Hanns-Josef Ortheil: Liebesnähe

26. Dezember 2013

Ortheil ist auf diesem Blog ist kein Unbekannter, ich habe hier schon einige seiner Bücher besprochen, zuletzt seinen autobiographischer Roman „Die Erfindung des Lebens“ [1]. Jetzt also „Liebenähe„, ein Liebesroman der besonderen Art, der weitgehend ohne Handlung auskommt, sondern der sich im Wesentlichen der Form widmet und dieser alles unterordnet.

Aber schauen wir im Einzelnen….

Johannes Kirchner ist Schriftsteller, momentan mit Schreibblockade und immer noch sehr unter dem Tod der geliebten Mutter leidend, wie wir im Verlauf des Buches erfahren werden. Er reist über das Wochenende in ein ihm bekanntes Hotel im Alpenvorland, es muss ein besseres Haus sein. Eine Bekannte aus München, die dort einen kleine Buchhandlung betrieben hatte, ist in diesem Hotel [6] und führt dort die hoteleigenen Buchhandlung. Auch sie, Katharina mit Namen, betrauert noch einen geliebten Menschen, ihren Mann Georg. Die beiden sind in einem sehr vertraulichen Verhältnis, fast könnte man es als Mutter/Sohn-Beziehung beschreiben.

Nach der Ankunft und der Begrüßung setzt sich Johannes (er wird fast nur mit Vornamen genannt) auf eine Bank in der weitläufigen Hotelanlage. Im Pool, den er von dort sehen kann, schwimmt eine junge Frau eine Bahn nach der anderen, kraftvoll, elegant, ausdauernd – faszinieren. Wer ist diese Schwimmerin?. So schreibt Johannes, der die Angewohnheit hat, viele Notizen zu machen, auf einen Zettel, den Zettel deponiert er an auffälliger Stelle an der Bank, auf der er sitzt – wo er, wie dem Schicksal überlassen, von der jungen Frau auf dem Rückweg ins Hotel gefunden wird.

Was sich nun entwickelt ist unschwer zu erraten. Dem ersten anonymen „Kontakt“ folgen weitere, zumal auch zwischen dieser jungen Frau, Jule Danner, und Katharina ein inniges Verhältnis herrscht, das die nun folgenden Vorgänge katalysiert. Das verlängerte Wochenend der beiden (sie bleiben drei Nächte) findet seinen Höhepunkt dann mit einer Szene, die Ortheil uns wie folgt vermittelt: „… zum letzten Mal die uralten Bilder: Wie die Drapierungen der Kleider und Decken sich schließlich öffnen und die Unterleiber sich wie gescheckte Lemuren aus dieser Öffnung herausschälen, um das Spiel zu vollenden.„.. „… Unterleiber .. wie gescheckte Lemuren…“ zum Teufel: was will uns denn der Dichter damit sagen?? Wenn ich mir – auf Erleuchtung hoffend – einen Lemurenclip bei youtube [3] ansehe – also, das macht mich auch nicht schlauer…

Ortheil hat dem Roman eine sehr knappe Nachbemerkung beigefügt, in der er sein Buch bzw. dessen Inhalt in die Tradition eines bestimmen japanischen Liebesrituals stellt: „iroke„, ein Ritual mit „verhaltener Sinnlichkeit und nuancierter Erotik“ [2]. So kommt – neben anderen altjapanischen Schriftwerken – dem „Kopfkissenbuch“ [4] der Dame Sei Shōnagon, einem der frühesten und bedeutendsten japanischen Prosawerke, eine herausragende Bedeutung in dem Roman zu. Wie ein Handlungsfaden zieht es sich durch den Roman, denn Jule, eine Künstlerin, versucht im Rahmen eines Kunstprojektes eben dieses Buch szenisch umzusetzen.

Die privaten Wohnhäuser der Edelleute bestanden aus sechs Gebäuden, die miteinander durch Gänge verbunden waren. Sie lagen in Gärten, die mit besonderer Sorgfalt angelegt und gepflegt wurden. Edelmann und Edelfrau hatten ein feines Gefühl für Naturschönheit. Sie gingen oft ins Freie, um sich in die Stimmung der Landschaft zu vertiefen und die eigene Art der verschiedenen Jahreszeiten zu genießen Naturempfinden und eigenes Erleben waren untrennbar verbunden…“ [5] So beschreiben in einem anderen berühmten japanischen Werk dieser Zeit die Bearbeiter die Stimmung der damaligen Heian-Zeit (in einer bestimmten sozialen Schichtung natürlich nur). Ortheil überträgt diese Arrangements in die Jetztzeit, anstatt der Gebäude der Edelleute hat er ein Hotel der Oberklasse gewählt [6] und die Rollen von Edelmann und Edelfrau nehmen unsere drei Protagonisten, vor allem aber Johannes und Jule ein.

