Schola Uncinus/Wolfgang Saus: VOX – Geistliches Konzert in der Klosterkirche

9. August 2010

Der Kultursommer Rheinland-Pfalz lud/lädt u.a. auf Kloster Arnstein an der Lahn zu diversen Veranstaltungen „conceptio per aurem“ ein, das Konzert der Salzburger Virgilschola, über das ich neulich schon schrieb, gehörte ebenfalls in diesen Reigen.

Gestern waren zwei ganz besondere Veranstaltungen, zumindest für mich. Unter Obertongesang konnte ich mir bislang nicht viel vorstellen, ist mir das musische doch allgemein eher fremd. Mit Wolfgang Saus gab es jedoch einen Referenten und Sänger, der in einem sehr interessanten und spannenden (und vor allem auch unterhaltsamen) Vortrag die Grundlagen der Gesangstechnik erläuterte. Da er mit einem Programm via PC Töne und Klänge in ihre Frequenzen zerlegen konnte und dies dann per Leinwand zeigte, konnte man genau verfolgen, was er mit seinen Erklärungen meinte. Und selbstverständlich haben wir alle nach seinen Anweisungen kräftig obertönig geübt…

Um zu verstehen, was Obertongesang bedeutet, muss man sich klarmachen, daß die menschliche Stimme kein kontinuierliches Frequenzspektrum erzeugt, sondern einen Grundton mit den entsprechenden Obertönen. Bei Saus konnten wir an der Leinwand nachzählen, es waren so um die 30 Obertöne zu finden. Von diesen immer vorhandenen Obertönen des Grundtons kann ein Obertonsänger nun bestimmte Obertöne hervorheben, in dem er die anderen Obertöne unterdrückt. Im Ergebnis klingt es für den Hörer also so, als ob der Sänger mit zwei Stimmen gleichzeitig singt…. es ist faszinierend! Im übrigen ist es kein Wunder, wenn die Obertonstimmen einem Pfeifen ähnlich sind, die menschliche Stimme produziert Pfeiflaute (so habe ich die Saus´schen Erläuterungen verstanden), die erst im Gehirn zu Buchstaben, Lauten, Worten umcodiert werden….

Da durch gezielte Änderungen des Resonanzraums (Mund-/Rachenraum) wie Lippenstellung, Lage und Haltung der Zunge, Anspannung der Muskulatur etc pp… der gesungene Oberton beeinflusst werden kann, ist es dem Sänger also möglich, zur gleichen Zeit zwei verschiedene Melodien zu singen, eine mit dem Grundton, eine andere mit dem Oberton…. Die Mitschnitte auf youtube sind von der Klangqualität leider nicht sehr gut, trotzdem geben sie einen Eindruck. Auf diesem Video spielt Saus die Sansula, mit der er auch gestern im Kloster Arnstein vortrug.

Anschließen war dann das Konzert in der Klosterkirche mit den Auszügen aus Gregorianischen Chorälen. Den nachfolgenden Absatz habe ich nach dem Einladungstext gekürzt, nur daß sich niemand wundert… mein Wissen über diese Choräle ist zu gering, als daß ich da halbwegs fundiert drüber schreiben könnte, ich lasse einfach die Musik auf mich wirken, nehme die Stimmen und die Stimmungen wahr und dies trägt mich durch so ein Konzert und ich fühl mich hinterher einfach gut. Aber jetzt zum Text:

Durch die Schola Uncinus (2009 durch Inga Behrendt gegründet), bei diesem Konzert mit nur weiblichen Vokalistinnen besetzt, wurden Gesänge aus dem Repertoire des Gregorianischen Chorals vortragen, die das Wort VOX enthalten. Diese Gesänge besagen, wie Gott seine Stimme ertönen lässt, wie mehrere Menschen einen Lobpreis singen und wie ein einzelner Mensch flehentlich ruft: Der Schrei Hiobs wurde in einem eindrücklichen Gesang vorgetragen, der den Sängern große Stimmfertigkeit und Flexibilität bei einer sehr umfangreichen Gesangpartie abverlangte. Texte zum Thema VOX wurden von Gresch, dem Organisator der Veranstaltung, rezitiert. Die drei Sängerinnen wurden durch Saus mit seinem Obertongesang begleitet.

Tja, die Schola Uncinus gibt es leider ohne Bild, ich hatte meine Kamera vergessen… Abgesehen davon hätte es die wunderbare Atmosphäre während des Konzertes in der Kirche auch gestört, das dann laut vernehmliche Klicken…..

Zum Abschluss kann ich jedem, der noch nie Obertongesang gehört hat, dieses Klangerlebnis empfehlen und ein Konzert mit gregorianischen Chorälen sowieso…

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