdens zu stehen, ist für viele Menschen gar nicht anders zu ertragen, als eine Schuld (oder besser: eine Ursache!) zu suchen und zu finden. Wie anders sollte man diese Absurdität ertragen?

    Und ich sehe auch keinen Gottes- oder Glaubensverlust, ich sehe ein Ringen um Gott. Ich habe viele autobiographische Bücher zum Thema Leid, Sterben, Tod gelesen, aber selten wurde so oft von „Gott“ in ihnen gesprochen wie im Buch von Schlingensief.

    Mich hat dieses Ringen berührt, aber auch diese Fassungslosigkeit: „Die Vorstellung, dass diese Welt gelöscht sein wird, dass die geliebten Menschen weg sein werden, dass man all die Schönheit dieser Erde nicht mehr sehen wird, ist einfach kaum zu ertragen.“ (Seite 231 der Taschenbuchausgabe). Genauso habe ich es in einer ähnlich existentiellen Situation auch empfunden.

    Einen lieben Gruss

    Der Waldler

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    1. lieber herr waldler, herzlichen dank für ihren kommentar, auch und gerade, weil sie eine andere meinung zu diesem buch und seinem autor gewonnen haben, wie ich. leider kann ich nicht mehr wirklich diskutieren, das buch (die besprechung ist ja aus dem jahr 2014) ist mir nicht mehr so präsent, als daß dies sinnvoll wäre.

      seien sie mir also nicht böse, daß ich ihnen nicht ausführlicher antworte, obwohl die frage nach schuld und/oder ursache einer erkrankung schon spannend ist…

      btw: ich kann zwar den wahrheitsgehalt nicht überprüfen, aber zu der weitverbreiteten meinung, schlingensief hätte nie geraucht, findet sich hier ein bild, das dem widerspricht. man muss also nicht unbedingt wagner bemühen, um eine mögliche ursache zu benennen. das wäre auch ein schöner einstieg in das thema ‚verdrängung’…

      herzliche grüße

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