Menantes-Preis 2010: Lob der Jadeflöte

4. November 2011

Jade spielt in der chinesischen Philosophie eine große, herausragende Rolle, wird aber auch als umschreibender Begriff in der erotischen Sprache verwendet. So ist der Titel des kleinen Bändchens, in dem zum 3. Mal ausgesuchte Beiträge zum Schreibwettbewerb für erotische Dichtung eine deutliche Anspielung auf den Inhalt der Beiträge….

Zum dritten Mal wurde 2010 der Wettbewerb ausgeschrieben im Namen des 1721 verstorbenen Verfassers u.a. galanter Texte Christian Friedrich Hunold, Wieder ist es eine Zusammenstellung von 35 Beiträgen, Gedichte und Prosatexte. Da ich die beiden anderen Bände ebenfalls hier vorgestellt habe („Wehre dich nicht„… und „Ich siebenhändiger Mann„) soll auch dieser Band nicht fehlen, insbesondere da er durch Zeichnungen von Gerd Mackensen (von denen hier einige zu sehen sind), die durchgängig in Schwarz/Rot gehalten sind, sehr gewinnt. Auch der Einband ist sehr gelungen, nimmt man das Buch in die Hand, ist man ob des ersten haptischen Eindrucks verblüfft, es ist, als ob man einen Stoff, Samt, berührt…

Die Texte, darin unterscheidet sich das Bändchen nicht von seinen Vorgängern, sind trotz Vorauswahl von gemischter Qualität. Manchen merkt man ein Bemühen an, eine gewisse Künstlichkeit, andere dagegen verstehen es sehr schön, eine erotische (was ist das eigentlich?) Atmosphäre zu schaffen. Besonders einige der Gedichte sind erwähnenswert, weil sie die eigenen Vorstellungskraft zu animieren und zu wecken verstehen.

Kurz sind sie alle, die Beiträge, das liegt in der Konzeption des Wettbewerbs, der nur Beiträge mit maximal 2000 Zeichen zuläßt. So eignen sie sich zum kurzen Genuss, zum spontanen Aufschlagen des Büchleins für eine kleine Anregung zwischendurch oder auch – natürlich – zum Vorlesen…

… und vllt liegt gerade darin, daß die Geschichten so unterschiedlich sind, der Reiz.

Jens-Fietje Dwars (Redakteur)
Lob der Jadeflöte
Illustrationen von Gerd Mackensen
quartus-Verlag 2010, brosch., 120 S.

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4 Responses to “Menantes-Preis 2010: Lob der Jadeflöte”


  1. die Illustrationen scheinen jedenfalls gelungener als die doch recht langweiligen Fotos aus dem letzten Band.

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    • flattersatz Says:

      jetzt muss ich gerade noch mal nach dem letzten band schauen….

      minuten später…

      jetzt hätte ich fast despektierlich geschrieben: künstlerischer akt halt…. aber du hast recht, die diesjährigen zeichnungen sind frecher, aufregender, frischer…

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  2. flattersatz schrieb: „….eine erotische (was ist das eigentlich?) Atmosphäre zu schaffen“.
    Mir sind zahlreiche Versuche, den Unterschied zwischen Sexualität und Erotik zu definieren, begegnet, einer hat mich überzeugt: „Erotik ist das, was das Verlangen und die Erregung steigert, Sexualität das, was sie abbaut und schließlich beendet.“ Und dieses „das, was …“, das sind z.B. auch die Phasen einer Begegnung, zuerst die eine, dann die andere.
    Das erhebt sicher keinen Anspruch darauf, die ultimative Definition zu sein, sofern es die geben kann, aber ein Stück Wahrheit ist da sicher drin.
    „Lob der Jadeflöte“ habe ich nicht gelesen und fühle mich durch die Rezension auch nicht dazu animiert. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass du entgegen deinem sonstigen Usus auf jegliches Beispiel verzichtet hast, auf jegliche inhaltliche Anmerkung, sondern nur das Formale betrachtest.

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    • flattersatz Says:

      ich danke dir herzlich für diesen kommentar!

      zu der von dir wiedergegebenen „definition“ der begriffe „erotik“ und „sexualität“ möchte ich aus meiner sicht folgendes anmerken:

      zum einen rein formal rangieren sie für meine begriffe nicht auf der gleichen ebene. erotik ist meiner ansicht nach eine teilmenge des übergeordneten terms sexualität, von daher kann ich mit dies aussage nicht so viel anfangen.

      zum anderen sehe ich auch inhaltlich probleme. warum sollte nach dem höhepunkt der erregung keine erotik mehr da sein, warum sollte dann die – offensichtlich minderwertigere, weil vllt tierischere – sexualität herrschen? ich denke, der abbau sexueller erregung kann genauso erotisch sein wie der aufbau….

      ich würde einen dritten term ins spiel bringen, den der pornographie. dann wäre für mich erotik die kultiviertere form der sexualität, pornographie die ungezügelte, wilde, grenzüberschreitende, dies alles ohne wertenden unterton. wobei natürlich pornographisches, was in trauer zwei-, drei- oder mehrsamkeit betrieben wird, wiederum sehr erotisch sein kann… und es gibt, wir wissen es alle, durchaus situationen, in denen das vulgär-pornographische f-wort als aufforderung oder ankündigung das einzig adäquate ist…

      auch darüber ließe sich sicherlich streiten, jeder hat da seine eigenen erfahrungen oder ansichten….

      letztlich ist erotisch vielleicht „nur“ das, was jeder als erotisch empfindet, ein geben und nehmen, ein erobern, verführen, ein sich erobern und verführen lassen….. ein spiel, das mit dem sieg beider (bzw. aller beteiligter) endet oder von neuem beginnt….

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