Markus Zusak: Der Joker

Die Geschichte setzt ein, als Ed und Marv auf dem Boden einer Bank liegend, miteinander in einen bei ihnen zum guten Ton gehörenden Streit geraten, der die Bankräuber, die sie mit einer Waffe bedrohen, ziemlich nervt. Und zwar sosehr, daß ihnen die Situation aus dem Ruder läuft und sie dann – mit Eds Hilfe – geschnapt werden.

Das macht den 19jährigen Ed, ansonsten ein Verlierertyp, der sich einen Job als Taxifahrer erschwindelt hat, für eine paar Tage zum Helden und gibt ihm selbst auch ein wenig Selbstbewusstsein. Das er auch gebrauchen kann. Noch aber schlägt er seine Zeit mit seinem ewig stinkenden Köter, dem Türsteher und seinen ebenso sinn- und ziellos vor sich hinlebenden Freunden Marv und Ritchie beim Kartenspiel tot. Und mit Audrey, die er anhimmelt, die sich selbst aber das Gefühl Liebe verboten hat.

In diese sinnlose Routine platzt eine Spielkarte, ein Karo-Ass, beschrieben mit Adressen und Uhrzeiten. Ed ist beunruhigt durch die Karte, zeigt sie seinen Kumpels und Audrey ist es, die es schließlich auf den Punkt bringt: „Bei jeder dieser Adressen wird etwas passieren, Ed, und du musst darauf reagieren.“ Damit ist die Handlung des Buches auch schon umschrieben.. ein Kartenspiel hat 4 Asse und dann gibt´s noch den titelgebenden Joker….

Das Buch hat eine Botschaft, es trieft förmlich vor dieser Botschaft, frei nach (dem seinerzeit noch unbekannten Obama) „Yes, you can“, oder etwas musikalischer mit Jimmy: „You can do it, if you really want!„. Ed, der bis dato (außer der Vereitelung des Bankraubs) in seinem Leben noch nichts auf die Beine gestellt hat, wird also vor Aufgaben gestellt, bzw. bekommt Hinweise und muss die Aufgaben, die dort auf ihn warten, selbst erkennen. Natürlich, die Aufgaben fordern ihn, er muss eigene Ängste überwinden, muss überhaupt erst einmal erkennen, was zu erledigen ist. Das geht nicht ohne Schmerzen ab, der unbekannte Kartenspieler beobachtet ihn offensichtlich ohne Unterlass, er weiß über sein Leben Bescheid, er schickt ihm seine Boten, die ihm seinen Willen handgreiflich klar machen.

Ed ändert sich in diesen Wochen, Monaten. Aus dem vor sich hinlebenden wird ein nachdenklicher, die Menschen beobachtender, auf sie eingehender Ed. Ein Ed, der sich einbringt, der Ideen hat. Es sind nicht immer große Dinge, die er vollbringen muss, manch kleines ist einfach auch nur dadurch groß, daß es gemacht wird. Es ist ein Prozess der Reinigung, der Läuterung, der Erkenntnis, den unser guter Ed geht, gehen muss, der ihm aber auch immer mehr Spaß macht und Freude bringt. Es ist ein Weg, der ihn zum Schluss auf sich selbst zurückführt, der sich selbst als eine seiner Aufgaben begreift.

Eine geradezu biblische Geschichte eines Menschen, dem 12 Aufgaben gestellt wurden bis er zur Erlösung (sogar Jesus muss für Analogien herhalten: „Er ist für diese Menschen ins Gefängnis gegangen. Er ist für mich ins Gefängnis gegangen„), zur Erkenntnis gelangen kann. Wie schon geschrieben, das Buch trieft vor Botschaft, es ist phasenweise pathetisch bis zum Anschlag, um diese triviale Weisheit zu verbreiten: „Wenn du wirklich willst, kannst du Dinge machen, die du dir garnicht zutraust“….

