Lothar Schöne: Das Labyrinth des Schattens (Autorenlesung)

Gestern war in meiner Buchhandlung die Autorenlesung von Herrn Schöne, der sein Buch: „Das Labyrinth des Schattens“ vorstellte. Eine kleine, fast intim zu nennende Runde, denn auf dem „platten Land“ strömen die Leute dann doch nicht so zu solchen Veranstaltungen, obwohl der Hunger auf Kultur vorhanden ist….

Herr Schöne, um das vorwegzunehmen, hat eine seinem Namen gerecht werdende Lesung gehalten. Aus seinem Buch hat er das einleitende Kapitel, das uns die Hauptperson, Sabina-Esther, vorstellt ausgewählt und als zweites einen Abschitt aus der Mitte des Buches, den ich auch in meiner Besprechung schon hervorhob: “Jüdischer Nonsens in koscherer Rede” in dem der Erzähler als lauschender Beobachter die Gesellschaft, die sich zum 55. Geburtstag von Salomon Bester versammelt hat, porträtiert und mit ihr das Polen im Jahre 1933.

Ich bin von Schöne, was mich etwas unvorbereitet traf, als Verfasser der Besprechung zum Buch „geoutet“ worden und das durchaus lobend…. Die Frage aus dem Hörerkreis, ob dieses zweite Kapitel ein Schlüsselkapitel des Buches sei, wurde dann vom Autor, der der Meinung war, da sei er unter Umständen ungeeignet zur Beantwortung, an mich weitergereicht… meine Antwort war ein etwas zögerliches „Ja“, denn in dem Abschnitt werden einerseits zwar die Themata des Buches angerissen: die am Horizont dräuende Gefahr für die Juden Europas durch den erstarkenden Nationalismus, mögliche Handlungsalternativen der Juden wie Assimilation oder Zionismus, auch die Frage nach dem Sinn und der Funktion des Glaubens, nach Gott gar, wird angerissen. Insofern ein Kapitel, das den Horizont der Themen, die das Buch anschneidet, umfasst.

Das zögerliche meiner Antwort ist aber mittlerweile immer stärker geworden, denn für das Buch als Geschichte der Sabina-Esther, ihrer Konfrontation mit ihrer jüdischen Vergangenheit, ist dieses Kapitel … nicht irrelevant, das nicht, aber …. es ist ein wenig wie ein Einschub im Buch, ein Teil, zur Erläuterung der Kulissen, in der sich alles abspielt, sinnvoll, aber über das Buch und seine Handlung erzählt der Abschnitt wenig. Nichts weiteres erfahren wir über Sabina-Esther, über Tovosch, Leibisch und seinen Jugendfreund, den Rabbi, den Sabina-Esther jetzt wieder trifft, nichts auch über den geheimnisvollen Esra Dreichwerd… und so denke ich jetzt, daß jemand, der das Buch nicht kennt, aus den vorgelesenen Abschnitten keinen repräsentativen Eindruck vom Inhalt, von der Erzählung, von den verschiedenen Zeit- und Bewusstseinsebenen, auf denen es spielt, bekommt.

Natürlich wäre es interessant zu erfahren, unter welchen Gesichtspunkten der Autor selbst seine Lesung gestaltet hat.. leider fallen einem solche Fragen immer erst am nächsten Tag ein….

Meine Gedanken klingen jetzt sehr nach Kritik und geben daher ein einseitiges Schlaglicht auf die Lesung. Nein, es war schön, Herr Schöne hat gut gelesen, das Einführungskapitel macht all diejenigen, die das Buch nicht kennen, neugierig auf das weitere Schicksal der Protagonistin und das zweite, von mir unter dem Gesichtspunkt der Handlung mehr als Einschub in das Buch empfundene Kapitel ist ein sehr amüsantes, launiges, humorvolles Porträts einer Gesellschaft, die schwarze Schatten am Horizont aufziehen sieht und sich ihrer eigenen Möglichkeiten und Grundlagen nicht mehr sicher sein kann.

Insgesamt also ein lohnender und schöner Abend. Und das meine Besprechung so gelobt wurde.. nun, es wird mir niemand übel nehmen, daß mir das schon etwas gefallen hat…

zur Buchbesprechung von „Das Labyrinth des Schattens

Ein Kommentar zu „Lothar Schöne: Das Labyrinth des Schattens (Autorenlesung)

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