Ortheil schwelgt folgerichtig in Naturbeschreibungen, wird nicht müde, die Schönheiten der Landschaft zu beschreiben, die sich forpflanzen in die Regungen der Seelen. Selbst die Garten- bzw. Parklandschaft um das Hotel herum entspricht diesem altjapanischen Arrangement, sie wurde von einem Gärtner aus innerer Leidenschaft geschaffen, dessen Haus steht nach seinem Tod leer – bis es Jule und im Gefolge Johannes für sich entdecken. Aus den labyrinthischen Gängen in die frugale Einfachheit einer Holzhütte….

Was sich im Roman abspielt, ist hochgradig artifiziell und hat mit dem „normalen“ Leben wenig zu tun. Betrachten wir zuerst mal zwei Dialoge, bei dem ersten dreht es sich um den Umzug in das besagte Gärtnerhaus, es ist ein kurzer Dialog zwischen Katharina und Jule: „Und heute Nacht wirst du den Raum weiter einrichten?“ -„Ja, heute Nacht werde ich den Raum einrichten, dann kann ich ihn morgen bewohnen.“ – “ Dann wird dieser Raum Teil Deines Projekts.“-„Richtig, er wird der zentrale Raum meines Projekts, Du wirst sehen.“ – “ Komm, lass uns etwas von dem wohltuenden, eiskalten Wasser trinken, komm!“ .. und noch einmal die beiden: „Wie geht es dir, Jule? Hast du gut geschlafen?“ – „Ja, ich habe sehr gut geschlafen, und ich bin schon seit einigen Stunden auf, ich habe nämlich bereist gearbeitet.“ – „Gearbeitet? Geht es um dein neues Projekt?“ – „Ja, darum geht es, es geht um ein großes Projekt für meine nächste Ausstellung, und es geht um eine Projekt, zu dem Du mich inspiriert hast.“ – „Ich?! Ich habe dich inspiriert? Davon musst du mir erzählen, na los, erzähl mir davon!“ Man sieht, es wird hier alles geechot, was der Vorredner erzählt hat und zum guten Ende gibt die Sprecherin sogar ihr eigenes Echo… so redet man nicht im Alltag, selbst in so einem Haus nicht…

Rosa Centifolia

Ortheil hat seine Protagonisten aus der Zeit und aus dem Raum genommen. Zwar läßt er sie in der vorgegebenen Kulisse agieren und diese Kulisse ist für sie sehr wichtig, die Bedeutung jedoch liegt nicht im Hier und Jetzt. Bedeutung erhält sie durch das „Kopfkissenbuch“ der Dame Sei Shōnagon, in dessen Geist die Protagonisten agieren. iroke ist subtil, es ist ein Ritual der Sehnsucht, der Einfühlung, der Imagination. Es verzichtet auf laute, offensichtliche, es kommuniziert in Andeutungen.. es ist daher folgerichtig, daß unsere beiden Lemuren in spe nicht miteinander reden, sie wechseln kein Wort miteinander, selbst wenn sie sich auf ihre Spaziergängen, die sie getrennt unternehmen, dann doch treffen. Stille, Schweigen, Blicke in die Augen, das Öffnen der Seelen, Handeln im Geiste des Gegenübers…. kryptische Botschaften per Handy vermitteln Rendezvous, ins Zimmer geschmuggelte Notizen knüpfen die Bande eng und enger. So artifiziell und künstlich das Verhalten der beiden, daß ich mich irgendwann fragte, ob die überhaupt noch wissen, was z.B. Achselschweiß ist… in der Welt, in der sie in „Liebesnähe“ agieren, jedenfalls nicht, obwohl Gerüche auch hier eine große Rolle spielen. Und über allem schwebt der Geist des Zen, des Einfachen, Reduzierten…. Zen und altjapanische Musik….

