Peter J. Kraus: Joint Adventure

Ich sollte mir wirklich mal notieren, wie ich an welche Bücher komme… dies hier ist auch so ein Exemplar, keine Ahnung, wo ich davon gelesen habe, aber es lag in meiner Buchhandlung im Abholfach, mit meinem Namen. Na also.

Wie schon Boyle in seinem „Grün ist die Hoffnung“ hat auch Krauss Nordkalifornien, Humboldt Country, als Schauplatz seines Krimis gewählt.

Rasta Jimmy, der kiffende, lebensfrohe Rastafarian in der falschen Hautfarbe, mit blonden Dreadlocks geschmückt, muss eben diese abschneiden, weil das FBI sich an einem Toten stört, der 100 m über ihm in einem Redwood hängt. Und unter dem Redwood wächst und reift das, was Rasta Jimmy Geld und Erfolg bringen soll: Hanf, Ganja, Marihuana oder wie auch immer man den Stoff nennen soll.

Also trouble in Rasta Jimmys Revier, zur ungünstigsten, weil Erntezeit. Der FBI-Schnösel ist hartnäckig und Ollie, der örtliche Sheriff, der von den kleinen oder auch nicht so kleinen Geschäften mit den Plantagen weiß, kann ihn einige Zeit hinhalten, schließlich braucht man ja selber Ruhe im eigenen Hinterhof. Obwohl, als sich das Problem mit dem FBI-Agent dann unerwartet doch löst, fängt der Spaß erst richtig an….

Was auf den ersten Seiten den Eindruck einer locker-flockigen Kiffer-Geschichte macht, wächst sich mit diesem Ereignis zu einem ziemlich harten und pessimistischen Krimi aus, der zunehmend an Fahrt gewinnt und alles andere außer Lesen zur Nebensächlichkeit verurteilt. Jimmy, der nicht auf den Kopf gefallen ist, weiß sich zu wehren, er versteht es, eine zeitlang persönliche Verluste und Gewinne auszugleichen. Aber irgendwann überschreitet er eine Grenze, die ihm, der alttestamentarisch [1] erzogen wurde, klar macht, daß Buße Leid bedeutet. Großes Leid.

In den fast undurchdringlichen Wäldern Nord-Kaliforniens macht fast jeder sein Geschäft mit dem Stoff. Und keiner vertraut dem anderen, es geht knallhart her, gerade zur Erntezeit. Mexikanische Banden ebenso wie die örtlichen Würdenträger, alle verdienen sich dumm und dusselig an dem Zeug, verstehen aber keinen Spaß, wenn sie bei der Arbeit gestört werden. Kraus macht den Eindruck, als wisse er, wovon er schreibt, er läßt seinen Helden wie einen Rächer durch die Landschaft ziehen, immer unerbittlicher, skrupelloser und härter. Aus dem lebensfrohen Kiffer wird ein von allen gejagtes Wild, das nicht mehr fragt, sondern nur noch handelt, im sicheren Wissen um das Ende der Reise. Er beißt um sich wie ein tollwütiger Hund, hoffend, nach dem letzten Coup doch noch zu entkommen, wissend, daß dem nicht so sein wird. Und dann ist da noch …. nein, schreib ich jetzt nicht, selber lesen, denn:

Facit: nach einer kurzen Aufwärmphase erzählt Kraus eine tierisch spannende Geschichte, die einen so richtig packt!

[1] Die Charakterisierung seiner Mutter durch Kraus muss ich jetzt einfach zitieren, weil ich sie für entlarvend halte für eine der amerikanischen Grundhaltungen: „Als wiedergeborene Fundamentalchristin war Jesus Christus zwar ihr Retter, aber zu Hause hatte sie für das linksliberale Gefasel im Neuen Testament nichts übrig.

[2] zur Bedeutung des Cannabis-Anbaus läßt sich dieser Artikel der NYT aus. Ein Zitat lautet: Ironically, the government’s international war on drugs proved an enormous boon to marijuana cultivation in the United States. By 2002, as much as 10,000 metric tons of cannabis were cultivated annually, according to a government estimate. Jon Gettman, a criminal justice scholar, used this figure to argue that marijuana had become the nation’s biggest cash crop, with a conservative value of $35 billion at a time when the corn harvest was $23 billion and soybeans $17.6 billion. zitiert nach hier.

Peter J. Kraus
Joint Adventure
Conte-Verlag, 2010, brosch, 210 S.

4 Kommentare zu „Peter J. Kraus: Joint Adventure

  1. Vielen Dank; schön, wenn das Erhoffte eintritt. Die überchristliche Mutter ist genau aus dem erkannten Grund drin: als langjähriger Kalifornier kenne ich viel zuviele von der Sorte.

    Von einheimischen Rastas ganz zu schweigen.

    Gruss,
    Peter J. Kraus

    Gefällt mir

    1. Ooops, eine freudige Überraschung am Morgen, der Autor selbst… Herzlichen Dank für den Kommentar! Ja, das könnte man auch, Ihren Roman als eingeflochtene Gesellschaftskritik lesen und Schilderung kalifornisch/amerikanischer Interna. Eine ziemliche Schlangengrube jedenfalls und auch in Jimmy ruht ja dieses eingepflanzte, fundamentale „Wissen“ um das, was Gott gefällig ist…. beim zitierten Satz gefiel mir die Formulierung einfach gut, zielgenauer kann man wohl die Einstellung der Auge-um-Auge-Fraktion nicht treffen.

      viele grüße ins sonnige (?) Kalifornien
      fs

      Gefällt mir

Datenschutzhinweise: Die Kommentarangaben werden an Auttomatic, USA (die Wordpress-Entwickler) zur Spamprüfung übermittelt und die E-Mailadresse an den Dienst Gravatar (Ebenfalls von Auttomatic), um zu prüfen, ob die Kommentatoren dort ein Profilbild hinterlegt haben. Zu Details hierzu sowie generell zur Verarbeitung Ihrer Daten und Widerrufsmöglichkeiten, verweisen wir Sie auf unsere Datenschutzerklärung. Sie können gerne Pseudonyme und anonyme Angaben hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.