Nicolas Sparks: Wie ein einziger Tag

Dieses 1996 erschiene Buch ist der Erstling des amerikanischen Autors N. Sparks. Er erzählt die Geschichte eines Liebespaares, indem er zwei Zeitpunkte herausgreift, die gut 50 Jahre auseinander liegen. Mit dieser zeitlichen Teilung der Handlung zerfällt auch das Buch selbst in zwei völlig ungleiche Teile.

Der „erste“ Teil, der kurz vor und nach dem 2. Weltkrieg in Süden der USA angesiedelt ist, ist einfach nur grottig, weil er von der Sprache, vom Ausdruck, den Bildern, teilweise auch der Schwülstigkeit an x-beliebige Grotten.. ähh.. Groschenromane erinnert. Inhaltlich geht es darum, daß ein jugendliches Liebespaar durch die gegebenen Umstände getrennt wird und sich für 14 Jahre aus den Augen verliert. Die Frau sieht kurz vor ihrer geplanten Hochzeit in der Zeitung ein Bild vom Haus ihrer Jugendliebe, über dessen liebevolle Restauration berichtet wird. Sie spürt, daß sie noch einmal dorthin muss, an den Ort, zu dem Mann, bei dem sie damals die Liebe gefunden hatte….

So in etwa. Warum lohnt es sich trotzdem, das Buch zu lesen?

Wegen des „zweiten“ Teils. Dieser wird aus der Sicht eines alten, gebrechlichen, gichtigen Mannes erzählt, der in einem Pflegeheim lebt, dort als Vorleser von Zimmer zu Zimmer geht und seine Geschichten vorliest. Er ist beliebt im Heim, alle sind freundlich zu ihm und mögen ihn. Aber es geht ihm nicht gut, er schläft nur noch schlecht, hat Schmerzen, kann sich nur mühsam bewegen. Die Finger sind knotig, das Umblättern macht Schwierigkeiten, er ist einsam geworden, er ist „Tag und Nacht“ in einem, so nah und doch so unendlich fern dem Menschen, der ihm wie sein eigenes Leben war…

Natürlich merkt man schnell, daß es sich hier um das letzte Kapitel im Leben von Allie und Noah, dem jugendlichen Liebespaar, handelt, durch das uns Sparks hier mit wunderbaren Passagen führt.

Allie lebt seit einigen Jahren mit Noah in diesem Heim. Sie ist an Alzheimer erkrankt und im Wissen um das, was ihr und ihrem Mann bevorsteht, hat sie nach der Diagnose alles getan, sich möglichst gut auf diese Zeit, in der sich ihr Leben auf das Hier und Jetzt reduzieren wird, vorzubereiten. Sie hat von allen Menschen, die in ihrem Leben von Bedeutung waren, Abschied genommen, sie ist mit ihrem Mann in dieses Heim gezogen. An ihn war ihr letzter Wunsch, ihr täglich sein Tagebuch vorzulesen, sie versprach ihm, daß sie sich, auch wenn man es nicht merken würde, dadurch wieder an ihr Leben mit ihm zu erinnern….

Ich möchte jetzt garnicht mehr zu dieser Geschichte an sich schreiben.. das sollte man wirklich selber lesen (und das eine oder andere Taschentuch bereit legen…). Sparks hat hier überhaupt nichts mehr von der Schwülstigkeit der ersten Teils, fast nüchtern, resigniert, traurig, melancholisch erzählt er über den Alltag von Noah im Heim, von seinem Zusammensein mit Allie, von der Frustation, die dieser spürt, wenn sie ihn mal wieder fragt, wer er denn sei…. er erzählt von der Liebe, die Noah immer noch empfindet, tiefer noch fast wie vor 50 Jahren, er schildert die Beschwerlichkeit des Alltags und das Glück, wenn Allie gute Stunden hat, in denen sie sich unterhalten können, auch wenn sie sich nie erinnern kann an die Zeit vor dem Jetzt. Dann aber, ganz plötzlich tauchen wieder die Gnome auf, die ihr so Angst machen und Allie entschwindet ihm voller Furcht in ihre eigene Welt, die ihr zur Zwangsjacke geworden ist.

Im Grunde ist das Wort „Liebe“ für das Verhältnis von Noah und Allie zu schwach, weil es durch den täglichen „Gebrauch“ für uns alle eine Bedeutung hat, die nicht an das heranreicht, was zwischen diesen beiden Menschen herrscht, aber ein anderes Wort dafür gibt es wohl nicht. Sie haben es verstanden, ihr Gefühl über all die Jahrzehnte mitzunehmen, es nicht verkümmern zu lassen, es nicht hinter sich zurück zu lassen, diese Liebe ist Teil ihres Selbst geworden.

Sicher schrammt auch das nahe am Schmelz vorbei, aber hier hat es Sparks anders als im ersten Teil verstanden, nicht an der Oberfläche zu bleiben, sondern tatsächlich Gefühle zu vermitteln, die Liebe eines Mannes und seine Einsamkeit, Momente des Glücks und der Traurigkeit….

Facit: Wer eine ergreifende Liebesgeschichte sucht, ist im zweiten Teil des Buches sehr gut aufgehoben. Und da immer Schatten ist, wo man Licht findet, muss man den ersten Teil (quasi als Einführung) eben mitnehmen….

Nicolas Sparks
Wie ein einziger Tag
Heyne Verlag, 2000, Tb, 208 S.
ISBN 3453130510

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