zum jahres.beginn: Reichtum der Stille

1. Januar 2012

Wie arm ist
wer seine Wüste nicht hat
mitten im Lärm der Zeit!

Ein älteres Buch, man sieht es ihm an. Die Bilder nicht auf dem Stand der heutigen Technik, noch im Geiste der Bilder, wie sie eben in den 70/80er Jahren des letzten Jahrhunderts veröffentlicht wurden. Aber passt dies nicht gut zu der Reise, die man als Leser mit diesem Buch beginnen kann? So wie uns das Buch zeitlich ein paar Jahre zurücknimmt, so regt es uns an, uns selber auch zurückzunehmen, uns für Momente, Augenblicke aus dieser Welt zu entfernen und in uns selbst zu gehen, um uns dort selbst zu begegnen.

Seine Wüste nicht hat im Lärm der Zeit…. ein für uns im ersten Moment unverständliches Bild. Aber ist die Wüste nicht schon immer ein Ort der Selbstfindung gewesen, ein Ort, der uns auf uns selbst zurückwirft? Ein Ort, an dem nichts ist, was uns ablenkt, was uns von unseren Geistern, die in uns wohnen trennt…. Zu allen Zeiten sind die Menschen auf der Suche nach innerer Ruhe, nach Kraft, nach Besinnung in die Wüste gegangen, sind dort versucht worden von den äußeren Dämonen, den Begierden, bis sie schließlich die Kraft hatten, sich selbst zu auszuhalten und in sich ruhend zu werden.

Ich habe schon einmal hier einen Beitrag über das Thema „Stille“ gepostet und möchte dies heute wieder aufgreifen mit diesem Buch, das ich in einer Grabbelkiste gefunden habe. Es ist als Begleiter gedacht für die Reise in die eigene Stille, die eigene Wüste, an den Ort, an dem ich mir selbst begegnet in all meiner Unvollkommenheit. Wer einmal versucht hat, eine halbe Stunde still, ohne sich zu bewegen zu sitzen mit einer weißen Wand vor sich, wird wissen, was ich meine….

Einen Text aus dem Buch möchte ich dem Jahr 2012 voranstellen, denn er erzählt von dieser Stille, die die Kraft, die man braucht, sich ihr auszuliefern, vielfach zurück gibt…

„Stille ist nicht einfach da, wenn einer sie sucht. Denn sie entsteht nicht von selbst, wo das äußere Leben zurücktritt, wo die Hast der Arbeit sich entfernt oder der Straßenverkehr verstummt. Das einsam Zimmer an Ferienort ist noch kein Ort der Stille, sowenig wie der abgelegene Raum des Kranken. Denn wie die äußere Welt schweigt, setzen die inneren Stimmen ein, beginnt das Herz zu reden, zu schreien, zu fragen oder sich selbst Antworten zuzulärmen, stehen die Erinnerungen auf, kommen die Gespräche wieder, die abgebrochenen, und schließen sich die Selbstgespräche an, die anklagenden und die verteidigenden, die beweisen sollen, daß das Leben ungerecht und die Menschen undankbar seien, der Redende selbst aber ohne Schuld. Es gibt eine Lautlosigkeit, die leer und trostlos ist wie eine Wüste, dunkel wie ein Gefängnis, gefährlich wie ein Raubtier, von Stimmen durchschwirrt wie die Hölle selbst. Jede Stille, die man nicht liebt, wird zu Hölle.

….

Stille entsteht in der Stunde, in der eine quälende Frage ihre gute und klare Antwort gefunden hat. Sie tritt ein, wo uns statt eines ängstigenden Bildes ein tröstliches vor der Seele steht. Aber sie kommt nicht von selbst und nicht zufällig. Ohne Warten und Stillhalten geschieht nichts Erlösendes an uns.

Jörg Zink

In diesem Sinn wünsch ich euch allen ein gutes Neues Jahr voller schöner Momente, auch voller stiller Augenblicke, in denen das Glück in euch hineinströmen soll…. und uns allen wünsch ich – ganz profan und weltlich – auch viel Spaß im nächsten Jahr, viele gute Bücher und die Zeit, sie zu lesen, in die Welten zu reisen, die sie für uns aufspannen und fabulierend gestalten!

euer flattersatz

Rudolf Schnettler (Textauswahl)/Edmond Van Hoorick (Fotos)
Reichtum der Stille
Fotokunst-Verlag Groh, München, 1980

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3 Responses to “zum jahres.beginn: Reichtum der Stille”


  1. Dir auch ein schönes neues Jahr, lieber Flattersatz!

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