Die Musik, sie ist für Ortheil, der beinahe ja Konzertpianist geworden wäre, wichtig, sie ist das zweite konstituierende Element des Buches, die Duette aus den Opern Mozarts sind sein Vorbild. Dessen Figuren wird im ersten Schritt das Alltägliche und Periphere genommen und nach ihren Empfindungen gefragt, dann wird diese Befragung auf den Gegenüber ausgeweitet und im letzten Schritt lauschen beide, wie diese Befragung auf den jeweiligen Kern zustoßen, der nur noch Liebe ist und Liebesnähe: „Ein Dreischritt, der Dreischritt der allmählichen Offenbarung – die Annäherung, die Nähe, die Liebesnähe!“ So heißen denn auch folgerichtig die drei großen Abschnitte des Romans…

Wenn man, so wie ich, erst vor einigen Wochen Ortheils „Die Erfindung des Lebens“ gelesen hat und kurz danach in „Lesehunger“ schaute, um es anzulesen, fällt beim Lesen von „Liebesnähe“ auf, das viele Details aus dem realen Leben des Autoren hier eingewoben sind. Katharina, die Mutterfigur, das Scharnier sozusagen, das die beiden Liebenden zusammengebracht hat: auch Ortheils Mutter hieß Katharina. War die eine Bibliothekarin, so führt die im Roman eine Buchhandlung. Sicherlich: auch Johannes und Hanns-Josef liegen rein klangmäßig nicht so weit auseinander… überhaupt weist Ortheil (nomen est omen?) dem Ort eine große Bedeutung zu, der Verortung [7]. Das Elternhaus im Westerwald – bei der Schilderung der Gärtnerhütte musste ich unwillkürlich an dieses Haus denken, daß für das Kind Ortheil zur Heimat wurde. Die Entrücktheit des Hotels als Schauplatz der Ereignisse: in der Stadt hätte Ortheil diese Ereignisse nicht so ablaufen lassen können, ungestört von anderen Menschen, die allenfalls als Hintergrundgeräusche beim Frühstück oder den Übertragungen der Spiele des FC Bayern auftauchen. Ansonsten sind die Hauptpersonen unter sich, eine Dreierbeziehung, die enger ist, als „Geliebter“ und „Geliebte“ ahnen.. Das Hotel als Gesamtheit, aber auch die jeweiligen Orte im Hotel, die zahllosen Schwimmbäder, die labyrinthischen Gänge, der Empfang, die Umgebung mit den majetstätischen Bergen, den romantischen Wegen, die sich wie Bänder durch die Landschaft schlängeln… und dann natürlich die Hütte des verstorbenen Gärtners, die Transformation vom Luxuriösen zum Einfachen, die sich widerspiegelt im Essen, das sie dort geniessen (wobei Ortheil, wie in anderen Romanen auch, reichlich Alkohol fließen läßt, angefangen vom Sekt zum Frühstück konsumieren unsere Beiden eine Menge Wein und Bier, ja, er läßt seinen Johannes sogar beschließen, kein Wasser mehr zu trinken….) und in der Liegestatt, die sie sich bereiten.

Und das Archiv: dieses Motiv des Archivierens, des Aufhebens, Bewahrens, es taucht immer wieder auf, ist wichtig für Ortheil und seine Figuren. Der Autor selbst archiviert mit Fleiß, wenn ich mich recht erinnere, hat er irgendwo gesagt, alle seine Ausführungen, Notizen, Zettel, die er auch als Junge gemacht, geschrieben hat, seien noch vorhanden. So auch hier seine Protagonisten: alle drei archivieren und bewahren, sehen darin die Möglichkeit, sich aktiv mit der Vergangenheit, ja, sogar mit dem Tod einer geliebten Person sich auseinandersetzen zu können. Archivieren bedeutet natürlich auch immer, das ist das janusköpfige daran, ein „Nicht“: nicht loslassen können, nicht nach vorne blicken, sondern in die Vergangenheit. Mit einem Archiv verzichtet man auf die Gnade des Vergessens und räumt dem Vergangenen unter Umständen unbillige Macht über sich selbst ein: das Archiv ist zum Mausoleum geworden. Mit diesem Aspekt ist der Roman auch ein Versuch über den Verlust, über die Trauer, über das Nicht-Loslassen-Können…

