Sylvia Plath: Die Glasglocke

9. Juli 2013

„Die Glasglocke“ von Sylvia Plath, 1963 (dem Todesjahr der Autorin) erstveröffentlicht, gehört sicherlich zu den Büchern, die jeder, der sich ein wenig für Literatur interessiert, kennt, auch wenn er den Titel vielleicht (noch) gar nicht gelesen hat, so wie es mir ja auch bis vor ein paar Tagen erging. Sylvia Plath hat sich eigentlich eher als Lyrikerin in der Öffentlichkeit gezeigt, „Die Glasglocke“ ist der einzige Roman, den sie veröffentlich hat. Richtig bekannt geworden ist dieses Buch andererseits wohl erst durch den tragischen Tod der Autorin, die Suizid verübt hat. Damit bekommt das Buch selbst eine ganz andere Dimension, denn man es sehen als ein Werk, daß – neben anderen Bedeutungsebenen – vor allem die Psyche eines Menschen durchleuchtet, der immer konsequenter auf einen Suizuid hinsteuert: die Protagonistin des Buches, Esther Greenwood, gleitet im Verlauf der Handlung immer tiefer in den verengenden Trichter der Wahrnehmung, der für einen Suizidalen den von eigener Hand herbeigeführten Tod als einzigen Ausweg, als Erlösung erscheinen läßt. Daß „Die Glasglocke“ ebenso noch andere stark autobiographische Elemente enthält, ist an anderer Stelle übersichtlich dargestellt, wer dies genauer wissen möchte, sei dorthin verwiesen [1].

Über diese autobiographischen [7] Züge hinausgehend ist das Buch aber auch für die damalige Zeit prägend gewesen, fand man darin doch in gesellschaftskritischen Kreisen durch die Beschreibung der Zerrissenheit und Oberflächlichkeit der amerikanischen Kultur ein gleichgesinntes Stück Literatur. „… the Plath legend (not to mention the Plath legion) still looms so large in our collective unconsciousness that this one seems by far the most essential to a modern reader’s repertoire.“ formuliert dies sehr deutlich [2]

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß die Autorin verheiratet war mit Ted Hughes, einem britischen Lyriker und Schriftsteller, dessen Kinderbuch „Der Rüssel“ ich hier im Blog vor kurzem vorgestellt habe.

„Die Glasglocke“ ist ein recht schmales Büchlein, ein Roman, dessen Handlung im Jahr 1953 angesiedelt ist. Das Datum wird nicht ausdrücklich genannt, ist aber wegen der mehrmaligen Erwähnung der Hinrichtung der Rosenbergs [3] eindeutig. Die junge Esther Greenwood ist mit elf anderen jungen Damen in New York in einem Frauen vorbehaltenen Hotel untergebracht. Die zwölf jungen Frauen sind Preisträgerinnen eines Schreibwettbewerbs, die für einen Monat in New York sind, um in der Redaktion eines Modejournals zu hospitieren und so die Arbeit dort kennen zu lernen. Esthers Leben ist bis zu diesem Zeitpunkt durchaus erfolgreich verlaufen, sie ist intelligent, hübsch, hat gute Noten, entweder durch Fleiß und Können, oder – sie scheut sich nicht, ihre Lehrer um den Finger zu wickeln – durch Chuzpe.

Sie ist das erste Mal in NY, ansonsten lebt sie mit ihrer Mutter in der Provinz, der Vater verstarb, als sie ca. 10 Jahre alt war. Buddy Willard, ein junger Mann, den sie von Kindesbeinen an kennt, bemüht sich um sie, aber es ist kompliziert… im Moment liegt er, den Esther nach einem prägenden Erlebnis als Heuchler bezeichnet, in einem Sanatorium wegen seiner Tbc.

