Christoph Ransmayr: Der fliegende Berg

22. November 2012

Der Flattersatz – oder besser: der fliegende Satz
ist frei und gehört nicht den Dichtern.

Ransmayr schreibt mit dem fliegenden Berg ein Epos
bei dem er von gewöhnlichen Schreibwegen abweicht.
Es ist kein fortlaufender Text, den er uns bietet,
so erweist er dem fliegendem Berg Referenz
durch einen fliegenden Satz.

Und gehört der fliegende Satz nicht den Dichtern,
sondern ist frei
so gilt gleiches für den fliegenden Berg,
auch er gehört niemanden und wird einst,
so wie er und seine eisstarrenden Freunde
vormals in mythischer Zeit aus den Wolken kamen
und sich niederließen auf der ebenen Erde
den Menschen, den jetzt zweibeinigen,
sich über die Tiere erhebenden Wesen,
Schutz zu geben, jetzt, da sie noch straucheln
und unsicher sind im Gang auf der Erde
ob ihrer zwei fehlenden, zu Armen gewandelten Beine,
so werden sie sich, wenn die Zeit gekommen ist,
wieder in die Wolken erheben und davon schweben.
Bis dahin muss der Mensch sie festnageln auf der Erde,
am Rand ihrer Hänge mit unzählbaren Gebetsfahnen.

So erzählt es Nyema dem Bruder von Liam.
Liam jedoch erzählt sie nichts,
denn ist doch die Geschichte des fliegenden Berges
eine Geschichte, die ein Mund einem Ohr nur erzählen soll.

Und auch Nyema stützte den Strauchelnden,
zog ihn, der auf schmalen Weg am Yak vorbeihuschen wollte
und dabei in die Tiefe zu stürzen drohte,
mit einer Hand nach oben.
Wie sie dies machte,
kaum daß sie ihren Gang unterbrechen musste,
kaum, daß sie ihre Spindel, mit der sie die Wolle
der Yaks versponn während des Gehens in fast 6000 m Höhe,
kaum, daß sie aufblickte oder besser herunter
zu ihm, konnte er nicht sagen
und sie leitete dabei den Fall um,
so daß er sich nun nicht mehr in die Tiefe,
sondern in die Höhe fallen fühlte.

Und Nyema war der Mund und er war das Ohr.
Denn er hatte gefragt.

Er, der Meermensch, der mit seinem Bruder gekommen war,
das zu machen, was für Nyema und ihren Clan so unverständlich war,
so fremd war, so gefährlich schien:
in das Reich der Götter einzudringen nämlich,
ihre Ruhe zu stören auf den höchsten Gipfeln
und sie zu erzürnen
so daß sie und die Geister, die bei ihnen wohnten
voller Zorn die Eindringlinge töten könnten.

Vom Meer, aus Irland, waren die beiden Brüder gekommen,
Liam, der Ältere, und der Ich-Erzähler der Geschichte,
der sich selbst keinen Namen gab in seiner Erzählung,
ungeachtet der Bedeutung, die der „wahre“ Name einer Sache,
eines Menschen, hat.

Das Buch beginnt mit dem Tod des Erzählers,
er schildert ihn uns, wie er ihn erlebte,
in über 6800 m Höhe, im Eis, im Schneesturm,
heulender Wind um ihn herum, jagende Wolken,
und über ihm die Pyramide des Phur-Ri,
und über der Pyramide das schwarze Blau des Himmels
nur noch in seiner Unendlichkeit…

Von Irland, wo sie ihre Kindheit verbrachten
mit dem patriotischen Vater, der ihnen eine fast schon
militärische Ausbildung verpasste,
mit vielen Wanderungen im unwegsamen Gelände,
mit Übernachtungen im engen, muffigen Zelt,
mit der Ersteigung von irischen Bergen,
mit patriotischen Liedern und Geschichten vom „wahren“ Irland,
mit einer Mutter, die sie eines anderen Mannes
und des Vaters wegen verliess, nein, verriet,
denn sie ging mit ihm nach Belfast zurück,
von wo sie vor Jahren aus Liebe weggegangen war.
Wenige Jahre nur überlebte der Vater diesen Verrat.
Dann starb er, wurde in der Erde Irlands,
das er nie verlassen hatte, begraben.
Ein Gentleman. Captain Daddy.

