Christoph Ransmayr: Die Schrecken des Eises und der Finsternis

Schrecken des Eises und der Finsternis

Kap Fligely, 12. April 1874. 82 Grad, 5´, nördlichster Punkt.
Bis hierhin und nicht weiter. [5
]

Ransmayr Buch, als Roman wird er offiziell eingestuft, ist vieles und vieles ist er nicht. Für einen Roman enthält er zu viele Fakten, Zitate und Daten, in vielen Passagen wirkt er fast dokumentarisch. Für eine Dokumentation wiederum enthält er zu vieles an Wahrscheinlichkeiten, an Interpoliertem, an Mutmassungen, ist er in vielen Passagen zu poetisch. An manchen Stellen sogar tritt uns der Autor leibhaftig entgegen, in dem er uns mitteilt, warum er dies und jenes, was vielleicht angebracht wäre zu schreiben, gerade hier nicht könne oder wolle. So erwartet uns als Leser ein vielschichtiges Werk, eine Geschichte von Menschen, die auszogen, etwas Unsterbliches zu leisten und die dabei auf eine Natur trafen, die sie geringer achtete als den Wanderer im heimischen Wald die Ameise kümmert und die ihm zum Schluss wenig mehr läßt als das nackte Leben, geformt und fortan in der Erinnerung an ein ungeheuerliches Er- und Überleben. Im Gegensatz zum Historiker also, der sich bemüht, die Historie der realen Welt so objektiv wie möglich zu beschreiben, beschäftigt sich Ransmayr literarisch-ästhetisch mit der Darstellung von Geschichte und den subjektiven Formen des Erinnerns, so drücken es Menschen aus, die mehr von Literatur verstehen als ich [nach 1, siehe auch hier]

Wessen erinnert der Roman also?

Im Jahr 1872 schickt die k.u.k. Monarchie unter der Führung von Carl Weyprecht (Kommandant zu Wasser und zu Eis) und Julius Payer (Kommandant zu Lande) eine Nordpolexpedition, die »Payer-Weyprecht-Expedition« [3] in den arktischen Sommer. Die Besatzung des für diesen Zweck gebauten Schiffes, der Admiral Tegetthoff [4], wurde requiriert aus Ländern des Südens, aus Ungarn, Böhmen, Österreich, Männer, die zum Teil das Meer noch nie gesehen hatten.

Forschungsfahrten dieser Art hatten nicht nur den Sinn, den „sportlichen Ehrgeiz“ von Staaten, der „Erste“ zu sein, dem dieses oder jenes geglückt, der hier oder dort gewesen, einen – was dieser Expedition dann gelang – der wenigen noch weißen Flecken der Landkarte zu tilgen. Hinzu kamen natürlich wissenschaftliche Fragestellungen über das Leben, die Geographie des hohen Nordens und auch handfeste wirtschaftliche Interessen: die Handelrouten in die lukrativen Länder der Gewürze und Spezereien lagen seit der Teilung der Welt durch Papst Alexander VI [8] in die beiden Hemisphären der iberischen Königreiche Portugal und Spanien. Gäbe es jedoch eine nördliche Passage nach Asien, eine Nordwest- und/oder eine Nordostpassage, wäre ein alternativer, freier Zugang zu diesen Ländern gegeben.

Es ist müßig, hier den Inhalt dieses Erzählstranges, dem Verlauf der Expedition, zu schildern, dieser läßt sich an anderer Stelle erlesen [z.B. 3, 4]. Widmen wir uns also erst einmal dem zweiten Handlungsstrang, den Ransmayr konstruiert, mit dem er seinen Roman sogar beginnt:

Josef Mazzini reiste oft allein und viel zu Fuß. Im Gehen wurde ihm die Welt nicht kleiner, sondern immer größer, so groß, daß er schließlich in ihr verschwand.

Dieser Josef Mazzini ist eine imaginäre Figur, die Ransmayr als Nachfahre eines der Matrosen der Expedition schafft. Er läßt ihn in Archiven von der Reise seines Vorfahren erfahren und stattet ihn mit einem seltsamen Begehren aus: „Er entwerfe, sagte Mazzini, gewissermaßen die Vergangenheit neu. Er denke sich Geschichten aus, erfinde Handlungsabläufe und Ereignisse, zeichne sie auf und prüfe am Ende, ob es in der fernen oder jüngsten Vergangenheit jemals wirkliche Vorläufer oder Entsprechungen für die Gestalten seiner Phantasie gegeben habe.„. So fasst dieser Mann den Plan, die Route der Expedition zu folgen, die Orte, die sie angelaufen hat, zu besuchen und sich derart seinem Vorfahren zu nähern.

