Wilhelm Ruprecht Frieling: Der Ring des Nibelungen

7. Juni 2013

Ich bin kein Opernliebhaber, das kann ich nicht behaupten. Und auch eine Behauptung derart, ich wäre überhaupt ein Liebhaber von Musik triebe mir als bekennenden Video- und Audioverweigerer die Schamesröte ins Gesicht. Warum also und überhaupt dann auch noch gerade den „Ring der Nibelungen“, diese monumentale Werk, das jährlich in dekadenter Selbstzerfleischung auf den Hügeln Bayreuths zelebriert wird?

Nun, zum einen dem diffus begrifflichem der Allgemeinbildung wegen und zum anderen gehört der Autor Frieling aka Prinz Rupi zu den Blogfreunden, die mir schon seit vielen Jahren bekannt sind, in der schnelllebigen Internetzeit sind dies ja nicht viele… wohlan, schauen wir, ob das Werk gelingt!

Frieling jedenfalls unternimmt in dem kleinen Bändchen den Versuch, das komplexe Libretto des umfangreichen Klangwerks aus der verquasten Kunstsprache Wagners mit ihren vielen Stabreimen herunter zu brechen einerseits auf eine logisch nachvollziehbare Prosageschichte, den roten Faden gewissermaßen, der sich durch die Handlung zieht, andererseits ist es sein Anliegen, die Sprache der heute gebräuchlichen anzunähern, wobei er sich nicht scheut, auch hin und wieder „jungsprech“, meint Umgangssprache, zu verwenden.

Wohlan, Walküren, wie wird wohl des weisen Writers Werk wollbracht?

Aber bevor ich dies verrate – obwohl es schon etwas skurril ist, eine Zusammenfassung noch einmal zu einer Inhaltsübersicht zu straffen – noch einen kurzen Einblick in das, was mir im Hirne haften blieb von der Geschichte….

Ich hab´ den Vater Rhein in seinem Bett geseh´n, in seinem Bett, das Gold, das glänzte schön. Und wird bewacht von den drei Töchtern des Urvaters Rhein, die sich einen Spaß daraus machen, den Schwarzalben Alberich, den gnomigen Herrscher aus der Dunkelheit, der scharf wie Nachbars Lumpi darauf ist, die Girlies  .. (ich greif mal auf Gräfin Gloria zurück): zu schnackseln. Zwar gelingt ihm dies nicht (zu flink sind die glitschigen Mädels in ihrem feuchten Element für ihn), er sieht jedoch den Glanz des Goldes aus der Tiefe des Flusses glitzern, aus dem – so dessen Geheimnis – ein Ring geschmiedet werden kann, ein Ring der Macht verleiht, und zwar dem, der der Liebe abschwört (Fluch 1). Und in seinem Frust unterwirft sich der Schwarzalbe diesem Schwur um der Macht willen, die er gewinnt. Ein Verhalten, das auch in heutigen Zeiten nicht selten ist, für Geld, Gold und Macht wird das zwischenmenschliche nur zu leicht geopfert….

Alberich ist also der neue Besitzer des Goldes und er läßt seinen Bruder, den Schmiede Mime schmieden den Ring und eine Tarnkappe, die den Träger unsichtbar macht und ihm erlaubt, jede Gestalt anzunehmen und blitzschnell von einem Ort zum anderen zu gelangen. Der Gnom glaubt sich am Ziel… doch dann wäre der Ring des Niebelungen ja schon am Ende und das kann nicht sein….

So wie das Geschlecht der Schwarzalben in der Unterwelt, in Nibelheim, existiert, so leben die Weißalben unter Leitung des Göttervaters Wotan im Licht.. wie auch immer, Wotan erfährt von dem Gold und da sein Feind Alberich den Ring hat, sieht er sich und das Geschlecht der Götter (das muss man sich von Reich-Ranicki ausgesprochen vorstellen: den Mund etwas verziehen und dann mit Vervé: derrrr Göttterrrr) in Gefahr, außerdem schimpft Fricka, des Wotans Weib und wahre Herrscherin der Götterschar ihn des Leichtsinns, er muss etwas geschehen! Hurtig also schnappt er sich Kollegen Loge und besucht Alberich. Und in der Tat, sie schmeicheln ihm, sie schmieren ihn Honig um den Bart, sie stacheln seinen Ehrgeiz an und spielen Zäpfchen … aber dann: packen sie ihn, zerren ihm Kappe und Ring vom Leib, den Schatz nehmen sie naturalemente auch mit. Ein erneuter Fluch (Fluch 2), diesmal flucht der Alberich, bestimmt er doch düster und todesschwanger, daß der Träger des Rings fortan dem Untergang geweiht ist. uhaaa…..

