Daniel Depp: Nächte in Babylon

Diese Geschichte ist ein Triumph der klischeehaften Figuren, die da wären (in bunter Reihenfolge): „lonesome wolf“ David Spandau, äußerlich ein Kerl wie ein Baum, Cowboy-Fan und ehemaliger Stuntman, jetzt Privatdetektiv, innerlich verletzlich und durch seine gescheiterte Ehe am Rande selbstmitleidischer Selbstzerstörung, des weiteren die Hollywood-Diva im Alter des versagenden Bleistifttests und damit auch jenseits des Karriereknicks, leicht suizidgefährdet und männerverschlingend, im Inneren aber nichts weiter als ein großes Mädchen auf der Suche nach der großen Liebe. Sodann lernen wir einen Zuhälter kennen, der zwar seine Mädels zu mindestens fünf Freiern die Nacht zwingt, der aber insgeheim ein Opernliebhaber ist und ansonsten das Herz auch auf dem rechten Fleck trägt. Es taucht die leicht ausgeflippte Sekretärin auf, die aber die Seele der Detektei ist und ohne die alles zusammenbrechen würde, natürlich halten die Franzosen die Amis für A**löcher (vice versa) und genauso natürlich fangen wahre Männerfreundschaften mit einer zünftigen Prügelei an…. und last not least der intelligente, aber durch eine schwere Jugend traumatisierte und von einer tyrannischen Mutter beherrschte Täter, der oben erwähnte Diva zum Objekt seiner krankhaften Begierde macht, da er und sie, sie und er, als Art göttlichen Wink beide weiland einen ähnlichen Schicksalschlag zu verwinden hatten.

Der Plot läßt sich folgendermaßen zusammenfassen: besagter, leicht verhaltensgestörter und sozialdefekter Täter hat eine Leidenschaft: Anna, die eigentlich sehr sympathische, für Hollywood langsam aber zu alte Diva. Er sammelt ihr Leben, wie es google ihm bietet, kauft die „ich-war-jung-und-brauchte-das-Geld“-nackelich-Bilder, um sich über ihnen zu ergiessen (was ihm aber ein tierisch schlechtes Gewissen bereitet) und vertraut seinem Tagebuch seinen großen Plan an, was er nämlich mit Anna noch vorhat. Bevor es aber dazu kommt trennt er sich endgültig von seiner Mutter und schlitzt, der kleine Figaro, der er ist, noch kurzerhand den schon erwähnten Opernliebhaber auf und erleichtert ihn um das Geld, das er dabei hat, feines, schönes, illegales Mafiageld …. Special, so heißt der kleine Zuhälter, ist nicht blöde und findet recht schnell heraus, wer ihn da gelinkt hat und reist ihm nach nach Cannes, wo die Filmfestspiele laufen, in deren Jury unsere Anna sitzt. Wen wunderts, daß sie sich Herrn Spandau als Leibwächter mitgenommen hat…. Und so nimmt das Schicksal jetzt an der französischen Mittelmeerküste seinen Lauf und alle, die dort nicht gestorben sind, sind weiterhin gut drauf…

Also, wirklich neues bietet das Buch nicht, die Figuren sind schablonenhaft, die Story vorhersehbar und natürlich fehlt auch eine Love-Story nicht. Trotzdem ist eine unterhaltsame Lektüre und Depp versteht es, auch noch eine gewisse Spannung in den Details zu erzeugen. Da der Autor in Hollywood Drehbücher schreibt, ist er, was dieses Biotop angeht, Insider, so findet sich manch ironisch-sarkastischer Seitenhieb auf die dort vor sich hin existierende Schauspieler-/Produzenten und-was-sonst-noch-Meschpoke… Zusammenfassend und aus eigener Erfahrung würde ich sagen, „Nächte in Babylon“ ist gut geeignet, einen verregneten Nachmittag zu überbrücken, an dem sonst nichts anliegt….

mehr von Daniel Depp bei aus.gelesen: Daniel Depp: Stadt der Verlierer

Daniel Depp:
Nächte in Babylon
übersetzt von Regina Rawlinson
carl’s books, brosch., 352 S., 2011

2 Kommentare zu „Daniel Depp: Nächte in Babylon

  1. Das dürfte wohl deine kürzeste Rezension ever sein, Glückwunsch! :) Und amüsant noch dazu, vor allem der Einstieg. Blöd nur, dass das Buch selbst keinerlei Neugier bei mir auslöst. Das fängt schon bei dem billig aufgemachten Cover an. Sieht aus wie ein C-Movie-Filmposter :D

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    1. danke für deine glückwünsche, caterina! mir scheint, ich habe einen ruf zu verlieren.. ;-)
      mit der assoziation zum film hast du natürlich recht, mr d.depp arbeitet ja als drehbuchschreiber, mit mr j.depp ist sein halbbruder, damit färbt hollywood natürlich auch auf das buch ab. ich denke, dieser bezug zu den alten detektivmovies á la … (bitte selbst ausfüllen, ich bin kein filmkenner!) ist durchaus beabsichtigt. andererseits ist das buch wirklich gut lesbar, unterhaltend geschrieben.. es ist wie backen: aus bekannten zutaten einen schönen kuchen für den nachmittagskaffee produziert, der nicht im gedächtnis bleibt, aber geschmeckt hat. also nix mit gefrorenem meer. eher ein softeis.

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