In gewisser Weise ist dies auch die Rolle, die Ransmayr als Schriftsteller einnimmt, wenngleich am Schreibtisch und nicht im Eis (obschon er später dann die Gelegenheit hat, an Bord eines russischen Eisbrechers damalige Orte zu besuchen, zufrieden damit, daß Fantasie und Realität so gut zusammenpassten). Auch er taucht in das Leben der Expeditionsmitglieder ein, versucht, es nachzuempfinden, nachzufühlen, folgt ihnen durch die stürmische See, über das krachende Eis, im atemraubenden Schneegestöber, kraxelt mit ihnen über Gletscherspalten, wuchtet die überschweren Schlitten über Eisbarrieren, muss den Schmerz verfrierender Gliedmassen nachspüren, die Fleischwucherungen skorbutkranker Menschen wegschneiden und -ätzen, muss Monate absoluter Dunkelheit ertragen ohne jegliches Licht am Firmament und dann wieder das gleißende Licht der Sonne auf dem Schnee… Angeblich seien er, der Autor, und Mazzini Bekannte aus Wien und so verfolgt Ransmayr das Schicksal dieses Mannes, schildert sein Leben und widmet sich dann dessen Projekt und dem Scheitern desselben, ähnlich wie auch die Expedition letztlich scheiterte, nur daß bei Mazzini die körperlichen Strapazen nicht vergleichbar weniger waren. Zum Schluss läßt Ransmayr seine Figur verschwinden, verschellen im ewigen Eis Spitzbergens, nur zwei der Schlittenhunde, die zu seinem Gespann gehörten, kamen zurück in die Siedlung, mussten aber erschossen werden wegen ihrer Unbändigkeit, die sie an den Tag legten. Auch darin eine Parallele zur Expedition: auch damals überlebte keiner der Schlittenhunde, deren letzte mussten ebenso getötet werden wie die heurigen.

Damit ist auch schon die dritte Ebene des Romans angedeutet: Neben der Expedition und ihrem Nachreisenden tritt auch der Autor als Person und als Schriftsteller auf und teilt uns sein Befinden mit beim Rekonstruieren des Geschehens. Ja, es gibt einen Moment, vllt eine der zentralen Stellen des Buches, in der er sich unfähig, unwürdig gar sieht, in ob der ihm innewohnenden Größe überhaupt zu beschreiben: es ist der Moment, in dem nach Monaten des Wartens, des Ausharrens, der Leiden der Ausruf kommt: „LAND!“. Sie haben Land gefunden in diesem Kontinent aus Eis, fiebern ihm entgegen… Neben diesem einen, großen Augenblick, in dem sich der Schriftsteller zurücknimmt hinter seine Helden gibt es viele kleine Momente, in denen er sich in Frage stellt, die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit dessen, was er uns mitteilt, einzugrenzen versucht….

Ransmayr sind alle Teilnehmer der Expedition gleich wichtig, sind es nun Matrosen oder die Kommandanten, auch die Hunde finden Erwähnung so wie die Katzen, die aber früh verscheiden. Mit der letzten der Bootskatzen verlieren die Männer die einzige Gelegenheit, Zärtlichkeit zu empfangen  – und zu geben, auch solche Anmerkungen sind ihm wichtig. Von vier Männern standen ihm Aufzeichnungen zur Verfügung, er nutzt sie in gleicher Weise. Er geisselt die Sitte, solche Abenteuer den Kommandanten zuzuschreiben, auf einer der Schlittenexkursionen ins mörderische Eis schildert er den Kommandanten zu Land, wie dieser mit Federn gegen die unmenschliche Kälte geschützt, besser zumindest als seine Männer in felllappenumwickelten Füßen, und ohne Gepäck voranschreitet, während letztere zentnerschwere Schlitten Meter für Meter über das schrundige Eis wuchten müssen. Wie besessen, wie im Wahn tauft Payer jede Felsnadel, jede Buch, jedes Kap, jede Erhöhung zu Ehren eines Kaisers, der in wohliger Wärme den Winter verbringt. Ungenannt, unverewigt bleiben dagegen seine Männer….

