Halbey, Hans Aldorf (Hrsg.): Museum der Bücher

Zwischen den Jahren ist mir dieses kleine Büchlein wieder mal in die Hände gefallen. Es geht normalerweise etwas unter, da es im Regal seinen Platz zwischen Schwergewichten, was Format und Umfang angeht, hat, wo es doch selbst so ein kleiner Schatz ist…

Es ist ein imaginäres Museum voll mit subjektiv ausgewählten Büchern der letzten Jahrhunderte, die die jeweiligen Autoren der Kapitel vorstellen und auch in einen Gesamzusammenhang stellen, der die historische Bedeutung hervorhebt und auch geschichtliche Entwicklungen aufzeigt. Besonders augenscheinlich wird dies bei den Encyclopädien und Lexika, die ja immer auch einen Zeitgeist transportieren wie die Diderotsche vorsichtig schon den der Aufklärung (im Gegensatz zur „zopfigen Gelehrsamkeit“ von Zedlers Großem Universallexikon). Atlanten und Kartenwerke spiegeln Wissen und Vorstellungswelten der damaligen Menschen, besser gesagt, der gebildeten unter ihnen, denn natürlich waren Bücher früher keine Massenware wie heute. Trotzdem hat es schon vor Jahrhunderten international agierende Verleger gegeben, bei denen Bücher erschienen und die diese in ganz Europa vertrieben. Enzyclopädien wie der der Brockhaus waren eher für die „feineren Circel“ bestimmt, andere, wie das Damen-Conversationslexikon von Herloßsohn (1834/38) für eine bestimmte Gesellschaftsgruppe.

Insgesamt werden in dem Büchlein 75 Bücher aufgeteilt in 10 Kategorien (mit jeweils einem Beispiel) vorgestellt und beschrieben:

  • Bibel (z.B. die biblia latina (Gutenberg-Bibel))
  • Literatur (Dantes La Comedia in einem Druck von 1497)
  • illustrierte Bücher (Rabelais: Gargantua in einer Ausgabe von 1947, illustriert von Derain)
  • Kinder- und Jugendbücher (eine Ausgabe der Nibelungen von 1908 in Gerlach´s Jugendbücherei (ich weiß, ein Deppenapostroph, er steht aber so da….))
  • Lehrbuch und Fibel (Ziehnerts Kleines ABC- und Lesebuch in einer Ausgabe von 1815)
  • Wissenschaftswerke (Ptolomäus: Cosmographia in einem Druck von 1482)
  • Tafelwerke (Goya: Los Caprichos in einer Ausgabe von 1799)
  • Almanache und Taschenbücher (Jacobi: Das Überflüßige Taschenbuch für das Jahr 1800)
  • Encyclopädien und Lexika (hier die schon erwähnten Zedler, Brockhaus, Diderot) sowie
  • Atlanten (Breidenbach/Reuwich: Peregrinatio in terram sanctam, Folio, 1486) vorgestellt und charakterisiert, ferner gibt es noch
  • zwei Kapitel über Bucheinbände und Buch und Kunst.

Bei all seinem interessanten Inhalt ist das Buch selbst ein kleines Schätzchen. Überhaupt war diese Reihe der „Bibliophilen Taschenbücher“ aus dem Harenberg Verlag (der jetzt zur Spiegel-Gruppe gehört und sich auf die Herausgabe von Kalendern konzentriert) eine wunderschöne TB-Reihe, die sich seinerzeit zu sammeln lohnte. (Es ist erstaunlich, daß man beim Googeln nur auf Verkaufsanzeigen trifft, hat sich denn all die Jahre niemand mal über diese Büchlein geäußert?). Man konnte sich damals in den verschiedensten Interessengebieten eine wunderhübsche Sammlung „alter“ und schöner Bücher zulegen, auch manch wunderliches wurde veröffentlicht. Natürlich „litten“ die Abbildungen in den Ausgaben ein wenig unter der Größe der Bücher (so auch hier im Jubiläumsband 500), weil dadurch die Abbildungen natürlich recht klein bleiben mussten, doch tat dies der Freude, so ein Bändchen in der Hand zu halten, keinen Abbruch.

Auch dieses Museum der Bücher ist nur noch antiquarisch erhältlich, aber für einen Bücherfreund, der sich selbst oder jemandem anderen etwas Schönes schenken will, ist das ja auch nicht schlecht…..

Halbey, Hans Aldorf (Hrsg.):
Museum der Bücher
Die bibliophilen Taschenbücher Bd. 500
Harenberg, 1986, 471 S.

2 Kommentare zu „Halbey, Hans Aldorf (Hrsg.): Museum der Bücher

    1. wie schön, daß du dir das büchlein hier angeschaut hast, aber du warst zu früh, weil ich meine beschreibung im nachhinein etwas dürftig fand und gerade eben erweitert habe….

      ich wünsch auch dir ein schönes wochenende!
      liebe grüße in die große stadt
      flattersatz

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