Ortheil kann schreiben, ohne jeden Zweifel, gut schreiben. Damit fängt er einen immer wieder ein, ich greife ja auch immer wieder zu seinen Romanen. Überraschen kann er weniger mit seinen Bücher, sie ähnlich sich in ihrer Art, in der der Autor genau und zum Teil bis hin zum Peniblen Situationen und Gefühlswelten analysiert und schildert. Szenisches, Handlungen sind seine Sache sowieso nicht, beinahe schon träge wie ein breiter (Erzähl)Strom kann man sich von den Texten mittreiben lassen, stilistische Stromschnellen und Aufreger sind nicht zu erwarten. Liebesnähe bleibt bei aller Kunstfertigkeit  des Autoren blutleer, zu künstlich, zu wenig nachvollziehbar die Situation, in die Ortheil seine Figuren stellt, zu fremd, zu abgehoben deren Agieren. Praktisch nie war mir eine Identifikation, ein Einfühlen mit ihnen möglich, sie erschienen mir wie Wesen aus einer anderen Zeit, die der Zufall in die unsrige verschlagen hat. Das große Gefühl, die Liebesnähe, die sich zwischen ihnen zeigt, hat sich jedenfalls nie (und wenn, dann nur auf der kognitiven Ebene) bis zu mir durchgeschlagen, immer die drohende Frage im Hintergrund: was passiert, wenn die beiden zum ersten Mal den Mund aufmachen und miteinander reden. Und was überhaupt? So reflektiv, wie der Autor die beiden handeln läßt, stelle ich mir das nicht einfach vor…

Ahnt ihr es? Der Roman hat mir nicht sonderlich gefallen, es tut mir leid, daß ich zu keinem anderen Resümee kommen kann…..

Links und Anmerkungen:

[1] Bücher von Ortheil hier im Blog:
Die Nacht des Don Juan
Die große Liebe
Die geheimen Stunden der Nacht
Die Erfindung des Lebens
[2] zum japanischen Begriff „iroke“ habe ich nicht allzuviel gefunden, diese Textstelle trifft in etwas das, was Ortheil wohl meint: „Dalby lists specific moments and situations, expressing irokeas: “one strand of hair loose in an otherwise perfect coiffure”; “the sidelong glance, exchanged without a word, between a man and a woman”; and “playing the shamisen with the fingernail instead of the large ivory plectrum” (ibid). These examples show that the essence of irokeis understated. It is detectable with one’s senses, not only through the senses of seeing and hearing but also touching, smelling, and feeling along with the moving air. This sensibility is too complicated and abstract to define in a single word. Still, sociologist Yuko Tanaka stresses that irokeis one of the important aesthetical concepts that specifically developed out of geisha’s ozashikiculture, and geisha’s arts cannot be understood without knowing this concept “ aus: Yuko Eguchi: Forbidden Sensuality: The Art of the Geisha, http://aris.ss.uci.edu/rgarfias/courses/japan/Eguchi_Yuko_SEM_Presentation_edit.pdf
[3] z.B. den hier über Tanzende Lemuren auf Madagaskar…. http://youtu.be/64FP3bDr8_U
[4] Wiki-Artikel zum Kopfkissenbuch: http://de.wikipedia.org/wiki/Kopfkissenbuch
[5] Satoshi Tsukadoshi, Tadayoshi Inaizumi, Max Niehans: Erläuterungen zum „Kagero Nikki“ (Tagebuch einer japanischen Edelfrau ums Jahr 980, zitiert nach: Ullstein TB, 1981
[6] Webseite des Hotels, das als Vorlage für die Unterkunft der Protagonisten diente: http://www.schloss-elmau.de/index.html
[
7] in seinem Buch „Lesehunger“ läßt er sich ausführlich darüber aus

Hanns-Josef Ortheil
Liebesnähe
diese Ausgabe: btb, 400 S., 2013

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11 Responses to “Hanns-Josef Ortheil: Liebesnähe”


  1. Bezüglich „iroke“ fällt mir „Hikikomori“ ein, ein Roman, den einer seiner Studenten und mittlerweile ebenso Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim geschrieben hat: Kevin Kuhn (http://de.wikipedia.org/wiki/Kevin_Kuhn). Soweit ich weiß und meine mich erinnern zu können, war Ortheil am Lektorat beteiligt.

    Und zu den Landschaftsbeschreibungen: In diesem Semester bietet er sogar ein entsprechendes Seminar an ;)

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  2. Liebesnähe war mein erster Ortheil und ich war positiv überrascht!