Zu Hause erwartet Wotan Ungemach. Fasolt und Fafner, die beiden letzten des Geschlechts der Riesen sind mit ihrer Arbeit fertig, die nichts weniger war als der Bau des Götterburg Walhall. Sie wollen ihren vereinbarten Lohn holen, nämlich Freia, der Fricka schöne Schwester. Porca miseria! Na jedenfalls einigt man sich nach einigem Hin und Her darauf, anstelle der Dame den Schatz als Lohn zu geben – nur muss Freia dazu völlig vom Gold bedeckt sein. Man ahnt es und so kommt es: dieses Ansinnen gelingt nur, wenn auch Tarnkappe und Ring auf den Haufen geworfen werden. Ha! Wotan ist den Ring wieder los, Fafner (Fluch 2!) schlägt seinem Bruder erst einmal den Schädel ein, schleppt das Gold in eine Höhle und dank Tarnkappe wandelt bzw. hockt er fortan als Drache im Höhleneingang und bewacht den Schatz.

Tamtarata … Musik …. Frieling begnügt sich nämlich nicht mit einer reinen Inhaltsangabe, er erzählt auch von der Musik, die die Handlung begleitet, sie führt, sie leitet, untermalt, auch gibt er Kostproben des Wagnerschen Textes in Zitaten. Aber back to the roots, zurück zum Inhalt:

Dem Problem (rettet dem Dativ!) ist, daß jetzt irgendjemand a) Fafner töten muss (Fluch 2!) und b) irgendjemand den Ring holen muss. Sonst geht die Handlung ja nicht weiter…. wir kommen also zu einem zweiten Handlungsstrang.

Zwar ist Alberich als Schwarzalbenkönig etwas derrangiert, aber ebenso wie Wotan hat er dafür gesorgt, daß ein Sohn auf der Erde wandelt (käuflicher Sex, denn der Liebe hat er ja abgeschworen, Fluch 1), der für ihn den Ring wiederholen soll. Das ist der (nicht das!) finstere Hagen. Aber widmen wir uns dem anderen Filius, der einer (Fürstin Gloria!) inzestuöen und heißen Schnackselei zwischen Sieglinde und Siegmund entspringen wird. Vorher sorgt noch ein übler Familienkrach dafür, daß a) Fricka ihren Wotan ordentlich in den Senkel stellt, dieser daraufhin b) seine Tochter, das Walkürchen mit dem hübschen Figürchen Brünnhilde ebenfalls in den Senkel stellt und wegen Gehorsamsverweigerung auf einen flammenumtosten Felsen bannt, wo sie im Tiefschlaf desjenigen harrt, der keine Furcht kennt und die Flammenwand durchschreitet, um sie zu dann erst einmal richtig durchzu…. genau! Man sieht, Wagner wusste, worauf es ankam…

.. aber noch ein Weilchen bis dahin … zuvor bringt Sieglinde den Sproß aus dem Geschlecht der Wälslinge zur Welt, es hilft ihr dabei der verstoßene Mime, und verscheidet. Also stirbt meine ich. Also Sieglinde natürlich. Der kecke Knabe wird erzogen jetzt vom Schmied, sieht sein Leben lang nix anderes als Mime und Bäume, wobei unklar bleibt, womit die feuchten Träume der Pubertät gefüttert werden… na jedenfalls kennt unser Held namens Siegfried weder Angst noch Furcht, er lacht des Mimen Sein und Können, er schmiedet aus dem Stahl des zerbrochenen Notungs, an dem Mime schmählich scheiterte ein neues Schwert, ein drachentötendes. Holladiho! Die Schonzeit für Drachen ist beendet! (Jetzt den Ritt der Walküren imaginieren, los!! tamtarata-taa… da läuft es einem wirklich kalt den Rücken herunter…) Wo bin ich stehen geblieben? Ach ja, also: Drache tot, Siegfried, der natürlich nix peilt, nimmt die Tarnkappe und den Ring, das Gold achtet er gering.