Das ist in etwa die Ausgangssituation.

plath-feige
Aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen verändert sich Esther. Sie wird ungewohnt lustlos, hat an den Veranstaltungen, zu denen sie im Rahmen des Programms eingeladen wird, keine Spaß, sie liegt stundenlang antriebslos auf dem Bett, es fällt ihr immer schwerer, auch nur kleine Entscheidungen zu treffen. Sie denkt an einen Feigenbaum, dessen Äste sich vielfach verzweigen und an jedem Zweig hängt eine Feige aber welchen Zweig soll sie wählen? Sobald sie sich auf einen festlegt, sind alle anderen unmöglich geworden und für sie verloren…. Sinnlosigkeit macht sich breit, warum sich zum Beispiel heute waschen, wenn man sich doch morgen sowieso wieder waschen muss…

Die Mädels nehmen an einen Shooting eines Food-Journals teil, mit anschließendem Essen. Esther stopft Unmengen Kaviar in sich hinein, aber daran liegt es nicht, daß sie sich so wie alle anderen am Abend schon die Seele aus dem Leib kotzt: die Hummerfüllung der Avocados war verdorben…. Die Lebensmittelvergiftung der Mädchen ist schwer und heftig, aber Esther fühlt sich nachdem sie sich durch alle Körperöffnungen entleert hat, rein…. ein gutes Gefühl….

In dieser Phase ist Reinheit ein wichtiger Begriff für Esther. Nicht nur nimmt sie dieses Gefühl nach der Vergiftung positiv wahr, bei Buddy vermisst sie es. Er, den sie lange Jahre angehimmelt hat und der dann eines Tages um sie warb, antwortete auf Esthers Frage, ob er schon einmal mit einer Frau geschlafen habe, wahrheitsgemäß mit Ja, mehrfach sogar, aber immer nur mit dieser einen… Esther fühlt sich angelogen, betrogen, Buddy wurde für sie, die sie ihre Jungfräulichkeit aufgehoben hat, ausgerechnet durch seine Ehrlichkeit zum Heuchler. Sie will ihn nicht mehr, sie kann ihren Kindern einen solchen Vater nicht zumuten…

Mehrfach wird Esther von der Chefredakteurein ermahnt, ihre Arbeit doch konzentrierter zu erledigen – allein, sie schafft es nicht. Eine Zeit lang tut sie sich mit der mondänen Doreen zusammen, aber diese findet einen Verehrer und Esther fühlt sich überflüssig in deren Gesellschaft, zumal sie mit dem Freund von Lenny, der Gesellschafter sein soll für sie, nichts anfangen kann. Überhaupt sind ihre Bekanntschaften mit Männern nicht einfach… Buddy stuft sie als Heuchler ein, Constantin, einen Dolmetscher bei der UN, möchte zwar mit ihr ausgehen, läßt sie aber ansonsten unberührt… bei einer anderen Gelegenheit entgeht sie nur knapp einer Vergewaltigung… Erinnerungsfetzen treiben durch ihr Gedächtnis an ihre Familie, an die Zeit, in der ihr Vater noch lebte.. an das Hausfrauendasein ihrer Mutter, das so wenig attraktiv erscheint..

Wieder zu Hause wird Esther immer wunderlicher und seltsamer, fühlt sich beobachtet, schließt sich immer länger in ihr Zimmer ein… der Gedanke an den Tod, an das Totsein wird lockender, wird attraktiver, anziehender, beherrscht immer mehr ihre Gedanken… aber wie? sie spielt verschiedene Möglichkeiten durch, aber alle haben Nachteile.. schon seinerzeit auf dem Skiausflug mit Buddy hat sie sich bei der rasenden Abfahrt nur das Bein gebrochen… Erschießen? an welcher Stelle das Gewehr ansetzen…. zu unsicher, vllt können einen die Ärzte noch retten und man überlebt mit entstelltem Gesicht… auch das Meer, in dessen blaue Tiefe sie sich beim Schwimmen fallen lassen wollte, hat sie einfach wieder ausgespuckt, nach oben getrieben… deprimiert schleicht sie mit einem Strick um den Hals durch die Wohnung, nirgends ein Haken, an dem sie sich hängen könnte und das eigenhändige Zuziehen klappt nicht, der Körper wehrt sich.. aus dem Fenster springen? Wie sicher ist das? .. die Rasierklinge (sie hat immer welche dabei) vermag sie nur an ihrem Bein zu nutzen, klebt die Wunde später mit Pflaster zu…[4]

Der Abstand zu sich selbst wird immer größer, in ihrem Spiegelbild sieht sie nicht mehr sich selbst, sondern sie vermeint, einem Chinesen oder bei anderer Gelegenheit einem Indianer in die Augen zu sehen.. es sind wirre Gedanken, die Esther in dieser Periode ihres Lebens durch den Kopf gehen, immer unlogischer, erratischer, seltsamer werden die Exkursionen ihres Geistes, immer unerträglicher die Last, zu leben…. dieser geistige Zerfall spiegelt sich im erschreckend eindrücklich im Text wieder, Plaths Esther in den Mund gelegte Überlegungen werden immer zwanghafter, was Plaths Sprache widerspiegelt. So wie sich z.B. im Spiegel nicht erkennt, scheint sie auch ihre Stimme, wenn sie auf z.B. Fragen antwortet, nicht sich selbst zuzuordnen: „Aber die hohle Stimme sagte…“. 