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  3. tinsch Says:

    Flattersatz, ich habe es ganz genau so empfunden. „Die Erfindung des Lebens“ und „Lesehunger“ , die beiden Bücher waren so gut, dass mich die dann folgende Lektüre von „Liebesnähe“ total enttäuscht hat. Ich fühlte mich so gar nicht gepackt oder begeistert. „Blutleer“ trifft es wahrscheinlich ganz gut.

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  4. Karin Says:

    in nicht autobiographischen Romanen ist sein Stil etwas „altertümlich“ (blutleer trifft es auch), seine Romane „Im Licht der Lagune“ und „Faustinas Küsse“ habe ich gern gelesen, da ist noch Spannung in der Handlung, in „Die große Liebe“ ließ das schon merklich nach . Als Dozent, der Lesegelüste weckt, so wie im Lesehunger, ist er unübertroffen, da wäre ich gern wöchentlich zu Gast in seinem Gartenhäuschen.
    Man(n)/Frau braucht Geduld bei ihm -:)))

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    • flattersatz Says:

      liebe karin, ich habe gerade schon bei atalante geantwortet, ihnen könnte ich dasgleiche schreiben: es ist einfach irgendwann immer dasselbe, was er schreibt, dieselben stimmungen, bilder und szenen…. ich hatte die große liebe relativ früh gelesen, da ist mir das noch nicht so aufgefallen, als empfehlung für meinen lesekreis bin ich dann damit schon baden gegangen, auch mir selbst kam das zweitlesen dann schal vor… na ja, der trost ist: es gibt gottseidank ja auch noch andere autoren, man ist als leser nicht auf ortheilsches schriftgut angewiesen. ;-)

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  5. atalante Says:

    Mir ging es mit diesem Ortheil ähnlich wie Dir. Manches hat mir gefallen, vieles fand ich reichlich albern. Deshalb ist der Roman auf meinen Blog ausnahmsweise in beiden Kategorien „Verrisse“ und „Lob“ gelandet.
    Das Buch ist mir zu eitel, man spürt auf jeder Seite „The artist ist present“ und der findet sich ganz toll. Das sage ich mit Bedauern, denn ich war eine ganze Zeit lang ein großer Ortheil-Fan. Von seinen neueren Romanen hat mir noch „Die Erfindung des Lebens“ gut gefallen, wenn auch mit Einschränkungen und „Die Moselreise“, die ja genau genommen kein neues Buch sein soll.
    Seine frühen Werke finde ich besser, z.B. „Hecke“, was ebenfalls biographisch ist und durchaus als Ergänzung zur „Erfindung“ gelesen werden kann.
    Tja, und dann habe ich bei Erscheinen auch in sein neuestes Buch „Das Kind, das nicht fragte“ geblickt. Was soll ich sagen, dort begegnete ich ziemlich bald einer Szene, die ich schon aus „Liebesnähe“ kannte, ein Mann ordnet bei Ankunft in einem Hotelzimmer seine Siebensachen penibel auf einem Tisch und nimmt mit sensorischen Feingefühl ein von einem Weibe gereichtes Getränk. Das Buch habe ich darauf zugeklappt. Das Leben ist einfach zu kurz um schlechte Bücher zu lesen.
    In diesem Sinne wünsche ich Dir ein gutes neues Jahr. Mögest Du noch lange nicht ausgelesen haben.

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    • flattersatz Says:

      „„The artist ist present“ und der findet sich ganz toll.“ sehr schön festgestellt und festgehalten, liebe atalantes! Manchmal denke ich, Ortheil ruht sich mit und auf dem aus, was er schon geschaffen hat, recycelt es in immer wieder neuen romanen, die aber letztlich abgestanden wirken, weil man alles schon mal gelesen hat und er auch immer wieder dieselben werkzeuge aus seiner schreibwerkstatt einsetzt…. aber wer bin ich schon, das zu beurteilen? nur ein kleiner, unbedeutender leser…. ;-)
      der „lesehunger“ liegt noch auf meiner ablage, vulgo: sub, mal schauen, vorerst ist sicher noch das eine oder andere buch dran…. und von der anschaffung weiterer ortheil-bücher sehe ich erst einmal ab.

      auch ich wünsche dir ein gutes jahr, ein lesefreudiges jahr (sprich: ein ortheilfreies… *lol*) und eins, an dem die sonnigen tage die trüben überwiegen..

      lg
      fs

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