Karin Bergrath: Tod im Anflug

So. Jetzt sitz ich hier und stell einen Gänsekrimi vor. Nachdem die Schafkrimis an mir vorbeigegangen sind, obwohl da der Bezug offensichtlicher gewesen wäre. Nicht, daß jene nicht im Regal stünden, aber sollen sie doch dort noch ein wenig warten… Frau H, die Buchhändlerin meines Vertrauens, kam heute auf mich zu: „Was ich Sie mal fragen wollte, könnten Sie mal ein Buch für mich lesen?“ – „Ja, klar.“ … und so sitz ich jetzt hier und stell einen Gänsekrimi vor.

Aber es gibt eine Überraschung: das Büchlein ist recht kleinformatig, es sind kurze Kapitel, zum Teil sind sie ganz witzig geschrieben, ein paar ornithologische Facts kann man auch daraus schöpfen, ohne daß es gleich belehrend wirkt und in toto liest es sich ganz flott, so flott, wie es eben geschrieben ist. So revidier ich daher mein obiges Vorurteil, zumindest, was die Lesbarkeit angeht…

Worum geht es in dem Buch? Die Handlung ist auf einem Campingplatz am See angesiedelt bzw. dem davor liegenden Gewässer, dieses besiedelt von Gefiederträgern aller Art (.. so auch von Zeitungsenten, die für die Verbreitung der News zuständig sind….). Und einer der ihrigen wurde schändlich ermordert, der Reiher Neptunus. Da Vögel auch nicht anders sind als Menschen, hebt das große Palaver unter ihnen an, wer und wie und wo und warum und überhaupt ist ein Untersuchungsausschuss zu bilden. Spätestens jetzt ist es Tom, dem Grauganter klar, daß er eingreifen muss, denn a) mit dem Ausschuss, das wird eh nichts und b) hat er durch fleißiges TV-Studium von Magnum und CSI Las Vegas eine gewisse Vorbildung für die Aufklärung von Verbrechen. Und so macht er sich mit seinem Kumpel Roi, dem verfressenen, immer sein Gefieder trocknenden Kormorankumpel auf, Zeugen zu suchen und zu befragen….. ach, wenn´s nur so einfach bliebe… weitere Leichen tauchen auf und als dann auch ein Unbefiederter dran glauben muss, treten auch die Humansheriffs auf den Plan. Nun haben die Gefiederten den großen Vorteil, daß sie die menschliche Sprache verstehen, wenn sie sie auch nicht sprechen, zudem sind sie recht unauffällig, zumindest würde niemand der Flügellosen vermuten, daß sie vom ermittelnden Ganter, der unter dem Deckmantel der Verfressenheit immer in ihrer Nähe weilt, belauscht werden.

So jagt denn auch ein Vedächtiger den Nächsten, es geht in rasantem Tempo durch die Geschichte und – wie soll man sagen: Ente gut, alles gut, nein passt nicht so ganz, eher: Gans gut, dann Ente gut und alles gut…. denn die Humansheriffs können zwar viel ermitteln, tappen aber, was das entscheidende Beweisstück angeht, im Dunkeln und wenn überhaupt kann es nur Tom mit Hilfe seiner gefiederten Freunde finden…..

Als Krimi ist das Geschichte eine typische „Whodunnit“, das Verbrechen ist klar (was red ich im Singular, ganze Abgründe an Verrat und Betrug tun sich auf…), es gibt Verdächte en masse und mühsam ist des Ermittlers Arbeit. Daß Bergrath die Haupthandlung von den Gefiederten tragen läßt, gibt ihr Gelegenheit für den einen oder anderen Seitenhieb auf menschliche Eigenheiten, es läßt ihr auch den Spielraum, um über z.B. Missverständnisse sprachlicher Art dem Handlungsfaden einen zusätzlichen Kick zu geben. Akzeptiert man also die Grundidee, einem menschelnden Ganter die Hauptrolle zu überlassen, hält man einen Krimi in der Hand, der mit hohem Tempo und relativ wenig Anstrengung locker zwischendurch gelesen werden kann, ohne daß jetzt an tiefgründige existentielle Fragen gerührt wird. Wer jedoch mit diese „fabulösen“ Ansatz nichts anfangen kann (so wie im Grunde ja auch ich), der findet im Regal mit Sicherheit auch anderes an Lektüre, das ihm die Zeit unterhaltsam ausfüllen kann…..

Facit: wenn man´s mag, eine locker bis witzig geschriebene Unterhaltungslektüre für zwischendurch, wenn man „Krieg und Frieden“ gerade beendet hat und mit dem „Ulysses“ noch bis morgen warten will…..

Karin Bergrath
Tod im Anflug
Scherz Verlag, 2011, HC, 304 S.

3 Kommentare zu „Karin Bergrath: Tod im Anflug

  1. hallo! ich bin von deinem roman ganz begeistert für mich war es zum schmunzeln und trtzdem spannend.habe das buch von meinem sohn bekommen und das schöne ist wir heißen auch bergrath. weiterhin viel erfolg!

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  2. Ich glaube, dieses Buch würde ich mir nicht kaufen, aber wenn ich es irgendwann mal in einem Ferienhaus oder dergleichen entdecke, werde ich es wahrscheinlich zur leichten Unterhaltung lesen.
    Tierkrimis scheinen immer beliebter zu werden: Schafskrimis, Hundekrimis und nun auch ein Gänsekrimi… ich erwarte da nichts Großes, doch manchmal lasse ich mich gerne von solchen Büchern berieseln :)

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    1. .. nicht zu vergessen: Sneaky Pie Brown… obwohl ich jetzt nicht weiß, ob der nur schreibt oder auch ermittelt. bin zu faul, ans Regal zu gehen… *gg*

      Aber genau dafür ist so ein Buch ideal: lesen, um zu entspannen, ab und an mal grinsen und abends dann einen Wein oder Sekt trinken….

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