Ein Psychiater, an den sie überwiesen wird, kann ihr nicht helfen, im Gegenteil versucht sie ihn auszutricksen, in dem sie ihm nur ausgewählte, unschädliche Informationen über sich zur Verfügung stellt… sie wird in der Klinik des Arztes mit Elektroschocks behandelt… [5]

Immer wieder Erinnerungsfetzen an den toten Vater. Niemals scheint es die Zeit gegeben zu haben, Trauer zu zeigen… bis zum Tod des Vaters fühlte Esther sich glücklich, der Vater schien sehr schwer krank gewesen zu sein, die Mutter sagte, ihm sei viel erspart geblieben. Das Grab besucht Esther jetzt, nach vielen Jahren, anscheinend zum ersten Mal. Und zum ersten Mal weint sie, stellt sie sich dem Verlust und ihrer Trauer [6]. Wieviel Schäden mögen diese unterdrückte Verlusterfahrung, diese nie akzeptierte Trauer angerichtet haben…

Tabletten… Esther nimmt Tabletten, verkriecht sich in einem unterirdischen Kellerverschlag, wie in einem Grab liegt sie dort in der kühlen Erde. Aber sie wird gefunden und gerettet, kommt in Privatklinik, in der sie behandelt wird und sich ihr Zustand bessert. Gezahlt wird dies von ihrer früheren Gönnerin, von der sie seinerzeit eine Stipendium für den Collegebesuch erhalten hatte. Zu Dr. Nolan, der Ärztin, fasst sie Vertrauen, eine Krise gab es zwar, da auch Dr. Nolan Elektroschocks verordnete, diese aber – wie versprochen – bei weitem nicht so brutal und unmenschlich waren wie die von Dr. Gordon… Esther durchläuft die verschiedenen Stationen der Klinik bis hin zum Freigang nach draußen, die Wiederaufnahme in ihr College ist geregelt, sie muss nur noch die Ärztekommission davon überzeugen, daß sie entlassen werden kann….

***************************

Ist Esther geheilt, zumindest lebensfähig? Platz läßt dies letztlich offen, der Roman endet mit der Szene, wie Esther den  Raum, in dem die Kommission wartet, betritt… ich habe „letztlich“ geschrieben, denn vordergründig deutet vieles auf eine Heilung, zumindest eine wesentliche Verbesserung, hin: die Freundin Joan, der sie früher so nahe war, daß sie deren Gedanken und Gefühle als „verzerrtes schwarzes Abbild“ ihrer selbst sieht, ist tot (sie hatte sich aufgehängt) und damit symbolisch auch die verzerrten Gedanken. Plaths Text wird wieder logischer, mit mehr Fluss so wie Esther auch wieder die Fähigkeit zur Selbstreflektion zeigt, wieder logisch argumentiert und sich auch selbst akzeptiert und Zukunftspläne entwickelt….. jetzt, in dieser Phase, taucht der Begriff „Glasglocke“ auf, Esther verwendet ihn für den Zustand ihrer Isolation von den Menschen, von der Welt. Die Glasglocke hat sich gehoben, aber Esther weiß, daß sie sich jederzeit wieder senken kann…

An zwei Beispielen will ich zeigen, daß die Glasglocke ausser dieser tragischen Krankengeschichte weitere Bedeutungsebenen hat. Das erste ist das weiter oben erwähnte Shooting des Food-Journals. Hier werden Hochglanzbilder gemacht, eine glänzende, makellose Oberfläche wird geschaffen, schaut man aber hinter die Kulissen, sieht man, vielwiel Tricks und Hilfestellung notwendig ist, damit dieser Glanz nach aussen erzeugt werden kann. Und unter der Oberfläche? Dort lauert das Gift, dort ist Verderb, Verrottung, Verwesung…. Damit hat Plath ein sehr plastisches Bild für die amerikanische Gesellschaft geschaffen, die auf Aussenwirkung aus ist und unter der Fassade verdorben ist.

