an.gesehen: Courbet – ein Traum von der Moderne

13. Januar 2011

Schon sehr schön. In der Schirn-Kunsthalle geht die große Courbet-Ausstellung (ca. 100 Exponate) langsam dem Ende zu, aber immerhin kann man sie sich noch bis Ende des Monats anschauen – ein Besuch, der sich lohnt. Das große, übergeordnete Motto der Ausstellung [2] war es, Courbet als Maler der Träumenden, der sich in der Innenschau Befindlichen, der in sich Versunkenen darzustellen. Und wirklich, auf vielen Bildern (vor allem Porträits) ist zu erkennen, daß die Personen nicht auf den Betrachter schauen, sondern wie abwesend zur Seite.

Courbet, vielleicht ist der Name garnicht so geläufig. Die Führung (sehr nett und kompetent durch die unscharfe Dame im blauen Dress) zeigt auf, auf wie vielen Gebieten der Maler ein Vorreiter war, sowohl hinsichtlich seiner Maltechnik (z.B. gibt es mit Finger getupft-gemalte Bilder, Werke, in denen der Farbauftrag mit Spachteln erfolgte), seiner Motive (er malte die einfachen Leute, Bilder mit Bauern und Schweinen, mit Frauen, deren emanzipierte erotische Erwartung er darstellte und die für die feine Gesellschaft eine deftige Provokation waren) und seiner Bildkompositionen (weglassen traditioneller Bildelemente z.B. bei seinen Wellenbildern, bei denen er nur noch die Welle malte, kaum Hinter- oder Vordergrund). Eine seiner größten Provokationen lieferte wahrscheinlich sein Bild vom „Ursprung der Welt/ l’origine du monde„, das, von einem türkischen Diplomaten in Auftrag gegeben Jahrzehnte lang hinter Vorhängen oder extra angefertigten „Kaschier-Bildern“ verborgen wurde [1]. Wie die Führerin erzählte, wird es z.T. auch bei Ausstellungen verhüllt, so daß jeder für sich entscheiden kann, ob oder ob nicht….

Mit meiner kleinen, sehr praktischen Fotokamera bin ich natürlich nicht in der Lage, Bilder zu machen, die den Gemälden gerecht werden. Aber als Erinnerung taugen sie allemal, und mehr soll es ja nicht sein….

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Ach ja… die Bahnfahrt (Privatbahn, nicht Bundesbahn … ob es bei der natürlich anders ist, weiß ich auch nicht….) nach Frankfurt ist auch so ein Erlebnis gewesen. Ich will nichts gegen den Zug sagen, neu und sauber, das war nicht das Problem. Nur: wo bekommt man denn heutzutage Fahrkarten, wenn man auf einem kleineren Bahnhof einsteigen will? Am Bahnsteig selbst weder ein Automat (noch ein Fahrplan….) oder Hinweis darauf, auch im Zug nicht. Und dann kommt irgendwann die Schaffnerin und macht ein bedenkliches Gesicht… nein, es war eine ganz nette, die uns dann aufgeklärt hat, daß man in solchen Fällen aktiv im Zug herumlaufen muss, um den Schaffner zu suchen! Heureka! Wer sich setzt, fährt offiziell schwarz. So ist das! Na ja, sie war eine nette und hat uns anstandslos die Fahrkarten verkauft. Nein, anstandslos auch nicht. Ihr Kommentar: „Ach du ****, ist das teuer! Das kann doch nicht sein, so viel, da muss ich noch mal rechnen…. das ist mir jetzt aber peinlich…“. Es ist wirklich teuer, kein Wunder, daß man üblicherweise das Auto bevorzugt…… Auf der Rückfahrt wurden wir dann Zeuge, wie ein männlicher Kollege unserer Schaffnerin dann bei einer jungen Frau gegenüber, der ähnliches geschah wie uns am Morgen (Fahrschein? wie und wo?) sehr aggressiv und fast ausfallend wurde…. auch keine Werbung fürs Bahnfahren…