Eins jedoch passiert. Durch dem Drachenblut nämlich kann er die Sprache der Vögel verstehen und so erfährt er von einem Weib in einem Flammenkranz und nix hat er eiligeres zu tun als dortenhin zu fahren, die Maid zu (be)freien und erst einmal zu … genau! Zwei Jungfrauen, die das Regen- und Wasserspiel für sich entdecken, das wird ein spaßiges Gerangel gewesen sein…. aber für´s Publikum schickt Wagner den Vorhang…

Ewige Treue schwören sich Brünnhilde, die Ex-Walküre und Siegfried, der blonde Held. Das ist auch notwendig, da dieser auf dem Rhein treidelt oder stakt, na eher stakt und zu den Gibichungen fährt. Deren König ist der dröge Gunther, sein Berater der finstere Hagen! Man merkt, der Ring schließt sich…. Es wird munter intrigiert, Siegfried peilt wieder nix (wobei man ihm zubilligen muss, daß Hagen sein Gedächtnis per Zaubertrunk ausgeschaltet und die Blondhelden-Penis-Navigation aber zu 100 pro aktiviert hat). Den Rest, glaube ich, kann ich abkürzen: der Held wird hinterrücks ermordet vom Hagen, bei der Feuerbestattung macht Brünnhilde einen auf indisch und springt mit Ring und Pferd ins Flammenmeer, woraufhin Vater Rhein den Scheiterhaufen überschwemmt und die Asche mit Ring zurück in den Rhein spült…

Da nicht nur der Scheiterhaufen brennt, sondern auch der Götter Burg Walhall ist die Macht der Götter gebrochen, ebenso die der anderen Geschlechter. Am Horizont taucht jetzt das Geschlecht der Menschen auf und wird fortan die Geschicke auf Erden bestimmen.

Puhhhh. Klappe zu. Habe fertig. Ring leer.

Vielleicht hat man es meiner Schreibe angemerkt, daß ich Spaß dabei gehabt habe. Und so ist auch das Büchlein von Frieling: unterhaltsam, schnell zu lesen, dabei nicht trivial, weil er wie gesagt auch einiges über die Musik erzählt, über die Wirkung auf das Publikum. Ebenso wird an einigen Stellen etwas zur Entstehungsgeschichte der Oper berichtet, die zwischen 1869 und 1876 in ihren einzelnen Teilen uraufgeführt worden ist. Damit liegt sie natürlich zeitlich weit vor dem Auftauchen des 3. Reichs, in dem die Wagnersche Musik ja eine große Rolle spielte. Angesichts der Nordischen Figurenwelt, der Bedeutung des Blutes, der Geschlechter ist der Sprung zum Mythos der Rasse, wie er ein paar Jahrzehnte geschah, nicht allzu weit, zumal Wagners Antisemitismus kein heimlicher war (vgl. Marcus Dick: Zu Richard Wagners Antisemitismus und dessen Wirkungsgeschichte, marcusdick.net/wagner.htm). Auf diesem Punkt (der auch, wenn man wie Frieling den Inhalt und die Handlung der Oper wiedergeben will, dafür nicht wichtig ist) geht der Autor aber nicht weiter ein, im Nachwort von Horst A. Bruno wird es erwähnt.

Interessant ist natürlich die Frage, inwieweit es legitim ist, ein derartiges Kulturgut auf eine teilweise doch recht lockerer Sprache herunter zu brechen. Deswegen darf man sich nicht täuschen, wenn man das Büchlein gelesen hat, hat man die Handlung des Zyklus parat, vom „Ring….“ selber aber noch kein bischen, denn dazu gehören sowohl die Musik als auch die Sprache Wagners. Wenn man sich dies vor Augen hält, ist auch die Reduzierung des komplexen Kunstwerks auf eine schmale Nacherzählung meines Erachtens erlaubt und ganz sicher hilfreich, es ist eine Art Übersetzung, eine Übertragung von etwas nur schwer Verständlichem in den Alltag.

Zusammenfassend kann ich sagen, daß Frielings Versuch, die Ringhandlung in eine allgemein verständlichen Prosafassung zu übertragen, gelungen ist: kurzweilig, zuweilen witzig, unterhaltsam und informativ möbelt der Text wohl fast eines jeden Lesers Allgemeinbildung gehörig auf…

Hoho! Hahei!

Wilhelm Ruprecht Frieling
Der Ring des Nibelungen
Internet-Buchverlag, TB, ca. 192 S., 2013

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5 Responses to “Wilhelm Ruprecht Frieling: Der Ring des Nibelungen”

  1. Prinz_Rupi Says:

    Dann sehen wir uns im August in Bayreuth? :)

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  2. Wow, einen schweren Stoff so leichtfüßig nachzuerzählen, nötigt nobelstes Niveau ab. Super! Grüße. Leo

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