Als zweites Beispiel kann die Krankengeschichte der Esther Greenwood selbst dienen. Esther hat ja Glück, daß ihre Gönnerin sich für sie einsetzt und auch die Kosten für die Privatklinik übernimmt. Esthers Mutter könnte das nicht, die vorherigen Krankenhausaufenthalte haben die finanziellen Möglichkeiten erschöpft. Die Privatklinik ist schön, sie hat vielfältige Therapiemöglichkeiten und einige Annehmlichkeiten für die Patienten – aber sie ist denen vorbehalten, die Geld haben. Wer kein Geld hat (und dies empfindet Esther immer als permanente Bedrohung und Einschüchterung) muss in eine staatliche Einrichtung, wo er letztendlich nur weggesperrt und mit Elektroschocks behandelt wird…

**************************

„Die Glasglocke“ ist ein aufwühlender Roman. Die Gesellschaftskritik, die sicherlich umfangreicher ist als meine beiden Beispiele es zeigen, hat mich dabei weniger berührt als vielmehr die Tatsache, daß ich immer das Gefühl hatte, daß ich in Wirklichkeit nicht über Esther lese, sondern über Sylvia. Es gibt eine Szene im Buch, da wird das ganz deutlich: Esther setzt sich hin und will einen Roman schreiben und nennt ihre Heldin Elaine, ein Frauenname auch mit sechs Buchstaben so wie sich Sylvia hingesetzt und ihre Heldin Esther genannt hat… Das Buch ist 1963 veröffentlich worden, im gleichen Jahr hat sich Plath suizidiert – mit einer Methode, die sie hier im Buch nicht erwähnt hat. Alle Todesarten, die sie in der Glasglocke aufführte (zu Tode rasen, Erhängen, Erschiessen, Pulsadern durchschneiden, Ertrinken, Tabletten) funktionieren nicht oder wenigstens nicht sicher… Als Plath also diesen Roman geschrieben, gedacht hat, muss sie – das ist meine Überzeugung – ihren eigenen Tod schon vor Augen gehabt haben, vllt hat sie diesen Roman sogar als geistige Vorbereitung benutzt…. Spekulation, ich weiß… aber das ist es, was ich beim Lesen immer im Hintergrund dachte und was die Lektüre so intensiv machte.

**************************

Der Roman ist aus der Sicht Esthers geschrieben, wir sehen bzw. bekommen die Welt aus ihrem Blickwinkel beschrieben. Dadurch ist praktisch keine Distanz zu Esther vorhanden, was Ester fühlt, was sie sieht, was sie empfindet, schlägt direkt und unvermittelt auf den Leser durch. Plath versteht es sehr gut, ihre Sprache der zunehmenden Verwirrung und geistigen Abschweifung Esthers anzupassen, es tut fast körperlich weh, die selbstzerstörerischen Gedankengänge Esthers zu lesen, ihre Rationalisierungen, ihr Bemühen, den Spagat zwischen nicht aufzufallen und ihrer immer weiter wachsenden Teilnahmslosigkeit zu schaffen. Esther ist die Hauptperson des Romans, des Geschehens, alle anderen Figuren verblassen neben ihr, die als einzige im Mittelpunkt, im Zentrum der Glasglocke, die sich über sie gestülpt hat, existiert.

„Die Glasglocke“ ist ein großartiges Buch, ein erschreckendes Dokument auch, ein nachdenklich stimmendes – und auch ein einfühlsames, mitleidend machendes….

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Artikel zum Buch: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Glasglocke
[2] Emily Temple: The 50 Books Everyone Needs to Read, 1963-2013, flavorwire Jun 18, 2013
[3] Wike-Artikel zu den Rosenbergs: http://de.wikipedia.org/wiki/Ethel_und_Julius_Rosenberg
[4] es sind beim Lesen makaber wirkende Passagen, denn Sylvia Plath hat in der Tat ja eine ganz andere Methode gewählt, um aus dem Leben zu scheiden. So fühlt man sich in diesen Textteilen, als ob man direkt die Autorin in ihren eigenen Überlegungen beobachtet….
[5] Jack Nicholson hat seinerzeit sehr beeindruckend und deprimierend dargestellt, was das bedeutet: „Einer flog übers Kuckucksnest“: http://www.youtube.com/watch?v=kHPdtWvL3Mk
[6] Sylvia Plath hat ihren eigenen Vater, Otto Emil Plath, verloren als sie acht Jahre alt war. Die Krankengeschichte des Vaters klingt tragisch, die zu spät diagnostizierte Diabetis taucht auch in der Glasglocke zumindest indirekt auf, in dem Esther in einer der Kliniken mit Insulin gespritzt wird und stark zunimmt.
[7] im englischen Wiki-Beitrag zum Buch wird der Roman sogar als semi-autobiographisch eingeordnet: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Bell_Jar

