Markus Pletz: Wege der Trauer

Ich weiß garnicht mehr, wie ich zu diesem Buch gekommen bin. Aber es ist auch egal, ich bin froh, daß ich es besitze. Es ist ein sehr ruhiges, einfühlsames Buch mit intensiven Bilder von Menschen, die ihren Partner verloren haben und lernen mussten/müssen, mit dem Verlust, mit der Trauer, mit diesem Schmerz zu leben. Markus Pletz, Fotograph aus Mainz und ehemaliger Krankenpfleger, läßt seinen Menschen viel Raum, seine Fragen an sie sind eigentlich weniger Fragen als mehr Anregungen zum Reden, Stichworte zum Erzählen, zum Nachdenken, zum Reflektieren. Man merkt es den Antworten an, sie führen vorsichtig tastend in die eigene Seele hinein, öffnen sich dem Fragenden gegenüber und schenken ihm das Vertrauen, über Schmerz und Einsamkeit zu reden. Dieser Raum, den der Autor seinen Personen gibt, drückt sich auch im Buch durch die großzügige Seitenaufteilung aus.

12 solcher Interviews führt Pletz, mit Männern und Frauen. Offen legen diese ihre Trauer dar, wie sie gelähmt worden sind vom Schmerz, den Boden unter den Füßen verloren haben. Aber auch, wie sie gelernt haben, daß das Leben weitergeht und sie sich auch wieder für neues, ja, auch für einen neuen Partner, öffnen können. Trauer ist ein Prozess, dies eine Konstante in all den Gesprächen, der nie zu Ende geht, der viel auch mit Erinnern, mit Erinnerung zu tun hat und Bewahren, aber auch mit Weiterleben.

Manchmal wird der Tod auch als Erlösung empfunden von Leid und Schmerz eines qualvollen Leidens: „Für ihn war es die ersehnte Erlösung von seinem Leiden und für mich die Erlösung von einem unerträglich langen, schweren Zustand. Ich erlebte das wie ein Wiedergeborenwerden.„. Hier äußern sich Schmerz und Trauer anders bei anderen Toden, der Tod kann auch Befreiung bedeuten.

„Wege der Trauer“ ist ein stilles Buch, eins, das man nicht einfach durchliest. Die geschilderten Schicksale rühren an, sie zeigen aber auch, daß man mit solchen Verlusten umgehen kann, daß man Hoffnung schöpfen kann, daß man ihnen Zeit lassen muss, sich neu zu entwickeln und zu entfalten. Der Tod eines Partner reißt dem Verbleibenden immer den Boden unter den Füßen weg, diesen wiederzufinden gibt Pletz´ Buch Beispiele und Mut.

Facit: Ein Mutmacher für Betroffene, ein einfühlsames Buch für alle anderen

Markus Pletz
Wege der Trauer
Gerstenberg, HC, 2004, 156 S.

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