Stiftung Baukultur Rheinland-Pfalz: Gebauter Aufbruch

Am 3. September, also heute, wird in Mainz die neue Synagoge [3, 4] eingeweiht [5]. Die 1912 erbaute Hauptsynagoge wurde von den Nationalsozialisten im Dritten Reich zerstört [1, 2]. Aus Anlass dieses Neubaus [6] wurde in Mainz eine Ausstellung veranstaltet, die sich den in den letzten Jahren wieder neu erbauten Synagogen in Deutschland widmet. Diese sind nur selten völlig neu entstanden, in der Mehrzahl füllen sie die Lücken aus, die durch die Zerstörung der alten Bauten vom gut 70 Jahren entstanden. In zwei vorgeschalteten großen Textbeiträgen wird auf die „Geschiche der Juden in Rheinland-Pfalz nach 1945“ sowie allgemein auf die „Geschichte der Synagogen in Deutschland“ eingegangen, ferner wird der Architekt des jüdischen Gemeindezentrums Mainz interviewt.

Im Bildteil werden Synagogenneubauten in insgesamt 19 deutschen Städten (Aachen, Bamber, Berlin, Bielefeld, Bochum, Chemnitz, Dresden, Duisburg, Gelsenkirchen, Hannover, Kassel, Krefeld, Lörrach, Mainz, München, Schwerin, Speyer, Trier und Wuppertal) mit Grundriss, Bildern und Beschreibung vorgestellt.

Das Buch ist sicherlich kein „must-have“. Mich hat es interessiert, weil mich nach einem kurzen Berlin-Besuch im Frühjahr dort sowohl der Libermann-Bau des Jüdischen Museums (in Mainz baute ein Libermann-Schüler, was man irgendwie sofort sieht…), die Ruine der alten Hauptsynagoge und auch das umstrittene Holocaust-Denkmal (trotz aller Kritik) sehr beeindruckten:

Blick auf das Holocaust-Denkmal 
bei Nacht und Schnee....

Zusammen mit der Reichsprogromnacht und der Bücherverbrennung ist die Zerstörung der jüdischen Gotteshäuser sicherlich eines der für jedermann am sichtbarsten Zeichen gewesen, was für eine Art Regime Hitler aufbaute. Man hätte es sehen können, man hätte es wissen können. Nur: diejenigen, die es gesehen haben, hatten schon damals Angst, sich zu melden und aufzubegehren, weil sie die Repressionen und die Gewalt der Machthaber fürchten mussten. Ein Fakt, den man auch in vielen Romanen, die diese Zeit behandeln, erzählt bekommt. Wegen dieser Vergangenheit ist es wichtig, nicht nur die bauliche Lücke zu schliessen, sondern auch zu signalisieren, daß jüdisches Leben in Deutschland wieder normal wird und Zukunft hat (denn man baut solche Gebäude nicht nur für ein paar Jahre), daß man ungeachtet von ein paar Wirrköpfen auch Vertrauen hat in unser Land.

Zurück zum Büchlein: Wenn man sich, aus welchem Anlaß auch immer, für jüdische Geschichte im (modernen) Deutschland interessiert findet man hier eine Fülle von Details über die in den letzten neu erbauten Synagogen, die oftmals architektonisch sehr interessant sind, weil sie durch ihren auch äußerlich sichtbaren symbolhaften Charakter aus dem Bild zweckorientierter Stadtarchitektur herausragen.

Facit: klein, aber fein….

Links:

[1] Bilder der zerstörten Hauptsynagoge in Mainz
[2] Zur Geschichte der Mainzer Synagogen und der jüdischen Gemeinde in Mainz
[3] Bilder der Neuen Synagoge
[4] Wiki-Artikel zur Neuen Synagoge
[5] Einweihung der Neuen Synagoge
[6] ein paar Bilder von der Synagoge habe ich beim Tag der offenen Tür gemacht

Stiftung Baukultur Rheinland-Pfalz (Hrsg)
Gebauter Aufbruch
Neue Synagogen in Deutschland
Schnell&Steiner, 2010, 152 S.

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