Ok, es gibt schlimmer Botschaften, auch wenn es hier etwas dick aufgetragen wird. Da das Buch hat 2007 einen Deutschen Jugendliteraturpreis zugesprochen bekommen, auch ansonsten sind die Besprechungen ja überaus positiv. Es ist von der Sprache her sicherlich für Jugendliche geeignet, es gibt keine komplizierten Satzkonstrukte oder erst lexikalisch zu deutende Wortungetüme, das Buch liest sich in einem Rutsch herunter. Die Hauptfiguren sind bei aller Loserhaftigkeit sympathisch und erfrischend normal, irgendwie und irgendwo kann sich jeder in dieser Geschichte wiederfinden.

Facit: Mir ist die Botschaft etwas zu dick aufgetragen, die Geschichte etwas zu dünn und die Auflösung am Schluss etwas zu konstruiert. Für Jugendliche aber sicher keine schlechte Lektüre…

Markus Zusak
Der Joker
übersetzt von Alexandra Ernst
als TB bei ctb, 2008, 448 S.
Originalausgabe 2002, Sydney

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11 Kommentare zu „Markus Zusak: Der Joker

  1. Hm, eigentlich wollte ich das hier unbedingt haben, weil ich von der Bücherdiebin so begeistert war…Dann werde ich es mir wohl erstmal aus der Bücherei anschauen und reinlesen…

    lg, Cara

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    1. das ist sicher kein schlechter plan, weil das buch auch etwas ungewöhnlich im stil ist. im übrigen sind die ersten seiten des buches eigentlich ganz witzig, in dieser art geht der inhalt aber nicht weiter.

      lg
      fs

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  2. Ich schließe mich den vorangegangenen Meinungen an: Moralkeulen und dick aufgetragene Botschaften in Jugendromanen sind unausstehlich. Das erinnert mich ein wenig an den Fänger im Roggen, der ja auch von aller Welt in höchsten Tönen gelobt wurde/wird und inzwischen sogar zu den Klassikern der Jugendliteratur zählt. Aber das Ende fand ich unerträglich moralträchtig, ein melancholischer oder gar tragischer Ausgang hätte dem Buch durchaus gut getan…

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    1. ach, an den fänger erinner ich mich schon garnicht mehr, habe noch ein paar szenen des films in der erinnerung…. ja, dieser (amerikanische) zwang zum guten ende passt oft nicht zum wirklichen leben….

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  3. So, verehrter Flattersatz, nun bin ich zutiefst verunsichert, denn eigentlich wollte ich es mal mit dem „Joker“ wagen, nachdem ich bei der „Bücherdiebin“ gescheitert bin… Doch jetzt werde ich das Vorhaben nochmals genau überdenken.

    Verwirrte, aber herzliche Grüße zum Wochenende

    Klappentexterin

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    1. oje oje… hoffentlich erklärt niemand einen möglichen einbruch der verkaufszahlen mit meiner buchvorstellung… *gg* aber im ernst: es ist wirklich etwas arg penetrant und simplifiziert, wie zusak hier seine botschaft vermitteln will. aber den meisten lesern scheint dies ja doch zuzusagen, die allgemeine rezeption ist ja ziemlich positiv. andererseits sucht sich ja jedes buch sein publikum (das ist nicht wertend gemeint) und das ist auch gut so.

      ich wünsch dir ein entwirrt-schönes wochenende!
      fs

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    2. Das schöne Wochenende werde ich trotz allem haben. Danke dir! Ich mag es wie du nicht, wenn ein Autor penetrant eine Botschaft übermittelt. Das genau stürzt mich ja in die Verunsicherung.
      Ja, du hast recht, jeder liest ein Buch auf seine Weise, von daher denke ich nicht, dass die Verkaufszahlen nun in den Keller kriechen, nur weil Herr Flattersatz reinen Tisch gemacht hat.

      Samstagmorgengrüße aus der Großstadt,

      Klappentexterin

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