Ich bedanke mich bei Karin für den Hinweis auf diesen Link zum Leben der Sylvia Plath in Cambridge:
http://ramblingbrother.com/2013/02/12/lady-lazarus-in-cambridge-sylvia-plath-und-ted-hughes/

last noch least eine offene Frage: In der Klinik wird Esther von einer der Krankenpflegerinnen mit „Lady Jane“ angeredet, ohne daß dafür ein Grund angegeben wird. Was könnte diese Benennung bedeuten? Zum einen gab es eine Lady Jane Grey, die 1553 für neun Tage Königin von England war und nach ihrer Absetzung konsequenterweise hingerichtet worden war. Diese Hinrichtung könnte ein Hinweis sein, aber ob die amerikanische Pflegerin soviel historische Kenntnisse hatte….? Andererseits ist der Begriffs „Lady Jane“ ein Euphemismus für das weibliche Geschlecht [http://www.definition-of.com/Lady%20Jane] (so wie entsprechend „John Thomas“ für das männliche, vgl. das Buch „Lady Jane und John Thomas“ von D.H. Lawrence, einer der Fassungen von Lady Chatterly). Vielleicht ließe sich auch auf dieser Schiene eine Interpretation dieser Benennung Esthers finden, denn auch ohne den literarischen Hintergrund kann einem der Euphemismus durchaus bekannt sein….

Sylvia Plath
Die Glasglocke
Übersetzt aus dem Englischen von Christion Grote
Originalausgabe: The Bell Jar, 1963 (unter dem Pseudonym Victoria Lucas)
diese Ausgabe: edition Suhrkamp: Im Jahrhundert der Frau, HC, ca. 234 S., 1987

Advertisements

6 Responses to “Sylvia Plath: Die Glasglocke”

  1. atalantes Says:

    Du hast Recht und machst mir ein schlechtes Gewissen, lieber Flattersatz, denn dieser Titel steht schon lange auf meiner Liste. In der Tat war es bisher die Thematik, die mich vom Lesen abhielt. Aber jetzt habe ich es ja schon mal, dank Dir, ein wenig vorverdaut.

    In letzter Zeit beschäftigen sich viele Romane mit diesem Thema, zum Großteil handelt es sich tatsächlich um Verarbeitungsliteratur, was ich nicht negativ meine. Mir fallen Selbstmord von Leve, Mängelexemplar von Sarah Kuttner und Drüberleben von Kathrin Weißling ein. Zum letzteren gibt es bei Mara eine Rezension und eine Betroffene hat mir dieses Buch ebenfalls empfohlen.
    Außerdem möchte ich zwei Graphic-Novels empfehlen, sie sind beide von Matthew Johnson, der ebenfalls unter Depression leidet. In „Mein schwarzer Hund“ schildert er seine Gefühle und seine Krankheit. In „Mit dem schwarzen Hund leben“ geht es darum, wie Angehörige und Freunde dies erleben und wie sie damit umgehen können. Beide beinhalten kaum Text, geben aber durch die zum Teil treffend amüsanten Bilder sehr gute Anstösse ins Gespräch zu kommen.
    Natürlich habe ich jetzt bei Wiki nachgelesen, welche Methode Plath wählte. Die Protagonistin in Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ hatte Ähnliches vor.