Die Söhne verloren sich aus den Augen,
Liam vermass die Erde und auch das All,
der Erzähler dagegen verkroch sich in den Bauch von Schiffen
und befuhr derart die Weltmeere
in den Maschinenbäuchen der stählernen Riesen.

Komm nach Hause!

Vom Bruder bedrängt, immer wieder,
kam er nach Hause, dem zu Hause,
daß sich der Bruder geschaffen hatte auf einer dem Land
vorgelagerten Insel, der Insel der Pferde, Horse Island.

Hier lebten sie und waren das Leben auf der ansonsten unbewohnten Insel,
mit ihren Tieren zusammen.
Liam hatte keinen Gefährten, der das Leben mit ihm teilen wollte
und auch der Erzähler berichtet von keiner Gefährtin
bis er Nyema traf, die geliebte, die seine Geliebte werden sollte.

Die Brüder übten das Klettern an den Klippen,
immer wieder das Motiv, daß sie aus dem Meer kommend
Höhe gewinnen, dem Himmel, oder auch nur der Kante der Klippe
näher kommend.
(Doch hier wartete kein Gott auf sie, nur sanft blickende Kühe auf der Weide)
Denn Liam hatte ein Ziel gefunden,
einen Berg, den es noch nicht gab.
Einen Berg, von dem er ein Foto im Netz gesehen hatte,
auf einem seiner nächtelangen Streifzügen vor den Bildschirmen,
von einem chinesischen Piloten geschossen
kurz bevor er offensichtlich abstürzte,
einen Berg, der höher sein sollte als alle anderen
(was sich dann als unwahr erwies)
einem weißen Flecken auf der Erdkarte
im Lande Kham, im Osten Tibets.

Und so fuhren sie vom Meer aus nach Tibet,
die Beziehungen Liams machten es möglich,
daß die beiden harmlosen Europäer ein Visum bekamen,
vielleicht auch, um zu berichten, daß an all
den Gerüchten über Aufstände und deren brutale
Niederschlagung nichts dran sei, daß das Land,
daß Tibet, die Provinzen, ruhig seien, daß alles in Ordnung sei.
In Ordnung sei trotz der Klöster, die sie von ihrem Weg aus
als Ruinen liegen sahen, trotz der kahlgeschlagenen,
mit Baumstümpfen gespickten Berghänge, auf denen einstmals
mächtige Bäume standen, die jetzt geschlagen worden waren:
„radikale forstwirtschaftliche Maßnahmen“ nannte der staatliche
beigegebene Aufpasser dies, notwendig und sinnhaft.

In Chengdu hatten sie einen Lastwagenfahrer gefunden,
der bereit war, sie weiter mit zu nehmen nach Westen,
ins Land Kham hinein, wo er ein- oder zweimal jährlich
zu den Yaknomaden kam, ihnen Sachen zu verkaufen,
einen einfachen Handel mit ihnen abzuschließen.

Und hier dann traf er Nyema, Nyema, die ihren Mann verloren hatte,
der fünfmal als Träger auf dem Chomolungma war, fünfmal,
wo die seltsamen Menschen aus den Meerländern es kaum einmal schafften.
Nyema, die im Gefängnis gesessen hatte,
verhört worden war
(was die Narbe und die kleine Unregelmäßigkeit ihrer Nase erklärte)
und ihren Sohn auf dem Rückmarsch zum Clan
am Straßenrand auf die Welt brachte.

Hier traf er Nyema, bei den Yaknomanden,
Nyema, die als einzige ein paar Worte seiner Sprache sprach,
soviel, daß sie sich unterhalten konnten, immerhin.

Und er lief ihr nach. Es war so.
Er suchte nach Fragen, die er ihr stellen konnte, einfach, um bei ihr zu sein.
Und bei einer dieser Fragen rutschte er aus auf dem schmalen Weg
doch Nyema stützte ihn so unmerklich
daß er glaubte, er würde nicht den Hang hinab,
sondern ihn hinauf fallen.

Sie, die Brüder, zogen mit den Yaknomaden von Weidegrund zu Weidegrund.
Und sahen bald die drei Bergriesen, die wie eine Himmelstreppe auf sie wirkten,
den Vogelberg Cha-Ri, den Wolkenberg Te-Ri und
den höchsten, den mächtigsten der Kolosse: Phur-Ri, den fliegenden Berg.
Und so sehr Liam den Drang spürte, diese Berge zu besteigen,
einfach, weil sie da waren,
so wenig verspürte der Erzähler diesen Drang,
denn ihn hielt die Frau, die er gefunden, in ihren Armen,
mit ihrer Wärme.
Er hatte gefunden, was er brauchte.
Schon bald zog er aus dem kleinen Zelt aus,
in dem er mit dem Bruder, dem Bergkamerad, schlief
und zog in das große Zelt von Nyemas Familie,
um dort zu schlafen
umgeben von den nächtlichen Geräuschen der Schlafenden
eingehüllt von den Gerüchen des Zelts
lauschend dem Atem der Geliebten
geborgen und glücklich.

Schließlich erreichten sie die höchste der Sommerweiden des Clans,
die (so nannte Liam es) Basislager sein sollte für ihren Aufstieg,
sahen sie die Pyramide des Phur-Ri,
sahen sie sogar in einer klaren Mondnacht das Bild
das sie vor langer Zeit auf dem Bildschirm sahen,
in ihrem Haus auf Horse Island
geschossen von einem chinesischen Piloten kurz vor seinem Tod,
sahen die Grate
die Gletscher
die Eiswand.
Des mächtigen Kolosses.

Sie begannen ihren Aufstieg, der ihnen – gemessen an den Erfahrungen, die sie mittlerweile hatten –
leicht zu sein deuchte.
Und sie kamen gut voran, zuerst, gewannen schnell an Höhe
schlugen ihr Lager auf an geschützter Stelle
aber der Höhenmesser zeigte zu wenig Höhe
und der sinkende Luftdruck verhieß schlechtes Wetter,
so daß sie schon bald in einem Schneegefängnis saßen
in ihrem kleinen Zelt, das alles Licht grün färbte.

Doch geschah hier das Unerwartete, das Überwältigende.
Den Erzähler streckte ein Keim darnieder und entschlackte ihn….
krank und fiebrig geworden halluzinierte er im kleinen Zelt,
das den beiden Gefängnis geworden war.
Und Liam, den er Master Kaltherz nannte,
den er durchaus zu Zeiten auch hassen konnte,
Liam pflegte ihn
versorgte ihn
tröstete ihn
wie eine Mutter
wie es Nyema gemacht hätte
und auch der Spott Liams,
daß sein Bruder nämlich lieber bei einer Frau geblieben wäre
denn das große Ziel zu erreichen,
verschwand zugunsten echter Freude für den jüngeren,
der das gefunden hatte, was er suchte.
Eine Liebe.

Sogar auf den Aufstieg zum Berg wollte Liam verzichten,
für ihn, seinen Bruder.
Doch – und hier geschah das Tragische –
der Erzähler, kaum ging es ihm besser,
bestand, gerade weil Liam verzichten wollte,
auf den Aufstieg, auf das Weiterlaufen zum großen Ziel,
das jetzt zum ersten Mal auch sein Ziel war,
weil er diesen Gipfel seinem Bruder schenken wollte,
als Dank für die erfahrene Liebe.

Aber der Berg wehrte sich,
erneut peitschte Sturm seine Hänge hinunter,
schluckten sie die Wolkentürme
schlug der Wind sie mit seiner mächtigen Pranke
trommelten Schnee- und Eiskristalle auf sie ein,
nahmen ihnen die Sicht,
nahmen ihnen die Luft,
ließen sie herumirren, einsinken, sich verlieren.

Ich starb
6840 Meter über dem Meeresspiegel
am vierten Mai im Jahre des Pferdes
.“

Nein, er starb nicht, er erlebte seinen Tod nur.
Liam holte ihn ins Leben zurück.
Der, der starb, war Liam, im Eis des Phur-Ri.
Dessen Haus auf Horse Island der Erzähler jetzt ausgeräumt hat.
Den Inhalt verkauft.
Die Festplatten gelöscht.

Bevor er selbst zurückkehrt zu Nyema.

*************************

Ransmayrs Buch, sein Roman ist ein Werk, in das man sich sicher einlesen muss. Es erschließt sich beim Lesen nicht sofort, da es sich den normalen Lesegewohnheiten widersetzt: es ist kein fortlaufender Text wie in „normalen“ Romanen, aber auch kein Gedicht, da den Zeilen der Reim fehlt. Manche der Passagen lassen sich fast lesen wie die homerischen Epen im Hexameter, wer die Ilias kennt, ist klar im Vorteil…

Der fliegende Berg ist ein zyklischer Roman, er beginnt im ersten Kapitel mit dem Tod des Erzählers, erzählt dann die Geschichte, wie sie dazu führte und endet (lassen wir den Epilog beiseite) mit dem Sterben des Brüderpaares, so daß man daraufhin sofort wieder an den Anfang des Buches zurückkehren mag, den ersten Abschnitt noch einmal zu lesen. Es ist eine ziemlich seltsame Geschichte, die Ransmayr uns erzählt, von einem irischen Brüderpaar, sich nicht sonderlich verbunden, aber trotzdem „irgendwie“ aufeinander angewiesen, die durch eine Obsession des älteren den Plan verfolgt, einen weißen Flecken auf der Landkarte zu tilgen: einen Berg, vllt noch unbestiegen, unbenamt, im abgelegenen Osten Tibets gelegen, fotografiert von einem chinesischen Piloten und von diesem als höchster alles Kolosse bezeichnet, zu erklimmen. Nicht ganz klar ist mir geworden, warum ein österreichischer Autor ausgerechnet Iren in die Eishöhen geschickt hat, in denen das Quellgebiegt des Gelben Flusses liegt, aber vllt wäre die Anspielung, hätte er ein Brüderpaar aus Südtirol genommen, zu deutlich gewesen.. denn natürlich muss man bei dieser Geschichte unwillkürlich an die Messner-Brüder denken….

Vielleicht liegt es aber auch daran, daß Ransmayr mit den Iren sein Bild, seine Metapher von der Entstehung des Lebens und der Entwicklung des Menschen besser verwirklichen konnte. Immer wieder taucht dieses Bild des sich aus dem Meer windenden Lebens (in Gestalt der Brüder an der irischen Küste vor ihrem Haus) auf, die, kaum den Wassern entschlüpft, anfangen, nach oben zu streben, das Meer und seine Bewohner hinter, unter sich zu lassen. Das letzte Ziel dieses Strebens in immer größere Höhen sind die Sitze der Götter, die sich aber nur ungern stören lassen und ihre dienstbaren Geister gegen die Eindringlinge schicken: Sturm, Regen, Schnee, Eis und Wolken, Kälte und Gletscherspalten. Mit den Göttern auf eine Stufe zu gelangen ist unseren beiden Helden wohl nicht vergönnt, selbst dem Erzähler ist nicht klar, ob er das Erreichen des Gipfels nur einer Halluzination verdankt.

Der Erzähler stirbt einen Beinahe-Tod, ihn verschont der Berg, warnt ihn nur und straft ihn durch den Tod des Bruders. Sein Ehrgeiz auf den Berg war geringer, ihm war dieses den Berg und seine Götter enwürdigende: „ich besteige den Berg, einzig und allein, weil ich es kann“, fremder, denn er hatte sein Lebensziel im Tal gefunden, seine Liebe einem Menschen geschenkt, der die Götter ehrte.

Ist es falsch, an Ikarus zu denken, auch in dieser alten Sage ein Mensch, der den Göttern zu nahe kam und dabei abstürzte, umkam?

Der namenlos bleibende Erzähler kehrt nach der Expedition zurück auf die Insel, auf der er mit seinem Bruder gelebt hatte. Er löst den Haushalt auf, scheint auch alles Erinnerungen an früher zu löschen, symbolisch, in dem er die Festplatten der Rechner neu formatiert. Bilder aus seinem bisheriges Leben erscheinen ihm in der Rückschau, die Kindheit, geprägt durch einen irisch-patriotischem Vater, der seine Frau durch seine Art einem anderen in die Arme trieb, ausgerechnet nach Belfast floh sie die Familie. Auch das Brüderpaar ungleich, Liam liebte die Expeditionen mit dem Vater, Captain Daddy, in die Berge der Umgebung, während sie dem Erzähler eine Tortur waren. Er hechelte und strauchelte den beiden anderen hinterher, sie mussten auf ihn warten. Später verliess er das Elternhaus, fuhr als Schiffsmechaniker über die Weltmeere, Liam dagegen wurde Vermesser und ließ sich auf einer Insel vor der Küste, in der Nähe des Elternhauses nieder. Hierhin lockte er den Bruder, den er zur Verwirklichung seines Planes brauchte. Und dieser ließ sich überreden, dagegen zu halten fehlte ihm die Kraft.

So ist dies auch die Geschichte eines ungleichen Brüderpaares, in dem der eine, ältere dominiert und dadurch auch den Hass des anderen (zumindest in manchen Situationen) zu wecken weiß, obschon sich beide nicht voneinander zu lösen wissen. Der entscheidende Riss entsteht erst sehr spät in ihrem gemeinsamen Leben, als nämlich eine dritte Person in ihr Gefüge einbricht: eine Frau, die die Sehnsucht des jüngeren zu stillen weiß. Im Grunde ist damit dessen Weg beendet, er ist am Ziel. Doch er erkennt dies nicht in erforderlicher Klarheit, will auch den Bruder nicht allein lassen, der den einmal eingeschlagenen Pfad weiter gehen wird. Und so gehen sie gemeinsam und wie durch ein Wunder wandelt sich Liam seinem Bruder gegenüber: in schwieriger Lage wird er zu seinem Samariter, söhnt sich sogar aus mit der Frau, die sich zwischen ihn und dem Bruder gedrängt hat.

Ransmayr findet in seinem Werk Bilder großer Kraft. Die vom Himmel regnenden Schmetterlinge, die noch tot das Licht, die Wärme sammeln und bündeln können, um das Eis um sich herum zu schmelzen zu bringen.. oder (für uns Bücherliebhaber besonders schön) diese Zeile:

Sprechenlernen, Lesen, Schreiben als Liebesspiel
beschäftigten Nyema und mich in den Tagen
……

… es liegt viel Poesie in den Worten im fliegenden Berg….

Ein Roadmovie mit einer Yakherde ist langsam, bedächtig, nachdenklich, scheut sich nicht vor Wiederholungen, es nimmt das Tempo an, das in solch extremen Lebensumständen herrscht. Ein bescheidenes Leben unter der Knute des Wetters und der Höhe, in das die beiden Brüder einbrechen mit der Dramatik ihres Vorhabens, das in der Sicht der Heimischen eine Art Schändung ist der Götter auf den Bergen, so wie auch der Raubbau der Chinesen, deren rücksichtloses Ausbeuten der Landschaft eine Schändung ist, eine viel größere und nachhaltigere… Ransmayr konzentriert sich nicht auf diese Art von Ereignissen, aber er erwähnt sie, weist darauf hin, erinnert daran, während der Reise des Paares aus Chengdu nach Kham.

So bleibt (ich sollte wirklich zum Schluss kommen) zum Roman zu sagen: sicher ungewöhnlich, aber in der Form dem Thema sehr gerecht werdend, von großer auch poetischer Kraft, eindringlich, nachdenklich, bedächtig aber auch dramatisch – ich habe das Buch, nachdem ich mich eingelesen hatte, nicht mehr aus der Hand gegeben.

Links und Anmerkungen:

[1] Webseite zu Ost-Tibet: http://mdokhams.gmxhome.de/Dokham.pdf
[2] Übersichtskarte von Tibet
[3] Website von Ransmayr: http://www.ransmayr.eu/

Christoph Ransmayr
Der fliegende Berg
Fischer Taschenbuch Verlag, 368 S., 2007

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7 Responses to “Christoph Ransmayr: Der fliegende Berg”

  1. Constanze Says:

    Eine sehr schöne Rezension, vielen Dank!
    Ich hatte vergangenes Wochenende das Glück, Christoph Ransmayr in München in einer Lesung aus seinem neuen Buch „Atlas eines ängstlichen Mannes“ zu hören.
    Falls dir seine Bücher gefallen, lohnt sich sicher auch mal das Hineinhören in eines der von ihm selbst gelesenen Hörbücher. Er ist ein sehr talentierter, einnehmender Vorleser, dem man sich selbst in einem unruhigen, überfüllten Lesungssaal kaum entziehen kann.

    Was mir zu deiner Verwunderung über die Wahl des irischen Bruderpaares noch einfällt: Meines Wissens lebt Christoph Ransmayr seit einiger Zeit selbst in Irland, daraus resultiert vielleicht seine Verortung der Protagonisten.

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    • flattersatz Says:

      liebe constanze, auch dir herzlichen dank für deinen besuch und dein lob! sternschnuppe/karin beschreibt ja auch wie du, daß ransmayr als vorleser herausragend sein muss… leider wohne ich etwas abseits der großen zentren, so daß ich ihn wohl so leicht nicht hören werde und hörbücher sind noch nicht mein ding…

      das mit dem irischen domizil könnte natürlich eine erklärung sein, danke für den hinweis!

      liebe grüße
      fs

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  2. Was für eine wunderbar poetische Besprechung dieses außergewöhnlichen Buches, lieber Flattersatz, es ist ein Besonderes, man muß sich darauf einlassen, das gilt aber im übrigen für alle Werke Ransmayrs.
    Ich habe ihn seinerzeit im Völkerkundemuseum gehört, er ist ein begnadeter Vorleser seiner Werke, und am Montag stellte er im Literaturhaus in Frankfurt sein neues Werk „Atlas eines ängstlichen Mannes“ vor, ein Buch, in dem man wie in einem Atlas zu 70 verschiedenen Orten lesend hüpfen kann
    und immer trauriger wird, was wir Menschen uns Menschen oder der Natur antun. Aber auch dort ist seine Sprache wieder poetisch verdichtet. Seine Texte lassen einen nicht los.Die 500 Zuschauer im Saal waren mucksmäuschenstill.
    Wer keine Zeit zum Lesen hat, sollte sich vielleicht die Hörbuchfassung kaufen, es lohnt sich

    http://www.fischerverlage.de/media/fs/308/LP_978-3-10-062951-7.pdf

    Der Presseabteiling des Fischerverlages habe ich einen Link zu aus.gelesen per Mail gesandt, sie werden sich bestimmt freuen.

    Mit herzlichen Grüßen
    Karin

    .

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    • flattersatz Says:

      wieder mal ein herzliches, beschämtes danke für ihr lob, liebe karin…. und ein danke für den hinweis, auch wenn ich hörbüchern gegenüber nicht so offen bin, sie belegen mich zu sehr, lassen meiner fantasie nicht so viel raum wie das gelesene wort…

      liebe grüße
      fs

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  3. ich habe noch etwas vergessen -:)) der Flattersatz schreibt im Flattersatz …..Chapeau vor Ihren Schreibkünsten

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  4. Guten Morgen, lieber Flattersatz,

    ich bin auch kein Typ von Hörbüchern, denn nach kurzer Zeit höre ich weg und nicht zu, während ich beim Lesen eintauche in das Geschriebene und ins Buch drifte.
    Aber es gibt viele Literaturinteressierte, denen nicht so viel Zeit zum Lesen zur Verfügung steht und sie können dann auf dem Weg zum Arbeitsplatz im Auto/Bahn o.ä. zumindest hören…denen galt mein Hinweis mit dem Hörbuch.

    Bezüglich der Verortung: damals im Völkerkundemuseum erzählte er uns, daß er ein Mensch sei, der absolute Stille um sich herum beim Schreiben liebe, weil er so konzentriert seine Sätze formuliert, sie sich beim Gehen vorspricht und an der Ausgestaltung feilt, bis sie klingen und daß ihm sein auftretender ihn quälender Tinnitus einen bösen Streich spielt und er glaubte verrückt zu werden. Er beschloß dann an eine Küste mit wildtobendem Meer zu ziehen, damit die Wellen-/Wassergeräusche die Töne in den Ohren übertönten. Das war einer der Gründe, in Irland zu wohnen.
    .
    Inzwischen lebt er wieder in Wien und ob er sich zum Schreiben immer wieder nach Irland zurückzieht, weiß ich im Moment nicht, vermute es aber.

    Ein harmonisches Wochenende wünscht Ihnen

    Karin

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    • flattersatz Says:

      danke für diese Infos, liebe karin! daß sich ransmayr in der stille so wohlfühlt und sie ihm bedingung ist für sein schreiben, ist mir natürlich sehr sympathisch, ich bin ihm da ähnlich. und wenn ich damit selbstverständlich auch das ergebnis nicht vergleichen will, so formulier auch ich viel von dem, was ich schreibe, schon vorher in der inneren rede, so daß ich den text dann nur noch aus meinem kopf abschreiben muss…. na ja, so in etwa wenigstens…. ansonsten ist tinnitus eine schlimme sache, die die lebensqualität stark einschränken kann.. meeresrauschen mag da helfen…

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