———————————

[1] Metken G: Der Ursprung der Welt, Prestel 1997

[2] Klaus Herding, Max Hollein:
Courbet – ein Traum von der Moderne
Hatje Cantz Verlag, 2010

[3] bei youtube: Beiträge von kulturzeit und der Deutschen Welle

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4 Responses to “an.gesehen: Courbet – ein Traum von der Moderne”

  1. Karin Says:

    Lieber Flattersatz,

    zweimal war ich in dieser schönen Ausstellung, aber nicht wegen des Ursprungs der Welt, sondern vlt. auch der schönen Irländerin wegen, der Muse Whistlers….und die eine Frau, deren Füße und Beine sich in der Quelle spiegeln, das Bild ist in ihrem kleinen Video zu sehen, war hinreißend gemalt. Die Bilder sind ganz schön pornographisch….zur Kunst stilisiert…als Fotos wären sie ein Skandal…… aber die Herren Sammler wußten schon, was sie sehen wollten -:)))
    wobei wieder die Frage auftaucht, woher die Scham beim Betrachten eines Bildes wie des Ursprungs….. steckt in uns allen immer noch das Feigenblattdenken?
    Ich habe das Begräbnis in Ornans aus dem Musée d’Orsay vermißt….

    lieber Abendgruß
    Karin

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    • flattersatz Says:

      ja, sie sitzen, liebe karin, einfach näher an diesen museen dran als ich hier auf dem hügeligen (nicht flachen!) land…

      Die Bilder sind ganz schön pornographisch

      hmmm… ich glaube, pornographie und schönheit haben zumindest eine kleine gemeinsamkeit, sie entstehen oftmals erst im auge des betrachters. ich empfinde die bilder nicht als pornographisch, selbst das pornographische motiv des „ursprungs“ nicht. in der literatur kommt dieser vermeintliche widerspruch ja des öfteren vor gericht und wird dort auch oft (gottseidank ist dies so) zugunsten der kunst entschieden. wäre allein die abbildung nackter körper und/oder geschlechtsteile pornographisch, hätten manche medizinischen fachbücher auch zu kämpfen… ;-)

      beim betrachten berührt ein bild natürlich die eigene psyche, ob mir ein bild gefällt oder nicht, verrät ja auch nach außen etwas über mich, etwas, was ich vllt garnicht verraten haben will…

      liebe grüße
      fs

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  2. Karin Says:

    Lieber Flattersatz, ich meinte diese Bemerkung „pornographisch“ nicht abwertend….auch in den ganz alten Kulturen wurde Nacktheit immer wieder verewigt…..
    da die meisten Künstler Männer waren, ist es natürlich auch ihr Blick, den sie umgesetzt haben und natürlich auch der Wunsch der Auftraggeber, die auch wiederum Männer waren.
    Der Ursprung war ja in dem Salon, in dem es hing, hinter einem Vorhang verborgen……hatte schon eine sexuelle Konnation….
    Und selbstverständlich ist es genial gemalt…es ist große Kunst…auch die Badende, von der ich sprach…..

    Kunst darf alles…… ist dem wirklich so?

    Ihr letzter Absatz……ist schön zu lesen….-:)))

    einen lieben Gruß
    Karin

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    • flattersatz Says:

      liebe karin,

      jetzt antworte ich ihnen doch noch einmal, weil ich gerade heute ein so passende stelle für dieses thema gefunden habe. Jules A. Barbey d´Aurevilly sagt in seinem vorwort zu den „Diabolische Geschichten“ so überaus treffend: „… daß wahrhaft große Maler alles zu malen vermögen und daß ihre Malerei hinlänglich moralisch ist, wenn sie tragisch ist und Entsetzen udn Abscheu einflößt vor dem, was sie schildert.“ So wird es sein, gemalt, um die reinen Seelen zu erschrecken…. ;-)

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