Es war um die Mittagszeit, da wir übe die Bordwand gelehnt, in die flüchtigen Nebel starrten, durch welche dann und wann das Sonnenlicht brach, als eine vorüberziehende Dunstwand plötzlich raue Felszüge fern in Nordwest enthüllte, die sich binnen weniger Minuten zu dem Anblick eines strahlenden Alpenlandes entwickelten!..  diese geringe Schaar, welche die Heimat bereist zu den Verschollenen zählte, war so glücklich, ihrem Monarchen dadurch ein Zeichen ihrer Huldigung zu bringen, dass sie dem neuentdeckten Lande den Namen Kaiser Franz-Josefs-Land gab. (Julius Payer)

.. eines strahlenden Alpenlandes…. welch ein Narrengedanke! Blanker, frost- und sturmumtoster Fels, kaum, daß sie später dort eine Flechte sahen.. Gletscher, Eis, Schnee, Sturm, Dunkelheit … sonst nichts, vllt ein vagabundierende Eisbär…. Und noch nicht einmal die Entdeckung dieses letzten Vorpostens Europas im Nordmeer können sie im Grunde für sich verbuchen: Schon vierzig Tage nach dem Auslaufen der Admiral Tegetthoff aus dem Hafen erreichte die Expedition die Eisgrenze und das Eis hielt sie fortan umschlungen, nie mehr sollte das Schiff freikommen. Ihre weitere Route nach diesen 40 Tagen war zur Gänze der Drift des Eises ausgeliefert, eine Reise, die der erratischen Spur einer Fliege auf einer Fensterscheibe mehr ähnelt als einer zielgerichteten Erforschung. Die Entdeckung des Franz-Josefs-Lands war ein reiner Zufall ohne eigenes Zutun [6]…

In wahnhafter Obsession unternahm der Kommandant zu Land, Julius Payer, mehrere Schlittenexkursionen auf die Inseln des Archipels. Immer weiter kamen sie nach Norden, unter unsäglichen Qualen, vor allem für die Mannschaft. Schließlich erreichten sie nördlich des 82. Breitengrades wieder das Meer, sie waren am Ende der Welt angelangt, Kap Fligely. Es war der 12. April 1874.

Nach zwei Überwinterungen beschließen die Offiziere, daß eine dritte nicht möglich sei und sie das Schiff aufgeben müssten, zu Fuß über das Eis das offene Meer erreichen und nach Nowaja Semlja kommen, dort würden sie Trawler finden, die sie aufnehmen könnten. Auch hier unsäglichen Qualen, aber sie schaffen es, ein Haufen verrotteter Männer mit schwärenden Wunden, mit Furunkel und Geschwüren, Leichen ähnlicher als Menschen… und was ein wirkliches Wunder ist, die Expedition verliert nur einen einzigen Mann, der der Tuberkulose erlag.

Die Polarforschung – damals ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. Nördlicher, immer nördlicher musste es gehen, der Nordpol, dieser mathematische Punkt, an dem sich Linien kreuzen, hatte magische Eigenschaften, schürte den Narzissmus von Nationen so wie von Abenteurern. Wie Rüden ihr Revier markieren, so benannten sie in Eis und Schnee Felsnadeln nach Herrschern und heimischen Landschaften, sie fuhren mit Hundeschlitten, sie steuerten Luftschiffe, sie kämpften zu Fuss.. wofür? Eine Frage, die in Ransmayrs Buch immer wieder im Hintergrund auftaucht… vllt taucht die Frage auf, worin der Wert, die Erkenntnis, der Expedition lag. Sicher nicht in der Entdeckung des Franz-Josephs-Land (Entdeckung: auch hier die narzistische Eitelkeit der Menschen. Könnten nicht schon vorher Trawler dort gewesen sein, Jäger, die auf Roben oder Wale gingen von der nahen Insel Nowaja Semlja aus das Eiland gesehen haben? Sie zählen nicht…. wie so oft), eher schon in der Sicherheit, daß eine eisfreie Passage im Norden Sibiriens nicht existiert. Diese haben wir erst geschaffen durch eine Art Geo-Engineering der unerwünschten Sorte: der durch Menschen verursachte Temperaturanstieg drängt das Eis im Nordmeer immer weiter zurück, 2008 waren beide, Nordost- und Nordwestpassage erstmalig eisfrei…

„Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ ist ein früher Roman Ransmayrs, und trotzdem schon ein meisterhafter. Die Naturschilderungen, die Beschreibungen des Eises, des Schnees, der Kälte, der Einsamkeit, der Dunkelheit – sie vermögen uns als Leser eine Ahnung zu vermitteln von dem Beschriebenen. Es gibt – man darf es nicht unterschlagen – auch erhebende Momente: wenn nach der langen Nacht der Horizont schon Tage vor der Sonne grausilbernen Schein zeigt, wenn die erste Sonne nach der langen Nacht ihre Strahlen auf das Schiff wirft, das majestätische Nordlicht, dessen Schönheit Weyprecht in poetischen Worten in seinen Notizen festhält….

Ein Roman, an dessen Entstehung uns der Autor gleichsam teilhaben läßt, zumindest partiell, indem er eigene Befindlichkeiten des Schreibens offenlegt, uns damit gleichsam beteiligt, denn natürlich ist man an diesen Stellen der Geschichte besonders sensibel und die eigene Fantasie arbeitet…

… ja, ohne wenn und aber: und absolut lohnendes Buch und (bemüht man die Suchmaschinen) auch eins, das oft und wohl gerne analysiert und seziert wird….

Links und Anmerkungen:

[1] Philipp Baur: Metahistorische Geschichtsbetrachtung in „Die Schrecken des Eises und der Finsternis, Universität Augsburg, Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Wintersemester 2007/08
Wiki-Artikel zum Buch
[2] Zum Buch
[3] Wiki-Artikel zur Expedition
[4] Wiki-Artikel über das Schiff
[5] zitiert nach: Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln, mare-Verlag 2012, S. 30
[6] heutzutage kann man eine Reise dorthin als Tourist buchen.. auf dieser Seite ist auch eine Karte des Archipels… wenn man bedenkt, daß die Expedition bei 79°43`nördl. Breite und 59°33´östlicher Länge auf Land stieß, kann man das Ausmass der Anstrengung, Kap Fligely zu erreichen, vllt erahnen…. Payer und seine Leute haben die Inselgruppe praktisch von Süd nach Nord durchfahren…und ein wenig weiter südlich, wäre die Admiral Tegetthoff ganz vorbei gedriftet…
[7] wunderbare Landschaftsbilder aus der Spitzbergen-Region gibt es bei Dina zu sehen….
[8] Wiki-Artikel zum Vertrag von Tordesillas

Christoph Ransmayr
Die Schrecken des Eises und der Finsternis
diese Ausgabe: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, HC, 322 S., 2011
Erstausgabe: Christion Brandstätter Verlag & Edition, Wien, 1984

Bei dem Titelbild des Beitrags handelt es sich nicht um das Originalcover des Buches. Auf dessen Wiedergabe wurde aus Urheberrechtsgründen verzichtet.

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11 Kommentare zu „Christoph Ransmayr: Die Schrecken des Eises und der Finsternis

  1. Herzlichen Dank für diesen Artikel! Ein tolles Werk, der Artikel wie auch das Buch. :-) Meine erste Bekanntschaft mit Ransmayr war das Hörbuch, soooo gruselig… später habe ich das Buch geholt, es ist eine wahre Perle, viel zu wenig beachtet, finde ich, obwohl es das Prädikat „besonders wertvoll“ erhalten hat.
    So macht Lesen spaß!
    Liebe Grüße
    Dina

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    1. so findet jeder seinen weg zu diesem und jenem autor… ich bin auf empfehlung zu ihm gekommen, habe das erste buch wieder weggelegt und bin dann doch am zweiten hängen geblieben und das mit großer freude… und jetzt werde ich zum ersten zurückkehren!
      liebe grüße dir auch!
      fs

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  2. Dies ist ein hervorragendes Buch, dass auch ich schon mehrmals gelesen habe. Als Sammler von Büchern über die Arktis nimmt dieses Buch in meiner Sammlung einen Ehrenplatz gleich neben Nansens „Farthest North“ ein. Allerdings muss ich leicht korrigierend hinzufügen, dass Weyprecht der erste Forscher war, der erfolgreich anregte, den Jahrmarkt der Eitelkeiten der Polarforscher zu beenden. Auf ihn geht die Idee zurück, dass Arktisforscher zusammenarbeiten und auch die noch immer abgehaltenen internationale Jahre der Polarforschung. Die Arktisforscher, wie du neigst, in Bausch und Bogen zu verurteilen, halte ich für falsch. Das mag auf Amudsen, Paery und Parry, Bird und Co. zutreffen, aber keineswegs für Nansen, Weyprecht und auf der anderen Seite unserer Erde für Shackleton.
    Im letzten Jahr der Arktisforschung fuhr ich diese Strecke von Spitzbegen nach Franz Joseph Land, die immer noch schwer schiffbar ist wie auch der Eingang zur Karasee. Nur hochleistungsfähige Eisbrecher können diese Strecke befahren.
    Vielen Dank für die ausführliche Besprechung
    Klausbernd

    Falls du dich auch weiter für arktische Literatur interessierst, findest du auf meiner Website unter > Freundesbriefe < http://www.kbvollmar.de/publikationen/freundesbriefe.html
    im 10. Freundesbrief einen Aufsatz "Der Traum vom Norden" und auf Dinas Blog
    http://toffeefee.wordpress.com/bucher-erlesenes-aus-norwegen/
    zwei längere Arbeiten von mir: "Der Inuit im Film" und "Der Inuit in der Literatur"

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    1. lieber klausbernd,
      ich danke dir sehr für deinen ausführlichen kommentar und deine anmerkungen. die links, ich glaube, einen teil davon habe ich gestern schon gesehen, ich bin bei dina etwas durch den blog gegangen, aber da schau ich nachher noch einmal….

      da schreibt man schon ausführlichere besprechungen und ist immer noch nicht vollständig genug… ja, du hast recht. der charakterliche gegensatz der beiden kommandierenden weyprecht und payer und auch deren arbeitsansatz und vorgehensweise stand bei mir zur anmerkung auf der agenda, ich weiß eigentlich nicht, warum ich es nicht noch hineingebracht habe, wahrscheinlich, weil der rest sich schon wieder so viel war… so habe ich mich auf payer konzentriert, die „bösen“ geben allemal mehr her, schreibtechnisch, als die „guten“. (btw: ich bin diesem archetypen paar am wochenende noch einmal begegnet, trojanow beschreibt in seinem „der weltensammler“ die forschungsreise richard f. burtons zu den nilquellen. sein partner damals war auch ein rechter payer, er benamte auch alles, was ihm unter die füße kam, damals, im unmenschlich heißen inneren afrikas….) wie auch immer, danke für die ergänzung und den hinweis auf die seriosität weyprechts.

      ich glaube auch nicht, daß ich die forschung in toto verdamme, wenn der eindruck entstanden ist, habe ich schlecht geschrieben. es gibt/gab eben die unterschiedlichen aspekte, den „sportlichen“, sprich: wer ist erster am Pol, den wissenschaftlichen und den wirtschaftlichen. zumindest erwähnung finden die beiden letzteren ja auch in meinem text. aber auch hier geben die „bösen“ den attraktiveren stoff, so daß (und ich hatte den eindruck auch für ransmayr in seinem buch) es interessanter war, den weitgehend sinnbefreiten wettlauf zum pol zu kritisieren.

      du erwähnst shackleton.. über diesen mann und seine expedition habe ich einmal einen aufsatz gelesen, ich glaube in GEO. in erinnerung behalten habe ich davon, daß seine leidensfähigkeit bewundert wurde und das durchhaltevermögen, nicht so sehr die fachliche qualifikation für so ein unterfangen….

      überhaupt, die leidensfähigkeit dieser männer erscheint mir unfassbar. wenn ich bedenke, wie ich schon bei einen normalen schnupfen in den seilen hänge…..

      sei herzlich gegrüßt und nochmals bedankt!
      fs

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  3. Da fiel mir noch justement ein, daß im Jahr 2006 im RvR-Verlag ein wunderschönes Buch „Entdecker im ewigen Eis“ von Farid Abdelouahab – Fünf Jahrhunderte Polarreisen in Reisetagebüchern- erschienen ist mit zauberhaften Bleistiftzeichnungen….mein Erstaunen über die Zartheit, Genauigkeit der Zeichnungen von Tier und Landschaft, Menschen war riesig, denn bei minus 56° noch einen Griffel zu schwingen…der Mensch wächst immer über sich hinaus.
    klausbernd hat es vielleicht schon in seiner Sammlung, obwohl es nicht nur die Arktis betrifft.
    mit heute auch eisigen Grüßen vom Hanauer Dach
    Karin

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