    Gefällt mir

    • flattersatz Says:

      jetzt war ich einen moment irritiert, da mir roches feuchtgebiete im zusammenhang mit depression und suizid nicht präsent waren, eins der wenigen bücher, durch das ich (um im titel zu bleiben) nicht bis zum ende gewatet bin…
      danke für deinen kommentar, liebe atalantes!
      die mängelexemplare stehen hier auch irgendwo im blog verborgen, die rezi bei mara werde ich mir anschauen. graphic novel… ist nicht so mein thema, ich habe schon seinerzeit keine oder kaum comics gelesen, so daß mir auch deren literaturisierte form fremd ist. der schwarze hund scheint mir aber ein passender titel zu sein, ein schönes bild ist für depressives…. es ist schwarz und es frißt einen auf….

      ich finde es prinzipiell gut, wenn sich eine öffentlichkeit bildet für krankheiten wie depression oder alzheimer. früher wurde depri häufig hinter harmlosen fassaden versteckt wie „ist ruhig, zurückgezogen, weint viel, ist traurig“, als krankheit, gegen die man auch was machen kann, wurde sie nur selten akzeptiert, und dann mit gesellschaftlichem makel. da hilft die verarbeitungsliteratur doch, einstellungen und ansichten zu verändern, akzeptanz hervorzurufen.

      Gefällt mir

  2. Bouquinesse Says:

    Da ich nicht immer nur mit kurzem Kommentar rebloggen möchte, und mir das Buch am Herzen liegt, schreibe ich heute eine kurze Notiz:
    „Die Glasglocke“ ist für mich eindeutig ein Buch für die schwereren Zeiten des Lebens. Das Ende lässt m.M.n. auf eine Besserung schließen, egal wie tief man in der Depression steckt. Mich hat es zwischendurch zuiefst berührt, aber am Ende eben mit einem gewissen Optimismus abschließen lassen.
    Ich leide zwar nicht an Depressionen, habe aber wie jeder auch Momente, in denen ich traurig und niedergeschlagen bin. Die Lektüre hat mir sehr geholfen.
    (Sehr schöne Rezension. Danke dafür.)

    Gefällt mir

    • flattersatz Says:

      liebe bouqinesse, herzlichen dank für deinen besuch!

      ja, sicher, das ende ist erst einmal optimistisch: die glasglocke hat sich gehoben, esther hat wieder kontakt mit dem leben. aber auch das wissen, daß sich die glocke wieder senken kann….
      jeder mensch ist mal traurig oder niedergeschlagen, mutlos oder auch deprimiert. das ist einfach so und es ist gut so, denn diese gefühle sind ein ventil, mit denen wir unsere seele reinigen von dem, was sie belastet. deswegen leiden wir aber bei weitem noch nicht unter einer depression, ich denke, diese gefahr ist erst dann gegeben, wenn sich mutlosigkeit etc verselbstständigen, unabhängig von einem anlass geworden sind… plath hat diese gefühle ja sehr klar beschrieben und du hast recht: daß man das erkennt, kann einem sehr helfen!

      lg
      fs

      Gefällt mir

  3. Karin Says:

    Lieber Flattersatz,

    ich möchte noch auf zwei Bücher aufmerksam machen, die sich sehr gut als Ergänzung eignen, um das Verhältnis Plath/Hughes zu verstehen.
    einmal die 1998 bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienene Biografie von Elisabeth Bronfen „Sylvia Plath“ und die ebenfalls 1998 beim selben Verlag veröffentlichten „Birthday Letters“ von Ted Hughes.
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-belletristik-sing-mir-ins-ohr-blutbisschen-11305424.html

    mit sonnigen Morgengrüßen
    Karin

    Gefällt mir

    • flattersatz Says:

      liebe karin,
      (wieder einmal) ein herzliches dankeschön für ihre buchtipps… die zeit, die zeit, der limitierende faktor.. es ist diese prinzipielle frage, gehe ich tief in ein thema hinein und versuche, es auszuleuchten oder begnüge ich mich mit dem herumhüpfen auf einer bunten, literarischen blumenwiese, aus der ich mir ein sträußchen meiner laune und stimmung entsprechend zusammenpflücke? meistens mach ich letzteres, ein wenig spielt auch das gefühl mit, etwas zu versäumen, wenn ich mich in ein thema ver“beiße“. anfang des jahres habe ich ja einiges im umkreis von feuchtwanger gelesen, da ist mir das so gegangen.. und ein buch über exilliteratur liegt auch noch im SuB und suppt da so vor sich hin. mittlerweile… ;-)
      aber ich merke mir alles, versprochen und fassen sie meine antwort bitte nicht so auf, daß sie keine buchtipps mehr geben! es soll nur einer erklärung sein, warum ich nicht allen nachgehe… ;-)
      liebe grüße
      fs

      Gefällt mir


... und deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: