Jonathan Safran Foer: Alles ist erleuchtet

„Alles ist erleuchtet“.. ein seltsamer Titel, als ob es das Erweckungsbuch einer Sekte wäre…. Du, sag mal, um was geht es eigentlich in diesem Roman und wer ist die Hauptperson?
Also, erst einmal zur Hauptperson. Das kann man nämlich garnicht so genau sagen. Einerseits ist es natürlich der „Held“, Jonathan Safran Foer, der im Mittelpunkt steht (und zufällig genauso heißt wie der Autor), aber natürlich ist auch Alex sehr wichtig, dessen Großvater und sowieso: ohne Auguste wäre die ganze Geschichte garnicht zustande gekommen und ohne Brod auch nicht….
Das musst du mir aber näher erklären!
Ahhh.. du willst also wirklich wissen, worum es in diesem Buch geht?
JA!
Gut. Dann erzähl´ ich´s dir!. Also, das Buch fängt mit Alex an, der eigentlich Alexander Perchow heißt, in der Ukraine lebt und ein etwas großmäuliger Typ ist. Den man aber ins Herz schließt, wenn man ihn näher kennen lernt und das werden wir im Lauf des Buches. Er arbeitet als Dolmetscher für eine Organisation mit dem Namen „Heritage Tours“, obwohl er die Rede der fremden Worte meist nicht so gut entwältigt. Na, jedenfalls treffen so Jonathan Safran Foer (der Kürze willen werden ich diesen jungen Amerikaner jetzt nur noch Jonathan nennen) und Alex aufeinander, denn Jonathan kommt in die Ukraine, um die Spuren seiner Vergangenheit zu suchen.
Das klingt aber dramatisch… Heritage Tours: was ist das denn?
Na ja, es ist kein Einzelfall, daß sich Juden auf die Suche nach ihrer eigenen Geschichte machen und in die Länder fahren, aus denen ihre Vorfahren stammen, die im 2. Weltkrieg dann deportiert und/oder ermordet wurden. Und so hat die Ukraine eben eine Firma gegründet, die diese Leute betreut [6]. Und für Jonathan haben sie Alex und seinen Großvater als Führer vorgesehen. .. Was heißt dramatisch? Ja, natürlich.. andererseits ist es ein vieltausendfaches Schicksal der Juden der heutigen Generation, daß ihre Großeltern damals ausradiert worden sind….  Jonathan jedenfalls hat ein altes Bild dabei mit seinen Großeltern drauf und einem jungen Mädchen. Der Beschriftung nach heißt das Mädchen Auguste und sie soll seinem Großvater das Leben gerettet haben. Ohne Auguste also auch keinen Jonathan, und deswegen will Jonathan sie jetzt finden!
Ist das in der Ukraine passiert, weil der Amerikaner jetzt dorthin gefahren ist?
Ja, in der Ukraine, genauer noch, in dem Dorf „Trachimbrod“. Aber lass mich der Reihe nach erzählen!
Ok. Ich höre angespannt zu!
Also, Jonathan hat diese Reise in die Ukraine gebucht und Alex ist sein Dolmetscher. Nun brauchen sie noch einen Fahrer, den macht der Großvater von Alex, der jedoch blind ist. Na ja, er tut wenigstens so. Vielleicht sollte ich noch, weil es ganz witzig ist (zumindest, wenn man nicht mit ihm im Auto sitzt und eventuell vllt sogar noch Angst vor Hunden hat (insbesondere solchen, die sexuell erregt werden, wenn sie einen riechen)), Sammy Davis jr.jr. erwähnen, der schließlich auch immer dabei ist.
Hmmm… das hört sich nach einer kurzgeweilten Konstellation an!
In der Tat, das tut es ! Aber für Jonathan war das alles garnicht witzig, da er neben dem Hund sitzen musste, der schnell die neunundsechziger-Position einnahm, mal abgesehen von seinen Blähungen…. der erste Teil eines schönen roadmovies, das Foer in seine Geschichte eingebaut hat…
Oh ja, das kann ich mir gut vorgestellen! Erzähl weiter!
..ja, mach ich doch! Jedenfalls machen sich die drei plus Sammy Davis jr.jr. auf die Suche nach Auguste bzw. nach Trachimbrod. Das das nicht so ganz ohne Komplikationen geht, das Leben oder Überleben in der Ukraine für einen Amerikaner sowieso mit Überraschungen verbunden ist, muss ich nicht extra ausführen. .. Sie sind also unterwegs in der staubigen Landschaft irgendwo im Nirgendwo der Ukraine, aber niemand, den sie treffen und fragen, kennt das Dorf Trachimbrod.
Da werden die Drei aber eine geordentlichte Frustrierung gehabt haben?
Frust, auf jeden Fall. Aber wie es oft so ist, als sie schon aufgeben wollen, sehen sie eine alte Frau vor einer Hütte sitzen und Alex fragt sie sozusagen als letzten Versuch und er ist hartnäckig und zeigt ihr das Foto von Jonathans Großvater und dann sagt die Frau ja, sie kenne diesen Mann, das sei Safran.
Aha, Ende gut, alles gut?!
Nein, nein, nicht so voreilig! Ganz so einfach ist das Buch nicht gestrickt! Ja, die Frau kennt Safran, Jonathans Großvater, sie kennt auch die Geschichte von Trachimbrod, sie ist die Geschichte von Trachimbrod, die sie in Kartons gesammelt hat, ausgegraben aus der Erde, aufgelesen vom Boden, sortiert und beweint. Und sie führt die drei Männer (und Sammy Davis jr.jr.) an die Stelle, an der sich Trachimbrod befand, bevor das Dorf von den Nazis und seine Menschen vom Erdboden getilgt wurde…
Na ja, was ist daran nicht einfach, also ich meine nicht die Geschichte, die ist schrecklich, aber die Art, sie zu erzählen? Jetzt kann Jonathon doch nach Hause fahren, nachdem er Auguste gefunden hat und das Schicksal seiner Familie kennt?
Weißt du, ganz so einfach hat es Foer eben nicht gemacht. Du musst dir ein Haus vorstellen mit drei Zimmern, die untereinander verbunden sind, zusammenhängen und als ganzes das Haus bilden. Das Haus ist der Roman, die drei Zimmer sind drei Erzählungen, die Foer vor uns ausbreitet, die zusammenhängen und doch eigenständig sind.
???
Ok, ok… also, da erzählt er uns zum einen die Geschichte des Ortes, denn man kann die Gegenwart nicht verstehen, wenn man die Vergangenheit nicht kennt. Und der Zeitpunkt, an dem das Schtetl aus dem Unbenannten tritt, ist der Moment, in dem Trachim mit seiner Kutsche in den Fluss fährt und allerlei Krimskrams auf dem Wasser schwimmt (Trachim aber nicht…) und ein neugeborenes Mädchen aus den Fluten der Brod auftaucht, fast so wie Venus, die Schaumgeborene… und dieses Mädchen wird nach dem Fluss Brod benannt und derjenige, bei dem sie aufwachsen soll, wird ausgelost aus den Menschen des Dorfes, das sich selbst später dann den Namen Trachimbrod gibt. Und mit dieser Brod beginnt die Geschichte von Jonathans Familie….
na gut, das versteh ich .. und das zweite Gezimmer?
Foer läßt Alex, der mit der englischen Rede etwas im Kriegerfuss steht und dem das synomyme Lexikon zu unfreiwilliger Komik vergehilft das Roadmoviemotiv beschreiben. Roadmoviemotiv: drei Männer und eine Hündin in einem alten Auto auf der Suche nach ihrer Vergangenheit –
Wieso nach ihrer Vergangenheit? Ich denke, nach der von Jonathan?
Siehst du, das ist noch so eine Schleife, die Foer eingebaut hat. Es wird sich im Lauf der Geschichte zeigen, daß es in der Vergangenheit einen Punkt gibt, an dem sich die Geschichte von Safran, Jonathans Großvater, und von Alexs Großvater begegnet sind…. es ist eine sehr traurige, menschliche, tragische Geschichte, deren Enthüllung auf Alex wartet…
hmmm…. meinst du, daß Alex, der Großvater und Jonathan glücklich sind, daß sie jetzt ihre Geschichte kennen?
Ich weiß es nicht. Aber ich denke, daß Alex mit der Zeit lernen wird mit dieser Geschichte zu leben. Am Ende des Buches wird sich zeigen, daß er erwachsen geworden ist auf dieser Suche.. und dem Großvater, denke ich, ist eine Last von den Schultern genommen, die Last, ein unendlich schwer zu tragendes Geheimnis losgeworden zu sein… er ist danach befreit, auch wenn der Weg, den er wählt, anderes zu sagen scheint….
…. zwei Zimmer.. und welche Geschichte wohnt in dem dritten, das du erwähnt hast?
Nun, das dritte Zimmer ist der Briefwechsel zwischen Jonathan und Alex, in dem sich die Entstehungsgeschichte des Buches widerspiegelt. Na ja, Briefwechsel ist etwas irreführend, da wir nur die Briefe von Alex an Jonathan lesen können, was Jonathan schreibt, erschließt sich nur indirekt und in Teilen… jedenfalls wächst einem Alex durch seine wahrheitliche Art zu schreiben sehr ans Herz…
ach, wenn ich das so höre, was du über den Roman sagst (und auch nicht sagst…), das scheint ja ein wundervolles Buch zu sein… gibt´s denn garnienix kritisch anzumerken?
ja, es ist ein wundervolle Geschichte, eine sehr traurige zwar, aber eine gelungene, ans Herz gehende Erzählung eines Familienschicksals, das stellvertretend steht für Millionen andere Schicksale. Du fragst nach Sachen die mir aufgefallen sind… na ja, wenn ich im Kleinkarierten suche… also: die Begrifflichkeiten sind mir ab und an aufgefallen. An einer Stelle in der Geschichte Brods zum Beispiel ist von „Klezmermusik“ die Rede, ein Begriff, der – wenn ich der Wiki glauben darf [3] – erst um 1970 gebräuchlich wurde. Die Musik gab es natürlich schon früher, aber nicht unter diesem Begriff…. Brod hat auch ein Aufzeichnungen hinterlassen, z.B. über ihre 631 Traurigkeiten. In diesen tauchen die Begriffe Anus, Cunnilingus und Fellatio auf… das freudvolle Unterfangen schon, aber ich bezweifel einfach, daß um 1800 chassidische Juden auf dem Gebiet der jetzigen Ukraine mit diesen Begriffen vertraut waren (wenn sie nicht sogar erst später gebräuchlich wurden)… der Term „sexy“ für die Zeit um 1930 ist mir auch aufgefallen…
 hmmm… weiß ich jetzt auch nicht…
Überhaupt… auch wenn die Geschichte des Ortes Trachimbrod oft märchenhaft erscheint, wie eine Fabel, so wie Überliefertes oft an Ausschmückungen dazu gewinnt.. manche der Arabesken, die Foer flicht, sind schon sonderbar so wie das Ende des Kolkers als angebetete Sonnenuhr Trachimbrods oder die Antizipation des „glory holes“, so wie es heutzutage in schmuddelingen Sexshops zu finden ist…. die Darstellung des Großvaters von Jonathan ist ebenfalls seltsam. Er läßt ihn mit neonataler Bezahnung auf die Welt kommen, was dazu führt, daß seine Mutter ihn sehr früh abstillt. So leidet er unter Calciummangel, bleibt ein zarter Junge und sein rechter Arm verkümmert und ist leblos. Trotzdem: mit 10 Jahren hat er seinen ersten Verkehr, mit einer Witwe, und es kommen noch 135 andere Frauen dazu, mit denen immerhin 2700 Akte zustande kommen. Trachimbrod muss zu dieser Zeit ein Hort der Pädophilie und Acrotomophilie gewesen sein, denn es war gerade ein lebloser Arm, der die Frauen anzog… und, damit dem Schurik ähnlich [4], ohne, daß er je Liebe dabei empfand. Oder ist diese Darstellung des Großvaters ein Bild? Aber wofür steht es dann? Abgesehen davon, daß dann die durchaus plastischen Schilderungen, was frau so alles mit einem abgestorbenen Arm anfangen kann, nicht nötig wären.. vllt ist es auch nur der jugendliche Überschwang eines 24jährigen Autoren, der zeigen will, was er drauf hat…. jedenfalls, und darin liegt die Bedeutung dieser Charakterdarstellung, zerstreiten sich Jonathan und Alex darüber, bzw. Alex bricht mit Jonathan, weil er diese negative Darstellung nicht nachvollziehen kann, weil er die Feigheit sieht, die dahinter steckt: die Angst, sich zu verlieben, sich bedingungslos einem Menschen zu verschreiben, nicht nur beim Großvater, sondern auch bei Jonathan.
Mein Lieber, jetzt hast du aber eine ganze Menge über das Buch erzählt! Hat es dir denn nun gefallen, aber bleib wahrheitlich! Übrigens, als letzte Frage, haben die jetzt Auguste eigentlich gefunden und wie ist denn Jonathans Großvater letztlich gerettet worden?
Ja, ohne wenn und aber (wenn du von den wenigen korinthenkackerischen Anmerkungen absiehst). Es ist eine intelligent geschriebene, fabulierende Geschichte um ein trauriges, tragisches, schreckliches Ereignis herum, die so ausführlich sein musste, weil man, um die Gegenwart zu verstehen, die Vergangenheit kennen muss. Es sind wunderbare Charaktere, kantige Menschen mit eigenem Profil, denen man in der Geschichte begegnet, egal, ob ihm Hier und Jetzt oder solche aus der Vergangenheit, es sind Geschichten auch aus dem jüdischen Leben eines kleinen Schtetls in Osteuropa, es ist die Suche nach der Liebe und dem eigenen Selbst. Was deine Frage angeht, mein Freund, die kann ich dir nicht beantworten… sie haben eine Frau gefunden, von der sie wollten, daß es Auguste sei… aber wie der Großvater vor der Ermorderung gerettet worden ist, wie er nach Amerika kam, wie er zum zweiten Mal heiratete, (da seine erste Frau, der erste Mensch (ausser seiner Mutter), den er liebte, zusammen mit dem noch ungeborenen Baby im Bombenhagel der Deutschen ertrunken war,) so daß Jonathan geboren werden konnte.. das weiß ich nicht – ob ich es nur überlesen habe oder ob es nicht mehr erzählt worden ist, auch das kann ich dir nicht sagen…..

Links und Anmerkungen:

[1] Wiki-Artikel über Trachimbrod
[2] eine sehr schöne WebSite zum Buch: http://www.whoisaugustine.com/who_are_you.htm
[3] Wiki-Artikel über Klezmermusik
[4] Ljudmila Ulitzkaja: Ergebenst, euer Schurik
[5] Natürlich gab es auch einen Film zum Buch: der deutsche Trailer bei youtube
[6] wem würde da jetzt nicht sofort Iris Hanika einfallen: Das Eigentliche

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26 Kommentare zu „Jonathan Safran Foer: Alles ist erleuchtet

  1. Lieber Flattersatz,

    eine zauberschöne Zusammenfassung dieses Buches und nicht zu streng sein mit dem Autor….er ist noch so blutjung und es wäre Sache des Lektors gewesen, diese Ungereimtheiten auszumerzen….aber gerade das Unperfekte, diese ganz und gar unglaubliche Mischung macht den Lesespaß aus.
    Dieses Bild mit den drei Zimmern hat mir gut gefallen und dazu nochmal mein Hinweis auf Nicole Krauss, seine Frau, “ Das grosse Haus “ auch dort ist es eine Suche nach Wurzeln, eine Reise in die Vergangenheit.

    Einen immer noch sonnigen Morgengruß
    vom Schutzengel

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  2. Lieber flattersatz,
    herzlichen Dank für diese zauberhafte Besprechung, lieber Flattersatz! Ich habe das Buch schon vor einigen Jahren gelesen, so dass meine Erinnerungen leider etwas verwaschen sind. Durch deine Rezension konnte ich mich aber sehr gut noch einmal in die Geschichte zurückbegeben. Ich weiß, dass mir der Roman damals gefallen hat – zumindest passagenweise. Richtig begeistert hat mich von Foer dann aber eher sein zweiter Roman „Extrem laut und unglaublich nah“. „Alles ist erleuchtet“ wurde auch verfilmt, ich habe mir den Film vor einiger Zeit aufgenommen, doch bis heute noch nicht geschaut. Das sollte ich vielleicht nachholen.
    Liebe Grüße
    Mara

    P.S.: Erwähnt hatte ich es bei dir irgendwo schon, aber „Das große Haus“ von Nicole Krauss hatte mir ja leider gar nicht gefallen.

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    1. liebe mara,
      es freut mich, daß du durch meine besprechung ein schönes buch wieder in die erinnerung bekommen hast… ich denke, das von dir erwähnte „extrem…“ werde ich sicher auch lesen, auch darüber liest man ja viel positives. mit krauss ist schade, aber so ist es eben, und es ist gut so, daß nicht alles jedem gefällt…. jeder legt die wertung ja anders und manchmal verkeilt sich ein buch auch in eine persönliche befindlichkeit, die nach einiger zeit schon wieder vorbei sein kann. bei diesem buch hier erinnere ich mich, daß vor kurzem eine bloggerin sehr anstoß genommen hat an dem teil, in dem der kolker, also brods mann, nach seinem unfall so gewalttätig geworden war, was mich garnicht „gestört“ hat, weil ich dies bei solcher verletzung des hirns für realistisch halte…. so unterschiedlich sind die eindrücke eben manchmal…

      liebe grüße
      und einen schönen sonntag wünsch ich dir
      fs

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  3. Hehe, eine Rezension in Interviewform – sehr originell, dafür verleihe ich dir einen imaginären Preis!
    Zu dem Buch bzw. zu deiner Meinung über das Buch muss ich nicht mehr viel sagen, du weißt ja, wie sehr ich es verehre (ja, verehre!), und kannst dir denken, wie froh ich bin, dass auch dir es – „ohne wenn und aber“ – gefallen hat. Für mich ist dieser Roman einfach etwas ganz Besonderes, das schon das Maß aller Dinge, ich bin permanent auf der Suche nach Vergleichbarem und werde selten, sehr selten fündig.

    PS: Liebe Mara, die Verfilmung ist durchaus sehenswert, ein liebevoll inszeniertes Werk. Aber angesichts der inhaltlichen, erzähltechnischen und stilistischen Komplexheit des Romans kannst du dir ja vorstellen, dass bei der Übersetzung ins Filmmedium arg zerschnippelt und neuerfunden wurde. Eine treue Umsetzung darf man nicht erwarten, aber ein Vergnügen ist es allemal.

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    1. ja, liebe caterina, ich weiß, was dir dieser roman bedeutet, im übrigen war dies ein grund für mich, neugierig zu sein und ihn selbst zu lesen…

      aber lass dir trotzdem nicht den blick für andere bücher verstellen, indem du sie an diesem speziellen misst. das ist den anderen romanen gegenüber nicht fair und für dich könnte es einen verlust bedeuten, weil du dann nur noch relativ zu foer „wertest“ und das jeweilige buch nicht an sich wahrnimmst….

      aber trotzdem wünsche ich dir sehr, daß du möglichst viele werke findest, die dir das geben können, was dir dieses „…erleuchtet“ gegeben hat!

      liebe grüße
      fs

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      1. Lieber flattersatz, natürlich hast du völlig recht, ich darf an neue Bücher nicht mit der Erwartung herangehen, einen Foer zu lesen, da ginge mir das Schöne an dem jeweiligen Buch verloren, während ich darauf warte, einen Foer’schen Satz zu lesen. Und natürlich gehe ich auch gar nicht an jedes Buch mit dieser Erwartungshaltung heran, sondern nur jene, deren äußeren „Umstände“ (Klappentexte, Pressestimmen) diese Erwartungen geschürt haben, zuletzt war das bei Téa Obreht der Fall. Und auch wenn meine Erwartungen nicht erfüllt wurden, so habe ich die Lektüre doch genossen.
        Aber ich glaube, ich habe mich auch falsch ausgedrückt. Ich suche nicht etwas, das exakt ist wie Foer, sondern etwas, das mich bewegt und berührt und beeindruckt wie Foer – das kann auch auf ganz andere Weise geschehen. Und auf dieser Suche sind wir ja im Grunde immer, sobald wir ein neues Buch aufschlagen – auf der Suche nach einer Leseerfahrung, die einem – wie bei Schutzengel (siehe Kommentar unten) – auch nach Jahren noch in Erinnerung bleibt und einen nachhaltig prägt.

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        1. wenn es dir so viel bedeutet, dieses buch, liebe caterina, dann sei glücklich, daß du es gefunden hast! viele menschen finden vllt nie ein buch, das sie so beglückt… müsste ich solche bücher benennen, fiele mir auch nur ein einziges ein, das hervorragt aus all den hunderten, die ich las…

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          1. Ja, ich bin in der Tat froh. Und es ist ja nicht nur dieses Buch von Foer, sondern zum Beispiel auch Stichwort: Liebe von Grossman, vielleicht sogar mehr noch als Foer. Auch Krauss gehört zu diesen ganz besonderen Entdeckungen.
            Aber nun hast du mich neugierig gemacht: Welches ist denn diese eine Buch, das du nennen würdest?

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          2. Ach ja, Siddharta. Das habe ich mal zu Beginn meines Studiums (aber privat, nicht von der Uni auferlegt) gelesen, aber nicht so recht den Zugang gefunden. Vielleicht war es damals nicht die richtige Zeit.

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  4. @ catarina, mara, flattersatz

    Als Ergänzung von einer alten Leseratte:
    Die Faszination eines Buches ändert sich im Laufe eines Lebens, sie kann erhalten bleiben, sie weicht neuen Leseerlebnissen, es hängt auch vom Lesealter ab und es gibt Bücher, die uns prägen, einem anderen manchmal kaum verständlich, für mich waren das zwei Kinderbücher Friedel Starmatz von Mara Heinze Hofrichter (kennt heute niemand mehr) und Cordula von Werner May, sie haben mich so tief berührt und beim Wiederlesen ist es immer noch so…ich kann es nicht begründen.
    Ähnlich ging es mir mit Ph.Roth Menschlichem Makel (den Film wollte ich nicht sehen) und mit Ransmayr, der mir die Welt Ovids und seiner Metamorphosen erschloß…. Leben und was Literatur daraus macht, es ist immer wieder auf- und anrührend…..
    Raoul Schrott war auch so eine Entdeckung
    Oft bedauere ich die Überfülle auf dem Buchmarkt, aber auch Bücher sind zu einer Massenware geworden, leider …
    Ich habe erst jetzt diese „private“ Art der Rezensionen entdeckt und sie wird mich ermuntern oder abhalten vom Kauf mir oft noch unbekannter Autoren.
    Abgesehen von den Klassikern halte ich machen Autoren schon jahrzehntelang die Treue…..auch darin unterscheiden wir uns zum Glück alle, sonst wären überall die Regale mit den gleichen Büchern gefüllt.
    Ich freue mich, diese Blogs hier entdeckt zu haben…wieder etwas Neues für mich…..

    mit lesewettermäßigen Sonntagsgrüßen
    der Schutzengel

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    1. Lieber Schutzengel, stimmt, die Wahrnehmung eines Buches kann sich über die Zeit ändern – ich selbst habe das zwar noch nicht so oft feststellen müssen/können, da ich bisher erst sehr weniger Bücher mehr als einmal gelesen habe, aber spontan fällt mir Lolita von Nabokov ein, dass mich als Jugendliche und auch zu Beginn meines Studiums zutiefst beeindruckt hat, und jetzt – ein paar Jahre später – habe ich es erneut gelesen und gemerkt, dass ein ganz klein wenig des Zaubers verloren gegangen ist (auch wenn ich es nach wie vor für ein großartiges Buch halte). Das hängt – wie du schon sagst – sicher mit Lebensphasen zusammen, mit Erinnerungen und Stimmungen, die man mit dieser Lektüre zu diesem bestimmten Zeitpunkt verbindet. Und es hängt auch mit der zunehmenden Leseerfahrung zusammen, mit den neuen Entdeckungen, die man über die Jahre macht und die vielleicht neue Maßstäbe setzen und alles zuvor Gelesene in den Schatten stellen.

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  5. Ich habe schon lange ein Augen auf dieses Buch geworfen.
    Den Film kenne ich schon und diese Mischung aus komischen Anteilen mit der Tragik dessen, was in diesem Dorf passiert ist hat mich zu Mindest in der Verfilmung schon begeistert.
    Jetzt soll Jonathan Safran Foer ja einen eher experimentellen Stil haben, wobei das in seinem Debüt ja wohl weniger dominant sein wird.
    LG, Katarina :)

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    1. ich kenn von foer jetzt nur dieses buch, sonst nichts. inwieweit das schon experimentell ist, kann ich nicht beurteilen, es ist jedenfalls schon etwas ungewöhnlich im aufbau und macht lust, mehr von ihm kennen zu lernen…. dir auch liebe grüße
      fs

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        1. WOW! das sieht ja klasse aus! ob es davon je eine übersetzung geben wird? :-) danke für den link!! btw: kennst du Danielewski? der macht ja auch bücher, die etwas aus dem rahmen fallen, zum beispiel das haus… oder auch das neueste von ihm: revolutions, das ich noch nicht besprochen habe, weil.. da fehlt mir noch der zugang zu… ;-) aber mr foer ist wirklich interessant…. erinnert mich an die alten „primitiven“ verschlüsselungsmethoden, wo man die wörter der info mit einer maske auf ein blatt papier geschrieben hat und dann die leerräume mit einer geschichte ausgefüllt hat (oder sonst einem text oder willkürlich worte, weiß nicht… )…

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          1. Auch ich möchte mich für diesen Link bedanken, liebe Bücherphilosophin, der ist wirklich klasse! Ich hoffe sehr auf eine Übersetzung!
            Was das Experimentelle betrifft, würde ich schon sagen, dass die Bücher von Foer die seinem Debüt folgen experimenteller waren. Ich denke dabei vor allem auch an „Extrem nah …“, in dem es eine Art Daumenkino eines Menschen gibt, der aus einem der Türme stürzt.
            Von MZD, lieber Flattersatz, kenne ich nur „Das Haus“, das mich jedoch nur phasenweise begeistert hat. Vor einigen Wochen habe ich einen tollen Artikel in der „Volltext“ über den Übersetzter von „Revolutions“, der die Arbeit an dem Buch als seinen persönlichen Gulag bezeichnet. Sehr interessant.

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          2. das kann ich mir gut vorstellen, die übersetzung der revolutions als persönlichen gulag… der text ist ja mit vielen regeln konstruiert und wenn man die in eine andere sprache übertragen will.. boay ey; voll schrill, ey… sag mal buzz, gibt es da einen link zum „volltext“, wie gesagt, ich häng ein wenig mit dem buch und vllt würde mir der die tür öffnen…

            das haus: ich habe ja auch nur ein/drittel davon gelesen, die ganzen parallelgeschichten ausgelassen. aber mich begeistert halt auch einfach der mut, die ausgetretenen pfade zu verlassen. außerdem hat die story das, was ich unter suspense verstehe.. die als film, das gäbe gänsehaut….

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          3. Ja, der Übersetzer hatte auch ganz schön viel zu klagen und schildert seine umfangreiche Arbeit (zeitweise brauchte er wohl sogar mehrere Assistenten, die Seite um Seite zusammentrugen) mit sehr viel Humor. Online gibt es den Artikel leider nicht. Wenn ich am Wochenende etwas Zeit habe, könnte ich schauen, ob ich ihn dir einscannen könnte …

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          4. liebe buzz, brauchst du nicht, aber herzlichen dank für das angebot. ich habe ja mittlerweile eine radio-aufnahme sprich interview gefunden und hier in einer der antworten verlinkt, ich geh mal davon aus, das da auch alles beschrieben ist….

            liebe grüße!

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        2. Ich habe Tree of Codes schon seit einiger Zeit auf dem Schirm, es kostet nicht wenig für ein Buch, aber ich würde wirklich gerne wissen, was dabei herauskommt, wenn ein begnadetet Schriftsteller wie Foer eine andere Geschichte nimmt, zerschnippelt und eine neue daraus macht.
          Ich finde solche experimentellen Sachen ja generell spannend, Das Haus hat mir deswegen auch schon mal jemand empfohlen…

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